#261

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 18:46
von Telamon | 129 Beiträge

Ich werde aus Dir einfach nicht schlau, auf welchen Weg Du uns führen willst.
Ich habe auch eine Stasiakte die 8 Aktenordner umfasst, aber solchen Schrott würde ich nicht veröffentlichen.
Was willst Du sein Held, Opfer, Wichtigtuer oder wirklicher Zeitzeuge. Ich verstehe Dich nicht, mach Dich doch nicht selbst lächerlich.
Trotzdem bist Du eine Persönlichkeit die ich achte, aber das ist Dir bestimmt auch egal.



nach oben springen

#262

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 18:47
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

Also wenn man diesen Stasi-Bericht liest (und das ist gar nicht so einfach, man ermüdet und muss nochmal lesen), kann man nur den Kopf schütteln mit welcher Akribie völlig unbedeutende Dinge aufgeschrieben wurden. Naja der Apparat mit 80 000 ? Mitarbeitern musste beschäftigt werden.

Wie geht es weiter?

MfG

GKUS64


nach oben springen

#263

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 18:58
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Telamon im Beitrag #261
Ich werde aus Dir einfach nicht schlau, auf welchen Weg Du uns führen willst.



Erstens heisse ich nicht Jesus, der Menschen auf einem Weg führen will und zweitens ist vielleicht der Weg das Ziel?

Ich habe 2. Mal in meinem Leben das Buch von Hermann Hesse, Siddharta, gelesen und habe als Quintessenz vieles zu meiner eigenen Weltanschauung gemacht. Wer es noch nicht gelesen hat, sehr empfehlenswert:

http://de.wikipedia.org/wiki/Siddhartha_(Hesse)


Telamon hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#264

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 18:59
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Bernd, was heißt unbedeutende Dinge? Wen ich meine lese(Stasiakte) dann weiß ich wenigstens wer vor ca.40 Jahren bei mir zum Geburtstag gewesen ist, was gesagt und getrunken wurde! Könnte mich heute kaum noch daran erinnern! Gut, das es solche damaligen Schreiberlinge gab!
So, traurig wie es war! Aber man muss beim lesen, eben auch schon mal lachen! Der Rest, ist natürlich schlimm und man schüttelt, beim lesen, nur mit dem Kopf, was sich die IMs für eine Mühe gemacht haben, aus einer Mücke einen Elefant zu machen! Klar ihr Führungsoffizier, wollte ja was hören!
grüsse steffen52


GKUS64 und Hapedi haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#265

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 19:05
von Telamon | 129 Beiträge

Richtig, ich wurde 3 Jahre von 5 IM überwacht und dazu kamen noch die hauptamtlichen mit meistens gelben Wartburg und alle haben ein Bericht geschrieben. Wenn ich diesen Schrott von damals hier einstellen würde, würdet ihr alle einschlafen.



nach oben springen

#266

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 19:17
von andyman | 1.877 Beiträge

@Reinhardinho
Hallo und willkommen im Forum.Starker Thread bisher,du mußt viel Zeit und Lust zum schreiben haben,trotz der Kommentare die teilweise echt grenzwertig sind.Gruß aus Südschweden andyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
Telamon und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#267

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 19:21
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von andyman im Beitrag #266
@Reinhardinho
Hallo und willkommen im Forum.Starker Thread bisher,du mußt viel Zeit und Lust zum schreiben haben,trotz der Kommentare die teilweise echt grenzwertig sind.Gruß aus Südschweden andyman


Grenzwertig, wie Teile meines Lebens. Zeit ja, als arbeitsloser Opa. Haushalt, Enkelkind, bestimmte Arbeiten.....Lust zum Schreiben sowieso. Die Regierung Deiner offenbaren Wahlheimat Schweden hat ja auch gerade eine grenzwertige Entscheidung mit der Anerkennung des palästinensischen Staates getroffen. Wo Du Passagen meiner Ausführungen als "grenzwertige" betrachtest, würde mich gerade von Dir sehr interessieren. Vielleicht bin ich ja noch lernfähig?

Gruß nach Schweden


zuletzt bearbeitet 31.10.2014 19:25 | nach oben springen

#268

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 19:21
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von steffen52 im Beitrag #264
Bernd, was heißt unbedeutende Dinge? Wen ich meine lese(Stasiakte) dann weiß ich wenigstens wer vor ca.40 Jahren bei mir zum Geburtstag gewesen ist, was gesagt und getrunken wurde! Könnte mich heute kaum noch daran erinnern! Gut, das es solche damaligen Schreiberlinge gab!
So, traurig wie es war! Aber man muss beim lesen, eben auch schon mal lachen! Der Rest, ist natürlich schlimm und man schüttelt, beim lesen, nur mit dem Kopf, was sich die IMs für eine Mühe gemacht haben, aus einer Mücke einen Elefant zu machen! Klar ihr Führungsoffizier, wollte ja was hören!
grüsse steffen52

Hallo, Steffen!
Gebe ich Dir recht,wenn man den Mist ließt,konnte man schon lachen,aber heute weiß ich wenigsten,wie meine Wohnung damals aussah.
Das es IMs in der Kompanie gab,die mit einen in den Ausgang gingen und dann Berichte abgaben,finde ich schlimm.
Erstaunlich ist,das in der Akte vermerkt wurde,"Verdacht auf Republikflucht" und ich aber weiter meinen Dienst am Kanten tun durfte.
Soweit dazu,weitere Details spare ich mir.
Gruß Rei


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#269

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 19:29
von Telamon | 129 Beiträge

Das nahm man nicht so genau, bei mir jedenfalls. Ich bin nach meinem Ausreiseantrag auch noch Schnellzüge gefahren. Ich kann mich noch erinnern an dem Schnellverkehr von Rostock nach Berlin wurde ein Salonwagen angehangen wo Mitglieder des Politbüro drin sein sollten. Ich war der Lokführer. Das Aufwachen kam erst später.



nach oben springen

#270

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 19:40
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Telamon im Beitrag #261


Was willst Du sein i.....
Trotzdem bist Du eine Persönlichkeit die ich achte, aber das ist Dir bestimmt auch egal.


Als ich als Kind erst Offizier und Papst werden wollte, wollte ich später eine Persönlichkeit sein. Persönlichkeit im Sinne eines weisen, toleranten und verstehenden Menschen, der nie aufgibt zu lernen und der stets in der Lage ist, sich zeitgemäßen Dingen (anzupassen) zu stellen. Dafür braucht man ein ganzes Leben. Du bescheinigst mir dies, was ich ganz toll finde und was mir keineswegs egal ist. Du beschämst mich eher mit dieser Aussage. LENIN, den ich im anderen Zusammenhang in diesem Forum heute schon bemühte, sagte. "Lernen, lernen und nochmals lernen!".


Telamon und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.10.2014 19:53 | nach oben springen

#271

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 20:25
von andyman | 1.877 Beiträge

Zitat von Reinhardinho im Beitrag #267
Zitat von andyman im Beitrag #266
@Reinhardinho
Hallo und willkommen im Forum.Starker Thread bisher,du mußt viel Zeit und Lust zum schreiben haben,trotz der Kommentare die teilweise echt grenzwertig sind.Gruß aus Südschweden andyman


Grenzwertig, wie Teile meines Lebens. Zeit ja, als arbeitsloser Opa. Haushalt, Enkelkind, bestimmte Arbeiten.....Lust zum Schreiben sowieso. Die Regierung Deiner offenbaren Wahlheimat Schweden hat ja auch gerade eine grenzwertige Entscheidung mit der Anerkennung des palästinensischen Staates getroffen. Wo Du Passagen meiner Ausführungen als "grenzwertige" betrachtest, würde mich gerade von Dir sehr interessieren. Vielleicht bin ich ja noch lernfähig?

Gruß nach Schweden


@Reinhardinho
Kleines Mißverständnis,meine Heimat Vorpommern gehörte von 1630-1815 zum schwedischen Königreich http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_s...sche_Einordnung ,untereiander im Freundeskreis nannten wir uns "Südschweden" .
Das auch aus Symphatie zum schwedischen Lebensstil die dem vorpommerschen ganz ähnlich ist.
Deine Ausführungen sind nicht mit grenzwertig gemeint,sondern die teilweisen Reaktionen darauf.Lgandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#272

gelöscht

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.11.2014 11:09
von Gelöschtes Mitglied
avatar

gelöscht


zuletzt bearbeitet 01.11.2014 12:41 | nach oben springen

#273

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.11.2014 15:41
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Vorhandenes operatives Material zu dem Westberliner Bürger Ahrens, Reinhard

Ahrens verließ am 20.9.1970 ungesetzlich die DDR und wurde in der Folgezeit in einem operativen Vorgang bearbeitet, da er einen DDR-Bürger postalisch zur Spionagetätigkeit aufgefordert hatte. In diesem Brief schrieb er u.a. …wenn Du Lust hast, ein bisschen Spionage zu machen…

Gegenüber dem IMS „Angler“, welcher im April 1972 in unserem Auftrag den A. in Westberlin besuchte, zeigte A. durch seine Fragestellungen (mit Antworten, die mir quasie in den Mund gelegt wurden) Interesse an militärischen Objekten in und um Berlin. Desweiteren gab er dem IMS „Angler“ für den P. Rauschgift mit.

Ab 1973 reiste A. erstmalig (Spätherbst 1972, Amnestie, Grundvertrag, Egon Bahr) und danach sehr oft in die DDR-Hauptstadt und in den Kreis Bernau ein. Es kam der persönliche Kontakt zu P. (zur Bearbeitung im Vorgang zur iffz. Zusammenarbeit mit dem MfS geworben – IMV „Steinthal“) zustande. Bei einem solchen Zusammentreffen mit dem IM gab A. an, diesen Brief im Auftrage des US-GD geschrieben zu haben. Er vertröstete den IM aber stets von Treffen zu Treffen, wo er ihm angeblich Details über seine Verbindung zum Amerikaner und die Nutzung des IMV durch den US-GD berichten wollte. Mehrmals gab er an, er hätte den Amerikaner nicht erreicht und versprach, diesen aufsuchen zu wollen.

Die Verbindung Ahrens – IMV „Steinthal“ wurde immer loser und brach im Februar 1974 völlig ab.

Desweiteren wurde in einer Absprache mit der KD Weissensee am 15.1.1975 bekannt, dass die Person P. (IMV „Steinthal“) den A. davon in Kenntnis gesetzt hat, dass er Verbindung zum MfS unterhält und welche Aufgaben er übertragen bekam. P. hat auch seinen Decknamen genannt. (Dass "outing" muß wesentlich früher gewesen sein, denn 1975 durfte ich schon lange nicht mehr einreisen und am 5.8.1975 durfte Barbara R. ja zu mir ausreisen)

(Ich erinnere mich daran noch sehr gut. Wir befanden uns in der Wohnung von Marion H. in der Bizetstraße in Weissensee. Die Stasi nannte dies konspirativen Treffpunkt. Ich war dort mit Bärbel und Freunden und Freundinnen von Bärbel (meine Verlobte Barbara R.) und wir machten einfach nur Party. Burghard, ein etwas brummiger, grobschlächtiger Geselle, war verdachtsfrei auch dabei. Ich war gerade in der Küche am brutzeln. Arme Ritter – Stulle mit Ei in der Pfanne gebraten, denn mehr konnte ich damals noch nicht. Da kam Burghard zu mir in die Küche und outete sich. Ich tröstete ihn sogar, etwa mit den Worten: „Ist schon gut alter Kumpel“. Ich nahm das gar nicht so für voll und es war mit letztlich auch egal. Musste er ja mit klar kommen. Warum er sich aber "outete" ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. Aus Liebe zu mir kann es nicht gewesen sein, denn so dicke Freunde waren wir nie, eher gute Kumpels.)

Da die Dekonspiration des IMV „Steinthal“ schon zu Beginn der Einreisen des A. erfolgte, sind die im Vorgang „Kaufmann“ durch den IMV erzielten Aufklärungsergebnisse anzuzweifeln. Außerdem wird dadurch klar, warum A. offensichtlich gut vorbereitet zu den Aussprachen mit dem MfS erschien. (Dies waren weitere von vielen Fehleinschätzungen des MfS. "...zu Beginn..." stimmt zeitlich nicht. Eine gute Vorbereitung hatte ich gar nicht nötig und Burghards „outing“ hatte damit auch gar nichts zu tun)

Alle meine Versuche, anhand der Stasi-Akte hier in die Geschichte eine gewisse Chronologie herein zu bringen, sind immer wieder zum Scheitern verurteilt. Das Chaos liegt in der Bürokratie der DDR-Behörden. Die Weitergabe der erarbeiteten Erkenntnisse von Dienststelle zu Dienststelle muss man sich so vorstellen, wie bei einer stillen Post. Der eine sagte dem anderen etwas, der dies wieder weiter sagt. Schlussendlich war ich dann auch noch Kurier einer Schleuserbande. Für einen Fall wurden 3-4 Dienststellen informiert, die dann wieder Ihre Einschätzung abgaben. Die kamen gar nicht so schnell hinterher, wie sie von mir Arbeit bekamen. Daher gibt es auch eine Unmenge zeitlicher und sachlicher Fehler. Ich muss auch gestehen, dass ich mich so, wie in den letzten Tagen, als ich hier im Forum "aufschlug", noch nie mit der Akte, 800 Seiten Reinhard, 800 Seiten Barbara, die aber auch in unmittelbarem Zusammenhang mit Reinhard stehen, beschäftigt hatte. Warum auch? Ich las zwar ab und an mal darin, weil ich natürlich auch neugierig war, besonders, wer die IM's waren. Las, wie meine Schwiegereltern unter Druck gesetzt wurden etc., aber, wie gesagt, so intensiv wie jetzt noch nicht. Den Rest des Chaos hat dann die Gauckbehörde vollbracht. Die die Akten ja teilweise schwärzen mussten, was sie aber auch nicht ganz korrekt machten und so sind viele Klarnamen auch einfach lesbar geblieben und diese kopierten und teilweise geschwärzten Seiten packten sie dann einfach irgendwie zusammen. Müsste ich mir die Mühe machen, z. B.. für ein Buch, anhand der Akten eine Chronologie aufzubauen, dürfte es Wochen und Monate dauern, um Ordnung in dieses Chaos zu bringen.

So kann ich Euch nur weiter aus meinem Gedächtnisprotokoll in meiner pointierten Form hier die Geschichte erzählen, wobei ich dann Eure Fragen beantworten werde und dies mit Unterstützung von einzeln gescannten Seiten der Akte zu belegen versuchen werde.


94, Kalubke und GKUS64 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.11.2014 16:15 | nach oben springen

#274

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.11.2014 11:34
von Barbara (gelöscht)
avatar

Ich möchte mich nicht in die Art und Weise deiner Darstellungen einmischen, aber für mich wäre es sehr hilfreich, so ein faktisches Gerüst der Ereignisse zu haben und in etwa zu wissen worauf es eigentlich hinausläuft.
Dass die Arbeit des MfS u.a. auch in einer gigantischen Bürokratieerzeugung bestand, davon bin ich inzwischen restlos überzeugt.

also:
- Flucht
- Brief an Kumpel, der eher von der "rechten" Fraktion war (deshalb auch die "anspielenden SS-Runen" in deinem Brief zu Anfang?)
- der dann IM und auf dich angesetzt wurde, was in jeder Hinsicht ein Schuss in den Ofen war
- relativ problemloses häufiges Einreisen für dich in die DDR
- Kennenlernen deiner späteren Ehefrau
- die stellt einen Ausreiseantrag und steht unter Beobachtung des Mfs, ebenso wie du

soweit habe ich bis jetzt verstanden, ist korrekt?

Was passierte dann weiter?
.


nach oben springen

#275

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.11.2014 11:42
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Barbara im Beitrag #274


soweit habe ich bis jetzt verstanden, ist korrekt?

Was passierte dann weiter?
.


Das ist völlig korrekt. Ich werde täglich etwas weiter schreiben. Heute mache ich allerdings Königsberger Klopse.

Vielen Dank für Deine Mühe und Dein Interesse sowie freundliche Grüße

Reinhard

P.S.:

Zitat
Brief an Kumpel, der eher von der "rechten" Fraktion war (deshalb auch die "anspielenden SS-Runen" in deinem Brief zu Anfang?)



Das ist auch ein Grund mit, weshalb ich mich mehr und mehr von ihm distanzierte!


zuletzt bearbeitet 02.11.2014 11:49 | nach oben springen

#276

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.11.2014 18:17
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Die Klopse sind gut geworden, was meine kritische Frau mir bestätigte. Nun habe ich doch noch etwas als Sonntagabend-Lektüre vollbracht:

- relativ problemloses häufiges Einreisen für dich in die DDR
- Kennenlernen deiner späteren Ehefrau
- die stellt einen Ausreiseantrag und steht unter Beobachtung des Mfs, ebenso wie du

Die letzten drei Punkte sind eigentlich einer, weil sie sich ergänzen.

Als weiter. Die Zeit vom Herbst 1972 bis zum Sommer 1974 war eigentlich eine sehr schöne, glückliche Zeit. Bärbel kannte ich ja schon, denn sie war ja Angelikas Schwester. Aber nach meiner Wiedereinreise (Amnestie, Grundvertrag, Egon Bahr) hielt ich mich erst bei meiner Mutter, dann, durch Claus, in den homosexuellen Tänzerkreisen des Friedrichstadtpalastes auf. Hatte eine kurze Liaison mit Martina K., bis ich dann eine „Rückverbindung“ (Stasi-Sprech) zu meiner alten Clique in der Stadtrandsiedlung aufnahm. Angelika war ja bereits verheiratet, hatte eine Tochter. Die Gruppe um Bärbel fragte mich einmal bei einem Besuch, ob ich nicht Lust hätte zu einer Tanzveranstaltung ins Volkshaus nach Weissensee mit zu kommen. Klar, machte ich. Bei Rausgehen funkte es. Der erste Kuss und die Geschichte nahm seinen Lauf.

Ich wurde dann zu einem sogenannten „Rundläufer“ (wenn ich mich richtig an den Ausdruck in der Stasi-Akte erinnere). Das bedeutete in der Praxis, das ich mehrere Tagesvisa bei der Passierscheinstelle, meistens in der Jebensstraße am Bhf. Zoo, hinter einander beantragt hatte und auch genehmigt bekam. Es fällt mir beim Schreiben gerade ein, das es so einen Neuner (?)-Schein gab, wo die genehmigten Tage vermerkt waren. Ich reiste um 24 Uhr aus und um 1 Uhr wieder ein. Mit dem Wolga-Taxi war ich schnell in Weissensee. Dies meistens ja nur an den Wochenenden oder im Urlaub, denn ich arbeitete ja „nebenbei“ auch.

Nur immer einen Schlafplatz zu finden, war schon eine logistische Herausforderung. Da halfen stets Bärbels Kontakte, die mindestens genau so kontaktfreudig und kommunikativ ist, wie ich es ja auch bin, wenn wir nicht bei meiner Mutter im Haus übernachteten. Da die aber im Kreis Bernau wohnte, musste sie immer sehr umständlich ein Visum für mehrere Tage für mich beantragen, was auch immer eine gewisse längere Zeit dauerte. Einmal schliefen wir in Lindenberg in einer LPG-Bude und einmal in Lichtenberg oder Hohenschönhausen in einem Wohnobjekt des MfS, wie Freunde uns später verrieten. Zu ihren Eltern durfte ich ja nicht, weil der Vater, Kraftfahrer, in der Freizeit Jäger und dadurch auch ABV-Helfer war und im Haus eine Flinte in einem verschlossenen Metallschrank verwahrte.

Es blieb nicht aus, das Bärbel auch einmal schwanger wurde. Da eine gemeinsame Zukunft noch sehr im Dunkeln lag, entschlossen wir uns gemeinsam zu diesem Schritt, einen Schwangerschaftsabbruch. In der DDR hat das ja fast der Klinik-Pförtner gemacht und war relativ problemlos. Im Juli 1973 zeichnete sich ab, das die DDR wohl die Schlussakte der Helsinki-Abkommen (KSZE) ratifizieren werden wird und so tippte ich in Westberlin ein Manuskript, welches Bärbel dann ab- und unterschrieb und zu einer entsprechend zuständigen Dienststelle in den Rat des Stadtbezirks Weissensee brachte und dort abgab. Einen Ausreiseantrag!

Der Sommer 1973 war am schönsten. Die Ruhe vor dem Sturm. Bärbel war mit ihren Freundinnen und Freunden auf einem Zeltplatz in Ruhlsdorf an einem Kiessee, wo ich täglich hinfuhr, denn Urlaub hatte ich ja auch. Bärbel war zu dieser Zeit in der Ausbildung als Einzelhandelskauffrau in der Kaufhalle Franz-Mehring-Platz. Ich fuhr mit der S-Bahn nach Bernau. Dort stand schon der Ikarus-Bus zur Abfahrt bereit. Abends bis 24 Uhr zurück zur Grenze. Es war herrlich, eine Jugendclique, wie ich es vorher noch nicht erlebt hatte. Einer holte Bier aus dem etwas entfernten Dorf in einer Siphonflasche, so eine große mit dem Plopp-Verschluss, Steingut mit Gummiring oder einfach nur in einer Milchkanne. Und wir ließen uns die Sonne auf die Bäuche scheinen und dachten nicht an Stasi oder sonstige schlimmen Dinge. Hörten Beatles und Stones. Einmal verpasste ich den Bus in Bernau, weil die Grenzkontrolle wohl etwas länger dauerte. Ich musste also trampen, per Anhalter fahren.
Daumen raus und schon hielt ein, nein, kein Trabi. Es war ein LKW mit einer Ladefläche und einer Plane und an der Ladeklappe war ein großer weißer Punkt. Drei Mal dürft Ihr raten, was das war? Es war ein Lastwagen voll mit Soldaten der sowjetischen Garnison in Bernau, der mich mitnahm. Ein Westberliner Bürger trampt in der DDR, mit einem Tagesvisum nur für Berlin, auf einem Militärlastwagen der Bruderarmee? Wäre es bekannt geworden, hätte es sicher damals schon den 3. Weltkrieg auslösen können. Ein klitzekleines bisschen übertrieben. Abends dann mit dem Bus zurück und wenn dieser weg war, gab es immer einen Kumpel, der mich hinten auf seiner MZ sitzend, nach Karow zur S-Bahn brachte.

Wir reisten auch einmal mit der Bahn nach Rzepin und einmal für ein paar Tage nach Prag, wie wir begleitet und überwacht wurden, wussten wir damals noch nicht. Das spielte sich alles hinter unserer Bühne ab, denn die Stasi vermutete zu dieser Zeit ja schon eine illegale Schleusung meiner Verlobten. Übersetzte Berichte der polnischen Kollegen finden sich dazu in meiner Akte. Auch welche in kyrillischer Schrift, deren Sinn ich aber noch nicht zuordnen konnte, weil ich mir dafür auch noch keine Mühe gab.

Das hätte alles einträglich so weiter gehen können. Eine innere Eingabe sagte mir aber, das es so nicht weiter gehen kann. Ich wollte mit Bärbel und sie wollte es auch, irgendwann einmal, dass wir zusammen leben und zwar in Westberlin. Also ermunterte ich sie, beim Rat des Stadtbezirks diesbezüglich einmal auf den „Busch zu klopfen“, was sie auch tat. Das ermunterte dann nach geraumer Zeit auch die Stasi, bei mir einmal auf den „Busch zu klopfen“. Sie schickten einen netten, älteren Herrn mit der Legende zu meiner Mutter, dass er ein Mitarbeiter des MdI, Abteilung Ausreiseanträge (ein Mitarbeiter des MfS, meine Mutter sollte nicht misstrauisch werden), sei. Wie meine Mutter ihm 6 Eier anbot, lest Ihr dann in der Fortsetzung. In dieser rückwärtigen Zeitreise sind wir mittlerweile im Sommer 1974 angekommen.

Kleine Korrektur:

Kontakt zu Bärbel etwa im April/Mai 1973. Der Ruhlsdorf-Part dieser Erzählung war im Sommer 1973 und hier war auch der erste intime Kontakt mit meiner "Verlobten". Der Part der Schlafplatz-Suche (...bis Ausreiseantrag!) folgte dementsprechend danach. Soweit eine kleine Korrektur, die sich beim Lesen und in der Vorbereitung auf das Schreiben der weiteren Ereignisse, die dann nicht mehr so unbeschwert waren, ergab. Ihr hättet es sicher noch nicht einmal gemerkt, aber mir ist so etwas sehr wichtig und ich bitte auch höflich um Entschuldigung. Ich hätte es hier ja auch noch selbst "umpfriemeln" können, aber so ist es einfacher für mich. Es liegt ja immerhin 40 Jahre zurück und über die Aktensituation schrieb ich ja bereits.

Außerdem: Mehr als 11.000 Hits in knapp 1 Woche sind eine schwere Bürde für mich und fordern mich zu einer besonderen Verantwortung für die Leser, womit ich nicht annähernd gerechnet hatte..


DirkUK und GKUS64 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.11.2014 00:46 | nach oben springen

#277

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.11.2014 20:16
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Das, mit dem kyrillischen Text hat mir nun doch keine Ruhe gelassen, außerdem hättet Ihr sowieso nachgefragt. Dieser war angeheftet an einen deutschen Erfassungsbericht - Mißerfolg in der ZA Zusammenarbeit - mit dem Ergebnis, das ich unehrlich bin und die "Zusammenarbeit" mit mir abgebrochen wird, d.h. im Klartext, das ich die Zusammenarbeit als IM ablehnte. Dazu komme ich noch in meinen lockeren Schilderungen. Offenbar musste in so einem Fall auch der KGB informiert werden. Eine Vermutung von mir.



Ich hatte zwar 6 Jahre Russisch in der Schule, aber davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Vielleicht kann man das ja an ein KGB-Forum weiter leiten?


zuletzt bearbeitet 02.11.2014 20:21 | nach oben springen

#278

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.11.2014 20:36
von Vogtländer (gelöscht)
avatar

Hätte ich mal Fragen:
- Ihr wart in Prag.Alles gut und schön.Aber wieso wurden dann Berichte in Polska geschrieben?Kapier ich nicht.Bin ich zu voreilig,weil diesbezüglich noch Antworten kommen?
- Bist Du Dir sicher,das man automatich ABV-Helfer war als Jäger?Mir wärs neu.

Aber wahrscheinlich zweifel ich jetzt doch schon wieder!


zuletzt bearbeitet 02.11.2014 20:36 | nach oben springen

#279

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.11.2014 20:41
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Man @Vogtländer warste noch nie in Rzepin ? Ich frage mich nur, was einen dorthin verschlagen hat und wie man dort hin gekommen ist?

Ich war auch mal dort - aber das war schon in diesem Jahrtausend.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 02.11.2014 20:43 | nach oben springen

#280

RE: »Die Stasi war mein Eckermann«

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 02.11.2014 20:41
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Vogtländer im Beitrag #278
Hätte ich mal Fragen:
- Ihr wart in Prag.Alles gut und schön.Aber wieso wurden dann Berichte in Polska geschrieben?Kapier ich nicht.Bin ich zu voreilig,weil diesbezüglich noch Antworten kommen?
- Bist Du Dir sicher,das man automatich ABV-Helfer war als Jäger?Mir wärs neu.


Das hat mein Schwiegervater gesagt. Vielleicht nicht automatisch, hat die Sache, Jagd und Gewehr, vielleicht ein bisschen unterstützt? Fragen kann ich ihn nicht mehr. Wir waren in Rzepin, das ist Polen. Da wurden wir der polnischen Stasi zur Beobachtung übergeben Die berichteten. Das wurde ins Deutsche übersetzt. Von den Tschechen, unsere Reise nach Prag, liegen mir diesbezüglich keine Unterlagen vor. Alles klar?

Danke für die Frage


Gruß Reinhard


zuletzt bearbeitet 02.11.2014 20:43 | nach oben springen



Besucher
37 Mitglieder und 83 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: gerhard
Besucherzähler
Heute waren 2682 Gäste und 173 Mitglieder, gestern 3956 Gäste und 189 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14371 Themen und 558073 Beiträge.

Heute waren 173 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen