#1

als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:09
von Lutze | 8.042 Beiträge

mir geht es nicht darum,alle getöteten Grenzsoldaten
aufzuzählen,aber gab es nicht so einen Mythos
"als Märtyrer gestorben" im Dienste der DDR?,
gab es echte Märtyrer,oder wurden welche zum
Märtyrer gemacht,weil es so sein sollte?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#2

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:17
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Oje Lutze, da hast du aber wieder ein Thema reingehauen, auf jeden Fall muss man über diese Frage erst einmal tiefer nachdenken.
Märtyrer ist ein großes Wort, waren das nicht welche die bewusst ihr Ende für ihre Ideale in Kauf genommen haben?
Der Pfarrer der sich verbrannt hat war eventuell einer von denen, die Toten an der Grenze, egal ob mit oder ohne Uniform, waren wohl eher zur falschen Zeit am falschen Ort.


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#3

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:19
von FRITZE (gelöscht)
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#4

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:27
von Gert | 12.362 Beiträge

Märtyrer sind Menschen die sehr viel für ihren Glauben oder ihre Überzeugung leiden bis hin zum eigenen Tode.

Davon waren die meisten Grenzsoldaten weit entfernt, mich eingeschlossen. Wir wurden von einer Partei mit unlauteren Absichten ( höflich ausgedrückt) missbraucht und per Wehrpflichtgesetz an diese Grenze gestellt. Diejenigen, die dabei umkamen, wie auch immer, kann man nicht als Märtyrer bezeichnen, ist eher Berufsrisiko. Im Übrigen sei mal die Frage gestellt : die Grenzsicherung ist in fast jedem Land der Erde eine klassische Polizeiaufgabe und keine militärische Aufgabe. Mit welchem Recht hat diese SED junge Menschen per Wehrpflicht dazu verdonnert, an dieser Grenze zu stehen ? Das war in meinen Augen rechtswidrig. Aber bei den Rechtsverletzungen, die diese Partei auf dem Kerbholz hat, kommt es auf einen mehr oder weniger nun auch nicht mehr an.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#5

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:28
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi, Lutze
Endlich – es gibt wieder „Lutze-Fragen“. Ich nehm einfach mal an, das Du übers Wochenende „Ausgang“ hast. --Anbei noch die besten Genesungswünsche.--
Mythos
"als Märtyrer gestorben" im Dienste der DDR?,
Märtyrer sind Menschen, die um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen leiden, ggf. ihren gewaltsamen Tod erdulden.
Die Definition ist –verkürzt, aus Wiki. In diesem Sinne war wohl niemand ein Märtyrer, weil da ja die Voraussetzung „ sehenden Auges in den Tod gehen“ nicht gegeben ist. Außerdem – es ist ein –vom Ursprung her, religiöser Begriff, wohl dem Christentum zuzurechnen-oder noch älter, der heute ja eher von einer anderen, späteren Religion –mit den gleichen Wurzeln- gebraucht, bzw. missbraucht wird.
Ja, und zu DDR-Zeiten ist mir jedenfalls der Begriff in dieser Form nie untergekommen- außer im Neuen Testament. Also – Helden –auch „gemachte“ –Ja. Märtyrer- nein.
73, Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#6

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:40
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #5
Hi, Lutze
Endlich – es gibt wieder „Lutze-Fragen“. Ich nehm einfach mal an, das Du übers Wochenende „Ausgang“ hast. --Anbei noch die besten Genesungswünsche.--
Mythos
"als Märtyrer gestorben" im Dienste der DDR?,
Märtyrer sind Menschen, die um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen leiden, ggf. ihren gewaltsamen Tod erdulden.
Die Definition ist –verkürzt, aus Wiki. In diesem Sinne war wohl niemand ein Märtyrer, weil da ja die Voraussetzung „ sehenden Auges in den Tod gehen“ nicht gegeben ist. Außerdem – es ist ein –vom Ursprung her, religiöser Begriff, wohl dem Christentum zuzurechnen-oder noch älter, der heute ja eher von einer anderen, späteren Religion –mit den gleichen Wurzeln- gebraucht, bzw. missbraucht wird.
Ja, und zu DDR-Zeiten ist mir jedenfalls der Begriff in dieser Form nie untergekommen- außer im Neuen Testament. Also – Helden –auch „gemachte“ –Ja. Märtyrer- nein.
73, Hans


den Märtyrer-Begriff kannte ich auch nicht,
aber zum Beispiel der Grenzsoldat Egon Schultz
soll als Märtyrer verklärt worden sein
Lutze


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#7

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:43
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Personen, die für ihre sozialistische Haltung ihr Leben geopfert haben? Märtyrer am antifaschistischen Schutzwall? Einige Grenzsoldaten wurden zwar schon verehrt wie Märtyrer. Den Begriff habe ich aber nier gehört, sondern eher "sozialistischer Held". Nicht ausschliessen möchte ich, dass die "Neue Zeit" diesen Begriff benutzt hat, da die Leserschaft christlich geprägt war

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-ei...w=image&i=53503
Mausoleen der Märtyrer der Revolution gibt es unter anderem in Nikaragua und Kuba.
Theo


zuletzt bearbeitet 19.10.2014 11:44 | nach oben springen

#8

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 11:57
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #4
Märtyrer sind Menschen die sehr viel für ihren Glauben oder ihre Überzeugung leiden bis hin zum eigenen Tode.

Davon waren die meisten Grenzsoldaten weit entfernt, mich eingeschlossen. Wir wurden von einer Partei mit unlauteren Absichten ( höflich ausgedrückt) missbraucht und per Wehrpflichtgesetz an diese Grenze gestellt. Diejenigen, die dabei umkamen, wie auch immer, kann man nicht als Märtyrer bezeichnen, ist eher Berufsrisiko. Im Übrigen sei mal die Frage gestellt : die Grenzsicherung ist in fast jedem Land der Erde eine klassische Polizeiaufgabe und keine militärische Aufgabe. Mit welchem Recht hat diese SED junge Menschen per Wehrpflicht dazu verdonnert, an dieser Grenze zu stehen ? Das war in meinen Augen rechtswidrig. Aber bei den Rechtsverletzungen, die diese Partei auf dem Kerbholz hat, kommt es auf einen mehr oder weniger nun auch nicht mehr an.

Hallo Gert,

es gibt weder ein grundsätzliches Menschen- noch ein grundsätzliches Völkerrecht, was die Art der Sicherung der Grenzen durch einen Staat festlegt. Und wo keine Rechtsdefinition ist, kann auch keine Rechtsverletzung vorliegen.

Es gab, wie ich heute weiß, viele Darstellungen über die getöteten Grenzsoldaten, die nicht der Wahrheit entsprachen und ihnen einen Heldenstatus zu verleihen. Dieses Wort trifft es eher, als der Märtyrer. Wir hatte alle möglichen Helden - der Arbeit, des antifaschistischen Kampfes, sogar Helden der DDR - und auch hier ging es um ein "moralisches Beispiel". Dabei blieb, wie bei nahezu jeder ideologischen Überhöhung, die Wahrheit weitestgehend auf der Strecke. Heute sind es für mich jungen Menschen, die in ihrer Zeit in die Extreme der Auseinandersetzung der Gesellschaftsordnungen geraten sind und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten. Sie verdienen als Opfer der Grenze jeden Respekt und das Gedenken.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 19.10.2014 11:58 | nach oben springen

#9

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 15:18
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Lutze!

Zitat von Lutze im Beitrag #1
mir geht es nicht darum,alle getöteten Grenzsoldaten
aufzuzählen,aber gab es nicht so einen Mythos
"als Märtyrer gestorben" im Dienste der DDR?,
gab es echte Märtyrer,oder wurden welche zum
Märtyrer gemacht,weil es so sein sollte?
Lutze

Wie schon geschrieben, gab es keinen solchen Bezugsbegriff. Helden wurden sie oft genannt. Das kam aber eher aus der russischen Sprachanwendung, denke ich mal.
Und hierzulande gibt es ja auch eine solche Verklärung, im politischen Bereich. Von sog. "Stolpersteinen" kann man ja zu Haufe lesen. Wer setzt solche für die vertriebenen Deutschen in den Ländereien in Polen usw.? Auch die waren zumeist unschuldig und wurden NUR auf Grund ihrer Volkszugehörigkeit ermordet, vertrieben usw.
Bis zu solchen "Ehrungen" wie dem Bundesverdienstkreuz in allen Varianten und anderen Blechabzeichen.

Warum bekommt zB. Herr Snowden kein solches Blechabzeichen?
Er hat sich im Gegensatz zu vielen anderen Trägern des Abzeichens, riesige Verdienste um die Deutschen erworben.

"Verdiente Träger" sind zB. :
Mohammad Reza Pahlavi,
Nicolae Ceaușescu
Josip Broz Tito
Wesley Clark
Hans Filbinger
Noah Flug
Reinhard Gehlen
Jean-Claude Juncker
Roland Koch
Avi Primor
Otto K. Eitel
Klaus Wowereit
Joachim Gauck
Charlotte Knobloch
Ignatz Bubis
Richard Löwenthal
David Petraeus
Marcel Reich-Ranicki
Steven Spielberg
Peter Struck
Margot Käßmann
Wolfgang Schäuble
Otto Schily
Peter Hartz (hat es zurück gegeben)
… um nur einige zu nennen.
Einige der „Verdiener“ haben sich eines Besseren besonnen und das Blechabzeichen bereits zurück gegeben.
Ob sie an ihre Rolle in der späteren Geschichtsschreibung dachten?
Die DDR Empfänger ähnlicher „Heldenorden“ können es keinem mehr zurück geben.
Meines Erachtens müßte postum Erich Honecker dieses Abzeichen bekommen. ER war der Hauptinitiator des Untergangs der DDR und so ist er der Hauptvorbereiter der Wiederinbesitznahme.

So hat eben jede gesellschaftliche Ordnung ihre politischen "Helden".

Schöne Grüße,
Eckhard

Edit: Duden


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.10.2014 15:55 | nach oben springen

#10

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 15:18
von LO-Fahrer | 607 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #4
Märtyrer sind Menschen die sehr viel für ihren Glauben oder ihre Überzeugung leiden bis hin zum eigenen Tode.

Davon waren die meisten Grenzsoldaten weit entfernt, mich eingeschlossen. Wir wurden von einer Partei mit unlauteren Absichten ( höflich ausgedrückt) missbraucht und per Wehrpflichtgesetz an diese Grenze gestellt. Diejenigen, die dabei umkamen, wie auch immer, kann man nicht als Märtyrer bezeichnen, ist eher Berufsrisiko. Im Übrigen sei mal die Frage gestellt : die Grenzsicherung ist in fast jedem Land der Erde eine klassische Polizeiaufgabe und keine militärische Aufgabe. Mit welchem Recht hat diese SED junge Menschen per Wehrpflicht dazu verdonnert, an dieser Grenze zu stehen ? Das war in meinen Augen rechtswidrig. Aber bei den Rechtsverletzungen, die diese Partei auf dem Kerbholz hat, kommt es auf einen mehr oder weniger nun auch nicht mehr an.


Das Wort "Berufsrisiko" kann ich so nicht stehen lassen. Der überwiegende Teil der Grenzer, Dich und mich eingeschlossen, waren nicht freiwillig dort und schon gar nicht als Berufssoldaten. Sie haben sich nicht freiwillig entschlossen dort Dienst zu tun und u. U. ihr Leben zu riskieren, im Gegensatz zu den Leuten. die, aus welchen Gründen auch immer, sich entschlossen haben diese Grenze, nach damals geltendem Recht, illegal zu überqueren.
Im Übrigen habe ich mit jeder Art von Heldenverklärung und Märtyrertum meine bauchschmerzen.


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#11

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 15:48
von turtle | 6.961 Beiträge

Märtyrer im Sinn dieses Wortes waren sie nicht die Grenzer, die an dieser Grenze ihr Leben ließen. Ein Martyrer war auch kein Gartenschläger. Zum Helden hochstilisiert ja das wurden sie . Dabei nahm man es mit der Darstellung und Objektivität oft nicht all zu genau. Helden passten in den kalten Krieg, Helden wurden auch gemacht, sie dienten der Ideologie. Ob von Ost oder West. Auf einem Scheiterhaufen wurde keiner verbrand, Opfer der Politik im kaltem Krieg, und einer unmenschlichen Grenze das waren sie die getöteten Grenzer genauso wie die getöteten Flüchtlinge.


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#12

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 22:23
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #8
Zitat von Gert im Beitrag #4
Märtyrer sind Menschen die sehr viel für ihren Glauben oder ihre Überzeugung leiden bis hin zum eigenen Tode.

Davon waren die meisten Grenzsoldaten weit entfernt, mich eingeschlossen. Wir wurden von einer Partei mit unlauteren Absichten ( höflich ausgedrückt) missbraucht und per Wehrpflichtgesetz an diese Grenze gestellt. Diejenigen, die dabei umkamen, wie auch immer, kann man nicht als Märtyrer bezeichnen, ist eher Berufsrisiko. Im Übrigen sei mal die Frage gestellt : die Grenzsicherung ist in fast jedem Land der Erde eine klassische Polizeiaufgabe und keine militärische Aufgabe. Mit welchem Recht hat diese SED junge Menschen per Wehrpflicht dazu verdonnert, an dieser Grenze zu stehen ? Das war in meinen Augen rechtswidrig. Aber bei den Rechtsverletzungen, die diese Partei auf dem Kerbholz hat, kommt es auf einen mehr oder weniger nun auch nicht mehr an.

Hallo Gert,

es gibt weder ein grundsätzliches Menschen- noch ein grundsätzliches Völkerrecht, was die Art der Sicherung der Grenzen durch einen Staat festlegt. Und wo keine Rechtsdefinition ist, kann auch keine Rechtsverletzung vorliegen.

Es gab, wie ich heute weiß, viele Darstellungen über die getöteten Grenzsoldaten, die nicht der Wahrheit entsprachen und ihnen einen Heldenstatus zu verleihen. Dieses Wort trifft es eher, als der Märtyrer. Wir hatte alle möglichen Helden - der Arbeit, des antifaschistischen Kampfes, sogar Helden der DDR - und auch hier ging es um ein "moralisches Beispiel". Dabei blieb, wie bei nahezu jeder ideologischen Überhöhung, die Wahrheit weitestgehend auf der Strecke. Heute sind es für mich jungen Menschen, die in ihrer Zeit in die Extreme der Auseinandersetzung der Gesellschaftsordnungen geraten sind und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten. Sie verdienen als Opfer der Grenze jeden Respekt und das Gedenken.

ciao Rainman


@Rainman, dieser Staat war doch die Inkarnation der Rechtsverletzungen, deshalb wird er doch von allen Seiten ( ausser von dem Parteien-Wiederaufguss der SED) der Unrechtsstaat genannt.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 19.10.2014 22:24 | nach oben springen

#13

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 22:30
von FRITZE (gelöscht)
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Oh ,jetzt weiss ich ,wer der Forumsmärtyrer ist !

Mein Gott , hast Du erst wieder die ganze BamS gelesen ,bevor es wieder übergeschwabbt ist ?


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 19.10.2014 22:48
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #12
... @Rainman, dieser Staat war doch die Inkarnation der Rechtsverletzungen, deshalb wird er doch von allen Seiten ( ausser von dem Parteien-Wiederaufguss der SED) der Unrechtsstaat genannt.

Hallo Gert,

vielleicht habe ich Dir das Scheitern meiner Ideologeme voraus. Ich brauche mein Leben und mein Denken nicht mehr nach fremdgesteuerten Schlagwörtern einzurichten. Wem auch immer es gefällt, die DDR irgendwie zu titulieren, der möge das tun - meine Gemütsruhe bleibt. Wenn es jemandem gefällt, eine Sache als Unrecht zu bezeichnen, gestatte ich mir, darauf hinzuweisen, dass die Betrachtung von Unrecht zunächst eine Rechtsdefinition erfordert. Das reicht mir dazu. Alles andere verfehlt meine Interessensphären um Meilen. Ein gepflegtes Gespräch unter Menschen über ihre Geschichten ist mir wichtig, nicht irgendwelche dünnschissigen und tendenziösen Politikerphrasen.

Als man mir Leutnant Lutz Meier, einen der erschossenen Grenzer, meinte zu DDR-Zeiten nahebringen zu müssen, da tat man das mit Heldenpose, politischen Phrasen und erhobenem Zeigefinger. "Schaut, Ihr jungen Offiziersschüler, wenn Ihr mal Leutnant werdet, passt schön auf und haltet Euch an die Vorschriften." Irgendwann hörte und las ich mehr über diesen jungen Offizier, seine Fehler, seine Schwächen. In dem Moment kam er mir nahe. Als Märtyrer oder Held hätte er das nicht geschafft.

ciao Rainman


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#15

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 20.10.2014 08:14
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #14
Zitat von Gert im Beitrag #12
... @Rainman, dieser Staat war doch die Inkarnation der Rechtsverletzungen, deshalb wird er doch von allen Seiten ( ausser von dem Parteien-Wiederaufguss der SED) der Unrechtsstaat genannt.

Hallo Gert,

vielleicht habe ich Dir das Scheitern meiner Ideologeme voraus. Ich brauche mein Leben und mein Denken nicht mehr nach fremdgesteuerten Schlagwörtern einzurichten. Wem auch immer es gefällt, die DDR irgendwie zu titulieren, der möge das tun - meine Gemütsruhe bleibt. Wenn es jemandem gefällt, eine Sache als Unrecht zu bezeichnen, gestatte ich mir, darauf hinzuweisen, dass die Betrachtung von Unrecht zunächst eine Rechtsdefinition erfordert. Das reicht mir dazu. Alles andere verfehlt meine Interessensphären um Meilen. Ein gepflegtes Gespräch unter Menschen über ihre Geschichten ist mir wichtig, nicht irgendwelche dünnschissigen und tendenziösen Politikerphrasen.

Als man mir Leutnant Lutz Meier, einen der erschossenen Grenzer, meinte zu DDR-Zeiten nahebringen zu müssen, da tat man das mit Heldenpose, politischen Phrasen und erhobenem Zeigefinger. "Schaut, Ihr jungen Offiziersschüler, wenn Ihr mal Leutnant werdet, passt schön auf und haltet Euch an die Vorschriften." Irgendwann hörte und las ich mehr über diesen jungen Offizier, seine Fehler, seine Schwächen. In dem Moment kam er mir nahe. Als Märtyrer oder Held hätte er das nicht geschafft.

ciao Rainman

@Rainman2
ja, ist ja gut. Wir haben eben jeder unser Weltbild und dabei belassen wir es. Trotzdem schlage ich vor, dass wir uns auf einen schönen Montag einigen.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Mahatma Gandhi
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#16

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 20.10.2014 09:29
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #15
...@ Rainman2
ja, ist ja gut. Wir haben eben jeder unser Weltbild und dabei belassen wir es. Trotzdem schlage ich vor, dass wir uns auf einen schönen Montag einigen.

Hallo @Gert ,

danke, ich einige mich dazu gern und wünsche auch Dir einen schönen Montag.

Liebe Grüße aus Berlin
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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#17

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 20.10.2014 10:41
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Ich denke, oft war der Heldenstatus gefallener Grenzsoldaten für die Hinterbliebenen unerträglich. Statt in Ruhe Abschied zu nehmen, werden sie politisiert, müssen Interviews geben usw. Und die Wende hat aus den Helden Antihelden gemacht, was natürlich noch weniger ein Trost für die Verbliebenen ist.


Nachwende-Gedenken an Klaus Peter Seidel und Jürgen Lange
http://home.snafu.de/veith/ehrenhai.htm
Theo


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 20.10.2014 10:48
von damals wars | 12.213 Beiträge

Ehre wem Ehre gebürt!
niemand wird das Entsetzen über diese Tat vergessen, vor allem den Umgang mit diesem Fall durch die westdeutsche Justiz.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#19

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 20.10.2014 10:55
von Gelöschtes Mitglied
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Solchen Begriffen wie "Märtyrer, Helden" stehe ich skeptisch gegenüber. Diese Begriffe dienen der "Überhöhung" und der propag. Ausnutzung der Personen.
Wie viele "Heldentaten" sind aus angst geschehen?

Bei den zwei Opfern der Grenze Gefr. Seidel und Sol. Lange ist die Betroffenheit sehr groß, da sie durch ein brutales Verbrechen zu Tode kamen.


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#20

RE: als Märtyrer gestorben

in Mythos DDR und Grenze 20.10.2014 11:10
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #19
Solchen Begriffen wie "Märtyrer, Helden" stehe ich skeptisch gegenüber. Diese Begriffe dienen der "Überhöhung" und der propag. Ausnutzung der Personen.
Wie viele "Heldentaten" sind aus angst geschehen?

Bei den zwei Opfern der Grenze Gefr. Seidel und Sol. Lange ist die Betroffenheit sehr groß, da sie durch ein brutales Verbrechen zu Tode kamen.

Wer auch immer die Tafel neben dem Kreuz angebracht hat, ist in punkto "Held" wohl anderer Meinung. Den Stacheldraht und den einleitenden Text empfinde ich einfach nur als zynisch.
Theo


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