#121

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 20:10
von lhsecurity | 159 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #112
Also ob ich nun Angst hatte in der Nachtschicht oder ob ich die Angst verdrängt habe. Das kann ich eigentlich nicht so richtig beantworten. Nur ich weiß die Schichten sind nur so an mir vorbeigegangen. Ich hatte auch in der Nachtschicht so meine Eigenart,wenn ich mir ne Grenzstreife geben ließ. Dann schaltete ich den Scheinwerfer an, stellte ihn so ein,das er nach einer Seite an der Waldkante entlang schien. Selber führte ich die Streife entgegengesetzt durch, Lief dann nicht auf den Kollonnenweg, so das die hellen Platten nicht die Person meines Posten und mir absetzen--sondern lief in der Mitte der Fahrspur auf den Sandboden.
Aber ich glaube 81 beim Residienst am Kanten--waren die Gedanken wohl etwas anders. Denn gleich nach der Entlassung aus dem Gwd--geschah der Mord an den beiden Grenzsoldaten, durch den Doppelmörder Weinhold und der versuchte Anschlag auf die Grenzanlagen der DDR durch Gartenschläger. Was zeigt, das der Grenzdienst,doch nichtso ungefährlich war.


Wie wurden die Streifen denn vergeben und eingeteilt?


Thinking is the hardest work there is, which is probably the reason why so few engage in it.
Henry Ford


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#122

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 20:18
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #111
... Rainman2,
du wurdest mit dieser thematik nicht tatsächlich, wirklich belastet, damals, aufgrund deiner position. ...

Ich gestatte mir den Luxus, dieser Behauptung zu widersprechen. Beim einzigen Einsatz unserer Kompanie mit Stahlhelm war ich im Abschnitt, zuerst mit der Aufgabe, die Postenablösung zu führen bzw. zu kontrollieren und dann im weitern als Kontrollstreife im Abschnitt. Wenn größere Lagen waren, führte i.d.R. der Kompaniechef auf der Führungsstelle und einer seiner beiden Stellvertreter war im Abschnitt. Ich gebe zu, dass man mit einer konkreten Aufgabe und auch mit der Verantwortung, als Vorbild aufzutreten, anders in eine Situation geht, als wenn man in Abhängigkeit vom Befehl an einem Punkt sitzt und nur der Dinge harren kann, die da kommen, oder eben hoffentlich nicht kommen. Es bringt wenig, diese Situationen gegeneinander abwägen zu wollen, ich sage nur, dass auch ich involviert und somit belastet war. Ich bin beim ersten Grenzdurchbruch 1984 in unserer Kompanie nur wenige Meter an den beiden Männern vorbeigelaufen, weil eben ausgerechnet ein Offizier der Kompanieführung die Abnahme des Pionierbauabschnitts machen musste. Was wäre gewesen wenn ... Als ich an ihnen vorbeilief, wusste ich nichts von ihnen und war auf die Übernahme des Pionierbauabschnitts konzentriert. Später, nachdem ich vom Ablauf des Durchbruchs erfahren hatte, stellte ich mir hin und wieder die Frage, was alles wohl hätte passieren können. Aber letztlich erwies sich das als müßig. Es kam, wie es kam. Ab einem bestimmten Punkt war mir die Auseinandersetzung mit meinen grundsätzlichen Positionen zur damaligen Zeit wichtiger, als hypothetische Gedankenspiele.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


damals wars, Fritze, vs1400 und Niederlausitzer haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.05.2016 20:20 | nach oben springen

#123

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 20:29
von der alte Grenzgänger | 997 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #103
... richtig dummen Muschkoten(ich kann sowas nicht ab...solche miesen Bezeichnungen) ...

Rainer-Maria


.. so schlimm ist aber "Muschkote" nicht- ich meine, "Musketier" ist doch sehr ehrenhaft..

ist nur eben unüblich geworden, nur noch Verballhornung und wird eben nur im Zusammenhang mit "den Russen" gesehen (also negativ --

Wie so oft, ist eben der Kontext entscheidend ...

Siggi


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#124

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 20:31
von Hanum83 | 4.664 Beiträge

Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #123
Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #103
... richtig dummen Muschkoten(ich kann sowas nicht ab...solche miesen Bezeichnungen) ...

Rainer-Maria


.. so schlimm ist aber "Muschkote" nicht- ich meine, "Musketier" ist doch sehr ehrenhaft..

ist nur eben unüblich geworden, nur noch Verballhornung und wird eben nur im Zusammenhang mit "den Russen" gesehen (also negativ --

Wie so oft, ist eben der Kontext entscheidend ...

Siggi



War nicht immer der einfache deutsche Soldat der Muschkote und weniger der russische?


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
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#125

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 20:31
von Rostocker | 7.716 Beiträge

Zitat von lhsecurity im Beitrag #121
Zitat von Rostocker im Beitrag #112
Also ob ich nun Angst hatte in der Nachtschicht oder ob ich die Angst verdrängt habe. Das kann ich eigentlich nicht so richtig beantworten. Nur ich weiß die Schichten sind nur so an mir vorbeigegangen. Ich hatte auch in der Nachtschicht so meine Eigenart,wenn ich mir ne Grenzstreife geben ließ. Dann schaltete ich den Scheinwerfer an, stellte ihn so ein,das er nach einer Seite an der Waldkante entlang schien. Selber führte ich die Streife entgegengesetzt durch, Lief dann nicht auf den Kollonnenweg, so das die hellen Platten nicht die Person meines Posten und mir absetzen--sondern lief in der Mitte der Fahrspur auf den Sandboden.
Aber ich glaube 81 beim Residienst am Kanten--waren die Gedanken wohl etwas anders. Denn gleich nach der Entlassung aus dem Gwd--geschah der Mord an den beiden Grenzsoldaten, durch den Doppelmörder Weinhold und der versuchte Anschlag auf die Grenzanlagen der DDR durch Gartenschläger. Was zeigt, das der Grenzdienst,doch nichtso ungefährlich war.


Wie wurden die Streifen denn vergeben und eingeteilt?


Die hab ich mir während der Schicht,von der Füst. geben lassen. Als Grund gab ich an,verdächtige geräusche gehört zu haben. Dann kam meistens die Antwort, bewegen sie sich 100m in der Richtung und melden sie sich in X30 wieder. Meistens wurden aus diesen 100m mehr. Und gerade, wenn man so eine Bunkerschicht hatte und das im Winter--war man froh, etwas in Bewegung zu sein. Das hat aber nicht mit der Streife zu tun gehabt, die mit dem Fahrzeug unterwegs war und in regelmäßigen abständen die Postenplätze anfuhren, oder den KS abgenommen hat


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#126

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 20:41
von damals wars | 12.113 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #113
Zitat von vs1400 im Beitrag #106

hm Moskwitschka,
dass war für mich absolut irrelevant, damals.
zumal es aus der fahndungsmeldung auch nicht hervorging und
heute erkenntnisse wohl immer auch schlauberger zu worte kommen lassen. ... bzgl. der schlauberger, bist nicht nur du gemeint.


Siehst Du und das ist das mein Privileg es auf Grund meiner Geburt zu kennen und erfahren zu haben. Und lange bevor sich irgenwelche Grenzer in Foren mit den grundsätzlichen Problemen Wehrsdienstleistender in der GSSD beschäftigt haben.
Es sind aber auch ganz perönliche Erlebnisse und Erinnerungen der Verabschiedungen von Freunden in die Ungewssenheit von Wehrdienst in den 70-ern in der Sowjetunion.
So etwas habe ich in der DDR nicht erlebt.
Moskwitscka



Es gabt sicher keine Mutter, die ihren Sohn gern zur "strengsten Armee der Welt" ziehen ließ.
Die Gedienten (EKs) gaben ihre Erfahrungen gern bei diversen Feiern zum Besten.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#127

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 20:56
von Hanum83 | 4.664 Beiträge

In Berlin hatten so 1981 wir mal eine kleine Gruppe Sowjetsoldaten zum Sobbotnik auf der Baustelle, die sollten Estrich-Mischung mit der Karre fahren, denen ihr Putzoberster war der Ansicht das zu wenig Beton in der Karre war und machte einen Haufen drauf den er noch festklopfte, der eine Soldat konnte die Megafuhre nicht bändigen und schüttete die Karre um, da wollte der Ober-Leo auch den armen Hund anspringen und hatte dazu schon sein Koppel abgemacht, ein alter Kollege der paar Jahre in Sibirien wohnen durfte und ein Kerl wie ein Baum war nahm den Spinner an der Binde und verklickerte ihn in seiner Muttersprache das wenn er nicht aufhört mit dem Blödsinn eine deutsche Bauarbeiterfaust in seiner Fresse landet.
Ab dem Moment ging alles seinen ruhigen sozialistischen Gang und von dem armen Hund kamen beim Rauchen paar Spasibas.
Meine Schweißerbrille hatte ich bei dem Erlebnis gerade im Spind liegen


Ein Jahr lang 10 Kilometer der innerdeutschen Grenze 1983/84 mitbewacht.
(Zusatz-Info auf Wunsch eines einzelnen Users: War dabei auch Postenführer.)
zuletzt bearbeitet 01.05.2016 21:11 | nach oben springen

#128

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 21:02
von lhsecurity | 159 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #125

Die hab ich mir während der Schicht,von der Füst. geben lassen. Als Grund gab ich an,verdächtige geräusche gehört zu haben. Dann kam meistens die Antwort, bewegen sie sich 100m in der Richtung und melden sie sich in X30 wieder. Meistens wurden aus diesen 100m mehr. Und gerade, wenn man so eine Bunkerschicht hatte und das im Winter--war man froh, etwas in Bewegung zu sein. Das hat aber nicht mit der Streife zu tun gehabt, die mit dem Fahrzeug unterwegs war und in regelmäßigen abständen die Postenplätze anfuhren, oder den KS abgenommen hat

@Rostocker

Darf ich das so verstehen: Du warst als Postenführer in einem Beobachtungsbunker eingesetzt. Um Abwechslung in die Schicht zu bringen und um euch etwas zu bewegen hast Du so verfahren.


Thinking is the hardest work there is, which is probably the reason why so few engage in it.
Henry Ford


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#129

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 21:25
von Rostocker | 7.716 Beiträge

Zitat von lhsecurity im Beitrag #128
Zitat von Rostocker im Beitrag #125

Die hab ich mir während der Schicht,von der Füst. geben lassen. Als Grund gab ich an,verdächtige geräusche gehört zu haben. Dann kam meistens die Antwort, bewegen sie sich 100m in der Richtung und melden sie sich in X30 wieder. Meistens wurden aus diesen 100m mehr. Und gerade, wenn man so eine Bunkerschicht hatte und das im Winter--war man froh, etwas in Bewegung zu sein. Das hat aber nicht mit der Streife zu tun gehabt, die mit dem Fahrzeug unterwegs war und in regelmäßigen abständen die Postenplätze anfuhren, oder den KS abgenommen hat

@Rostocker

Darf ich das so verstehen: Du warst als Postenführer in einem Beobachtungsbunker eingesetzt. Um Abwechslung in die Schicht zu bringen und um euch etwas zu bewegen hast Du so verfahren.


So kann man es auch sehen. Muß aber auch sagen, wir nutzten es auch,um den Nachbarposten kurz zu treffen.Was natürlich gegen die Dienstvorschrift war. Nur mal ein Beispiel--Was später das Gartenschlägereck war, da bin ich in der Schicht 1 mal hochgewandert bis Pieperkaten,dort war die TL zum anderen GR--von dort konnte die eigene offizelle Streife nicht auftauchen.Und die Strecke war schön einsehbar. Melden tat man sich unterwegs über GMN: Aber vorher stellte ich den Scheinwerfer in die eine Richtung und lief aber in die andere Richtung. So nach dem Motto,welcher GV läuft schon durchs Scheinwerferlicht. Hinzufügen möchte ich aber--so was war nicht auf allen Postenplätzen so.


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zuletzt bearbeitet 01.05.2016 21:34 | nach oben springen

#130

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 02.05.2016 00:03
von vs1400 | 2.364 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #122
Zitat von vs1400 im Beitrag #111
... Rainman2,
du wurdest mit dieser thematik nicht tatsächlich, wirklich belastet, damals, aufgrund deiner position. ...

Ich gestatte mir den Luxus, dieser Behauptung zu widersprechen. Beim einzigen Einsatz unserer Kompanie mit Stahlhelm war ich im Abschnitt, zuerst mit der Aufgabe, die Postenablösung zu führen bzw. zu kontrollieren und dann im weitern als Kontrollstreife im Abschnitt. Wenn größere Lagen waren, führte i.d.R. der Kompaniechef auf der Führungsstelle und einer seiner beiden Stellvertreter war im Abschnitt. Ich gebe zu, dass man mit einer konkreten Aufgabe und auch mit der Verantwortung, als Vorbild aufzutreten, anders in eine Situation geht, als wenn man in Abhängigkeit vom Befehl an einem Punkt sitzt und nur der Dinge harren kann, die da kommen, oder eben hoffentlich nicht kommen. Es bringt wenig, diese Situationen gegeneinander abwägen zu wollen, ich sage nur, dass auch ich involviert und somit belastet war. Ich bin beim ersten Grenzdurchbruch 1984 in unserer Kompanie nur wenige Meter an den beiden Männern vorbeigelaufen, weil eben ausgerechnet ein Offizier der Kompanieführung die Abnahme des Pionierbauabschnitts machen musste. Was wäre gewesen wenn ... Als ich an ihnen vorbeilief, wusste ich nichts von ihnen und war auf die Übernahme des Pionierbauabschnitts konzentriert. Später, nachdem ich vom Ablauf des Durchbruchs erfahren hatte, stellte ich mir hin und wieder die Frage, was alles wohl hätte passieren können. Aber letztlich erwies sich das als müßig. Es kam, wie es kam. Ab einem bestimmten Punkt war mir die Auseinandersetzung mit meinen grundsätzlichen Positionen zur damaligen Zeit wichtiger, als hypothetische Gedankenspiele.

ciao Rainman


es war keine behauptung, Rainman2,
sondern meine sicht, ansicht der damaligen verhältnisse und ja,
dies kann man nicht vergleichen.
in der etappe war man für sich ( auch gak) und für seinen posten verantwortlich.
ein abschnitt, mit derartigen lagen, wurde jedoch von der "füst" "geführt" ... .

egal ... Rainman2,
ich gestatte mir den "luxus" dir zu antworten, im sinne eines forum's.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#131

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 04.05.2016 17:35
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #1
Ich hatte immer die Meinung , der Dienst der Grenzsoldaten an der Staatsgrenze zum Klassenfeind war mit besonderen Gefahren verbunden die ein Soldat der NVA bei einem anderen Truppenteil nicht hatte .
Nun habe ich in einem anderen Thema von kompetenten ehemaligen Angehörigen der GT unterschiedlichster Dienstgrade und Dienststellungen auch unterschiedlichster Dienstzeiten gelesen , dass der Dienst am Kanten weitaus ungefährlicher war als von mir angenommen und somit auch von den AGT lässiger durchgeführt wurde . In einem Beitrag wurde davon berichtet , dass das Schlafen im Dienst nichts ungewöhnliches war .

Meine Meinung hatte ich mir aus vielen Beiträgen ehem. Grenzsoldaten hier und in anderen Foren gebildet .
Ich hab nun Zweifel , denn einerseits bedanken sich Mitglieder für Beiträge in denen die Situation an der Grenze fast als Urlaub geschildert wird , andrerseits schreiben sie aber in anderen Themen wie korrekt sie ihren Dienst durchgezogen haben .

Wie war es denn nun ?

Ohne Gefahr und schlafend im Grenzdienst ?




Mit Gefahren war das schon verbunden.
Wobei man das schon sehr einschränken konnte.
Die meiste Gefahr kam von "freundwärts".
Klar, wer abhauen wollte, hatte in der Regel nichts mehr zu verlieren, oder setzte alles auf eine Karte.
Schläft man beim Auto fahren - ne !
So war das bei uns auch.
Bei anderen Waffengattungen gab es wahrscheinlich mehr Unfälle.
Bei uns waren das meist Zwischenfälle mit GF, die nat. auch mal tötlich endeten.
Das wußte jeder.
Das es nicht dazu kam konnte man mit bestimmen.
Deshalb finde ich, das wir keinen besonders gefährlichen Dienst hatten.
Nur die Folgen eines Fehlverhaltens wahren oder konnten schon schlimmer sein.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#132

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 25.06.2016 23:51
von Grenzerhans | 274 Beiträge

Ich kann sagen, dass ich nicht direkt Angst im Grenzdienst hatte. Aber ich hatte aus zwei Gründen manchmal ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, wenn ich im Grenzdienst war. Der erste Grund war Jahreszeit- und wetterbedingt abhängig. In unserem Grenzabschnitt gab es
einen Felsen (heute noch kurz nach dem BT an der A72 Plauen-Hof zu sehen)aus schwarzen Stein. Auf diesem Felsen lagen im Sommer Kreuzottern und sonnten sich.
An diesem Felsen ging keiner gerne vorbei
Der andere Grund war für mich, dass ich in der Dunkelheit mit einem Grenzverletzer verwechselt werde, .da ich vielmals alleine im Grenzabschnitt
meinen Dienst versah, trotz Parole, Kennwort und was es noch so zur Identifizierung gab.
Abgesehen von einigen Scharmützel mit einigen "betriebsfremden Personen" war unser GA eine ruhige Gegend.
An eine konkrete Gefahrensituation kann ich mich nicht erinnern.


damals wars, Niederlausitzer und der Anderdenkende haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#133

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 08:25
von GKUS64 | 1.606 Beiträge

Zitat von Grenzerhans im Beitrag #132

Der andere Grund war für mich, dass ich in der Dunkelheit mit einem Grenzverletzer verwechselt werde, .da ich vielmals alleine im Grenzabschnitt
meinen Dienst versah, trotz Parole, Kennwort und was es noch so zur Identifizierung gab.



Wieso das? Gab es das und warum?

MfG

GKUS64


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#134

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 09:31
von Grenzerhans | 274 Beiträge

Zur Frage von GKUS64
Du bist doch bestimmt nicht erst seit ein paar Stunden in diesem Forum. Da müsstest Du mit bekommen haben, dass es im unmittelbaren Grenz-
bereich eine Diensteinheit von Grenzaufklärern gab.Als ich 1961 freiwillig zur Grenze ging ( GR Plauen) und 1962 gefragt wurde, ob ich an solch einer
Aufgabe Interesse hätte, habe ich zugesagt. Zu diesem Zeitpunkt wurden diese Diensteinheiten erst aufgebaut.In späteren Jahren wurden ab
Dienstgrad Fähnrich Grenzer dazu ausgebildet. Wir hatten damals noch nicht diese Ausrüstung wie sie dann später für einen Aufklärer üblich
war. Wir hatten nur ein Fernglas und einen Schreibblock Die Grenzaufklärern waren damals wie in späteren Jahren meistens allein "unterwegs"
und das zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter.
Vielleicht erklärt Dir das mal ein ehemalige Grenzaufklärer, der noch seinen Dienst bis zur Auflösung der GT versah.

Gruß Grenzerhans


Fritze, lhsecurity und GKUS64 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#135

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 10:40
von Hansteiner | 1.404 Beiträge

In meiner Zeit (Mitte 70) hatten wir auf der GK insgesamt 4 Gakl und die hatten den Dienstgrad Stabsfeldwebel.
Fähnrich, als Dienstgrad, war nur unser Spieß.

VG H.



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#136

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 11:17
von Grenzerhans | 274 Beiträge

Ein Wort zum Beitrag von Hansteiner.
Ich habe in meinem Beitrag geschrieben, dass in späteren Jahren Fähnriche zu Grenzaufklärern ausgebildet wurde.Es gab natürlich, wie
überall, Ausnahmen von der Regel.
Das hängt aber mit folgender Tatsache zusammen. Die Grenzaufklärer waren Soldaten, auf die man sich in politischer, moralischer und
militärischer Hinsicht verlassen musste/konnte.Denn ein Aufklärer war hinter dem Grenzzaun und auch vor dem Grenzzaun tätig. Also, er mußte
in jeder Hinsicht zuverlässig sein. Es kann sich daher jeder denken, der seine Gehirnwindungen an der richtigen Stelle hat, dass das Mfs
einen großen Einfluß auf die Auswahl der Grenzer, die zum Aufklärer ausgebildet wurden, hatte.
Deshalb war der Dienstgrad nicht das entscheidende Moment.

Gruß Grenzerhans


lhsecurity hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#137

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 18:27
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #1
Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

Round-about 600.000 Mann dienten an der Grenze. Setzt man die heute bekannte
Anzahl von im Dienst getöteten Grenzern dagegen, dann war der Dienst an der
Grenze wohl überwiegend "überlebbar".

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#138

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 21:51
von LO-Wahnsinn | 3.485 Beiträge

Da bei mir die Hunde im Vordergrund standen, gab es bei uns natürlich andere Gefahren, obgleich ein Angriff durch einen GV von Ost oder West auch auf uns möglich gewesen wäre.

Was sich durch die Hunde für uns an Gefahren bildete, sollte jedem bekannt sein, wobei wir natürlich den Vorteil hatten das Futter zu haben, Hunde tun dafür ja gern alles.
Aber wenn sie es einmal hatten, dann musste man schon aufpassen, den Begriff Futterneid kennt sicher jeder, allerdings gab es auch Hunde die bei Hunger schlechte Laune hatte, geht mir z.B. auch so.
Daher galt es strategisch zu arbeiten, man kannte die Tiere dann irgendwann ja auch.
Also gab man in der Regel erstmal Wasser wenn der Wassernapf leer war, dann machte man Arbeiten im Zwinger bzw. am Laufseil, anschliessend erst Fresschen.
Dies traf aber nur für rund ein Drittel der Hunde zu, die anderen waren beim Fressen ungefährlich und man konnte während sie futterten Zwingerarbeiten durchführen.
Hin und wieder gabs aber dann doch Angriffe, wie ich hier im Forum schonmal schrieb, meinem Co Fahrer wurde von einem Kaukasen der Arm heftigst durchlöchert.
Gezeigte Zähne und böses Knurren gab es auch hin und wieder, vorallem natürlich bei Futterneidern oder Hunden die nicht so umgänglich waren.

Speziell für mich als LO Fahrer, ergaben sich natürlich noch Gefahren auf den zu befahrenden Strecken, die ja nicht immer ausgebaut waren, oder eben heftiges Gelände.
Ich werde nicht vergessen wie ich im Ellricher Stadtwald mal abgeschmiert bin, versucht den Hang hoch zu kommen, Allrad schon drin, Schwung genommen und kurz vor der Kuppe gings nicht weiter, die Räder drehten auf dem nassen Lehmboden durch und es ging rückwärts mit nach vorn drehenden Rädern.
Zum Glück waren die Spurrillen tief genug und linksseitig etwas Hang, so steuerte ich gegen den Hang so gut es ging, denn rechtsseitig gings eine tiefe Böschung runter, da hätte ich mich mehrfach überschlagen.
Da hat der Stift aber geguckt.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#139

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 21:57
von GKUS64 | 1.606 Beiträge

Zitat von Grenzerhans im Beitrag #134
Zur Frage von GKUS64
Du bist doch bestimmt nicht erst seit ein paar Stunden in diesem Forum. Da müsstest Du mit bekommen haben, dass es im unmittelbaren Grenz-
bereich eine Diensteinheit von Grenzaufklärern gab.
Gruß Grenzerhans


Das hast du natürlich richtig erkannt/gelesen! Ich bin jedoch erst hier im Forum mit dem Begriff und der Tätigkeit der GAK konfrontiert wurden.
In meiner Zeit (1963-1965) habe ich da wirklich nichts mitbekommen, gab es damals in US auch nicht! Aleingänge konnte ich mir somit gleich gar nicht vorstellen.

P:S. Habe gerade festgestellt, dass du der gleiche gute Jahrgang wie ich bist (und sogar der Monat stimmt!)!

MfG

GKUS64


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#140

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 26.06.2016 21:59
von LO-Wahnsinn | 3.485 Beiträge

Scheintäter war auch nicht ohne.
Wenn man das zum erstenmal macht, dann guckt der Stift auch und die Haare kämpfen um einen Stehplatz.
Hatte man neuere Schutzkleidung, dann gings ja so, doch die hielt nicht lange und liess in der Schutzwirkung nach.
Man merkte dann schon manchmal wie es drückt, vorallem auch vom Kiefer her, der Gesamtdruck, den hält die Schutzkleidung ja auch nicht gänzlich ab.
Dann ist das natürlich so, wenn so ein 50-60 Kilo Teil mit geschätzten 50+ km/h (Rottweiler, Riesenschnauzer, Kaukase und auch mancher Schäferhund) anspringt und einen dabei fast umhaut, dann nutzt die Schutzkleidung zwar auch, aber Hals, Füsse und Gesicht hatten keine Schutzkleidung.

Na jedenfalls ist das immer eine Sache mit gemischten Gefühlen gewesen.
Ich habe es aber nicht oft gemacht, ich war damals einfach auch zu leicht und zu schmächtig, ausserdem musste ich den LO fahren, ich hab lieber die Welpen scharf gemacht.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
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Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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