#1

Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 21:38
von Batrachos | 1.549 Beiträge

Hallo @all

aus meiner Schulzeit kann ich mich erinnern das ab der 7. Klasse neue Schulfächer dazu kamen.
Außer den Naturwissenschaften wurden noch die Fächer Produktive Arbeit und ESP-Technisches Zeichnen eingeführt.
Das Fach PA ( Produktive Arbeit) muss früher einmal UTP ( Unterricht tägliche Produktion) geheißen haben.
Im 14tägigen Wechsel hatten wir im Polytechnischen Kabinett immer PA und dann im Wechsel ESP.
Im PA Unterricht erzählte man uns das die Waren die wir bearbeiteten wieder in die DDR Produktion gingen
und dann weiter verarbeitet wurden.
In der 7. Klasse hatten wir natürlich erst mal nur mit der Feile zu tun.
Ab der 9. Klasse wurde es dann interessanter. Dort wurden wir im Wechsel in den Maschinenraum gesteckt.
Dort durften wir schon an Drehmaschinen oder Maschinensägen unseren Beitrag für die DDR Wirtschaft leisten.
Dann ging es in das Montagekabinett, dort wurden Elektrokästen zusammen gebaut.
Und das Highlight war der Gartenbaubetrieb, dort wurden sämtliche Anturien die es in der DDR gab gezüchtet. http://de.wikipedia.org/wiki/Flamingoblumen.
Dort haben wir auch mitgeholfen, Unkraut gejätet e.t.c.
Die Woche darauf hatten wir dann ESP. Das war reine Theorie und gar nicht meine Sache.
Aber PA hat mir immer Spaß gemacht. eine gute Sache wie ich heute finde, konnte man doch die Jugend damals langsam
an den Arbeitsprozess ranführen.
Auch Benotungen gab es, nicht in Form von Zensuren, sondern in Form von Übererfüllt, erfüllt, e.t.c.
Man hatte damals schon Normen zu erfüllen.
So nun ein paar Fragen an Euch:
Wo habt ihr PA Unterricht gehabt? Im soz. Betrieb oder im Polytechnischen Kabinett?
Was habt ihr damals hergestellt für die soz. Wirtschaft?
Hat Euch diese Art von Unterricht Spaß gemacht?
Und warum hat man UTP/ PA eingeführt? Aus Mangel an Arbeitskräften oder hatte es andere Gründe?
Auf eure Antworten freue ich mich.

MFG Batrachos


Drosseln sind Vögel. Sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei!!
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#2

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 21:48
von Boelleronkel (gelöscht)
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Wie jetzt schon wieder Unterrichtstag inne soz.Produktion....


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#3

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 21:56
von Gelöschtes Mitglied
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Ich fand es sehr gut! Bekam man doch als Schüler schon mit was die Arbeiter in den VEB-Betrieben so über ihren Betrieb dachten ! Haben es nicht so ganz begriffen, aber später doch! Schön ist gewesen, raus aus der Schule und so tun als wen schon Werktätiger!
Grüsse steffen52


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#4

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 21:56
von Lutze | 8.035 Beiträge

PA-Unterricht war im VEB-Sirocco,unter anderen Standheizungen
für die Ikarus-Busse zusammengeschraubt,
nach der Wende abgerissen,und heute steht da ein WEBASTO-Werk
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#5

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 22:00
von DirkUK | 298 Beiträge

Als Hobbymodelleisenbahner hatte ich das Glück bei TT-Bahnen Berlin meinen PA-Unterricht haben zu dürfen. Das hat mir soviel Spass gemacht das ich dort auch in den Sommerferien arbeitete. Vorher hatte ich meinen PA-Unterricht im ehemaligen Gaswerk an der Greifswalder Straße was heute der Thälmann Park ist. War auch toll.


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#6

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 22:11
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Igitt, ich musste ins IKA SDH...am Band stumpfsinnig in Bohrungen so eine Art Niete reinstecken und breitdrücken. Dann musste ich mal Flansche sägen und diese ekelhafte Kühlmilch lief darüber. Ich habe das gehasst aber dabei wurde mir klar...Andrea reiß dich am Riemen...du willst niemals in so einem Werk landen.
Meine Flansche sind bestimmt in der Ausschusskiste gelandet .
Den ESP - Unterricht fand ich genauso blöd...das hat mich einfach nicht interessiert...der ESP Lehrer nannte mich seinen Sargnagel. Mit TZ hatte ich keine Probleme.
Bei uns lief das auch in dem Rhythmus @Batrachos ...Montags...eine Woche PA und die andere Woche ESP/TZ.


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

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#7

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 22:28
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Bei uns hieß das noch UTP. Ich glaube, das ging in der 7.Klasse los. Das erste jahr im Bahnbetriebswerk P in Erfurt (Istandsetzung). Aus einemca. 8 mm-Blech eine rechteck rausgeschnitten und dann den angerissenen Schlüsselrohling umbohrt. Den Rest rausgemeißetl. Dann gin es tagelang mit der Schrubbfeile los, bis wir einen Schlüssel-Rohling fertig hatten (jeder seinen). Das nächste Jahr in der LPG(T), also Tierproduktion. Dort habe ich das erste mal eine richtige Kuh gemolken, mit der Nand, wie es damals so war. Es kam sogar was raus und die Kuh hat auch nicht vor Wollust gestönt. Dann Pflanzenproduktion, speziel, wie in Erfurt üblich, Gemüseanbau. Unkraut jäten un d sowas. Am interessantesten, zumindest für die Jungs unter uns, Arbeiten in der MOHAG, einen KfZ-Reparaturbetrieb für Wartburg. Das war was für uns, an Motoren und Vergasern rumschrauben. Nach Abschluss dann das 14-tägige Praktikum. Es tanden zur Auswahl entweder der KfZ-Reparaturbetrieb, für den sich die meisten Jungen entschieden hatten oder Kirschen pflücken auf einer LPG(P). Dort habe ich mitgemacht. Würde heute nicht mehr zugelasssen werden, Schüler auf eine solche Leiter in die Bäume klettern lassen. Wenn da was passiert, ein Drama würde das heute sein und Anwälte würden sich dumm und dämlich verdienen.
Mangels anderer Angebote habe ich in den Ferien in der GPG Gemüseanbau 4 Wochen gearbeitet. 50,-M/Woche, das war ein sch.... Lohn, aber es war besser als nichts. 200,-Mark waren für mich damals viel Geld.
Kann aber keinesfals sagen, daß ich diese Ausbildungen als Belastungen empfunden habe und mir ist nicht erinnerlich, daß meine anderen Schulkameraden hier groß rumgemotzt hätten. In der MOHAG waren sie jedenfalls mit Begeisterung dabei. Fachleute hatten sich hierzu ebenfalls schon recht positiv geäußrt, so ich mich erinnere.



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zuletzt bearbeitet 22.11.2014 22:33 | nach oben springen

#8

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 22:31
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #3
Ich fand es sehr gut! Bekam man doch als Schüler schon mit was die Arbeiter in den VEB-Betrieben so über ihren Betrieb dachten ! Haben es nicht so ganz begriffen, aber später doch! Schön ist gewesen, raus aus der Schule und so tun als wen schon Werktätiger!
Grüsse steffen52

Ich erinnere mich nur an stumpfsinnige Aushilfsarbeiten im Reichsbahn-Ausbesserungswerk und ewiges Taining mit der Flachfeile..


....................................
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#9

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 22:37
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #7
Bei uns hieß das noch UTP. Ich glaube, das ging in der 7.Klasse los. Das erste jahr im Bahnbetriebswerk P in Erfurt (Istandsetzung). Aus einemca. 8 mm-Blech eine rechteck rausgeschnitten und dann den angerissenen Schlüsselrohling umbohrt. Den Rest rausgemeißetl. Dann gin es tagelang mit der Schrubbfeile los, bis wir einen Schlüssel-Rohling fertig hatten (jeder seinen). Das nächste Jahr in der LPG(T), also Tierproduktion. Dort habe ich das erste mal eine richtige Kuh gemolken, mit der Nand, wie es damals so war. Es kam sogar was raus und die Kuh hat auch nicht vor Wollust gestönt. Dann Pflanzenproduktion, speziel, wie in Erfurt üblich, Gemüseanbau. Unkraut jäten un d sowas. Am interessantesten, zumindest für die Jungs unter uns, Arbeiten in der MOHAG, einen KfZ-Reparaturbetrieb für Wartburg. Das war was für uns, an Motoren und Vergasern rumschrauben. Nach Abschluss dann das 14-tägige Praktikum. Es tanden zur Auswahl entweder der KfZ-Reparaturbetrieb, für den sich die meisten Jungen entschieden hatten oder Kirschen pflücken auf einer LPG(P). Dort habe ich mitgemacht. Würde heute nicht mehr zugelasssen werden, Schüler auf eine solche Leiter in die Bäume klettern lassen. Wenn da was passiert, ein Drama würde das heute sein und Anwälte würden sich dumm und dämlich verdienen.
Mangels anderer Angebote habe ich in den Ferien in der GPG Gemüseanbau 4 Wochen gearbeitet. 50,-M/Woche, das war ein sch.... Lohn, aber es war besser als nichts. 200,-Mark waren für mich damals viel Geld.

Mensch Dore, man hatte ja keine anderen Leitern, da musste es mit der ollen Holzleiter gehen! Wo ist das Problem? Heute, da ist ja auch alles anders und genormt! Haben doch alle überlebt! Oder? Sind halt andere Zeiten gewesen! Mit der Holzleiter haste dir mal einen Span eigezogen und heute mit den Aluleitern haste graue Hände! Auch nicht das gelbe vom Ei!
Grüsse steffen52


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#10

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 22:39
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Ostlandritter im Beitrag #8
Zitat von steffen52 im Beitrag #3
Ich fand es sehr gut! Bekam man doch als Schüler schon mit was die Arbeiter in den VEB-Betrieben so über ihren Betrieb dachten ! Haben es nicht so ganz begriffen, aber später doch! Schön ist gewesen, raus aus der Schule und so tun als wen schon Werktätiger!
Grüsse steffen52

Ich erinnere mich nur an stumpfsinnige Aushilfsarbeiten im Reichsbahn-Ausbesserungswerk und ewiges Taining mit der Flachfeile..

Jürgen, kenne ich auch! Hat einen schon ganz schön aufgebaut, um mal Facharbeiter in der Produktion zu werden!
Grüsse steffen52


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#11

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 22:53
von Batrachos | 1.549 Beiträge

Hallo,

in welchen Jahr hat man denn diese Fächer eingeführt?
Und vor allem warum? Aus Fachkräftemangel?

MFG Batrachos


Drosseln sind Vögel. Sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei!!
Motorradfahren ist das schönste, was man angezogen machen kann.
45° ist das zu schräg-bist du zu schwach
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#12

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 23:11
von Rothaut | 400 Beiträge

Ich habe während der PA-Zeit in der LPG (T) gearbeitet...im "Abkalbestall"...dort lernte ich das Melken ( Hand/Maschinen)...habe gefüttert..ausgemistet..und dem Tierarzt über die Schulter geschaut.

...später ging es in eine "Maurerbrigade"...naja..da habe ich in erster Linie Kartenspielen gelernt.

In Dassow gab es auch so eine Werkstatt...da wurde stundenlang nur gefeilt.

Das arbeiten mit den Tieren hat mir damals am meisten gefallen...

Fazit: ...wofür,warum, für wenn....mir in dieser Hinsicht..völlig egal...ES HAT MIR NICHT GESCHADET.
Ich wußte/weiß jedenfalls wo die Milch herkommt...im Gegensatz zu manchen Jugendlichen in der heutigen Zeit.

Gruß Rothaut


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#13

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 23:17
von G. Michael (gelöscht)
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Zitat von Batrachos im Beitrag #11
Hallo,

in welchen Jahr hat man denn diese Fächer eingeführt?
Und vor allem warum? Aus Fachkräftemangel?

MFG Batrachos

Wann eingeführt? Null Ahnung. Aber zum warum, ich hatte ab 1970 das Vergnügen UTP zu machen. Wir haben im Getriebewerk Leipzig Getriebe für
den B 1000 zu bauen, allerdings keine Endmontage. Antriebswellen für den Trabant usw.. Nach meinem Wehrdienst war ich Lehrmeister bei Kirow-Leipzig. Da hieß es schon PA. Gebaut wurden durch die Schüler Zubehörteile für den Schwermaschinenbau, auf die Teilebezeichnung im einzelnen
verzichte ich, weil es nicht jeder weiß worum es geht. (Kabelwagen, Seitengetriebe) In einem Polytechnischen Kabinet war ich mal zu einer Weiter-
bildung, da wurden Gangschaltungen und Kettenwerfer für Fahrräder montiert. Der letzte Arbeitsschritt hier, allerdings nicht von Schülern ausgeführt.
Aufkleber drauf, und da war es die "Shimano".
Es haben einfach insgesamt Kapazitäten gefehlt!
G. M.


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#14

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 23:19
von damals wars | 12.174 Beiträge

PA und UTP waren verschiedene Fächer.
In UTP produzierten wir mit Feile usw Riegel für Keller.
In PA ging es in die Produktion an Drehbänke und Hobel, sowie an Spritzgussmaschinen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#15

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 23:29
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Batrachos im Beitrag #11
Hallo,

in welchen Jahr hat man denn diese Fächer eingeführt?
Und vor allem warum? Aus Fachkräftemangel?

MFG Batrachos


Ab dem Jahre 1964 herrschte meines Wissens extremer Nachwuchsmangel in der Produktion, ob das ein Altersproblem oder eine fehlgeleitete Politik war, weiss ich nicht.
Ich war 1964 in der 8. Klasse ,- als für Spezialklassen mit beruflicher Grundausbildung geworben wurde.
Dies bedeutete , wer gute schulische Leistungen aufwies , der konnte während der 9. und 10. Klasse nebenbei schon eine Lehrlingsausbildung in ausgewählten Berufen beginnen,- nach Abschluss der 10. Klasse kam dann ein komplettes Lehrjahr ,- und danach : Facharbeiterzeugnis !

Hab ich doch sofoert zugeschlagen ,- auf diese Art hab ich heute zwei zusätzliche Versicherungsjahre - und damals waren wir natürlich die Kings,- unsere ehemaligen Klassenkameraden aus der 8. Klasse krebsten gerade ihr zweites Lehrjahr an , dawaren wir schon Vollverdiener ! WOW....
Ich weiss nicht , wie lange es diese Spezialklassen gab, als zwei Jahre mindestens....


....................................
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#16

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 23:37
von G. Michael (gelöscht)
avatar

Zitat von Ostlandritter im Beitrag #15
Zitat von Batrachos im Beitrag #11
Hallo,

in welchen Jahr hat man denn diese Fächer eingeführt?
Und vor allem warum? Aus Fachkräftemangel?

MFG Batrachos


Ab dem Jahre 1964 herrschte meines Wissens extremer Nachwuchsmangel in der Produktion, ob das ein Altersproblem oder eine fehlgeleitete Politik war, weiss ich nicht.
Ich war 1964 in der 8. Klasse ,- als für Spezialklassen mit beruflicher Grundausbildung geworben wurde.
Dies bedeutete , wer gute schulische Leistungen aufwies , der konnte während der 9. und 10. Klasse nebenbei schon eine Lehrlingsausbildung in ausgewählten Berufen beginnen,- nach Abschluss der 10. Klasse kam dann ein komplettes Lehrjahr ,- und danach : Facharbeiterzeugnis !

Hab ich doch sofoert zugeschlagen ,- auf diese Art hab ich heute zwei zusätzliche Versicherungsjahre - und damals waren wir natürlich die Kings,- unsere ehemaligen Klassenkameraden aus der 8. Klasse krebsten gerade ihr zweites Lehrjahr an , dawaren wir schon Vollverdiener ! WOW....
Ich weiss nicht , wie lange es diese Spezialklassen gab, als zwei Jahre mindestens....


Keine Provokation, einfach eine Frage, kann es sein das es sich um einen Test handelte? In dem Zusammenhang fällt mir dieser Bildungsweg ein.
Abschluß 10. Klasse und dann Berufsausbildung mit Abitur (3 Jahre)
G. M.


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#17

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 22.11.2014 23:42
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #14
PA und UTP waren verschiedene Fächer.
In UTP produzierten wir mit Feile usw Riegel für Keller.
In PA ging es in die Produktion an Drehbänke und Hobel, sowie an Spritzgussmaschinen.


Biste Dir da sicher? UTP und ESP waren unterschiedliche Fächer in einem und den selben Betrieb im wöchentlichen Wechsel. Bei mir bei Elektrokohle Lichtenberg von 1970- 1972.

ESP war Therorie mit Grundkenntnissen und Grundertigkeiten in der Metallverarbeitung. Holz, Plaste und andere Werkstoffe hatten wir ja bis einschl. 6. Klasse im Werkunterricht. An meinen Reagenzglasständer kann ich mich bi´s heute erinnern. Ab 7. Klasse ging es dann mit den Feilen los in speziell von in den Betrieben eingerichteten Werkstätten.

UTP umgangssprachlich PA war dann die Einbindung in die Produktion angesagt. In meinem Fall das Aufziehen von Federn auf Kohlebürsten. Eine Fummelarbeit, aber auch auch eine dreckige. Der Kohelstaub war überall.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 22.11.2014 23:44 | nach oben springen

#18

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 23.11.2014 01:25
von HG19801 | 1.613 Beiträge

PA, TZ & ESP waren nicht wirklich meine Lieblingsstrecken in der Schule. Ich war zwar ein guter und auch leidenschaftlicher Schüler, aber diese Fächer gehörten nicht zu denen, die ich als Schule empfand.
Produktionsarbeit war nichts anderes als ein neuer Begriff für UTP, also Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion. Ich fand das bescheuert, das war nur was für die Heinis, die fürs richtige Lernen zu faul waren und stattdessen lieber sinnlos mit der Feile auf Metallteilen herumschruppten oder auf dem Acker Erdbeeren fraßen – äh, ich meine lasen – oder in irgendwelchen Mieten Kartoffeln oder Rüben sortierten und danach liebend gern aussahen wie die Ferkel.
Sicher war es nicht falsch, uns an die Arbeit und damit an den Lauf des Lebens heranzuführen, aber der Ablauf des Ganzen war ziemlich dämlich.
Nicht selten besabbertenn uns dabei mit drei linken Pfoten versehene Lehrer und alte Knacker mit Zigarrenstumpen oder Puddingpfeife in der Fresse im militärischen Kommandoton, weil sie jetzt endlich mal was zu melden und nicht vor ihren Angetrauten zu kuschen hatten.
Oder uns fauchte ein sonst nichts geltender Bau-Rülps an, wie saublöd wir wären, weil wir halt nicht versiert maurerhandwerken konnten, dafür aber bestens wüssten wie teuer eine Schachtel Zigaretten sei.
TZ, also Technisches Zeichnen lief zumindest ohne hysterisches Geplärre ab und fand in Schulräumen statt.
Mit Bleistift und noch viel mehr Radiergummi bewerkstelligten wir Schulkinder Zeichnungen für Gegenstände des Alltags und lernten dabei mit dem Reißbrett umzugehen.
Blöd war nur, dass wir dafür das Zeichenblatt mit Klebeband fixieren mussten, welches nicht nur aussah wie Erbrochenes, sondern auch wie Kotze roch und nach dem notwendigen Befeuchten mittels Zunge obendrein so schmeckte – bluäääch!
Es stand fest: Technisches Zeichnen war ein widerliches Fach.
Bleibt also nur noch ESP, die hochnotwendige Einführung in die sozialistische Produktion.
Hier vergewohltätigte man uns Heranwachsende rein theoretisch mit Funktionsweisen diverser Maschinen, von denen wir kaum wussten, dass sie überhaupt existierten.
Ganz obertoll war auch, dass wir potenziell zukünftigen Ingenieure, die die sozialistische Produktionswelt beim Zusammenstampfen des kapitalistischen Klassenfeindes bitter benötigte, uns trockenschwimmerisch mit elektrischen Schaltungen herumärgern durften.
Parallel-, Reihen- oder Grätz-Schaltungen waren für technophobisch veranlagte Heranwachsende der blanke Horror.

Näääää, Leute! Das war nix für den Sohn meiner Mutter.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


der glatte hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 23.11.2014 01:33
von der glatte | 1.356 Beiträge

Na wie ich hier lesen kann, wurde wohl keinem die Feile erspart.

Auch ich hatte das Heft stundenlang in der Hand und die Späne flogen nur so herum. In der 7. Klasse war ich in der Jutespinnerei Meißen. In der 8. Klasse war ich bei der EWS (Elektrowärme Sörnewitz), dort haben wir an einer Art Schüler-Fließband die bekannten Reglerbügeleisen zusammen geschraubt. Von der ersten Lötstelle bis zum Verpackungskarton war die ganze Strecke in einzelne Arbeitsschritte eingeteilt. Jeder kam in dem Schuljahr für mindestens zwei Unterrichtstage an solch einen Arbeitsschritt. Am Ende vom Schuljahr hatte ein jeder die Arbeitsschritte besucht, welche so ein Bügeleisen braucht, um am Ende auch ein Bügeleisen zu sein. Nicht jeder Arbeitsschritt war dabei interessant und abwechslungsreich, aber es hatte Spass gemacht. Am Ende vom Schuljahr bekam jeder Schüler ein Bügeleisen im Wert von ca. 39 Mark der DDR geschenkt. Also ich war stolz auf mein Bügeleisen, das ich ja auch mit zusammengebastelt hatte und was ich nun bestens Innen und Außen genau kannte.

Nicht verwechseln, wir haben dort nicht auf Leistung gearbeitet, sondern egal wieviel Stück es am Ende waren, die auf der Palette versandfertig lagen, das war egal. Wir sollten dort die Art der Arbeiten kennen lernen, dazu zählte eben auch etwas Warenkunde.

In der 9. und 10. war dann wieder die Jutespinnerei in Meißen unser Ziel beim UTP. Da bekam jeder eine andere Arbeit zugewiesen. Da wurde vorher gefragt, wer zum Beispiel in der Küche helfen möchte. Und da gingen auch Jungs gerne hin, denn die "Jute", wie man sie bei uns in Meißen nannte, hatte als Schichtbetrieb eine sehr gute Pausenversorgung. Da ging man nach dem Unterricht satt nach Hause, vollgestopft mit leckeren Bratwürsten.

Ich denke PA und UTP hatte den Grundgedanken, die Schüler auf eine anstehende Berufswahl einzustimmen. Dazu war man ja auch meist in verschiedenen Betrieben eingesetzt. Man bekam auch etwas Wind davon wie es hinter einem Werktor zuging und eben auch in den Brigaden zugehen konnte. Ich denke aber nicht, dass wir mit unserer dort geleisteten Arbeit die Produktion zusätzlich ankurbelten oder hätten ankurbeln sollen. Wieviele Stunden waren denn für einen UTP-Tag angesetzt? Ich denke das waren max. drei Stunden, oder habe ich das schon verdrängt?

Ich, Du, Er, Sie, Wessen? Alles vergessen!

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#20

RE: Produktive Arbeit/ Einführung in die soz. Produktion

in Leben in der DDR 23.11.2014 01:39
von Gelöschtes Mitglied
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Ich fand es damals nicht so schlimm,aber die Feile blieb wohl keinen erspart.
Später haben wir an Schaltkästen rum geschraubt.
Aber gab es nicht auch eine einheitliche Bekleidung?
Gruß Rei


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