#521

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 09.09.2015 23:32
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #520
Also reduziert sich das Problem auf das "Bermudadreieck" ? Und das bestimmt nicht erst seit gestern. Worum geht es dann da grundsätzlich?

Ich habe mir jetzt mal die Mühe gemacht, und die Tante google gefragt und folgendes erzählt sie mir http://fuerdaspolitische.noblogs.org/let...bout-connewitz/ Die Unterzeichner sind auch viele Gewerbetreibende. Das alleine verstehe ich nicht. Linksextreme steuerzahlende Gewerbetreibende?

Noch weniger verstehe ich, dass da ordentlich über den Oberbürgermeister und seine Ideen geschimpft wird. Lässt doch auch die Legida am OBM kein gutes Haar. Aber das nur nebenbei.

Daher meine Frage von weiter oben. Woran scheitert dort eine Deeskalation? Ich möchte es doch einfach nur verstehen.

LG von der Moskwitschka

EDIT




Moskwitschka, wie würdest Du das händeln? Der Link aus dem Jahre 2014 ist ja i.O.
Man sollte aber mal etwas weiter zurückblicken. Zu Hoch-Zeiten der Randalen am Connewitzer Kreuz wurde die Videoüberwachung am Kreuz
eingeführt=> ein Riesenaufschrei ging durchs Viertel, man hat aber dran festgehalten. Als die Randalen nicht weniger wurden haben genau die
Gewerbetreibenden nach der Polizei gerufen. Nun ist sie präsent und das ist nun auch nicht richtig?
Wenn die Polizei Personenkontrollen durchführt, was spricht dagegen? Solange ich keinen Dreck am Stecken habe ist das doch OK.
Das Geschrei kommt doch erst wieder, wenn etwas passiert und keiner ist vor Ort.
Micha


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#522

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 09.09.2015 23:51
von Moskwitschka | 2.532 Beiträge

Das ist der IST - Zustand. Und das Sicherheitsbedürfnis jedes einzelnen Bürgers verstehe ich auch. Und der Tipp mit den Peronenkontrollen ist gut. Denn ich renne meist nur mit meinem Rucksack rum, in dem sich mein Personalausweis befindet. Und wenn ich abends unterwegs bin dann meist nur mit ner Geldbörse. Nicht auszudenken, wenn ich in so eine Kontrolle geraten würde

Aber was ist der Grund für all diese Maßnahmen. Ich bin in verschiedenen anderen Ecken in Leipzig unterwegs. Oft auch am Stadtrand. Einsam, dunkel, keine Polizei weit und breit.

Was hat also im "Bermudadreieeck" dazu geführt, dass dort solche Maßnahmen ergriffen wurden, die scheinbar nicht zur Befriedung, sondern scheinbar eher zur Eskalation führen?

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 09.09.2015 23:56 | nach oben springen

#523

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 00:04
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Entschuldigung zu diesem Käse-Thread: Lieber die Antifa, die den Nazis auf die Fresse haut, als die braunen Horden, die im Moment der Meinung sind, die Meinungshoheit für dieses Land für sich zu beanspruchen. Aber eins ist auch klar: Die Antifa fackelt keine Asylantenheime ab!!! Die solches tun, sind völkische Terroristen, nix anderes!


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#524

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 00:16
von Dandelion (gelöscht)
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Zitat von Schuddelkind im Beitrag #523
Entschuldigung zu diesem Käse-Thread: Lieber die Antifa, die den Nazis auf die Fresse haut, als die braunen Horden, die im Moment der Meinung sind, die Meinungshoheit für dieses Land für sich zu beanspruchen. Aber eins ist auch klar: Die Antifa fackelt keine Asylantenheime ab!!! Die solches tun, sind völkische Terroristen, nix anderes!

Das siehtst Du völlig falsch, @Schuddelkind : Die Brandstifter sind entweder die Aslyanten selber, die in natürlich genauer Sachkenntnis der zukünftigen Heime diese lieber anzünden, als in ihnen zu wohnen - ein Zelt auf freiem Feld erinnert sie doch viel stärker an ihre heimischen Gewohnheiten als Beduinen. Oder es waren Kinder, die nur spielen wollten, denen das Spiel aber leider außer Kontrolle geraten ist. Oder es waren die Antifanten selber, die begeistert die Gelegenheit genutzt haben, die ach so besorgten Reichsbürger zu diskreditieren und ihnen die Schuld an diesen brennenden Heimen in die Schuhe zu schieben.

Glaubst Du etwa wirklich an die Hetzbeiträge der Lügenpresse?

Ironie off - nur zu Klarstellung


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#525

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 00:25
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #524
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #523
Entschuldigung zu diesem Käse-Thread: Lieber die Antifa, die den Nazis auf die Fresse haut, als die braunen Horden, die im Moment der Meinung sind, die Meinungshoheit für dieses Land für sich zu beanspruchen. Aber eins ist auch klar: Die Antifa fackelt keine Asylantenheime ab!!! Die solches tun, sind völkische Terroristen, nix anderes!

Das siehtst Du völlig falsch, @Schuddelkind : Die Brandstifter sind entweder die Aslyanten selber, die in natürlich genauer Sachkenntnis der zukünftigen Heime diese lieber anzünden, als in ihnen zu wohnen - ein Zelt auf freiem Feld erinnert sie doch viel stärker an ihre heimischen Gewohnheiten als Beduinen. Oder es waren Kinder, die nur spielen wollten, denen das Spiel aber leider außer Kontrolle geraten ist. Oder es waren die Antifanten selber, die begeistert die Gelegenheit genutzt haben, die ach so besorgten Reichsbürger zu diskreditieren und ihnen die Schuld an diesen brennenden Heimen in die Schuhe zu schieben.

Glaubst Du etwa wirklich an die Hetzbeiträge der Lügenpresse?

Ironie off - nur zu Klarstellung



Ja,ja, die Verschwörungstherorien der restdeutschen-braunen Masse........ Es ist an der Zeit, diejenigen, die Asylantenheime anzuzünden und diejenigen, die innerlich diesem Gebaren Beifall Beifall klatschen, als das zu benennen, was sie sind: Völkische Terroristen! Und als das gehören sie mit der gleichen Konsequenz verfolgt, wie die RAF in den 70zigern!!!


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#526

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 01:01
von Dandelion (gelöscht)
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Auch da muss ich Dich leider korrigieren, @Schuddelkind : Der Molotow-Werfer von Salzhemmendorf war zwar ein heftig besoffener Nazi, der sich nur unter Alkoholeinfluss, dann aber lautstark zu seiner völkischen Gesinnung bekannte, aber: Von seinem Komplizen, einem Feuerwehrmann, wurde er aufgefordert, den Molli in das rechte und nicht das linke der Fenster zu werfen - denn da seien die Schlafzimmer. Ist doch nett, wirklich fürsorglich, findest Du nicht? OK, dass sich in diesem Raum die Kinderzimmer befanden und die beiden Kleinen nur per Zufall im Bett der Mutter im linken Zimmer lagen - das konnte er ja nicht wissen. Und auch, dass die mit Sägespänen und Benzin gefüllte Flasche nicht beim Aufprall zerbarst und dadurch ein extremeres Feuer nicht entstand, war gewiss auch und absolut so beabsichtigt.

Ironie off. Dass dort nur durch Zufälle ein mehrfacherr Mord verhindert wurde, dürfte deutlich sein.

Oh pardon, ich vergaß: Das war ja nur eine Reaktion des gesunden Volksempfindens auf die unerträgliche Flut der Asylschmarotzer, die nichts anderes im Sinn haben, als sich hier auf unsere Kosten von 143 € im Monat ein gutes Leben zu gönnen, mit ihren Smartphones zu protzen, deutsche Mädels zu vergewaltigen und uns zwangsweise zum Islam zu bekehren - das habe ich irgendwie glatt übersehen.


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#527

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 01:11
von StabsfeldKoenig | 2.655 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #510
Ich habe als Berlinerin eine Frage, die mir schon lange unter den Nägeln brennt. Berlin hat keinen guten Ruf. Was aber die Berliner Polizei geschafft hat, ist die die großen Auseimadersetzungen z.B, in der Walpurgisnacht und am 1, Mai einzudämmen. Ich habe Berlin in Flammen erlebt, als ich Heinrich Heine Straße an der Mauer am 2. Mai zur Arbeit fuhr. In den 90-ern habe ich meine Kinder "eingeschlossen", als sich der Prenzlberg verbarrikadierte. In einem Jahr haben sich Berliner Journalisten sogar an Krankenhäusern postiert un auf die ersten Verletzten zu warten und zu berichten. In dem Jahr standen sie umsonst dort, wie si um Mitternacht zugeben mussten. Seit dem ist auch ein Abwärtstrend der Gewalt zu beobachten und es ist um einiges ruhiger geworden.

Was macht die Berliner Polizei anders als die Leipziger? Gibt es einen Austauch über Ländergrenzen hinweg? Denn in Berlin steht Deeskalation neben Sicherheit an oberster Stelle. Und das ist ein Prozess, den man nicht auf Fingerschnipen erreicht. Und sie scheinen Erfolg zu haben. Ganz kann man die Gewaltbereitschaft auch in Berlin nicht eindämmen. Hier mal zur Eriinerung die Entwicklung in Berlin.

Ein brennender Supermarkt, fliegende Pflastersteine, geplünderte Geschäfte, angezündete Autos: Es war ein regelrechter Exzess, der 1987 eine Gewalttradition in Berlin lostrat. Fast zwölf Stunden lang lieferten sich damals 900 Linke, Autonome und Randalierer in Kreuzberg Straßenschlachten mit der Polizei.

1987: In Kreuzberg liefern sich 900 junge Randalierer zwölf Stunden lang Straßenschlachten mit der Polizei. Im Steinhagel ziehen sich die Polizisten zurück. Geschäfte werden geplündert und Autos angezündet. Ein Supermarkt brennt ab. 56 Randalierer werden festgenommen. 245 Polizisten werden verletzt.

1988: Die Polizei geht rigide gegen 400 Randalierer vor - unter anderem mit dem neu gegründeten Sonderkommando "Einheit für besondere Lagen und einsatzbezogenes Training". 53 Polizisten werden verletzt, 134 Menschen festgenommen. Nach Kritik am harten Vorgehen wird die Einheit aufgelöst.

1989: Der erste rot-grüne Senat versucht den 1. Mai durch äußerste Zurückhaltung der Polizei zu entschärfen. Selbst bei vereinzelten Zerstörungen und Plünderungen greift die Polizei zunächst nicht ein. Doch die Lage eskaliert. Mindestens 346 Polizisten werden verletzt.

1991: Nach der Wiedervereinigung zieht die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" in den Ostteil der Stadt. Bei dem Marsch durch Friedrichshain kommt es zu Krawallen.

1999: Die Berliner Polizei führt ein neues Präventionskonzept ein. Dennoch gibt es wieder Ausschreitungen in Kreuzberg: 139 verletzte Polizisten und 213 Festnahmen.

2001: Innensenator Eckart Werthebach (CDU) verbietet einen NPD-Aufzug und erstmals auch die gewaltträchtige, linksautonome "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration". Trotz eines Rekordaufgebotes von 9000 Polizisten gibt es wieder heftige Krawalle in Kreuzberg.

2004: Am Rande einer NPD-Demonstration kommt es in Lichtenberg zu schweren Ausschreitungen linker Gegendemonstranten. Am Abend des 1. Mai werfen in Kreuzberg vermummte Autonome Flaschen und Steine. Mit 348 Randalierern werden deutlich mehr Menschen festgenommen als im Vorjahr. 192 Polizisten werden verletzt.

2005: Der 1. Mai verläuft nach Polizeiangaben so "friedlich" wie seit Jahren nicht mehr. Dennoch werden 193 Randalierer festgenommen.

2006: Der rot-rote Senat und die Berliner Polizei setzen ihr Konzept der "ausgestreckten Hand" fort. Danach treten die Polizisten zurückhaltend auf, greifen aber bei Gewalt konsequent ein. 179 Festnahmen werden in den zwei Nächten gemeldet.

2008: Als sich Polizeipräsident Dieter Glietsch am Abend des 1. Mai die linksradikale Demonstration aus der Nähe ansieht, wird er von Randalierern angegriffen. Leibwächter bringen ihn in Sicherheit.

2009: Linksautonome und Randalierer liefern sich eine viel stärkere Straßenschlacht mit der Polizei als in den Vorjahren. Den ganzen Abend werden Polizisten mit Steinen und Flaschen angegriffen. Molotowcocktails fliegen. Die Polizei spricht später von rund 2500 gewaltbereiten Störern. 479 Beamte werden verletzt. Es gibt zahlreiche Festnahmen.

2010: Ein NPD-Aufmarsch am Vormittag wird von Gegendemonstranten gestoppt. Als die Neonazis über den Ku'dammm ziehen wollen, nimmt die Polizei rund 300 von ihnen fest. Die abendlichen Krawalle fallen geringer aus als im Vorjahr. Knapp 7400 Polizisten sind im Einsatz, 98 werden verletzt. Insgesamt werden rund 490 Menschen festgenommen.

2011: Der 1. Mai verläuft friedlicher. Am Abend und in der Nacht gibt es kurze Gewaltausbrüche. Von rund 7000 eingesetzten Polizisten werden 100 verletzt. Die Polizei nimmt 161 Randalierer fest.

2012: Rund 7000 Polizisten sind im Einsatz. Erstmalig führt die abendliche Revolutionäre 1. Mai-Demonstration von Kreuzberg nach Mitte. Es kommt zu Gewaltausbrüchen. In der Walpurgisnacht und am 1. Mai werden 124 Polizisten verletzt. Es gibt 123 Festnahmen.

2013: Die Nacht verläuft friedlicher als früher. Eine linksextreme Demonstration mit rund 9000 Teilnehmern zieht von Kreuzberg zum Regierungsviertel. Randalierer werfen Steine und Flaschen und demolieren einige Autos. 94 Menschen werden festgenommen, 54 Polizisten verletzt. Nachts zünden linksextreme Täter einen Kabelschacht der Bahn zwischen Berlin und Potsdam an und legen den Zugverkehr still.

2014: Der Trend zu weniger Gewalt setzt sich fort. Eine große Demonstration in der Walpurgisnacht in Wedding verläuft fast ganz friedlich. Am 1. Mai ziehen 20 000 Demonstranten von Kreuzberg zur SPD-Zentrale. Vereinzelt werden Flaschen geworfen. Nach der Demonstration kommt es im U-Bahnhof Hallesches Tor zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. 68 Randalierer werden an beiden Tagen festgenommen, 61 Polizisten werden überwiegend leicht verletzt.


http://www.rbb-online.de/politik/thema/2...hronologie.html

Und der Trnd setzte sich 2015 fort https://www.rbb-online.de/politik/thema/...ionen-2015.html

LG von der Moskwitshka







Der primäre Ausgangspunkt der gewalt um den 1. Mai in Berlin begründet sich aus der Zeit der Hausbesetzerbewegung und der brutalen Polizeieinsätze (so wurden z.B. Demonstranten in den fließenden Straßenverkehr hineingetrieben mit der folge, daß ein vor einen Bus geprügelter Demonstrant starb). Daraus folgte der Kreuzberger Volksaufstand am 1. Mai 1987. In den ersten Jahren danach waren die Auseinandersetzungen noch stark politisch motiviert, in den späten 90er jahren ritualisierte sich die Gewalt, jugendliche Krawall-Touristen und Hooligans nahmen den Tag zum Anlaß, im Suff "die Sau rauszulassen". Mit der Bildung des Rot-roten Senats nach dem Landesbankskandal und dem daraus folgendem Abtreten der Diepgen-Landowsky-Clique war der politische Grund der Krawalle endgültig entfallen, so daß eine deeskalierende Polizeitaktik dazu führte, das die Randale zurückgedrängt werden konnte, vor allem da Bevölkerung einschließlich des politischen Kerns der alternativen und autonomen Kräfte sich von der Gewalt distanzierten.



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#528

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 01:12
von Moskwitschka | 2.532 Beiträge

Also Jungs wir sind hier immer noch in Leipzig. Und da hat es noch nicht gebrannt. Aber das finde ich schon interessant:

Man hat es ja irgendwie geahnt, nun gibt es handfeste Hinweise: Einige Leipziger Polizisten hegen nicht nur Sympathie für Rechtsextreme, sie pflegen sogar persönliche Kontakte zu verurteilten Nazistraftätern. Das zeigen die in den vergangenen Wochen veröffentlichten Chatprotokolle und mitgeschnittenen Gespräche aus dem gestohlenen Handy des Leipziger Neonazis Alexander Kurth. Vermummte Angreifer hatten Kurth am 3. März in einer Wahrener Gaststätte überfallen, wo er mit seiner Frau nach einer Legida-Demonstration essen wollte.

...

Das alles ist Wasser auf die Mühlen militanter Gruppen, die glauben, die Polizei mache mit Nazis gemeinsame Sache. Sie haben nun handfestere Argumente, um etwa Überfälle auf Rechtsextreme, aber auch auf Polizisten zu rechtfertigen. Die interne Kontrolle der Ermittlungsbehörden hat offenbar vollkommen versagt, wenn dort einzelne Beamte anscheinend ungestört verfassungs- und beamtenrechtlich mindestens bedenkliche Einstellungen und Kontakte pflegen können. Dem gesellschaftlichen Frieden ist das nicht zuträglich.

http://kreuzer-leipzig.de/2015/05/20/illegale-beweise/

Ist da was dran? Gibt es neue Erkenntnisse?

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#529

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 01:43
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #528
Also Jungs wir sind hier immer noch in Leipzig. Und da hat es noch nicht gebrannt. Aber das finde ich schon interessant:

Man hat es ja irgendwie geahnt, nun gibt es handfeste Hinweise: Einige Leipziger Polizisten hegen nicht nur Sympathie für Rechtsextreme, sie pflegen sogar persönliche Kontakte zu verurteilten Nazistraftätern. Das zeigen die in den vergangenen Wochen veröffentlichten Chatprotokolle und mitgeschnittenen Gespräche aus dem gestohlenen Handy des Leipziger Neonazis Alexander Kurth. Vermummte Angreifer hatten Kurth am 3. März in einer Wahrener Gaststätte überfallen, wo er mit seiner Frau nach einer Legida-Demonstration essen wollte.

...

Das alles ist Wasser auf die Mühlen militanter Gruppen, die glauben, die Polizei mache mit Nazis gemeinsame Sache. Sie haben nun handfestere Argumente, um etwa Überfälle auf Rechtsextreme, aber auch auf Polizisten zu rechtfertigen. Die interne Kontrolle der Ermittlungsbehörden hat offenbar vollkommen versagt, wenn dort einzelne Beamte anscheinend ungestört verfassungs- und beamtenrechtlich mindestens bedenkliche Einstellungen und Kontakte pflegen können. Dem gesellschaftlichen Frieden ist das nicht zuträglich.

http://kreuzer-leipzig.de/2015/05/20/illegale-beweise/

Ist da was dran? Gibt es neue Erkenntnisse?

LG von der Moskwitschka






@Moskwitschka, da brauch ich den Link garnicht bemühen, genau das war Thema in einem "Tatort", nachgestellt nach einer wahren Begebenheit!
Nu werde ich sicher etwas belächelt, ist aber eine Tatsache. Hier ging es um die Leipziger Stadtteile Plagwitz und Lindenau.
In Plagwitz haben "Rechte" den Stadtteil "sauber gehalten". Aufgeflogen war die Sache nach einer schweren Körperverletzung an der DHFK,
und ein Polizist einen der Täter erkannt hat und standhaft schwieg.
Im Nachgang ergab sich, der Sohn eines Polizisten war beteilgt, es gab eine "Bürgerwehr" aus, na da simmer wieder bei Gewerbetreibenden.
Micha


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#530

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 13:34
von Grenzläufer | 1.780 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #523
Entschuldigung zu diesem Käse-Thread: Lieber die Antifa, die den Nazis auf die Fresse haut, als die braunen Horden, die im Moment der Meinung sind, die Meinungshoheit für dieses Land für sich zu beanspruchen. Aber eins ist auch klar: Die Antifa fackelt keine Asylantenheime ab!!! Die solches tun, sind völkische Terroristen, nix anderes!




Rechtsextreme hauen Linken, Ausländern und Andersdenkenden auf die Fresse.
Linksextreme hauen Nazis und Menschen, die sie als rechts einstufen, auf die Fresse, auch mal der Polizei.

Hier wurde einem Rentner auf die Fresse gehauen, er wurde mit Schädelfraktur ins Krankenhaus geliefert. Und "nebenbei"
ein Polizist tätlich angegriffen.
Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig (24)



Übrigens, Demokraten lehnen jegliche Gewalt gegen Menschen ab.


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#531

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 18:51
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Hallo @Moskwitschka,

in Leipzig-Connewitz gibt es eine längst etablierte alternative Szene, mit Kultureinrichtungen, Lokalen und Handel, eben Gewerbe.

Die "Hardcore"-Extremisten sind eine andere Kategorie. Die erfreuen sich an der Randale nicht anders als die Hooligans. Die Politik ist dazu nur Mittel zum Zweck.
Deshalb sind Regelungen mit denen unmöglich. Ruhe wäre denen auf Dauer zu langweilig.
Dazwischen agiert die LINKEN-Stadträtin Juliane Nagel, nicht immer in Übereinstimmung mit ihrer Partei.

Gruß
Micha


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#532

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 20:13
von Hanum83 | 4.789 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #523
Entschuldigung zu diesem Käse-Thread: Lieber die Antifa, die den Nazis auf die Fresse haut, als die braunen Horden, die im Moment der Meinung sind, die Meinungshoheit für dieses Land für sich zu beanspruchen. Aber eins ist auch klar: Die Antifa fackelt keine Asylantenheime ab!!! Die solches tun, sind völkische Terroristen, nix anderes!


Sind das nicht eher solche dürren Jüngelchen, meinst du die hauen ordentlich drauf?
Ich glaub eher die suchen sich lieber harte Ziele, also machen irgendwelches Zeug kaputt was sich nicht wehren kann, oder halt zur Not nen Opa der eine Kelle bekommt.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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zuletzt bearbeitet 10.09.2015 20:13 | nach oben springen

#533

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 22:04
von Fritze | 3.474 Beiträge

Lieber die Antifa, die den Nazis auf die Fresse haut,

Schuddel kennst Du Schöningen ? Da gab es auch ein Jüngelchen ,so mit Kapuzenshirt ,der hat des nachts auf Socken (Farbe vlt. rosa )
ne Horde Neonazis allein durch die Stadt gejagt . Bis die Polizei kam ! Da hat er gleich noch seine Mutter angezeigt ,die ihm sein Kindergeld vorenthielt !


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#534

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 10.09.2015 23:32
von Moskwitschka | 2.532 Beiträge

Ich habe mal ein wenig in der Geschichte von Connewitz und dem "Bermudadreieck" gestöbert. Und mich beschleicht das Gefühl, dass dort immer wieder ein uralter Konflikt aufflammt. Es kann sein, dass ich Euch langweile, die sich eher an Fakten halten. Daher könnt ihr folgendes, was ich übrigens auf einer österreichischen Seite gefunden habe, gerne überlesen. Im Gegenzug können villeicht die insider mit Zahlen aufwarten - Wieviele "Linksextremisten" gibt es dort in Leipzig, wie alt sind sie und wieviele Straftaten wurden in den letzten Jahren begangen. Und was auch interessant wäre, welchen Bezug haben sie zu den Konflikten in der Wendezeit und in den Jahren danach.

Und ja - ich verurteile Gewalt. Und ja - ich will es genau wissen was in Leipzig passiert, weil mich mit Leipzig viel verbindet und ich den Eindruck habe, dass was dort in diesem Mikrokosmos passsiert, vieles erklärt, wenn wir von Auseinandersetzungen zwischen links und rechts von anderen Orten hören.

So fing es scheinbar an:

40 Jahre DDR, das sind 40 Jahre, in denen „die Arbeiterklasse unter Leitung der Partei- und Staatsführung“ das Wohnungsproblem immer erfolgreicher löste. Es ging dabei um Fünfjahrespläne, Parteitage und vor allem Formulierungen. Aber so einiges wurde denn doch getan, Plattenbauten sind schnell gebaut und vor allem realsozialistisch irgendwie korrekt. Sie benötigen nur Platz, der durch Tagebau und Landwirtschaft ja nicht immer ganz einfach zu beschaffen ist. Und da alte Häuser die Eigenschaft haben zu verfallen, wenn sie nicht ab und zu erneuert werden und das nun mal teurer ist als Neubauten, löst sich das Problem von selbst: Alte Häuser weg, Platten her.

Dieses Schicksal sollte auch Connewitz treffen, irgendwann in den 90ern. Solange sollten keine Wohnungen mehr in der Gegend vermittelt werden, um die Brachiallösung auch umsetzen zu können. Bis es soweit war, musste das Wohnungsproblem eben erst mal verschoben werden – da sind alle, die freiwillig die Statistik verlassen, um auf eigene Faust in baufälligen Altbauten zu wohnen, eine Erleichterung.

Und so kreuzten sich im 80er-Jahre-Leipzig, ganz besonders in Connewitz zwei Entwicklungen, die des „Leerwohnens“ von Seiten der Führung des werktätigen Volkes und die des „Schwarzwohnens“ von unten. Dieses wurde vor allem von Leuten aus der Punk- und Bluesszene, viele von ihnen Studierende, praktiziert. Eine sich politisch definierende “Szene” gab es aber kaum, Punks und AnarchistInnen scharten sich um ein paar Bands, wie „Wutanfall“ und „L‘Attentat“. Besondere Bedeutung hatten zu dieser Zeit kirchliche Projekte, die politische Subkultur unterstützten oder zumindest in ihren Räumen duldeten. Der „Mockauer Keller“ der Kirchengemeinde avancierte zum DDR-weitem Punkertreff, was natürlich nicht konfliktfrei ablaufen konnte – erste Auseinandersetzungen mit Nazis fallen in diese Zeit. Sie beschränkten sich zunächst auf Schlägereien bei Partys und hatten einen relativ unpolitischen Charakter.

Das plötzliche Chaos der Wende platzte also mitten in eine Zeit, die schon so von subkultureller Dynamik geprägt war.

Bei den montäglichen Massendemos roch es mehr und mehr nach Veränderung und Umsturz, überall war es plötzlich modern gegen “Die da oben” und “Die Roten” zu sein. Die völkischen Töne auf den Demonstrationen, die mit der Zeit immer mehr zunahmen (“Wir sind ein Volk” usw...), waren Wasser auf die Mühlen der Nazis, die sich durch ihr aggressives Auftreten und ihre „Oppositionsrolle“ massiv Zulauf verschaffen konnten.


Mittlerweile waren mehr Häuser besetzt worden, viele davon in Connewitz, wie die Leopold- und Meusdorferstraße. Und es ging immer weniger nur um Wohnraumbeschaffung, sondern immer mehr um Freiräume für politische Praxis, um Kultur und Punkrock. Im Laufe des Jahres 1990 etablierte sich im Connewitzer “Bermudadreieck” zwischen Wolfgang-Heinze- und Bornaischer Straße ein linker „Kiez“: Eine Gegend, in der es möglich war, für eine Weile unterzutauchen, quasi aus dem grauen Normalltag zu verschwinden. Der „Zug nach Connewitz“ mag aber auch einfach daran gelegen haben, dass viele Leute nach der abendlichen Kneipentour keine Lust mehr hatten, quer durch die Stadt nach Hause zu wandern. Auch außerhalb sprach sich die Sache herum und so wimmelte Connewitz von bunten Leuten, die die anarchische Atmosphäre schnuppern wollten oder auch gleich dablieben. Leute die damals dabei waren, sprechen heute von einer “Dauerparty“ – mit immer neuen Kneipen in den Erdgeschossen und Straßenlagerfeuer.

Aber auch die Nazis waren nach der “Wiedervereinigung” im Aufwind – Volksgemeinschaftszugehörigkeit schien auf einmal ein ungeheuer wichtiges Kriterium zu sein. Kohls “Blühende Landschaften” waren nirgends zu sehen und am allgemeinen Frust waren natürlich die “Anderen” schuld: Ausländer sind Untermenschen und “nehmen die Arbeit weg”, Linke “wollen nicht arbeiten” und passen erst recht nicht ins Wahnbild eines homogenen Faschismus.

Und so war es letztendlich auch der um sich greifende rechte Straßenterror, der die Szene radikalisierte
...

Jahre später eskalierte es scheinbar:

Es bleiben einige Fragen offen: Warum waren Bereitschaftspolizei und Feuerwehr schon Stunden vor dem Krawall in Alarmbereitschaft? Warum braucht die Polizei 20 Leute zur „Überprüfung von KFZ-Schäden“? Und welche Rolle spielten die Nazis bei der Sache? – Spekulation. Fakt ist, dass nach den Ereignissen des 27./28. November eine Diffamierungskampagne gegen die alternative Leipziger Szene startet, die jetzt meist mit „kriminell“ tituliert wird. Polizeistreifen fahren von nun an im Schritttempo durch Connewitz und sämtliche reaktionär-konservativen Kreise haben ihren Senf dazuzugeben. Faschistisch anmutende Forderungen, die „Ratten“ endlich alle zu „erschießen“, halten unkommentiert Einzug in die Tagespresse. Die Obrigkeit nutzt die öffentliche Hetze geschickt aus: Herr Tschense, damals Leiter des Wohnungsamtes und heute inoffizielle Nummer Zwei der Stadtpolitik, kommentiert süffisant: „Ob die ihre Häuser rot, grün oder blau anmalen, ist mir egal. Aber wer nachts Autos anzündet und das alternativ findet, gehört in eine Kohlengrube. Das kann nur heißen: Räumung.“

Geräumt wird dann letztlich doch nur ein Haus in der Leopoldstraße, und das auch noch illegal. Die Stadt stellt den BewohnerInnen nach einer Weile die Braustraße 12 zur Verfügung. Auch die Alternative Wohnungsbaugenossenschaft Connewitz (AWC) und andere Gruppen können durch ausdauernde Verhandlungen die Lage wieder konsolidieren.

Folgenschwer bleibt allerdings die Durchsetzung der berüchtigten „Leipziger Linie“ von Seiten der Stadtverwaltung: Neue Besetzungen werden ab jetzt auf keinen Fall mehr toleriert. Die glorreiche Ära der wilden Squats geht auch in Leipzig für‘s erste zu Ende.


https://www.anarchismus.at/die-autonomen...-bermudadreieck

Es lohnt sich meiner Meinung nach den gesamten Text zu lesen, den ich hier nur in Auszügen zitiert habe. Und bitte dabei nicht die Fragen vergessen, die ich oben gestellt habe zu der "neuen" Generation.

LG von der Moskwitschka

PS Bitte nicht an dem Link stören - "Anarchismus". Es war aber eine der wenigen umfänglichen Beschreibungen der damaligen Situation. Es soll nur eine Diskussionsgrundlage sein und die Erinnerungen auffrischen, die bei jedem anders sein können.


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Kurt Tucholsky

schulzi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.09.2015 23:56 | nach oben springen

#535

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 11.09.2015 02:42
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #534
Ich habe mal ein wenig in der Geschichte von Connewitz und dem "Bermudadreieck" gestöbert. Und mich beschleicht das Gefühl, dass dort immer wieder ein uralter Konflikt aufflammt. Es kann sein, dass ich Euch langweile, die sich eher an Fakten halten. Daher könnt ihr folgendes, was ich übrigens auf einer österreichischen Seite gefunden habe, gerne überlesen. Im Gegenzug können villeicht die insider mit Zahlen aufwarten - Wieviele "Linksextremisten" gibt es dort in Leipzig, wie alt sind sie und wieviele Straftaten wurden in den letzten Jahren begangen. Und was auch interessant wäre, welchen Bezug haben sie zu den Konflikten in der Wendezeit und in den Jahren danach.

Und ja - ich verurteile Gewalt. Und ja - ich will es genau wissen was in Leipzig passiert, weil mich mit Leipzig viel verbindet und ich den Eindruck habe, dass was dort in diesem Mikrokosmos passsiert, vieles erklärt, wenn wir von Auseinandersetzungen zwischen links und rechts von anderen Orten hören.

So fing es scheinbar an:

40 Jahre DDR, das sind 40 Jahre, in denen „die Arbeiterklasse unter Leitung der Partei- und Staatsführung“ das Wohnungsproblem immer erfolgreicher löste. Es ging dabei um Fünfjahrespläne, Parteitage und vor allem Formulierungen. Aber so einiges wurde denn doch getan, Plattenbauten sind schnell gebaut und vor allem realsozialistisch irgendwie korrekt. Sie benötigen nur Platz, der durch Tagebau und Landwirtschaft ja nicht immer ganz einfach zu beschaffen ist. Und da alte Häuser die Eigenschaft haben zu verfallen, wenn sie nicht ab und zu erneuert werden und das nun mal teurer ist als Neubauten, löst sich das Problem von selbst: Alte Häuser weg, Platten her.

Dieses Schicksal sollte auch Connewitz treffen, irgendwann in den 90ern. Solange sollten keine Wohnungen mehr in der Gegend vermittelt werden, um die Brachiallösung auch umsetzen zu können. Bis es soweit war, musste das Wohnungsproblem eben erst mal verschoben werden – da sind alle, die freiwillig die Statistik verlassen, um auf eigene Faust in baufälligen Altbauten zu wohnen, eine Erleichterung.

Und so kreuzten sich im 80er-Jahre-Leipzig, ganz besonders in Connewitz zwei Entwicklungen, die des „Leerwohnens“ von Seiten der Führung des werktätigen Volkes und die des „Schwarzwohnens“ von unten. Dieses wurde vor allem von Leuten aus der Punk- und Bluesszene, viele von ihnen Studierende, praktiziert. Eine sich politisch definierende “Szene” gab es aber kaum, Punks und AnarchistInnen scharten sich um ein paar Bands, wie „Wutanfall“ und „L‘Attentat“. Besondere Bedeutung hatten zu dieser Zeit kirchliche Projekte, die politische Subkultur unterstützten oder zumindest in ihren Räumen duldeten. Der „Mockauer Keller“ der Kirchengemeinde avancierte zum DDR-weitem Punkertreff, was natürlich nicht konfliktfrei ablaufen konnte – erste Auseinandersetzungen mit Nazis fallen in diese Zeit. Sie beschränkten sich zunächst auf Schlägereien bei Partys und hatten einen relativ unpolitischen Charakter.

Das plötzliche Chaos der Wende platzte also mitten in eine Zeit, die schon so von subkultureller Dynamik geprägt war.

Bei den montäglichen Massendemos roch es mehr und mehr nach Veränderung und Umsturz, überall war es plötzlich modern gegen “Die da oben” und “Die Roten” zu sein. Die völkischen Töne auf den Demonstrationen, die mit der Zeit immer mehr zunahmen (“Wir sind ein Volk” usw...), waren Wasser auf die Mühlen der Nazis, die sich durch ihr aggressives Auftreten und ihre „Oppositionsrolle“ massiv Zulauf verschaffen konnten.


Mittlerweile waren mehr Häuser besetzt worden, viele davon in Connewitz, wie die Leopold- und Meusdorferstraße. Und es ging immer weniger nur um Wohnraumbeschaffung, sondern immer mehr um Freiräume für politische Praxis, um Kultur und Punkrock. Im Laufe des Jahres 1990 etablierte sich im Connewitzer “Bermudadreieck” zwischen Wolfgang-Heinze- und Bornaischer Straße ein linker „Kiez“: Eine Gegend, in der es möglich war, für eine Weile unterzutauchen, quasi aus dem grauen Normalltag zu verschwinden. Der „Zug nach Connewitz“ mag aber auch einfach daran gelegen haben, dass viele Leute nach der abendlichen Kneipentour keine Lust mehr hatten, quer durch die Stadt nach Hause zu wandern. Auch außerhalb sprach sich die Sache herum und so wimmelte Connewitz von bunten Leuten, die die anarchische Atmosphäre schnuppern wollten oder auch gleich dablieben. Leute die damals dabei waren, sprechen heute von einer “Dauerparty“ – mit immer neuen Kneipen in den Erdgeschossen und Straßenlagerfeuer.

Aber auch die Nazis waren nach der “Wiedervereinigung” im Aufwind – Volksgemeinschaftszugehörigkeit schien auf einmal ein ungeheuer wichtiges Kriterium zu sein. Kohls “Blühende Landschaften” waren nirgends zu sehen und am allgemeinen Frust waren natürlich die “Anderen” schuld: Ausländer sind Untermenschen und “nehmen die Arbeit weg”, Linke “wollen nicht arbeiten” und passen erst recht nicht ins Wahnbild eines homogenen Faschismus.

Und so war es letztendlich auch der um sich greifende rechte Straßenterror, der die Szene radikalisierte
...

Jahre später eskalierte es scheinbar:

Es bleiben einige Fragen offen: Warum waren Bereitschaftspolizei und Feuerwehr schon Stunden vor dem Krawall in Alarmbereitschaft? Warum braucht die Polizei 20 Leute zur „Überprüfung von KFZ-Schäden“? Und welche Rolle spielten die Nazis bei der Sache? – Spekulation. Fakt ist, dass nach den Ereignissen des 27./28. November eine Diffamierungskampagne gegen die alternative Leipziger Szene startet, die jetzt meist mit „kriminell“ tituliert wird. Polizeistreifen fahren von nun an im Schritttempo durch Connewitz und sämtliche reaktionär-konservativen Kreise haben ihren Senf dazuzugeben. Faschistisch anmutende Forderungen, die „Ratten“ endlich alle zu „erschießen“, halten unkommentiert Einzug in die Tagespresse. Die Obrigkeit nutzt die öffentliche Hetze geschickt aus: Herr Tschense, damals Leiter des Wohnungsamtes und heute inoffizielle Nummer Zwei der Stadtpolitik, kommentiert süffisant: „Ob die ihre Häuser rot, grün oder blau anmalen, ist mir egal. Aber wer nachts Autos anzündet und das alternativ findet, gehört in eine Kohlengrube. Das kann nur heißen: Räumung.“

Geräumt wird dann letztlich doch nur ein Haus in der Leopoldstraße, und das auch noch illegal. Die Stadt stellt den BewohnerInnen nach einer Weile die Braustraße 12 zur Verfügung. Auch die Alternative Wohnungsbaugenossenschaft Connewitz (AWC) und andere Gruppen können durch ausdauernde Verhandlungen die Lage wieder konsolidieren.

Folgenschwer bleibt allerdings die Durchsetzung der berüchtigten „Leipziger Linie“ von Seiten der Stadtverwaltung: Neue Besetzungen werden ab jetzt auf keinen Fall mehr toleriert. Die glorreiche Ära der wilden Squats geht auch in Leipzig für‘s erste zu Ende.


https://www.anarchismus.at/die-autonomen...-bermudadreieck

Es lohnt sich meiner Meinung nach den gesamten Text zu lesen, den ich hier nur in Auszügen zitiert habe. Und bitte dabei nicht die Fragen vergessen, die ich oben gestellt habe zu der "neuen" Generation.

LG von der Moskwitschka

PS Bitte nicht an dem Link stören - "Anarchismus". Es war aber eine der wenigen umfänglichen Beschreibungen der damaligen Situation. Es soll nur eine Diskussionsgrundlage sein und die Erinnerungen auffrischen, die bei jedem anders sein können.




Moskwitschka, was da geschrieben steht ist nicht so ganz wahr. Das Wohnprojekt B12 (Braustrasse 12) ging wohl etwas in die Hose. Braustrasse 20
wurde es. Übrigens in der Braustrasse 15, also schräg gegenüber befindet sich das "Karl- Liebknecht Haus", Gedenkstätte und die Linken sind vor
Ort.
Micha


schulzi und Moskwitschka haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.09.2015 02:50 | nach oben springen

#536

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 11.09.2015 09:28
von Moskwitschka | 2.532 Beiträge

Na dann kehren wir nach dem Ausflug in die Geschichte in die Gegenwart zurück. Denn in diesem Jahr eskalierte es wieder. Und wenn man nicht ständig die Ohren und Augen Richtung Leipzig ausrichtet, fällt es schwer die Ereignisse einzuordnen. Zumal die Stadt eher wegen der Legida in den Blickpunkt geraten ist und deren Gegner dann pauschal als linksextrem eingeordnet werden.

Da halte ich es mit dem OBM Jung:

Jung sagt auch: "Dass wir solidarisch mit Subkulturen sind, heißt nicht, dass wir solidarisch mit Gewalt wären. Ich bin für Subkulturen und klar gegen Gewalt." Und dennoch ist ja die Frage berechtigt, ob der gewaltbereite Linksextremismus die Kehrseite der schönen Leipziger alternativen Lebensweise ist, ihre schlimmste Ausprägung. Nein, antwortet Jung da wieder. "Ich erwarte aus der Szene, aus der Subkultur, ein klares Bekenntnis gegen Gewalttäter." Zumal, so der SPD-Mann, die Randalierer des 5. Juni überhaupt keine Linken seien! "Diese Leute sind für mich eher Anarchisten, die werfen Pflastersteine auf Polizisten, die lehnen den Staat ab, die betreiben Widerstand gegen die Gesellschaft und den Staat als Ganzes. Die sind gefährlich, und ich verurteile sie aufs Schärfste."

Auch Jung hat beobachtet, dass diese Gruppe sich radikalisiert. "Inzwischen sind diese Anarchisten ein hocheffizient operierender, fast paramilitärischer Trupp, der innerhalb kürzester Zeit überall in der Stadt 100 Leute mobilisieren kann", sagt er. Paramilitärisch? Ja, Jung findet: "Das sind Staatsverächter. Solche Leute gibt es in drei, vier deutschen Städten. Außer in Leipzig vielleicht noch in Berlin, Hamburg, Freiburg." Alles Universitätsstädte. In Leipzig gibt es die Szene, angeblich, vor allem in Connewitz – diesem Viertel im Süden der Stadt. Hier, wo die Altbauten verfielen, eigentlich kaum einer wohnen wollte, konnte man schon in den letzten Jahrzehnten DDR ein freieres, anderes Leben führen. In den Neunzigern entstand, auch weil sich immer wieder Neonazis blicken ließen, eine virile linke Szene.


http://www.zeit.de/2015/25/linke-gewalt-leipzig/seite-2

In den letzten Monaten ist einiges durchinander geraten. Insbesondere in der Beschreibung und Zuordnung von politischen Strömungen - von links bis rechts. Und diese 100 (?) Anarchos auf der einen Seite und den Anhängern der Legida auf der anderen Seite, die immer wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit geraten, erschweren es dem einzelnen sich zu aktuellen Problemen in unserem Land zu positionieren. Nicht selten aus Unkenntnis. Dabei haben beide Gruppiierungen meiner Meinung nach eins gemeinsam - sie lehnen beide unseren Staat ab.

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 11.09.2015 09:33 | nach oben springen

#537

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 11.09.2015 14:12
von Gelöschtes Mitglied

Moskwitschka hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.09.2015 14:13 | nach oben springen

#538

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 11.09.2015 16:05
von Moskwitschka | 2.532 Beiträge

Die Gentrifizierung ist ein weites Feld, mit der sich besonders Menschen in den Großstädten auseinandersetzten müssen. Oder auch nicht, weil viele aufgeben und aus diesen Stadtbezirken wegziehen. Ich kenne einige, gerade ältere Menschen im Prenzlauer Berg, die sich wehren. Doch das passiert meist leies, ohne öffentliche Aufmerksamkeit.

Volle Aufmerksamkeit haben die Autobrände, Schmierereien und in Berlin sogar angezündete Kinderwagen in Hausfluren. Den Autobränden in Berlin bin ich mal auf die Spur gegangen. Eigentlich um zu erfahren, wie die Berliner Polizei dagegen hält und welche Maßnahmen sie ergreift gegen diese Gewalt. Und da bin ich stutzig geworden. Unterscheiden sie doch zwischen politisch motivierten Straftaten und nicht politisch motivierten. Bin ich doch davon ausgegangen, dass wenn ein Auto angezündet wird politische Motive im Vordergrund stehen. Doch seht selbst:



https://de.wikipedia.org/wiki/Brandansch...zeuge_in_Berlin

Wird das in Leipzig ähnlich unterschieden? Oder sind alle Brandanschläge auf oder offensichtliche Demolierungen von Autos ausschließlich politisch motiviert?

LG von der Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 11.09.2015 16:12 | nach oben springen

#539

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 11.09.2015 16:24
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #538
Die Gentrifizierung ist ein weites Feld, mit der sich besonders Menschen in den Großstädten auseinandersetzten müssen. Oder auch nicht, weil viele aufgeben und aus diesen Stadtbezirken wegziehen. Ich kenne einige, gerade ältere Menschen im Prenzlauer Berg, die sich wehren. Doch das passiert meist leies, ohne öffentliche Aufmerksamkeit.

Volle Aufmerksamkeit haben die Autobrände, Schmierereien und in Berlin sogar angezündete Kinderwagen in Hausfluren. Den Autobränden in Berlin bin ich mal auf die Spur gegangen. Eigentlich um zu erfahren, wie die Berliner Polizei dagegen hält und welche Maßnahmen sie ergreift gegen diese Gewalt. Und da bin ich stutzig geworden. Unterscheiden sie doch zwischen politisch motivierten Straftaten und nicht politisch motivierten. Bin ich doch davon ausgegangen, dass wenn ein Auto angezündet wird politische Motive im Vordergrund stehen. Doch seht selbst:



https://de.wikipedia.org/wiki/Brandansch...zeuge_in_Berlin

Wird das in Leipzig ähnlich unterschieden? Oder sind alle Brandanschläge auf oder offensichtliche Demolierungen von Autos ausschließlich politisch motiviert?

LG von der Moskwitschka


Moskwitschka, alle was Du beschreibst gibt es in Leipzig auch. Das da unterschieden wird ist mir nicht bekannt. Mutmaßungen gibt es.
Wenn 3 Transporter der Immoblienfirma "GRK" in Connewitz brennen, da kann man schon auf einen Gedanken kommen.
Micha


Moskwitschka hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#540

RE: Linksextremer Überfall auf Polizei in Leipzig

in Themen vom Tage 11.09.2015 19:46
von Hanum83 | 4.789 Beiträge

Wenn man theoretisch alle Arten von Gewalt auseinanderdividiert hat und dann zufälligerweise selbst einen Pflasterstein auf den Kopp bekommt, wird praktischn die Theorie zur Praxis, falls man jemals wieder zu sich kommen sollte, kann man da ja dann im Selbstsudium die Frage erörtern ob der Stein von links oder rechts kam, oder halt einfach von oben.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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