#61

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 13:06
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #58
als kleines OT - meine Gedanken dazu:

ich glaube dass die Antagonie Faschismus / Sozialismus nicht stimmt, die Gleichsetzung sowieso nicht.

[...]
.


Guten Tag,

wenn Du es noch nicht getan hast, so solltest Du Hannah Arendts Arbeiten zum Totalitarismus lesen und auch Albert Camus L'homme revolté lesen.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#62

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 13:08
von Barbara (gelöscht)
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Danke Gert, bitte nimm aber auch meine anderen Ausführungen zur Kenntnis, denn es hat keinen Sinn, das Kind immer mit dem Bade auszuschütten.
.


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#63

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 13:23
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Stringer49 im Beitrag #61
Zitat von Barbara im Beitrag #58
als kleines OT - meine Gedanken dazu:

ich glaube dass die Antagonie Faschismus / Sozialismus nicht stimmt, die Gleichsetzung sowieso nicht.

[...]
.


Guten Tag,

wenn Du es noch nicht getan hast, so solltest Du Hannah Arendts Arbeiten zum Totalitarismus lesen und auch Albert Camus L'homme revolté lesen.

Stringer49



OT

... u.a. eine Regalbreite.

Ich selbst verorte mich bei:

Camus: Le mythe de Sisyphe - Der Mythos des Sisyphos

https://www.uni-frankfurt.de/48472872/09_Wenzel-sd.pdf
.


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#64

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 13:41
von Vierkrug (gelöscht)
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Die Aussagen überschlagen sich mittlerweile und man aufpassen, damit man Birnen nicht Äpfel vermischt, obwohl sie beide zum Obst, genauer gesagt, dem Kernpobst gehören.
@Barbara - ich muß Dir widersprechen, wenn es um den Faschismus als Ideologie geht. Er ist eine Ideologie, gestützt und gefördert vom reaktionärstem Teil des deutschen Imperialismus, der schon eine zunehmende Verknüpfung der Wirtschaftmonopole mit dem Finanzkapital darstellte. Von der damit verbundenen Demagogie nicht abgesehen.
Georgi Dimitroff, der wahrlich kein Freund und Vasall Stalins war, hat nicht nur im Reichstagsbrandprozeß diese faschistische Ideologie sehr gut analysiert und auch ihr Wesen und deren Wurzeln benannt.
Ich war über 20 Jahre Mitglied der SED und habe deren Politik in unterschiedlichen Funktionen und auf unterschiedlichen Ebenen maßgeblich mitgetragen, auch die sich schon sehr zeitig abzeichnenden Verbiegungen und Entgleisungen bei der Umsetzung der Theorie in die Praxis.
Das Renegaten auch Zulauf und Aufnahme in der SED fanden, bestreite ich keinesfalls, wie auch nicht die Tatsache, das kleinbürgerliche Denk- und Verhaltensweisen auf allen Führungsebenen zunehmend Einzug hielten. Damit wurde dem Revisionismus Tür und Tor geöffnet, die Theorie von innen her aufgeweicht und dem Klassenkampf im Prinzip eine Absage erteilt. Analoge Entwicklungen in der SU in der KPdSU und den anderen Ländern des real existierenden Sozialismus, der zwar sozialistische Elemente und Entwicklungen in sich trug, aber im theoretischem Sinne kein Sozialismus war. Wenn ich dann noch demokratischer Sozialismus lese und höre, dann sträuben sich bei mir nicht nur die Nackenhaare. Entweder es ist Sozialimus, dann ist er auch demokratisch, wenn nicht, dann ist es auch kein Sozialismus.
Ein Wandel durch Annäherung gibt es im Klassenkampf nicht - auch keine Annäherung der Ideologien. Ich war ein Gegner des Positionspapieres zum Verhältnis SED - SPD, da es zutiefst von revisionistischen Denkansätzen geprägt war. Zugleich war ich enttäuscht, das alte Kommunisten dieses Positionspapier befürwortet und gebilligt haben. Es war eine Selbstaufgabe gegenüber der SPD.
Was die faschistischen Elemente in der Politik und der Programmatik der SED anbetrifft, die Du @Barbara in Deinem Beitrag erwähnt hast, so müßtest Du da schon etwas konkreter werden. Hoffentlich kommen jetzt keine Bezüge zu Massendemonstrationen und Fackelzügen, die ich nicht gut geheissen habe, aber auch organisatorisch mit zu verantworten hatte.
Die SED hat schon sehr früh sich von ihrer im Parteistatut selbst auferlegten führenden Rolle, als der bewußte und organisierte Vortrupp der deutschen Arbeiterklasse im Kampf für Frieden, Einheit, Demokratie und Sozialismus, verabschiedet. Sonst wäre es nicht zu diesen Verbiegungen und Fehlentwicklungen mit den gravierenden Auswirkungen in der Gesellschaft der DDR gekommen.
Man hätte doch mal öfters bei Lenin über die Partei hineinschauen sollen. Eine SED zur Massenpartei zu gestalten, war aus meiner persönlichen Sicht auch eine Fehlentscheidung. Immerhin hatte sie 1989 noch ca. 2,1 Mio Mitglieder - dass sind prozentual auf die Gesamtbevölkerung der DDR (ca. 17 Mio) gesehen, stolze 12,35 Prozent. Wo sind sie heute ??? Wo sind sie geblieben (mir fällt dann immer die Melodie vom Chanson .."Wo sind sie geblieben. Sag mir wo die Blumen sind. Was ist gescheh'n") ???

Soweit von mir
Vierkrug


Rainman2, schulzi und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.10.2014 15:12 | nach oben springen

#65

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 13:44
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #45
Da wir einmal dabei sind, als heranwachsender habe ich nie richtig verstanden wie die alten Männer meist nach dem zehnten Schnaps offen ins Schwärmen verfielen so nach dem Motto "am besten ging es uns zwischen 34 und 39", in der Schule wurde mir ja was anderes erzählt.
Von der DDR schwärmt eigentlich fast keiner mehr, auch nicht nach dem zehnten Schnaps, ist schon eigenartig.


Grün: Die waren noch jung. Da wird manches anders gesehen als wenn man über einige Lebenserfahrung verfügt. Sehr viele waren noch Jugendliche und da ist es unstrittig, daß die Nazis es fertigbrachten, den Jugendlichen ein interessantes Jugendleben zu bieten, kurz, alles was Jungen und Jugendliche so in diesem Alter begeistert. Natürlich auch immer mit der entsprechenden, oft etwas versteckten Propaganda.

Nun, daß heute niemand schwärmt, kann ich so nicht bestätigen. Wer in einer Hobbygruppe aktiv war, der Pionierleiter oder FDJ-Sekretär rührig und engagiert war, erzählt auch heute noch oft mit Begeisterung von den Veranstaltungen damals.



schulzi und Stringer49 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#66

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 13:55
von Barbara (gelöscht)
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Danke erstmal, Vierkrug, für deine Ausführungen, ich möchte darauf nicht so im Vorbeigehen antworten, sondern sie erstmal durchdenken.
Meine Statements im Hinblick auf deine Nachfragen werde ich präszisieren.

Voarab: es ist richtig, dass wir hier (insgesamt im Thread) mehrere Ebenen diskutieren und diese gehen dauernd durcheinander, das macht es nicht eben leichter.
.


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#67

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 13:55
von Grstungen386 | 597 Beiträge

@Damals87, danke für Deinen differenzierten Beitrag bezüglich der NSDAP-Mitgliedschaft, gerne machten die SED-Bonzen nach dem Krieg vergessen, dass zeitweise NSDAP und Thälmann-KPD gemeinsam agierten beispielsweise 1931 beim Berliner Verkehrsarbeiterstreik und im NSDAP-Wahlprogramm waren lange Jahre auch sozialistische bzw. antikapitalistische Grundsätze enthalten. Man sollte nicht über die NSDAP-Mitglieder leichtsinig und gedankenlos den Stab brechen, man stelle sich eigenes Verhalten vor.....



Regina hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#68

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 15:37
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #62
Danke Gert, bitte nimm aber auch meine anderen Ausführungen zur Kenntnis, denn es hat keinen Sinn, das Kind immer mit dem Bade auszuschütten.
.

liebe Barbara , hab ich natürlich, nur diesen Punkt wollte ich besonders hervorheben. Ich möchte dazu etwas grundsätzliches sagen. Das Meiste, was ich hier schreibe, ist aus eigener Erfahrung auch wenn einige die Dreistigkeit besitzen auch dieses noch anzuzweifeln, wenn es nicht in ihr Weltbild passt. Da wird meine Glaubwürdigkeit damit in Frage gestellt, dass ich ich ja schon lange nicht mehr in der DDR lebe. Richtig, aber vorher hatte ich Jahre, um mir diesen Staat bis zur Sättigungsgrenze reinzuziehen und es stank, es stank wie auf den Rieselfeldern, was dort an Politik umgesetzt wurde.
Ich habe nicht studieren dürfen in der DDR im Gegensatz zu einer Reihe Genossen hier, daher habe ich auch nicht die Bildung, um bei hochwissenschaftliche Diskussionen über Wert und Unwert dieser politischen Doktrinen mitreden zu können. Ist mir auch nicht wichtig. Wenn ich aber wieder das Vokabular dieser Leute lesen muss, die da von Revisionisten, von Lenins großartiger Politik , von Klassenfeinden, Klassenkampf , Imperialisten usw. dann wird mir einfach nur schlecht. Das löst bei mir ähnliche Reflexe aus wie Sprüche "ein Volk, ein Reich, ein Führer",. Die Sprache des Totalitarismus, eines Staates mit faschistoiden Handlungsweisen und das war sie, die DDR. Das ist auch der Grund warum sie auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist und das zu Recht. So, ich habe fertig, würde ich als Fussballtrainer sagen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#69

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 15:46
von Vierkrug (gelöscht)
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Ergänzend zum Beitrag #64
Georgi Dimitroff formulierte 1928 auf dem 4. Weltkongress der Roten Gewerkschaftsinternationale seine Aussagen zum Faschismus wie folgt: "Wir müssen uns völlig klar darüber sein, dass der Faschismus keine orts- oder zeitgebundene, vorübergehende Erscheinung ist. Er ist ein ganzes System der Klassenherrschaft der Bourgeoisie und ihrer Diktatur im Zeitalter des Imperialismus. Und weiter: "Der Faschismus ist für die Freiheit des Proletariats und für die klassengebundene Gewerkschaftsbewegung eine fortwährende und stetig wachsende Gefahr."
Quelle: Georgi Dimitrow / Kurze Lebensbeschreibung, Dietz Verlag, S. 79.

@Barbara - da @Stringer49 Hannah Arendts Arbeiten zum Totalitarismus und Albert Camus "L'homme revolté", wie auch Du Camus mit "Le mythe de Sisyphe" als Literaturhinweise benannt habt, kurze Antwort meinerseits. Ich kenne diese Werke und die darin enthaltenen Anschauungen und Betrachtungen. Ich bin aber kein Anhänger der Existenzphilosophie und kann ihr auch nichts abgewinnen. Und Hannah Arendt hat sich auch nie als Philosophin gesehen. Ich teile ihre Auseinandersetzungen mit den Ansichten Heideggers. Bekomme ansonsten immer wieder Bauchschmerzen mit den Metaphysikern und Existenzphilosophen. Das würde aber jetzt hier den Rahmen sprengen - vielleicht einmal im Rahmen einer philosophischen Runde.

Wie heißt es auch mit den Worten von Marx in der 11. Feuerbachthese - “Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern."

Im diesem Sinne
Vierkrug


zuletzt bearbeitet 31.10.2014 15:46 | nach oben springen

#70

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 16:23
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #69

[...]

@Barbara - da @Stringer49 Hannah Arendts Arbeiten zum Totalitarismus und Albert Camus "L'homme revolté", wie auch Du Camus mit "Le mythe de Sisyphe" als Literaturhinweise benannt habt, kurze Antwort meinerseits. Ich kenne diese Werke und die darin enthaltenen Anschauungen und Betrachtungen.
[...]
Im diesem Sinne
Vierkrug


Ich glaube nicht, @Vierkrug, dass das der eigentlich Punkt ist.

Allerdings, ich meine gut verstanden zu haben, von welcher Betrachtungsweise Du ausgehst. Sie ist different zu meiner. Und ich bin sicher, dass wir uns nicht annähern können.

So let it be with the totalitarism.

Vielen Dank für Deine Antwort.
Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#71

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 16:35
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von Stringer49 im Beitrag #70
Zitat von Vierkrug im Beitrag #69

[...]

@Barbara - da @Stringer49 Hannah Arendts Arbeiten zum Totalitarismus und Albert Camus "L'homme revolté", wie auch Du Camus mit "Le mythe de Sisyphe" als Literaturhinweise benannt habt, kurze Antwort meinerseits. Ich kenne diese Werke und die darin enthaltenen Anschauungen und Betrachtungen.
[...]
Im diesem Sinne
Vierkrug


Ich glaube nicht, @Vierkrug, dass das der eigentlich Punkt ist.

Allerdings, ich meine gut verstanden zu haben, von welcher Betrachtungsweise Du ausgehst. Sie ist different zu meiner. Und ich bin sicher, dass wir uns nicht annähern können.

So let it be with the totalitarism.

Vielen Dank für Deine Antwort.
Stringer49


schwarz markiert : So ist es !
Und mit "So let it be with the totalitarism" - einverstanden.

Schönen Abend und ein schönes Wochenende wünscht Dir
Vierkrug


Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#72

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 16:44
von Moskwitschka (gelöscht)
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Es kömmt drauf an, sie zu verändern das ist für mich das Stichwort.

Ich habe letztes Jahr zahlreiche Zeitzeugenberichte aus der Zeit unmittelbar nach Ende das Krieges gelesen. Also genau der Zeit, um die es sich hier dreht. Berichte darüber, wie Menschen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg angepackt habe, um die unmittelbaren Probleme zu lösen. Und das war in erster Linie Essen un Wärme. Und fast alle Zeitzeugen haben fast übereinstimmend beschrieben, dass es Antifaschisten waren, die aktiv wurden - Christen, Sozialdemokraten, Kommunisten, die den Faschismus in Deutschland erlebt und überlebt haben. Es waren die ersten in den Städten und Gemeinden, die unmittelbar nach dem Krieg aus der Lethargie des Zusammenbruchs herausgefunden haben und aktiv wurden. Die Probleme, die sie damals gelöst haben, waren für viele ihrer Mitmenschen für die sie sich eingesetzt haben, existenziell.

Wann die politische Orientierung maßgeblich wurde, kann ich nicht beurteilen, weil sie in diesen Zeitzeugenberichten keine Rolle spielte. Es sind keine Historiker, die ihr aktives Tun selten in einem historischen Zusammenhang darstellten. Ob es damals der Druck der Rahmenbedingungen war, die die einen aufgeben ließen, und die anderen sich einer der neuen Parteien angeschlossen haben, ist aus diesen Berichten nicht eindeutig nachvollziehbar. Aber es deckt sich mit den Erzählungen meiner Großelteren und anderer Verwandter oder Bekannter aus jener Zeit.

Das ist jetzt ins Unreine geschrieben. Aber es beschäftigt mich immer wieder, wenn ich mich mit meiner eigenen Familiengeschichte beschäftige.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 31.10.2014 16:47 | nach oben springen

#73

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 17:34
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #72
Es kömmt drauf an, sie zu verändern das ist für mich das Stichwort.

Ich habe letztes Jahr zahlreiche Zeitzeugenberichte aus der Zeit unmittelbar nach Ende das Krieges gelesen. Also genau der Zeit, um die es sich hier dreht. Berichte darüber, wie Menschen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg angepackt habe, um die unmittelbaren Probleme zu lösen. Und das war in erster Linie Essen un Wärme. Und fast alle Zeitzeugen haben fast übereinstimmend beschrieben, dass es Antifaschisten waren, die aktiv wurden - Christen, Sozialdemokraten, Kommunisten, die den Faschismus in Deutschland erlebt und überlebt haben. Es waren die ersten in den Städten und Gemeinden, die unmittelbar nach dem Krieg aus der Lethargie des Zusammenbruchs herausgefunden haben und aktiv wurden. Die Probleme, die sie damals gelöst haben, waren für viele ihrer Mitmenschen für die sie sich eingesetzt haben, existenziell.

Wann die politische Orientierung maßgeblich wurde, kann ich nicht beurteilen, weil sie in diesen Zeitzeugenberichten keine Rolle spielte. Es sind keine Historiker, die ihr aktives Tun selten in einem historischen Zusammenhang darstellten. Ob es damals der Druck der Rahmenbedingungen war, die die einen aufgeben ließen, und die anderen sich einer der neuen Parteien angeschlossen haben, ist aus diesen Berichten nicht eindeutig nachvollziehbar. Aber es deckt sich mit den Erzählungen meiner Großelteren und anderer Verwandter oder Bekannter aus jener Zeit.

Das ist jetzt ins Unreine geschrieben. Aber es beschäftigt mich immer wieder, wenn ich mich mit meiner eigenen Familiengeschichte beschäftige.

LG von der Moskwitschka






@Moskwitschka ,

nach meinen Erkenntnissen, viel davon aus Erzählungen der Vorgängergeneration, Eltern, Verwandte, Nachbarn... , deckt sich das genau mit Deinen Ausführungen (im Besonderen grün mark).

Die Lage änderte sich erst dann, als gemäß Potsdamer Abkommen usw. die Besatzungszonen so bezogen oder sagen wir ruhig besetzt wurden, wie beschlossen. Etliche Gebiete der späteren sowjetischen Besatzungszone (SBZ) waren ja von den Westallierten, insbesondere Amerikanern und Briten zum Kriegsende 08.05.1945 besetzt und wurden dann an die Sowjets übergeben. Damit entstanden auch die s. g. Demarkationslnien und es zeichnete sich sehr schnell ab, das eine Sowjetunion unter der Führung Stalins sich abschottete von den einstigen westlichen Verbündeten, um ein System nach eigenen Vorbild zu installieren. Die Westallierten taten ihr übriges....
Aber das möchte ich hier nicht erörtern.

Mit sowjetischer Besetzung kamen die damaligen Kommunisten und auch Antifaschisten in der neuen Besatzungszone auch in Ämter, Positionen. Machtpositionen zu sagen wäre falsch, die Macht saß in Moskau und bestimmte unmißverständlich fortan und über Jahrzehnte hin das Geschehen. Ganz schnell gründete sich 1946 auf dem Gebiet der späteren DDR die SED. Auch hier sollte man besser schreiben, wurde gegründet, denn nicht um sonst sprach und spricht man von einem moskauverfügten Zwangszusammenschluß von KPD und SPD. Dabei nicht zu vergessen, unter Führung der moskaugetreuen KPD- Genossen! .
Fast zeitgleich, da wurden nach stalinistischem Vorbild s. g. und berüchtigte Säuberungsaktionen durchgeführt. Eigene Mitkämpfer gegen die Naziherschaft, ob nun selbst Kommunisten oder auch andere Antifaschisten, die das Lied Stalins nicht 1 zu 1 mitsangen, die unbequem waren oder einigen Modbuben, Hardlinern nicht in den Kram passten, wurden mundtod gemacht, verschwanden in sibierischen Lagern oder durch den berüchtigten kurzen Prozess.

Das war die Intention der damaligen SED und ihrer führenden, aus dem Kremel ferngesteuerten und willfähigen Clique.
Schnelle, ganz schnelle Zementierung eines Alleinherschaftsanspruches durch Schrecken, Gewalt bis hin zu Folter und Mord.

Und das ist für mich das Klientel, das ich öfter mit Mordbuben bezeichne. Einige haben bis zum Untergang der DDR überlebt. Haben die DDR, eigentlich "ihre" DDR und in Ansätzen(!) gute Alternative zum Raubritterkapitalismus, selbst in den Tod, na besser gesagt in den unausweichlichen Untergang getrieben.

Aber was wollte, konnte oder sollte..., wie man es auch immer nennen mag, will, von Mordbuben und Mordmädels diesen Couleuers der unverbesserlichen Erzstalinisten anderes erwarten???

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 31.10.2014 17:38 | nach oben springen

#74

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 17:39
von Georg | 1.003 Beiträge

SED Mitgliedersuche ? JA - auch wir waren/sind beliebt ! In allen Parteien !

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680683.html

" Wie die CDU streben SPD und FDP seit langem danach, sich langsam und vorsichtig für die umstrittenen Neuzugänge zu öffnen. Die Begründung ist überall gleich: Die mehr als zwei Millionen ehemaligen SED-Mitglieder, die einst die politische, ökonomische und soziale Elite der DDR bildeten, dürften nicht auf Dauer ausgegrenzt werden.

Überall buhlen politische Gruppen um dieses Wähler- und Mitgliederpotential."


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#75

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 17:54
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #74
SED Mitgliedersuche ? JA - auch wir waren/sind beliebt ! In allen Parteien !

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680683.html

" Wie die CDU streben SPD und FDP seit langem danach, sich langsam und vorsichtig für die umstrittenen Neuzugänge zu öffnen. Die Begründung ist überall gleich: Die mehr als zwei Millionen ehemaligen SED-Mitglieder, die einst die politische, ökonomische und soziale Elite der DDR bildeten, dürften nicht auf Dauer ausgegrenzt werden.

Überall buhlen politische Gruppen um dieses Wähler- und Mitgliederpotential."





Auch mit der zweiten einschneidenden Veränderung in Deutschland innerhalb von etwa 50 Jahren hat man nix oder nur sehr wenig dazugelernt...

Ich denke mal, das man sich mit dieser Art Aufbiederungsaktion geschickt derer habhaft machen wollte, die zu viel und dazu noch über nicht kleinkarätige Politiker Made in Westgermany wußten....

Mit den gängigen Mitteln der dem Deutschen vertrauten und bekannten Volks- und Massenverdummung in größten Teilen und der Beibringung von Bauernopfern als Kolateralschäden abgebucht, nach 1989 genau so gut gelungen wie einst nach 1945...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 31.10.2014 17:55 | nach oben springen

#76

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 20:26
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #68
Zitat von Barbara im Beitrag #62
Danke Gert, bitte nimm aber auch meine anderen Ausführungen zur Kenntnis, denn es hat keinen Sinn, das Kind immer mit dem Bade auszuschütten.
.

liebe Barbara , hab ich natürlich, nur diesen Punkt wollte ich besonders hervorheben. Ich möchte dazu etwas grundsätzliches sagen. Das Meiste, was ich hier schreibe, ist aus eigener Erfahrung auch wenn einige die Dreistigkeit besitzen auch dieses noch anzuzweifeln, wenn es nicht in ihr Weltbild passt. Da wird meine Glaubwürdigkeit damit in Frage gestellt, dass ich ich ja schon lange nicht mehr in der DDR lebe. Richtig, aber vorher hatte ich Jahre, um mir diesen Staat bis zur Sättigungsgrenze reinzuziehen und es stank, es stank wie auf den Rieselfeldern, was dort an Politik umgesetzt wurde.
Ich habe nicht studieren dürfen in der DDR im Gegensatz zu einer Reihe Genossen hier, daher habe ich auch nicht die Bildung, um bei hochwissenschaftliche Diskussionen über Wert und Unwert dieser politischen Doktrinen mitreden zu können. Ist mir auch nicht wichtig. Wenn ich aber wieder das Vokabular dieser Leute lesen muss, die da von Revisionisten, von Lenins großartiger Politik , von Klassenfeinden, Klassenkampf , Imperialisten usw. dann wird mir einfach nur schlecht. Das löst bei mir ähnliche Reflexe aus wie Sprüche "ein Volk, ein Reich, ein Führer",. Die Sprache des Totalitarismus, eines Staates mit faschistoiden Handlungsweisen und das war sie, die DDR. Das ist auch der Grund warum sie auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist und das zu Recht. So, ich habe fertig, würde ich als Fussballtrainer sagen.



Gert, ich respektiere deine Haltung und ich verstehe vor dem Hintergrund deiner Biografie vollkommen deinen Brass auf die DDR und ich glaube gar nicht, dass dir das hier irgend jemand abspricht. Ich meine, ich hätte an entsprechenden Stellen auch immer mal wieder diesbzgl. Stellung bezogen. Das was du (und andere) erlebt hast war nicht ok! Die ganzen Bedingungen und Umstände in der DDR werden hier ja noch und nöcher durchgekaut.

Aber nun sitzen wir ja hier alle 2014 vor unseren Rechnern mit diesen ganzen unterschiedlichen persönlichenHintergründen und ich weiß nicht, ob es Sinn macht, anlässlich eines solchen Papiers wie es in #1 erscheint auf diese Art und Weise die Idee des Sozialismus/Kommunismus derartig ins Reich der Hölle zu verbannen, denn damit überschreitest du in der Gegenwart! - und auf die kommt es heute! an - persönliche Grenzen von Leuten wie Rainman, der sich ja nun in einer Art und Weise mit seiner persönlichen Biografie auseinandersetzt, von der ich nicht wüsste, ob ich es könnte, wäre ich an seiner Stelle gewesen. Ich finde auch hier wird der Begriff einer historischen Gerechtigkeit relevant!

Was die theoretischen Diskurse angeht: lass sie uns doch machen, das hat gar nichts mit studiert der nichts zu tun. Denn eines ist mal Fakt: die DDR hat existiert, die Staaten mit einem sozialistischen Anspruch im 20 Jdt. haben existiert. Wenn wir es bei einem finalen Urteil fällen belassen erzeugen wir historisch ein schwarzes Loch und zwar für diejenigen die dort den überwiegenden Teil ihres Lebens verbracht haben und aufrichtig einem Ideal gefolgt sind (auch in der Opposition!), das kann es nicht sein. Der Sozialismus gehört, trotz allem!, zu unserem geistig-kulturellen Erbe und auch zu unserem historischen Erbe, egal wie man ihn findet.
.


DoreHolm und polsam haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#77

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 21:00
von Gelöschtes Mitglied
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Sozialismus wird ja von vielen immer noch mit den Diktaturen im Ostblock gleichgestellt. Dem ist aber nicht so. Wir hatten in der DDR keinen Sozialismus, sondern einen staatsmonopolistischen Kapitalismus.

In der Schule habe ich mal gehört(nicht gelernt), dass sich jeder mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Gesellschaft einbringt und im Gegenzug alles was er benötigt von der Gesellschaft erhält. Der Gedanke ist ja gar nicht so schlecht, geht leider nur von einer falschen Voraussetzung aus. Und zwar von dem selbstlosen Menschen. In etwa so wie Albert Schweitzer als Beispiel. Davon gibt es aber zu wenige.
Der Mensch ist ein Individualist und normalerweise bestrebt mit minimalen Einsatz einen maximalen Nutzen für sich zu erreichen. Mit Beginn der Arbeitsteilung in der Urgesellschaft wurden die Weichen für diese Entwicklung gestellt. Wenn ich mich nicht irre, hat Lenin einmal den Ausspruch geprägt" Freizeit ist die Zeit, die frei ist von der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft". Schon der Spruch macht das Dilemma deutlich. Jeder hat seinen Anteil an Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu tragen, ansonsten haben wir Anarchie, die eigentlich kein vernünftiger Mensch gut heißen kann.

Die probagierte Klassenlose Gesellschaft gab es ja niemals und wird es niemals geben.

Der Hesselfuchs


Ostlandritter hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.11.2014 06:55 | nach oben springen

#78

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 21:23
von Barbara (gelöscht)
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#58 Barbara
# 64 Vierkrug


Ich möchte hier erstmal etwas voran schicken:

ich möchte niemanden von etwas überzeugen oder seine Meinung diskreditieren.
Aber ich bin daran interessiert Positionen vor dem historischen Hintergrund der deutschen Geschichte auszutauschen und zu diskutieren - soweit das möglich ist - weil ich
a) ich es interessant und bereichernd finde
und b) weil solche Diskurse auch etwas mit der Gegenwart zu tun haben.

Alles was ich schreibe, ist Ergebnis meiner Erfahrungen, dessen was ich gelernt und gelesen habe (nie genug :-) - meiner Gedanken und Schlussfolgerungen daraus und mein Selbstverständnis ist, dass ich mich "im Fluss" befinde.

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.
Vierkrug, zu „Faschismus":

was ich in #58 schrieb ist das Ergebnis dessen, was ich der Faschismusforschung entnommen habe, danach ist ein faschistisches System „nur“ die praktische Ausprägung, nicht aber der Faschismus selbst. Denn auch ohne ein faschistisches verfasstes System gibt es leider Gottes Faschismus.
(Genauso wie es Sozialismus gibt, ohne eine sozialistisches System.)

Aber im Gegensatz zu einer sozialistischen Überzeugung - die ich nachvollziehen kann - ist eine faschistische „Haltung“ von ihrer Idee substanzlos und der blanke Machtwille und sonst nichts.

Als Beispiel: wenn Neonazis einen Schwarzen erschlagen gibt es dafür keine „Begründung“ wie Systemversagen, oder Arbeits- oder sonstige Perspektivlosigkeit, sondern wir müssen sagen:
Man erschlägt keine Menschen!

Wenn diese grundsätzliche und von einem System völlig unabhängige zwischenmenschliche Übereinkunft nicht mehr gilt, dann ist das Faschismus eine „Qualität“ des menschlichen Geistes und nicht die einer kapitalistischen Struktur.

Das ist eine ganz andere Interpretation von Faschismus als die deine, das weiß ich.

Ich binde auch nicht den Begriff des Kapitals in seinem historisch hergeleiteten Sinne an den Begriff „Faschismus“ als dessen Endprodukt, denn das würde bedeuten, das „Kapitalisten“ notwendigerweise immer Faschisten waren/sind, was definitiv nicht stimmt.

Dass u.a. „Kapitalisten“ (nicht alle) in der historischen Situation vor 1933 - neben anderen Faktoren - Hitler an die Macht gebracht haben ist richtig.
Kapitalismus selbst hat keine Moral und ist immer auf Vorteilsnahme bedacht. Ist in dem Sinne auch keine Ideologie sondern ist auch eine “Qualität“ des menschlichen Geistes, nämlich dem der Gier. Und der moralischen Hemmungslosigkeit. - Aber: nicht jeder Kapitalist ist unmoralisch und handelt nach diesem Prinzip.

Du hast hier einen Systemansatz vor dem Hintergrund deiner theoretischen und praktisch gelebten politischen Überzeugungen, die ich respektiere. Ich habe nicht den Systemansatz - auch aufgrund meines biografischen Hintergrundes und habe dadurch mitunter ein großes Problem damit, mich (Partei)politisch zu verorten.

Mir ist es zu wenig, das Phänomen Faschismus auf eine Kapitalismuskritik zu reduzieren.

----------------------------------------------------------

Was ich zu „Faschistische Elemente“ gelernt habe, u.a. sind das:

das "Führerprinzip" (das in einem fortgeschrittenen faschistischen System ganz ohne eine reale Person auskommt, das „Prinzip“ reicht dann aus)

eine strenge Durchhierarchisierung der politischen Strukturen mit möglichst wenig Transparenz auch zwischen den einzelnen Hierarchieebenen,um diese sich gegenseitig kontrollieren zu lassen und damit immer unter Kontrolle zu haben.

Auch politische Eliten sind jederzeit austauschbar, im Zweifel durch Eliminierung.

Das Fehlen einer unabhängigen Justiz.

Ein hermetisches und nicht hinterfragbares System, in dem System-Zweifel durch Disziplinierung bis zu Inhaftierung oder gar Tod sanktioniert werden.

Massenhafte Inhaftierung nach willkürlichen Kriterien. Willkür ist ein zentrales Moment eines faschistischen Systems.


Ein solches hermetisches System im faschistischen Endstadium versetzt den Menschen in permanente Unsicherheit und macht ihn schließlich fremd mit sich selber Alles was heute stimmt, kann morgen umgeworfen sein. Der Mensch wird dadurch in seiner Identität im Tiefsten verunsicherheit und in seinem Innersten existenziell ausgehöhlt, alle zwischenmenschlichen Beziehungen sind zerschlagen. (s. Orwell)

------------------------------------------------


In welchem Maße solcherart fasch. Elemente in den einzelnen soz. Ländern Realität waren, können die besser beurteilen, die dort gelebt haben. In hohem Maße trafen sie sicher auf die stalinistische SU zu, und besonders "vulgär" in Rumänien, nachdem was ich gelesen habe.

Die DDR war aus meiner Sicht kein faschistischer Staat, nicht von ihrer Gründungsintention her und auch nicht von ihrer Praxis.
Es gab letztlich "zuviel" persönliche Freiheit in ihr vor dem Hintergrund einer gut gebildeten Bevölkerung.
Die Menschen waren nicht deprivatisiert, sondern hatten im Gegenteil enge soziale Kontakte und einen großen Freiraum hinsichtlich ihrer täglichen Lebensführung. Und haben selbstverständlich Lebensleistungen vollbracht.

Aber dennoch ist der überbordende Überwachungsapparat in der DDR der eigenen Bevölkerung gegenüber und die Tatsache von ca. 200.000 politisch Inhaftierten während der Dauer von 40 Jahren nicht weg zu diskutieren.

Ich denke in der DDR hatte sich systemisch vieles verselbständigt, was auch die politischen Eliten so nicht gewollt haben.
Aber darin liegt genau die Gefahr, dass ein System sich verselbständigt und - obwohl es viele Zweifel und Warnungen gibt - selbst von den staatstragenden Eliten nicht mehr sinnvoll gesteuert werden kann. Genau davon gibt es viele Beitrags-Beispiele im Forum - nach dem Motto: wir haben es gesagt, aber es wollte keiner hören.

(Ich habe neulich mal einen Spiegel-Artikel mit einem interview mit Günter Mittag in einem anderen Zusammenhang gepostet, in dem dieser sinngemäß sagte: er habe bereits Anfang der 80er Jahre schon gewusst, dass es wirtschaftlich nicht so weiter gehe - wer wenn nicht u.a. er hätte handeln können? - Das z.B. meine ich mit einem sich vom Menschen verselbständigendem System.)

Raiman hat einen sehr guten Ausdruck für die sehr spezielle Verfasstheit der DDR genannt, den ich leider andauernd vergesse, vielleicht kann er ihn nochmal für uns aufschreiben.


----------------------------------------------

Noch ein Stück zu Philosophie:

philosophische Theorien haben ja vom Leben abgeguckt und bilden den Fortschritt in der Entwicklung des menschlichen Geistes ab und sind aus meiner Sicht immer wieder eine lebendige Herausforderung was z.B . die Themen von Ethik und Moral angeht, deshalb sollten wir sie ruhig in unser praktisches Leben integrieren.

Die Feuerbach-These: „… sondern sie zu verändern.“ Veränderung bedarf einer definierten Qualität, Veränderung per se allein ist keine Veränderung.
Ich weiß was du meinst :-)


Ich schließe mal mit Hannah Arendt, deren Ausdruck vom „Denken ohne Geländer“ mir so gut gefällt.



Danke für den Verweis auf Dimitroff, dessen bewundernswerte - und erfolgreiche! - Haltung bei seiner Gerichtsverhandlung - man nicht genug würdigen kann!
.


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.10.2014 21:25 | nach oben springen

#79

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 21:40
von damals wars | 12.113 Beiträge

Ja, die Mittagsche Wirtschaftspolitik war der Genickbruch für die DDR, er musste für seine Verdienste genauso verehrt werden wie Schabowski


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#80

RE: SED-Mitgliedersuche!

in DDR Politik Presse 31.10.2014 22:33
von LO-Wahnsinn | 3.485 Beiträge

Zitat von Speedbus im Beitrag #1
Das es so war, wusste ich von mein Opa.
Es jetzt schriftlich zu sehen...verschlug mir die Sprache.

“Wenn Du Hitler gefolgt bist, um Deutschland zu dienen, so bist Du unser Mann".



Bei dem Schreiben ist Kontext lesen gefragt, sowie geschichtliches Kontext denken.
Der entscheidende Teil ist der obere Abschnitt, erst wenn man diesen gelesen und verstanden hat, erschliesst sich der Sinn des unteren Abschnitts.
Es ist also keinesfalls so gemeint wie der Threadersteller es aufgefasst hat, dass die Verbrecher unter den Nationalsozialisten in der SED herzlichst Willkommen waren.
Man darf den Kontext nicht nur darauf aufbauen, was man nach 1945 über die Nazis wusste, ihre Verbrechen etc.pp.
Man muss zu den Anfängen gehn, zu den Leuten die aus Überzeugung und nicht aus Eigennutz NationalSOZIALISTEN waren, diese möchte das Schreiben ansprechen.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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