#1

300 DM Reisegeld pro Kopf

in Das Ende der DDR 24.09.2014 04:29
von B208 | 1.352 Beiträge

lt . Streletz sollte im neuen Reisegesetz ein Reisegeld in Höhe von 300 DM pro Kopf festgeschrieben werden .

Woher kam das Geld ?

Wenn in den ersten Monaten nach in Krafttreten des neuen Reisegesetzes 1 Mil. DDR Bürger eine Reise ins Ausland gemacht hätten , dann wären das ??? Genau , 300.000.000 DM . Ein Staat der zum Zeitpunkt dieses Vorhabens Bankrott war hat 300.000.000 DM für Reisende , die dieses Geld dann im Ausland ausgeben . Aha .

Oder sollte es bedeuten , jeder Reisende hätte 300 DM zahlen müssen ?!?! um reisen zu dürfen ???


nach oben springen

#2

RE: 300 DM Reisegeld pro Kopf

in Das Ende der DDR 24.09.2014 07:34
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Das Begrüssungsgeld wurde abegschafft. Stattdessen wurde ein deutsch-deutscher Reisefonds eingerichtet.
Gemeinsame Presseerklärung über das Gespräch zwischen dem Chef des Bundeskanzleramtes der Bundesrepublik Deutschland, Bundesminister Rudolf Seiters, und dem Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, Hans Modrow vom 05. Dezember 1989
http://www.2plus4.de/chronik.php3?date_v...89&sort=001-001
Anordnung:
Anordnung über den Verkauf von Reisezahlungsmitteln anderer Währungen im Jahre 1990 für private Reisen von Bürgern der DDR - vom 21. Dezember 1989
Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik I 1989 (Nr. 26, S. 275 - 276)
Pressemitteilung der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland vom 1. Januar 1990
http://www.freiheit-und-einheit.de/Conte...ssungsgeld.html
Die ersten 100 DM konnten im Verhältnis 1:1 mit Mark der DDR gekauft werden, weitere 200 DM im Verhältnis 1:5.
Theo


zuletzt bearbeitet 24.09.2014 07:35 | nach oben springen

#3

RE: 300 DM Reisegeld pro Kopf

in Das Ende der DDR 24.09.2014 08:27
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Diese finanziellen Regelungen kamen m.E. erst nach dem Rücktritt von Krenz (6.12.1989) zustande. Vorher wollte Kohl anscheinend diese Zugeständnisse nicht einräumen, obwohl es von seiten der SED-Regierung bereits Vorstöße in dieser Richtung gab. Schalck-Golodkowski war Mitte November in Bonn um ein Treffen Krenz/Kohl vorzubereiten und entsprechende Verhandlungen zu führen.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 24.09.2014 20:56 | nach oben springen

#4

RE: 300 DM Reisegeld pro Kopf

in Das Ende der DDR 24.09.2014 12:58
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #3
Diese finanziellen Regelungen traten m.E. erst nach dem Rücktritt von Krenz (6.12.1989) zustande. Vorher wollte Kohl anscheinend diese Zugeständnisse nicht einräumen, obwohl es von seiten der SED-Regierung bereits Vorstöße in dieser Richtung gab. Schalck-Golodkowski war Mitte November in Bonn um ein Treffen Krenz/Kohl vorzubereiten und entsprechende Verhandlungen zu führen.

Gruß Kalubke


Guten Tag,

es ist sehr wahrscheinlich, dass die Truppe von Krenz dachte, sie könne die Öffnung der Mauer gegen Geldleistungen tauschen: Auch Hertle vertritt diese Meinung - Hans-Hermann Hertle: Chronik des Mauerfalls Die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989. Christoph Links Verlag, Berlin 1996

Allerdings war hier eine Kollision zwischen linkem Politikverständnis (Worte, Theorien, Ideologien entscheiden Geschichte) und einer Gesellschaft, in welcher Marktbeziehungen wichtig waren. Ausserdem kam es dann zum unordentlichen und hastigen Mauerfall, damit war die versprochene Ware ein «Ladenhüter ?» geworden.

Es gibt einige Verbindlichkeiten, welche die DDR regeln musste mit richtigem Geld (keine Binnenwährung), als alle in den Westen fahren konnten. Statistisch gesehen, gab es sicher mehr Unfälle in Deutschland, welche von DDR-Bürgern verursacht wurden. Die Versicherungen in der DDR mussten dafür gewiss bezahlen (Bitte nicht denken, dass ich meinte, die Chauffeure aus der DDR seien schlecht gefahren...). Für ein Ticket im Zug musste die Reichsbahn für die sehr lange Strecke von Helmstedt nach Porto oder Barcelona die Deutsche Bundesbahn, die S.N.C.F, die R.E.N.F.E. und die C.P. in Geld des Westens bezahlen, und nur die D.B. gab einen Rabatt von 50%... Es konnte nun der Tarif sofort in richtigem Geld verlangt werden, dann wäre jedes Geld aus dem Westen zu einer zweiten, dritten oder vierten Währung geworden.

Diese und die ökonomischen Probleme hätten während Dauer nur durch eine Konvertierbarkeit der DDR-Mark gelöst werden können. Welche Folgen eine solche brutale Abwertung hat, ist bei Naomi Klein: The Shock Doctrine : The Rise of Disaster Capitalism zu lesen...

Ich habe gelernt, dass viele ex DDR-Bürger die Wiedervereinigung mit sozialem Abstieg bezahlt haben, aber es hätte auch schlimmer kommen können.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


nach oben springen

#5

RE: 300 DM Reisegeld pro Kopf

in Das Ende der DDR 24.09.2014 21:02
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Die Ostler sozial in kürzester Zeit völlig abstürzen zu lassen hat sich politisch keiner getraut. Da hätte sich zu viel Sprengstoff angesammelt. Die Finanzkorrekturen wurden über einen langen Zeitraum gestreckt. Auch viele Vergünstigungen für die Westdeutschen verschwanden nach und nach (z.B. Zonenrandförderung, Berlin-Zulage etc.). Die hatten auch im Lauf der Jahre zu ziemlich negativen Belastungen des Stastshaushaltes geführt.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 24.09.2014 21:02 | nach oben springen



Besucher
3 Mitglieder und 22 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Oderfischer
Besucherzähler
Heute waren 275 Gäste und 22 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558383 Beiträge.

Heute waren 22 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen