#61

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 14.11.2014 17:48
von ati79 | 22 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #38
Viele Erinnerungen an die gastronomischen Betriebe der DDR habe ich nicht, von ein paar Kneipenbesuchen abgesehen: Meine Tante war bzw. ist eine hervorragende Köchin und so kam es uns erst gar nicht in den Sinn, auswärts essen zu gehen - zumal das Angebot an Restaurants in Salzweden - nun, sagen wir mal - "übersichtlich" war.

Eine bleibende gibt es aber doch: Bis in die späten 60er Jahre bin ich mit meinen Eltern per Bahn gefahren: Mein Vater war Eisenbahner und für ihn sowie die engsten Angehörigen gab es eine gewisse Anzahl von Freifahrten, wir sind also kostenlos gefahren. Die Interzonenzüge verkehrten damals ja nicht im Ein-Stunden-Takt, es waren wenige: Vielleicht drei oder vier pro Tag. Grenzübergang und gleichzeitig Umsteigebahnhof war Oebisfelde; von dort aus ging es mit einer schnaubenden und schnaufenden Dampflok gezogen dije letzten, ca. 60 km bis Salzwedel.

Ich weiß bis heute nicht, ob es Schikane oder eine fahrplanbedingte und absolute Notwendigkeit war, aber der Anschlusszug fuhr kurz nach der Ankunft des Interzonenzugs ab: Durch die Kontrollen bedingt hatten wir keine Chance, den zu erreichen. Also hieß es warten, vielleicht 3 Stunden oder so. Wir überbrückten die Wartezeit, in dem wir im Bahnhofsrestaurant essen gingen.

Aus der Erinnerung heraus war das Essen gutbürgerlich - und sehr preiswert. Ich vermute, dass mein Vater mit DM bezahlt hat, denn das war noch vor der Umtauschpflicht und woher hätten wir DDR-Mark beziehen sollen? Hängen geblieben ist aber etwas anderes: Ich habe schon mal geschrieben, dass ich es nicht sonderlich mag, wenn sich die Sauce mit dem Saft des Gemüses vermischt. Dort aber gab es Teller, die über Stege dreigeteilt waren: In einem der Felder lag das Fleisch mit der Sauce, im zweiten die Kartoffeln und im dritten das Gemüse.

Ich fand das klasse - so was kannte ich aus dem Westen absolut nicht.

Lustig jetzt wo du das sagst.. .das kenne ich auch noch!


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#62

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 14.11.2014 19:26
von icke-ek71 (gelöscht)
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hallo freunde,ich habe da mal meine alten sachen durchforstet und siehe da ich habe eine alte speisekarte von der gaststätte rübezahl am müggelsee gefunden!! die karte müßte etwa vom anfang der achziger jahre sein! damals war rübezahl noch eine gute gaststätte in berlin !!heute ist das nur noch ein imbiss für müggelseewanderer!!LG Bernd


Hapedi und ati79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#63

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 09:02
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Dandelion im Beitrag #38
Aus der Erinnerung heraus war das Essen gutbürgerlich - und sehr preiswert. Ich vermute, dass mein Vater mit DM bezahlt hat, denn das war noch vor der Umtauschpflicht und woher hätten wir DDR-Mark beziehen sollen?


Jetzt muss ich mich schon selber zitieren, aber anders bekomme ich den Dreh nicht hin

Ich habe nochmals in meinem Gedächtnis gekramt und glaube, mich daran erinnern zu können, dass die Preise in dieser Bahnhofsgaststätte in Oebisfelde sogar in DM ausgezeichnet waren.

Das wäre auch folgerichtig: Eine Bankfiliale mit Umtauschmöglichkeit gab es nach meiner Erinnerung dort nicht, offiziell konnte oder durfte somit kein Wessi über Ost-Mark verfügen. Und DDR-Bürger waren dort wohl eher nicht anzutreffen: Bahnhofsgaststätdten gehören in der Regel nicht zu den Lokalen, die man ohne zwingende Notwendigkeit aufsucht. Und ganz besonders dann nicht, wenn sie sich im unmittelbaren Grenzbereich befanden und Teil der Güst waren.

Wenn es so war, dann dürften die Kellner wenig von den Devisen gehabt haben: Abgesehen von dem in den 50er oder 60er Jahren recht mageren Trinkgeld haben sie wie üblich ihre Einnahmen zum Schichtende abgerechnet - und futsch war das Westgeld.

Wie war das eigentlich in den Devisenhotels mit ihren Restaurants und Bars? Konnten die Servicekräfte dort schnell nebenbei und unbemerkt ein paar Westmark "machen"?


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#64

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 10:59
von ati79 | 22 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #63
Zitat von Dandelion im Beitrag #38
Aus der Erinnerung heraus war das Essen gutbürgerlich - und sehr preiswert. Ich vermute, dass mein Vater mit DM bezahlt hat, denn das war noch vor der Umtauschpflicht und woher hätten wir DDR-Mark beziehen sollen?


Jetzt muss ich mich schon selber zitieren, aber anders bekomme ich den Dreh nicht hin

Ich habe nochmals in meinem Gedächtnis gekramt und glaube, mich daran erinnern zu können, dass die Preise in dieser Bahnhofsgaststätte in Oebisfelde sogar in DM ausgezeichnet waren.

Das wäre auch folgerichtig: Eine Bankfiliale mit Umtauschmöglichkeit gab es nach meiner Erinnerung dort nicht, offiziell konnte oder durfte somit kein Wessi über Ost-Mark verfügen. Und DDR-Bürger waren dort wohl eher nicht anzutreffen: Bahnhofsgaststätdten gehören in der Regel nicht zu den Lokalen, die man ohne zwingende Notwendigkeit aufsucht. Und ganz besonders dann nicht, wenn sie sich im unmittelbaren Grenzbereich befanden und Teil der Güst waren.

Wenn es so war, dann dürften die Kellner wenig von den Devisen gehabt haben: Abgesehen von dem in den 50er oder 60er Jahren recht mageren Trinkgeld haben sie wie üblich ihre Einnahmen zum Schichtende abgerechnet - und futsch war das Westgeld.

Wie war das eigentlich in den Devisenhotels mit ihren Restaurants und Bars? Konnten die Servicekräfte dort schnell nebenbei und unbemerkt ein paar Westmark "machen"?



Gute frage würde mich auch interessieren. ...
@icke ek71 die Karte liest sich ja megalecker,gab's die Gerichte dann auch oder War es eher die Regel das "heute leider aus" überwog?


zuletzt bearbeitet 15.11.2014 11:03 | nach oben springen

#65

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 11:36
von Gelöschtes Mitglied
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Man konnte in Ostberlin sehr gut essen, z.B. hier >

DDR Sachen, die es nicht mehr gibt (14)


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#66

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 11:49
von Gelöschtes Mitglied
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Bockwurscht in Sanssouci

Lange vor ihrer Ausreise machte ich mit Bärbel einen Ausflug nach Potsdam, obwohl ich als Westberliner nur ein Tagesvisum für Ostberlin hatte. Dort gab es Bockwurscht, die so lecker schmeckte, das ich gleich 6 Stück (in Worten: - sechs -) davon verdrückte.


zuletzt bearbeitet 15.11.2014 11:52 | nach oben springen

#67

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 12:01
von Gelöschtes Mitglied
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Flundern in Saßnitz

Kurz vor unserer Flucht nach Westberlin waren Micha und ich ja noch in Saßnitz. Dort aßen wir leckere, gebratene Flunder. Die polnische (tschechische, so ist das mit der Erinnerung! -ich hätte 'polnische' auch löschen können-) Kellnerin eines Restaurants in der Hauptstraße von Saßnitz half uns noch bei dem Entfernen der Gräten. Ein kulinarischer Leckerbissen, den ich ja schon von meinem Onkel Willi mit seiner Frau, Tante Grete, kannte. Er hatte in Dwasieden, ein Stadtteil von Saßnitz, hinter dem Neubau-Miethaus eine Holztonne, in der er frische Flundern räucherte. Die kamen dann frisch geräuchert auf die Stulle (noch fast warmes Brot). Ich habe den herrlichen Geschmack noch heute auf der Zunge. Onkel Willi war der pommersche Bruder meiner pommerschen Oma Mathilde Scheunemann. Klarnamen? Keine Sorgen, im Himmel gibt es keine Stasi..


zuletzt bearbeitet 15.11.2014 12:13 | nach oben springen

#68

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 12:33
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #63

Wenn es so war, dann dürften die Kellner wenig von den Devisen gehabt haben: Abgesehen von dem in den 50er oder 60er Jahren recht mageren Trinkgeld haben sie wie üblich ihre Einnahmen zum Schichtende abgerechnet - und futsch war das Westgeld.

Das glaubst aber nur Du !?

Selbstverständlich haben wir das West-Trinkgeld nicht abgerechnet, obwohl man und das, großzügig wie die DDR nun mal war, 1:1 in Mark der DDR umgerechnet hätte. Nach Möglichkeit haben wir auch das gesamte eingenommene Westgeld selbst in DDR-Geld umgerechnet, um der Kassiererin unnötige Rechnereien zu ersparen und haben stattdessen gleich alle Einnahmen in DDR-Geld abgeliefert.

Zu meinem Glück waren manche Kollegen einfach zu unwissend (oder zu dumm) die verschiedenen Währungen in Mark der DDR umzurubeln und sich deshalb vertrauensvoll an mich gewandt. Ich habe ihnen diese Mühe (und die anfallenden westlichen Münzen und Banknoten) gerne abgenommen.

Zitat aus dem Bericht eines IM:
Der Kellner "Sperrbrecher" ist immer bemüht Gäste aus dem kapitalistische Ausland zu bedienen, um in den Besitz von Westgeld zu gelangen.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


Grenzverletzerin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.11.2014 12:49 | nach oben springen

#69

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 12:52
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #68
(...)
Zitat aus dem Bericht eines IM:
Der Kellner "Sperrbrecher" ist immer bemüht Gäste aus dem kapitalistische Ausland zu bedienen, um in den Besitz von Westgeld zu gelangen.


müsste das nicht irgendwelche (negative) Konsequenzen für dich gehabt haben, z.B. nur noch Einsätze in der Bordgastronomie im Binnenverkehr??
Theo


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#70

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 14:01
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #69
...müsste das nicht irgendwelche (negative) Konsequenzen für dich gehabt haben, z.B. nur noch Einsätze in der Bordgastronomie im Binnenverkehr??

Die "negativen Konsequenzen" waren mir schon angeboren. Ich hatte in der DDR nie die "höheren Weihen", um im internationalen Verkehr tätig werden zu dürfen. Das änderte sich erst mit meinen Übertritt in die Bundesrepublik, dort legte man andere Maßstäbe an, um ins Ausland fahren zu dürfen. Da wurde nach fachlichen Kriterien entschieden, welche Routen man fahren durfte, d.h. ich konnte es mir aussuchen. Nach Parteizugehörigkeit und Einstellung zum Staat wurde da nicht gefragt.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#71

RE: Gastronomie in der DDR

in Leben in der DDR 15.11.2014 14:01
von icke-ek71 (gelöscht)
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hallo ati 79,berlin war das schaufenster der ddr und da versuchte man solche dinge zu vermeiden!! die gaststätte rübezahl wurde auch von vielen westbesuchern frequentiert,als normaler ostberliner mußtest du schon einen besonderen draht zu jemanden haben der dort was machen konnte..so war es doch mit vielen dingen..man mußte viele kennen,dann kam man einfacher an einige dinge ran!!!da ich elektriker war ,konnte ich auch vielen leuten helfen!! gibst du mir...geb ich dir...so war die devise eines ddr bürgers!!nun zu deiner frage,ich kann mich nicht erinnern das es in dieser gaststätte mal was nicht mehr gab!!!LG Bernd


ati79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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