#1

Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 09:34
von Heldrasteiner (gelöscht)
avatar

Ich hab hier mal nen Link von "Die Zeit" über die Mauer, Fluchten und Opfer:
Der 11. Mai 1975 ist ein sonniger Sonntagmorgen. In Berlin-Kreuzberg, im Westteil der Stadt, spielt ein Fünfjähriger mit den Nachbarskindern Ball. Der Kleine hat Geburtstag, der Ball ist ein Geschenk. Als er die nahe Böschung hinab in die Spree rollt, eilt das Kind hinterher und versucht, ihn mit einem Stock herauszufischen, es verliert das Gleichgewicht und fällt ins Wasser. Schlimm genug, denn es hat noch nicht Schwimmen gelernt. Schlimmer aber: Es fällt in einen Grenzfluss, der an dieser Stelle in ganzer Breite zu Ost-Berlin gehört – und das ist sein Todesurteil.
http://www.zeit.de/2009/12/Maueropfer


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 09:37 | nach oben springen

#2

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 09:53
von karl143 (gelöscht)
avatar

Ein bedrückender Bericht - er zeigt die Unmenschlichkeit welche auf der Ostseite herrschte.


hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#3

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 10:07
von Affi976 (gelöscht)
avatar

soweit ich mich errinnere, sind noch mehr Kinder in diesem Bereich in die Spree gefallen und da es sich um "vorgelagertes Gebiet" handelte, konnte von Westseite keine Rettung erfolgen. Bis die GT antrabten waren die Kinder schon ertrunken und wurden dann zur Obduktion nach Ostberlin verbracht um dann wieder nach Westberlin verbracht zu werden.
Affi


nach oben springen

#4

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 10:23
von dein1945 (gelöscht)
avatar

Zitat von Affi976
soweit ich mich errinnere, sind noch mehr Kinder in diesem Bereich in die Spree gefallen und da es sich um "vorgelagertes Gebiet" handelte, konnte von Westseite keine Rettung erfolgen. Bis die GT antrabten waren die Kinder schon ertrunken und wurden dann zur Obduktion nach Ostberlin verbracht um dann wieder nach Westberlin verbracht zu werden.
Affi

,

nachdem das einige Male vorgekommen ist, hat man sich doch zu einer Lösung bereit gefunden. Am Westberliner Ufer, nähe der Oberbaumbrücke wurden Melder installiert, ähnlich den damaligen Polizeimeldern, mit einer gelben Rundumleuchte, dann durfte auch die Feuerwehr sich von der Westberliner Seite aus an Rettungsmaßnahmen beteiligen.


nach oben springen

#5

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 10:31
von sentry | 1.096 Beiträge

Zitat von karl143
Ein bedrückender Bericht - er zeigt die Unmenschlichkeit welche auf der Ostseite herrschte.


Für mich zeigt der Bericht ganz sicher ein besonders perverses Beispiel für die Unmenschlichkeit der Grenze, aber die Beschränkung auf die Ostseite würde ich in diesem Fallen nicht hinnehmen. Die Reaktionen auf der Westseite kommen mir in der Situation irgendwie unmenschlicher vor, zumal die "Passanten" ja unmittelbar daneben gestanden haben müssen. Sicher, sicher, Verursacher ist die hässliche Grenze, völlig legitim gilt das Kind als Maueropfer, aber wie so schön in dem Artikel steht: "Gewiss hätte das Kind von Passanten rasch gerettet werden können."

Der Artikel beschreibt gut den Druck, dem die Grenzer und andere Menschen, die an der Grenze tätig waren (z.B der Taucher) ausgesetzt waren. Für sie hätte eine menschlich normale Reaktion, nämlich ins Wasser zu springen und das Kind zu retten, unmittelbare Todesgefahr bedeutet, weil man diese Handlung nicht von einem Fluchtversuch unterscheiden konnte. Deswegen durfte das Kind auch nicht ans westliche Ufer zurückgebracht werden.
Dass eine unmittelbare Gefahr für Helfer aus dem Westen bestanden hätte, glaube ich hingegen nicht.
Sicher kann ich nicht für diese Zeit und die unmittelbar anwesenden Individuen sprechen, aber ich behaupte einfach mal, kein Westler, der ins Wasser gesprungen wäre, um das Kind zu retten, hätte irgendwelche Schwierigkeiten bekommen, geschweige denn hätte jemand auf ihn geschossen.

Hier wurden auch schon Beispiele aus dem Lenné-Dreieck gebracht, wo Westler über die Mauer kletterten und relativ unproblematisch wieder nach Hause gebracht wurden.
Ich kenne aus persönlicher Erfahrung auch Beispiele von Grenzübertritten aus dem Westen, die als "vernünftig" einfach so hingenommen wurden, weil es unter den Umständen dieser Grenzkonstruktion keine andere Lösung gab - und da ging es nicht um das Leben eines Kindes.

Ich weiß nicht, ob ich vom Westen aus ins Wasser gesprungen wäre, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, vor meinen Augen ein Kind ertrinken zu lassen, weil ich denke, bei der Rettung unter diesen Umständen erschossen zu werden.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum sich Westberlin der Situation nicht rechtzeitig gestellt hat und dieses gefährliche Ufer mit einem Zaun gesichert hat.


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 10:32 | nach oben springen

#6

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 10:45
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von sentry
Zitat von karl143
Ein bedrückender Bericht - er zeigt die Unmenschlichkeit welche auf der Ostseite herrschte.


Der Artikel beschreibt gut den Druck, dem die Grenzer und andere Menschen, die an der Grenze tätig waren (z.B der Taucher) ausgesetzt waren. Für sie hätte eine menschlich normale Reaktion, nämlich ins Wasser zu springen und das Kind zu retten, unmittelbare Todesgefahr bedeutet, weil man diese Handlung nicht von einem Fluchtversuch unterscheiden konnte. Deswegen durfte das Kind auch nicht ans westliche Ufer zurückgebracht werden.
Dass eine unmittelbare Gefahr für Helfer aus dem Westen bestanden hätte, glaube ich hingegen nicht.
Sicher kann ich nicht für diese Zeit und die unmittelbar anwesenden Individuen sprechen, aber ich behaupte einfach mal, kein Westler, der ins Wasser gesprungen wäre, um das Kind zu retten, hätte irgendwelche Schwierigkeiten bekommen, geschweige denn hätte jemand auf ihn geschossen.


Vielleicht kann man das im Nachhinein so sehen. Jedoch sah das der größte Teil der West-Berliner (aufgrund vielfältiger Erfahrungen und aufgrund der manchmal schon irrwitzigen Unberechenbarkeit der Handlungsweisen der Vertreter dieses diktatorischen Regimes) in dieser Zeit wohl etwas anders....

In Antwort auf:
Der italienische Lastwagenfahrer Benito Corghi (geboren am 26.Mai 1938), der auf der Westseite des Grenzübergangs Rudolphstein / Hirschberg bemerkt, dass er seine Papiere auf der DDR-Seite vergessen hat und zu Fuß zurückgehen will, um sie abzuholen, wird von Soldaten der DDR Grenztruppen erschossen.
Ironischerweise war Benito Corghi Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens (KPI).
Die Presseorgan Neues Deutschland kam seiner Pflicht nach und informierte die Bürger in Deutschen Demokratischen Republik so:
"Information über eine unter Anwendung der Schusswaffe am 05. 08. 1976 erfolgte Festnahme eines Grenzverletzers an der Staatsgrenze zur BRD."und erwähnte erst an nachgeordneter Stelle, dass Corghi an den Folgen seiner Schussverletzungen verstorben sei.


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 10:46 | nach oben springen

#7

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 11:21
von sentry | 1.096 Beiträge

In Antwort auf:
Der italienische Lastwagenfahrer Benito Corghi (geboren am 26.Mai 1938), der auf der Westseite des Grenzübergangs Rudolphstein / Hirschberg bemerkt, dass er seine Papiere auf der DDR-Seite vergessen hat und zu Fuß zurückgehen will, um sie abzuholen, wird von Soldaten der DDR Grenztruppen erschossen.


Das ist genau so ein Fall, der in mein Denkschema passt. Einerseits wird er schonungslos genutzt, um die Grenzer als planmäßige Killer hinzustellen.
Die ZEIT zum Beispiel schrieb: "Was immer die „Verkettung magischer Umstände" (Neues Deutschland) gewesen sein mag, die ihn in jener Nacht auf der Brücke bei Hirschberg zum Ziel befohlener und treffsicherer Schüsse machte — daß da an einer Grenze, noch dazu an einem offiziellen Grenzübergang, gleich tödliche Kugeln fliegen, "wenn sich ein Mensch nicht ordnungsgemäß zu bewegen scheint, dies wirkt aus der Perspektive eines weit entfernten und normalen Staates, wie es Italien ist, ganz unbegreiflich."
(Hervorhebung von mir)

Tatsächlich gibt der Grenzer an, er hätte auf die Beine gezielt, so dass eben ganz genau nicht treffsichere Schüsse zum Tode des Italieners führten. Das hat das Gericht (in unserem Rechtsstaat) auch so akzeptiert.

Andererseits ist auch dieser Fall wieder ein absoluter Einzelfall und kein Beleg dafür, dass an der Grenze nur kaltblütige Killer auf ihre Opfer warteten. Welche Umstände zu den Schüssen geführt haben, ist wohl nicht mehr aufzuklären. Dass sie nicht auf einer generellen Doktrin oder gar Gesetzes- oder Befehlslage basieren, sollte aber klar sein, wenn man den Vorfall richtig einordnen will.
Ich selbst habe an der GÜSt Marienborn jede Menge Vorfälle erlebt, die bei dem Italiener letztendlich zu den Schüssen führten. Bei uns wäre allerdings niemand auf die Idee gekommen, die Waffe auch nur anzurühren.
In Marienborn waren es allerdings in den allermeisten Fällen Polen, die solche Verhaltensweisen an den Tag legten. Anhalten, Wenden auf der Autobahn, Aussteigen aus dem Auto, Ein- und Ausreisen zu Fuß (auch aus den gleichen Gründen - irgendwas bei der Kontrolle vergessen) und das alles im Grenzstreckenabschnitt zwischen der weißen Linie und dem Kontrollterritorium, das war praktisch an der Tagesordnung.
Eigentlich konnte man solche Vorfälle durch Schließen von Schranken und/oder lautstarkes, energisches Gebrüll beenden. Gerade in dem beschrieben Fall des Italieners, nämlich bei einer Einreise zu Fuß, würde doch kein normaler Mensch schießen - der war doch auf dem Weg in den Osten und lief den Grenzern geradewegs in die Arme...


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 11:23 | nach oben springen

#8

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 11:24
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar

Zitat von sentry
Gerade in dem beschrieben Fall des Italieners, nämlich bei einer Einreise zu Fuß, würde doch kein normaler Mensch schießen - der war doch auf dem Weg in den Osten und lief den Grenzern geradewegs in die Arme...

Also ist er garnicht erschossen worden?
-Th


nach oben springen

#9

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 11:35
von sentry | 1.096 Beiträge

...doch, isser wohl. Ich wollte nur sagen: Allgemeine Praxis an der Grenze war so eine Handlungsweise nicht. Ich würde das eher unter Menschliches Versagen oder vielleicht Übermotivation einordnen.
War das nicht verständlich, dass ich diesem Beispiel ander aus meiner Grenzerzeit entgegensetzte (ohne den Vorfall herunterspielen zu wollen)?


nach oben springen

#10

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 11:38
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von CaptnDelta
Zitat von sentry
Gerade in dem beschrieben Fall des Italieners, nämlich bei einer Einreise zu Fuß, würde doch kein normaler Mensch schießen - der war doch auf dem Weg in den Osten und lief den Grenzern geradewegs in die Arme...

Also ist er garnicht erschossen worden?
-Th




Ich möchte nur kurz daran erinnern, daß ich das Beispiel des Italieners deswegen gewählt habe, um damit zu unterstreichen, daß es für einen West-Berliner keineswegs(!!) berechenbar war, was passiert, wenn er sich auf DDR-Gebiet begibt, um ein Kind zu retten....

Man kann ja gerne in Nachhinein aus Sicht eines ehem. DDR-Beschäftigten sagen: "so waren wir aber nicht".

Das konnte einem West-Berliner jedoch überhaupt nicht klar sein, dessen Kenntnisse sich auf Vorfälle wie die des erschossenen LKW-Fahrers beschränkten....

(... wurde der Schütze für den "erlegten KPI-Genossen" eigentlich auch mit Urlaub und einem Orden belohnt?...)


nach oben springen

#11

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 11:44
von karl143 (gelöscht)
avatar

@sentry
An einer "normalen" Grenze wäre das aus- oder einsteigen aus dem Auto auch kein Problem. Was meinst du wohl, was wir in Helmstedt BAB schon alles erlebt haben. Sicher, man kann nun erwidern, an der Grenze zur DDR mußte man um die Gefahr wissen. Aber manchmal geschehen Dinge, die man sich selber nicht erklären kann. Ich wil damit sagen, man kann es selber nicht erklären. Es ist nur ein Beispiel dafür, das es sich nicht um Grenze wie zum Beispiel zwischen der Bundesrepublik und Dänemark oder Frankreich und Spanien handelt. Da kann man zu Fuß rübergehen - und das auch vor der heutigen EU, als vor 20 oder 30 Jahren ohne das man Gefahr lief, irgendwelche größeren Probleme zu bekommen.


nach oben springen

#12

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 12:20
von sentry | 1.096 Beiträge

Zitat von FSK-Veteran
Ich möchte nur kurz daran erinnern, daß ich das Beispiel des Italieners deswegen gewählt habe, um damit zu unterstreichen, daß es für einen West-Berliner keineswegs(!!) berechenbar war, was passiert, wenn er sich auf DDR-Gebiet begibt, um ein Kind zu retten....



Ok, das akzeptiere ich. Für diesen Sachverhalt, speziell die Unberechenbarkeit, ist das Beispiel nicht schlecht - zwar noch weit ab von einem ertrinkenden Kind, aber allemal tauglich, über den Sprung ins kalte Wasser nachzudenken.
Diese Gedankenkette war mir tatsächlich ein wenig aus den Augen geraten.

In Antwort auf:
(... wurde der Schütze für den "erlegten KPI-Genossen" eigentlich auch mit Urlaub und einem Orden belohnt?...)


Vielleicht appeliere ich doch nochmal an die Sachlichkeit und die Vermeidung von nicht sachdienlicher Polemik. Die Anführungszeichen schwächen das verwendete Vokabular auch nicht wirklich ab.
Als Mitschreiber hier habe ich irgendwie ein Interesse, dass die Informationen, die rüberkommen, halbwegs korrekt sind. Wenn allerdings permanent irgendwelche Rambo-, Killer-, Cowboy-Analogien gesetzt werden, wird mir die Richtigstellungsarie zu viel. In einigen Diskussionen schreibe ich schon gar nicht mehr, weil mir dieses ständig Überspitzte auf die Nerven geht.


Wenn jemand, der gerade im Dienst jemanden getötet hat, beurlaubt wird, ist das vermutlich ganz normal. Ich weiß es nicht.
Beurlaubungen und Auszeichnungen waren mit Sicherheit keine Abschussprämie. Das schreibt sich zwar so schön, wenn man das System brandmarken will und stimmt ja irgendwie auch, wenn ein Grenzverletzer zu Tode gekommen ist. Aber die Auszeichnung eines Grenzers bezog sich doch wohl eher auf den verhinderten Grenzdurchbruch. Es gab sie auch für völlig unspektakuläre Festnahmen, bei denen die Waffe nicht angerührt wurde.
Es mag schwer zu glauben sein, aber wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, ist es plausibel: Niemand hatte ein Interesse daran, dass an der Grenze Menschen zu Tode kamen. Menschen zu töten, war nicht das Ziel der Grenzsicherung. Das Ziel war, Grenzverletzungen zu verhindern. Unter Grenzverletzungen verstand man gemeinhin den (versuchten) Grenzübertritt (aus welcher Richtung auch immer), ohne dass der Betreffende ein gültiges Dokument dazu hatte und/oder eben an Stellen, wo dieses Betreten nicht vorgesehen war. Belohnt wurde die Erfüllung dieses Ziels, nicht der Einsatz spezieller Mittel zur Erfüllung dieses Ziels.

Die eigentliche Frage kann ich allerdings nicht beantworten.


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 12:22 | nach oben springen

#13

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 12:44
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Lieber sentry,

ich bitte herzlichst darum, mir etwas Polemik zu erlauben, sofern sie veranschaulichend wirkt. Ich fände es sehr anschaulich, wenn der Schütze bei dem 18jährigen Gueffroy für das abgeknallte, noch halbe Kind eine Auszeichnung mit Geldprämie bekommt. Beim abgeknallten KPI-Genossen jedoch nicht... (..und das vermute ich mal ganz stark).

Übrigens kann ich einen Urlaub wegen des Schocks durchaus nachvollziehen. Eine Auszeichnung für einen erschossenen Jugendlichen aber in gar keinem Fall. Damit demaskiert sich das Regime ein weiteres mal. Die verweigerte "Abschußprämie" beim KPI-Genossen wäre nur noch der "Punkt auf dem I" bei der Illustration dieses perversen Grenzregimes gewesen, daß seine "Blüte" mit der Installation der SM 70 - Selbstschußautomaten erlebte....


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 12:48 | nach oben springen

#14

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 14:14
von sentry | 1.096 Beiträge

Zitat von FSK-Veteran
Die verweigerte "Abschußprämie" beim KPI-Genossen wäre nur noch der "Punkt auf dem I" ...


Vielleicht wäre ja auch eine gewährte "Abschussprämie" für einen auf jeden Fall unverhältnismäßigen Todesschuss ohne Bedrohung des Schützen, ohne böse Absicht und ohne Fluchtgefahr des Opfers der "Punkt auf dem I"!?!
Jemanden auszuzeichnen, der offensichtlich Schei*e gebaut hat, nur weil man es immer so macht, wenn ein Zivilist an der Grenze "erlegt" (war das das Wort?) wurde, wäre doch wohl um einiges i-punktiger, als ihm diese Auszeichnung zu verweigern.

"Punkte auf dem I" kann man mit Suggestivfragen immer erzeugen.


nach oben springen

#15

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 14:35
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Mein Ansatz ist jener:

Wenn es sich um eine Prämie handelt, die generell Grenzdurchbrüche verhindert, wäre natürlich der Schütze im Falle des LKW-Fahrers zu prämieren gewesen. Denn er hat ja erfolgreich einen "Grenzdurchbruch" verhindert. Und Grenzdurchbruch ist nun mal Grenzdurchbruch.

Gäbe es diese Prämie beim italienischen LKW-Fahrer nicht, könnte man daraus schließen, daß nur abgeknallte DDR-Bürger prämiert wurden. Ähnlich, wie es an der bulgarischen Grenze passiert sein könnte...

In Antwort auf:
Für DDR-Flüchtlinge, die an der bulgarischen Grenze erschossen wurden, sollen nach einem Bericht der Zeitschrift „Super Illu“ Kopfprämien von jeweils 8000 Ost-Mark gezahlt worden sein. Er schätze, dass etwa 100 Menschen an der Grenze im DDR-„Bruderland“ Bulgarien getötet wurden, sagte der Politologe Stefan Appelius von der Universität Oldenburg der Zeitschrift.

Mindestens 4 800 Ostdeutsche hätten während der DDR-Zeit versucht, von Bulgarien aus zu fliehen, so in die Türkei oder nach Griechenland. 3 bis 3,5 Prozent dieser Fluchten seien geglückt, sagte der Professor.

Appelius sagte unter Berufung auf Aussagen ehemaliger bulgarischer Botschaftsmitarbeiter, dass die DDR-Botschaft in Sofia für jeden an den bulgarischen Grenze Getöteten eine Prämie in Höhe von 2000 Lewa gezahlt habe. Die bulgarische Regierung halte bis heute Unterlagen zurück, sagte Appelius der „Super Illu“.



Quelle:
http://www.welt.de/politik/article183558...echtlingen.html

Wenn die Aussagen bulgarischer Botschaftsmitarbeiter stimmen, hat die DDR auch Bulgarien für jeden erlegten DDR-Bürger eine stattliche Jagdprämie ausgespuckt. Für erlegte Italiener wäre wohl nichts gezahlt worden...

...warum soll das an der eigenen Grenze nicht genauso gewesen sein, wenn selbst die bulgarischen Genossen für jeden abgeschossenen DDR-Bürger prämiert wurden?

Waidmannsheil!


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 14:50 | nach oben springen

#16

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 15:18
von sentry | 1.096 Beiträge

Kann sein, dass wir für abgeknallte Bulgaren eine Kopfprämie im Bereich 8000 Dehmark Ost gekriegt hätten. Da wir mit Futter und Klamotten vollversorgt waren, habe ich mich damals für Geld nicht so interessiert.
Für abgeknallte Polen gab's an der GÜSt Marienborn jedenfalls nichts.
Oder es wollte keiner haben.
Gelegenheiten gabs genug.
Wie schon erwähnt.
Aber keiner hat sie wahrgenommen.

Mehr kann ich zu den semi-logischen Ableitungen nicht sagen.
Und jetzt gib Ruhe.


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 15:19 | nach oben springen

#17

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 15:50
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Gleich sentry,
nur noch das:

..mit geht es nicht um den Dienst der Grenzer. Das wir uns nicht (die ganze Zeit) mißverstehen: ich glaube nicht, daß der kleine Grenzsoldat wegen einer Prämie lächzend-freudig auf einen Flüchtling gewartet hat.

Mir geht es um die Prämie an sich! Und damit sind wir gleich bei den Polen oder den Bulgaren. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß die polnische Regierung eine Jagdprämie ausgesetzt hätte für jeden erlegten Polnischen Bürger. Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen! Dazu haben die Polen viel zu viel Nationalgefühl, als daß sie sich einen solchen Gesichts- und Ehrverlust angetan hätten, den Bulgaren eine Jagdprämie zu zahlen. Ich glaube, die hätten sich gegenüber den Bulgaren geschämt....

Das war anscheinend eine Spezialität der DDR-Deutschen stalinscher´ Prägung. Ohne Nationalgefühl. Die wollten ja in der Weimarer Republik schon "Sowjetdeutschland" errichten. Ersatzrussen eben. Das die Bulgaren von DDR-Verantwortlichen für jeden erlegten DDR-Bürger prämiert wurden, spricht für sich. Die Prämie an der innerdeutschen Grenze sowieso....

Sie haben ihrer Bevölkerung zutiefst mißtraut. Nicht ohne Grund, wie sich 1989 zeigte...


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 15:54 | nach oben springen

#18

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 15:55
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@fsk-verteran, ein eu-land, hier bulgarien, hält angeblich unterlagen bzgl. der untergegangenen ddr zurück. ich bitte dich...

irgendwo auf dieser erde gackert jemand etwas wofür es keine beweise gibt. nun springt hier darauf jemand an und ihr habt euch wegen einer blosen behauptung in der wolle?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
nach oben springen

#19

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 16:00
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

GW:
Kann ich mir alles gut vorstellen! Weil: es belastet Bulgarien insofern, als das man schließen könnte, bulgarische Grenzer hätten sich durch die DDR anspornen lassen. Das die Bulgaren das Thema heute nicht wollen, ist doch klar!

...und außerdem haben wir uns doch gar nicht in der Wolle!
Oder?


zuletzt bearbeitet 13.08.2009 16:10 | nach oben springen

#20

RE: Zeitgeschichte: Tod an der Mauer

in Presse Artikel Grenze 13.08.2009 16:16
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

In Antwort auf:
...und außerdem haben wir uns doch gar nicht in der Wolle!
Oder?


ich glaube er war eher dein: Oder?

meinst du nicht auch, dass bei vorsätzlichen mord bzw. mordversuch, nichts anderes ist diese angebliche abschussprämie, die bundesdeutsche staatsanwaltschaft mit den bulgaren jetzt tacheeles gesprochen hätte?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 13.08.2009 16:16 | nach oben springen



Besucher
23 Mitglieder und 52 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: gerhard
Besucherzähler
Heute waren 1543 Gäste und 131 Mitglieder, gestern 3956 Gäste und 189 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14370 Themen und 557996 Beiträge.

Heute waren 131 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen