#1

Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 23.11.2014 23:13
von der glatte | 1.356 Beiträge

Nicht nur die D-Mark kam im Sommer 1990, sondern fast zeitgleich begannen in den ostdeutschen Gaststätten die Werbeveranstaltungen. Hatte man vorher noch Südfrüchte und Zeitungen gratis an die Brüder und Schwestern aus den Osten verteilt, schielten einige sehr schnell nach der nun auch hier greifbaren D-Mark. Nach der Grenzöffnung im November 1989 zogen unendliche Autoschlangen aus der DDR in Richtung Westberlin und BRD. Als dann die D-Mark auch im Osten angekommen war, muss dagegen ein wahrer Strom an Händlern und solche die sich nun dazu erklärt hatten, in die noch DDR gepilgert sein, um dort das Glück mit den Unwissenden zu suchen. Sie fanden es oft ganz leicht und ohne Mühe. In meiner Heimatstadt in Sachsen, war plötzlich der gesamte Marktplatz voller westlicher Fahrzeuge und deren Kennzeichen. Jeder bot dort seine Waren an, welche er vorher auf billigstem Wege gekauft und hier mit großem Gewinn verkaufte.

Fast täglich hatten meine Eltern nun Post mit der Einladung für eine Werbeveranstaltung im Briefkasten. Später klingelten Leute sogar an den Wohnungstüren und machten auf eine derartige Veranstaltung aufmerksam. Da wurde meiner Mutter ein Paket Kaffee vor die Nase gehalten und versprochen, dass sie solch ein Paket geschenkt bekommt, wenn sie dann am Abend dort auch hingeht.

Auf den Veranstaltungen selbst hat man dann den Leuten das Blaue vom Himmel erzählt und viele sind auch darauf reingefallen. Ich sage da nur Topfsätze für 6000 DM! Und einige haben sich damals sogar das Geld zusammen geborgt um sich solch ein Set zu kaufen. Meine Schwiegermutter gehörte auch dazu und hatte sich solch einen Topfsatz heimlich gekauft und eventuell auch einmal benutzt. Wir fanden erst viele Jahre später und nach ihrem Tode diese Töpfe noch im originalen Karton verpackt, ganz hinten im Küchenschrank. Leider auch die Rechnung und da haben wir ganz schön geschluckt. Na egal, weg ist weg! Fakt ist aber, zum Kochen benutzte sie wohl dann doch lieber ihre alten Töpfe.

Gott sei Dank war sie für das zeitgleich folgende "Generalspiel" kein Ansprechpartner, aber ich selbst wurde oft darauf angesprochen, dort mitzumachen. "Na du wirst doch wohl 3000 DM haben?" Es war damals gerade in Ostberlin wie eine Sucht. Die Leute trafen sich in den Gaststätten und das Geld wurde bar auf den Tisch gelegt. Dort sahen sie es sicherlich auch das letzte Mal.

Oh, ganze Familien sind dabei im Streit auseinander gegangen, nur weil man blind vertraute und sein Glück herausforderte. Natürlich ohne Erfolg. Hatte man vergessen die Brüder und Schwestern vor solchen Landsleuten zu warnen?

Meine Frage, wie war das bei Euch? War es nur in Berlin so schlimm?

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#2

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 23.11.2014 23:26
von Gert | 12.356 Beiträge

im Leben ist es wie an der Börse. Es wird weder geklingelt wenn eine Chance sich bietet noch wenn Gefahr droht. Dafür ist jeder selbst verantwortlich.
Nepper, Schlepper, Bauernfänger
Habe ich auch so erfahren, als ich 1965 in die Bundesrepublik kam. Musste hier und da auch Lehrgeld zahlen. Noch vor paar Jahren hat mich so ein idiotischer Apfelverkäufer aus dem alten Land ( Obstgegend bei Hamburg ) übern Tisch gezogen. Der kam an mein Haus hausieren mit seinen Äpfeln und die sahen auch gut aus und schmeckten. Er bot mir einen großen Karton voll, angeblich 30 kg, zu einem Preis X an. Ich vertraute ihm, da ich an der Haustür keine Waage hatte, und kaufte. Als er schon weg war, kam mir das komisch vor und ich wog die Kiste . Es waren nur 20 kg und daraus errechnete sich ein ziemlich höherer Preis, als in meinem Supermarkt. Ich hatte keinen großen finanziellen Verlust dabei, aber ich habe mich schwarz geärgert, dass der mich so geleimt hat.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#3

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 23.11.2014 23:39
von Rostocker | 7.728 Beiträge

Also letztens stand so einer mit der roten Weste vor meiner Tür und wollte mir was von Unfällen mit Kindern und alten Leuten erzählen. Ich sagte--das interessiert mich nicht--bin dafür nicht verantwortlich. Die Frau sagte schon einige male, ich sollte die Tür schließen, aber ich kann das nicht so einfach.Ich musste den anderen etwas Hoffnung machen. Der war schon so weit, der wollte die Schuhe ausziehen und wollte mir das in der Wohnstube alles in Ruhe erklären. Aber dann hat es gereicht und ich hab ihn auf gut deutsch Licht am Fahrrad gemacht. Solche Leute hab ich gern, von Tür zu Tür ziehen und die Leute reinlegen.


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#4

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 23.11.2014 23:49
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Es gab und gibt genügend sogenannte Strukturen von Pyramide ob beim "Generalspiel" oder im Vertrieb.
Gewinner sind die Allerersten, der Rest die Verlierer.
Im übrigen hab ich das "Spiel" General nicht mitgemacht. Das die Sache einen Haken haben mußte.....


xxx
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#5

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 00:15
von Gelöschtes Mitglied
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Dann kamen die Holländer mit Anhängern,"Wir kaufen ihre alten Möbel" usw.
Sie fuhren voll gepackt davon.
Rei


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#6

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 05:09
von Gelöschtes Mitglied
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In dieser Zeit haben skrupellose "Händler" viel dazu beigetragen, das Bild vom "raffgierigen und rücksichtslosen Wessi" in die Köpfe zu pflanzen: Mein Cousin aus der Altmark hat mir auch einige Beispiele erzählt - zum Glück war er misstrauisch genug, um nicht in diie Fallen zu tappen.

Vielleicht aber auch doch - und er hat sich nur zu sehr geschämt, reingefallen und reingelegt worden zu sein:; Ich weiß es nicht.


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#7

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 06:57
von damals wars | 12.201 Beiträge

Ich habe mal ne Fahrt über das Oderhaff für 10 DM mitgemacht.
Seine Decken ist der Verkäufer bei mir nicht losgeworden, aber der war schon ne Klasse für sich, man müsste sich schon im Griff haben, er war sehr überzeugend.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#8

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 08:58
von utkieker | 2.925 Beiträge

Mein Vater hatte sich kurz nach der Währungsumstellung einen gebrauchten Golf Diesel zugelegt - SCHECKHEFT gepflegt - auf das Scheckheft wartet er noch heute, obwohl das Fahrzeug längst verschrottet ist.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#9

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 10:19
von Commander | 1.056 Beiträge

Moin,
ich habe während meiner Zeit als Busfahrer nur 2 Werbefahrten machen müssen.Und die gingen von B.Mergentheim nach Aglasterhausen.Auch die alteingessenen Bundesbürger waren gegen die Machenschaften nicht gefeit.Die haben sich auch über den Tisch ziehen lassen.Ich weiß von einem Fahrgast,das er wegen eines "Geschenkes",das bei der ersten Fahrt nicht mehr erhältlich war,ein paar Tage später noch mal mitfuhr.Ob er es da erhalten hat weiß ich nicht mehr.
Und wenn man verschieden Reportagen glauben kann,auch heute noch werden solche Fahrten angeboten u.auch rege genutzt.Und auch heute noch werden (meist) Rentner über den Tisch gezogen.
In meinen Augen ein widerliches Geschäft.

Gruß C.



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#10

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 10:45
von Gelöschtes Mitglied
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Meine Ex-Schwiegermutter (RIP) war da gut drauf: Witwe, alleinstehend, die Kinder längst aus dem Haus, war sie eine der treuesten Kundinnen solcher "Kaffeefahrten", wie sie allgemein genannt wurden: Sie hat so ziemlich jedes Angebot genutzt - bei ihrer wahrlich nicht üppigen Rente ein preiswerter Zeitvertreib.

Allerdings war sie eine der treuesten, gewiss aber nicht eine der besten Kundinnen: An ihrem eisenharten Willen haben sich schon ganz andere (u.a. ich) die Zähne ausgebissen: Wenn sie etwas partout nicht wollte, dann wäre eher die Hölle zugefroren, bevor sie sich umstimmen ließ. Und mochten die Rheumadecken oder Topf-Sets noch so überzeugend angepriesen werden: Sie nahm teil, amüsierte sich - und dachte nicht im Traum daran, sich etwas zu kaufen.

Aber über diese Widerstandskraft verfügt leider nicht jede(r).


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#11

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 10:50
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #8
Mein Vater hatte sich kurz nach der Währungsumstellung einen gebrauchten Golf Diesel zugelegt - SCHECKHEFT gepflegt - auf das Scheckheft wartet er noch heute, obwohl das Fahrzeug längst verschrottet ist.

Gruß Hartmut!


nun gut Hartmut, wenn das Fahrzeug auch ohne Scheckheft gut und zuverlässig gefahren ist, ist doch alles in Butter, es bleibt eine Formalie, oder?


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#12

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 11:01
von HP6666 | 191 Beiträge

Bei meinem letzten Besuch bei meinen Eltern im Südharz kam ich gerade rechtzeitig dazu , wie ein Holländer meinen Vater ein Notstromaggregat schmackhaft machte . Mein Bruder war gerade reingegangen , weil ihm " kalt " war . ( Er schaute im Internet nach , Name , Typ des Herstellers hatte er ja )
Da ließ er seine Leyer auch bei mir los . Das seine Geräte von einem Hersteller für eine Billigbaumarktkette stammten , Ich weder den Automaten noch dem FI dort drin traue und die Drehstromsteckdose nur 3X10 A hat ließen ihn schon ruhiger werden . Als dann auch noch mein Bruder wieder raus kam und seine Ergebnisse preisgab war es mit seiner Präsentation vorbei . Er zeigte ein Gerät . Aber wollte ein Originalverpacktes Abgeben !? Und Sprit den wir bei Fuß hatten wollte er auch icht reinfüllen lassen . Grund : Diese Teile haben Probleme mit dem Vergaser / Rundlauf des Motors u.v.a.m. .
Er zog ab - aber nicht ohne ein Foto zu hinterlassen - für meinen anderen Bruder , der Beamter ist , falls über den Fliegenden Holländer noch Beschwerden kommen .


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#13

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 11:15
von Rostocker | 7.728 Beiträge

Hier in den Harzorten sind sie durchgezogen wie die 5 Kollonnen um alte Möbel zu bekommen,selbst bei uns im Betrieb waren sie um alte Büromöbel (Massiv) zu ergattern. Aber am schlimmsten war der Trupp, der mal zu Arbeitsaufnahme erschien, das war mit Sicherheit die 5 oder 6 Garnitur vom Arbeitsamt aus dem Westen.
Aber am lustigsten war es,als mal ein Kollege zu Arbeit kam und sagte--das er schon so viele Autos gewonnen hat und er nun die Schnauze voll hat. Er hat dann wohl zurück geschrieben und hat gefragt--wann sie nun entlich Garagen verlosen.Denn er bräuchte Unterstellmöglichkeiten.


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#14

RE: Als die "Werbeveranstaltung" und der "General 3000" kam

in Leben in der DDR 24.11.2014 13:29
von FRITZE (gelöscht)
avatar

Na , in den Wendejahren haben doch alle irgendwie Lehrgeld bezahlt ! Ne Versicherung ,zu teuer hatte ich 3 Monate ! Seitdem wird vor Abschluss jeglicher Verträge geprüft !
Aber diese blöden Schneeballsysteme waren für mich gleich nicht koscher ! Und was haben sich selbst Kollegen und Bekannte Mühe gegeben , mich zu meinem Glück zu überreden ! Eisenhart geblieben !
Nach Wochen und Monaten kamen Einige ganz verschämt an ! Sie mussten dann zugeben ,daß ich gut tat ,standhaft zu bleiben !

Schon hier Mitte der 1990er Jahre hatte ich auf dem Markt mal einen richtig überzeugenden Burschen vom" Tierschutz" an der Backe !
Der wollte mir n monatl. Beitrag aufdrücken . Rhetorisch war der Junge topp ! Aber nach Ende seiner Vorführung spielte ich kurz den Unwissenden und sagte ihm ,ich könne das nicht machen ,weil ich auf den Lofoten schon Walfleisch gegessen habe und mir das sehr geschmeckt hat .
Da fiel ihm die Kinnlade runter und diese Kunstpause nutzte ich ,mich zu empfehlen !


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