#41

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 08:48
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #1
Aber wenn z.B. die Klo's in einem erbarmungswürdigen Zustand waren



Moin,

mal zum Ausgangspunkt zurück:
Für die Reinigung gab es einen Revierreinigungplan, vorausgesetzt, die Toiletten und Waschräume waren in einem technisch guten und sauberem Zustand, für die Soldaten der KP. Wenn diese Räume also nicht i.O. waren, musste man sich an die eigenen Nase fassen.

Wie Panzer-Willy schon sagte, wir hatten damals noch keinen KP-Polit, begründete Beschwerden hatte jeder Vorgesetzte aufzunehmen und unverzüglich weiterzuleiten, meistens wurden jedoch der Spieß bzw. KC angesprochen.
Beim Thema Essen musste schon mal die Regimentsleitung eingeschaltet werden, denn nur satte Soldaten sind gute Soldaten sodass der Chef RD mal eine auf den Deckel bekam.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#42

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 08:58
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #1
Ist vielleicht ein blöde Frage, aber hatten "normale" Wehrdienstleistende irgendeine Möglichkeit, auf gewisse Sachen oder Umstände einzuwirken? ... Aber wenn z.B. die Klo's in einem erbarmungswürdigen Zustand waren oder das Essen nicht geschmeckt hat. Gab es so etwas wie einen Soldatenfürsprecher?
Gute Frage, bei deren Lesen ich irgendwie ein bißchen schmunzeln mußte!
Warum - das fiel mir dann beim letzten Wort Soldatenfürsprecher auf.
Da merkte ich, wie sich die Zeiten geändert haben: Klassensprecher, Ombudsmann, Gleichstellungsbeauftragter, Interessenvertreter, ... - alles heutige Funktionen einer Gerechtigkeitsmaschinerie, die wir früher so nicht kannten (und sie deshalb vielleicht auch nicht so vermissen konnten).
Im zivilen Leben nicht - und erst recht nicht beim Militär.
Ja, die Politoffiziere konnten, sollten und wollten so eine Art Kummerkasten sein - auch um zu erkennen, wann der "Druck im Kessel" zu groß werden würde. Diese Aufgabe haben sie zumindest in den "Linieneinheiten" ganz gut erfüllt - als politische "Einpeitscher" wären sie auch überflüssig gewesen (das kannte jeder schon bis zur Genüge).

Und dann gab es auch mal Offiziere von außerhalb, die uns Grenzern ganz locker Fragen stellten wie:
"Na Genossen, wie läuft's denn so? Wo drückt der Schuh? Was kann man besser machen?"

Und das hat man genau in der Art beantwortet, wie wir auch heute antworten, wenn ein Vorgesetzter so an uns herantritt: sachlich, mit etwas Abstand aber dem angemessenen Respekt.
Tatsächlich änderte sich da manchmal was. Und das waren Herren ,die nicht mit 'nem MfS-Sticker herumgelaufen sind sondern sich als Regiments- oder Bataillonsstabsoffiziere vorstellten. Die haben (nach meiner Erinnerung) nie nach einzelnen Personen gefragt sondern immer nach Zuständen.
Die Meldungen über Personen/Kameraden wurden sicher von anderen Informanten "eingesammelt".

Elch
P.S.:Persönlich wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mich zu beschweren. Im Zweifelsfall hieß es für mich immer: Schnauze halten und Zeit abdienen! Eine wirkliche Beschwerde hätte bei einem ungeeigneten Adressaten auch nach hinten losgehen können.


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
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zuletzt bearbeitet 15.01.2015 09:02 | nach oben springen

#43

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 09:10
von Gelöschtes Mitglied
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Wenn es auch etwas unwahrscheinlich klingen sollte, aber ich schreibe es trotzdem. Es ist zwar außergewöhnlich aber wahr. Wir hatte einen Soldaten auf der GK der schon verheiratet war und zwei Kinder hatte. Da er länger nicht auf Urlaub war hat seine Frau (an wen auch immer) einen Brief geschrieben, dass sie es ohne ihren Mann nicht aushält. Sie müsste sich mit ihrem Mann treffen, sonst ist die Ehe gefährdet.
Ich habe dann den Soldaten nach Heiligenstadt gefahren, wo er sich mit seiner Familie getroffen hat. Die Beiden sind dann in ein Hotel und ich musste mit den Kindern einen Spaziergang machen. Das war aber wimre die ein zigste Aktion dieser Art.

Der Hesselfuchs


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#44

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 09:22
von küche69 | 428 Beiträge

Hallo zusammen, an der Grenze konnte man sich beim Polit über Zustände beschweren die einem nicht gefielen, wurde dann geprüft und wenn möglich oder die Notwendigkeit bestand abgestellt. Andere Beschwerden gingen an den Spieß und wenn es ums Essen ging sagten die Kameraden mir das persönlich und es wurde dann auch abgeändert, aber das Essen war gut und es gab kaum Beschwerden. Ob uns fürs Klopapier Geld abgezogen wurde kann ich nicht sagen. Jedenfalls konnte und wurde über Missstände gesprochen.

Grüsse von Küche69

------------------
'Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehen!'



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#45

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 09:31
von Elch78 | 501 Beiträge

Nein @Merlini , so unglaublich ist das gar nicht.
Zumindest bei den "echten" Grenzern war man bei solchen Problemen schon hellhörig, und so kann ich mir das von Dir Geschilderte gut vorstellen.
Kurzschlußreaktionen von Kameraden im Streßmodus konnte und wollte man sich nicht leisten!

Aus eigenem Erleben:
Im Sommer '84 hatte ich etwas Streß mit meiner Freundin und deutete dem KC an, daß es wichtig sei, zu Hause ein Gespräch zu führen.
Ohne das Ganze zu dramatisieren! Das war auch nicht nötig, denn ohne großes Tamtam bekam ich einen VKU-Schein - da war ich selber sehr erstaunt, was so möglich war.

Andere versuchten, innerhalb eines Jahres, drei Großmütter "sterben" zu lassen, um an Urlaub zwecks Beerdigung ranzukommen. Inwiefern sowas immer von Erfolg gekrönt war, weiß ich aber nicht.

Elch


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#46

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 09:31
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Küche 69, wir hatten einen Koch der wußte nicht wie man Hammelbraten schreibt. Da hat er einfach Rinderbraten geschrieben. Ergo hatter er schon Recht, denn sonst hätten viele nicht mit gegessen. Obwohl es gut geschmeckt, haben einige denen ich es nach dem Essen "verraten" habe gesagt, dass sie es nicht gegessen hätten wenn es Hammelbraten der Tafel gestanden hätte. Warst Du auch so ein Schlitzohr???

Der Hesselfuchs


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#47

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 10:04
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Theoretisch gab es viele Möglichkeiten. Praktisch hingen sie von den persönlichen Beziehungen zueinander ab. Hier mal einige Beispiele, die zum Teil schon genannt wurden:
1. Der Dienstweg: Eine offizielle Beschwerde an den unmittelbaren Vorgesetzten (Gruppen- ggf. Zugführer) die von diesem weiter "nach oben" gegeben werden musste (!) bis eine entsprechende Antwort oder Änderung erfolgte. Ließ auf diesem Weg einer der Vorgesetzten die Beschwerde "versanden" oder wurde sie einfach abgewiegelt, führte der schnelle Vertrauensverlust dazu, dass die Leute weitere Beschwerden unterließen.
2. Außerhalb des Dienstweges: Man konnte sich, zwar regelwidrig, aber möglich, auch sofort an einen nächsthöheren Vorgesetzten wenden. Das trug Risiken in sich: Wenn ein Hammer auf die eigenen Vorgesetzten niederging, dann konnte man es sich mit denen verscherzen. Zum Teil reagierten die höheren Vorgesetzten auch verschnupft über die Nichteinhaltung des Dienstweges. Aber in der Regel wurden solche Beschwerden ernst genommen und zeigten Wirkung. Eine Häufung solcher Beschwerden war ja auch ein Anzeichen für ein mangelndes Vertrauensverhältnis. Das krasseste Beispiel in Stedtlingen (1983) - kurz bevor ich auf die Kompanie kam, hatte ein Soldat eine Eingabe an Erich Honecker geschickt. Das brachte der Kompanie eine ca. 20-köpfige Kontrollgruppe ein, die zwar nur einen der 10 Beschwerdepunktepunkte bestätigte, aber das reichte aus für Hämmer an die Vorgesetzten.
3. Partei und FDJ: In den Mitgliederversammlungen (monatlich) konnten Missstände angesprochen werden. Das Problem waren aber oftmals genau die, welche als Vorgesetzte in die Kritik gerieten und dabei in diesen Gremien in der Leitung waren. Aber ich habe auch in FDJ-Versammlungen bisweilen hitzige Debatten erlebt, die dann in der Regel durch mich, den Stellvertreter des Kompaniechefs für politische Arbeit (StKCPA) an den Kompaniechef oder die entsprechenden Vorgesetzten weitergeleitet wurden.
4. Massenkontrollen der Partei oder der FDJ: Dabei wurde der Mitgliederbestand, die Beitragszahlung, die Erfüllung von Beschlüssen etc. überprüft. Dabei gab es auch jeweils Einzelgespräche mit jedem Mitglied. Diese waren nachzuweisen! Der letzte Punkt war dann immer: "Hinweise, Vorschläge und Kritiken". Diese waren zusammenzufassen und auf dem Weg der Parteiinformation bzw. FDJ-Information an die Politabteilung zu geben. Die Bearbeitung wurde von dort auch kontrolliert. Den Turnus habe ich nicht mehr parat - FDJ einmal im Jahr, Partei alle 2 Jahre (? - sorry, vergessen - falls es jemand noch weiß, bitte korrigieren).
5. Persönliche Gespräche mit den Vorgesetzten: Es war Dienstpflicht (!), der Bitte eines Unterstellten um ein persönliches Gespräch nachzukommen. Das konnte auch delegiert werden - so konnte beispielsweise ein Kompaniechef einen seiner Stellvertreter beauftragen, wenn er selbst keine Zeit hatte. In so einem Fall fragte ich dann i.d.R. bei dem Unterstellten nach, ob er mit dieser Delegierung einverstanden sei. Das war übrigens nicht immer der Fall und wurde berücksichtigt.
6. Beschwerde beim Offizier Innerer Dienst des Regiments: Soweit ich mich erinnere war das ein offizieller Weg, der aber bei den Grenztruppen so gut wie nie gegangen wurde, da die Einheiten verstreut waren und der Offz. Innerer Dienst i.d.R. als der bekannt war, der die Leute in den Arrest schickt.

Daneben war jeder auch nicht direkt Vorgesetzte angehalten, das persönliche Gespräch zu suchen oder zuzulassen. Hauptfeldwebel und Polit einer Kompanie taten immer gut daran, die Stimmung in der Kompanie zu kennen.

Wenn zu mir als Politstellvertreter ein Unterstellter kam und sich beschwerte, war das zunächst ein Vertrauensbeweis, für den ich auch dankbar war. Ich hätte einen Teufel getan, das abzuweisen oder verärgert zu sein, weil er Dinge ansprach, die ich hätte merken oder verändern müssen. Ich unterschied bei solchen Gesprächen auch zwischen "offiziellen" Beschwerden, die ich entgegennahm und weiterleitete, und zwischen "Dampf ablassen". Es gab von mir immer das Angebot, dass alles was bei bzw. mit mir besprochen wurde, unter 4 Augen bleibt. Ein Prinzip, das ich auch tunlichst eingehalten habe, sonst hätte irgendwann niemand mehr ein Stück Brot von mir genommen. Sobald Soldaten mitbekamen, dass man bei auch einfach mal nur Dampf ablassen konnte, nutzten sie das bisweilen auch. Ich war somit auch recht gut mit Hintergrundinformationen versorgt, die ich im Konfliktfall auch anonym einsetzte.

Die Geschichte von @Merlini mit der Frau, die um "ihren Mann bat", bestätige ich. Solche Sachen wurden ernst genommen und in der Regel wurden auch "Maßnahmen ergriffen". Im Kern ging es simpel und einfach darum, dass man die eh schon vorhandenen Spannungen und Probleme bei Leuten reduzieren wollte, die man mit Waffe und Munition rausschickte. Und die Erfahrung hatten wir Vorgesetzten nun mal auch - ich habe in den drei Jahren an der Offiziershochschule ca. 50 Wachschichten gehabt - nichts ist schlimmer, als der Mix aus Liebeskummer (z.B.), Einsamkeit auf Wache und einer Waffe mit 60 Schuss Munition. Ich bin nicht sonderlich anfällig für suizidale Anwandlungen, aber in so einer Kombination ist die Waffe immer mal wieder eine Option. Man kann das nicht erlebt haben und verdrängen, dass es Leuten, für die man verantwortlich ist, genauso geht.

Sorry, ist mal wieder etwas mehr geworden, aber ich hoffe, es hilft ein wenig.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 15.01.2015 10:06 | nach oben springen

#48

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 10:33
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Die aufgezeigten Möglichkeiten waren äußerst begrenzt und man hat "Kleinigkeiten" lieber ausgehalten.

Gegen Launen und Marotten der Vorgesetzten vorzugehen, war schwieriger.
Wenn es über ein gewisses Maß nicht hinaus ging, waren derartige Erscheinungen nicht selten sogar lachhaft.
Natürlich hat man das keinem Chef ins Gesicht gesagt, daß er gerade spinnt, oder sich deswegen anderswo beschwert, solange es im Rahmen blieb.

Obwohl eine Rückkopplung wünschenswert gewesen wäre für eine Selbstreflexion.
Ohne Kritik wachsen kleine Marotten bekanntlich aus.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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zuletzt bearbeitet 15.01.2015 11:54 | nach oben springen

#49

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 10:57
von Udo | 1.266 Beiträge

Nach einem Anrufversuch bei der Militärstaatsanwaltschaft konnte sich ein Problem auch ganz von selbst auflösen.


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#50

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 11:29
von Gelöschtes Mitglied
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Leider habe ich in der Zeit keine guten Erfahrungen gemacht. Wir waren als PIK wohl nicht so interessant, da kein Grenzdienst und beim Grebnzausbau waren wir immer "abgesichert".
Ich kann mich auch erinnern, das bei uns Offiziere waren, die in Grenzkompanien nicht mehr "tragbar" waren (Strafversetzungen). Das hat das Leben in der PIk wohl auch erschwert.


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#51

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 11:56
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

Zitat von Udo im Beitrag #49
Nach einem Anrufversuch bei der Militärstaatsanwaltschaft konnte sich ein Problem auch ganz von selbst auflösen.


Dazu mußte man aber die Telefonnnummer kennen, überhaupt erst mal diese Behörde.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#52

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 12:11
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #51
Zitat von Udo im Beitrag #49
Nach einem Anrufversuch bei der Militärstaatsanwaltschaft konnte sich ein Problem auch ganz von selbst auflösen.


Dazu mußte man aber die Telefonnnummer kennen, überhaupt erst mal diese Behörde.

Stimmt, die Idee, das zu tun war zunächst das Wesentliche. Ansonsten waren wir Vorgesetzten verpflichtet, auf Anfrage diese Kontakte zu ermöglichen. Wie das dann aussah? Ein Beispiel aus meiner Zeit in der Stabskompanie gefällig?
Hauptfeldwebel bei der Dienstbesprechung beim Kompaniechef: "Da war übrigens der Soldat x bei mir. Der wollte von mir die Nummer des Militärstaatsanwalts haben. Hast Du die überhaupt?" Kompaniechef: "Kein Problem. Kriegen wir notfalls über P* raus." (Major P*, Offizier Innerer Dienst) KC: "Und warum will der die Nummer haben?" Hauptfeldwebel: "Wollte er nicht sagen." KC: "In Ordnung, schick ihn zu mir. Ich rede mal mit ihm."

Das war dann wohl das, was @Udo mit dem "Anrufversuch" meinte. Wir nahmen solche Ansagen eigentlich nicht zu ernst, denn oft steckte eher Gnatz dahinter, als eine wirkliche Straftat. Aber ignoriert haben wir es auch nicht, das hätte im Zweifel auch gegen uns gehen können. Angst machen konnte man uns damit nicht. Wir haben so eine Nummer auch durchaus rausgegeben mit der Ansage: "Rufen sie ruhig da an. Kein Problem. Tun sie's!" Mir ist kein Fall erinnerlich, in dem es wirklich geschah.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#53

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 13:02
von Udo | 1.266 Beiträge

Bei mir war es ein bisschen anders. Die Nummer bekam ich von meinem Diensthalbjahr aus der Nachrichtenzentrale. Hab dann da angerufen, aber nur irgendeinen Major am Telefon gehabt. Der fragte mich, wen der Militärstaatsanwalt denn zurück rufen solle. Nachdem ich ihm gesagt habe, dass er den GEFREITEN Udo zurückrufen soll, ungläubige Nachfrage.
Gefühlte 10 Sekunden später schrie auch schon der GUVD nach mir, ich solle mich sofort beim KC melden.
Ich habe die Geschichte hier schon mal irgendwo aufgeschrieben.


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#54

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 13:28
von küche69 | 428 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #46
Hallo Küche 69, wir hatten einen Koch der wußte nicht wie man Hammelbraten schreibt. Da hat er einfach Rinderbraten geschrieben. Ergo hatter er schon Recht, denn sonst hätten viele nicht mit gegessen. Obwohl es gut geschmeckt, haben einige denen ich es nach dem Essen "verraten" habe gesagt, dass sie es nicht gegessen hätten wenn es Hammelbraten der Tafel gestanden hätte. Warst Du auch so ein Schlitzohr???

Der Hesselfuchs

Nee Du, ich bin der Deutschen Sprache mächtig und Hammel gab es nicht bei uns, ich hatte schon Schwierigkeiten, wenn es Montags immer Bohneneintopf ( Weisse oder Grüne spielt keine Rolle) gab, das hatte der alte Küchenchef eingeführt da wurde die Fleischeinlage aus Schweinköpfen gekocht, die erhielten wir im ganzen, dass hat gerochen beim Kochen, ich kann Dir sagen, jedenfalls musste ich die Köpfe vorsichtig spalten, damit der KC das Hirn ohne Knochensplitter essen konnte.



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#55

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.01.2015 18:53
von G. Michael (gelöscht)
avatar

Hallo, liebe Gemeinde
aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das der Gang zum Polit oder zum MfS. sehr hilfreich sein konnte. Aber mal weg von der GK.
Hier habe ich keine Erfahrungen. 2 Beispiele aus dem Grenzausbildungsregiment 5 Glöwen aus der Sicht eines BU.
Nach dem im GAR im Bereich RD Straftaten aufgedeckt wurden gab es disziplinarische Maßnahmen. Auf einmal fehlte unter Anderem der
Lagerverwalter Verpflegung. Ich wurde auserkoren. Fleisch esse ich gern, aber roh und in Bergen drin rumzuwühlen ist nicht mein Ding.
Ich habe 2 Wochen gekämpft um aus der Nummer rauszukommen, ohne positives Ergebnis. Dann der kurze Dienstweg, direkt zum Stellvertreter des
Regimentskommandeur Polit. Mein Problem dargelegt, 10 Minuten später mit ihm zum Regimentskommandeur, und weitere 20 Minuten war ich wieder
in " meiner Waffenwerkstatt".
Schrottaktion in Glöwen. Wir mußten alle 6 Monate den Waffenschrott abgeben. Gewichtsmäßig war das unserem OOffz. zuwenig (totaler Unsinn)
Also Befehl aus dem Lager des WTD nagelneues Werkzeug "beizufügen".
Ein Gespräch mit Hptm. Axxxxxx, V 2000 hat genügt, Das Werkzeug blieb auf Lager.
Micha


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#56

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.01.2015 14:53
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Hallo @G. Michael ,

genau das ist der Punkt. Es hing nicht von der Dienstelle oder der Dienststellung ab. Wichtig war, dass derjenige, zu dem man ging, etwas bewegen konnte. Entweder von seiner Position in der Hierarchie oder von seinem Charakter her. Es gab überall solche wie den von Dir genannten Oberoffizier Bewaffnung und es gab fast überall solche, die solches Verhalten nicht dulden wollten.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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#57

RE: Möglichkeiten der "Einflußnahme" bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.02.2015 11:10
von Klauspeter | 987 Beiträge

Das Für und Wider der Einflußnahme-Möglichkeiten wurde schon ausführlich erörtert.
Noch ein paar Ergänzungen:

Wenn es um den geforderten hohen Stand der Gefechtsbereitschaft ging, gab es keinerlei Abstriche. Viele Probleme der NVA-Angehörigen ergaben sich aber aus den Forderungen der Gefechtsbereitschaft, beispielsweise wenig Urlaub, wenig Ausgang. Hier gab es keinerlei Möglichkeiten der Einflußnahme. Dieser hohe Stand der GB wurde auf Knochen der Soldaten und Unteroffiziere, aber auch der Berufssoldaten durchgesetzt.
Es gab aber auch eine Reihe Vorgesetzter, die persönliche Risiken auf sich nahmen, also auch mal einen Urlaubsschein "außer der Reihe" unterschrieben, und damit gegen die Gefechtsbereitschaft verstießen.

Meine Erfahrungen aus den Mot.-Schützen-Einheiten sind, dass meist die Probleme der Unterstellten ernst genommen wurden. Wurde auf diese Probleme nicht reagiert, führte das oft zu unerlaubten Entfernungen (uE) oder gar zu Fahnenfluchten.
Gruß Klaus


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