#1

Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 29.10.2014 22:03
von Fall 80 | 171 Beiträge

Ist da was dran an der angeblichen Schleuse im Schifflersgrund? http://eichsfeld.thueringer-allgemeine.d...eust-1159260426


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#2

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 29.10.2014 22:59
von Gelöschtes Mitglied
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Ich will Deinen Thread nicht zerschreddern, @Fall 80 - zugegeben eine blöde erste Antwort. Aber mir will der Sinn solcher Agentenschleusen nicht einleuchten: Es bedurfte einiger organisatorischer Vorbereitungen wie z.B. den Abholer mit seinem PKW - und das Risiko, von einer BGS-Streife erwischt zu werden oder einem zufälligen Passanten aufzufallen, der sich das Kennzeichen des PKW notiert hat, erscheint mir doch recht groß.

Zumal es wesentlich einfachere Methoden gegeben haben dürfte: Ich unterstelle mal, dass das MfS durchaus in der Lage war, falsche BRD-Ausweise herzustellen, die nicht auf den ersten Blick als plumpe Fälschung entlarvt werden konnten. Was wäre einfacher, als den "Kundschafter des Friedens" an irgendeiner Raststätte der Interzonen-Autobahn in einen West-PKW steigen zu lassen? Oder per S-Bahn via Friedrichstraße nach West-Berlin und von dort aus weiter zu schicken?

Ich will nicht abstreiten, dass es solche Schleusen gab und dass sie auch genutzt wurden. Aber so richtig erschließt sich mir der Sinn nicht. Aber vielleicht kann hier jemand helfen.

Edit: Und auch die "Deutrans"-LKW, die man durchaus auf westdeutschen Straßen sah, wurden nicht lückenlos von den "zuständigen Organen der BRD" verfolgt. Möglichkeiten ohne Ende, Agenten im Westen abzusetzen.


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zuletzt bearbeitet 29.10.2014 23:02 | nach oben springen

#3

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 29.10.2014 23:33
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

manchmal war so etwas eben notwendig....Hatten wir aber als Thema schon mal


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#4

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 01:38
von StabsfeldKoenig | 2.618 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #3
manchmal war so etwas eben notwendig....Hatten wir aber als Thema schon mal


Folgende Gründe können eine Grenzschleuse, statt legaler Aus- bzw. Einreise (ggf. mit falschen Papiren bzw. über Drittstaaten) notwendig machen:

- Rückzug von aufgeflogenen Kundschaftern bzw. anderen Personen, nach denen gefahndet wird
- Ein- oder Ausschleusen von bewaffneten Kommandos bzw. Waffen
- Schleusung von Kurieren, die Material transportierten, welches an einem Grenzübergang nicht sicher vor dem Zoll verborgen werden konnte,
freibleibend weiterer Gründe.


Und ob Zoll und BGS da so ein Problem waren? Mit einer Quelle in der entsprechenden Einheit/Dienststelle war der Dienstbetrieb (Posten- und -Streifenpläne) voraussehbar.



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#5

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 02:00
von willie | 612 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #4
Zitat von Pitti53 im Beitrag #3
manchmal war so etwas eben notwendig....Hatten wir aber als Thema schon mal


Folgende Gründe können eine Grenzschleuse, statt legaler Aus- bzw. Einreise (ggf. mit falschen Papiren bzw. über Drittstaaten) notwendig machen:

- Rückzug von aufgeflogenen Kundschaftern bzw. anderen Personen, nach denen gefahndet wird
- Ein- oder Ausschleusen von bewaffneten Kommandos bzw. Waffen
- Schleusung von Kurieren, die Material transportierten, welches an einem Grenzübergang nicht sicher vor dem Zoll verborgen werden konnte,
freibleibend weiterer Gründe.


Und ob Zoll und BGS da so ein Problem waren? Mit einer Quelle in der entsprechenden Einheit/Dienststelle war der Dienstbetrieb (Posten- und -Streifenpläne) voraussehbar.




Oder auch nicht!
Denn "Grenzstreifenpläne" wurden unterschiedlich von GSA zu GSA geändert. Also nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt!
Die großen Unbekannten waren mit Sicherheit die eingesetzten "Sonderstreifen", "Einweisungen", "Grenzführungen" und nicht zu vergessen
die mit Sicherheit nicht angemeldeten und vorbereiteten Einsätze des Sachgebietes Sicherheit (I/S), der Fliegerstaffel und und und!!!!
Siehe hierzu Beitrag "unheimliche Begegnung".

Gruß Willie


...Rechtschreibfehler sind die Special Effects meiner Tastatur!...
zuletzt bearbeitet 30.10.2014 02:13 | nach oben springen

#6

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 04:56
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #2
Ich will Deinen Thread nicht zerschreddern, @Fall 80 - zugegeben eine blöde erste Antwort. Aber mir will der Sinn solcher Agentenschleusen nicht einleuchten: Es bedurfte einiger organisatorischer Vorbereitungen wie z.B. den Abholer mit seinem PKW - und das Risiko, von einer BGS-Streife erwischt zu werden oder einem zufälligen Passanten aufzufallen, der sich das Kennzeichen des PKW notiert hat, erscheint mir doch recht groß.

Zumal es wesentlich einfachere Methoden gegeben haben dürfte: Ich unterstelle mal, dass das MfS durchaus in der Lage war, falsche BRD-Ausweise herzustellen, die nicht auf den ersten Blick als plumpe Fälschung entlarvt werden konnten. Was wäre einfacher, als den "Kundschafter des Friedens" an irgendeiner Raststätte der Interzonen-Autobahn in einen West-PKW steigen zu lassen? Oder per S-Bahn via Friedrichstraße nach West-Berlin und von dort aus weiter zu schicken?

Ich will nicht abstreiten, dass es solche Schleusen gab und dass sie auch genutzt wurden. Aber so richtig erschließt sich mir der Sinn nicht. Aber vielleicht kann hier jemand helfen.

Edit: Und auch die "Deutrans"-LKW, die man durchaus auf westdeutschen Straßen sah, wurden nicht lückenlos von den "zuständigen Organen der BRD" verfolgt. Möglichkeiten ohne Ende, Agenten im Westen abzusetzen.


Dandelion,
Deine Gedanken zu dieser Thematik sind logisch.
Trotzdem war das Vorhandensein von Grenzschleusen schon notwendig.Versuche das am Beispiel von Personensschleusen zu verdeutlichen.
Nutzer von Personenschleusen waren Bürger aus Ost und West mit einem entsprechenden Sicherheitsbedürfnis.Persönlich bzw. der die Schleusung vornehmenden Abtlg.
Es gab Bürger aus der Bundesrepublik D.,deren Einreise in die DDR auf keinen Fall publik werden durfte.Hierzu gehörten zb. Quellen westlicher Geheimdienste(bundesdeutscher),mitunter mit operativen Material,aber auch bundesdeutsche Politiker und als IM platzierte Spitzenkräfte der Industrie.
Als wichtiger IM bekam man eine Rückzugsschleuse zugewiesen die man bei Enttarnung im Operationsgebiet nutzen konnte.Diese Grenzschleuse und eine Reserveschleuse war dann auch nur persönlich nutzbar.
Bei Schleusungen von IM in das Operationsgebiet waren die Grenzschleusen für mehrere Nutzer gebräuchlich.

seaman

.


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#7

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 07:56
von Hansteiner | 1.406 Beiträge

In meiner DZ 74-77 habe ich oft auf der Füst "Kiesgrube" Dienst gemacht.
Im Bereich Schifflersgrund war von uns Tag/Nacht ein mot. Po eingesetzt. Mir ist nichts bekannt über irgendwelche "anderen" Aktivitäten in diesem Bereich. Dort war auch Nachts immer Bewegung im westl. Vorfeld, wie es genannt wurde. Also es gab da unten weit aus bessere Stellen für solche Aktionen.
Obwohl der gesammte Abschnitt der damaligen 12.GK Wahlhausen immer für Überraschungen bekannt war, langweilig war der Abschnitt nicht !

VG H.



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#8

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 08:56
von SET800 | 3.094 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #6

Es gab Bürger aus der Bundesrepublik D.,deren Einreise in die DDR auf keinen Fall publik werden durfte.Hierzu gehörten zb. Quellen westlicher Geheimdienste(bundesdeutscher),mitunter mit operativen Material,aber auch bundesdeutsche Politiker und als IM platzierte Spitzenkräfte der Industrie. seaman


Hallo,
Material, konnten das nicht zuverlässig und unter voller Konspiration die Dienstfahrzeuge der sovjetischen Militärmissionen transporttieren?
Ich denke deren Gepäck wurde grundsätzlich nicht gefilzt von Westorganen.



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#9

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 09:02
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #8
Zitat von seaman im Beitrag #6

Es gab Bürger aus der Bundesrepublik D.,deren Einreise in die DDR auf keinen Fall publik werden durfte.Hierzu gehörten zb. Quellen westlicher Geheimdienste(bundesdeutscher),mitunter mit operativen Material,aber auch bundesdeutsche Politiker und als IM platzierte Spitzenkräfte der Industrie. seaman


Hallo,
Material, konnten das nicht zuverlässig und unter voller Konspiration die Dienstfahrzeuge der sovjetischen Militärmissionen transporttieren?
Ich denke deren Gepäck wurde grundsätzlich nicht gefilzt von Westorganen.



Diese Fahrzeuge standen doch sowieso schon unter Beobachtung.....
Von diplomatischen Verwicklungen mal abgesehen.
Man hätte damit auch eigene Quellen-und Netze offenlegen müssen.

seaman


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#10

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 09:15
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #8

Hallo,
Material, konnten das nicht zuverlässig und unter voller Konspiration die Dienstfahrzeuge der sovjetischen Militärmissionen transporttieren?
Ich denke deren Gepäck wurde grundsätzlich nicht gefilzt von Westorganen.



Ist auch gemacht worden und zwar nachweislich in Richtung West/Ost. Nach dem Übertritt von Werner Stiller wurde IM »Klaus« alias Reiner Fülle, (stellvertretender Verwaltungsdirektor bei der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK)) zunächst 1979 verhaftet, konnte aber auf dem Weg in die U-Haft flüchten. Er gelangte unerkannt in die sowjetische Militärmission in Baden-Baden und wurde von dort in einer Holzkiste in die DDR geschleust.

Schlupftore im GZ I an nicht einsehbaren Stellen waren auch an anderen Orten üblich, z.B. OGS "Wurzel" in Rothesütte oder OGS am BT "Haus 50" (Erlenweg Nr. 50) im SiA I (Kleinmachnow/Zehlendorf) des GR-44 . Mit letzerer in Verbindung stand möglicherweise das in der Nähe befindliche ehem. konspirative Objekt Machaweg Nr. 6 der HA VIII, welches evt. als Treffobjekt für die von der HA VIII/14/3 geschleusten IM/OG (Ermittler/Beobachter) diente.

Vom Gelände her war der Bereich Heierskopf/Schifflersgrund auf thüringischer Seite und der Sickenberg auf BRD-Seite sicher nicht ungeeignet für Schleusungen. Aber auch das "Alte Hainsbach" Tal an der Hainsmühle war m. E. günstiges Schleusungsterrain. Unter den vielen fremden Kurgästen in Bad Sooden-Allendorf fielen die "Weltenwanderer" sicherlich nicht groß auf.

Gruß Kalubke





Harzwanderer und Fall 80 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.10.2014 12:43 | nach oben springen

#11

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 12:37
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von seaman im Beitrag #6

Es gab Bürger aus der Bundesrepublik D.,deren Einreise in die DDR auf keinen Fall publik werden durfte.Hierzu gehörten zb. Quellen westlicher Geheimdienste(bundesdeutscher),mitunter mit operativen Material,aber auch bundesdeutsche Politiker und als IM platzierte Spitzenkräfte der Industrie.
Als wichtiger IM bekam man eine Rückzugsschleuse zugewiesen die man bei Enttarnung im Operationsgebiet nutzen konnte.Diese Grenzschleuse und eine Reserveschleuse war dann auch nur persönlich nutzbar.
Bei Schleusungen von IM in das Operationsgebiet waren die Grenzschleusen für mehrere Nutzer gebräuchlich.

seaman



Stimmt, ich habe wohl zu sehr in Richtung "Einbahnstraße Ost => West" gedacht. Und ein im Westen enttarnter IM konnte kaum in Ruhe einen Flieger besteigen, nach Tegel fliegen und von dort aus über die Friedrichstraße wieder die DDR erreichen. Auch an die, deren Einreise nicht publik werden durfte, habe ich nicht gedacht: Die Überwachungsmethoden auf der West-Seite erreichten zwar nicht annähernd den Umfang der anderen Seite, aber es wäre naiv, zu glauben, dass nicht auch dort genügend "Augen" unterwegs waren. Und ein Promi aus Wirtschaft oder Verwaltung wäre schon in arge Erklärungsnöte gekommen, wenn er bei der Ausreise aus dem Westen erkannt worden wäre.

So langsam erschließt sich mir der Sinn solcher Schleusen.

Dennoch eine Frage: Wie lief das ab, wenn jemand ungeplant in die DDR wollte? Ein aufgeflogener IM zum Beispiel, der seinen Häschern gerade noch entkommen konnte? Schröder hat ja mal bekanntlich an dem Gitter des Kanzleramts gerüttelt und "Ich will hier rein" gerufen, aber so dürfte es an den Schleusen wohl kaum zugegangen sein.


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 13:00
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #11

Dennoch eine Frage: Wie lief das ab, wenn jemand ungeplant in die DDR wollte? Ein aufgeflogener IM zum Beispiel, der seinen Häschern gerade noch entkommen konnte? Schröder hat ja mal bekanntlich an dem Gitter des Kanzleramts gerüttelt und "Ich will hier rein" gerufen, aber so dürfte es an den Schleusen wohl kaum zugegangen sein.



Eine der hochsensibelsten Bereiche für Geheimdienste ist das sog. Verbindungswesen.
Da machte auch die Arbeit mit IM im Operationsgebiet(OG) keine Ausnahme.
Es gab ein Warnsystem,mitunter in verschiedenen Stufen,das die Zentrale in Ostberlin aktivierte und den Rückzug des IM einleitete.
Es gab u.a. Kuriere,Funk,Post bzw.kontinuierlich in Intervallen besuchte Anlaufpunkte mit "Botschaften",wie "Gefahr" oder dringende Treffanforderung bzw. Leerung eines toten Briefkastens (TBK).
Wenn die Gefahr einer drohenden Verhaftung/Enttarnung bestand spulte der betreffende IM sein vorgegebenes Programm ab.So zb. die Vernichtung aller belastenden Mittel die eine geheimdienstliche Tätigkeit beweisen könnten.Dann bekam er auf unterschiedlichen Wegen die weiteren Vorgehensweisen und den Ort seiner Schleusung,die von östlicher Seite vorbereitet war mitgeteilt.

Jede Schleusung sollte man vom Vorgehen immer individuell betrachten.
Für Personen die für das MfS tätig waren und ungeplant in die DDR wollten wurde dieses Verbindungswesen ebenfalls genutzt und ein Termin angefordert.

seaman


zuletzt bearbeitet 30.10.2014 13:08 | nach oben springen

#13

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 13:00
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #11


....

Dennoch eine Frage: Wie lief das ab, wenn jemand ungeplant in die DDR wollte? Ein aufgeflogener IM zum Beispiel, der seinen Häschern gerade noch entkommen konnte? Schröder hat ja mal bekanntlich an dem Gitter des Kanzleramts gerüttelt und "Ich will hier rein" gerufen, aber so dürfte es an den Schleusen wohl kaum zugegangen sein.
...



In dem Beitrag "STASI-SPIONE Geheimcode Karla" (Spiegel vom März 1997 glaube ich),

ist das mal beschrieben worden:

Ein bizarres Pfadfinderspiel. Laut MfS-Anweisung sollten Spione, denen Enttarnung und damit Verhaftung im Westen drohte, ein Telegramm an eine Deckadresse absetzen. Inhalt: „Karla trifft am . . . um . . . Uhr bei Euch ein. Holt sie bitte vom Bahnhof ab.“ Der Hilferuf erreichte Oberleutnant Stephan, Schleusungsexperte in Mielkes Berliner Hauptquartier. Sonderoffizier Stephan veranlaßte, daß über die im Raum Zicherie zuständige 1. Grenzkompanie Jahrstedt des GR-23 Kalbe Milde der „bezeichnete Grenzabschnitt von Grenzposten frei“ gemacht wurde. Höchstpersönlich führte er den Heimkehrer durch die „konspirative Minengasse“.

Konspiration total.

War eine Telegrammaufgabe in der Eile nicht möglich, hatte sich der „Kundschafter“ direkt bei den DDR-Grenzern unter dem Vorwand zu melden, er wolle als Westdeutscher in den SED-Staat übersiedeln. Das Stasi-Drehbuch weiter: „An diese Legende müssen Sie sich auch im weiteren Verlauf halten.“ Eine begründete Vorsichtsmaßnahme. Denn in der Grenzkompanie könne es geschehen, „daß Sie einer Befragung durch Offiziere der NVA-Grenze unterzogen werden, obwohl sie dazu nicht berechtigt sind“.

Erst wenn die Stasi-Kollegen Hauptmann Sänger oder Hauptmann Franke aus der Zentrale ins ferne Jahrstedt geeilt waren, durfte der vorgebliche Westflüchtling die Maske fallen lassen. Die „Kundschafter“ hielten die Spielregeln ein. Selbst nach dem Untergang des Mielke-Imperiums wurde der Schleier über den Grenzschleusen bisher nicht gelüftet. Die Spuren der Schleuser und Geschleusten verlieren sich im Dickicht der Stasi-Akten.


Auch in der BGS-Fachzeitschrift "Fortbildung Aktuell" Nr. II/88, die her mal eingestellt, aber leider wieder gelöscht wurde, sind Beiträge darüber enthalten.

Das anscheinend nicht mehr unter uns weilende Foren-Mitglied @larissa hat in Meine Flucht in den Osten wie ich finde eindrucksvoll ihren Übertrittsversuch beschrieben, der aufgrund widriger Umstände scheiterte.

Gruß Kalubke



Fall 80 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.10.2014 13:42 | nach oben springen

#14

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 13:39
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Zitat von Hansteiner im Beitrag #7

....
Obwohl der gesammte Abschnitt der damaligen 12.GK Wahlhausen immer für Überraschungen bekannt war, langweilig war der Abschnitt nicht !
....

VG H.


Meinst Du damit u.a. auch das "friendly fire" (KK-Beschuss von Wahlhausener Wohnhäusern) von 1989?

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 30.10.2014 13:40 | nach oben springen

#15

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 13:55
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #13


In dem Beitrag "STASI-SPIONE Geheimcode Karla" (Spiegel vom März 1997 glaube ich),

ist das mal beschrieben worden:

[i]Ein bizarres Pfadfinderspiel. Laut MfS-Anweisung sollten Spione, denen Enttarnung und damit Verhaftung im Westen drohte........

Wer solche Aktionen als bizarres Pfadfinderspiel bezeichnet .......
Es ging für die Betroffenen hierbei um ein paar Jahre Knast und nicht um die Teilnahme an einem gemeinsamen Lagerfeuer am Abend.


Konspiration total.
Das zeichnet einen gut funktionierenden Geheimdienst aus und ist die Grundregel


Gruß Kalubke



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#16

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 14:26
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Na ja, über die oft flapsige Ausdrucksweise von Journalisten brauchen wir uns wohl nicht streiten, oder?

Gruß Kalubke



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#17

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 14:29
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #16
Na ja, über die oft flapsige Ausdrucksweise von Journalisten brauchen wir uns wohl nicht streiten, oder?

Gruß Kalubke


Normalerweise nicht.
Leider bleiben aber bei vielen Menschen diese Floskeln hängen und der Kalte Krieg zwischen den Geheimdiensten erscheint dann wie ein "Räuber+Gendarm-Spiel".
Damit wird man den Beteiligten beider Seiten nicht gerecht.

seaman


zuletzt bearbeitet 30.10.2014 14:33 | nach oben springen

#18

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 14:34
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von seaman im Beitrag #17
Leider bleiben aber bei vielen Menschen diese Floskeln hängen und der Kalte Krieg zwischen den Geheimdiensten erscheint dann wie ein "Räuber+Gendarm-Spiel".
seaman


Wohl wahr.
Aber was diese Floskeln angeht: Die finden sich nicht nur rechts und links der ehemaligen Grenze, das scheint ein weltweites Phänomen zu sein: Gröhlen statt denken.


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 14:39
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Die Mühe eines tieferen Einstieges in die Zeitgeschichte machen sich sicher auch die Wenigsten.

Gruß Kalubke



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#20

RE: Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg

in Spionage Spione DDR und BRD 30.10.2014 20:03
von Gelöschtes Mitglied
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Zu meiner Zeit 76/77 war auf der Gobert noch der alte Doppelzaun aus Stacheldraht. Da oben war ja kaum ein Posten. In der Frühschicht die K 6 Kontrolle und sonst in unregelmäßigen Abständen mal Grenzstreife vom Mot Posten auf der Hessel. Das Gelände war ideal für Übertritte, da es von beiden Seiten kaum eingesehen werden konnte. Im westlichen Vorfeld waren selten Zivilisten und die Streifentätigkeit von Zoll und BGS hielt sich in Grenzen. An einer Stelle wo der Zaun einen Knick machte und der K 6 sehr steinig war, konnten auch Fahrzeuge Queren. Der sah aus, als wenn ein provisorisches Tor geöffnet werden kann. Der Abschnitt wurde in dieser Zeit auch mehrmals komplett Postenfrei gemacht.

Der Hesselfuchs


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