#41

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 06.09.2015 11:08
von Georg | 1.004 Beiträge

Aufarbeitung -Ost: vorbildlich

Aufarbeitung - West: vorwiegend künstlerisch !

http://www.tagesspiegel.de/kultur/freist...d/11957988.html

Wer wollte überhaupt was wissen zur Heimerziehung - West ?


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#42

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 12:09
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #37
Mich stört an vielen dazu ,das es immer noch Menschen gibt die abwertend über Heimkinder denken. So na ja war doch vorprogrammiert ,konnte man doch nichts anderes erwarten. Zum Anderem wurde die "schreckliche Kindheit" gern als strafmildernte Ursache genannt. Nichts soll verallgemeinert werden, Ursachenforschung etwas intensiver betrieben werden schon .Es geht um Unrecht was in den Heimen und Werkhöfen geschah. Und Zweifelslos nahmen welche Psychischen Schaden und das hatte Auswirkungen auf ihr späteres Verhalten.


Ich stimme Dir voll und ganz zu.

Ich war in keinem Jugendwerkhof - weder als Insasse, noch als Erzieher. Die Thematik interessiert mich aber seit einiger Zeit.
Unrecht muss unbedingt aufgearbeitet werden - aber ganz konkret - wer von den Erziehern hat welches Unrecht begangen. Die Strafen für begangenes Unrecht müssen folgen. Dafür waren 25 Jahre Zeit.

Pädagogik war immer mein Arbeitsgebiet und ich habe noch heute keine Antwort auf die Frage, wie man pädagogisch richtig mit Jugendlichen umgeht, die auf menschliche Normen, Recht und Gesetz pfeifen.
Dürfen einzelne - andere Menschen zusammenschlagen, zertreten oder abstechen,
ohne das etwas passiert, oder sehr spät etwas passiert oder nur mit geringfügigen Strafen reagiert wird?
Kann mir jemand eine Antwort auf diese Frage geben?

Mich stört auch, dass das Thema Jugendwerkhöfe politisch instrumentalisiert wird - nach dem Motto: Die DDR war der Hort des Bösen und alles, was Behörden dort machten, war böse.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Fälle in denen DDR-Jugendliche durch Einweisung in den Jugendwerkhof politisch gebeugt werden sollten, sollten zur Bestrafung der Schuldigen gründlich untersucht sein. Das gilt auch für Fälle des Machtmissbrauchs durch die betreffenden Erzieher.
Ansonsten sollte diese Thematik politisch nicht instrumentalisiert werden.

Klaus


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#43

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 12:45
von gak didi | 14 Beiträge

hallo,ich weiß nicht was dort so alles passiert ist,sicher gab es unrecht und auch gewalt,dafür müssen sich die ehem."ERZIEHER" verantworten,aber solche heime gab es im westen auch ...hießen sicher anders,nur dafür interessiert sich kaum jemand,genauso nicht wie es Geheimdienste gab und gibt die genauso gearbeitet haben wie die stasi,dafür interessiert sich auch kaum jemand.....oder gibt es etwa eine BND od.VERFASSUNGSSCHUTZ AUFARBEITUNGSZENTRALE?

mal ganz zu schweigen von NSA-CIA-!!!


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#44

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 12:46
von Fritze | 3.474 Beiträge

Ansonsten sollte diese Thematik politisch nicht instrumentalisiert werden.

Sollte nicht ! Wird sie aber leider immer wieder zu oft !

Zum Thema Aufarbeitung sag ich ,oft viel zu einseitig ! Manch ein Kritiker nutzt politische Bestrebungen als seine eigene Daseinsberechtigung !

MfG Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#45

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 13:55
von Schakal | 271 Beiträge

Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass im Jugendwerkhof vorwiegend Systemnonkonforme im politischem Sinne eingeliefert wurden. Habe einige von den Jungs und Mädels kennengelernt. Heute würde man von bildungsfernen jugendlichen Kleinkriminellen reden. Natürlich nicht alle, das sei nochmal betont.


--- Ex oriente lux.---
zuletzt bearbeitet 07.09.2015 13:55 | nach oben springen

#46

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 16:14
von StabsfeldKoenig | 2.638 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #45
Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass im Jugendwerkhof vorwiegend Systemnonkonforme im politischem Sinne eingeliefert wurden. Habe einige von den Jungs und Mädels kennengelernt. Heute würde man von bildungsfernen jugendlichen Kleinkriminellen reden. Natürlich nicht alle, das sei nochmal betont.


Kleinkriminelle (darunter verstehe ich z.B. diverse kleine Diebstähle und Sachbeschädigung) landeten nicht gleich im Jugendwerkhof, sondern eher jugendliche Intensivtäter (Vielzahl von Straftaten, darunter auch mit Gewaltanwendung).



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#47

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 16:44
von turtle | 6.961 Beiträge

Kein einfaches Thema. All zu leicht wird verallgemeinert. Jugendwerkhöfe wurden besonders außerhalb der DDR auch Heime für Schwererziehbare genannt. Und es gibt sie auch heute noch zB. unter einem wohlklingender Namen. Mit Internat vorneweg. Nun gut ein Internat für Schwererziehbare
ist im Prinzip nichts anderes.Geworben wird mit besonders intensive Form der Förderung und Betreuung über den Alltag hinaus. Verhaltensauffälligkeiten durch Sonderpädagogische Unterstützung sollen geändert werden. Ich war in einem DDR Kinderheim , doch auch Werkhofkinder sind mir bekannt. Es waren in der Regel welche mit Auffälligkeiten. Keine Anpassung, Herumtreiberin. kleine Eigentumsdelikte, Brandstiftung war auch dabei. Sie als „Politische“ zu sehen fällt mir auf Grund ihrer Jugend doch sehr schwer. Das Zerrüttete Elternhäuser ein Grund waren ,auch Elternhäuser dabei waren wo die Eltern keine sozialistische Einstellung hatten ist richtig. Doch der 14 oder 15 jährige kam nicht in einem Werkhof weil er mal „Scheiß DDR“ gesagt hat. Nach der Wende wurde alles etwas zu hoch gespielt.
Unbestritten ist das der Alltag in einem DDR Werkhof mehr dem Alltag in einen Gefängnis näher war . Und Zweifellos geschahen Dinge die großes Unrecht waren. Doch so etwas gab es in jedem Heim, Werkhof, oder ähnlichen. Ob in Ost oder West.
Hilfe brauchten diese Kinder, sie wegzuschließen und zu brechen ist und war der falsche Weg. Damals und heute. Ich traf später einige Ehemaligen wieder ,und weiß wovon ich rede. Das derartige Heime, Anstalten etc. leider auch auf Pädophilie einen Reiz ausüben war auch damals und heute so. Dabei gibt es keinen Unterschied wer der Träger ist. Im Sozialismus gab es diese Tätergruppe genauso. Mich hat meine Heimzeit auch geprägt. Ich habe mich damit auseinander gesetzt ,das konnte nicht jeder .aus welchen Gründen immer. Das Trauma Heim oder Werkhof haben sie nie überwunden. Genauso eine Haftzeit in einem DDR Zuchthaus. Es mit einer Haftzeit heute ist nicht vergleichbar. Ich habe beides überwunden. Und ja was einige in so einem Werkhof erleben mussten verdient Wiedergutmachung. Doch nicht alles was erzählt wird gab es in diesen Umfang.


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zuletzt bearbeitet 07.09.2015 16:45 | nach oben springen

#48

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 17:43
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #47

...
Hilfe brauchten diese Kinder, sie wegzuschließen und zu brechen ist und war der falsche Weg. Damals und heute.
...

Hallo Peter,
ich habe Deine Beiträge zu Deinem Heimaufenthalt gelesen. Alles sehr ehrlich und durchdacht und keine schwarz-weiß-Malerei.

Aber sag mal, wie hilft man solchen Kindern und Jugendlichen, die andere zusammenschlagen und zusammentreten, ohne Mitgefühl, ohne Reue?
Wie kann man Menschen, die nur noch den Willen haben, gesellschaftliche Normen zu missachten, wieder auf den richtigen Weg bringen, ohne diesen negativen Willen zu brechen? Ist es zu verantworten, dass solche Menschen sich auf Kosten Unschuldiger austoben können?

Ich weiß auch keine schlüssigen Antworten, es beschäftigt mich aber.

Klaus


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#49

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 18:29
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #47
Hilfe brauchten diese Kinder, sie wegzuschließen und zu brechen ist und war der falsche Weg. Damals und heute.

Nein, wegschließen ist natürlich nicht der Weg, der diesen Jugendlichen nutzt.

Geht es aber nicht auch mitunter darum, die (belebte und unbelebte) Umwelt vor den Jugendlichen zu schützen ...
... und manchmal auch darum, diese jungen Menschen vor den Folgen ihres eigenen Handelns zu bewahren?

Nicht immer darf nur der potentielle "Täter" im Zentrum der Betrachtung stehen, mindestens ebenso wichtig sind alle anderen.

Elch


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
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#50

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 19:59
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich kann die Frage nicht beantworten .Eine Verrohung und Missachtung von Werten ist schon länger zur neuen Normalität geworden. Vor allen nach der sogenannten Wende verstanden viele das Wort Freiheit völlig falsch. Das hat mit daran gelegen das jahrelang mit einem gewissen Druck und Angst vor Bestrafung zu leben nun ein Ventil frei gesetzt wurde. Man gibt hauptsächlich seinen Kindern durch die Erziehung im Elternhaus Werte mit. Die ganze gewaltlose Erziehung mit freier Entfaltung der Kinder ist meiner Meinung genauso gescheitert wie mit Druck. Eine vernünftige Balance muss gefunden werden. Und ein Klaps auf den Po und Stubenarrest hat noch keinem Kind geschadet. Was Hänschen nicht lernt ,lernt Hans nimmer mehr. Doch wie gehen wir mit jugendlichen Gewalttätern um ,habe ich keine ausreichende Antwort. Wegschauen ,nichts sagen ist sicher nicht der richtige Weg. Held soll man auch nicht spielen ,also was nun. Des Einfachste ist seine Kinder wenigstens versuchen zu vernünftigen ,Menschen zu erziehen. Mit meinen hatte ich früher viel Frust ,ich war ihnen zu streng. Heute sagen sie ich danke Dir ,Du hast mich vor einer leicht schiefen Bahn bewahrt. Oder damals habe ich das anders gesehen. Doch Du hast alles richtig gemacht. Jedenfalls das Kind bleibt das Kind. Und die Hand sollte man immer wieder reichen ,macht man es nicht ,wie soll das Kind zu Lieben lernen. Ich kann nur weitergeben was ich gelernt habe und was ich kenne. Und genau das war mein Problem ich konnte Liebe nicht so zeigen ,da ich sie nicht genügend bekommen habe. Ein Erzieher oder eine Erzieherin kann nie Eltern Liebe ersetzen. Noch schlimmer was Kinder oftmals negativ erfahren mussten, tun sie später ihren Kindern an. Ein Kind das von Zuhause Gewalt gewöhnt ist, neigt später auch leichter zur Gewalt. Leider ist oft Güte auch keine Lösung. Ich muss passen .ein Pädagoge bin ich nicht. Weiß nur das Wegschließen keine Lösung auf Dauer ist.


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zuletzt bearbeitet 07.09.2015 20:09 | nach oben springen

#51

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 07.09.2015 23:06
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #48
Ich weiß auch keine schlüssigen Antworten, ...

Klaus
Ich denke, daß es Patentrezepte auch nicht gibt.

Im Zusammenleben und in der Erziehung muß das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung, von "Pflegetrieb" und "Rangordnung" (im verhaltensbiologischen Sinn) immer wieder (eigentlich täglich) neu tariert werden. Aber das Leben ist eben kein abgeschlossenes Labor, sondern eine hochkomplexe Umwelt mit Unmengen von Störfaktoren, die die Ideallinie der Prägung, Beeinflussung und der Lernvorgänge stören.
Und Eltern fungieren nicht als Wissenschaftler - sondern reagieren meist aus den Erfahrungen ihrer Prägungen, Sozialisationen und Intuitionen heraus. Kindererziehung ist ja nicht einmal ein Schulpflichtfach - und dabei gehört es doch zum Wichtigsten, was die Menschen in ihrer Generationenfolge weiterzugeben haben.

So wird es also immer Menschen geben, die aus den allgemeinen Verhaltensnormen ausscheren und zu spät und mit oft untauglichen Mitteln wieder "in die Spur" gebracht werden sollen.

Meine Erfahrung sowohl mit der Erziehung durch meine Eltern wie meine an meinen Kindern vollzogene Wertevermittlung läßt mich sagen:
Bis etwa zum zwölften oder dreizehnten Lebensjahr muß die Saat in der Erde sein.
Danach ist kaum noch grundsätzlich etwas gerade zu biegen - die Pubertät ist ein denkbar schlechter Zeitraum für den Beginn von Erziehung!
Mit dem Aufkommen der Hormonschübe kann man nur noch lenkend tätig werden - und dabei auf das bauen, was man ins Kind eingepflanzt hat.

Was aber ist, wenn diese frühen Jahre verpaßt wurden? Dann greifen eben außerfamiliäre Erziehungsmechanismen - mit natürlich geringeren Erfolgsaussichten.
Die Startchancen solcherart Benachteiligter für ein problemarmes Leben sind also ungünstiger.
Und trotzdem schaffen es doch viele, ihren Platz im Leben zu finden - der menschlichen Intelligenz und Anpassungsfähigkeit (auch im höheren Alter) sei's gedankt.

Elch

P.S.: Sogenannte "denkvermögenerhöhende Klapse" (wohin auch immer) habe ich übrigens weder erhalten noch ausgeteilt.
Höre von Betroffenen aber mitunter, es hätte nicht geschadet. Mag sein, daß das stimmt - aber es hätte wohl auch nicht geschadet, es anders zu probieren: mit permanenter Geradlinigkeit, Konsequenz, Fairneß, Aufmerksamkeit, Wärme und dem angemessenen Heranführen an Verantwortung und Selbstbewußtsein: ein weites Feld ... und deshalb wohl auch so schwierig!


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#52

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 00:11
von exgakl | 7.228 Beiträge

Ich habe seit vergangenem Jahr in so einer "Jugendeinrichtung", ich setze es bewusst in Anführungsstriche, als Erzieher gearbeitet.
Leider ist es in Deutschland so, das es da auch sehr viele schwarze Schafe gibt und das mehr oder weniger Verwahranstalten sind, zum Wohle des jeweiligen Betreibers.
Dem Klientel was dort seine Zeit bis zur Volljährigkeit verbringt will man nicht wirklich in der freien Wildbahn begegnen. Das Problem ist einfach, das bei diesen Jugendlichen Verhaltensstörungen vorliegen, die mit "normalen" Erziehungsmethoden nicht in den Griff zu bekommen sind...
Es sind Kinder und Jugendliche, denen es teilweise an jeglichem Unrechtsbewusstsein fehlt, denen im bisherigem Leben nie Grenzen aufgezeigt wurden.
Die leichteren Fälle sind die, mit Schulvereigerung und Diebstahl... die "Normalität", Raub, Erpressung, schwere Körperverletzung, Diebstahl, Drogen, Messerstechereien, fahren ohne Führerschein ( ist in dem Alter auch normal) usw.
Mit "normalen" Erziehungsmethoden ist da nichts mehr zu machen...
Man kann davon ausgehen, dass von 95% alles grundsätzlich verweigert wird, es ist keine Beschulung möglich, auch kann man davon ausgehen, das sich fast nie eine Ausbildungsstelle für die Jugendlichen finden wird.
Was macht man nun mit denen?
Was macht man mit jemandem, der grundsätzlich alles angebotene verweigert und felsenfest der Meinung ist, auch so durch's Leben zu kommen? Sei es durch Sozialhilfe oder weiterhin durch Diebstähle usw.?

Warum wird jemand, der bewusst auf andere Mensche mit einem Messer einsticht in eine Jugendeinrichtung eingewiesen und nicht in eine Strafeinrichtung bzw. in eine geschlossene phsychatrische Einrichtung?
Das sind leider keine Einzelfälle sondern die leider überall anzutreffende Realität. Es werden gerade für diese nie zu resozialisierenden Kinder und Jugendlich monatliche tausende von Euros investiert, nur um die Kriminalitätsstatistik wieder etwas zu schönen. Würde man dieses Geld vorher sinnvoll in die Bildung investieren wäre allen mehr geholfen!

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#53

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 01:32
von vs1400 | 2.387 Beiträge

mal nur auf die heutigen großeltern bezogen,
wie geht ihr mit euren enkeln um?

gruß vs ... leider voll ot, doch interessant.


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#54

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 11:03
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #53
mal nur auf die heutigen großeltern bezogen,
wie geht ihr mit euren enkeln um?

gruß vs ... leider voll ot, doch interessant.


Meine sind zwischen 10 und 14 . Eigentlich nicht anders wie damals mit den Kindern. So oft sind sie allerdings nicht bei mir. Und bei meiner Tochter zB. werde ich nie im Beisein der Kinder Kritik üben. Es ist allerdings eine andere Welt mit Smartphone und Computer. Die Bedürfnisse sind andere geworden. Zum Glück hat doch hier und da meine Erziehung Spuren hinterlassen.


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#55

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 12:23
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #50
Ich kann die Frage nicht beantworten .Eine Verrohung und Missachtung von Werten ist schon länger zur neuen Normalität geworden. Vor allen nach der sogenannten Wende verstanden viele das Wort Freiheit völlig falsch. Das hat mit daran gelegen das jahrelang mit einem gewissen Druck und Angst vor Bestrafung zu leben nun ein Ventil frei gesetzt wurde.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen zunehmender Verrohung,.Wertemissachtung und Freiheit?
Ein heikles Thema und man kann schnell in irgendeine politische Ecke gestellt werden.
Es ist schön, reisen zu können, wohin man will (das nötige Geld vorausgesetzt); und es ist gut, offen seine Meinung sagen zu dürfen. Freiheit ist aber immer auch die Freiheit der anderen. Die eigene Freiheit darf die Freiheit anderer nicht einschränken. Wir propagieren in unserer Gesellschaft zu recht den Wert der Freiheit, erklären Jugendlichen aber kaum die notwendigen Grenzen dieser Freiheit. Es kann eben nicht jeder seinen Traum leben, weil manche Träume auf Kosten anderer gehen (Vergewaltigung, Kinderschändung, Freude am Töten anderer Menschen usw.)
M.E. wird in manchen Familien, in Kindergärten, Schulen Hochschuleinrichtungen zu wenig die Durchsetzung gesellschaftlicher Normen eingefordert.

Zitat von turtle im Beitrag #50

Man gibt hauptsächlich seinen Kindern durch die Erziehung im Elternhaus Werte mit. Die ganze gewaltlose Erziehung mit freier Entfaltung der Kinder ist meiner Meinung genauso gescheitert wie mit Druck. Eine vernünftige Balance muss gefunden werden. Und ein Klaps auf den Po und Stubenarrest hat noch keinem Kind geschadet. Was Hänschen nicht lernt ,lernt Hans nimmer mehr.

Stimmt. Und wer befähigt Eltern, Kinder zu erziehen? So etwas gab es in der DDR nicht, und heute auch nicht. Es gibt dazu auch kaum Fernsehsendungen. Es gab mal so eine Sendung, hieß glaub ich "Super-Nanny" oder so ähnlich - aber die Zahl der Besserwisser war zu groß.
Meine Frau und ich hatten mit der Erziehung unserer Kinder viel Glück. Wir haben unseren Kindern nie eine Ohrfeige gegeben - es gab einfach keinen Anlass dazu. Dabei hatte es unsere Familie auch nicht so ganz leicht - als Berufsoffizier gab es immer wieder einmal Versetzungen. Umzug an einen anderen Ort. Meine Frau, kaum eigearbeitet, musste wieder die Schule wechseln und neu anfangen. Die Kinder wurden mitten im Schuljahr aus dem Klassenkollektiv herausgerissen und kamen in Schulklassen, wo sie weder Lehrer noch Schüler kannten. Es war kompliziert, aber es hat unsere Familie zusammengeschmiedet und wir halten heute noch wie Pech und Schwefel zusammen.
Ich wollte damit noch einmal deinen Gedanken vom Wert der Familienerziehung unterstreichen.

Zitat von turtle im Beitrag #50

Doch wie gehen wir mit jugendlichen Gewalttätern um ,habe ich keine ausreichende Antwort. .

Ich weiß es auch nicht.
Früher haben wir Makarenko gelesen, "Der Weg ins Leben", Flaggen auf den Türmen" oder das Buch für Eltern. Sehr interessant mit vielen klugen pädagogischen Überlegungen. Makarenko geht vom Guten aus, das in jedem Menschen steckt, auch wenn es noch so tief versteckt ist. Der Pädadoge muss diesen guten Kern finden, in der Erziehung daran anknüpfen und diese Seite im Menschen hervorholen, vertiefen und fördern.
Ich sehe mir gern Filme oder Berichte aus den USA an, in denen das Vorgehen amerikanischer Erziehungscamps gezeigt wird. Strengste Disziplinierung, brechen des Willens junger Straftäter, Suchen nach dem, was diese Menschen im innersten bewegt - und anknüpfen daran.
Das Vorbild der Eltern, der Lehrer, der Ausbilder und Erzieher, der Politiker - ihre Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Menschenliebe strahlen aus auf junge Menschen.
Aber wo ist die Zauber-Fee, die Menschen in solche Vorbilder verwandeln kann ?
Klaus


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#56

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 12:32
von bürger der ddr | 3.598 Beiträge

@exgakl , ich kann das verstehen. Nur kann man diese Jugendlichen mit den "eingewiesenen" Jugendlichen zu DDR - Zeiten vergleichen? Gab es diesen Grad der Verrohung schon damals?



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#57

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 12:43
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #52

...
Dem Klientel was dort seine Zeit bis zur Volljährigkeit verbringt will man nicht wirklich in der freien Wildbahn begegnen. Das Problem ist einfach, das bei diesen Jugendlichen Verhaltensstörungen vorliegen, die mit "normalen" Erziehungsmethoden nicht in den Griff zu bekommen sind...
Es sind Kinder und Jugendliche, denen es teilweise an jeglichem Unrechtsbewusstsein fehlt, denen im bisherigem Leben nie Grenzen aufgezeigt wurden.
Die leichteren Fälle sind die, mit Schulvereigerung und Diebstahl... die "Normalität", Raub, Erpressung, schwere Körperverletzung, Diebstahl, Drogen, Messerstechereien, fahren ohne Führerschein ( ist in dem Alter auch normal) usw.
Mit "normalen" Erziehungsmethoden ist da nichts mehr zu machen...
Man kann davon ausgehen, dass von 95% alles grundsätzlich verweigert wird, es ist keine Beschulung möglich, auch kann man davon ausgehen, das sich fast nie eine Ausbildungsstelle für die Jugendlichen finden wird.
Was macht man nun mit denen?
Was macht man mit jemandem, der grundsätzlich alles angebotene verweigert und felsenfest der Meinung ist, auch so durch's Leben zu kommen? Sei es durch Sozialhilfe oder weiterhin durch Diebstähle usw.?
...

Eigentlich geht doch wieder alles beim Geld los.
Man braucht für solche Einrichtungen hervorragend ausgebildete Sonderschul-Pädagogen. Ihr Ausbildung kostet viel Geld, ihre Anstellung in solchen Einrichtungen auch.
Wir brauchten na solchen Einrichtungen hervorragende Kinder- und Jugendpsychologen. Ihre Ausbildung und Anstellung... siehe oben!
Diese Einrichtungen sollten verbunden mit einer handwerklichen Berufsausbildung. Auch das kostet Zeit, Geld und Geschick.

Natürlich könnte man jetzt viele Argumente bringen, warum das alles nicht geht und ohnehin viel zu teuer ist usw.
Sicher Zukunftsmusik - aber es wird keinen anderen Weg geben.

Die Jugendwerkhöfe der DDR waren sicherlich nicht unbedingt das Gelbe vom Ei - sie waren aber ein Ansatz zur Lösung der genannten Probleme. Aber anstelle nachzuforschen, was es da auch an brauchbarem gab, wird das Jugendwerkhof-Thema oft zur Hetze gegen die DDR genutzt.
Eigentlich schade.
Klaus


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#58

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 13:59
von turtle | 6.961 Beiträge

Kindererziehung in der DDR war doch spezifisch . Meine Erziehung begann eigentlich erst im Kinderheim . Sozialistische Werte sollten vermittelt werden .Zu meiner Zeit noch in den 50ern war das gar nicht so einfach. Erzieher die schon im Nationalsozialismus tätig waren, waren nun ungeeignet. So hatte ich vorwiegend junge Unerfahrene Erzieher und Erzieherinnen. Doch wurden wir zu Menschen erzogen in dem Solidarität, Gemeinschaft, Hilfe im Vordergrund standen. Widerstandskämpfer erzählten aus ihrem Leben .Der Besuch vom KZ Buchenwald hinterließ starke Eindrücke. Wir erfuhren von Ethel und Julius Rosenberg,Von Patrice Lumumba und Djamila Bouhired. Erfuhren vom neuen Militarismus und Faschismus in der BRD. Bei den jungen Pionieren lernten wir uns immer würdig zu benehmen das Halstuch war auch Verpflichtung. Älteren zu helfen war Selbstverständlich. Was uns vermittelt wurde war doch nicht schlecht. Die Arbeitskraft der Frau wurde gebraucht, und so wurden die Kinder in den Horden und Kindergärten genauso im Sinne des Staates erzogen. Natürlich gab es auch Strafen. Doch ohne eine gewisse Strenge ,schreibe mal nicht Härte geht nun einmal nichts. Dazu kam eine gewisse Erziehung im Kollektiv und durch das Kollektiv. Auch heute noch sehe ich in allem nichts schlechtes. Es war der Staat DDR und es war eine sozialistische Gesellschaftsordnung. Das ich später einen anderen Weg einschlug ist eine andere Sache. Jedenfalls so verroht wie heute manche sind kannten wir nicht. Erwachsene. Lehrer, Polizisten waren Respektpersonen und wir kannten unsere Grenzen. Wenn die Erziehung zu Hause ähnlich war wurden wir zu ordentlichen Pflichtbewussten Menschen erzogen. Das Politische steht auf einem anderen Blatt- Habe vergessen Jugendliche die sich nicht anpassen wollten, spürten die Härte das Gesetzes. Ob Arbeitserziehung oder Werkhof. Ob immer alles so in Ordnung war? Zweifel ist vorhanden.


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zuletzt bearbeitet 08.09.2015 14:14 | nach oben springen

#59

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 14:33
von Georg | 1.004 Beiträge

Heimerziehung, Judendwerkhöfe...........
Über Erziehung, Bildung, Strafen....über Sinn und Unsinn von " Maßnahmen, Aktionen " kann man bei Kindern und pubertären Heranwachsenden streiten. Selbst die " alten Griechen " haben sich über ihren Nachwuchs geärgert. Und seither gab es geschriebene und ungeschriebene Konzepte der
Erziehung und auch der " Abrichtung und Dressur " von Kindern als Sklaven, Geiseln oder Krieger......Jede Zeit für sich !
Heimerziehung, Jugendwerkhöfe sind das nicht in gewisser Art und Weise das Ende einer Kette von Umständen für die Betroffenen ? Am Anfang der Kette sind die Eltern. Ihre Verantwortung für ihre Kinder !


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#60

RE: Jugendwerkhöfe, Heimerziehung....böse Fragen:

in Themen vom Tage 08.09.2015 14:49
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Der Begriff Jugendwerkhof war in der DDR ziemlich negativ behaftet, egal ob wegen der dort oft als schlecht beschriebenen Zustände oder der dort untergebrachten Insassen.
Eigenartig ist deshalb, dass sich ein ehemaliger Arbeitskollege (wegen Problemen im Elternhaus / Schulschwänzerei im JWH) von mir dort überaus wohlfühlte und von einer tollen Zeit sprach. Er hat das mehrfach bekundet.

… seltsam, seltsam. Oder doch nicht?


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aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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