#101

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 30.04.2016 22:49
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #100
Zum Thema der Fahnenfluchten von Angehörigen der GSSD ist hier im Forum schon einiges geschrieben worden, u.a.
Wo bleiben denn die Russen !!! (2)
Grenzalarm wegen desertierter Rotarmisten (3)
Fahnenfluchten russischer Soldaten (9)

Oder einfach mal unter dem Begriff Dedowschtschina hier im Forum suchen bzw. mal hier nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dedowschtschina

Bei der Frage der Gefahr an der Grenze fällt mir das Thema Fahnenflüchtige der Sowjetarmee eigentlich immer als erstes ein. Ich habe mich zwar nicht sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt, bin aber im Gespräch mit Freunden und Bekannten immer wieder darauf gestoßen. Ich bin heute der Auffassung, dass viele dieser Fluchten einfach irrationale Akte der Verzweiflung waren. In erster Linie ging es darum, "von dort wegzukommen".

Die anderen Gefahren waren hier bereits schon recht umfassend genannt: Die Gefahr von Unfällen war noch die größte, gerade auch im Zusammenhang mit fahrlässigem Schusswaffengebrauch. Und bei letzterem ging es manchmal schon sehr knapp zu.

Was die Wahrnehmung von potentiellen Gefahren damals angeht, erinnere ich mich nur an eine wirkliche Angstsituation im Grenzdienst bei mir, als wenige Meter neben uns in tiefster Finsternis plötzlich ein Keiler wie angestochen zu brüllen begann. Wir fanden uns im nächsten Moment etwa 200 Meter von der Stelle entfernt. Das dürfte meine Spitzenzeit auf dieser Strecke gewesen sein. Ansonsten gab es eine Reihe von Situation mit einem "unguten Gefühl". Bei einigen Unterstellten habe ich einige Male Anzeichen von Angst oder sogar Panik erlebt. Das war dann oftmals gefährlicher für uns, als für irgendeinen imaginären Gegner.

ciao Rainman



@Rainman2
oh wie kann ich dir das nachfühlen. Ich hatte im Grenzdienst eigentlich nie Angst, aber wir mussten auf den Klippen der Lübecker Bucht immer durch ein Wäldchen . In der Nachtschicht war da stets Rambazamba der Wildschweine und da bekam ich wirklich Angst. Sie brachen mit einem Getöse durch das Unterholz, dass einem angst und bange wurde. Ich habe die Kaschi stets griffbereit gehabt und hätte denen ein ganzes Magazin in den Leib geschossen, wenn sie einen Angriff auf mich/uns gemacht hätten. Es ist glücklicherweise nie dazu gekommen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
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zuletzt bearbeitet 30.04.2016 22:50 | nach oben springen

#102

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 30.04.2016 23:02
von B Man | 193 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #98
Und du meinst jetzt B Man diese "einfachen Leute" waren Alle so bissel ungebildet....oder wie sollte das gelesen werden?




Und dazu noch Sprachprobleme ?

Zitat von Rainman2 im Beitrag #100
. Ich bin heute der Auffassung, dass viele dieser Fluchten einfach irrationale Akte der Verzweiflung waren. In erster Linie ging es darum, "von dort wegzukommen".




So sehe ich das auch.
Einfach nur weg.
Um Politik oder Geografie haben sich da sicher die wenigsten gekümmert.


Gruss Andreas
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#103

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 30.04.2016 23:33
von Rainer-Maria Rohloff | 1.379 Beiträge

Manchmal denke ich immer, ich bin so ne Art Exot, was die Schilderung über das Leben in deren Kasernen(der damaligen GSSD) betrifft. Der Rainer schrieb bestimmt schon vier Dutzend Texte in zwei Foren über die 15 Jahre Arbeitszeiten ....wieder in deren Heizhäusern, Kanälen quer durch das Gelände, Soldatenküchen, Mannschaftsquartieren und Villen der Offiziere und jetzt kommt es.....ich sah in 15 Jahren nicht einen Offizier, der einen Soldaten auch nur tätlich unsanft angefasst hatte, hätte.

Oder gar nen Gefreiten der einen Soldaten verprügelte. "das muss wirklich und ehrlich alles Nachts passiert sein"....könnte man jetzt hinterfotzig anfügen, wenn wir eben nicht in deren Kasernengelände arbeiten waren.

Aber einmal, da passierte es, richtig brutal, da schlug Gefreiter einen Offizier....oder wars umgekehrt? Nicht einer ging dazwischen und die Beiden schlugen so lange aufeinander ein bis sie sinngemäß blutig am Boden lagen. Das war den Freunden vielleicht peinlich, das wir als Handwerker Augenzeugen waren, deren Gesichter in der Runde sprachen sinngemäß Bände.

Nun erzählt weiter von Zinksärgen, Prügel ohne Ende, Hunger dazu, richtig dummen Muschkoten(ich kann sowas nicht ab...solche miesen Bezeichnungen) und noch lauter so Grusel. Aber in einem gebe ich Moskwitschka Recht, diese Hierarchie war da, die Dunkelhäutigen/Haarigen waren die Fleißigsten.

Rainer-Maria



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#104

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 30.04.2016 23:56
von Hanum83 | 4.796 Beiträge

Siehste, manche sehen 15 Jahre nix und bei mir hat ein Vormittag gereicht um was zu sehen.
Ist halt alles relativ.
Was hab ich gesehen.
Paar Soldaten kehrten mit Reisigbesen vor so einer Art Stabsgebäude den Fußweg und ich vermute mal so eine Art Uffz. beaufsichtigte sie.
An einigen Besen war allerdings gar kein Reisig mehr dran und einer der so ein Ding hatte fegte nicht mehr richtig fleißig, da kam dieser Starschina von hinten und haute dem Soldaten eine runter das sein Käppi wegflog.
Der zuckte nur zusammen, setzte sich das Käppi wieder auf und fegte fleißig weiter.
Ok, vielleicht kann man das auch als heftig streicheln deklarieren, aber mir kam es schon vor als wäre da richtig ausgeteilt worden.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#105

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 30.04.2016 23:59
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #101
Zitat von Rainman2 im Beitrag #100
... als wenige Meter neben uns in tiefster Finsternis plötzlich ein Keiler wie angestochen zu brüllen begann. ...


@ Rainman2
oh wie kann ich dir das nachfühlen. Ich hatte im Grenzdienst eigentlich nie Angst, aber wir mussten auf den Klippen der Lübecker Bucht immer durch ein Wäldchen . In der Nachtschicht war da stets Rambazamba der Wildschweine und da bekam ich wirklich Angst. Sie brachen mit einem Getöse durch das Unterholz, dass einem angst und bange wurde. Ich habe die Kaschi stets griffbereit gehabt und hätte denen ein ganzes Magazin in den Leib geschossen, wenn sie einen Angriff auf mich/uns gemacht hätten. Es ist glücklicherweise nie dazu gekommen.

Hallo Gert,

dass es in Wildschwein war, reimte ich mir erst später zusammen. Hirn und Körper hatten einfach nach ältesten Instinkten gehandelt. Einen ähnlich grauenvollen Schrei hörte ich übrigens erst wieder, als ich mit einem Studienkollegen an der Militärpolitischen Hochschule in Berlin Nachts gegen zwei Uhr durch den Grünauer Forst ging und er plötzlich mit breitem Grinsen fragte: "Reni, kennst du eigentlich schon den Jack-the-ripper-Schrei?" Er hatte ihn drauf. Zugleich holte das wieder die alte Erinnerung hoch. Ein nächtlicher dunkler Wald ist nichts für die Seele ...

Sei herzlich gegrüßt!
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#106

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 00:00
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #99
Hinzu kommt, die Dedowschtschina die @Hanum83 indirekt angesprochen hat. Und was man auch nicht vernachlässingen darf, die Wehrdienstleisteidenden in der GSSD kamen aus einem Vielvölkerstaat, wo z.B. ein Tadschike auf der untersten Stufe der Hierarchie - Leiter stand.

Aber selbst die russischen Mütter verabschiedeten ihre Söhne tränenreich in den Wehrdienst. Egal, ob in den Osten, hinter den Ural oder in den Westen in die DDR. Und es gab einige, die in "Friedenszeiten" im Zinksarg nach hause gekommen sind.

Moskwitschka


hm Moskwitschka,
dass war für mich absolut irrelevant, damals.
zumal es aus der fahndungsmeldung auch nicht hervorging und
heute erkenntnisse wohl immer auch schlauberger zu worte kommen lassen. ... bzgl. der schlauberger, bist nicht nur du gemeint.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#107

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 00:03
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #105
... Ein nächtlicher dunkler Wald ist nichts für die Seele ...

...


Oh doch! Na gut, nicht für jede Seele.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#108

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 00:07
von Rainer-Maria Rohloff | 1.379 Beiträge

"Du hast Recht Hanum", ich muss 15 Jahre voll die Schweißerbrille aufgehabt haben. Wahnsinn dein Text, eine Begegnung an einem Vormittag und schon Prügel, das war Glück, das muss man dir zugestehen.

Rainer-Maria und bescheiden wie ich bin übe ich mich in Demut HAAAAAAAAAAAAAAAAaa



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#109

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 00:10
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Heimgänger 80 im Beitrag #82
Zitat von elcramo im Beitrag #81
...Jeder, der sich einredet, dass es ungefährlich war, lebte leichtsinnig und realtätsfern.



Ich bleibe dabei, als gefährlich für mein Leben habe ich den Dienst an der Grenze nicht empfunden.


Es konnte immer schief gehen. Daran hat man nicht ständig gedacht. An einer Stelle, wo man Hindernis für Menschen war, die sich ein besseres Leben versprachen so sie nur an einem vorbei kamen, an einer Stelle wo sich die Machtblöcke direkt gegenüber standen und man mit Leuten rechnen musste, die sich nicht benehmen konnten oder wollten, an einer Stelle wo auch immer mal was falsch laufen konnte,
da war es nun mal nie ungefährlich. Je weiter in der Etappe, um so weniger Risiko vielleicht aber null eben nie. Das wusste man, das war eigentlich normal. So ist nun mal Leben.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#110

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 00:22
von Rainer-Maria Rohloff | 1.379 Beiträge

Wenn ich noch anfügen darf. Es war auch immer eine gehörige Portion Glück dabei, auch sinngemäß Massel. Zumal, wenn du jung bist denkst du nicht wie heute im Alter, man berechnete sinngemäß gar nichts und wenn was passierte traf es dich oder eben nicht. Nennt man das dann Schicksal? Ich halte nichts von solchem biblischen Schicksalskram.

Rainer-Maria



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#111

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 00:30
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #100
Zum Thema der Fahnenfluchten von Angehörigen der GSSD ist hier im Forum schon einiges geschrieben worden, u.a.
Wo bleiben denn die Russen !!! (2)
Grenzalarm wegen desertierter Rotarmisten (3)
Fahnenfluchten russischer Soldaten (9)

Oder einfach mal unter dem Begriff Dedowschtschina hier im Forum suchen bzw. mal hier nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dedowschtschina

Bei der Frage der Gefahr an der Grenze fällt mir das Thema Fahnenflüchtige der Sowjetarmee eigentlich immer als erstes ein. Ich habe mich zwar nicht sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt, bin aber im Gespräch mit Freunden und Bekannten immer wieder darauf gestoßen. Ich bin heute der Auffassung, dass viele dieser Fluchten einfach irrationale Akte der Verzweiflung waren. In erster Linie ging es darum, "von dort wegzukommen".

Die anderen Gefahren waren hier bereits schon recht umfassend genannt: Die Gefahr von Unfällen war noch die größte, gerade auch im Zusammenhang mit fahrlässigem Schusswaffengebrauch. Und bei letzterem ging es manchmal schon sehr knapp zu.

Was die Wahrnehmung von potentiellen Gefahren damals angeht, erinnere ich mich nur an eine wirkliche Angstsituation im Grenzdienst bei mir, als wenige Meter neben uns in tiefster Finsternis plötzlich ein Keiler wie angestochen zu brüllen begann. Wir fanden uns im nächsten Moment etwa 200 Meter von der Stelle entfernt. Das dürfte meine Spitzenzeit auf dieser Strecke gewesen sein. Ansonsten gab es eine Reihe von Situation mit einem "unguten Gefühl". Bei einigen Unterstellten habe ich einige Male Anzeichen von Angst oder sogar Panik erlebt. Das war dann oftmals gefährlicher für uns, als für irgendeinen imaginären Gegner.

ciao Rainman




Rainman2,
du wurdest mit dieser thematik nicht tatsächlich, wirklich belastet, damals, aufgrund deiner position.

zu meiner zeit hat zb. niemand den gak-zug beneidet, bei derartigen meldungen und noch weniger die agt des 3.bt's,
dass wären dann die ersten geworden sein.
denn bei jeder derartigen meldung, zu meiner zeit, war der flüchtige bewaffnet.
angst hatte ich da schon und so ne derartige vgs wurde ja eben nicht pauschal aktiviert.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#112

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 01:35
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Also ob ich nun Angst hatte in der Nachtschicht oder ob ich die Angst verdrängt habe. Das kann ich eigentlich nicht so richtig beantworten. Nur ich weiß die Schichten sind nur so an mir vorbeigegangen. Ich hatte auch in der Nachtschicht so meine Eigenart,wenn ich mir ne Grenzstreife geben ließ. Dann schaltete ich den Scheinwerfer an, stellte ihn so ein,das er nach einer Seite an der Waldkante entlang schien. Selber führte ich die Streife entgegengesetzt durch, Lief dann nicht auf den Kollonnenweg, so das die hellen Platten nicht die Person meines Posten und mir absetzen--sondern lief in der Mitte der Fahrspur auf den Sandboden.
Aber ich glaube 81 beim Residienst am Kanten--waren die Gedanken wohl etwas anders. Denn gleich nach der Entlassung aus dem Gwd--geschah der Mord an den beiden Grenzsoldaten, durch den Doppelmörder Weinhold und der versuchte Anschlag auf die Grenzanlagen der DDR durch Gartenschläger. Was zeigt, das der Grenzdienst,doch nichtso ungefährlich war.


Theo85/2, vs1400 und Niederlausitzer haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#113

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 01:45
von Moskwitschka | 2.532 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #106


hm Moskwitschka,
dass war für mich absolut irrelevant, damals.
zumal es aus der fahndungsmeldung auch nicht hervorging und
heute erkenntnisse wohl immer auch schlauberger zu worte kommen lassen. ... bzgl. der schlauberger, bist nicht nur du gemeint.




Siehst Du und das ist das mein Privileg es auf Grund meiner Geburt zu kennen und erfahren zu haben. Und lange bevor sich irgenwelche Grenzer in Foren mit den grundsätzlichen Problemen Wehrsdienstleistender in der GSSD beschäftigt haben.

Es sind aber auch ganz perönliche Erlebnisse und Erinnerungen der Verabschiedungen von Freunden in die Ungewssenheit von Wehrdienst in den 70-ern in der Sowjetunion.

So etwas habe ich in der DDR nicht erlebt.

Moskwitscka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#114

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 09:54
von Fritze | 3.474 Beiträge

ich kann mich an eine Nacht"schicht" auf der Insel erinnern . Ca 30 m neben uns erklang plötzlich ein Schrei ,als wenn man einer Frau genau auf der Höhe des Schreies den Hals zudrücken würde . Mein Posten zuckte zusammen und wunderte sich warum ich mich nicht erschreckt hatte .
Ich war schon als Knabe mit Jägern des Nachts unterwegs und auch durch meine nächtlichen Angelausflüge ,wußte ich ,daß dies ein Nachtreiher war.
Einen Schreck hatte ich mal bekommen als wir den auf einen Bügel gezogenen Schwarzkombi im Winde sich bewegen sahen.hatte von diesem
Ereignis berichtet.


Schreck lass nach !

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#115

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 10:48
von Rainer-Maria Rohloff | 1.379 Beiträge

Die DDR Moskwitschka war einfach nicht die Sowjetunion. Schon nicht von der Fläche, der enormen Ausdehnung des Landes her. Da musste auch Keiner volle 24 Monate Grundwehrdienst lang leisten, in dem das Wort Urlaubsanspruch gelinde gesagt ein Fremdwort war. Berichtige mich aber was haben die jungen Kerlchen in den zwei Jahren denn an Urlaub bekommen?

Waren das nicht ca.zwei Wochen ,von denen noch der Transfer(per Flugzeug) in der Reisezeit abging? Und diese UdSSR war groß, und lang, gewaltig in der Entfernung dazu.
Irgendwo schrieb ich das schon mal. Hätte es also in der NVA ähnliche unwürdige Urlaubsregelungen gegeben, dann hätte sich unter Garantie ne Unmenge Soldaten selber erschossen, oder wären durchgedreht oder hätten anderen Mist ohne Ende angestellt.

Schon mancher Bundeswehrsoldat bekommt heute ne Krise, nen Campkoller oder posttraumatische Belastungsstörungen, wenn der "nur" mal drei Monate fern der Heimat zubringen muss.

Das demzufolge die Verabschiedung vom Liebsten, dem Sohn, Ehemann, Bruder in der SU ganz anders, viel emotionaler ausfiel war demzufolge nur logisch.

Rainer-Maria der schon nach 14 Wochen sinngemäß "gemauert "hatte, dann wurden 16 draus, dann war ich drei Tage Zuhause, von Sonnabend früh um 7.00Uhr bis Montag gegen 18.00Uhr. Wo ist der Vorschlaghammer, den ich heute noch dieser verdammten NVA voll ins Kreuz schmeißen kann.



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#116

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 11:18
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #113


Siehst Du und das ist das mein Privileg es auf Grund meiner Geburt zu kennen und erfahren zu haben. Und lange bevor sich irgenwelche Grenzer in Foren mit den grundsätzlichen Problemen Wehrsdienstleistender in der GSSD beschäftigt haben.

Es sind aber auch ganz perönliche Erlebnisse und Erinnerungen der Verabschiedungen von Freunden in die Ungewssenheit von Wehrdienst in den 70-ern in der Sowjetunion.

So etwas habe ich in der DDR nicht erlebt.

Moskwitscka




hm, ein wirkliches privileg, Moskwitschka?
ein damaliger freund, er wurde ein halbes jahr vor mir gezogen, berichtete seiner freundin immer nur gutes und wie locker es doch bei der gt war.
er war jedoch bei den pionieren in groß glienicke und fuhr dort einen adk125.
irgendwann gab es dann in ihrer beziehung eine pause und sie schrieb mich, kurz vor einen tag der gt, an, auch aus beruflichen gründen. sie war kindergärtnerin, in ausbildung und ich sollte doch den lieben kinderchen mal erklären was wir denn so an der grenze machen. ich hätte lügen müssen,
denn dass privileg der unbedarftheit ging mir da draußen irgendwie abhanden.

es war nicht schön, wenn ein russe "im busch" war und spätestens bei solchen lagen wurde vielen agt sehr bewusst, dass dies kein spielchen war.
es waren in der masse junge familienväter, welche dann mal eben mit vier magazinen in den busch mussten. nicht wenige wären liebend gern
nach hause gefahren oder in der gk geblieben,
denn es war nicht oder nicht nur ihre grenze.
nach derartigen lagen schrieben viele briefe in die heimat und ich möchte behaupten, die empfänger bekamen nur einen zusätzlichen brief.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#117

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 11:38
von der 39. | 522 Beiträge

Aber gefährlich war es doch für Soldaten immer und zu allen Zeiten. Es wird doch zB. erzählt, dass der Alte Fritz , als seine preußischen Soldaten in vorderster Linie zurückweichen wollten, einem von ihnen den Ladestock aus dem Gewehr zog und auf die Soldaten einschlug mit dem Ausruf:" Hunde, wollt ihr ewig leben?"
Wer sagt denn, dass es nicht gefährlich ist bei den Soldaten? Wo Gefahr lauert, ist auch die Angst da, manchmal als Vorsicht getarnt. Sieger ist nur der, der es versteht, die Angst zu überwinden.
Persönlich wollte ich jetzt zuerst schreiben, dass ich nie Angst im Grenzdienst hatte, jedoch beim Schreiben kommt mir so in den Kopf, dass ich auch mal Schiss hatte. Mir war von Grenzhelfern in Beendorf zugetragen worden, dass ein Grenzführer Leute über die "Aussicht" in Beendorf bis zu dem kleinen stillgekegten Steinbruch geführt hätte. Dort seien sie dann an den steilen Wänden heruntergeklettert und nach wenigen Schritten auf der Helmstedter Straße im Westen gewesen. Am Tage bei der zum xten mal vorgenommenen Untersuchung ergab sich, dass da während der Dunkelheit niemals ein Mensch herunterklettern könnte. Dennoch wollte ich die Sache ergründen und habe mir in der Nacht einen dienstfreien Kameraden gegriffen und bin hoch zur Aussicht. Nach den ersten Schritten konnten wir uns nur durch Tasten vorwärts bewegen, der Begleiter hatte an mein Koppel gefasst. Und die 1000 Geräusche im Wald und im Kopf der Gedanke: Wenn Du hier zu weit gehst, stürzt Du in den Steinbruch.. Ich brach ab, wir wendeten uns nach links, um vom Steinbruch wegzukommen und dann zu verlassen. Es war gescheitert. Licht haben wir nicht gemacht, wir wollten ja den Grenzführer überraschen.
Wenn ich mal daran denke, durch einen äußeren Anstoß so wie heute, frage ich mich, war das noch übertriebene Vorsicht oder hatte ich wirklich Angst?
Der 39.


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zuletzt bearbeitet 04.05.2016 22:01 | nach oben springen

#118

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 11:45
von Hanum83 | 4.796 Beiträge

Nachts im finsteren Wald hatte ich immer Angst, bei Mondschein gings, aber wenn nicht mal der da war, nöö du, war nix für Vaters Sohn.
War ja immer der gleiche Marschweg vom Turm und da ging es halt die 2 Kilometer durch den Wald, Schrittzahl erhöhen und schnell durch.
Am ungenehmsten war wenn du im ersten Drittel warst und vorne löste auch noch der GSZ aus der direkt an den Waldweg grenzte, da ging es ritschratsch und der "kalte" kam vorsichtshalber in die Kammer.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
der 39. hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.05.2016 11:56 | nach oben springen

#119

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 19:39
von mibau83 | 831 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #105

dass es in Wildschwein war, reimte ich mir erst später zusammen. Hirn und Körper hatten einfach nach ältesten Instinkten gehandelt.


schreie von wildschweinen habe ich in unseren abschnitt eigentlich nicht wahrgenommen, nur ein grunzen und wühlen nach futter.
eventuell war es ein rehbock, diesen schrei kannte ich bis dahin auch noch nicht, da sich in meiner höhenlage nur rotwild befindet.
beim ersten mal dachte ich, ihr als streife mit hund seit kurz davor uns "aufzuklatschen".

eventuell war es aber auch nur ein fuchs.


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#120

RE: Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

in Grenztruppen der DDR 01.05.2016 19:47
von Hanum83 | 4.796 Beiträge

Was auch nicht ganz ohne war, waren die Abschnitts-Jagten von den GT-Jagdgenossen, da wurde auch mal durch die Gegend geballert auf Teufel komm raus und du musstest aufpassen nicht selber zum Keiler zu werden
Einmal schlug wirklich was aus Richtung freundwärts in die Pappe ein im Blechbereich und eine Dülle war drin, kein richtiger Einschuss, war wohl mehr Rehmunition.
Hab das über GMN gemeldet und da ich nicht so recht wusste was ich dazu sagen sollte hab ich irgendwas von Beschuss durch eigene Jäger geblubbert, schlug dann ganz schöne Wellen, kamen auch kompaniefremde Fotografier-Genossen und so, also mehr Sackstand als mir lieb war.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 01.05.2016 19:54 | nach oben springen



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