#281

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 29.04.2015 15:07
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #271
Zitat von Gert im Beitrag #270
der Preis für die "Befreiung" war zu hoch, nämlich die Spaltung D's auf Jahrzehnte. Ein Teil der Deutschen wurde ihrer Heimat beraubt, ein anderer Teil wurde von einer Diktatur in die nächste transferiert. Daher ist es keine Befreiung gewesen. Man kann am 8.Mai der Gefallenen gedenken. Huldigungen der und an die Siegermächte des WK II halte ich für unangebracht.


Moin Gert...

stimmt Gert, das war echt ein hoher Preis, also wenn man das gewusst hätte, dann hätte man doch lieber auf die Befreiung verzichten sollen... oder?
Also so ein schönes Reich, ganz unbefreit und mit allen Vorteilen die die damalige Zeit so zu bieten hatte... wa?
Ach rheinischer Humor ist wirklich was herrliches.....
Vielleicht lag es aber auch am damaligen System und dem verbrecherischem Krieg, der von Deutschland ausgegangen ist? Hätte es den nicht gegeben, dann würde es jetzt auch nicht dieses, aus der Geschichte begründete Forum geben....
Aber wie es mit dem "hätte" immer so ist... hätte meine Tante einen Sack, wäre sie mein Onkel.....

VG vom Rhin an den Rhein



@exgakl es war keine Befreiung, aber es war eine Niederlage . Auf die hätten wir gut und gern verzichten können, wäre die Entwicklung in D anders verlaufen. Natürlich hatte unser Volk am 8.Mai 45 keine Alternative zu dem , was mit uns geschah. Nur Niederlagen feiern, nö danke.
Wir hatten genug damit zu tun uns danach zu rehabilitieren. Ich denke das ist in 70 Jahren auch gut gelungen, die reeducation. Wir haben in vielen Ländern wieder ein hohes Ansehen und daran sollten wir weiter arbeiten. Ich weiss, da sind da draußen wieder einige Nestbeschmutzer, die das anders sehen. Spart euch die Kalorien, das zu schreiben.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#282

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 29.04.2015 16:59
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #281
Zitat von exgakl im Beitrag #271
Zitat von Gert im Beitrag #270
der Preis für die "Befreiung" war zu hoch, nämlich die Spaltung D's auf Jahrzehnte. Ein Teil der Deutschen wurde ihrer Heimat beraubt, ein anderer Teil wurde von einer Diktatur in die nächste transferiert. Daher ist es keine Befreiung gewesen. Man kann am 8.Mai der Gefallenen gedenken. Huldigungen der und an die Siegermächte des WK II halte ich für unangebracht.


Moin Gert...

stimmt Gert, das war echt ein hoher Preis, also wenn man das gewusst hätte, dann hätte man doch lieber auf die Befreiung verzichten sollen... oder?
Also so ein schönes Reich, ganz unbefreit und mit allen Vorteilen die die damalige Zeit so zu bieten hatte... wa?
Ach rheinischer Humor ist wirklich was herrliches.....
Vielleicht lag es aber auch am damaligen System und dem verbrecherischem Krieg, der von Deutschland ausgegangen ist? Hätte es den nicht gegeben, dann würde es jetzt auch nicht dieses, aus der Geschichte begründete Forum geben....
Aber wie es mit dem "hätte" immer so ist... hätte meine Tante einen Sack, wäre sie mein Onkel.....

VG vom Rhin an den Rhein



@exgakl es war keine Befreiung, aber es war eine Niederlage . Auf die hätten wir gut und gern verzichten können, wäre die Entwicklung in D anders verlaufen. Natürlich hatte unser Volk am 8.Mai 45 keine Alternative zu dem , was mit uns geschah. Nur Niederlagen feiern, nö danke.
Wir hatten genug damit zu tun uns danach zu rehabilitieren. Ich denke das ist in 70 Jahren auch gut gelungen, die reeducation. Wir haben in vielen Ländern wieder ein hohes Ansehen und daran sollten wir weiter arbeiten. Ich weiss, da sind da draußen wieder einige Nestbeschmutzer, die das anders sehen. Spart euch die Kalorien, das zu schreiben.


Ja Gert--Deutschland hat 1945,das bekommen was sie 1939 in die Welt hinaus trugen und es war eine zu recht verdiente Niederlage.Natürlich hat Deutschland aus den Fehlern gelernt und das ist auch gut so: Aber man sollte auch nicht vergessen was geschehen ist damals um daraus zu lernen.
PS: Kann sein das ich nun zu den Nestbeschmutzern gehöre---weil ich anderer Meinung bin.


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#283

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 29.04.2015 19:33
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #276
Zitat von Harsberg im Beitrag #269

Zitat
zeigt die Massenflucht aus den Ostgebieten.


Davon konnte keine Rede sein, wir wurden ausgewiesen und unser Eigentum enteignet!


Ja die, welche blieben: Aber eine Massenflucht davor, vor Kriegsende kann man nicht bestreiten. Z. B. in Pferdewagentrecks über die zugefrorene Meeresbucht und die Gustloff nicht zu vergessen. Die Rückzugswege der Wehrmacht sollen von Flüchtlingen regelrecht verstopft gewesen sein.
Sogar aus dem Ostelbischen sind Viele noch über den Fluß geflohen, zu den Amerikanern.
[...]


Die Angaben schwanken zwischen 12 und 14 Millionen Flüchtlingen damals.
Dieses heikle Thema wurde bisher nicht richtig aufgearbeitet, passt auch nicht richtig zur Befreiungs-These.

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
Gert und Freienhagener haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#284

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 29.04.2015 19:46
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #283

Dieses heikle Thema wurde bisher nicht richtig aufgearbeitet, passt auch nicht richtig zur Befreiungs-These.



...sag ich doch.
Als befreit kann man nur Gegner und Opfer des Regimes betrachten. Und die waren bekanntlich eine Minderheit.

So gesehen war es (nicht für die Vertriebenen) eine gewaltsame Rettung zu unserem Besten.
Die breite antifaschistische Einsicht kam erst danach. Das Vorher war nicht im Handumdrehen aus den Köpfen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Ari@D187 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.04.2015 19:46 | nach oben springen

#285

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 29.04.2015 20:33
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #284
Zitat von Ari@D187 im Beitrag #283

Dieses heikle Thema wurde bisher nicht richtig aufgearbeitet, passt auch nicht richtig zur Befreiungs-These.



...sag ich doch.
Als befreit kann man nur Gegner und Opfer des Regimes betrachten. Und die waren bekanntlich eine Minderheit.

So gesehen war es (nicht für die Vertriebenen) eine gewaltsame Rettung zu unserem Besten.
Die breite antifaschistische Einsicht kam erst danach. Das Vorher war nicht im Handumdrehen aus den Köpfen.


Ich denke mal,- der 8.Mai ist nicht unter nur einem Begriff fassbar !

Dieser Tag ist ebenso der verbriefte Tag der Niederlage der deutschen Wehrmacht , er ist ein Tag des Aufatmens für viele zivile Bewohner der Städte nach den ewigen Luftangriffen und Bombardements, er war mit Sicherheit ein Schreckenstag für all die Deutschen ,- die sich übermäßig für den Naionalsozialismus engagiert haben , es war ein Tag ,- an dem für viele deutsche Soldaten der nächste Leidensweg in die Kriegsgefangenschaft begann ,- es war ein Tag ,- der die Vertreibung vieler Deutscher einleitete -es war aber auch ein Tag ,- an dem erstmals die Waffen schwiegen und eine Ahnung vom künftigen Frieden aufkam ,- und ja:
Für sehr viele KZ-Insassen und politische Inhaftierte war es tatsächlich ein Tag der Befreiung!

Dieser Tag ist auf jeden Fall geschichtsträchtig ,- und jeder wird eine Facette finden ,- die ihm persönlich eine Beurteilung dieses Datums aus seiner speziellen Sicht erlauben wird....


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
Larissa, Gert, Freienhagener, exgakl, Ari@D187 und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.04.2015 20:34 | nach oben springen

#286

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 30.04.2015 07:41
von Georg | 1.031 Beiträge

Zitat von Ostlandritter im Beitrag #285
Zitat von Freienhagener im Beitrag #284
[quote=Ari@D187|p466684]
Dieses heikle Thema wurde bisher nicht richtig aufgearbeitet, passt auch nicht richtig zur Befreiungs-These.



...sag ich doch.
Als befreit kann man nur Gegner und Opfer des Regimes betrachten. Und die waren bekanntlich eine Minderheit.

So gesehen war es (nicht für die Vertriebenen) eine gewaltsame Rettung zu unserem Besten.
Die breite antifaschistische Einsicht kam erst danach. Das Vorher war nicht im Handumdrehen aus den Köpfen.


Ich denke mal,- der 8.Mai ist nicht unter nur einem Begriff fassbar !

Dieser Tag ist ebenso der verbriefte Tag der Niederlage der deutschen Wehrmacht , er ist ein Tag des Aufatmens für viele zivile Bewohner der Städte nach den ewigen Luftangriffen und Bombardements, er war mit Sicherheit ein Schreckenstag für all die Deutschen ,- die sich übermäßig für den Naionalsozialismus engagiert haben , es war ein Tag ,- an dem für viele deutsche Soldaten der nächste Leidensweg in die Kriegsgefangenschaft begann ,- es war ein Tag ,- der die Vertreibung vieler Deutscher einleitete -es war aber auch ein Tag ,- an dem erstmals die Waffen schwiegen und eine Ahnung vom künftigen Frieden aufkam ,- und ja:
Für sehr viele KZ-Insassen und politische Inhaftierte war es tatsächlich ein Tag der Befreiung!

Dieser Tag ist auf jeden Fall geschichtsträchtig ,- und jeder wird eine Facette finden ,- die ihm persönlich eine Beurteilung dieses Datums aus seiner speziellen Sicht erlauben wird....[/quote

rot: und ja - so kann man die Verbrechen, die vorausgegangen sind so schön relativieren !


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#287

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 30.04.2015 08:13
von B208 | 1.352 Beiträge

Es gibt eine Inflation von Gedenk-, Feier-,Erinnerungs-,Ehrentagen , da sollte man nicht noch einen dazu erfinden.

Man sollte die vorhandenen mit Leben erfüllen oder wieder zum Leben erwecken !

Wir haben den Volkstrauertag , ein Gedenktag an alle Opfer von Gewaltherrschaft .

Diejenigen , die einen neuen Gedenktag brauchen , sollten sich ersteinmal an diesem schon gesetzlich festgeschriebenen Tag zum Gedenken sammeln und an die Opfer , alle Opfer , nationenübergreifend denken .

Für manche ist er aber nicht genug , denn er fällt immer auf einen Sonntag .


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#288

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 01.05.2015 07:47
von Georg | 1.031 Beiträge

Nun der 8. Mai 1945 war ein Dienstag. Sonntags hätten die Deutschen nie kapituliert.

B208 - Dein Geschwafel !
Der 8. Mai 1945 ist und war einmalig in der Geschichte der Menschheit. Dieser Tag teilt die Geschichte in Vorher und Nachher. Frag Deine Eltern oder
Großeltern. Noch lebende Zeitzeugen.
Dieser Tag ist noch nicht einmal mit dem 9. November 1989 zu vergleichen. Unvergleichlich, weil der 8. Mai ein Ende war und ein neuer Anfang hätte sein können. Ein neues Deutschland !
Leider ist nur ein Flickenteppich entstanden bzw. gestaltet worden. Dieser Flickenteppich wird immer größer und muß schon wieder durch deutsche Soldaten im Ausland verteidigt werden


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
Larissa hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#289

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 07.05.2015 23:31
von Larissa | 834 Beiträge

Gedanken zum 70. Jahrestag der Beendigung des 2. Weltkriegs.

Die Waffen schwiegen am 8. Mai 1945. Kanonendonner, Sirenen, sind Geschichte. Die Angst bleibt. Der Geruch verbrannter Erde, verwesende Leichen und Tierkadaver erfüllte die Luft seit Jahren und für eine lange Zeit noch danach. Kameraden weinen heute noch um Kameraden, für andere war wenige Stunden vor Kriegsende der Tod die Erlösung auf den Schlachtfeldern.

Was mögen sie gefühlt, gedacht haben, in ihren letzten Stunden. Gedanken an die Mutter, die Frau, die Freundin. Sehnsucht nach dem Zuhause? Nach einem Zuhause und Menschen, von der sie nicht wissen, ob es diese noch gibt.
In New York und London feiern die Menschen, tanzen auf der Straße. Der Krieg ist zu Ende. Ein Totentanz. Denn im Mai 1945 ist längst nicht klar, welcher Schaden die Menschheit genommen hat.

Millionen in Gefangenschaft schauen in eine ungewisse Zukunft. Die einen kommen in die schlangenverseuchten Swamps von Alabama. Die anderen marschieren ohne Stiefel in die sibirische Kälte.
Das Warten auf die Heimkehrer wird lang und oftmals kommt keiner zurück. Genau wie die russischen, warten die deutschen Mütter auf ihre Männer, Söhne und Brüder. Millionenfach vergeblich. Diese verrotten in fremder Erde, erfroren, verbrannt, erschossen, und mit zerrissenen Leibern hauchen sie ihr Leben aus. Heute noch, 70 Jahre danach, sucht man nach ihren Überresten. Die Handlanger des Teufels waren zu feige Widerworte zu haben, und folgten weiter den Befehlen des Teufels bis zum bitteren Ende, was bedeutete noch hunderttausende von sinnlosen Opfern.

Die Amerikaner stehen in Deutschland. Haben unter massiven Verlusten die Küste der Normandie erobert.
Die Russen stehen in Berlin. Die Straßennamen prangen in kyrillischer Schrift. Eine Metropole, die nur noch aus Ruinen besteht, wie das gesamte Land.
Das stolze Deutschland ist am Boden, am Boden zerstört im wahrsten Sinne des Wortes auch das Volk, das ebenso diesem Teufel aufgesessen war und nun in Ruinen ihr Dasein fristet. Gute unter ihnen, viele gute ja, aber eben auch schlechte Menschen, die Werkzeuge dieses Teufels waren.
Hitler ist kein Thema mehr in diesen Tagen Anfang Mai 1945. Noch nicht. Ein irdisches Gericht wird später entscheiden über seine Helfer und dem Volk die Wahrheit vor Augen führen. Eine Wahrheit, die 1945 noch unter Trümmer liegt und Erschreckendes zu Tage fördert bereits als die ersten armen Seelen in den KZs befreit werden von den Alliierten.

Das menschliche Elend aller Beteiligten, vor allem das Elend des einfachen Soldaten auf See, in der Luft, auf dem Boden der verbrannten Erde von Stalingrad, Moskau, auf den Stränden der Normandie, in Berlin, und anderen deutschen Großstädten werden wir erst Jahrzehnte später zu sehen bekommen.
Die Menschen in Deutschland, in Russland, in England und Frankreich haben, dem Krieg entronnen, nun einen eigenen persönlichen Kampf zu kämpfen - den Kampf ums Überleben, als die große Politik bestimmt, wohin der Weg, besonders der Deutschen, geht.
Lang und kalt sind die Winter 1946 und 1947, in dem es an allem fehlt. Geschwächt auf den Strapazen der Flucht sterben Kinder in den Armen ihrer Mütter, die die leblosen kleinen Körper am Straßenrand zurücklassen müssen. Familien finden erst Jahre später wieder zusammen – oder warten vergebens.

Kaum ist der Krieg beendet, breitet das Elend seine Schwingen wieder in Form der Atombombe aus, und auf Jahre hinaus werden wir mit der größten militärischen Aufrüstung aller Zeiten belastet werden. Das ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Kinder werden in die Trümmer hineingeboren.
Deutschland ist besetzt und wird aufgeteilt wie ein Stück Kuchen. Deutsche werden über fast dreißig Jahre getrennt und wachsen auf in unterschiedliche politische Systeme.

Befreiung für viele Opfer, Sieg der Alliierten, Niederlage und Untergang des 3. Reichs.

Kind und Kindeskinder aus dieser Ära werden längst als Freunde angesehen, so sie es wollen. Werden reichlich bedacht und gastfreundlich aufgenommen von denen, die ebenfalls unschuldig sind am Geschehen damals. Menschen, die nicht richten, sondern die Hand reichen.
Nur von Deutschen und Russen ausgehend, hat nahezu jede Familie damals Verluste erlitten. Große Verluste. Unfassbare hohe Verluste, die es zu Gedenken gibt.

Leicht geht es von der Hand dem anderen etwas von seinen Taten vorzuhalten oder eigene Helden zu benennen. Schindler, Kartyn, Judenvernichtung in den KZs und das Morden und vernichten der russischen Landbevölkerung. Alles kann man schmeißen in einen Topf. Immer nur kommt das Gleiche heraus: Tote in unendlicher Zahl, Elend und menschliche Grausamkeit und Leid, die bis heute die Familien mit sich tragen müssen.
Es bleiben die schwarz-weiss verblassten Fotos von Großvätern und Vätern, von den Frauen dieser Zeit, die unendliches Leid erfuhren in allen Belangen.
Die große Schuld der Deutschen kann nicht mit der Schuld der anderen aufgewogen werden. Ins Detail müssen wir nicht gehen. Wir können nix mehr verändern. Wir können nur Gedenken den Opfern. Jahr für Jahr, auch wenn es denen nicht passt, die heute wieder auf dem Kriegspfad sind, anstatt sich um ihre Sozialschwachen zu kümmern.

Die Worte ‚Nie wieder Krieg‘ klingen fuer mich wie Hohn. Statt weisse Tauben sind wieder Aggressionen in aller Welt die Tagesordnung.

Ob und wie der eigenen und fremden gedacht wird, sollte in allen Ländern gleich sein. Nur mit Gedenken. Dann könnten wir sagen, wir haben etwas gelernt. Aber, seit Jahren marschieren wir gegeneinander wieder, lassen zu, dass Rabauken die Oberhand bekommen und dass neue Feindbilder entstehen.

Nie wieder Krieg? Der wirtschaftliche und politische Kampf der Interessen der Industrieländer und der Banken, steht an erster Stelle. Krieg bedeutet Geschäft in jeder Hinsicht. Und Geschäfte sind wichtiger als der Mensch. Und die Gier nach dem Geld versiegt nicht.

Ich habe in verschiedenen Ländern gelebt und sehe mit wachsender Sorge den aufkommenden ungesunden Patriotismus, verbunden mit Hass gegen Russland, gegen Amerika, gegen die EU und andere Völker, von Unwahrheiten gespickt durch verloge Medien, ein Apparat der die Politiker unterstützt in ihrer Einseitigkeit uns Engstirnigkeit.

Die wirtschaftlichen Probleme sind riesig, auch in gut situierten Ländern, und sie werden in den nächsten Jahren nicht weniger werden.
Das Elend kommt in Booten über das Mittelmeer, aus kriegsgebeutelten Ländern, und es interessiert kaum, dass neue Kriege entfacht werden und diese Zahlen steigen. Was tun? Wieder einem Führer nachlaufen, der für Ordnung sorgt? Das ist nicht so abwegig. So ist der Mensch. Und so ist der Wunsch meiner US Freunde, meiner Engländer, meiner russischen Freunde. Und wie oft habe ich gehört, wir brauchen einen Adolf wieder.

Unfassbar. Aber - ändern muss sich etwas! Das Volk muss gehört werden.

Der Kalte Krieg nach dem 2. Weltkrieg gehörte zu unserem Leben. Die Ängste, das Eingeschränkt sein, das von der Propaganda und dem Nichtwissen abhängig sein über Jahre hinweg. Und heute? Das bisschen an Verständnis und Freundschaft wird wieder zerstört von Politikern, die alle so tief gesunken sind, dass sie unter dem Bauch einer Schlange stehen könnten. Politiker, die keine Ahnung vom realen täglichen Lebenskampf ihrer Völker haben und denen ihre Sorgen und Nöte bis zur nächsten Wahl gleichgültig sind. Und zu diesen können sich die gesellen, die nur Hass in sich tragen und Frieden nicht zulassen.

Gedenken aller Toten des II. Weltkriegs
70. Jahrestag 2015
Fuer die namenlosen aller Laender, die Verfuehrte, Täter und Opfer wurden.


From Russia with love, liebe Gruesse an meine Deutschen Freunde im Forum DDR Grenze, Larissa
8. Mai 2015, Moskau


Der 2. Weltkrieg ging sofort hinüber in die Ära des Kalten Krieges. Bereits während des Krieges ergaben sich Unstimmigkeiten zwischen der Sowjet Union und der westlichen Alliierten, hier trugen nicht nur die Sowjets die Schuld. Um das gemeinsame Ziel zu erreichen wurden diese Differenzen zurück gehalten. Die letzten Bomben der 2. Weltkriegs auf Hiroshima und Nagasaki waren die letzten Bomben des Krieges - und die ersten im nachfolgenden Kalten Krieg.
Вторая Мировая война непосредственно перешла в эру "холодной войны". Даже во время "горячей войны" между СССР и его западными союзниками были разногласия, которые отдаляли достижение общей цели. И это не было только виной Советов. Последние бомбы Второй Мировой, сброшенные на Хиросиму и Нагасаки, были не только последними бомбами Второй Мировой войны, но и первыми бомбами "холодной войны


http://www.youtube.com/watch?v=zeEacFAnXj4



Text wurde korrigiert


"Keine Jagd ist so wie die Jagd auf Menschen und die, die lange genug Menschen gejagt haben, die Spaß daran hatten, interessieren sich nie wieder für etwas anderes." — Hemingway
der 39., Rainman2, Fritze und buschgespenst haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.05.2015 23:34 | nach oben springen

#290

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 07.05.2015 23:55
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #276
Zitat von Harsberg im Beitrag #269

Zitat
zeigt die Massenflucht aus den Ostgebieten.


Davon konnte keine Rede sein, wir wurden ausgewiesen und unser Eigentum enteignet!


Ja die, welche blieben: Aber eine Massenflucht davor, vor Kriegsende kann man nicht bestreiten. Z. B. in Pferdewagentrecks über die zugefrorene Meeresbucht und die Gustloff nicht zu vergessen. Die Rückzugswege der Wehrmacht sollen von Flüchtlingen regelrecht verstopft gewesen sein.
Sogar aus dem Ostelbischen sind Viele noch über den Fluß geflohen, zu den Amerikanern.

Und dort, wo die Amerikaner zeitweilig waren, hat man deren Abzug und die Übernahme durch die Russen eher bedauert und gefürchtet.

Das zeigt auch, daß es zum Weiterbestehen dieses Reiches und der russischen Besatzung durchaus eine Alternative gegeben hätte.
Jedenfalls ist es nicht so, daß es keine Befreiung gegeben hätte, wenn die Russen (theoretisch) östlich der Oder Halt gemacht hätten.



Was soll dieser krude Beitrag?

Praktisch sind die Russen eben mal weitermarschiert! Und die weitere Zukunft Von Deutschland haben die Alleierten wohl schon lange vorher entschieden.
Da gabs keine Alternative mehr


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#291

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 00:01
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #286
Zitat von Ostlandritter im Beitrag #285
Zitat von Freienhagener im Beitrag #284
[quote=Ari@D187|p466684]
Dieses heikle Thema wurde bisher nicht richtig aufgearbeitet, passt auch nicht richtig zur Befreiungs-These.



...sag ich doch.
Als befreit kann man nur Gegner und Opfer des Regimes betrachten. Und die waren bekanntlich eine Minderheit.

So gesehen war es (nicht für die Vertriebenen) eine gewaltsame Rettung zu unserem Besten.
Die breite antifaschistische Einsicht kam erst danach. Das Vorher war nicht im Handumdrehen aus den Köpfen.


Ich denke mal,- der 8.Mai ist nicht unter nur einem Begriff fassbar !

Dieser Tag ist ebenso der verbriefte Tag der Niederlage der deutschen Wehrmacht , er ist ein Tag des Aufatmens für viele zivile Bewohner der Städte nach den ewigen Luftangriffen und Bombardements, er war mit Sicherheit ein Schreckenstag für all die Deutschen ,- die sich übermäßig für den Naionalsozialismus engagiert haben , es war ein Tag ,- an dem für viele deutsche Soldaten der nächste Leidensweg in die Kriegsgefangenschaft begann ,- es war ein Tag ,- der die Vertreibung vieler Deutscher einleitete -es war aber auch ein Tag ,- an dem erstmals die Waffen schwiegen und eine Ahnung vom künftigen Frieden aufkam ,- und ja:
Für sehr viele KZ-Insassen und politische Inhaftierte war es tatsächlich ein Tag der Befreiung!

Dieser Tag ist auf jeden Fall geschichtsträchtig ,- und jeder wird eine Facette finden ,- die ihm persönlich eine Beurteilung dieses Datums aus seiner speziellen Sicht erlauben wird....[/quote

rot: und ja - so kann man die Verbrechen, die vorausgegangen sind so schön relativieren !


Spinnst Du ?

Wo werden in meinem Beitrag Verbrechen relativiert ,- wenn ich die verschiensten Eindrücke ,- welche dieser Tag bei unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlicher Vita schildere ,- aus Sicht unserer Altvorderen beschreibe ?


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#292

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 00:02
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #284
Zitat von Ari@D187 im Beitrag #283

Dieses heikle Thema wurde bisher nicht richtig aufgearbeitet, passt auch nicht richtig zur Befreiungs-These.



...sag ich doch.
Als befreit kann man nur Gegner und Opfer des Regimes betrachten. Und die waren bekanntlich eine Minderheit.

So gesehen war es (nicht für die Vertriebenen) eine gewaltsame Rettung zu unserem Besten.
Die breite antifaschistische Einsicht kam erst danach. Das Vorher war nicht im Handumdrehen aus den Köpfen.



Ach eine Minderheit? Wie Viele wurden denn aus den Kz's befreit? Man , langsam reichen deine Sprüche


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#293

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 07:56
von Georg | 1.031 Beiträge

@Ostlandritter !

Ja, ich spinne. Wie kann ich die Leiden der Deutschen nicht genug zelebrieren ? Die ausgerechnet an diesem Tag ausgebrochen sind. Kommt nicht wieder vor. War doch der II. Weltkrieg für unsere " Altvordern " - also für viele deutsche Soldaten die " schönste Zeit " ihres Lebens.

http://www.n-tv.de/politik/Der-Weltkrieg...tors_picks=true


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#294

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 09:26
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #293
@Ostlandritter !

Ja, ich spinne. Wie kann ich die Leiden der Deutschen nicht genug zelebrieren ? Die ausgerechnet an diesem Tag ausgebrochen sind. Kommt nicht wieder vor. War doch der II. Weltkrieg für unsere " Altvordern " - also für viele deutsche Soldaten die " schönste Zeit " ihres Lebens.


http://www.n-tv.de/politik/Der-Weltkrieg...tors_picks=true


rot:
mir wird es übel, wenn ich solche Zeilen lese....
Schon mal Zeitzeugen befragt ?
Ein paar gibt es ja vielleicht noch...
Ich kannte einen - 2011 verstorben. Von "schönster Zeit" keine Rede, wenn er von dem Grauen der Front erzählte..
Hier schon mal geschrieben:
Kriegsgefangenschaft-Verschleppt und Ausgebeutet

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#295

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 10:18
von turtle | 6.961 Beiträge

Tag der Befreiung von der Barbarei bedeutet den Millionen Opfern des Nationalsozialismus zu Gedenken .Besonders in der früheren Sowjetunion oder jetzt Russland wird der Tag des Sieges über Hitlerdeutschland besonders gefeiert. Ist für mich in Ordnung so. Sowjetsoldaten fielen zu Hunderttausenden auf ihren Marsch nach Berlin. Ich gönne den Veteranen ihr Glas Wodka auf dem roten Platz. Den höchsten Blutzoll haben doch die Menschen der damaligen Sowjetunion bezahlt. Doch brachte der Sieg über das Dritte Reich einer Hälfte Europas auch ein mehr oder weniger aufgezwungenes System mit Unterdrückung. Bedeutet Befreiung nicht auch Freiheit? Und genau die war in der DDR sowie im gesamten neuen Machtbereich der Sowjetunion beschnitten. Im Prinzip wurde Deutschland von allen Alliierten besetzt, die nun nicht mehr gemeinsame Interessen hatten. Zwei große Machtbereiche entstanden.
Sie wurden sich spinnefeind und daraus entstand eine neue Gefahr für die Menschen. Mehrmals standen wir am Rand eines noch schrecklicheren Krieges. So gedenke ich heute aller Opfer dieses schrecklichen 2.Weltkrieges aber denke auch daran was der 8.Mai noch nach sich zog. Nie wieder Krieg sollte der Willen aller Menschen sein! Doch das bleibt ein Wunschdenken was ich mehr wie bedaure.


der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#296

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 10:36
von damals wars | 12.204 Beiträge

Habe schon mal geschrieben, meine Verwandtschaft war, wie Millionen andere, mit Kriegsende von der Notwendigkeit befreit, Nacht für Nacht in den Bunker im BUNA Werk zu rennen, und Dank Vernebelung schafften sie das oftmals nur mit Hilfe der "Fremdarbeiter".
Ein Kind an der Hand, eins im Kinderwagen, auf dem auch der Koffer lag.
Man kann sich kaum vorstellen, wie befreiend das Kriegende für Kinder und Erwachsene war.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#297

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 11:30
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #294
Zitat von Georg im Beitrag #293
@Ostlandritter !

Ja, ich spinne. Wie kann ich die Leiden der Deutschen nicht genug zelebrieren ? Die ausgerechnet an diesem Tag ausgebrochen sind. Kommt nicht wieder vor. War doch der II. Weltkrieg für unsere " Altvordern " - also für viele deutsche Soldaten die " schönste Zeit " ihres Lebens.


http://www.n-tv.de/politik/Der-Weltkrieg...tors_picks=true


rot:
mir wird es übel, wenn ich solche Zeilen lese....
Schon mal Zeitzeugen befragt ?
Ein paar gibt es ja vielleicht noch...
Ich kannte einen - 2011 verstorben. Von "schönster Zeit" keine Rede, wenn er von dem Grauen der Front erzählte..
Hier schon mal geschrieben:
Kriegsgefangenschaft-Verschleppt und Ausgebeutet

Gruss Hartmut

Geht mir genauso, zumal ich die letzten Briefe meines Großvaters kenne.
Ich ordne solche Aussagen in die Kategorie politische Kampfparolen ein.

Ari

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#298

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 12:23
von eisenringtheo | 9.183 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #296
(..)
Man kann sich kaum vorstellen, wie befreiend das Kriegende für Kinder und Erwachsene war.

Es gab allerdings bei Kriegsende sehr viele Suizide.
http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/tae...rden-1.18536074
Theo


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#299

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 08.05.2015 13:26
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Eine dieser Nächte. Im Keller sitzen die Bewohner der Thomasiusstraße 21 in Leipzig zusammen. Es ist ein sehr bürgerliches Haus. Ärzte, Architekten, leitende Angestellte, betuchte Künstler - die Blüte des deutschen und speziell hier des Leipziger Bildungsbürgertums ist versammelt. Die Frauen der betuchten Bürger achten auf die Rangordnung, nach der sich die Sitze auch in einer solchen Situation verteilen. Diese wurde bei den ersten, noch harmlos erscheinenden Fliegeralarmen zäh erstritten. Am Rande sitzen die proletarischen Familien des Hauses. Das Hauswartsehepaar mit seinen drei Kindern gehört dazu. Das Brummen der Flugzeugmotoren und die Explosionen kommen näher, die Menschen rücken zusammen. Neben den Explosionen hört man seltsame Einschläge auf dem Pflaster. Einige murmeln Gebete, einige pressen ihre Kinder an sich, einige sprechen sich Mut zu.

Das Gebrumm der Motoren entfernt sich, es sind keine unmittelbaren Einschläge mehr zu hören. Das Hauswartsehepaar steht auf, geht vorsichtig aus dem Keller, während alle anderen noch sitzenbleiben und auf die offizielle Entwarnung warten. Ihre älteste Tochter hat auf die beiden jüngeren aufzupassen. Sie steigen die Treppen hinauf, immer horchend, ob noch etwas anfliegt. Im Dachgeschoss angekommen sehen sie, dass zwei Stabbrandbomben durch das Dach geschlagen sind und auf dem Holzboden des Dachgeschosses glimmen und glühen. Die Merkblätter der letzten Monate zum Verhalten bei Luftangriffen hatten darauf hingewiesen, dass Zangen, Wasser, Sand und Decken auf den Böden der Häuser bereitzustellen sind. All das stand hier auch bereit. Der Mann ist krank, aber seine kleine Frau ist zäh und resolut. Sie schnappt sich eine der bereitliegenden Kohlenzangen und wirft die beiden Stäbe auf die Straße hinunter. Ihr Mann kümmert sich um die entstehenden Schwelbrände. Noch bevor der Alarm beendet ist, ist das Haus gerettet. Die Entwarnung kommt. Die Menschen gehen in ihre Wohnungen. Es ist hell, sehr hell, zu hell. Schräg gegenüber am Nikischplatz steht das "Künstlerhaus" in Flammen. Auch andere Häuser der unmittelbaren Umgebung brennen. Die Bewohner stehen geschockt auf der Straße, einige nur in Decken gehüllt. Die Menschen aus den umliegenden Häusern helfen ihnen, bringen ihnen warme Getränke oder bieten ihnen Unterkunft an. Es ist der 4. Dezember 1943 ...

Ich bin in der Thomasiusstraße 21 aufgewachsen. Ich habe in der Decke unter dem Dachgeschoss die Stellen gesehen, an denen die beiden Bomben eingeschlagen waren. Oma, der weibliche Teil des Hauswartsehepaars, hat sie mir gezeigt. Der alte Luftschutzkeller war unser Keller. Im vorbereiteten Durchbruch zum Nachbarhaus stapelten wir die Briketts, die beim Reinwerfen durch das Kellerfenster noch ganz geblieben waren. Kohlenstapeln inmitten lebendiger, mir als Kind vielfach unbekannter Geschichte, aber eine vertraute Arbeit beim Ordnungssinn Omas. Ich fragte sie nie nach dem Krieg. Sie erzählte von selbst, aber nur ab und zu von der Zeit, von einer Verhaftung wegen eines falschen Wortes, die sie miterlebt hatte ("Ihr Führer kann mich mal"). Sie erzählte von den beiden Brandbomben. Sie erzählte aber nicht von den Menschen, die im Keller saßen und sagten: "Lieber nur noch trocken Brot, als das hier noch länger", die aber sitzen blieben, wie die in den anderen Häusern, die in dieser Nacht abbrannten, und die diese Worte oft schnell, zu schnell wieder vergaßen. Sie erzählt auch nicht von der Art der Rettung des Hauses. Das erzählen später ihre Töchter, meine Tanten und meine Mutter.

Ich widme diese Zeilen meiner Großmutter, die die Worte vom trockenen Brot nie vergessen hat, die sich immer daran erinnerte. Sie hat damals ihren Krieg kämpfen müssen, der am 8. Mai zwar die Befreiung von weiteren Bombennächten brachte, aber noch lange nicht zu Ende war. Der Hungerwinter, durch den sie drei Töchter und einen kranken Mann bringen musste, die Schwiegermutter, die diesen Winter nicht überlebte... Und doch ... in diesem Winter hatte sie einen Eintopf aus Kohlrüben und Graupen gekocht. Einer der gutbürgerlichen Jungs aus dem Haus klingelte eines Tages, wollte wohl mit einer der Töchter spielen. Oma lud ihn auf einen Teller Suppe ein. "Oh nein", wehrte der Junge in leicht affektierter Sprache ab: "Ich möchte sie nicht berauben!" Oma fand diesen Satz in dieser Zeit höchst bemerkenswert und lustig und gab ihm natürlich den Teller Suppe, den dieser natürlich gern annahm. Ich habe diese Geschichte wohl an die hundert mal gehört und sie war meinem Ohr eine Gewohnheit. Heute höre ich auf den Nachhall der Geschichte und empfinde einen großen Stolz, der Enkel einer solchen Frau zu sein.

Sie und die Menschen ihres Schlags wurden am 8. Mai befreit und das ist es, was für mich zählt. Ihre Töchter konnten an Fachschulen studieren, ihre Enkel an Hochschulen. Davon hatte Oma selbst schon nach dem Ersten Weltkrieg geträumt ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


eisenringtheo, chantre, andy, Jobnomade, turtle, schulzi, Fritze, ehem. Hu, vs1400, buschgespenst und der 39. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#300

RE: Zum 70. Mal - 2015 Der Tag der Befreiung vom Faschismus

in Themen vom Tage 21.10.2015 02:33
von Mike59 | 7.979 Beiträge

Für Interessenten, dies zur Information.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/wegen-...t/12476206.html


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