#1

Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 19:33
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Da die "was-wäre-wenn-Threads" gerade groß in Mode sind, jetzt auch mal einer von mir. Drauf gekommen bin ich, als ich gestern ZDF-History gesehen habe, wo es eigentlich um Erich Honnecker ging. Da wurde Walter Ulbrichts Reformversuch der Wirtschaft erwähnt. Das Thema find ich spannend. Von zahlreichen Zeitzeugen weiß, dass die Versorgungslage der Bevölkerung zum Ende der Ulbricht-Ära eigentlich ganz gut war. Sein Denkansatz war für Ostblockländer geradezu revolutionär. Erstaunlich auch, dass er seinen Vortrag auf der "Ostseewoche" völlig frei ohne Manuskript hielt. Er hatte sich mit den Problemen der DDR-Wirtschaft auseinander gesetzt und einiges offensichtlich verstanden. Was wäre also gewesen, wenn der olle Honnecker nicht den Königsmord betrieben hätte, sondern das ZK komplett auf den Zug "Neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ aufgesprungen wären?
Vielleicht äußern sich ja mal auch Personen hier aus dem Forum, die weit mehr Ahnung von Ökonomie haben als ich.
Mal einige Passagen aus einem Bericht als Diskussionsgrundlage:

"Im Jahr 1963 führte Walter Ulbricht in der DDR das „Neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ (NÖSPL) ein, das er auf dem VI. Parteitag der SED zu Beginn des Jahres ausführlich begründet hatte und das tatsächlich nie die Zustimmung aus Moskau gefunden hat, weil man am starren und verkrusteten sowjetischen Sozialismusmodell keine Veränderungen duldete. Ulbricht machte den als kapitalistisch verteufelten Gewinn zum Maßstab des Erfolges. Die wirtschaftlichen Entscheidungen sollten vom SED-Parteiapparat auf die fachlich fundierte Ebene in den neuen Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) und Großkombinaten verlagert werden. Tatsächlich zeigte die Beachtung grundlegender ökonomischer Gesetze nach einigen Versorgungsproblemen Ende der Sechzigerjahre eine positive Wirkung"

"Wenn ich heute meine Mitschrift lese, finde ich, dass manches so übel nicht klingt, gemessen am Niedergang der Volkswirtschaft nach Ulbrichts Sturz 1971. Nicht nur, dass er es fertiggebracht hatte, die vorangegangene Diskussion mit allen Kritikpunkten ausführlich zusammenzufassen und ohne Manuskript völlig frei über komplizierte ökonomische Sachverhalte zu reden, was seinem Nachfolger schon bei leichteren Themen nicht gelang, er hatte auch etwas zu sagen."

"Zum Beispiel: „Quelle der Entwicklung neuer weltmarktfähiger Produkte ist die wissenschaftliche Arbeitsorganisation. Wir haben aus dem Nichts einen Schiffbau entwickelt. Das ist eine große Leistung. Doch jetzt gilt es, aus der Prognose der Weltspitze des Schiffbaus von 1990 oder 1980 zurückzurechnen und daraus konkrete Aufgaben für die Gegenwart abzuleiten. Dabei erleben wir noch sehr oft, dass Material, Menschen, Qualifizierung und Zusammenarbeit über Betriebsgrenzen hinaus nicht harmonieren, nicht zusammenpassen…“

"Ebenso verlangte er: „Wir müssen unseren Wissenschaftlerkollektiven klare Ziele und Parameter vorgeben und auch die Zeit, bis wann sie was zu erreichen haben. Das gilt für alle Forschungszentren in Kombinaten und VVB. Das bedarf hoher materieller Stimuli. Wir dürfen nicht am falschen Ende sparen. … Wir werden diese Aufgaben schließlich nur mit einer hoch gebildeten Arbeiterklasse lösen. … Alte Methoden des Administrierens von oben sind abzubauen, neue, wissenschaftliche Methoden der Planung auszuarbeiten.“

"Ulbricht wusste, wo der Hase im Pfeffer liegt. Er hatte begriffen, dass der Mauerbau von 1961 und die Eindämmung der Abwanderung vieler Facharbeiter, Ingenieure und Wissenschaftler allein nicht maßgeblich ist, um die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen. Er wollte sie effizienter, noch vieles verändern und dabei die dominierende Rolle der Partei bei Wirtschaftsentscheidungen relativieren.

„Ein Parteisekretär, der nur eine politische Ausbildung an der Kreis- oder Bezirksparteischule hat“, sagte er, „schafft seine Arbeit heute nicht mehr. Er muss eins bis zwei Jahre neu ausgebildet werden. Das muss man auch mit aller Deutlichkeit sagen. Angesichts der neuen großen Anforderungen kommen wir nur weiter, wenn das System der Ausbildung gesichert ist. Und die modernen und neuen Methoden der Ausbildung erfolgen heute mit Hilfe von Computern. Die Praxis verändert sich immer schneller. Die Ausbildung von Professoren, Lektoren und Dozenten muss sich diesem Tempo anpassen, muss beschleunigt werden. Zum Beispiel ist die Zahl der Mathematiker, die gebraucht werden, heute schon doppelt so hoch wie die der vorhandenen.“


"Mit Ulbrichts “Neuer Ökonomischer Politik” erreicht die DDR-Wirtschaft in den Sechzigerjahren die bis dahin höchsten Zuwachsraten, die einen bescheidenen Wohlstand erhoffen ließen. Durch die Förderung des Klein- und Mittelstandes einerseits, die Entwicklung der industriellen Basis andererseits und die Einbeziehung von Fachleuten und Wissenschaftlern u.a. der Datenverarbeitung war es Ulbricht gelungen, die starre Kommandowirtschaft sowjetischer Prägung aufzulösen. Mit großem Interesse las er westliche Veröffentlichungen zu den Wirtschaftsstrategien der Konzerne. Doch das Wort Management durfte nicht verwendet werden, weil es zu anrüchig war. Dafür wurde der Begriff der sozialistischen Wirtschaftsführung geprägt. Durch die besondere Förderung wurde in Zweigen wie Elektronik und später Mikroelektronik, Veredelungsmetallurgie, Glas- und Keramikindustrie, Automatisierungs- und Steuerungstechnik sowie Erdölchemie eine hohe Dynamik der Arbeitsproduktivität erreicht. Ulbricht hatte erkannt, dass allein die Arbeitsproduktivität das Maß für eine effektive Wirtschaftspolitik sein kann. Er forderte nachdrücklich die Anwendung moderner Wssenschaftsmethoden wie Kybernetik und Heuristik und leitete die Wachstumsziele aus den Prognosen bis 1990 oder 2000 ab."

http://klaustaubert.wordpress.com/2013/0...ende-einer-ara/


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 13.10.2014 19:42 | nach oben springen

#2

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 19:41
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

@Schuddel,
da bin ich zu jung, um dir antworten zu können.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#3

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 19:44
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #2
@Schuddel,
da bin ich zu jung, um dir antworten zu können.

@RudiEK89 , ich auch......!


Intellektuelle spielen Telecaster
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#4

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 20:15
von Gelöschtes Mitglied
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Ausschlaggebend für die Bewertung von wirtschaftlichen Zuwachsraten ist meines Wissens der Ausgangspunkt!
Und so war der Ausgangspunkt nach dem 13.08.1961 logischerweise ein ganz anderer, als nach 1973/1974 in der DDR.
Ganz zu Schweigen vom Modell der Berechnung, und von wem sie denn angestellt wurde?

Gefühlt war es nach dem Erleben meiner Mutter so, dass man ab den frühen 60ern in der DDR durchaus voran kam. Die Menschen konnten sich wieder etwas leisten, wenn sie denn zuvor sparten...Ende der 70er und in den 80ern war dieses Gefühl in der Konsumtion verflogen, zunehmend beherrschten Mangel und Zuteilung das Leben, wenn auch regional sehr unterschiedlich.

Auf den zunehmenden Einfluss der D-Mark gehe ich hier nicht näher ein...

VG Klaus


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#5

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 21:36
von 94 | 10.792 Beiträge

Wann nochmal genau hat sich der Apel erschossen?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#6

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 21:49
von Moskwitschka (gelöscht)
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Am 3. Dezember 1965 - mit der SuFu findet man auch einen Spiegelartikel in unserem Forum dazu - Selbstmord Apel Bin heute mal wieder faul.

LG von der Moskwitschka


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:24
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

http://www.1000dokumente.de/index.html?c...ct=pdf&st=&l=de
als Faksimile
http://www.1000dokumente.de/index.html?c...simile&st=&l=de
orientiert sich stark an der Neuen Ökonomie der UdSSR (1921-1928)
Theo


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#8

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:24
von icke46 | 2.593 Beiträge

Ich will das hier einfach mal reinbringen - obs nun passt, weiss ich nicht so recht:

Während meiner Ausbildung zum Kaufmann (West) in den Jahren 1972-1975 hatten wir mal im Unterricht eine Diskussion unter der Überschrift: Was ist besser: Sozialismus oder Kapitalismus? Ich brachte da auf, dass die Idealform wohl eine Mischung von beidem wäre - die soziale Sicherheit des Sozialismus mit der wirtschaftlichen Effizienz des Kapitalismus, wofür wir den schönen Namen prägten - Sozkap.

Tja - lange ists her - aber diese Idealvorstellung spukt auch nach 40 Jahren immer noch in meinem Hinterkopf rum.

Gruss

icke



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#9

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:28
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #8
Ich will das hier einfach mal reinbringen - obs nun passt, weiss ich nicht so recht:
1972-1975:
Was ist besser: Sozialismus oder Kapitalismus? Ich brachte da auf, dass die Idealform wohl eine Mischung von beidem wäre - die soziale Sicherheit des Sozialismus mit der wirtschaftlichen Effizienz des Kapitalismus, wofür wir den schönen Namen prägten - Sozkap.



Gruss

icke



Diese Gedanken hegten 1989/90 sicher auch viele DDR-Bürger.

seaman


josy95 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#10

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:29
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #8
Ich will das hier einfach mal reinbringen - obs nun passt, weiss ich nicht so recht:

Während meiner Ausbildung zum Kaufmann (West) in den Jahren 1972-1975 hatten wir mal im Unterricht eine Diskussion unter der Überschrift: Was ist besser: Sozialismus oder Kapitalismus? Ich brachte da auf, dass die Idealform wohl eine Mischung von beidem wäre - die soziale Sicherheit des Sozialismus mit der wirtschaftlichen Effizienz des Kapitalismus, wofür wir den schönen Namen prägten - Sozkap.

Tja - lange ists her - aber diese Idealvorstellung spukt auch nach 40 Jahren immer noch in meinem Hinterkopf rum.

Gruss

icke



Das war genau die Kritik (sehr verkürzt). Die Befürchtung, dass die Ökonomen die Macht in der Partei übernehmen. Breschnew war ein Kritiker dieses Systems und Ulbricht hat es sein Amt gekostet. Unter Honecker hiess das neue Programm dann "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik".
http://de.wikipedia.org/wiki/Einheit_von...d_Sozialpolitik
Theo


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#11

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:36
von Moskwitschka (gelöscht)
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Nee seaman, das glaube ich nicht. Ich habe die Umbruchzeit in einem Baubetrieb erlebt. Würde jetzt zu weit führen.

Was viele gereizt hat, aber nicht in aller Konsequenz durchdacht haben - die Marktwirtschaft in der sozialen Marktwirtschaft. Das soziale in der Marktwirtschaft wurde vollkommen überbewertet. Für nicht wenige war es ein Art Schlaraffenland.

LG von der Moskwitschka


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.10.2014 22:37 | nach oben springen

#12

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:39
von icke46 | 2.593 Beiträge

Um das noch mal einzubringen von meiner Diskussion in der Ausbildung 72-75 - die soziale Sicherheit in der DDR wurde da tatsächlich höher gesehen als die damals noch funktionierenden "Soziale Marktwirtschaft" bei uns.

Gruss

icke



seaman, eisenringtheo und josy95 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#13

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:41
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #12
Um das noch mal einzubringen von meiner Diskussion in der Ausbildung 72-75 - die soziale Sicherheit in der DDR wurde da tatsächlich höher gesehen als die damals noch funktionierenden "Soziale Marktwirtschaft" bei uns.

Gruss

icke



Das ist mir aus vielen Gesprächen zu dieser Zeit auch so geläufig.

seaman


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#14

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:47
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von Hufklaus im Beitrag #4
Ausschlaggebend für die Bewertung von wirtschaftlichen Zuwachsraten ist meines Wissens der Ausgangspunkt!
Und so war der Ausgangspunkt nach dem 13.08.1961 logischerweise ein ganz anderer, als nach 1973/1974 in der DDR.
Ganz zu Schweigen vom Modell der Berechnung, und von wem sie denn angestellt wurde?

Gefühlt war es nach dem Erleben meiner Mutter so, dass man ab den frühen 60ern in der DDR durchaus voran kam. Die Menschen konnten sich wieder etwas leisten, wenn sie denn zuvor sparten...Ende der 70er und in den 80ern war dieses Gefühl in der Konsumtion verflogen, zunehmend beherrschten Mangel und Zuteilung das Leben, wenn auch regional sehr unterschiedlich.

Auf den zunehmenden Einfluss der D-Mark gehe ich hier nicht näher ein...

VG Klaus



Klaus,

man sollte aber nicht vergessen, dass Mann / Frau sich auch in den 70 igern 80 igern was leisten konnte.
So beliefen sich die Spareinlagen im Jahr 1985 auf rund 124 Milliarden Mark, 1989 waren es rund 160 Milliarden Mark. Sicher war einiges mit Laufereien u.ä. verbunden aber der Lebensstandard entwickelte sich auch in der DDR.


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#15

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:57
von Gelöschtes Mitglied
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Konsumtion heißt das Geld ausgeben und sich dafür etwas schönes zu leisten, nicht es mangels Angebot auf der hohen Kante zu haben.


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#16

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 22:59
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von Sicherheitsrisiko im Beitrag #15
Konsumtion heißt das Geld ausgeben und sich dafür etwas schönes zu leisten, nicht es mangels Angebot auf der hohen Kante zu haben.


Man konnte auch in der DDR Geld ausgeben. Und am sparen habe ich nie was falsch gefunden. Dann musst du auch betrachten,warum gespart wurde. Da gab es auch Gründe. Z.B. gab es nicht jeden Scheiß auf PUMP. Da galt noch BAT.


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#17

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 23:07
von Gelöschtes Mitglied
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Laut Schürer Bericht waren die hohen Spareinlagen aber auch ein wirtschaftliches Problem für die DDR und deshalb wurde versucht diese mit extremen Preisen für hochwertige Konsumartikel abzuschöpfen. Der Fernseher meiner Eltern hat wohl um die 6000 Mark gekostet (Farbe mit Fernbedienung von RFT) da waren alle Sender in Reihe untereinander, der lief aber auch nach der Wende noch lange in meinem Zimmer. Die Steroanlage aus mehreren Komponenten auch, da weiß ich aber den Preis nicht sondern nur das die wohl auch extrem teuer war.

Was ist BAT, meinst du BAR? Dann muss ich Dir zustimmen, wer etwas kaufen will der soll es vorher erarbeiten und nicht auf Kredit kaufen. Das halte ich mit meiner Frau auch so, Schulden werden erst gemacht wenn wir ein Haus bauen oder kaufen. Aber das ist ja heute so gewollt das sich die Menschen heillos verschulden.

Zitat
Die Entwicklung der Struktur der Konsumtion im Zusammenhang mit der grundlegenden Frage des Verhältnisses zwischen individueller und gesellschaftlicher Konsumtion und des im Parteiprogramm dazu formulierten Grundsatzes, daß die Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus der Werktätigen sich auch weiterhin hauptsächlich über das Arbeitseinkommen als wichtigste Einkommensquelle vollziehen wird, zeigt folgendes:

Während sich im Zeitraum 1986 - 1989 die Geldeinnahmen der Bevölkerung durchschnittlich jährlich um 4,3 % erhöhten, sind die indirekten Einkommen aus gesellschaftlichen Fonds als wichtiger Bestandteil des Realeinkommens (oft auch zweite Lohntüte genannt) um 4,9 % durchschnittlich jährlich ange­wachsen.

Das Tempo der Entwicklung der Zuwendungen für die Bevölkerung aus dem Staatshaushalt einschließlich der Subventionen für Wohnungswesen, stabile Preise, Tarife, Bildungswesen, Gesundheitswesen, Kultur, Sport und Erholung beträgt 1986 - 1988 rund 7 % durchschnittlich jährlich.

Aus der schnelleren Entwicklung der Nettogeldeinnahmen gegenüber den Warenfonds zur Versorgung der Bevölkerung ergibt sich im Zeitraum 1986 - 1989 ein aktueller, direkt auf den Binnenmarkt wirkender Kaufkraftüberhang von 6,0 Mrd. M.

Das entspricht etwa dem Zuwachs der Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung eines ganzen Jahres.
Die Spareinlagen einschließlich Versicherungssparen erhöhten sich von 136 Mrd. 1985 auf 175 Mrd. M Ende 1989. Das Wachstum beträgt damit durchschnittlich jährlich 6,5 %.

Die Zinszahlungen an die Bevölkerung betragen 1989 voraussichtlich 5 Mrd. M. Das ist mehr als der gesamte Jahreszuwachs des Warenfonds im Jahre 1989. Das Wachsen der Spareinlagen ist einerseits Ausdruck des Vertrauens der Bevölkerung zur gesellschaftlichen Entwicklung und des Wunsches, mit wachsendem Lebensstandard über persönliche Reserven zu verfügen, hängt aber andererseits zum Teil mit nicht realisierbaren Kaufwünschen, besonders nach langlebigen und hochwertigen Konsumgütern, zusammen (PKW, HiFi-Anlagen u.ä.).

Die Verbindlichkeiten des Staatshaushaltes gegenüber dem Kreditsystem entwickelten sich aufgrund der höheren Ausgaben gegenüber den erreichten Einnahmen von rd.: 12 Mrd. M 1970 auf 43 Mrd. M 1980 und 123 Mrd. M 1988.

In den Jahren 1989 und 1990 können die höheren Ausgaben des Staatshaushaltes gegenüber den Einnahmen nur durch zusätzliche Kreditaufnahme in Höhe von 20 Mrd. M erreicht werden, so daß die Gesamtverschuldung 1990 insgesamt 140 Mrd. M beträgt. Geldumlauf und die Kreditaufnahme des Staates, darunter wesentlich aus den Spareinlagen der Bevölkerung, sind schneller gestiegen als die volkswirtschaftliche Leistung. Die ungenügende Erhöhung der Effektivität im volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozeß, die Angleichung der Industrieabgabepreise an den im internationalen Vergleich zu hohem Aufwand sowie die wachsende Verschuldung des Staatshaushaltes hat zu einer Schwächung der Währung der DDR geführt.

http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...nical/year/1989


zuletzt bearbeitet 13.10.2014 23:15 | nach oben springen

#18

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 23:11
von FRITZE (gelöscht)
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Aber das ist ja heute so gewollt das sich die Menschen heillos verschulden.

Schon Ernst Abbe hat gesagt : "Ein Arbeiter mit Eigenheim hat keine Zeit für Revolution ! "


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#19

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 23:14
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von FRITZE im Beitrag #18
Aber das ist ja heute so gewollt das sich die Menschen heillos verschulden.

Schon Ernst Abbe hat gesagt : "Ein Arbeiter mit Eigenheim hat keine Zeit für Revolution ! "


Vielleicht ist er auch einfach nur zu Zufrieden für eine Revolution? Familie und ein eigenes Grundstück mit Haus darauf, wozu dann noch eine Revolution?


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#20

RE: Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL)

in DDR Zeiten 13.10.2014 23:20
von FRITZE (gelöscht)
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Das kann sich aber schnell ändern ,wenns Häusel ,wie bei nicht wenigen ,untern Hammer kommt ,aus welchen Gründen auch immer !
Sonst wären nicht so viel Häuser auf dem Markt !
Ernst Abbe hat bestimmt noch nicht so die Globalisierung in seinem Kalkül gehabt !

Aber ,immer weiter ! Vorwärts immer , rückwärts nimmer !


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