#1

Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 28.09.2014 19:30
von chantre | 425 Beiträge

Ich möchte den Vorschlag mal aufgreifen und das Thema Eid im Wechsel der Systeme eröffnen.
Auch ich hatte einen Eid geleistet und ein Offiziersgelöbnis. Die Zeit der Wende brachte mir einige Zweifel, ob des richtigen Tuns.
Im Endeffekt war mit dem 09. November unsere politische und polizeiliche Führung auf Tauchstation. Ich erlebte nur einige wenige Führungskader, die in dieser Zeit das Gespräch mit ihren Untergebenen suchten.

Ich denke, daß der offene Brief der ABV des Gruppenposten Irxleben die Einstellung eines Großteils der Polizisten widergibt.

Offener Brief an alle Dienststellen, Einheiten und Einrichtungen der Deutschen Volkspolizei
AUFRUF
der Angehörigen des Volkspolizei-Gruppenpostens Irxleben an alle Angehörigen der Deutschen Volkspolizei!
Wir, die Abschnittsbevollmächtigten des Volkspolizei-Gruppenpostens lrxleben im Volkspolizei Kreisamt Wolmirstedt, rufen alle Angehörigen der Deutschen Volkspolizei auf, sich mit ihrer Unterschrift zu folgenden Punkten zu bekennen:
1. Die Angehörigen der Deutschen Volkspolizei bekennen sich voll zur gesellschaftlichen Erneuerung, zur Wende in der DDR und werden aktiv all ihre Kraft zur Erneuerung der sozialistischen Gesellschaft auf demokratischer Basis einsetzen.
2. Die Angehörigen der Deutschen Volkspolizei sind entsprechend ihrem Eid in ihrer Tätigkeit nur der Verfassung sowie der durch freie, gleiche und geheime Wahlen gewählten Volksvertretung und ihrer Regierung verpflichtet. In unserer Tätigkeit für die Bürger, im Auftrage und mit den Bürgern unseres Landes bilden einzig und allein die durch die Regierung beschlossenen gesetzlichen Bestimmungen die Grundlage.
3. Wir treten für eine Volkspolizei ein, die parteienindifferent wirkt und bereit ist, mit allen Kräften unseres Landes, die eine echte Sicherheitspartnerschaft wollen, zusammen zu arbeiten.
4. Wir Volkspolizisten arbeiten aktiv für die abstrichlose Aufdeckung und Ahndung von Amtsmissbrauch und Korruption. Dazu sind wir zur Zusammenarbeit mit den Bürgern bereit. Hierbei gehen wir von gegenseitiger Gewaltfreiheit in unserer gemeinsamen Arbeit aus. Selbstjustiz und Eigenmächtigkeiten können wir jedoch nicht dulden, sie sind nicht im Interesse der Bürger und auch nicht in unserem Interesse.
Das Kollektiv des
Volkspolizei-Gruppenpostens
Irxleben

Ich habe letztendlich, die Polizei im Jahre 1991 verlassen, weil ich meine berufliche Zukunft in der freien Wirtschaft sah. Aus wirtschaftlicher Sicht und auch aus persönlicher Sicht. Es gab mal einen Scherz, das Aquarium wurde aus dem Büro entfernt, weil der Streß für den Beamten zu groß war. Ich mußte feststellen, daß dieser Scherz ein Körnchen Wahrheit enthielt und auch die persönliche Verantwortung und Entscheidungsbereitschaft nicht mehr gefragt war.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
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#2

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 28.09.2014 20:51
von ABV | 4.202 Beiträge

Der " Offene Brief " drückt aus meiner Sicht die Bereitschaft des Volkspolizisten aus, den abgeleiteten Eid, im positiven Sinn, weiter abstrichlos zu erfüllen. Und zwar gegenüber dem eigenem Volk. Nicht aber gegenüber einer unfähigen, verbrecherischen Partei und Staatsführung!

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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zuletzt bearbeitet 28.09.2014 20:52 | nach oben springen

#3

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 28.09.2014 20:55
von Vogtländer (gelöscht)
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Bedenke man doch,das sich viele Angehörige der Organe vereaten und verkauft fühlten!Viele waren bestimmt frustriert!


zuletzt bearbeitet 28.09.2014 20:56 | nach oben springen

#4

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 18:15
von chantre | 425 Beiträge

Mich würde mal interessieren, wie andere "Übernommene" die Problematik des Eides sehen bzw. gesehen haben. Wenn ich mich nicht gänzlich irre, gab es ja auch AGT und NVA, die den anderen Rock anzogen.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
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#5

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 18:20
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

Wurden die Angehörigen bei der Auflösung nicht (automatisch) entpflichtet?

Die Soldaten konnten die "Arbeiter- und Bauern-Regierung" nicht mehr schützen und den Sozialismus verteidigen. Der Eid hatte sich also inhaltlich erledigt.

Beim Systemwechsel 1945 waren neue Eide auch kein Problem, weder im West, noch in Ost.
Diejenigen waren ganz eifrig im Dienste ihrer neuen Herren.

Gerade in Deutschland gibt es wegen der politischen Umbrüche "praktische" Bestrebungen, das Soldatsein unabhängig vom politischen System zu betrachten.
Das ist seit den alten Sölnerheeren Tradition.

Dagegen ist der Wechsel 1990 im Kasernendienst ganz harmlos gewesen. Die DDR konnte nicht mehr verraten werden und man zog gar nicht zu Felde.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 29.09.2014 18:30 | nach oben springen

#6

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 18:53
von Uleu | 528 Beiträge

Eid ist Eid. Loyalität ist eine ( für mich ) wertvolle Eigenschaft eines Menschen, und eine soldatische Tugend.

Und auch wenn es die DDR nicht mehr gibt, inhaltlich erledigt hat sich der Eid für mich nicht. Es gab durchaus Versuche in den vergangenen Jahren mich zu bewegen der DDR und ihrem Ansehen Schaden zuzufügen, also mich zu bewegen meinen Eid zu brechen.
Ich bin denjenigen heute dankbar, sie haben mir erneut bewußt gemacht, warum ich damals eine Uniform angezogen habe. Und das Soldatsein unabhängig von der Gesellschaftsordnung etwas Verantwortungsvolles ist.


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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#7

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 19:27
von Gelöschtes Mitglied
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Loyalität mag dem Gegenüber der sie Erwartet richtig sein, falls er mit offenen Karten spielt. Das gab es aber bisher in noch keiner Armee. Die Treue war immer eine Einbahnstraße. Wenn es dem gerade Verantwortlichen in seinen Plan gepasst hat, wurden sogar ganze Einheiten geopfert. Ich habe es mehrmals erlebt, dass hochgelobte Militär angehörige (egal welchen Dienstgrades), nach einem Vergehen in den Dreck getreten wurden. Der Schritt vom Helden zum Verbrecher war verdammt klein. Meine Loyalität muss sich jemand durch sein Verhalten erarbeiten. Die DDR und insbesondere die bewaffneten Organe hatten auf meiner Liste keinen Platz, was sie sich selber zuzuschreiben hatten. Und mit welchen Methoden einige in die Längerverpflichtung gepresst wurden ist ja allgemein bekannt.

Der Hesselfuchs


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#8

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 20:25
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

Zitat von Uleu im Beitrag #6
Eid ist Eid. Loyalität ist eine ( für mich ) wertvolle Eigenschaft eines Menschen, und eine soldatische Tugend.



So generell betrachtet kann das vollkommen falsch sein.
Bei Mißbrauch gilt ein Eid nicht mehr. Das hat unser dunkelstes Kapitel gezeigt.

U. u. ist ein Eidbrecher kein Verräter, sondern ein Patriot. Man muß also die konkreten Bedingungen beachten.

Ein großer Unterschied ist es außerdem, ob man sich freiwillig verpflichtet oder den Eid quasi übergestülpt bekommt, wie die große, eigentlich unmilitärische Mehrheit.

Die DDR gibt es nicht mehr. Damit ist der Eid aufgelöst.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 29.09.2014 20:45 | nach oben springen

#9

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 20:38
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von chantre im Beitrag #4
Mich würde mal interessieren, wie andere "Übernommene" die Problematik des Eides sehen bzw. gesehen haben. Wenn ich mich nicht gänzlich irre, gab es ja auch AGT und NVA, die den anderen Rock anzogen.


Das alte System hatte sich erledigt und abgewirtschaftet, Lügen und Machtmisßbrauch wurden täglich aufgedeckt. Dazu hatten die meissten sicher eine Familie die sie ernähren mussten, ich denke da überlegt man nicht lange.


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#10

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 20:42
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

Eidestreue absurd:
Im pazifischen Insel-Dschungel verschanzte sich fast 30 Jahre nach dem 2. WK noch ein japanischer Soldat.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellsch...n-a-944054.html

Das ist wie die Treue eines Hundes. Aber der kann nicht nachdenken.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 29.09.2014 20:53 | nach oben springen

#11

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 20:53
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #7
... Meine Loyalität muss sich jemand durch sein Verhalten erarbeiten. Die DDR und insbesondere die bewaffneten Organe hatten auf meiner Liste keinen Platz, was sie sich selber zuzuschreiben hatten.
Der Hesselfuchs


"Genauso isset!"
Den Kopf an der Grenze hinhalten durften wir, aber für einen "persönlichen Kontakt mit dem Kapitalismus" im Zivilen waren wir nicht mündig genug.

Elch


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
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#12

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 20:54
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

....hielt man uns nicht für mündig genug


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#13

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 29.09.2014 21:00
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Freienhagener!

Zitat von Freienhagener im Beitrag #10
Eidestreue absurd:
Im pazifischen Insel-Dschungel verschanzte sich fast 30 Jahre nach dem 2. WK noch ein japanischer Soldat.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellsch...n-a-944054.html

"Meine Ehre heißt Treue!"
Diese Truppenteile waren es, die die höchste Kampfkraft, Kampfmoral und Einsatzbereitschaft an den Tag legten. Bis hin zur Selbstaufgabe.
Sie waren nach dem 2.WK gesuchte Soldaten und fanden zB. in der Legion und anderen Verbänden eine Aufnahme.
In aller Welt wurden solche besonderen Einheiten in anderen Armeen ebenso rekrutiert und geführt. Aber diese Armeen verloren keinen Krieg bedingungslos.
Und somit sind deren Verbrechen auch nicht vor Gericht gelandet.

"Japanische Soldaten wurden im Zweiten Weltkrieg zu absoluter Loyalität ihrer Nation und ihrem Kaiser gegenüber angehalten. Der Tod im Kampf war ehrenvoller als eine Kapitulation."
Heutige Leute die soetwas schreiben, verstehen nicht was einen Soldaten damals ausmachte. Und im Gegensatz zu Deutschland waren die japanischen Traditionen Grundlage dieser soldatischen Einstellung.
In Deutschland zwischen 33-45 wurde diese Einstellung erst langsam herausgebildet. Und in der Restwelt sieht man diese Einheiten nicht unbedingt so, wie in der verallgemeinerten deutschen "Geschichtsschreibung".

Aber andere Zeiten, neue Unsitten.

Schöne Grüße,
Eckhard


Uleu hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.09.2014 23:15 | nach oben springen

#14

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 30.09.2014 04:27
von schulzi | 1.764 Beiträge

Der Treueeid ist ja schon wichtig das ist klar,doch wen ich mich richtig erinnere wurden mit Ende der DDR alle Mitglieder der bewaffeten Organe von diesen Eid entbunden.Also stand es doch jeden frei ja oder nein zusagen wen er das Angeot bekam und durch Gegauckt wurde und es wollte beim Bund oder Polizei und Zoll weiter zu arbeiten .Das er mit gewissen Abschlägen rechnen musste ist Schicksal.


zuletzt bearbeitet 30.09.2014 06:12 | nach oben springen

#15

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 30.09.2014 08:39
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Der richtige Soldat kämpft weiter auch nach der allgemeinen Kapitulation...nicht nur Japaner, auch Deutsche.. und wenn es auch nur vier Monate sind..
http://www.spiegel.de/einestages/kriegse...s-a-946659.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Haudegen
Theo


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#16

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 30.09.2014 08:42
von damals wars | 12.198 Beiträge

Es gibt auch welche mit Bestand:
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCtlischwur

http://de.wikipedia.org/wiki/Fahneneid_der_NVA
"Die Volkskammer verabschiedete am 26. April 1990 eine neue Eidesformel. Vor der Vereidigung am 20. Juli 1990, dem Jahrestag des Hitler-Attentats, wurde der Tagesbefehl des Ministers für Abrüstung und Verteidigung der DDR Rainer Eppelmann verlesen. Berufssoldaten, die den alten Eid abgelegt hatten, wurden davon entbunden und nach der neuen Eidesformel vereidigt."


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
zuletzt bearbeitet 30.09.2014 08:51 | nach oben springen

#17

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 30.09.2014 08:59
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #16
(...)
"Die Volkskammer verabschiedete am 26. April 1990 eine neue Eidesformel. Vor der Vereidigung am 20. Juli 1990, dem Jahrestag des Hitler-Attentats, wurde der Tagesbefehl des Ministers für Abrüstung und Verteidigung der DDR Rainer Eppelmann verlesen. Berufssoldaten, die den alten Eid abgelegt hatten, wurden davon entbunden und nach der neuen Eidesformel vereidigt."


Hatte diese neue Eidesformel für die "NVA (und die GT) in Liquidation" überhaupt noch irgendeinen Sinn?
Theo


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#18

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 30.09.2014 09:00
von chantre | 425 Beiträge

Tagesbefehl
des Ministers für Abrüstung und Verteidigung
zur
Eingliederung der Nationalen Volksarmee in die Bundeswehr
anläßlich des Beitrittes der
Deutschen Demokratischen Republik
vom 02.Oktober 1990

Meine Herren Soldaten, Unteroffiziere, Fähnrichschüler und
Offiziersschüler, Fähnriche und Offiziere!
Meine Herren Generäle und Admirale!
Meine Damen und Herren Zivilbeschäftigte!

Mit dem 2. Oktober 24 Uhr, hört nach dem Willen unseres Volkes die Deutsche Demokratische Republik auf zu bestehen, aber nicht ihre Menschen. Mit dem 2. Oktober 24 Uhr, hört die Nationale Volksarmee auf zu bestehen, aber nicht ihre Soldaten und Zivilbeschäftigten. Mit dem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland beginnt am 3. Oktober 1990 ein neuer Abschnitt in der Geschichte des deutschen Volkes. Nach 40jähriger unnatürlicher Trennung wächst wieder zusammen, was zusammengehört. Sie, als Soldaten und Zivilbeschäftigte der Nationalen Volksarmee gehören mit dem Wirksamwerden des Beitritts entsprechend dem Einigungsvertrag zur Bundeswehr. Unter ihrer Mitwirkung vollzieht sich ein historisch einmaliger Akt.
Die Nationale Volksarmee stand unter der Vormundschaft einer Partei, die sich als unfähig erwiesen hat, den Interessen der Bürger der Deutschen Demokratischen Republik gerecht zu werden. Es bleibt jedoch das Verdienst der Angehörigen der Nationalen Volksarmee, ihre von der Verfassung gegeben Aufgabe, die äußere Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten und der Bewahrung des Friedens zu dienen, nach bestem Können und mit hoher Professionalität erfüllt zu haben.
Seit dem Herbst 1989 haben Sie verantwortungsbewußt Ihren Beitrag dazu geleistet, daß der Umgestaltungsprozeß in unserem Lande friedlich verlaufen ist und sich Freiheit und Demokratie auch in diesem Teil Deutschlands den Weg bahnen konnten. Gleichlaufend mit den gesellschaftlichen Umwälzungen in der Deutschen Demokratischen Republik haben die Angehörigen der Nationalen Volksarmee eine umfassende Militärreform begonnen und den Kurs auf weitgehende Abrüstungsmaßnahmen aktiv mitgestaltet. Für die Erfüllung Ihrer militärischen Pflichten gegenüber dem Vaterland und Ihre Bereitschaft, persönliche Interessen sowie Belange Ihrer Familienangehörigen sehr oft hinter die des Volkes zu stellen, gebührt Ihnen, meine Damen und Herren, mein aufrichtiger Dank.
Mit Wirkung vom 3. Oktober 1990 werden Sie den militärischen Dienst nach dem Soldatengesetz in Verbindung mit dem Wehrpflichtgesetz der Bundesrepublik Deutschland, entsprechend den Festlegungen im Einigungsvertrag, leisten. Für die Mehrheit von Ihnen wird die Aufgabe darin bestehen, dem vereinigten deutschen Staat treu zu dienen, die Sicherheit des deutschen Volkes zu gewährleisten sowie an der Erhaltung des Friedens in Europa mitzuwirken. Nicht wenige werden im Zusammenhang mit der Zusammenführung von Bundeswehr und NVA gemäß Einigungsvertrag sowie der Realisierung der in Wien gegenüber den KSZE-Saaten übernommenen Verpflichtung zur Reduzierung der deutschen Streitkräfte in den nächsten vier Jahren aus dem Wehrdienst ausscheiden. Von allen erwarte ich, daß Sie, solange Sie dienen, die Ihnen übertragenen Pflichten in Ehre und Würde erfüllen und mit allen Ihren Kräften zum Schutz von Freiheit und Demokratie im geeinten Deutschland und zur Aufrechterhaltung des Friedens in Europa beitragen.
Hiermit entlasse ich Sie als Angehörige oder Zivilbeschäftigte der Nationalen Volksarmee aus Ihren Verpflichtungen, die Sie gegenüber der Deutschen Demokratischen Republik zu erfüllen hatten. Sie sind ab 3. Oktober 1990, 0 Uhr, Soldaten bzw. Zivilangestellte der Bundeswehr und unterstehen damit dem Zuständigkeitsbereich des Bundesministers für Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland.

Meine Damen und Herren! Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute, Gesundheit und persönliches Glück.
Rainer Eppelmann


Ich kann mich nicht erinnern, daß es einen vergleichbaren Befehl des damaligen Innenministers Diestel gab. Kann mir da jemand weiterhelfen?


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#19

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 30.09.2014 09:05
von damals wars | 12.198 Beiträge

"Mit Wirkung vom 3. Oktober 1990 werden Sie den militärischen Dienst nach dem Soldatengesetz in Verbindung mit dem Wehrpflichtgesetz der Bundesrepublik Deutschland, entsprechend den Festlegungen im Einigungsvertrag, leisten."

Polizei ist Ländersache, konnte also gar nicht mit dem Einigungsvertrag geregelt werden.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#20

RE: Eid Verpflichtung oder ???

in Das Ende der DDR 30.09.2014 09:10
von chantre | 425 Beiträge

Du hast recht, aber bis zum 02.10.1990 gab es eine zentralgeführte Deutsche Volkspolzei, weil es bis zu diesem Zeitpunkt ja auch keine Länder, sondern nur Bezirke gab. Die Einführung des Föderalismus begann auf dem Gebiet der ehemaligen DDR erst am 03.10.1990. Oder?


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
zuletzt bearbeitet 30.09.2014 09:10 | nach oben springen


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