#1

Tierversuche am Max-Planck-Institut

in Themen vom Tage 12.09.2014 19:00
von Pit 59 | 10.164 Beiträge

Am Mittwoch zeigte die Sendung Stern TV Undercover Aufnahmen von Versuchen an Affen.Das löste eine gewaltige Welle des Pro und Kontra dieser Versuche aus.
Wie denkt Ihr darüber,brauchen wir Tierversuche für die medizinische Forschung ?


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#2

RE: Tierversuche am Max-Planck-Institut

in Themen vom Tage 12.09.2014 19:27
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Um mal ganz ketzerisch auf diese Frage zu antworten, wobei ich Sensationsmeldungen einiger gewisser Medien in diesem Lande im Kopf habe; was bleibt anderes übrig, 'wir' haben dafür die Menschen in der DDR nicht mehr .........

Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#3

RE: Tierversuche am Max-Planck-Institut

in Themen vom Tage 12.09.2014 20:10
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Irgendwann wurde es der Mensch leid, frei- und aus Angst schnelllaufenden Viechern stundenlang hinterherzurennen und im häufigen Misserfolgsfall dann doch wieder nur an einer halbgaren Wurzel herumzumümmeln. Er fing sich die Tiere, legte sie an die Leine und nannte sie später sogar "Daisy", "Waldi" oder "Zukünftiges Kotelett". Das Nutztier hatte die Bühne der menschlichen Kultur betreten. Im Leben der Masse der Nutztiere ist der Tod ein vom Menschen klar kalkuliertes Ereignis, das dieses Tier eigentlich "nutzbar" macht. Wir, die Menschheit, sind kulturell und technologisch noch nicht so weit entwickelt, dass wir die Leistung der Natur, aus etwas Gras, Körnern und Wasser ein schmackhaftes Stück Fleisch zu produzieren, mit Hilfe der Technik ablösen können. Das wird eines Tages sein, aber nicht in den nächsten Jahren. Und selbst dann werden die Gourmets immer noch den geschmacklichen Charakter eines gut abgehangenen Steaks eines unter kontrollierten, aber artgerechten Bedingungen aufgewachsenen Rinds zu schätzen wissen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Ich wollte diese Binsenweisheit einfach mal voranstellen. Vom Allgemeinen zum Konkreten sozusagen.

Es gibt Menschen, die sich mit der Aufzucht und Schlachtung von Tieren nicht abfinden. Diese moralische Haltung ist respektabel und verdient Achtung, entspricht aber nicht meiner Überzeugung, dass wir noch eine ganze Zeit lang auf Nutztiere angewiesen sein werden.

Das Thema legt es nun nahe, dass der Nutzen von Tieren nicht nur in Schlachtung, Zubereitung und Verspachtelung liegt. Dieser Nutzen kann eben auch darin liegen, dass Präparate der Medizin, Operationsverfahren, Medizintechnik zunächst an Tieren ausprobiert werden. Auch dagegen habe ich grundsätzlich genauso wenig einzuwenden, wie gegen das Essen von Tieren. Der im Absatz darüber dargestellten Meinung würde ich in der Diskussion versuchen auszuweichen, da diese Diskussion schon im Ansatz fruchtlos wäre.

Welche Diskussion würde ich dann aber führen? Prinzipiell die, dass eine aus reiner Gier nicht artgerechte Haltung und die Quälerei von Tieren nicht akzeptabel ist und auch zurecht unter Strafe gestellt werden muss. Leider ist die Gier ein anerkannter Bestandteil der Definition westlicher Freiheit. Sie wird hofiert und bewundert. Gegen diesen unappetitlichen Teil unserer Kultur kann ich nichts machen. Ich kann auch nur verbale Kritik üben. Es fehlt mir einfach die Lebenszeit, bei jedem Stück Fleisch nachzuforschen, aus welcher Produktion es kommt.

Ich habe von Tierversuchen an Kliniken gehört, die unter streng kontrollierten Bedingungen abliefen. Es wurden neue Operationstechniken der Radiokardiologie zunächst an Tieren geprobt und Ärzteteams auf diese Weise ausgebildet. Inzwischen sind die Operationstechniken dieses Zweiges der Medizin gang und gäbe. Minimale Inversion und hohe Erfolgsaussichten haben die Überlebenschancen bei einem Eingriff am Herzen oder den Herzkranzgefäßen wesentlich erhöht. Davor kann ich nicht die Augen verschließen. Die Tierversuche, von denen mir berichtet wurden, verliefen unter strengsten Auflagen im Beisein von Tierschutz, Veterinären und Hygienikern. Ich halte eine solche Form, bei der die Tiere unter kontrollierten Bedingungen auch einem solchen Nutzen zugeführt werden für akzeptabel.

Quälerei aus "Kostengründen", oder nennen wir es beim richtigen Namen Profitgier, ist für mich nicht akzeptabel. Um das Übel bei der Wurzel zu packen, müsste man bei der Gier ansetzen. Damit greift man aber auch gleichzeitig die Freiheit im heutigen Sinne an. Was für ein Scheißspiel.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Elch78 und furry haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.09.2014 20:11 | nach oben springen

#4

RE: Tierversuche am Max-Planck-Institut

in Themen vom Tage 12.09.2014 20:13
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #2
Um mal ganz ketzerisch auf diese Frage zu antworten, wobei ich Sensationsmeldungen einiger gewisser Medien in diesem Lande im Kopf habe; was bleibt anderes übrig, 'wir' haben dafür die Menschen in der DDR nicht mehr .........

Nostalgiker

Stimmt, die sind nicht mehr.
Zum Glück gibt es Länder wie Bangladesh.


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#5

RE: Tierversuche am Max-Planck-Institut

in Themen vom Tage 12.09.2014 21:57
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #1
Wie denkt Ihr darüber,brauchen wir Tierversuche für die medizinische Forschung ?


Ich hab' die Sendung nicht gesehen... kann mir aber vorstellen, was gezeigt wurde.
In den achtziger Jahren habe ich auch längere Zeit in der pharmakologischen Forschung speziell Tierversuche (Ratten,Mäuse, Hamster) durchgeführt.

Wir messen vielleicht auch mit zweierlei Maß: Wenn hundert Primaten leiden, trifft uns das (weil wir ihre Leidensäußerungen verstehen).

Wenn hunderttausende Masttiere ihre kläglichen Lebensumstäne ertragen müssen, hält sich unser Mitgefühl doch schon mehr in Grenzen (vielleicht auchdeshalb, weil sie uns auf alle Fälle "zugute" kommen).

Und bei den zehntausenden Heimtieren, die wir zur eigenen "Zerstreuung" halten und bei denen uns unsere Freude an ihnen wichtiger ist als ein artgerechtes Dasein, ist es dann schon das Gegenteil von Empathie.

Es stellen sich bei den Tierversuchen auch Fragen nach der Verhältnismäßigkeit zwischen dem Leiden fühlender Wesen und dem Nutzen für den Menschen ebenso wie die Problematik "Alternativen zum Tierversuch".
Versuche an Zellkulturen bzw. Einzelorganen geben nicht ausreichend Aufschluß über Wirkungen und Nebenwirkungen sowie Bioverfügbarkeiten, Pharmakodynamiken und Pharmakokinetiken. So geht es also zumindest in den Endphasen der Pharmaentwicklung derzeit nicht ohne Versuche am Gesamtorganismus ab. Das letzte Versuchskaninchen der klinischen Prüfungen vor der Arzneimittelzulassung ist übrigens dann doch der Mensch.
Ob das Ganze für die reine Kosmetikaentwicklung nötig ist, darüber läßt sich wirklich streiten.

Elch

P.S.: Als jemand der lebensbedrohlich erkrankt war (und mit dem Wiederausbruch rechnen muß), bin ich übrigens sehr froh, daß meine Arzneimittel mit sehr hohem Nebenwirkungspotential ausreichend (auch durch Tierversuche) erforscht wurden und die Risiken kalkulierbar waren.

Sonst hättet Ihr hier schon auf meine werte Meinung verzichten müssen!http://www.exicose.de/neu2.gif


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
Rainman2, furry und S51 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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