#101

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:12
von damals wars | 12.145 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #100
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #99
Was ich wirklich schade finde, dass sich Wolfgange Herger, Leiter der Abteilung Sicherheit im ZK der SED sich nicht öffentlich zu Wort meldet. In verschiedenen Publikationen über einzelne Ereignisse des Herbstes 1989 wird er im gleichen Atemzug mit Egon Krenz genannt. Am Abend des 9. Oktober nach der Demo in Leipzig, in Vorbereitung der Demo am 4. November in Berlin oder am Abend des 9. November nach Schabowskis Pressekonferenz.

LG von der Moskwitschka


Ich verstehe Wolfgang, denn so wie man mit ihm umgegangen ist, hätte ich auch keinen Drang mich aztekischen Opferritualen hinzugeben. Viele Sachverhalte werden auch aus Selbstschutz nicht mehr veröffentlicht - man nimmt sie unausgesprochen mit auf den letzten Weg.
Ich hoffe, dass ich Wolfgang noch Anfang Dezember treffen werde - wir werden ja nicht jünger und die biologische Uhr tickt weiter.

Sag ihm bitte, er soll die Geschichtsdeutung nicht den Schabowskis überlassen!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#102

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:19
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #99
Was ich wirklich schade finde, dass sich Wolfgange Herger, Leiter der Abteilung Sicherheit im ZK der SED sich nicht öffentlich zu Wort meldet. In verschiedenen Publikationen über einzelne Ereignisse des Herbstes 1989 wird er im gleichen Atemzug mit Egon Krenz genannt. Am Abend des 9. Oktober nach der Demo in Leipzig, in Vorbereitung der Demo am 4. November in Berlin oder am Abend des 9. November nach Schabowskis Pressekonferenz.

LG von der Moskwitschka


Hallo,

man sollte Herrn Herger aber auch nicht überbewerten.

Herger konnte ja keinen was befehlen. In seiner Funktion als Leiter der Abteilung im ZK war er im "groben" für die politische Arbeit verantwortlich. Er konnte weder dem MfS, dem MdI oder dem MfNV was anweisen, befehlen.Da war sein Vorgänger Generaloberst Scheibe ein ganz anderes Kaliber. Herger hatte seinen Posten doch nur Herrn Krenz zu verdanken, weil beide gute Freunde aus der FDJ waren.


zuletzt bearbeitet 14.11.2014 19:23 | nach oben springen

#103

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:33
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von ABV im Beitrag #92
Zitat von Kalubke im Beitrag #91
Zitat von ABV im Beitrag #89

...
Krenz widerspricht damit auch dem damaligen Chef der BdVP Leipzig, VP-General Gerhard Strassenberg, der, Angesichts der unerwartet großen Teilnehmerzahl, eigenständig den Befehl zur " Eigensicherung" erteilt haben will.
...
Uwe


Ein wahrscheinlich systemunabhängiges Phänomen, dass sich den Erfolg meistens mehrere gleichzeitig an ihre Brust heften wollen.
Im Falle des Misserfolges ist das genau anders herum.

Gruß Kaluibke



Ich finde es trotzdem dreist von Krenz! Absolut " unterste Schiene"!!! Krenz Aussage widerspricht auch meinen eigenen Erfahrungen. Im VPKA Seelow wurden wir am Morgen des 09. Oktober noch, " durch die Blume", auf eine gewaltsame Auflösung der Leipziger Demonstration vorbereitet. Von einem Befehl von Krenz der zur absoluten Zurückhaltung aufforderte, war an diesem Tag keine Rede!

Gruß Uwe


Hast du noch die Bilder vom 11. Parteitag im Kopf?
Egon als ewig grinsender Zeremonienmeister hinter seinem eigenem komischen Pult hinter dem Redner-Pult, hat geklatscht wie ein Duracell-Hase.
Klar doch, so eine Lichtgestalt der Vernunft hat uns alle vor schlimmen bewahrt.
Das waren wohl eher solche besonnen Leute wie unser Vierkrug.


zuletzt bearbeitet 14.11.2014 19:41 | nach oben springen

#104

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:36
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #103
Zitat von ABV im Beitrag #92
Zitat von Kalubke im Beitrag #91
Zitat von ABV im Beitrag #89

...
Krenz widerspricht damit auch dem damaligen Chef der BdVP Leipzig, VP-General Gerhard Strassenberg, der, Angesichts der unerwartet großen Teilnehmerzahl, eigenständig den Befehl zur " Eigensicherung" erteilt haben will.
...
Uwe


Ein wahrscheinlich systemunabhängiges Phänomen, dass sich den Erfolg meistens mehrere gleichzeitig an ihre Brust heften wollen.
Im Falle des Misserfolges ist das genau anders herum.

Gruß Kaluibke



Ich finde es trotzdem dreist von Krenz! Absolut " unterste Schiene"!!! Krenz Aussage widerspricht auch meinen eigenen Erfahrungen. Im VPKA Seelow wurden wir am Morgen des 09. Oktober noch, " durch die Blume", auf eine gewaltsame Auflösung der Leipziger Demonstration vorbereitet. Von einem Befehl von Krenz der zur absoluten Zurückhaltung aufforderte, war an diesem Tag keine Rede!

Gruß Uwe


Hast du noch die Bilder vom 11. Parteitag im Kopf?
Egon als ewig grinsender Zeremonienmeister hinter seinem eigenem komischen Pult hinter dem Redner-Pult, hat geklatscht wie ein Duracell-Hase.
Klar doch, so eine Lichtgestalt der Vernunft hat uns alle vor schlimmen bewahrt.




Und was hat das EINE mit dem ANDEREN zu schaffen ? Wohl nichts.


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#105

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:41
von Vierkrug (gelöscht)
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Jetzt mal OT - @Alfred, dass ein Dr. der Philosophie und ehemaliger 2. Sekretär des ZR der FDJ zum Leiter der Abt. Sicherheitsfragen beim Zentralkomitee der SED wurde, daran hat er wohl selbst nicht gedacht. Zuvor war er von 1976–1985 Leiter der Abteilung Jugend beim ZK. Er ist ein sehr sachbezogener Mensch mit einer hohen Logik und vor allem einer ausgezeichneten Analytik.

Aber zurück zum eigentlichem Thema

Vierkrug


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.11.2014 19:44 | nach oben springen

#106

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:42
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Alfred im Beitrag #104
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #103
Zitat von ABV im Beitrag #92
Zitat von Kalubke im Beitrag #91
Zitat von ABV im Beitrag #89

...
Krenz widerspricht damit auch dem damaligen Chef der BdVP Leipzig, VP-General Gerhard Strassenberg, der, Angesichts der unerwartet großen Teilnehmerzahl, eigenständig den Befehl zur " Eigensicherung" erteilt haben will.
...
Uwe


Ein wahrscheinlich systemunabhängiges Phänomen, dass sich den Erfolg meistens mehrere gleichzeitig an ihre Brust heften wollen.
Im Falle des Misserfolges ist das genau anders herum.

Gruß Kaluibke



Ich finde es trotzdem dreist von Krenz! Absolut " unterste Schiene"!!! Krenz Aussage widerspricht auch meinen eigenen Erfahrungen. Im VPKA Seelow wurden wir am Morgen des 09. Oktober noch, " durch die Blume", auf eine gewaltsame Auflösung der Leipziger Demonstration vorbereitet. Von einem Befehl von Krenz der zur absoluten Zurückhaltung aufforderte, war an diesem Tag keine Rede!

Gruß Uwe


Hast du noch die Bilder vom 11. Parteitag im Kopf?
Egon als ewig grinsender Zeremonienmeister hinter seinem eigenem komischen Pult hinter dem Redner-Pult, hat geklatscht wie ein Duracell-Hase.
Klar doch, so eine Lichtgestalt der Vernunft hat uns alle vor schlimmen bewahrt.




Und was hat das EINE mit dem ANDEREN zu schaffen ? Wohl nichts.


Doch, nie im Leben kann sich einer so wandeln.


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#107

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:43
von Moskwitschka (gelöscht)
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@Alfred Es ist wie in fast allen threads, irgendwann melden sich die Spaßmacher zu Wort. Bleibt Dir zumindest vorläufig meine Antwort auf Deinen Beitrag über Wolfgang Herger erspart

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 14.11.2014 19:49 | nach oben springen

#108

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 19:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #105
Jetzt mal OT - @Alfred, dass ein Dr. der Philosophie und ehemaliger 2. Sekretär des ZR der FDJ zum Leiter der Abt. Sicherheitsfragen beim Zentralkomitee der SED wurde, daran hat er wohl selbst nicht gedacht. Zuvor war er von 1976–1985 Leiter der Abteilung Jugend beim ZK. Er ist ein sehr sachbezogener Mensch mit einer hohen Logik und vor allem einer ausgezeichneten Analytik.

Aber zurück zum eigentlichem Thema

Vierkrug



So habe ich ihn Mitte der 70-er auch kennen gelernt. Kein hau drauf, sondern eher als beobachtenden, zurückhaltenden und nachdenkenden Menschen.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 14.11.2014 19:49 | nach oben springen

#109

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 20:03
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #107
@Alfred Es ist wie in fast allen threads, irgendwann melden sich die Spaßmacher zu Wort. Bleibt Dir zumindest vorläufig meine Antwort auf Deinen Beitrag über Wolfgang Herger erspart

LG von der Moskwitschka


Na dann sind wir mal dankbar das noch paar Verfechter der Ernsthaftigkeit unter uns weilen.


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#110

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 14.11.2014 20:09
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #105
Jetzt mal OT - @Alfred, dass ein Dr. der Philosophie und ehemaliger 2. Sekretär des ZR der FDJ zum Leiter der Abt. Sicherheitsfragen beim Zentralkomitee der SED wurde, daran hat er wohl selbst nicht gedacht. Zuvor war er von 1976–1985 Leiter der Abteilung Jugend beim ZK. Er ist ein sehr sachbezogener Mensch mit einer hohen Logik und vor allem einer ausgezeichneten Analytik.

Aber zurück zum eigentlichem Thema

Vierkrug




Vierkrug,

diese Fähigkeiten habe ich Herger doch nicht abgesprochen.

Aber es ist nun mal ein Unterschied, ob diese Funktion mit einen Militär oder einen Zivilisten besetzt wird / wurde.


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#111

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 15.11.2014 16:54
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #98
@ABV - Uwe, mal eine Frage, bist Du am 9.10. und 16.10.1989 in Leipzig gewesen ? Nein, denn Du hast ja Deinen Dienst im VPKA Seelow versehen. Nach einem kurzem Zwischenstop am 8.10. zu Hause (war ja am 7.10. in Berlin), ging es am Montag in der Früh gleich nach Leipzig, denn es war ein sehr wichtiger Kombinatsbetrieb am Dittrichring, die anderen beiden Kombinatsbetriebe lagen an der Peripherie von Leipzig. Aber erstgenannter befand sich unmittelbar im sogenanntem Handlungsraum.
Ich werde jetzt nicht alles wiederholen, was ich bereits vor einem Jahr zu den Ereignissen in Leipzig geschrieben habe. Da müßte ich den Tiefen des Forums graben, wozu ich absolut keinen Bock habe. Es werden im gegenwärtigem Diskussionsverlauf mal wieder Rosinen im Kuchen gesucht.
Entscheidend in Leipzig war, dass durch die besonnene Reaktion und das abgestimmte Handeln seitens der BEL die ohnehin spannungsgeladene Situation sich nicht weiter zuspitzte. Am 16.9. kam noch der Aufruf der Vier hinzu, der deeskalierend wirkte.
Seitens der BEL gab es laufende Informationen zur Lage und Situation in Leipzig. Die Drähte "glühten" regelrecht.
Und wenn ich mich jetzt auch etwas weit aus dem Fenster lehne, dass es in Leipzig zu keiner weiteren Eskalation und "Niederschlagung nach Pekinger Vorbild" kam, ist auch dem Umstand mit zu verdanken, dass E.K. in Abstimmung mit anderen Protagonisten sehr verantwortungsbewußt und umsichtig gehandelt hat.

Jetzt OT - es waren Leipziger, die in den darauffolgenden Wochen auch die erste Demo in HY organisierten und anführten.

Vierkrugig



Hallo Vierkrug!
Nein, ich war am 09.Oktober 1989 nicht in Leipzig. Ich bin bis heute noch nicht in Leipzig gewesen. Das von mir geschriebene bezieht sich auf eine kurzfristig vom Leiter des VPKA Seelow einberufenen Dienstversammlung. Dort ging es um die eingetretene Lage in der DDR. Wobei zum ersten Mal explizit von einer Konterrevolution die Rede war. Des Weiteren fielen Sätze wie: " Es geht um die Macht, Genossen! Wenn wir die Macht im Land behalten wollen, werden wir an solchen Bildern wie vom Platz des -Himmlischen Frieden- in Peking, auch bei uns nicht vorbeikommen."
Des Weiteren: " Wenn man so sieht was jeden Montag in Leipzig los ist, möchte man am liebsten zur MPI greifen. Der Sozialismus ist solche eine tolle Sache, die muss doch verteidigt werden!"
Und nicht zuletzt: " Ich erwarte stündlich Meldungen über vom Mob an Laternenpfählen erhängte Volkspolizisten oder SED-Mitglieder".
Das Wort Leipzig, wohlgemerkt eine beinahe zweihundert Kilometer von Seelow entfernte Stadt, fiel in dieser Versammlung noch des Öfteren.
Zufall?
Vor der Versammlung gab es ein Telefongespräch zwischen dem VPKA-Leiter und dem Chef der BdVP Frankfurt (Oder), über die Lage in der DDR.
Da ich nicht an Zufälle glaube, bin ich der Meinung das seitens der BdVP die Weisung an die VPKÄ erging, den Bestand auf eine eventuelle erhebliche Lageverschärfung, inklusive eines Schusswaffeneinsatzes gegen Demonstranten, vorzubereiten. Als " ultima ratio", wenn alle anderen Mittel zur Auflösung der Demonstration versagen. Daher auch der Hinweis auf den angeblich " Polizisten lynchenden Mob", für den es keinerlei Belege gab.
Ich werte das als einen Versuch die Demonstranten von Vornherein zu diffamieren. In Leipzig hätte man in diesem Fall, im Bewusstsein vieler, nicht auf Demonstranten sondern auf Meuchelmörder geschossen. Dieser Versuch ging jedoch in der Realität voll nach hinten los.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#112

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 15.11.2014 17:32
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von ABV im Beitrag #111
Zitat von Vierkrug im Beitrag #98
@ABV - Uwe, mal eine Frage, bist Du am 9.10. und 16.10.1989 in Leipzig gewesen ? Nein, denn Du hast ja Deinen Dienst im VPKA Seelow versehen. Nach einem kurzem Zwischenstop am 8.10. zu Hause (war ja am 7.10. in Berlin), ging es am Montag in der Früh gleich nach Leipzig, denn es war ein sehr wichtiger Kombinatsbetrieb am Dittrichring, die anderen beiden Kombinatsbetriebe lagen an der Peripherie von Leipzig. Aber erstgenannter befand sich unmittelbar im sogenanntem Handlungsraum.
Ich werde jetzt nicht alles wiederholen, was ich bereits vor einem Jahr zu den Ereignissen in Leipzig geschrieben habe. Da müßte ich den Tiefen des Forums graben, wozu ich absolut keinen Bock habe. Es werden im gegenwärtigem Diskussionsverlauf mal wieder Rosinen im Kuchen gesucht.
Entscheidend in Leipzig war, dass durch die besonnene Reaktion und das abgestimmte Handeln seitens der BEL die ohnehin spannungsgeladene Situation sich nicht weiter zuspitzte. Am 16.9. kam noch der Aufruf der Vier hinzu, der deeskalierend wirkte.
Seitens der BEL gab es laufende Informationen zur Lage und Situation in Leipzig. Die Drähte "glühten" regelrecht.
Und wenn ich mich jetzt auch etwas weit aus dem Fenster lehne, dass es in Leipzig zu keiner weiteren Eskalation und "Niederschlagung nach Pekinger Vorbild" kam, ist auch dem Umstand mit zu verdanken, dass E.K. in Abstimmung mit anderen Protagonisten sehr verantwortungsbewußt und umsichtig gehandelt hat.

Jetzt OT - es waren Leipziger, die in den darauffolgenden Wochen auch die erste Demo in HY organisierten und anführten.

Vierkrugig



Hallo Vierkrug!
Nein, ich war am 09.Oktober 1989 nicht in Leipzig. Ich bin bis heute noch nicht in Leipzig gewesen. Das von mir geschriebene bezieht sich auf eine kurzfristig vom Leiter des VPKA Seelow einberufenen Dienstversammlung. Dort ging es um die eingetretene Lage in der DDR. Wobei zum ersten Mal explizit von einer Konterrevolution die Rede war. Des Weiteren fielen Sätze wie: " Es geht um die Macht, Genossen! Wenn wir die Macht im Land behalten wollen, werden wir an solchen Bildern wie vom Platz des -Himmlischen Frieden- in Peking, auch bei uns nicht vorbeikommen."
Des Weiteren: " Wenn man so sieht was jeden Montag in Leipzig los ist, möchte man am liebsten zur MPI greifen. Der Sozialismus ist solche eine tolle Sache, die muss doch verteidigt werden!"
Und nicht zuletzt: " Ich erwarte stündlich Meldungen über vom Mob an Laternenpfählen erhängte Volkspolizisten oder SED-Mitglieder".
Das Wort Leipzig, wohlgemerkt eine beinahe zweihundert Kilometer von Seelow entfernte Stadt, fiel in dieser Versammlung noch des Öfteren.
Zufall?
Vor der Versammlung gab es ein Telefongespräch zwischen dem VPKA-Leiter und dem Chef der BdVP Frankfurt (Oder), über die Lage in der DDR.
Da ich nicht an Zufälle glaube, bin ich der Meinung das seitens der BdVP die Weisung an die VPKÄ erging, den Bestand auf eine eventuelle erhebliche Lageverschärfung, inklusive eines Schusswaffeneinsatzes gegen Demonstranten, vorzubereiten. Als " ultima ratio", wenn alle anderen Mittel zur Auflösung der Demonstration versagen. Daher auch der Hinweis auf den angeblich " Polizisten lynchenden Mob", für den es keinerlei Belege gab.
Ich werte das als einen Versuch die Demonstranten von Vornherein zu diffamieren. In Leipzig hätte man in diesem Fall, im Bewusstsein vieler, nicht auf Demonstranten sondern auf Meuchelmörder geschossen. Dieser Versuch ging jedoch in der Realität voll nach hinten los.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe



OT
@ABV - Uwe jetzt bin ich - wenn ich Biertrinker wär, könnte ich noch mit der Verunstaltung meines Nicknamen leben, aber so

Gruß in den Oderbruch aus dem Norden von SH
Vierkrug (nicht Vierkrugig !!!)


zuletzt bearbeitet 15.11.2014 17:35 | nach oben springen

#113

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 16.11.2014 10:57
von Vierkrug (gelöscht)
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@ABV - Uwe, noch ein paar Gedanken und Bemerkungen zu Deinem Beitrag #111.
Mir ist dieses Vokabular nicht nur aus den Tagen um den 9.10. noch bekannt und auch geläufig, nicht nur von hochrangigen Offizieren der BdVP - sondern auch von Parteifunktionären der BL und KL und nicht zuletzt aus den Räten der Kreise.
Ebenso gab es eine gewisse Abwartehaltung bei diesen Kräften, besonders unter dem Aspekt, was machen Partei und MfS. Das MfS war ja zu diesem Zeitpunkt - man möge mir jetzt diese Aussage nicht vor die Füße werfen - noch voll handlungsfähig.
Nachdem aber einige hochrangige Polizeioffiziere der BdVP merkten, dass das MfS zunehmend zur Zielscheibe der Proteste wurde und auch als der Belzebub in der Öffentlichkeit dargestellt wurde, legten sich gerade diese Leute ein Mäntelchen der Unschuld zu und traten gegenüber ihren Unterstellten ganz anders in Erscheinung - die Unschuldslämmer vom Lande.
Noch gravierender wurde es, als sich die GdVP konstituierte. Initiatoren und Aktivisten der Gewerkschaftsbewegung in unserer BdVP waren die Mitarbeiter der K.
Wie Du es auch miterlebt hast, wurde der Einfluss der GdVP in den Dienststellen immer stärker und keine Entscheidung der Leiter ging nicht ohne Zustimmung der GdVP über den Tisch.
Es war schon merkwürdig, dass die Polizeioffiziere, die nicht nur von konterrevolutionären Kräften und subversiven Elementen und deren Niederschlagung sprachen, mit einem Mal die demokratische Volksbewegung und andere wohlwollende Begrifflichkeiten in den Mund nahmen. Sie standen dann vor den Türen der Polizeigewerkschaft, um sich von diesen einen Persilschein ausstellen zu lassen. Ihnen kam das "meine Damen und Herren" genauso schnell über die Lippen, wie das ursprüngliche "Genosssinnen und Genossen".
Noch schlimmer wurde es, als es um die Umstrukturierung zur Landespolizei Brandenburg kam und die Plätze um den "Fressnapf" neu verteilt wurden. Da wußte ich mit einem Mal, welches "Widerstandspotential" gegenüber der SED und der DDR es in der Führungshierachie der BdVP gegeben hat.

Schade, das es keinen K - Smiley hier gibt. Aber es wäre schade um mein Sonntagmorgenfrühstück.

Vierkrug


ABV, Pitti53 und der Anderdenkende haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#114

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 16.11.2014 11:08
von rotrang (gelöscht)
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #113
@ABV - Uwe, noch ein paar Gedanken und Bemerkungen zu Deinem Beitrag #111.
Mir ist dieses Vokabular nicht nur aus den Tagen um den 9.10. noch bekannt und auch geläufig, nicht nur von hochrangigen Offizieren der BdVP - sondern auch von Parteifunktionären der BL und KL und nicht zuletzt aus den Räten der Kreise.
Ebenso gab es eine gewisse Abwartehaltung bei diesen Kräften, besonders unter dem Aspekt, was machen Partei und MfS. Das MfS war ja zu diesem Zeitpunkt - man möge mir jetzt diese Aussage nicht vor die Füße werfen - noch voll handlungsfähig.
Nachdem aber einige hochrangige Polizeioffiziere der BdVP merkten, dass das MfS zunehmend zur Zielscheibe der Proteste wurde und auch als der Belzebub in der Öffentlichkeit dargestellt wurde, legten sich gerade diese Leute ein Mäntelchen der Unschuld zu und traten gegenüber ihren Unterstellten ganz anders in Erscheinung - die Unschuldslämmer vom Lande.
Noch gravierender wurde es, als sich die GdVP konstituierte. Initiatoren und Aktivisten der Gewerkschaftsbewegung in unserer BdVP waren die Mitarbeiter der K.
Wie Du es auch miterlebt hast, wurde der Einfluss der GdVP in den Dienststellen immer stärker und keine Entscheidung der Leiter ging nicht ohne Zustimmung der GdVP über den Tisch.
Es war schon merkwürdig, dass die Polizeioffiziere, die nicht nur von konterrevolutionären Kräften und subversiven Elementen und deren Niederschlagung sprachen, mit einem Mal die demokratische Volksbewegung und andere wohlwollende Begrifflichkeiten in den Mund nahmen. Sie standen dann vor den Türen der Polizeigewerkschaft, um sich von diesen einen Persilschein ausstellen zu lassen. Ihnen kam das "meine Damen und Herren" genauso schnell über die Lippen, wie das ursprüngliche "Genosssinnen und Genossen".
Noch schlimmer wurde es, als es um die Umstrukturierung zur Landespolizei Brandenburg kam und die Plätze um den "Fressnapf" neu verteilt wurden. Da wußte ich mit einem Mal, welches "Widerstandspotential" gegenüber der SED und der DDR es in der Führungshierachie der BdVP gegeben hat.

Schade, das es keinen K - Smiley hier gibt. Aber es wäre schade um mein Sonntagmorgenfrühstück.

Vierkrug

Hier ist einer

Angefügte Bilder:
Unbenannt.png

zuletzt bearbeitet 16.11.2014 11:08 | nach oben springen

#115

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 16.11.2014 12:26
von ABV | 4.202 Beiträge

[quote=Vierkrug|p410711]@ABV - Uwe, noch ein paar Gedanken und Bemerkungen zu Deinem Beitrag #111.
Mir ist dieses Vokabular nicht nur aus den Tagen um den 9.10. noch bekannt und auch geläufig, nicht nur von hochrangigen Offizieren der BdVP - sondern auch von Parteifunktionären der BL und KL und nicht zuletzt aus den Räten der Kreise.
Ebenso gab es eine gewisse Abwartehaltung bei diesen Kräften, besonders unter dem Aspekt, was machen Partei und MfS. Das MfS war ja zu diesem Zeitpunkt - man möge mir jetzt diese Aussage nicht vor die Füße werfen - noch voll handlungsfähig.
Nachdem aber einige hochrangige Polizeioffiziere der BdVP merkten, dass das MfS zunehmend zur Zielscheibe der Proteste wurde und auch als der Belzebub in der Öffentlichkeit dargestellt wurde, legten sich gerade diese Leute ein Mäntelchen der Unschuld zu und traten gegenüber ihren Unterstellten ganz anders in Erscheinung - die Unschuldslämmer vom Lande.
Noch gravierender wurde es, als sich die GdVP konstituierte. Initiatoren und Aktivisten der Gewerkschaftsbewegung in unserer BdVP waren die Mitarbeiter der K.
Wie Du es auch miterlebt hast, wurde der Einfluss der GdVP in den Dienststellen immer stärker und keine Entscheidung der Leiter ging nicht ohne Zustimmung der GdVP über den Tisch.
Es war schon merkwürdig, dass die Polizeioffiziere, die nicht nur von konterrevolutionären Kräften und subversiven Elementen und deren Niederschlagung sprachen, mit einem Mal die demokratische Volksbewegung und andere wohlwollende Begrifflichkeiten in den Mund nahmen. Sie standen dann vor den Türen der Polizeigewerkschaft, um sich von diesen einen Persilschein ausstellen zu lassen. Ihnen kam das "meine Damen und Herren" genauso schnell über die Lippen, wie das ursprüngliche "Genosssinnen und Genossen".
Noch schlimmer wurde es, als es um die Umstrukturierung zur Landespolizei Brandenburg kam und die Plätze um den "Fressnapf" neu verteilt wurden. Da wußte ich mit einem Mal, welches "Widerstandspotential" gegenüber der SED und der DDR es in der Führungshierachie der BdVP gegeben hat.

Schade, das es keinen K - Smiley hier gibt. Aber es wäre schade um mein Sonntagmorgenfrühstück.

Vierkrug[/quote

Hallo Vierkrug!
Ich stimme dir uneingeschränkt zu! Der ehemalige Leiter des VPKA Seelow ist sozusagen ein Paradebeispiel für die von dir angesprochene Thematik.
Als sich Ende November 1989 die ersten MfS-Mitarbeiter im VPKA nach der Möglichkeit einer eventuellen Einstellung in die Volkspolizei erkundigten, wurden sie von ihm kurzerhand der Tür verwiesen. Damit hat er sich dann sogar bei der nächsten Dienstversammlung vor den Mitarbeitern, mit den Worten " Ich lass mir doch von denen nicht meine Polizei versauen", gebrüstet. Bereits um den 20.November hatte er die Weisung erteilt, dass die Kreisdienststelle des MfS, bzw AfNS, keine Kopie des Tagesrapportes mehr bekommt. Des Weiteren wurde den Mitarbeitern des MfS die Erlaubnis entzogen, die Kreismeldekartei zu betreten.
Das könnte man jetzt als längst überfällige, mutige Maßnahme werten. Falls man keine Ahnung von der Materie haben und den Mann nicht kennen würde. Damit sind nicht nur seine kriegerischen Äußerungen im September / Oktober 89 gemeint. Der selbe " hyperdemokratische Offizier" hatte noch im Frühjahr des selben Jahres einen jungen Wachtmeister vor die Wahl gestellt sich entweder von seiner schwangeren Freundin zu trennen oder den Dienst zu quittieren. Weil die Frau den Kontakt zu ihrem in der BRD lebenden Cousin nicht abbrechen wollte. Als der Wachtmeister auf die Schwangerschaft seiner Freundin verwies, wurde ihm sogar eine Beförderung außer der Reihe in Aussicht gestellt. Damit er bequem die Alimente bezahlen konnte. Dazu gab es, sozusagen als Beigabe den Hinweis, " dass die Frau ohnehin nichts tauge." Das ganze verlief in Anwesenheit der jungen Frau, im Dienstzimmer des VPKA-Leiters. Selbstverständlich hat der Wachtmeister nach diesem Gespräch sofort den Dienst quittiert. Die VP hatte sich wirklich " von ihrer besten Seite gezeigt." Im Herbst 89 darauf angesprochen, behauptete der VPKA-Leiter, dass er zuvor eine Weisung aus der Kreisdienststelle bekommen hätte, nachdem der Wachtmeister aus der VP zu entfernen wäre. Warum aber dann das unmoralische Angebot?

Im März 1990 kehrte der frühere Leiter der Schutzpolizei in der BdVP Frankfurt (Oder), wieder in den Dienst zurück. Ein paar Jahre zuvor war er wegen " Parteischädigendem Verhalten" aus der SED ausgeschlossen und aus dem VP-Dienst entfernt worden. Wer jetzt an einen verkappten Widerständler denkt, irrt sich gewaltig. Der damalige Major war im Bezirk Dresden, auf frischer Tat beim Diebstahl von Fahrzeugteilen, von Observationskräften der K gestellt worden. In diesem Fall trifft wohl das alte Sprichwort " Gelegenheit macht Diebe" zu. Im Bezirk Dresden häuften sich zu dieser Zeit die Diebstähle von KfZ-Teilen. Dabei hatten es die Diebe vorwiegend auf Ladas abgesehen. Seitens der Observationstruppe wurde ein PKW Lada, an einer Landstraße, quasi als Köder ausgelegt und beobachtet. Der zufällig im Rahmen einer Privatreise durch den Bezirk Dresden tourende Major entdeckte den vermeintlich herrenlos abgestellten PKW. Da er selbst einen Lada fuhr und unter dem allgemeinen Ersatzteilmangel litt, hielt er kurzentschlossen an, packte sein Werkzeug aus und begann ein paar Teile abzuschrauben.
Viel geschraubt haben dürfte er allerdings nicht. Wenige Momente später lag er bereits, " gefesselt und verschnürt wie ein Westpaket", am Boden.
Seitens der BdVP Dresden zeigte man keine Bereitschaft, " ein Auge zuzudrücken." Der Major wurde vorläufig festgenommen und musste vom damaligen Stabschef der BdVP Frankfurt (Oder) persönlich abgeholt werden.
Zu einem Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls und / oder einer Anklage kam es aber ebenfalls nicht. Dem Major wurde " Parteischädigendes Verhalten" vorgeworfen, worauf der Ausschluss aus der SED erfolgte. Der, zumal bei einem solch Ranghohen Volkspolizisten, unweigerlich die Entlassung aus dem Dienst zufolge hatte.
Wie gesagt: im März 1990 musste der Major wieder eingestellt werden. Weil er aus " politischen Gründen" entlassen wurde und damit quasi als Opfer galt. Da es offiziell weder eine Anzeige noch ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahl gab, verblieb der Major auch nach der Wiedervereinigung weiter im Dienst. Bis zu seiner Pensionierung vor einigen Jahren.
Ich denke mal, dass dir der Fall bekannt sein müsste.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#116

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 18.11.2014 01:07
von Moskwitschka (gelöscht)
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Na dann haben wir doch mal was aktuelles zur Themenüberschrift:

„Damit hatten wir die Initiative verloren“
Buchpräsentation auf Einladung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Rede von Hans-Peter Bartels zur Buchpräsentation „Damit hatten wir die Initiative verloren“ Zur Rolle der bewaffneten Kräfte in der DDR 1989/90 auf Einladung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr am 27. Oktober 2014 in Potsdam:

Der vierte und letzte Beitrag stammt von Matthias Uhl, ehemaliger wissenschaftlicher Projektmitarbeiter der Berliner Abteilung des Instituts für Zeitgeschichte und seit 2005 Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Moskau. Er ist ein ausgewiesener Kenner der Militärpolitik der UdSSR und behandelt in diesem Sammelband die Situation der sowjetischen Truppen in der DDR zwischen Perestroika, „Wende“ und Mauerfall. Zentrale Frage für ihn ist, warum die sowjetischen Truppen – anders als am 17. Juni 1953 –im Herbst 1989 nicht eingesetzt wurden.



Uhl beschreibt zunächst die historische Entwicklung der Roten Armee im Bereich der DDR. Ausführlich zeigt er, welchen Stärkeschwankungen die hier stationierten Truppen unterlagen. Besonders die Zahlen zum Höhepunkt der Nachrüstungsdebatte verdeutlichen, welche Kräfte damals der NATO in Europa gegenüber standen. Allein die sowjetische Westgruppe in der DDR umfasste 400.000 Mann. Ausgestattet mit 7.000 Kampfpanzern, 5.000 Artilleriegeschützen, 700 Kampfflugzeugen und 220 Boden-Boden-Raketensystemen. Der Personal- und Technikbestand lag nahe 100 Prozent, die Munitions- und Treibstoffvorräte reichten für 90 Gefechtstage. Die Alarmierungszeiten betrugen wenige Minuten. Keine Frage, was dies bei einem Angriff bedeutet hätte.



Aber mit Gorbatschow änderte sich alles. Uhl zitiert Quellen, wonach der vollständige Abzug der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte aus der DDR bis 1995 geplant gewesen sei. Dieses würde mit dem politischen Kurs Gorbatschows übereinstimmen, nach dem die strategische Defensive in den Vordergrund rückte. Gorbatschow war gewillt, den Rüstungswettlauf zu begrenzen, da er für die Umsetzung der Perestroika die Militärausgaben senken musste.



Der politischen Führung der Sowjetunion lagen seit Mitte der 1980er Jahre Erkenntnisse darüber vor, dass die wirtschaftlichen Probleme der DDR Ende der 80er Jahre zu deren Zusammenbruch führen könnten. Gleichzeitig distanzierte sich die SED-Führung hartnäckig von den Reformen in der Sowjetunion. Studien des KGB legten nahe, dass der Status Quo in den Ostblockstaaten nicht aufrecht zu halten sei. Kühl wies Moskau die SED bereits im Sommer 1989 darauf hin, dass sie im Falle einer Aufstandsbewegung nicht mit einem Eingreifen der sowjetischen Truppen rechnen könne. Diese Haltung bekräftigte Gorbatschow bei seinem Geburtstagsbesuch in der DDR Anfang Oktober 1989. Gorbatschows Weigerung, das SED-Regime wie am 17. Juni 1953 militärisch zu unterstützen, war die wesentliche Voraussetzung für den friedlichen Verlauf des Herbstes 1989 und den Zusammenbruch der DDR. Die Geschichte hätte einen anderen Verlauf genommen, wenn Gorbatschow – wie viele andere unbekannte kleine und große „Helden des Rückzugs“ (Enzensberger) – eine andere Entscheidung getroffen hätte.


http://www.hans-peter-bartels.de/damit-h...ative-verloren/

Zum Buch https://www.christoph-links-verlag.de/in...=1&titel_id=809

Zur Rolle der bewaffneten Kräfte in der DDR 1989/90

Ende der 1980er Jahre befand sich die DDR in einer tiefen Krise. Davon betroffen waren auch das ostdeutsche Militär und andere bewaffnete Organe. Der vorliegende Sammelband beschreibt, wie die SED-Führung im Sinne der eigenen Machterhaltung versuchte, die Waffenträger in der DDR zur Bewältigung der Krise einzusetzen. Die Autoren analysieren dazu die Lage in der Nationalen Volksarmee, den Grenztruppen der DDR, den Volkspolizei-Bereitschaften, den »Kampfgruppen der Arbeiterklasse« sowie in den sowjetischen Streitkräften. Eine Chronik und ein Dokumentenanhang ergänzen die Kernaussagen des Bandes.


LG von der Moskwitschka


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.11.2014 01:13 | nach oben springen

#117

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 08.11.2016 15:00
von pee | 44 Beiträge

Ich persönlich habe mich spätestens am 1. bzw. 2. Januar 1990 innerlich mit den sowjetischen Besatzern versöhnt. Bis dahin hatte man in der DDR-Bevölkerung Angst, daß die Sowjets, so wie 1953, militärisch in das Geschehen eingreifen.
Als kurz nach Silvester 89/90 in meiner Kaserne in Beelitz der Soldatenaufstand begann, hatten wir Schiss vor den "Russen", welche ja nur 2km weiter in Heilstätten stationiert waren. Aber anstatt uns zusammenzuschießen schickten die einen LKW zu uns, vollgepackt mit Verpflegung, Zigarretten, Salamis, Wodka usw. für uns Meuterer. "Mit besten Grüßen von Euren sowjetischen Freunden. Wir unterstützen euch."
Das fand ich damals unglaublich, zumal wir bis dahin null Kontakte zu denen hatten.
Für diese, auch moralische Unterstützung bin ich heute noch dankbar.


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#118

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 08.11.2016 15:16
von Hapedi | 1.877 Beiträge

Zitat von pee im Beitrag #117
Ich persönlich habe mich spätestens am 1. bzw. 2. Januar 1990 innerlich mit den sowjetischen Besatzern versöhnt. Bis dahin hatte man in der DDR-Bevölkerung Angst, daß die Sowjets, so wie 1953, militärisch in das Geschehen eingreifen.
Als kurz nach Silvester 89/90 in meiner Kaserne in Beelitz der Soldatenaufstand begann, hatten wir Schiss vor den "Russen", welche ja nur 2km weiter in Heilstätten stationiert waren. Aber anstatt uns zusammenzuschießen schickten die einen LKW zu uns, vollgepackt mit Verpflegung, Zigarretten, Salamis, Wodka usw. für uns Meuterer. "Mit besten Grüßen von Euren sowjetischen Freunden. Wir unterstützen euch."
Das fand ich damals unglaublich, zumal wir bis dahin null Kontakte zu denen hatten.
Für diese, auch moralische Unterstützung bin ich heute noch dankbar.



Bist du dir da sicher . Ich kann mich da nicht reindenken . Wer soll so einen Anstoß gegeben haben und hat Moskau davon Ahnung gehabt .
nun gut du hast es so erlebt und ich kann es nicht so recht glauben .

hapedi



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#119

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 08.11.2016 15:19
von grenzergold | 187 Beiträge

Wie der Name schon sagt, Beelitz-Heilstätten, größte Militärlazarett der Sowjets in der DDR,kein Kampfverband.
gg


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#120

RE: Die friedliche Haltung der Sowjetarmee während des Herbstes 1989-Wahrheit oder Legende?

in Das Ende der DDR 08.11.2016 15:33
von pee | 44 Beiträge

Ja es war tatsächlich so. Als der erste LKW vorbei fuhr, bekamen wir alle einen Schreck. Als der zweite vorbei fuhr, wurde er langsamer und der Beifahrer machte ein Peace-Zeichen zu uns. Schon das war eine Sensation. Als der dritte LKW kam, wurde dieser langsamer, blinkte und bog zu uns ein. Da rutschte uns allen das Herz in die Hose, zumal wir ja nicht sehen konnten, was hinten unter der Plane versteckt war (ne Kampfeinheit?)
Der Unteroffizier, welcher ausstieg, hatte in diesem Moment wahrscheinlich mehr Angst vor uns als wir vor ihm. Er ging zur Ladefläche, öffnete sie und winkte uns heran. Wir kamen vorsichtig nährer und sahen die Kartons mit der besagten Verpflegung.
Wer das befohlen hatte? Sicher wäre das ohne Befehl eines höheren Sowjet-Offiziers nicht möglich gewesen.Ausserdem hatten wir draussen überall weisse Bettlaken hängen mit unseren Forderungen. Somit hatten die Sowjets gesehen, daß es in keinster Weise gegen sie gerichtet war.
Ja, Heilstätten war offiziel ein Sanatorium. Aber es gab sicher auch bewaffnete Kräfte dort. daher unser anfängliches Unbehagen.


zuletzt bearbeitet 08.11.2016 15:34 | nach oben springen



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