#1

Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 06:23
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Ehrlich gesagt kann ich mich kaum noch erinnern: Habe ich wirklich die halbe Kindheit auf einem Topf gesessen und die andere Hälfte nach Obst angestanden? An die ständigen Stasi-Verhöre in Plattenbau-Kellern? Jeden Abend Soljanka und im Sommer FKK? Manches mag verdrängt sein, aber vieles ist auch schon so lange her, dass es gar nicht mehr wahr ist.

Nicht nur um "meine" DDR wabert ein zunehmend trüber Nebel aus echten Erinnerungen und eher unscharfen, aus Verniedlichung, Übertreibung und nachträglicher Deutung. Wahrscheinlich haben die Klischees vom grauen Einheitsalltag inzwischen einen homogenen Zustand erreicht, von dem nicht mal die Sozialistische Einheitspartei träumen durfte. Und doch sind – heute wie damals – immer noch regelmäßig Bekenntnisse zur DDR gefragt

Schien auch mal die Sonne oder war es doch nur eine Diktatur? Eher ein Ort oder eine Zeit? Mit Westdeutschen diskutiere ich darüber schon lange nicht mehr ernsthaft. Es ist sinnlos. Egal. Zum Glück vorbei. Und da schleicht sich schon wieder das erste Bekenntnis ein, das schnell zu Missverständnissen führt. Denn mit "Glück" ist natürlich auch nicht der real existierende Rechtsstaat gemeint.

Alte Debatte, die sich immer wieder entzündet

Seltsamerweise sind es aber immer Westdeutsche, an denen sich diese alte Debatte entzündet. Vor fünf Jahren - kurz vor dem 20. Jubiläum der durch und durch rechtsstaatlichen Reprivatisierung – wollte sich der westdeutsche Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern bei seinen neunen Landeskindern einschleimen, in dem er sich dagegen verwahrte, "die DDR als totalen Unrechtsstaat zu verdammen". Dabei hatten die längst begriffen, dass der totale Rechtstaat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Für die westdeutsche Bekenntnis-Presse war das trotzdem eine Provokation.

Nun will ein Westdeutscher in Thüringen unbedingt Ministerpräsident werden und – rücksichtslos, wie sie nun mal sind – nimmt er dafür in Kauf, dass sich an dem Wort "Unrechtsstaat" die eigene Partei zerreißt. Prompt streiten sich bekennende SED-Nachfolger und jüngere PDS-Linke erneut über ihr anteiliges Erbe aus Schulspeisung und Mauermord. Selbstredend redet auch der Westen selbstgerecht mit. Und am Ende fragt niemand mehr, ob eine Blockflöte wie die amtierende CDU-Landesmutter - früher gleichzeitig FDJ-Sekretärin und Theologiestudentin - dem alten System womöglich näher stand als manch ehrlicher Kommunist.

Man redet aneinander vorbei

Im kalten Krieg der Erinnerung geht es seit 25 Jahren um Biografien und Würde, um Besserwisserei und Vergesslichkeit. Die einen reden sich ihr kleines dreckiges Land und seine grotesken Rituale immer schöner, während sich die anderen nicht mal vorstellen können, dass es dort überhaupt so etwas wie rechtschaffenden Alltag gab. Als stünde der Beweis noch aus, wer denn nun vor 1990 im besseren Teil Deutschlands gelebt hat, reden schlechte Verlierer und vermeintliche Sieger der Geschichte aufeinander ein und aneinander vorbei. Die einen treten bei jeder Gelegenheit nach, die anderen fühlen sich sowieso übergangen. Und umso öfter ihnen vorgehalten wird, dass sich bei ihnen sogar die besten Freunde bespitzelt haben, desto trotziger antworten sie: Na und, immerhin hatten wir welche!

Für mich war die DDR – und das konnte ich mir weder aussuchen, noch mag ich mich dafür entschuldigen – 21 Jahre einfach da, wo ich aufwuchs. Sie wurde nur 40 Jahre alt, und seit ich selbst so alt bin, kann ich sogar verstehen, dass sie bis zuletzt ihre Zukunft beschwor. Immerhin haben wir je die Hälfte unseres Lebens miteinander verbracht. Vermutlich hat sie mich sogar mehr geprägt als ich sie. Über den Westen, aber das nur nebenbei, muss ich das hoffentlich nie zugeben.

Machtverhältnisse waren klar

Für eine Diktatur war sie sicher etwas bequemer als die gesamtdeutsche davor, aber - anders als heute - hat auch niemand einen Hehl aus den wahren Machtverhältnissen gemacht. Das Regime wachte ganz offen darüber, was man zu denken, zu tun und zu lassen hatte - nicht hinten rum wie NSA und Verfassungsschutz. Es mischte sich in jedermanns Leben ein, steuerte Menschen und ihre Bedürfnisse wie ein Kombinat. Von oben herab – nicht scheinbar auf Augenhöhe, wie Konzerne ihren Knechten und Konsumenten heute vorgaukeln. Wir waren ihr Volkseigentum. Dann waren wir ein paar Monate das Volk. Jetzt sind wir auch nur noch "Sozialkapital".

Wenn sich einer ihre enge Fürsorge nicht gefallen lassen wollte, konnte die DDR auch richtig eklig werden. Dann sperrte sie ihre eigenen Leute ein, stellte sie kalt oder ließ sie einfach abknallen, wenn sie weglaufen wollten. Selbstbewusste Rechtsstaaten haben das natürlich nicht nötig: Dort lässt man zwar jeden raus, aber nicht alle rein – sondern lieber im Mittelmeer ertrinken, bevor die globale Reisefreiheit den eigenen Wohlstand gefährdet.

Menschenunwürdige Ost-Jeans

Solche Vergleiche dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie menschenunwürdig es war, Ost-Jeans zu tragen, die selbst nach hundert Waschmaschinen kein bisschen ausgewaschen aussahen. Ohne das Desaster in der Turnschuh-Versorgung zu verharmlosen, muss man auch immer wieder darauf hinweisen, dass ein Bürgerrechtler wie Edward Snowden in einem Unrechtsstaat wie die DDR sicher nie Asyl bekommen hätte. Echte Schurkenstaaten müssen sich außerdem daran messen lassen, ob sie in Afghanistan einmarschieren – wie beispielsweise die Sowjetunion - oder ihre Staatsmedien so lange den kalten Krieg schüren, bis es nicht mehr anders geht, als kleinlaut zurück zu rudern. Aber kann man wegen einem korrigierten Fehler wirklich schon von Glasnost bei der ARD reden?

Das Schöne an der Rechtsstaaterei und dem gegenseitigen Erinnern an die richtige Erinnerung ist, dass sie bei jedem anders richtig ist und sich höchstens aus Trotz kollektiviert. Deshalb sind Ostdeutsche so empfindlich, wenn Filme über das Leben der anderen ausgerechnet von den anderen gedreht werden. Oder Westdeutsche im Duktus eines FDJ-Agitators – gern garniert mit einem Ost-Sandmann vor DDR-Fahne - Binsenweisheiten klarstellen wie etwa: "Die DDR ein Unrechtsstaat? Aber sicher doch!"

Beide Seiten brauchen das immer mal zur Selbstbestätigung Es hilft gegen irritierende Bekenntnisse wie von Angela Merkel, wonach die ost- wie westdeutsche Musterschülerin "gern in der FDJ" war. Irgendwann fragt auch Gustl Mollath niemand mehr, ob ihn ein Rechtsstaat in die Psychiatrie sperrte - oder ob dieses eingebildete Gebilde vielleicht nur so heißt, weil es jedem SS-Juristen schneller vergab als einem hauptamtlichen Stasi-Pförtner.

.
Schöne Kindheit gibt es überall

So strickt jeder an seinen Legenden. Sieht den Balken nicht vor lauter Splittern in den Augen der anderen. Und genau da muss man aufpassen: Denn an eine schöne Kindheit erinnern sich auch Menschen in Nordkorea oder Niederbayern, das hat nichts zu sagen.

Ähnlich Mechanismen kann man in psychiatrischen Selbsthilfegruppen oder revanchistischen Traditionsvereinen beobachten: Alle wissen, dass sie eine Dachschaden haben, aber wenigstens sind sie nicht allein damit. Sie reden über Dinge, die Außenstehende nie ganz begreifen können. Manche schämen sich sogar etwas, dass sie es so lange ausgehalten haben, von einer scheinbar guten Sache überzeugt - aber wehe, das hält ihnen ein Fremder vor.

Inzwischen streut der ostdeutsche Sandmann auch westdeutschen Kindern öffentlich-rechtsstaatlichen Sand in die Augen. Offiziell hungert niemand. Vielen können sich sogar ausgefallen Reisewünsche wie Mallorca oder mit der Bundeswehr in alle Welt erfüllen, sofern ein Flieger funktioniert. Wer genug Ecclestones in der Tasche hat, muss sich auch wegen der angeblich unabhängigen Justiz keine Sorgen machen. Dieses "Freiheitsgefühl", wie es unser gemeinsamer Bundespräsident neulich vorsichtig im Zusammenhang mit der rechtsstaatlichen NSA-Überwachung nannte, ist nicht mit gefühlter Freiheit zu verwechseln. Erst recht nicht mit DDR oder FKK.

Vorbestimmter Lebenslauf

Schlimmer als Ost-Jeans oder Engpässe in der Bademode waren in meiner Erinnerung die zuständigen Stellen für alles und jeden, dieses vorbestimmte Leben auf Schienen: Kindergarten und Schule, danach Lehre oder Studium, alles eine einzige Gehirnwaschmaschine. Selten nach Eignung oder Neigung, sondern stets nur nach Wohlverhalten und "gesellschaftlichem Bedarf".

Im Westen nennt man das Angebot und Nachfrage, angepasste Arschkriecher gelten als flexible Führungspersönlichkeiten. Allein der sogenannte Markt bestimmt über Lebensläufe. Und weil dabei angeblich jeder seines Glückes Schmied ist, sucht niemand die Fehler im System, sondern immer zuerst bei sich. Das ist der raffinierteste Unterschied. Deshalb implodiert dieses System vielleicht erst in zwei oder 22 Jahren, wenn auch dort die Verschleißgrenze an Rückgrat und kollektivem Selbstbetrug erreicht ist. Aber wer so etwas einmal erlebt hat, gibt die Hoffnung nicht auf und sieht überall erste Zeichen dafür.

Die DDR ging auch daran zu Grunde, was sie ihren Leuten antrainiert hatte, an Gewohnheit, "Augen zu und durch" und einer diffusen Angst vor dem, was möglich wäre. Es geht seinen sozialistischen Gang, war das geflügelte Wort dafür. Heute würde man vielleicht "Alternativlosigkeit" dazu sagen.

Möglicherweise verkläre ich das, aber in "meiner" DDR war am Ende sogar die Langeweile größer als die Angst vor dem eigenen Mut. Und das ist eine Erfahrung, die ich auch Westdeutschen gönne: Man muss nicht ewig über Geheimdienste jammern, sondern kann sie auch einfach mal besetzen. Einen ungerechten Rechtsstaat abzuwickeln, sollte sogar noch einfacher sein, als eine Diktatur. Insofern lasse ich mir auch die schönste Erinnerung an den Unrechtsstaat nicht nehmen: Wir haben ihn selbst abgeschafft.
http://www.stern.de/politik/deutschland/...e-2142844.html

Feuer frei......


Intellektuelle spielen Telecaster
turtle, Damals87, andyman, ulei mendhausen, DoreHolm und rasselbock haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 07:21
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo, @Schuddel, hast Du selbst auch eine Meinung dazu?

VG Klaus


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#3

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 07:32
von Harsberg | 3.245 Beiträge

Zitat von Hufklaus im Beitrag #2
Hallo, @Schuddel, hast Du selbst auch eine Meinung dazu?

VG Klaus



Nööö, er stellt nur die Meinung anderer vor


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#4

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 07:43
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Schuddel - prima gemacht. Das war mal ein Beitrag ohne ideologische Scheuklappen und ohne schwarz-weiß Malerei. Manchmal hilft eben auch Nachdenken. Und das vermisse ich bei einigen Beiträgen in fast allen Themen.

Der Hesselfuchs


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#5

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 07:46
von schnatterinchen (gelöscht)
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Besser gut kopiert als schlecht selber gemacht.


Grenzverletzerin und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 09:14
von damals wars | 12.113 Beiträge

"Jemand muss ehemaligen DDR-Bürgern erklären, wie das Leben dort war. Wenn es im Rückblick immer schöner wird, liegt das vor allem an rechtsstaatlichen Besserwissern. Eine Erinnerung Von Holger Witzel"
Und ihren ostdeutschen Claqueuren, um den Satz zu vervollständigen.
Die DDR war vor allem auch politische Heimat.
So ,jetzt meldet Euch.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#7

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 09:22
von Gelöschtes Mitglied
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@Schuddelkind , Dir ist es wohl etwas zu ruhig hier geworden....., zu wenig "Urlauber".

Ich will mal nur an dem "Stöckchen" riechen, aufheben kann es wer will. Allein die Begriffe "Unrechtsstaat", "Diktatur" usw. sind in jedem zweiten Satz vorhanden. Diese Begriffe wurden schon im einzelnen in den verschiedenen Themen zerstritten.
Dort habe ich auch konkret meine Meinung dazu geschrieben, jetzt mal wieder durch die Hintertür?


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#8

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 10:06
von Barbara (gelöscht)
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Eine eindrucksvolle Positionsbestimmung - ein sehr differenzierter und klasse Text, danke für's posten Schuddel.


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#9

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 10:10
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #6
"Jemand muss ehemaligen DDR-Bürgern erklären, wie das Leben dort war. Wenn es im Rückblick immer schöner wird, liegt das vor allem an rechtsstaatlichen Besserwissern. Eine Erinnerung Von Holger Witzel"
Und ihren ostdeutschen Claqueuren, um den Satz zu vervollständigen.
Die DDR war vor allem auch politische Heimat.
So ,jetzt meldet Euch.



fett:

Vielleicht kannst du das mal ein bisschen ausführen, denn ich verstehe zwar, was du meinst, aber ich bin mir sicher, dass auch die "politische Beheimatung" sehr unterschiedlich empfunden wurde, denn dieses ist ja nicht nur eine Aussage über die reine Theorie, oder?
.


zuletzt bearbeitet 06.10.2014 10:10 | nach oben springen

#10

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 10:22
von Gelöschtes Mitglied
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Ruhig geworden ist es hier nicht ,wir werden langsam müde. Müde weil es immer um das selbe Thema geht , Wie schön war die DDR wie schlecht ist die BRD .
Damals war die Zeit noch nicht da , etwas gutes für die Bevölkerung für die Ewigkeit mit hinüber zu nehmen .Geschockt waren wir alle was sich hinter den Türen der DDR -Regierung bis hinab in den Betrieben abspielte .
Die Unmut hat uns gesagt , jetzt muss ihr was dagegen tun.
http://terraherz.wordpress.com/2014/10/0...tschen-einheit/ MfG ratata

Warum hat denn die AfD einen enormen Zulauf bekommen , viele sind nicht mehr mit der Politik der führenden Parteien und ihr rumgeeiere
einverstanden.


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.10.2014 10:30 | nach oben springen

#11

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 10:29
von FRITZE (gelöscht)
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Eure Beiträge sind wie das Wetter heute !


zuletzt bearbeitet 06.10.2014 21:23 | nach oben springen

#12

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 10:36
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich habe mich sehr lange schwer getan mit der DDR. Sie war meine Kindheit, meine Jugend.
Vor allem Heimat ,Freunde Vertrautes. Die andere Seite war sie schnürte mich ein, gab mein Denken vor, nahm mich bei der Hand an der ich einen bestimmten Radius nicht verlassen durfte. Freier Bürger wollte ich sein und wollte nicht begreifen das alles soll sozialistisch sein.
Die andere Seite kannte ich nicht da man mir nie dazu Gelegenheit gab. Bei den genaueren Betrachten wäre bei dem Einen oder Anderen bestimmt die Erkenntnis gekommen das es sich in der DDR bequemer lebt. Mann muss eben nur angepasster sein. Ja das angepasster sein als mündiger Bürger mit eigenen hinterfragenden Gedanken machte es mir so schwer. Kritisches zum Staat zu sagen war nicht erwünscht, ja sogar gefährlich. All zu leicht stand man unter Beobachtung immer ängstlich im Kopf „Kommen sie bitte mit zwecks Klärung eines Sachverhaltes. Freilich konnte ich mir spätere Ausmaße von Überwachung durch den Staat nicht vorstellen. Doch damals sah ich die Loslösung von der Hand des Staates DDR die einzige Möglichkeit des freien Bewegens und Denkens. Überrascht war ich von der Unkenntnis in der BRD über die DDR. Danach musste ich aus einem fremden Land kommen wo ständig Hunger herrscht, und ohne die Westpakete kaum Überlebungschancen haben die Schwestern und Brüder in der „Zone“ Ich war ewig in einen Zwiespalt freute mich über sportliche DDR Erfolge., blieb Lok Leipzig immer treu. Und Sachsen blieb immer geliebte Heimat. Eine fremde deutsche Sprache kam für mich nie in Betracht. Schon dadurch konnte ich meine Identität nie verleugnen. Doch das sollte es auch nicht. Es war nicht die Idee des Sozialismus die ich verdammte, es war das wie man es in Berlin verstand. 89 dachte ich nun bekommen Sie eine zweite Chance einen besseren Staat auf zu bauen. Es war zu spät die Mehrheit der Bürger hatten fertig. Sie war vertan die große Chance nach 1945 eine bessere Gesellschaftsordnung aufzubauen. Doch für mich bleibt sie immer ein Stück meiner selbst die DDR Sie hat mich mit geformt, habe sie später nie ganz vermisst, und auch nicht vergessen können. Sie sperrte mich ins Gefängnis, kümmerte sich um mich als das Elternhaus versagte, lehnte meine Kritik ab, doch ein Stück Heimat blieb sie immer. Doch etwas ist auch im „Westen“ heute immer noch so, viele wissen nichts über die DDR. Wir Zeitzeugen dürfen nicht schweigen und müssen erzählen wie es war damals in der DDR, nichts verklären, beschönigen, Unrecht nicht verschweigen positives genauso wenig. Vielleicht bekommt eine spätere Generation einmal eine neue Chance. Aus Fehlern zu lernen macht es leichter sie nicht zu wiederholen.


Hans, Hapedi, seaman, GKUS64, andyman, matloh, Rostocker, Elch78, Rothaut, Pzella 82, utkieker und Arnstädter haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.10.2014 10:43 | nach oben springen

#13

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 10:45
von RiFu | 201 Beiträge

Wir haben hier Spitzenwetter, das Einzig blöde ist, dass man auf Arbeit rumhängt...

Zum Thema: Beim Lesen der Stasi Berichte zum Herbst 89(siehhe Thread Gratis) kam ich schon ins Grübeln was wpassiert wäre, wenn wir im Sommer 89 nicht von Budapest wieder heimgefahren wären. Ich bin mir sicher, die Wende war unvermeidbar. Wäre es nicht so gekommen wäre die DDR zusammengebrochen mit vermutlich weit schlimmeren Folgen.
Mir geht es heute wesentlich besser als zu DDR Zeiten. Ich habe gute und auch schlechte Erinnerungen an diese Zeit. Meinen Kindern versuche ich immer mal wieder zu vermitteln, wie es damals war. Das ist nicht einfach da man unsere damalige Welt nur schwer vermitteln kann.
Diese Tage verleiten zumindestens mich immer mal wieder gedanklich zurück in die alte Zeit zu fliegen...

Karsten


EK 88 I


Hapedi und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 10:53
von Gert | 12.354 Beiträge

das langweilt langsam, zig mal durchgekaut. Ich lasse das Stöckchen liegen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#15

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 13:33
von andyman | 1.871 Beiträge

Hallo @all
Die Beiträge von @Schuddelkind und @turtle #12 finde ich gelungen,schade ist nur das ich es selber nicht so in Worte fassen kann.Lgandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
Hapedi und turtle haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#16

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 16:55
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von andyman im Beitrag #15
Hallo @all
Die Beiträge von @Schuddelkind [...] finde ich gelungen,schade ist nur das ich es selber nicht so in Worte fassen kann.Lgandyman

Ein "Feuer frei......" bekommst Du doch auch locker hin!

Gruß
Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#17

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 17:01
von Gelöschtes Mitglied
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Wenn er hinter dem Beitrag steht, ist es doch kein Problem wenn es nicht aus seiner Feder kommt. Jedenfalls besser wie manche sinnlosen Beiträge oder 10 Zitat übereinander und zum Schluss ein banaler Satz.

Der Hesselfuchs


Damals87, Elch78 und andyman haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 17:04
von Rostocker | 7.716 Beiträge

Zitat von andyman im Beitrag #15
Hallo @all
Die Beiträge von @Schuddelkind und @turtle #12 finde ich gelungen,schade ist nur das ich es selber nicht so in Worte fassen kann.Lgandyman


Dem kann ich mich nur anschließen, es ist schon wissenswert und lehrreich--wenn jemand beide Systeme kennen gelernt hat


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#19

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 17:31
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #18


Dem kann ich mich nur anschließen, es ist schon wissenswert und lehrreich--wenn jemand beide Systeme kennen gelernt hat


Das ist richtig.Besonders,wenn man beide Seiten der unterschiedlichen politischen Systeme schon vor dem 3.Oktober 1990 dauerhaft erlebte.

seaman


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#20

RE: Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit

in Leben in der DDR 06.10.2014 18:02
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Tja seaman , das ist ja gerade die Krux, wenn deine Genossen das einer Mehrzahl der DDR Bürger ermöglicht hätten, könntest du vielleicht heute noch für Mielke spionieren.


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.10.2014 18:04 | nach oben springen



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