#1

Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 10.01.2015 20:24
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag RE: Tannbach - Film über Mödlareuth im ZDF
Zitat von Grauer im Beitrag RE: Tannbach - Film über Mödlareuth im ZDF
" Für einen "Kulturoffizier" hätte es vielleicht noch gereicht und genau das sollte ich ja auch werden."


Niedlich. Echt, das find ich ja mal ne tolle Bezeichnung. Was warst Du denn dann? Muß man da die Offiziere in verschiedene Klassen (sorry) einteilen oder wie ist das konkret zu verstehen. Ich dachte immer das ein Offizierspatent ein Offizierspatent ist. Was der Träger dann für eine Spezifikation ausübt, hängt vom Stellenplan der Stärke und Ausrüstungsnachweisung ab, bzw von der für die Personalabteilung der Streitkräfte erkennbaren Eignung.
War das bei den Offz der GT anders?

Gruß U.


Grün: Genau ! Ebenso wie der Spieß die Augaben zu erfüllen hatte, doch irgendwie einem "Mädchen für Alles" oder einem hausmeister ähnelten als einem berufssoldaten, wie man sich ihn gewöhnlicherweise vorstellt, gab es auch Offiziere, die ganz normal die Militärhochschule wie jeder andere künftige Kommandeur, die dann aber ziemilch unmilitärische Aufgaben zu erfüllen hatten. Ein Hobby-Kumpel von mir in Erfurt war ebenfalls für die Kultur zuständig, d.h. Veranstaltungen organisieren, Künstler einladen, für die Kinos Filme organisieren sowie dadurch auch die Kontakte zu zuständigen Zivilisten zu pflegen. ...


In einem anderen Thread hatte ich die Bezeichnung "Kulturoffizier" ins Rennen gebracht und erhielt Antworten darauf. Danke für die hier zitierten Beiträge an @Grauer und @DoreHolm . Um die Sache dort nicht zu sehr ins OT laufen zu lassen, mache ich hier mal einen neuen Thread auf, in dem es um Spezialisierungen bei den Grenztruppen (im Prinzip in der gesamten NVA) gehen soll.

Ich lege mal mit dem "Kulturoffizier" vor.

Ab der Ebene Grenzregiment gab es in der Politabteilung einen Offizier für Kulturarbeit. Dieser hatte damit eine Majorsplanstelle inne. Zu seinem Verantwortungsbereich gehörten noch das Politlager, mit einem Berufsunteroffizier als Leiter, und zwei Unteroffiziere auf Zeit, die als RKW-Fahrer (Radio- und Kino-Wagen) und Mitarbeiter im Siebdrucklager, für Vervielfältigung und alles andere beschäftigt waren. Es gab dann noch eine Bibliothek mit einer Zivilbeschäftigten-Stelle. Der Kulturoffizier des Regiments unterstand dem Leiter der Politabteilung und verfügte über ein eigenes Budget, um Konzerte, Literaturabende, Kleinkunstauftritte etc. auch in den Kompanien organisieren und bezahlen zu können. Dazu gab es von seiner Seite Kontakte zur Konzert-und-Gastspieldirektion des Bezirks, zu Kreistheatern, Künstlerischen Hoch- bzw. Fachschulen, den Kulturabteilungen der Kreisleitungen der SED und der FDJ, zu Klubhäusern und z.T. auch zu Jugendklubs. Wenn es "Kleinkulturgruppen" in den Kompanien gab, konnten diese auch von ihm kleinere Förderungen erhalten. Auch in der Patenschaftsarbeit mit Schulen und Betrieben konnte er seinen Senf oder vielleicht sogar finanzielle Mittel bereitstellen. Die regelmäßigste Sache in den Kompanien war aber die Filmvorführung. Der Filmtausch war zwischen den Kompanien organisiert. In jeder Kompanie gab es mindestens einen berechtigten Filmvorführer (16mm).

Diese Aufgaben setzten sich dann in den Stäben darüber fort und entsprechend größer wurden die Möglichkeiten und die Kontakte.

Auf der Kulturkonferenz der NVA und Grenztruppen der DDR 1981 wurde vieles zur Kulturarbeit beschlossen. Unter anderem, dass ein Lehrstuhl für die Ausbildung von "Diplomkulturwissenschaftlern" an der Militärpolitischen Hochschule (MPHS) in Berlin Grünau einzurichten ist. Dieser Lehrstuhl "Kulturtheorie und Ästhetik" sollte daneben auch bei der Heranbildung von Politoffizieren mit aktiv werden, sowie auch aktiv Beiträge für das Kultur- und Klubleben in der Armee liefern. Der erste Lehrgang für die "hauseigene" Diplomausbildung startete am 01.09.1988 mit 15 Offizieren aus allen Teilstreitkräften, darunter 2 Grenzer - und einer davon war ich. Die Ausbildung sollte 3 Jahre dauern.

Nach den Vorstellungen der Führung der Militärpolitischen Hochschule waren wir zukünftigen Kulturwissenschaftler:
1. Parteiarbeiter (als Politoffizier war man hauptamtlicher Parteiarbeiter),
2. militärische Führungskräfte (da wir als Offiziere dazu ausgebildet waren) und
3. Spezialisten mit entsprechender Ausbildung.

Diese Nummerierung war zugleich Priorisierung. Wir nahmen diese Information, die wir vom Kommandeur der Hochschule, Generalmajor D., in einer ersten gemeinsamen Veranstaltung bekamen, mit sehr gemischten Gefühlen auf. Das mit den Parteiarbeitern ging ja noch in Ordnung, da wir als Politoffiziere schon die führende Rolle der Partei in der Gesellschaft akzeptierten und bereits in dieser Rolle standen. Aber bei den militärischen Führungskräften kamen die Fragezeichen. In den drei Jahren an der MPHS gab es keinerlei taktische oder grenztaktische Ausbildung. Es gab ein Fach "Militärwissenschaften", in dem es ein wenig um Militärgeschichte und um ein paar Ansichten zu aktuellen Militärdoktrin ging - kein Vergleich mit einer taktischen Ausbildung. Sei es, wir konnten aus bekannten Gründen die Ausbildung sowieso nicht in der ursprünglich gewünschten Form abschließen.

Meine Verwendung nach dem Studium war mir selbst noch nicht ganz klar. Vielleicht hätte man mich zunächst in einer Art Praktikum in ein Grenzregiment geschickt. Danach Klubhausleiter oder Kulturoffizier in einem höheren Stab, oder als Dozent an die Offiziershochschule ... vielleicht hätte es auch neue Planstellen gegeben. Keine Ahnung und auch in den Akten fand sich kein Vermerk auf eine mögliche zukünftige Verwendung. Ich fand einzig und allein einen Vermerk aus meinen ersten Tagen an der Offiziershochschule, dass ich von Anfang an als Kader für die Kulturlaufbahn vorgesehen war (Sohn einer Tänzerin, musikalisch in Singegruppen und Chören aktiv ...). Tja, so war das und so lief das.

Wenn jemand Interesse hat, stehe ich für Rückfragen gern zur Verfügung. Natürlich darf es hier auch gern um weitere "exotische" Spezialrichtungen gehen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#2

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 10.01.2015 20:33
von g.s.26 (gelöscht)
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Das Kulturelle wäre dann der Hauptarbeitsbereich, oder lief das nebenher?

Also 60% Grenzdienst und der Rest das Kulturelle?


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#3

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 10.01.2015 20:45
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von g.s.26 im Beitrag #2
Das Kulturelle wäre dann der Hauptarbeitsbereich, oder lief das nebenher?

Also 60% Grenzdienst und der Rest das Kulturelle?

Hallo @g.s.26 ,

nein, im Dienstbetrieb wäre das Verhältnis ein anderes gewesen. Die dargestellte Priorität entsprang den Doktrin der Ausbildung und stellte die Anforderungen an uns während des Studiums dar, wie der General sie uns übermittelte.

Im Dienstbetrieb eines Grenzregiments wäre das Kulturelle schon das Hauptarbeitsgebiet gewesen. Organisation von Veranstaltungen, Unterstützung von Kampanien, Vertragsabschlüsse, materielle und finanzielle Verwaltung, Berichtswesen und ähnliches. Dann wäre die Arbeit im Rahmen der Politabteilung gekommen. Kontrollen in den Einheiten zur politischen Arbeit und Unterstützung bei der Instruktion der Politoffiziere. Ggf. kam dann noch die Vertretung von anderen Offizieren in der Politabteilung dazu bei Urlaub oder Krankheit. Und schließlich hatte jeder Offizier des Stabes auch Kontrollen im Grenzdienst durchzuführen und musste diese auch planen und abrechnen. Aber das war denn der kleinste Teil der Aufgabenstellung. Militärische Führung kam in diesen Stabsbereichen nicht in Frage. Selbst als Kontrolloffizier im Grenzdienst war er zunächst ein Beobachtender und dann Meldender gewesen. In die Führung des Grenzdienstes oder in die Führung von Lagen hätte er höchstens beratend eingreifen können. Ob das aber jemand ernst genommen hätte ...

ciao Rainman


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zuletzt bearbeitet 10.01.2015 20:46 | nach oben springen

#4

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 10.01.2015 20:48
von g.s.26 (gelöscht)
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Danke für die Erklärung. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen.


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#5

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 10.01.2015 21:07
von utkieker | 2.929 Beiträge

Weißt du @Rainman2, irgendwie erinnerst du mich an meinen Polit in der Grenzkompanie auch er hatte eine gute musische Erziehung genossen und war leidenschaftlicher Gitarrenspieler. Was wusste ich schon über Politoffiziere und denkt zunächst an 200%ige Genossen und politische Einpeitscher und trifft dann auf einen sensiblen Menschen, der nur eines im Sinn hat den Kasernenkoller entgegen zu wirken. Heute würde man so etwas Animateur nennen. Ja er war so was wie ein Mädchen für alles, häufig war er FDJ- Sekretär, in der Küchenkommission er kümmerte sich um den Bücherbestand, um den Klubraum, Traditionskabinett und die Wandzeitung. Er war Blitzableiter für alle Arten von Beschwerden von Oben wie von Unten. Man glaubt es immer gar nicht aber Militärwesen hat viel mit Menschenführung zu tun aber das kann man kaum erlernen bestenfalls erfahren. Kulturarbeit muss doch eigentlich Hauptbestandteil eures Studiums gewesen sein, irre ich mich da?

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#6

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 10.01.2015 22:50
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #5
Weißt du @Rainman2, irgendwie erinnerst du mich an meinen Polit in der Grenzkompanie auch er hatte eine gute musische Erziehung genossen und war leidenschaftlicher Gitarrenspieler. Was wusste ich schon über Politoffiziere und denkt zunächst an 200%ige Genossen und politische Einpeitscher und trifft dann auf einen sensiblen Menschen, der nur eines im Sinn hat den Kasernenkoller entgegen zu wirken. Heute würde man so etwas Animateur nennen. Ja er war so was wie ein Mädchen für alles, häufig war er FDJ- Sekretär, in der Küchenkommission er kümmerte sich um den Bücherbestand, um den Klubraum, Traditionskabinett und die Wandzeitung. Er war Blitzableiter für alle Arten von Beschwerden von Oben wie von Unten. Man glaubt es immer gar nicht aber Militärwesen hat viel mit Menschenführung zu tun aber das kann man kaum erlernen bestenfalls erfahren. Kulturarbeit muss doch eigentlich Hauptbestandteil eures Studiums gewesen sein, irre ich mich da?

Gruß Hartmut!

Hallo @utkieker ,

Danke zunächst für die Beschreibung Deines Politoffiziers. Ich kann und möchte mir nicht mehr vorstellen, wie ich damals war - mit meinen 22/23 Jahren in einer Funktion die mich komplett überforderte. Aber was Du schreibst, stimmt schon. Allerdings ist mir nicht bekannt, dass Politoffiziere Funktionen als Partei- oder FDJ-Sekretär übernahmen. Normalerweise war das untersagt oder nur im Ausnahmefall gestattet, schließlich hatten wir als hauptamtliche Parteifunktionäre bereits ein Amt. In der Parteileitung konnten/sollten wir vertreten sein, in der FDJ-Leitung waren wir eher beratend. Aber, es mag Ausnahmen gegeben haben.

Zu Deiner Frage nach dem Studium. Tja, was ist Kulturarbeit?! Der Hauptbestandteil des Studiums war zunächst der Marxismus-Leninismus mit seinen drei Bestandteilen: Dialektischer und historischer Materialismus (Philosophie), Politische Ökonomie (Ökonomie) und Wissenschaftlicher Kommunismus (später dann mein Abschlussfach: Politikwissenschaft). Anbei mal mein Abschlusszeugnis:

Du siehst hier auch ein wenig die Gewichtung. Zu den 3 genannten Fächern (Wissenschaftlicher Kommunismus verbirgt sich unter der oberen Note "Prüfung im Diplomfach"), kamen schwerpunktmäßig noch Pädagogik und Psychologie (leider noch zu sehr M/L-lastiger Zeit). Die drei Fächer, die sich mit unserer ursprünglichen Ausbildungsrichtung verbanden waren
- Kulturtheorie (Theorie der Kultur und praktische Aspekte der Kulturarbeit)
- Ästhetik (Die "Wissenschaft vom Ästhetischen" - quasi philosophische Aspekte der Wahrnehmung von Natur und Kunst)
- Kunstwissenschaften (Bildende Kunst, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte)

Wir hatten im Lehrstuhl eine richtig ausgebildete und promovierte Kulturwissenschaftlerin. Während sich unsere Oberste und Oberstleutnante weitestgehend den grundlegenden Themen zuwandten, hatte sie die "dankbare" Aufgabe, uns mit Themen wie "Die Organisation der kulturpolitischen Arbeit im Kompanieklub" zu traktieren, eine organisierte und kollektive Hilflosigkeit auf beiden Seiten. Der sogenannte Praktische Teil der Ausbildung war somit nur das Zusammenstoppeln halbgewalkter empirischer Betrachtungen, die von "Praktikern" in irgendwelchen Periodika zusammengepinselt waren. Warum schreibe ich das mit soviel Grantigkeit? Bei einer Dozentin, einer Zivilbeschäftigten, hatten wir das Thema "Kulturpolitische Aspekte der Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen". Ich hatte das Referat zu halten. Ich referierte nicht zum eigentlichen Inhalt, da mir in der Erarbeitung klar geworden war, dass es keine wissenschaftlich fundierten Grundlagen zum Referieren gab. Also ging ich am Beispiel dieses Themas auf die Notwendigkeit einer interdisziplinären Forschung zu diesen Fragen ein, um eine Basis zu schaffen. Sie schätzte ein: Thema verfehlt - Note 3. Da rastete ich aus. Mein Vortrag war kurz, laut und eindringlich. Kern: Soll ich den Scheiß abschreiben und wiedergeben, der in den mir zur Verfügung stehenden Heften steht, damit ich eine bessere Note bekomme; es sei doch wichtiger, nach einem Weg zur Erkenntnis zu suchen, als Unfug zur Erkenntnis zu erheben. Ich entschuldigte mich, nach Intervention eines Studienfreundes ("Und musst Du dann auch noch zum Brüllen die Bücher und Hefte auf den Tisch schmeißen"), und erhielt die erstaunliche Antwort: "Kein Problem, Sie haben ja recht. Und ich korrigiere hiermit die Bewertung auf die Note 2."

Aber mit solchen und ähnlich gelagerten Themen erschöpfte sich das Studium an dieser Stelle. Nichts zur Vertragsgestaltung im künstlerischen Umfeld, zu Verhandlungen mit verschiedenen Partnern, Rechtliche Aspekte der Kultur- und Klubhausarbeit, Strukturen der Kulturlandschaft, wie gehe ich mit der KGD (Konzert- und Gastspieldirektion) und mit der AWA (Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte - "DDR-GEMA") um. Es war so ähnlich wie bei der Ausbildung im Marxismus-Leninismus. Du wusstest nach der Ausbildung zwar, was du erzählen konntest, aber wie du es rüberbringst, das musstest Du selbst lernen.

Tja, soviel mal dazu.

ciao Rainman


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#7

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 10.01.2015 23:50
von Lutze | 8.042 Beiträge

naja,die Politstunden waren bei den Soldaten sicherlich nicht so angesagt,
aber ein Kultur-Offizier,ich glaub,da wäre in der Truppe schon ein anderes
Interesse vorhanden gewesen,schon allein die Vorschläge,was könnte man
davon realisieren,vielleicht auch was außergewöhnliches,da wäre bestimmt
viel Potential drin gewesen,
oder gab es Vorschläge von der Truppe?zum Beispiel eine Tänzertruppe
mit Susan Baker einladen?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#8

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 01:06
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #7
naja,die Politstunden waren bei den Soldaten sicherlich nicht so angesagt,
aber ein Kultur-Offizier,ich glaub,da wäre in der Truppe schon ein anderes
Interesse vorhanden gewesen,schon allein die Vorschläge,was könnte man
davon realisieren,vielleicht auch was außergewöhnliches,da wäre bestimmt
viel Potential drin gewesen,
oder gab es Vorschläge von der Truppe?zum Beispiel eine Tänzertruppe
mit Susan Baker einladen?
Lutze

Hallo @Lutze ,

nun ja, der Kulturoffizier ist ja nicht selbst vor der Truppe aufgetreten (mir zumindest nichts bekannt, ich hätte da vielleicht ein Vorreiter sein können). Und wenn er in einer Kompanie war, dann führte er höchstens eine Aktuell Politische Information vor der Truppe durch. Vorschläge ... hmm, soweit ich das mitbekam, wollten die meisten Soldaten und Unteroffiziere nur ihre Ruhe haben. Allenfalls im Rahmen der "Massenkontrollen der FDJ" kam unter der Rubrik "Hinweise, Vorschläge, Kritiken" auch mal der eine oder andere Wunsch für irgend etwas kulturelles. Aber das waren meist Sachen, die im Rahmen der Kompanie abliefen, also nicht der helfenden Hand des Kulturoffiziers bedurften.

Es gab tatsächlich in den 80er Jahren so eine Art Initiative "Künstler an die Grenze" oder so ähnlich, keine Ahnung mehr, wie der richtige Titel war. Da wurden kleine und kleinste Veranstaltungen auch in Klub- oder Fernsehräumen gemacht. Aber unter den Bedingungen der Kompaniesicherung hatte das im Prinzip keinen Wert, zumal dann auch Sachen kamen, die keinen hinter dem Ofen hervorlockten. 2 Erinnerungen: Für eine Kompanie, die noch in der Bataillonssicherung war (also ganze Kompanie zur gleichen Zeit für Freizeitaktivitäten verfügbar) war über den Kulturoffizier des Regiments eine Zauber-Show mit einem Zauberkünstler organisiert worden. Dieser kam auch zum vereinbarten Termin auf die Kompanie und wollte im Klubraum auftreten. Der Kompaniechef zeigte sich nicht sonderlich informiert und begeistert. "Zauberer? Hier zaubert nur einer und das bin ich! Und ich zaubere jetzt ein Waffenwarten!" Das soll die Antwort des KC gewesen sein. Der Künstler zog wieder ab. Im Endeffekt wurde der Kompaniechef für die Gage in Regress genommen. Eine zweite Geschichte erlebte ich im Stab. Wir hatten aus der Stabs- und der Nachrichtenkompanie hastig ein paar Soldaten und Unteroffiziere zusammengesammelt und unter dem Angebot des Wegfalles des Stuben- und Revierreinigens zu einer Veranstaltung bewegen können. Dort sollte eine junge Gitarristin klassische Stücke auf der Gitarre zum Besten geben. Das zusammengefegte Auditorium lauschte mit nur mäßig verstecktem Desinteresse. An sich war die Veranstaltung nicht schlecht, die junge Frau kam von einer Musikschule und war augenscheinlich kurz vor ihrem Abschluss. Es gab artigen Schlussapplaus und dann kam der unvermeidliche und immer wieder peinliche Moment, wo man "Fragen an die Künstlerin" stellen konnte. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich die Bande gleich aus dem Saal gejagt, um dieses kollektive Schämen zu vermeiden. Nein. Wir saßen uns gegenüber und keine Frage kam. Die junge Frau war unsicher und wartete. Ich spiele in solchen Momenten auch nicht den Vorturner als einziger Offizier im Raum. Da müssen die Beteiligten denn mal durch. Dann kam die einzige Frage: "Ähm, was kostet denn so eine Gitarre, wie sie haben?" Das Mädel errötete, rang um eine Antwort, ich vermute mal, weil sie die Gitarre entweder von der Musikschule geliehen bekommen, oder mit Westmark gekauft hatte. "Ähmm, ja, ich glaube, so etwa 800 Mark", war die Antwort. "Weitere Fragen?" Diesmal wurde nicht mehr lange gewartet. Ich bedankte mich noch bei der Gitarristin, erzählte ihr, die Jungs hätten einen schweren Tag gehabt, aber das Konzert war doch für mich ganz ausgezeichnet gewesen. Immerhin, sie lächelte dankbar.

Susan Baker auf einer Grenzkompanie ... hmm, weiß nicht, wo da ihre Beine hätten hinpassen sollen. Ich musste bei der Nachfrage von Dir übrigens schmunzeln. Susan Baker, oder damals noch Susanne Becker aus Leipzig, war in der Ballettklasse meiner Mutter, als ich noch sehr klein war. Bei Auftritten musste die Schlechteste im Klassischen Tanz auf mich aufpassen, so die Erzählung meiner Mutter. Und das war dann einige Male auch Susanne, die aber letztlich die richtigen/idealen Voraussetzungen für eine Showtänzerin hatte. Vor ein paar Jahren traf ich übrigens Susens Tanzpartnerin, Emöke. Sie wurde nach ihrer Zeit mit Susan als Choreografin und langjährige Chefin des Fernsehballetts eine Legende. Mit nun über 70 hat sie sich inzwischen zur Ruhe gesetzt, ist aber immer noch ein Energiebündel. Ich erzählte ihr die Geschichte meiner Kindheit mit Susan. Sie lachte, sagte aber, dass sie schon lange keinen Kontakt mehr zu ihr hätte.


Nee, also solch hochkarätige Künstler hätten wir schon allein der Fahrtkosten und der Gage wegen nicht in eine Kompanie bekommen, die dann vielleicht aufgrund einer Lage leer oder aufgrund eines rüden Kompaniechefs anderweitig beschäftigt gewesen wäre ...

ciao Rainman


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(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#9

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 01:11
von Gelöschtes Mitglied
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Gab es den Politunterricht auch in zivil oder was sind das hinten für welche? EK's sind doch die letzten Tage nicht in zivil rumgelaufen wie heute beim Bund und selbst wenn hätten sie ja diesen Unterricht sicher nicht mehr mitgemacht?

Zitat
NVA2
Politunterricht im Jahr 1980. Der Unterricht gehörte zum wöchentlichen Programm bei NVA und Grenztruppen.
http://data6.blog.de/media/513/5689513_4661f7533b_l.jpeg


Rainman2 und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.01.2015 01:12 | nach oben springen

#10

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 01:39
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Hallo @Sicherheitsrisiko ,

das Bild hatten wir hier schon mal im Forum und die Bildunterschrift ist nicht sonderlich korrekt.

Der Politunterricht fand monatlich statt und nicht wöchentlich!

Die aufgeschlagenen Hefte symbolisieren wohl einen Unterricht. Aber ehrlich, ich kann mich nicht erinnern, dass in meinen Unterrichtseinheiten je irgendjemand mitgeschrieben hätte. Es gab die Hefte "Wissen und Kämpfen", da waren Passagen zu lesen und dann zu diskutieren. Ich glaube, ich wäre eher stutzig geworden, wenn da einer mitgeschrieben hätte ...

Das Bild ist gestellt. Die Soldaten sind in Ausgangsuniform. Politunterricht wurde in Dienstuniform gemacht, war ja Teil des Dienstes. Hier soll der Unterricht augenscheinlich in einem Traditionskabinett stattfinden. Die Herren in Zivil könnten von einem Patenbetrieb sein. Die Einheiten vor allem der Stäbe, oder Truppenteile selbst hatten so etwas. Die Stabskompanie Dermbach hatte einen Patenbetrieb beim Kombinat Foron. Da konnten durchaus auch mal der Betriebsdirektor oder Vertreter von ihm eingeladen werden. Ein Reservistenkollektiv wäre noch eine (ziemlich unglaubhafte) Alternative. Im Hintergrund des Raumes sitzt noch ein Offizier. Das würde dafür sprechen, dass diese Szenerie von der Politabteilung organisiert wurde. Bei mir saß in der Grenzkompanie einmal der Kompaniechef drin und das hätte auch bleiben lassen können. Nö, also gestelltes Bild für den Ausdruck der "Verbundenheit von Armee und Arbeiterklasse" würde ich sagen. Keine allzu realistische Schulungssituation.

ciao Rainman


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zuletzt bearbeitet 11.01.2015 01:40 | nach oben springen

#11

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 01:56
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von Sicherheitsrisiko im Beitrag #9
Gab es den Politunterricht auch in zivil oder was sind das hinten für welche? EK's sind doch die letzten Tage nicht in zivil rumgelaufen wie heute beim Bund und selbst wenn hätten sie ja diesen Unterricht sicher nicht mehr mitgemacht?
Daß das Bild gestellt ist, sieht man ja schon daran, daß im echten Politunterricht nie 100 Prozent der Opfer (hier 3 von 3) gleichzeitig mit geöffneten Augen angetroffen worden wären.
Realistischer wäre gewesen: Einer schläft komatös (Kopf auf der Tischplatte), einem Zweiten fallen gerade die Augen zu und ein Dritter mimt Interesse.
Die Beweggründe des "Mimenden" könnten sein:
- Bedarf an "Pluspunkten"
- Höflichkeit
- Mitleid mit dem refererierenden Politnik.
Die Herren hinten erinnern mit ihren "typischen" Anoraks ein bißchen an "wahnsinnig unauffällige" MfS-Mitarbeiter - warum sitzt man im Anorak in einem geschlossenen Raum, wenn man sich dort offenbar länger aufhält ...

An @Rainman2 :
Teure Künstler? Nein, Susan Baker hatten wir auch nicht - aber 1984 wurde Dean Reed nach Kella gekarrt.
Der wird da doch nicht nur für (Eichsfelder) Luft und Liebe gespielt haben - wenngleich der Beifall ja des Künstlers größter Lohn ist (sagt der Poet)!
Möglicherweise wurden Truppen aus dem ganzen Regiment rangekarrt, damit sich die Investition auch lohnte (war persönlich nicht im Raum, da ich zur selben Zeit in Postenbereich Kella "für den Frieden gesorgt" habe).

Elch
edit: aufhält statt auffällt


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
zuletzt bearbeitet 11.01.2015 21:51 | nach oben springen

#12

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 02:33
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Elch78 im Beitrag #11
...
Die Herren hinten erinnern mit ihren "typischen" Anoraks ein bißchen an "wahnsinnig unauffällige" MfS-Mitarbeiter - warum sitzt man im Anorak in einem geschlossenen Raum, wenn man sich dort offenbar länger auffällt ...


Hallo @Elch78 ,

nun haste mich aber doch ein wenig zu schmunzeln gebracht. Die Bemerkung erinnert schon sehr stark an den "Stasinachbarn Herrn Fromm" aus dem Film "Sonnenallee", der sich im Endeffekt als Mitarbeiter eines Beerdigungsinstituts erweist.

Nee, wenn es da ein Informationsbedürfnis der Verwaltung 2000 gab, und das gab es spätestens zum monatlichen lt. Befehl 44, dann wurde ich einfach gefragt. Gab es etwas, was die Kollegen an mir interessierte, konnten sie die ebenfalls anwesenden IM's fragen. Aber so ein bissche "Funktionärsmäßig" sehen die Jungs auf dem Bild schon aus - Betriebsleitung oder FDGB würde ich tippen. Oder für das Foto extra ausgewählt ... keine Ahnung, aber Schdaaasie - nee!

Zitat von Elch78 im Beitrag #11
...
Teure Künstler? Nein, Susan Baker hatten wir auch nicht - aber 1984 wurde Dean Reed nach Kella gekarrt.
Der wird da doch nicht nur für (Eichsfelder) Luft und Liebe gespielt haben - wenngleich der Beifall ja des Künstlers größter Lohn ist (sagt der Poet)!
Möglicherweise wurden Truppen aus dem ganzen Regiment rangekarrt, damit sich die Investition auch lohnte (war persönlich nicht im Raum, da ich zur selben Zeit in Postenbereich Kella "für den Frieden gesorgt" habe) ...


Na, dann Glückwunsch zum Verpassen des Konzerts. Nuja, Dean hatte ja auch Sendungsbewusstsein. Wenn da einer während der Tournee vorschlug, doch mal einen Abstecher an die Grenze zu machen, dann musste das nicht unbedingt mit viel Geld verbunden sein. Aber das ist Kaffeesatzleserei. Fakt ist, dass es durchaus eine solide, aber keine allzu üppige finanzielle Ausstattung für die Kultur gab. Ich weiß noch, dass der Kulturoffizier der Offiziershochschule mal entsetzt war über den Preis eines Puhdys-Konzertes an der OHS. Ich bin mir der Summe nicht mehr ganz sicher, aber sein Kommentar war: "Die müssen doch spinnen". Somit ging dieser Kelch an mir vorüber. An der OHS (1979-82) erinnere ich mich an recht schöne Konzerte in der Mehrzweckhalle u.a. von Electra, Karussell, Berluc ... ja, es wurden auch schon mal Michael Hansen und die Nancys rangeholt, aber irgendwas ist immer.

ciao Rainman


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#13

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 08:36
von Gelöschtes Mitglied
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Guten Morgen,
man darf dieses Forum aber auch nicht für ein paar Stunden verlassen, sonst...

"In einem anderen Thread hatte ich die Bezeichnung "Kulturoffizier" ins Rennen gebracht und erhielt Antworten darauf. Danke für die hier zitierten Beiträge an @Grauer und @DoreHolm . Um die Sache dort nicht zu sehr ins OT laufen zu lassen, mache ich hier mal einen neuen Thread auf, in dem es um Spezialisierungen bei den Grenztruppen (im Prinzip in der gesamten NVA) gehen soll.

Ich lege mal mit dem "Kulturoffizier" vor."


Fett: Kann ich nicht zwingend so nachempfinden, weil die dortige Diskussion weder aus dem Ruder lief noch unsachlich war. Nun also hier, der Kulturoffizier und andere Spezialisten, nun denne.

@ rainman2

Ein tolles Abschlußzeugnis hast Du da eingestellt. Hat etwas von Klamauk (nicht Deine Leistungen !!!), so ein sozialistisch-kommunistisch gestriktes Diplom an einer Militärhochschule der ehemaligen DDR, gesiegelt vom Bitterbösen Klassenfeind. Da geb ich es zu: da war ich erst ungläubig, dann konnte ich mich vor lachen nicht mehr halten.
Ist ja echt irre, wie allein diese Abbildung die Sache "ins rechte Licht" stellt. Vielen Dank dafür.

Gruß U.


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zuletzt bearbeitet 11.01.2015 08:37 | nach oben springen

#14

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 09:14
von utkieker | 2.929 Beiträge

ML war wohl Bestandteil bei jedem Studium. Philosophie (dialektischer und historischer Materialismus) mochte ich sogar, gerade die Dialektik von Hegel bis Marx öffnet doch Horizonte. Bei der politischen Ökonomie des Sozialismus konnte man nur den Kopf schütteln zwischen Theorie und "sozialistischer" Wirklichkeit in der Praxis.
Was dich @Rainman2 vielleicht wundert, auch bei meinem Hochbaustudium war Kulturtheorie und Ästhetik ein Teil unserer Ausbildung. Sicherlich war es ein Nebenfach aber unser Dozent Dr. L. war eine geschätzte Persönlichkeit unter uns Studenten.

Gruß Hartmut!


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#15

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 09:43
von Harsberg | 3.250 Beiträge

Moin Rainman,

bei euch war das alles schon ein wenig spezialisierter in Offiziersausbildung.

Bei uns wurden wir noch alle ohne Spezialisierung, als "Mot-Schützen-Kommanduere", natürlich mit einem gehörigen Anteil ML und PÖ ausgebildet.
Ein alter Kumpel von mir war in der KP nur die "Mulle" (FDJ-Sekretär)., ich glaube bei ihm war die Richtung dann schon vorgezeichnet.

Bei uns in der NVA, wie schon von dir beschrieben, hatten wir auch einen hauptamtlichen Kulturoffizier im Regiment, mit den von dir beschriebenen Aufgaben.
Später dann traf ich meinen alten Kumpel im GAR 12 in RU wieder als KO. 1984 bei der Verlegung nach Plauen quittierte er den Dienst, machte den Umzug nicht mit.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#16

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 10:14
von eisenringtheo | 9.191 Beiträge

Wurden eigentlich Ausbildung und Abschlüsse (Lehrausbildung und akademische Studien) von der Bundesrepublik anerkannt? Darf man alle akademischen Titel heute noch tragen?
Ist offtopic, weiss aber nicht, ob für einen eigenen Thread "genug Fleisch am Knochen" ist.
Theo


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#17

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 11:06
von utkieker | 2.929 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #16
Wurden eigentlich Ausbildung und Abschlüsse (Lehrausbildung und akademische Studien) von der Bundesrepublik anerkannt? Darf man alle akademischen Titel heute noch tragen?
Ist offtopic, weiss aber nicht, ob für einen eigenen Thread "genug Fleisch am Knochen" ist.
Theo

Ich meine, ich kann deine Frage mit einem klaren "Jein" beantworten. Gerade die Ingenieurausbildung wurde meistens anerkannt, wir hatten ja nicht nur "rotstichige" Philosophie und Russisch auf den Plan, sondern auch technische Mechanik (Statik, Dynamik, Festigkeitslehre), Physik, Mathematik, Konstruktion, Projektierung u. v. a. m. zu bewältigen, was auch in der Bundesrepublik einen Ingenieur ausmacht. Bei Ingenieurökonomen bin ich mir nicht ganz sicher obwohl die Verbindung zwischen Volkswirtschaft und Ingenieurswissenschaft recht interessant sein dürfte, fehlt wohl die eindeutige Zuordnung.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#18

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 11:21
von schulzi | 1.766 Beiträge

@Rainman2 für das Zeugnis kannste dir ein paar Bienchen ins Muttiheft reinwamsen,aber das haste ja bestimmt schon gemacht.


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#19

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 12:56
von furry | 3.581 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #16
Wurden eigentlich Ausbildung und Abschlüsse (Lehrausbildung und akademische Studien) von der Bundesrepublik anerkannt? Darf man alle akademischen Titel heute noch tragen?
Ist offtopic, weiss aber nicht, ob für einen eigenen Thread "genug Fleisch am Knochen" ist.
Theo


@eisenringtheo , es wird bei der Anerkennung der Abschlüsse wohl eine Differenzierung hinsichtlich der Fachdisziplin gegeben haben.
Mir wurde mit einem Bescheid des Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kultur (zuständig auch für die Universität Leipzig)
u.a. mitgeteilt:
...Es wird bestätigt, dass sein Abschluss im Sinne Artikel 37 Abs. 1 Satz 2 des Einigungsvertrages einem Abschluss gleichwertig ist, der an einer Universität oder einer gleichgestellten Hochschule in dem Teil Deutschlands erworben wurde, in dem das Grundgesetz bereits vor dem 03.10.1990 galt.

Dieser Gleichwertigkeitsbescheid war für 40 DM käuflich zu erwerben.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#20

RE: Kulturoffiziere und andere Spezialisten bei den Grenztruppen

in Grenztruppen der DDR 11.01.2015 12:56
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Grauer im Beitrag #13
... Um die Sache dort nicht zu sehr ins OT laufen zu lassen, mache ich hier mal einen neuen Thread auf...

Fett: Kann ich nicht zwingend so nachempfinden, weil die dortige Diskussion weder aus dem Ruder lief noch unsachlich war. Nun also hier, der Kulturoffizier und andere Spezialisten, nun denne. ...


Hallo @Grauer ,

OT heißt zunächst nur "Off Topic" - Also außerhalb des eigentlichen Themas des Threads. Das ist zwar zeitweilig möglich und Abschweifungen kann es immer geben, aber wenn es die Qualität eines eigenen Themas bekommt, sollte man auch einen eigenen Thread aufmachen. Ich merkte, ich hatte Lust auf das Thema und es gab Interesse, also muss ich als Admin mit gutem Beispiel vorangehen.
Zitat von Grauer im Beitrag #13
... Ein tolles Abschlußzeugnis hast Du da eingestellt. Hat etwas von Klamauk (nicht Deine Leistungen !!!), so ein sozialistisch-kommunistisch gestriktes Diplom an einer Militärhochschule der ehemaligen DDR, gesiegelt vom Bitterbösen Klassenfeind. Da geb ich es zu: da war ich erst ungläubig, dann konnte ich mich vor lachen nicht mehr halten.
Ist ja echt irre, wie allein diese Abbildung die Sache "ins rechte Licht" stellt. Vielen Dank dafür.

Gruß U.


Ja, das Zeugnis ist auch für mich immer wieder ein Grund zum Schmunzeln. Es hat etwas von dem Moment, als ich das erste (und einzige) Mal den Helm der Bundeswehr aufhatte und vor dem Spiegel stand. "Dein Feindbild hat das eigene Gesicht" - wow, aus dem Thema ließe sich noch mehr rausholen. Im Übrigen: Der eigentliche Hintertreppenwitz ist das Abschlussfach. Der Lehrstuhl "Wissenschaftlicher Kommunismus" wechselte in der Wende zu "Wissenschaftlicher Sozialismus". Nach den Wahlen im März 1990 kam dann der Wechsel auf "Politikwissenschaft". Das war dann auch mein Abschlussfach, da es den Abschluss "Diplomkulturwissenschaftler" zu diesem Zeitpunkt in der Bundesrepublik noch nicht gab. Wenn man mich heute fragen sollte, ob dieser "Deal" etwas unsauber gewesen sein könnte, zucke ich mit den Schultern. Für mich war es die Chance nach 6 1/2 Jahren Studium (3 Jahr 3 Monate Offiziershochschule, 10 Monate Heranbildung Politoffizier, 2 Jahre 4 Monate Diplomstudium) wenigstens mit einem Diplomabschluss in die freie Wirtschaft zu gehen. Im übrigen schrieb ich meine Diplomarbeit zu einem Kultur-, Wirtschafts- und Politikübergreifenden Thema: Die Theorie der kognitiven Dissonanz. Insofern bin ich mit mir und dem Abschluss im Frieden.

Zum Thema Zeugnis gleich noch @schulzi ,
Zitat von schulzi im Beitrag #18
@Rainman2 für das Zeugnis kannste dir ein paar Bienchen ins Muttiheft reinwamsen,aber das haste ja bestimmt schon gemacht.

Nein ein Bienchen gab es nicht ins Muttiheft. Genaugenommen habe ich mich über 3 Noten geärgert:
Die 2 in Ästhetik war unnötig, da ich auf 1 stand und nur meine Aversion gegen den Fachgruppenleiter meine Leistungsbereitschaft senkte.
Die 3 in Ökonomie - das war eine der ganz wenigen Prüfungen in meinem Leben, die ich richtig vergeigt hatte. Da war mehr drin.
Die 2 in Militärwissenschaften - hier hatte ich mich im Seminar Militärgeschichte mit dem Dozenten hoffnungslos überworfen. Ich hätte der Beste im Fach sein können (in Militärgeschichte war ich es), über eine 2 wäre ich bei ihm nie hinausgekommen. Heute kann ich drüber schmunzeln.

ciao Rainman

edit: Note in Militärwissenschaft von 3 auf 2 korrigiert.


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 11.01.2015 13:08 | nach oben springen



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