#21

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 11.09.2014 10:00
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von DirkUK im Beitrag #17
Zitat von Rainman2 im Beitrag #16
... Wir verwendeten kleine, ich glaube 1,5 - 1,8 qcm Motoren, und zwar sowohl solche mit Glühzündern als auch Selbstzünder. Den Kraftstoff mischten wir selber. ...

Waren das die Modellmotoren von der VEB Berliner Werkzeugmaschinenfabrik? Ich hab da in der Modellmotorenabteilung gelernt und spaeter gearbeitet.
Vom begehrten Modellmotorsprit hatten wir reichlich. Jeder Motor musste ja getestet und eingelaufen werden. Spaeter in 1987 wurde dann noch ein Dieselmodellmotor entwickelt aber das ist jetzt off topic

Hallo @DirkUK ,

soweit ich mich erinnere, waren das Motoren aus tschechoslowakischer Produktion. Das Zeug war ja auch irgendwie "Goldstaub", zumindest in Leipzig. Modellsprit - Mitte/Ende der 70er - in Leipzig in einem Modellladen? Da hätte man gleich in einen Musikladen gehen und eine 12-saiter Gitarre verlangen können. Nee, da war selber mischen angesagt. Hat aber immer geklappt.

Apropos Gitarre. Gitarrensaiten waren auch so eine Bückware, gute Nylonsaiten kaum zu bekommen. 1978 starb eine alte Frau, die wir betreut hatten - sie war bereits 96 Jahre alt. Ihr Sohn wohnte in Westberlin. Er kam nach ihrer Beerdigung zu uns. Meine Mutter schärfte mir ein, nichts zu verlangen und um nichts zu bitten. Wir saßen dann beim Kaffee, er bedankte sich für unsere Fürsorge, ein Umschlag mit etwa 100 DM ging an meine Großmutter und dann fragte er, ob wir irgendwelche Wünsche hatten. Ich war bereits Offiziersbewerber, hatte unterschrieben für keine Westkontakte und keine Westmedien, die Richtlinien meiner Mutter hatte ich noch im Ohr - mir zitterte die Unterlippe und dann plätscherte es unter dem inneren Druck heraus: "Gitarrensaiten". Meine Mutter ließ ihre Augen als Erschießungskommando aufmarschieren. Unser Gast fragte freundlich, welche Marke ich wünsche. Himmel, ich hatte keine Ahnung von Westsaiten. Mir fiel in dem Moment "nur" Thomastik ein. Also schrieb ich auf: Thomastik-Saiten. Ein paar Tage später bekam ich mein nachweislich einziges und sehr kleines Westpaket zu DDR-Zeiten. Darin 5 Sätze Thomastik-Nylon-Saiten. Davon 2 Sätze mit schwarzen Saiten - der Hammer! Naja, wie hat man mit Defiziten gelebt? ... der Entwicklung der sozialistischen Kunst und Kultur mussten eben auch manchmal moralische Opfer gebracht werden

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#22

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 11.09.2014 16:17
von StabsfeldKoenig | 2.618 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #20
Na geklaut würde ich jetzt mal nicht sagen, eher umgewidmet ...

SCP ... CP/M
DCP ... MS-DOS
redabas ... dBase
MUTOS ... UNIX
und so weiter.

Achso, hatte diese Woche erst einen PC1715 aufm Schreibtisch, auch war das nostalgisch *verlegen_grins*

Und Josy, lass uns doch lieber 'dankbar' sein, das mal wieder so ein Thema gestartet wurde, schade nur das heutzutage wie's scheint auf der Journalistenschule nimmer das Fach Recherche gelehrt wird.





Hat jemand noch MUTOS-Installdisketten? Wenn ja, bitte Nachricht per PM.



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#23

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 11.09.2014 16:38
von Kalubke | 2.293 Beiträge

Mir drängt sich gerade ein unerhörter verschwörungstheoretischer Verdacht auf:

"Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?" ist die etwas zu wörtliche Übersetzung von " Указание и трюки в повседневной жизни - как жил с дефицитом?"

und:

"Wer kann Berlin?" ist die ebenfalls etwas zu wörtliche Übersetzung von "Кто умеет Берлин?"

Was folgt daraus: Die BILD-Zeitung wird in in Wahrheit in Moskau gemacht!!!!!!!!

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 11.09.2014 16:40 | nach oben springen

#24

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 11.09.2014 17:38
von Diskus303 | 485 Beiträge

Hey @Rainman2 ,

Zitat von Rainman2 im Beitrag #16

.... Flugmodellbau betrieben. Wir bauten Fesselflugmodelle, zunächst sehr einfache Eigenentwürfe, nachdem ein in mehreren hundert Stunden schick gebautes Flugzeug nach dem ersten Flug seine Einzelteile wieder zeigte - schöner Absturz, kerzengerade aus 16 Metern Höhe auf den Bitumenbelag ... naja. ...
ciao Rainman


da weckst Du ja bei mir die angenehmen Erinnerungen aus meiner Schulzeit... Es muß so 6./ 7.Klasse gewesen sein, als ich meine hochzeit in Sachen Flugmodellbau hatte. Unser Lehrer aus dem Werkunterricht leitete seinerzeit die Modellbau-AG. Und da war ich ziemlich gut- dieses Hobby, war mir quasi auf den "Leib geschneidert". Zu Anfang Segelflugmodelle (Modell "Mauersegler") später auch Fesselflugmodelle.
Gab beim starteten der Motoren schnell mal blaue Fingerkuppen (man war ja ein cooler Typ und schmiß die Motoren mit den Fingern an, anstelle
mit dem gummiummantelten Holzstöckchen....)
Es gab damals auch richtige Wettkämpfe in den unterschiedlichsten Modellbauklassen.

Aber:

Rotmark
Fesselflugmodelle mit 16m Leine...-bist Du Dir da sicher

...bist Du Dir da sicher? Ich meine mich erinnern zu können, das die Leinen allenfalls 5m-7m hatten....


Gruß Axel
zuletzt bearbeitet 11.09.2014 18:22 | nach oben springen

#25

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 11.09.2014 20:03
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #22
Hat jemand noch MUTOS-Installdisketten?

Hier wären ma die Images für ein MUTOS 1700 V1.1 ...
www.sax.de/~zander/mutos/mutos_sw.html


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#26

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 11.09.2014 23:44
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Diskus303 im Beitrag #24
Zitat von Rainman2 im Beitrag #16

.... Flugmodellbau betrieben. Wir bauten Fesselflugmodelle, zunächst sehr einfache Eigenentwürfe, nachdem ein in mehreren hundert Stunden schick gebautes Flugzeug nach dem ersten Flug seine Einzelteile wieder zeigte - schöner Absturz, kerzengerade aus 16 Metern Höhe auf den Bitumenbelag ... naja. ...


... später auch Fesselflugmodelle.
Gab beim starteten der Motoren schnell mal blaue Fingerkuppen (man war ja ein cooler Typ und schmiß die Motoren mit den Fingern an, anstelle
mit dem gummiummantelten Holzstöckchen....)
...
Aber:

Rotmark
Fesselflugmodelle mit 16m Leine...-bist Du Dir da sicher

...bist Du Dir da sicher? Ich meine mich erinnern zu können, das die Leinen allenfalls 5m-7m hatten....


Hallo Diskus303,

ja, ganz sicher. Ich weiß nicht, woher meine älteren Cousins ihr Wissen über Fesselflug hatten. Aber wir nutzten Steuerleinen von ca. 16 Metern Länge. Damit fliegt man also Kreise mit einem Umfang von 100 Metern (je nachdem wie weit die Leinen durchhingen). Die Flugzeuge hatten ganz schön zu tun. Wir probierten unterschiedliche Stärken von Angelsehnen aus. Einmal versuchten wir es mit dünnen Stahldrähten - die verfitzten aber zu schnell. Der erste gelungene Start des ersten Modells ging direkt in eine Windböe hinein. Das Flugzeug zog steil hoch, stand direkt über dem Piloten und kippte ab. Die Leinen waren vor dem Abkippen straff gespannt. Mein Cousin machte einen Schritt zur Seite und direkt wo er gestanden hatte, bohrte sie die Propellernabe in den Bitumen. Ach, die schön verleimten Sperrholzspanten ... später nutzten wir als Flügel einfach abgeschliffene Balsabretter. Das war genauso "schön", stabil und einfach.

Das Starten - wir hatten einen speziell an den Fingern verstärkten Handschuh. Am schlimmsten war es mit den Nylon-Propellern. Die waren auch Goldstaub. Die schnitten extrem in die Finger ein. Gummiummanteltes Holzstöckchen ... Himmel, wir wollten Männer werden, da kommt sowas nicht in Frage. Die Nylonluftschrauben waren nicht ganz ungefährlich. Wir nutzten sie für leichte und schnelle Modelle, die immerhin über 90 km/h erreichten. Einmal flog ich so ein Modell. Es gab ein kurzes trockenes Krachen und die Maschine stürzte trudelnd ab. Der Propeller war nahe der Mitte zerbrochen. Ein Teil hing noch an der Propellernabe und das andere Teil war in die Werkzeugkiste eingeschlagen, neben der mein Cousin gestanden hatte. Das Propellerteil hatte das Sperrholz mühelos durchschlagen. Einmal kurz aufatmen und das nächste Modell mit einer Holzluftschraube genommen ...

Um auf das Thema zurückzukommen: Das Defizit war ein geeigneter Platz, auf dem man Kreise mit einem Radius von 16 Metern fliegen konnte und die plan genug waren, um kleine Flugzeuge mit kleinen Rädern und leichten Radaufhängungen starten und landen zu lassen. Sportplätze waren geeignet, aber wehe, es kam ein Platzwart. Wir flogen meist in den Morgenstunden - spätesten um 4 war aufstehen angesagt. Die Stunde des Sonnenaufgang ist oft die windstillste des Tages. Das hatte selbst im grauen Leipzig seine Romantik. Alle paar Monate flogen wir von einem unserer selbstgewählten Plätze runter mit der Auflage, uns nie wieder sehen zu lassen. Ein Defizit. Wir suchten einfach immer weiter. Ein Verein oder die GST kam für uns nicht in Frage. Wir wollten unser eigenes Ding durchziehen. Ziel war der Nachbau eines Jagdflugzeuges - eine AVIA B 534. Die Baupläne hatten wir. Als Motor testeten wir einen mit 5,6 qcm. Ich glaube das Ding hatte mehr als ein PS (klingt lächerlich, aber das ist Flugmodellsport). Der Motor lebte nicht lange. Wir hatten ihn auf unserem Prüfstand befestigt. Leider war der Prüfstand, ein kleiner Metalltisch mit Holzplatte, nicht befestigt. Der Motor sprang an, zog den Tisch einen halben Meter, bis dieser auf einen Widerstand traf und umkippte. Der Motor musste den Hieb abfangen und war dann nicht mehr bereit, anzuspringen ... kurz danach beendeten wir die Fliegerei. Sic transit gloria mundi.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 11.09.2014 23:47 | nach oben springen

#27

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 01.10.2014 19:34
von Schakal | 271 Beiträge

In der DDR gab es ja (angeblich) nicht viel, aber im DDR-Knast gab es noch viel weniger.
Einen Tauchsieder kann man sich einfach bauen, in dem man zwei Rasierklingen o.ä. jeweils mit einem Kabel verbindet und die Kabel dann in die Steckdose einführt.
Ne (Not-)Kerze kann man sich aus Brotteig, nen Baumwollfaden und Schmalz basteln.


--- Ex oriente lux.---
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#28

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 01.10.2014 21:52
von andyman | 1.871 Beiträge

Zitat von Schakal im Beitrag #27
In der DDR gab es ja (angeblich) nicht viel, aber im DDR-Knast gab es noch viel weniger.
Einen Tauchsieder kann man sich einfach bauen, in dem man zwei Rasierklingen o.ä. jeweils mit einem Kabel verbindet und die Kabel dann in die Steckdose einführt.
Ne (Not-)Kerze kann man sich aus Brotteig, nen Baumwollfaden und Schmalz basteln.


@Schakal
Hallo.Nix für ungut,den Rasierklingentauchsieder kennen alle gedienten Soldaten,wir waren da auch nicht besser dran als die Einsitzenden.Lgandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#29

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 01.10.2014 22:23
von Gelöschtes Mitglied
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@andyman , doch wir hatten "VKU" und "EU".

Übrigens, man sagt die alten Ägypter hätten aus Fischblasen Kondome gemacht......


andyman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#30

RE: Tipps und Tricks im alltäglichen Leben - wie hat mit Defizit gewohnt?

in Leben in der DDR 01.10.2014 22:28
von FRITZE (gelöscht)
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Übrigens, man sagt die alten Ägypter hätten aus Fischblasen Kondome gemacht...

Ooch ,da gab es in der Verflossenen auch so Liebhaber ,welchen den Metzger immer nach dem Fettende eines Darmes fragten !

Denk ,das haben auch Andere wahrgenommen !


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