#101

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.12.2009 22:55
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Thunderhorse
Nee, die tauchte nicht auf. War eher eine Rarität, was die Anzahl der Maschinen betraf.
War meines Wissens nach, nicht im aktiven Dienst bei den sowjetischen Streitkräften.

Da hast Du recht, es wurden nur 2 Stueck gebaut, und die Mi-12 wurde nicht bei den sowjet. Streitkraeften verwendet nachdem die Gruende wegfielen. Die Mi-12 haelt trotzdem noch viele Rekorde (z.B. 40 tonnen am Haken)

Zitat von werraglück
Mensch Captn, hast du die Zitter-Lizenz?
MfG


Hi @werraglueck,
Was iss'n 'ne Zitter-Lizenz? Hab nur PPL SE/ME und CPL (fixed wing) + 18 Stunden PIC in 'nem R44 / 2 Stunden in 'ner 206B (rotary wing)
-Th


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#102

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 16.12.2009 23:08
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von CaptnDelta
Hi Stefan,

ein Dreihpunktstart ist ein Start bei welchem das Flugzeug ohne nennenswerte Rotation in die Hoehe gezerrt wird, ohne vorher die Startgeschwindigkeit (und oft noch nicht einmal die Stallgeschwindigkeit Vss) erreicht zu haben. Da dies typischerweise ein ganzes Stueck unterhalb der Vx/Vy (beste Steiggeschwindigkeiten) ist, ergibt sich das Problem das das Flugzeug nun im Bodeneffekt dahin"eiert" ohne eigentlich Hoehe gewinnen zu koennen: Um Hoehe zu gewinnen, muesste der Flieger erst Geschwindigkeit gewinnen, allerdings kann er nur schlecht Geschwindigkeit gewinnen da man die 'Nase' nicht senken kann.

Mal zum Vergleich einen normalen Start mit 'nem Taildragger wie der Zlin: Erst Powerhebel rein, gleichzeitig rechts in's Ruder treten, Vr abwarten, dann den Knueppel 'nen kurzen Schubs nach vorne geben und wiedermal gleichzeitig rechts in's Ruder treten. Die Maschine faehrt nun nur auf dem Hauptfahrwerk, das Spornrad ist in der Luft. Die Maschine in dieser Stellung halten bis sie genuegend Geschwindigkeit gewonnen hat und von alleine abhebt, wobei man die Maschine mit den Pedalen entlang der Startbahn gehalten wird. Die Fussbewegungen sehen dabei aus wie ein russischer Volkstanz - allerdings ohne den Tanz endet der Start normalerweise in einem Groundloop.


Hallo CaptnDelta,

erst einmal vielen Dank für die ausführliche Erläuterung.
Da ich mit der Fliegerei nicht vertraut bin, muß ich gestehen, daß ich höchstens 10% verstanden habe.
Warum muß man z.B. abwechselnd in das Ruder treten?
Ich als Laie würde das so machen:

- Sturmhaube aufziehen
- Den Baum am Ende der Startbahn anstarren, anpeilen und gleichzeitig ignorieren
- Vollgas geben
- Nach Bauchgefühl, also wahrscheinlich zu früh oder zu spät, den Knüppel (Höhenruder) zu mir ziehen und abheben

Zumindest bei Blue Max bin ich in den 80er Jahren damit immer gut hochgekommen:

Also abwechselnd ins Ruder treten um die Maschine auf Kurs bzw. geradeaus zu halten während dem Start?

Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 17.06.2010 22:29 | nach oben springen

#103

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 07:57
von CaptnDelta (gelöscht)
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Hallo Stefan,

Zitat von Ari@D187
Da ich mit der Fliegerei nicht vertraut bin, muß ich gestehen, daß ich höchstens 10% verstanden habe.

Na, das lag wohl eher an mir, das haette ich vielleicht auch einfacher schreiben koennen ...

Zitat von Ari@D187
Warum muß man z.B. abwechselnd in das Ruder treten?


Das Problem bei Spornrad-Flugzeugen ist das Richtungskorrekturen aufgrund der dynamischen Schwerpunktverlagerung zu einer Oszillation fuehren kann (liegt an der Fahrwerksanordnung mit dem Steuerrad hinten). Als Vergleich koennte man Vorwaerts- vs. Rueckwaertsfahrt im Auto nehmen: Vorwaehrtsfahrt ist auch bei hoeheren Geschwindigkeiten relative stabil, waehrend man bei flotter Rueckwaertsfahrt unheimlich aufpassen muss, das das Auto sich nicht "umdreht" (ground loop). Ein Start mit Tricycle-Fahrwerk (Lenkrad vorn, Hauptfahrwerk hinten) ist aehnlich wie Vorwaertsfahrt im Auto, ein Taildragger wie die Zlin ist beim Start wie Rueckwaertsfahrt (Hauptfahrwerk vorn, Lenkrad hinten).

Dazu kommen noch andere Effekte, welche eine Spornrad-Maschine beim Start beeinflussen:
(1) Wenn man den Gashebel beim Start 'reinschiebt, produziert der Propeller (aufgrund des unterschiedlichen Anstellwinkels von niedergehendem Propellerblatt/hochgehendem Propellerblatt gegenueber der Umgebung) einen starken Zug nach links, welches mit rechtem Ruder ausgeglichen werden muss (ansonsten gehts das erste mal in den Graben)
(2) Nachdem etwas Geschwindigkeit aufgenommen wurde, muss die Spornrad-Maschine in der Querachse in eine Start"haltung" (start attitude) gebracht werden, wie gesagt mit einer leichten Vorwaertsbewegung des Steuerhebels. Der dabei auftretende Kreiseleffekt des Propellers muss wiederum mit rechtem Ruder ausgeglichen werden (ansonsten ist's das zweite mal Zeit fuer den Graben)
(3) Ab dann der Tanz mit die Fuess, ist fast so als wenn man ein Auto mit 100+ km/h rueckwaerts fahren wollte.

Zitat von Ari@D187
Ich als Laie würde das so machen:
- Sturmhaube aufziehen
- Den Baum am Ende der Startbahn anstarren, anpeilen und gleichzeitig ignorieren
- Vollgas geben
- Nach Bauchgefühl, also wahrscheinlich zu früh oder zu spät, den Knüppel (Höhenruder) zu mir ziehen und abheben


Ja, das waere bei einem normalen Tricycle-Fahrwerk richtig, das nennt sich Rotation, welche bei der Rotationsgeschwindigkeit Vr eingeleitet wird. Beim Spornrad (tail dragger) wie bei der Zlin ist das eigentlich verkehrt und fuehrt eher zum Stall als zum Start.

Hoffentlich hilft Dir das, falls Du mal Republikflucht mit 'ner Agrarmaschine planst

Zitat von Ari@D187
Zumindest bei Blue Max bin ich in den 80er Jahren damit immer gut hochgekommen:

Hehe, cool, danke fuer die Memories. C64, wenn ich mich nicht irre?
-Th


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#104

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 08:39
von Dr. Emmerich (gelöscht)
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Salute,
der Luftraum der DDR hörte an der Staatsgrenze auf. Konnte eine Privatperson überhaupt den Luftraum "verletzen"?
Wie wurde verfahren, wenn z.B. Militärflugzeuge der BRD die Staatzsgrenze DDR/BRD überflogen (Absichtlich oder unabsichtlich)? Hatten "Dohnen" schon eine Bedeutung bei der Aufklärung der Sicherungsanlagen?
Mit solidarischem Gruß


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#105

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 08:48
von Dr. Emmerich (gelöscht)
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War der selbstgebastelte Ballon überhaupt ein "Luftfahrzeug"? Wenn ja, konnten Privatpersonen überhaupt den Luftraum der BRD verletzen? Wogegen sollte dann die BRD protestieren?


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#106

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 12:18
von josy95 | 4.915 Beiträge

Mit Beginn der 80-er hat man im Harz, speziell im Ilsenburger Revier und im Brockengebiet an schwer zugänglichen Stellen mittels Hubschrauber eingeschlagenes Holz abtransportiert, später auch, um der fortschreitenden Versauerung des Bodens (Waldsterben) zu begegnen mittels Hubschrauber den Wald mit Kalk gedüngt.

Hierbei kamen fast ausschließlich nur Mi 8 der Interflug zum Einsatz. Personal (Piloten einschl. Boden- und Wartungspersonal) auch von der Interflug. Als Lande-/ Tank- und Wartungsplatz war eine Freifläche im Spergebiet (Sperrzone) oberhalb der Ilsefälle in Richtung Stempels Buche/ Scharfenstein ausgebaut worden. Fläche teilweise eingeschottert, kleinere Fläche betonversiegelt mit einem stabilen, einbetonierten Bodenanker. (War nach der Wende noch zu sehen, mittlerweile alles entfernt). Hier dran wurde der Hubschrauber, so wurde mir zumindest von Insidern berichtet, während der Wartung, Betankung usw. bzw. während der Nacht regelrecht angekettet. Bewacht war er sowieso von den GT.

Speziell Langholz wurde vornehmlich aus dem Bereich der Zinne, im Bereich Goetheweg/ Kaffeeklappe unterhalb des Brockens und aus den Zeterklippen ausgeflogen zu Sammelplätzen, wo es anschließend mit Straßenfahrzeugen weiter abtransportiert wurde.

Der Hauptgrund für den Hubschraubereinsatz war der, das man aus diesen Gebieten mit der damals zur Verfügung stehenden Technik das Nutz- und vor allem Schadholz nicht bergen, geschweige abfahren konnte. Zu dieser Zeit breitete sich schon einmal eine Borkenkäferinvasion besonders in den wegen der Grenznähe forstwirtschaftlich sehr schlecht betreuten Flächen rasend aus. Auch vorhergehende Unwetterschäden (Schnee- und Windbruch) hatten diesen Zustand noch begünstigt. Über die gemeinsame Grenzkommission und auch auf anderen Wegen übte man Seitens der Bundesrepublik Druck auf die DDR aus, zur Eindämmung des Borkenkäfers etwas zu unternehmen. Teilweise soll im Bereich des Goetheweges auch eingeschlagenes Holz direkt in die Bundesrepublik verkauft und auf direktem Wege nach dort abtransportiert worden sein.

Die Düngung des Waldes erfolgte flächendeckend über die Fichtennwälder des gesamten Harzes. Für den Bereich des Nordharzes (Ilsenburg, Wernigerode, Schierke, Brocken) war der Hubschrauber wie o. g. bei Ilsenburg stationiert. Diese imens kostenintensiven Düngungsmaßnahmen liefen jährlich jeweils im Frühjahr bis zum Sommer und zeigten am Schadensbild speziell der Fichtenwälder auch alsbald ihre positive Wirkung.
Man sah überall in den Wäldern in Baumkronen an langen Holzlatten angebrachte rote und rot- gelbe Fahnen als Orientierungshilfen für die Piloten. Diese hat man dort auch belassen, so das man diese bzw. die Überbleibsel davon noch Jahre nach der Wende sehen konnte.

Über Fluchtaktionen oder auch nur ein Versuch ist mir aus dieser Zeit nichts bekannt.
Auch nicht von Helfern oder anderen beteiligten Personen.


Meines Wissens nach endeten diese Düngungsaktionen Anfang der 90-er (1991/ 1992??), wohl auch dem Umstand geschuldet, das es im Sommer 1991 zu einem schweren Unfall kam. In der Nähe der Brockenstraße/ Bahnparallelweg/ Bobbahn bei Schierke stürzte ein Hubschrauber ab. Hubschrauber wirtschaftl. Totalschaden, Menschenleben waren Gott sei Dank nicht zu beklagen, nur 2 oder 3 leicht Verletzte von der Besatzung des Helis. Eingesetzt war zu diesem Zeitpunkt schon keine Mi 8 oder ein anderer Typ russischer Bauart mehr. Was für ein Typ dort abgestürzt ist, weiß ich nicht. Die Ursache ist auch nicht abschließend geklärt wurden, man sprach nur von der Verkettung unglücklicher Umstände im Zusammenhang mit sehr ungünstiger Thermik im Bereich der Absturzstelle und einem Pilotenfehler.

Ich stand zum Zeitpunkt des Absturzes (war so um die Mittagszeit) mit einem Bauzug im Bahnhof Schierke. Zu dieser Zeit (Sommer 1991) wurde ja auch gerade die Brockenbahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Schierke und Brocken saniert. Man höhrte nur das plötzliche Verstummen der Hubschraubertubine und einen relativ leisen, aber dumpfen Knall. Anschließend gingen in Schierke die Sirenen und man höhrte vom Schierker Bahnhof aus vermehrt Fahrzeuge mit Martinshorn Richtung Brocken fahren. Auch sprach sich das Unglück relativ schnell rum. Wir durften jedenfalls mit unserem Bauzug nicht mehr auf die Strecke Richtung Brocken fahren, da sich die Absturzstelle auch nicht allzuweit von den Gleisanlagen entfernt befand und die Bauarbeiten wurden auch für diesem Tag abgebrochen.


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 17.12.2009 16:01 | nach oben springen

#107

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 17:50
von Mike59 | 7.938 Beiträge

Hallo Josy,

Bei einem Hubschrauber, Interflug, Agrar, dann könnte es eine Kamow 26 gewesen sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kamow_Ka-26

Der wurde jedenfalls viel für die Kalkung der Wälder eingesetzt.

Mike59


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#108

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 21:21
von Thunderhorse | 3.993 Beiträge

Zum Einsatz kamen bei der Kalkung Maschinen vom Typ Mi 2, Mi 8, KA 26.
Ab 1987 wurden Mi 2 und Mi 8 unter anderem von der Aeroflot und aus Bulgarien, zusammen mit der Besatzung geleast.
Einsätze gab es u.a. im Thüringer Wald.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#109

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 21:25
von maja64 (gelöscht)
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Zitat von Thunderhorse
Zum Einsatz kamen bei der Kalkung Maschinen vom Typ Mi 2, Mi 8, KA 26.
Ab 1987 wurden Mi 2 und Mi 8 unter anderem von der Aeroflot und aus Bulgarien, zusammen mit der Besatzung geleast.
Einsätze gab es u.a. im Thüringer Wald.








Stimmt TH


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#110

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2009 21:48
von Thunderhorse | 3.993 Beiträge

Zitat von Thunderhorse

Zitat von karl143
Fluchten mit Agrarflugzeugen waren keine Seltenheit. Fast jedes Jahr kamen damit Piloten im Westen an. Es war eigentlich, wenn man die "Mitreisenden" im Flugzeug hatte, eigentlich eine ganz gefahrlose Akion. Das Problem war immer nur, die Familienangehörigen die fast immer mit im Flugzeug waren, erst einmal unterzubringen. Bei Süpplingen (mit pp) war auch so ein Agrarflugzeug heruntergekommen. Bilder anbei.


Siehe rote Markierung im Text zuvor:
Von 1962 bis 1989 gab es 23 Fälle der Flucht mit Flugzeug oder Ballon.
Schwerpunktjahre waren:
1978 3 Fälle
1979 5 Fälle
1987 3 Fälle
1 Fall, mit Ballon, endete mit dem Tod des Flüchtlings. Dies war 1989, Berlin-Schlachtensee.




Mal wieder etwas zum Thema:

9 der gelungenen Fluchtfälle erfolgten im Südbereich und endeten in Bayern.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#111

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2009 08:43
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Thunderhorse


Mal wieder etwas zum Thema:

9 der gelungenen Fluchtfälle erfolgten im Südbereich und endeten in Bayern.




Schön TH, dass wir wieder zum Thema kommen.

Wo lagen eigentlich die Gründe für die "Südflucht"? Weiß man das überhaupt? Hängt das damit zusammen, dass im Süden der DDR die meisten Ausreisewilligen vorhanden waren...?

Gruss, AZ


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#112

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2009 12:48
von werraglück | 679 Beiträge

Hi @werraglueck,
Was iss'n 'ne Zitter-Lizenz? Hab nur PPL SE/ME und CPL (fixed wing) + 18 Stunden PIC in 'nem R44 / 2 Stunden in 'ner 206B (rotary wing)
-Th

Hi Captn,

so nannten die Agrarflieger die Z-37( Zitter ), so ähnlich wie die PZL-106 Kruk( Krücke ), das war ne Krücke, was die Anfälligkeit und Flugeigenschaften betraffen....und die Z-37 hatte wohl starke Vibrations.

Und da du das technisch so gut beschrieben hast, was ein Start mit Spornrad auf Grund ist, hab ich dich zum Agrarflieger gemacht.

Mein Traum ist immer noch, einmal in der Doppelsteuer ( Z-37-2 )mitfliegen, quasi als Schüler vorn, aber leider wurde es mir verwehrt und heute sind diese Maschinen eine Rarität!

MfG


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#113

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2009 13:02
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von CaptnDelta

Zitat von Ari@D187
Warum muß man z.B. abwechselnd in das Ruder treten?


Das Problem bei Spornrad-Flugzeugen ist das Richtungskorrekturen aufgrund der dynamischen Schwerpunktverlagerung zu einer Oszillation fuehren kann (liegt an der Fahrwerksanordnung mit dem Steuerrad hinten). Als Vergleich koennte man Vorwaerts- vs. Rueckwaertsfahrt im Auto nehmen: Vorwaehrtsfahrt ist auch bei hoeheren Geschwindigkeiten relative stabil, waehrend man bei flotter Rueckwaertsfahrt unheimlich aufpassen muss, das das Auto sich nicht "umdreht" (ground loop). Ein Start mit Tricycle-Fahrwerk (Lenkrad vorn, Hauptfahrwerk hinten) ist aehnlich wie Vorwaertsfahrt im Auto, ein Taildragger wie die Zlin ist beim Start wie Rueckwaertsfahrt (Hauptfahrwerk vorn, Lenkrad hinten).

Dazu kommen noch andere Effekte, welche eine Spornrad-Maschine beim Start beeinflussen:
(1) Wenn man den Gashebel beim Start 'reinschiebt, produziert der Propeller (aufgrund des unterschiedlichen Anstellwinkels von niedergehendem Propellerblatt/hochgehendem Propellerblatt gegenueber der Umgebung) einen starken Zug nach links, welches mit rechtem Ruder ausgeglichen werden muss (ansonsten gehts das erste mal in den Graben)
(2) Nachdem etwas Geschwindigkeit aufgenommen wurde, muss die Spornrad-Maschine in der Querachse in eine Start"haltung" (start attitude) gebracht werden, wie gesagt mit einer leichten Vorwaertsbewegung des Steuerhebels. Der dabei auftretende Kreiseleffekt des Propellers muss wiederum mit rechtem Ruder ausgeglichen werden (ansonsten ist's das zweite mal Zeit fuer den Graben)
(3) Ab dann der Tanz mit die Fuess, ist fast so als wenn man ein Auto mit 100+ km/h rueckwaerts fahren wollte.



Hi CaptnDelta,

herzlichen Dank für diese ausführliche Erklärung. Jetzt kann ich mir das ganz gut vorstellen. Da der Flieger ja nur einen Propeller hat, ist der Zug in eine Richtung nachvollziehbar. Auch das mit der Lenkung hinten oder vorne leuchtet ein.


Was die Fliegerei (mit Passagiermaschinen) angeht habe ich da ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits macht es mir Spaß zu fliegen, besonders bei schlechtem Wetter und heftigen Bewegungen -> habe da volles Vertrauen in die Konstruktion und den Piloten. Andererseits habe ich auch immer ein ungutes Gefühl im Bauch, besonders beim Start.


Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 18.12.2009 13:02 | nach oben springen

#114

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2009 13:11
von werraglück | 679 Beiträge

Schön TH, dass wir wieder zum Thema kommen.

Wo lagen eigentlich die Gründe für die "Südflucht"? Weiß man das überhaupt? Hängt das damit zusammen, dass im Süden der DDR die meisten Ausreisewilligen vorhanden waren...?

Gruss, AZ


Hi @ Augenzeuge,

welch super interessante Frage!

Fakt ist, die Flugschüler wurden alle (wenn ich mich nicht täusche) in der BAK ( Betriebsakademie ) in Leipzig-Mockau beim Agrarflug ausgebildet.

Gut, der Stationsmechaniker hat das Fliegen 1973 erst auf dem Weg nach Lübeck versucht zu lernen, was ihm nicht wirklich gelungen ist....

Die Piloten kamen aber alle samt aus verschiedenen Regionen der Republik bzw. aus einigen befreundeten Ostländern und wurden dann in Leipzig in Fluggruppen eingeteilt.
Es waren bestimmt einige dabei, die für diesen Plan der Flucht das alles auf sich genommen haben.

Du warst natürlich stark priviligiert, wenn du die Lizenz hattest, gegenüber den anderen 17 Mio Mitmenschen in der damaligen DDR...und im " Westen " bei einer großen Airline wie z.B. der Lufthansa Karriere zu machen, ich denke das lockte schon, ist auch leicht zu verstehen!
Dabei war es nicht einfach das Sperrgebiet als Einsatzort zu bekommen.

MfG


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#115

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2009 13:46
von werraglück | 679 Beiträge

@ Augenzeuge, deine Frage ist glaub ich noch nicht beantwortet....ich würde meinen, die Flüchtigen haben das so für sich entschieden, egal aus welcher Ecke des Landes sie kamen.
Es waren doch Thüringer und Sachsen dabei....
Wobei ich sagen möchte, die Piloten wollten einfach nur fliegen, das war Freiheit!

MfG


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#116

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2009 14:01
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Danke werraglück für deine Mühe!

Gruss, AZ


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#117

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2009 14:27
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar

Hi werraglueck,

Zitat von werraglück
so nannten die Agrarflieger die Z-37( Zitter ), so ähnlich wie die PZL-106 Kruk( Krücke ), das war ne Krücke, was die Anfälligkeit und Flugeigenschaften betraffen....und die Z-37 hatte wohl starke Vibrations.

Ah, jetzt bin ich im Bilde. Nee, hatte nie die Chance eine der beiden Dinger zu fliegen, es gibt allerdings hier auch Agrar-Maschinen die der 'Zitter' etwas aehnlich sieht (ich mach mal bei Gelegenheit Bilder). Ich frag mich wer da wem wieder mal nachgebaut hat

Zitat von werraglück
Und da du das technisch so gut beschrieben hast, was ein Start mit Spornrad auf Grund ist, hab ich dich zum Agrarflieger gemacht.

Nee, hab' nur ein paar verschiedene Taildragger fliegen duerfen. Wenn ich jetzt hier Pitts S-2B schreib, dann krieg ich immer noch feuchte Haende, das Ding ist 'ne Handvoll, da kommt keine Frau mit .

Hi Stefan,

Zitat von Ari@D187
Was die Fliegerei (mit Passagiermaschinen) angeht habe ich da ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits macht es mir Spaß zu fliegen, besonders bei schlechtem Wetter und heftigen Bewegungen -> habe da volles Vertrauen in die Konstruktion und den Piloten. Andererseits habe ich auch immer ein ungutes Gefühl im Bauch, besonders beim Start.

Na, mit dem Start haste nicht Unrecht, wegen dem vollen Tank und dem vielen Gewicht.


-Th


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#118

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.03.2010 23:08
von karl143 (gelöscht)
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Zitat von Thunderhorse

Zitat von karl143
@ TH,
das mit der Ortsangabe kommt hin. Es war übrigens am 27. Mai 1973. Lt. Stadtchronik BS rettete der Pilot sich mit dem Schleudersitz. Muß mich auch mit dem russischen Piloten korrigieren. Es war kein Pilot, sondern ein Techn. Offizier aus Großenhain. Der Sprit war alle, daswegen mußte er an der Stelle aussteigen. Der Landeplatz war ungefähr an dieser Stelle: 52°14'52"N 10°36'25"O



Es war ein Oberleutnant des 296 Jagdbomberregimet Großenhain. Technischer Offizier. Er hatte einige Stunden im Simulator verbracht. Für eine Landung hats nicht gereicht.
Die Teile der Maschine wurdne am 31. 05.1973 am Grenzübergang Helmstedt an die GSSD übergeben.




Die Maschine stürzte am 27.5. um 11:47 Uhr 1.200 m südl. der Ortschaft Klein-Schöppenstedt am Rande des Bundeswehrschießstandes Hötzum "Herzogberge" ab. Der Pilot sprang ca. 300 m nördl. des Schießstandes mit dem Fallschirm ab und blieb unverletzt. Allierte, Polizei, Kripo und Militärpolizei der BW sowie ein Offizier der RAF befanden sich kurz nach dem Absturz am Ort und sperrten großräumig ab.Die Absperrung erfolgte ab ca. 12:00 Uhr. Mit einem Panzerkran bargen am 28.5 Soldaten der BW die Wrackteile der Suchoi und brachten sie in die Braunschweiger Hindenburg-Kaserne. Experten in Braunschweig "katalogisierten" die Reste des zerschellten Düsenflugzeuges. Sowjetische Generale forderten die Herausgabe der Wrackteile. Diese wurden am 30.05.1973 auf dem Parkplatz am Kontrollpunkt Helmstedt - BAB auf sowjetische Fahrzeuge umgeladen und abtransportiert.


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#119

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.03.2010 12:10
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Augenzeuge

Wo lagen eigentlich die Gründe für die "Südflucht"? Weiß man das überhaupt? Hängt das damit zusammen, dass im Süden der DDR die meisten Ausreisewilligen vorhanden waren...?

Gruss, AZ



Entfernungsbedingt, würde ich sagen. Distanz und damit Flugzeit war aus dem Bereich Mitteldeutschland nach Bayern, maximal Hessen kürzer als in Richtung Niedersachsen. Damit auch das Risiko aufgeklärt und womöglich noch zur Landung gezwungen zu werden.
Die Topografie kam hinzu, Berge, Hügel und Waldgebiete bieten bessere Deckung.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#120

RE: Flucht mit dem Agrarflugzeug

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.03.2010 12:44
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von CaptnDelta
Und, weils so schoen ist:
[quote="Fliegerrevue EXTRA, Nr. 16"]
Deutsch-deutsche Grenzflüge


Den Begriff „Privatfliegerei“ gab es im Wortschatz der DDR nicht. Wer im Osten des geteilten Deutschlands an quote]

Quelle

-Th

Den Begriff gabs schon. Zur Leipziger Messe und anderen Ausnahmen flogen ja auch Privatflugzeuge in die DDR ein.

Das Bild in Deinem Beitrag auf dem Tieflader zeigt aber eine Cessna C-150/C-152 oder den französsischen Lizenzban Reims.


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