#41

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 07.09.2014 22:46
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von FRITZE im Beitrag #39
Aber Peter ! Wie kommst Du denn auf Katakomben ? Die gibt es doch nur in Rom !
Sind doch jetzt alles blühende Landschaften ! Ein paar Bekannte von mir monieren immer ,daß die Strassen im Osten besser sind ,als hier im Westen!


Das ist wahr !

Hier verrotten die Strassen immer mehr ,- und ab der ehemaligen Grenze werden sie so richtig gut...


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
Hapedi und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#42

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 09:34
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Ich versteh jetzt einiges nicht.
Die Überschrift ,,Die Geschichten der Wende,,
was ist damit gemeint?
Wo waren wir, was haben wir gemacht, was haben wir damals gedacht usw.
Und nicht, der Besuch im Westen und die Erlebnisse bei den Verwanden und ob die Straßen besser oder schlechter sind
thomas lindner


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#43

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 10:56
von Heckenhaus | 5.129 Beiträge

Dieser berühmte Tag im November verlief eigentlich recht unspektakulär, ich war eher sauer.
War in Berlin mit dem Auto unterwegs in der Boxhagener Straße (Ostkreuz) und wollte eigentlich nach Hause ins Oderbruch.
Aber denkste, nichts zu machen. Genosse Gorbatschow hatte mit seinem Besuch für ein regelrechtes Verkehrschaos gesorgt,
es führte kein Weg in Richtung Lichtenberg zur Fernverkehrsstraße 1 nach Strausberg. Alle Straßen waren dicht.
Habe dann eine Telefonzelle gesucht und es mühsam geschafft, zu Hause anzurufen. Wer damals ein Telefon besaß, weiß, wovon ich rede.
Irgendwann gelang es mir dann doch, die Heimfahrt anzutreten, anscheinend war die Regierungskolonne durch.
Freie Fahrt, bis ich dann in Prötzel im Autoradio die Meldung hörte, die Ausreise wäre angeblich sofort möglich.
Also Vollgas, und nach 25 min. saß ich dann vorm Fernseher und sah live und in Farbe, was eigentlich unglaublich war.
Gedanken, was die Zukunft bringen wird, gab es erst einmal nicht, aber am kommenden Tag wurde dann in Letschin die inzwischen notwendigen
Formalitäten erledigt und am 11.11. fuhren wir dann nach Berlin (West), um endlich die Großtante, die inzwischen im Pflegeheim in Tempelhof lag,
zu besuchen.
Sie hatte ihr ganzes Leben lang davon gesprochen, das Berlin wieder zuerst eins wird, und sie hatte Recht behalten.
Am 1.1.1990 verstarb sie im Alter von 93 Jahren, ihr Lebenstraum, ihre Vision, hatte sich erfüllt.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#44

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 11:13
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #43
Dieser berühmte Tag im November verlief eigentlich recht unspektakulär, ich war eher sauer.
War in Berlin mit dem Auto unterwegs in der Boxhagener Straße (Ostkreuz) und wollte eigentlich nach Hause ins Oderbruch.
Aber denkste, nichts zu machen. Genosse Gorbatschow hatte mit seinem Besuch für ein regelrechtes Verkehrschaos gesorgt,
es führte kein Weg in Richtung Lichtenberg zur Fernverkehrsstraße 1 nach Strausberg. Alle Straßen waren dicht.
Habe dann eine Telefonzelle gesucht und es mühsam geschafft, zu Hause anzurufen. Wer damals ein Telefon besaß, weiß, wovon ich rede.
Irgendwann gelang es mir dann doch, die Heimfahrt anzutreten, anscheinend war die Regierungskolonne durch.
Freie Fahrt, bis ich dann in Prötzel im Autoradio die Meldung hörte, die Ausreise wäre angeblich sofort möglich.
Also Vollgas, und nach 25 min. saß ich dann vorm Fernseher und sah live und in Farbe, was eigentlich unglaublich war.
Gedanken, was die Zukunft bringen wird, gab es erst einmal nicht, aber am kommenden Tag wurde dann in Letschin die inzwischen notwendigen
Formalitäten erledigt und am 11.11. fuhren wir dann nach Berlin (West), um endlich die Großtante, die inzwischen im Pflegeheim in Tempelhof lag,
zu besuchen.
Sie hatte ihr ganzes Leben lang davon gesprochen, das Berlin wieder zuerst eins wird, und sie hatte Recht behalten.
Am 1.1.1990 verstarb sie im Alter von 93 Jahren, ihr Lebenstraum, ihre Vision, hatte sich erfüllt.


Gorbatschow war aber im November 1989 nicht in der DDR !


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#45

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 11:19
von Pzella 82 | 356 Beiträge

Den 09.11.1989 verbrachte ich in ein Strich / kein Strich auf dem Gelände des MSR-1 in Oranienburg. Im September war irgend jemand der Meinung, dass ick noch mal aus der Reserve aktiviert werden müsse. Wahrscheinlich wegen meines sprichwörtlichen Charmes. Jedenfalls durfte ick am 01.11.1989 bei den Sandlatschern einrücken. Na, dufte...n 1/4 Jahr verplempert...toll. Der Tag an sich verlief, wie die davor, von 2 schlaflosen Nächten abgesehen, Gott sei Dank o.b.V.
Und am 07.12.1989 (war een Donnerstag) wurden wir 3 Resis dann zum KC gerufen und der Mann verkündete unsere Entlassung aus den Streitkräften der NVA.
Freitag bin ick wieder im Betrieb arbeiten gewesen und am WE sind wir dann in Familie "rüber jemacht".

Nun verläuft mein Arbeitsleben ähnlich wie bei vielen vor 1961: Ick wohne im "Osten" und arbeite im "Westen".

Grüße
Pzella 82


...poor man wanna be rich, rich man wanna be king
and a king ain´t satisfied ´til he rules everything....Bruce Springsteen
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#46

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 11:28
von furry | 3.572 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #42
Ich versteh jetzt einiges nicht.
Die Überschrift ,,Die Geschichten der Wende,,
was ist damit gemeint?
Wo waren wir, was haben wir gemacht, was haben wir damals gedacht usw.
Und nicht, der Besuch im Westen und die Erlebnisse bei den Verwanden und ob die Straßen besser oder schlechter sind
thomas lindner


@thomas 48 , wie wäre es denn mit einem Beitrag deinerseits?


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#47

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 11:33
von Heckenhaus | 5.129 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #44

Gorbatschow war aber im November 1989 nicht in der DDR !


Nein, aber er hat im Oktober den Auslöser dazu gegeben, sprich den letzten Tritt in den Hintern der Genossen.
Habe mich etwas unglücklich ausgedrückt.
Am 9.11. war Ostberlin zeitweise dicht, warum konkret, ich weiß es nicht. Am Nachmittag war die Grenze noch geschlossen,
der Straßenverkehr jedoch gebietsweise kollabiert.

Es gab jedoch zeitweise Sperrungen wegen irgendwelcher Parteikolonnen von Schönefeld nach Pankow.
.


.
.
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zuletzt bearbeitet 08.09.2014 11:35 | nach oben springen

#48

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 11:46
von Kalubke | 2.294 Beiträge

Ich sah den Schabowski Abends im Fernsehen und dachte, fein, da wirste mal morgen schnell einen Pass in der Meldestelle beantragen, bevor sich da alle über den Haufen rennen. Nächsten Morgen auf dem Weg zur Arbeit sah ich am Bahnhof Friedrichstraße übernächtigte Gestalten, alle mit irgendwelchen Westtüten in der Hand. Da ging mir langsam ein Licht auf. Und vor dem Zentralen Geologischen Institut in der Invalidenstraße kamen mir schon die ersten Arbeitskollegen entgegen und sagten, dass sie sich ebend den Humboldthafen und den Lehrter Bahnhof angesehen haben. Da war dann alles klar. Ohne Kontrolle hatten sie zu der Zeit aber keinen mehr rübergelassen und es entstanden lange Schlangen vor den Grenzübergängen. So wurde das nichts mit dem kleinen Spaziergang vor der Arbeit. Mittags bin ich dann zur Chausseestraße und nach ca. ner Stunde setzte ich meinen Fuß über den weißen Strich und rein optisch in eine völlig andere Stadt. Vorher hatte ich noch ein paar Fotos vor der GüSt Invalidenstraße gemacht, könnte ja doch so was wie'n historischer Tag sein, vermutete ich damals. Den Apparat hatte ich noch im Büro liegen von der letzten Exkursion. Man sieht gut, wie voll das da um die Zeit schon war und die Abfertigung hatte Stunden gedauert. Darum bin ich anschließend in die Chausseestraße gelaufen.

Gruß Kalubke

Angefügte Bilder:


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zuletzt bearbeitet 09.09.2014 07:03 | nach oben springen

#49

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 11:59
von Udo | 1.261 Beiträge

Am 9.11.89 saß ich vor dem Fernseher und hörte die unglaubliche Nachricht. Meine damalige Freundin (jetzige Frau) schlief schon.
Ich rein ins Schlafzimmer, sie geweckt und ihr die Nachrichten verkündet. Auf die Frage, ob wir gleich losfahren wollen, meinte sie nur: Lass mich schlafen, ich habe Frühschicht.
Am 11.11.89 hatten wir frei und sind in den frühen Morgenstunden von Wittenberge bis nach Staaken mit dem Zug gefahren. Bei unserer Ankunft war es noch stockdunkel. Der Bahnhof war eigentlich nur ein kleines Häuschen. Wir sind den Mitreisenden einfach durch den Wald nachgelatscht, bis wir an der Grenze waren. Dort hatten sich schon Tausende eingereiht und man diskutierte mit den Grenzern/PKElern über die Formalitäten. Wir sollten uns alle ein Visum in der Baracke holen. Es wurde immer wieder auf die Uniformierten eingeredet, dass man an anderen Stellen schon die Tore weit auf gemacht habe und die Leute auch ohne Visum rüber können. Nachdem ein Offizier telefoniert hatte, ging der Fussgängerbereich plötzlich für wenige Minuten auf und ließ den ersten Schwung zu den PKElern im Sperrgebiet. Wir hatten das Glück, bei diesem ersten Schwung, da seitlich reingedrängelt, dabei zu sein.
Nachdem wir dort abgefertigt waren, empfing uns auf Westseite schon die Polizei und wies uns zum Busbahnhof. Nach einigen Warteminuten fuhr der Bus dann bis zum Spandauer Rathaus, wo wir auch mit dem ersten Schwung zum Begrüßungsgeldempfang kamen. Direkt hinter uns wurde die Tür verschlossen. Irgendwann, gegen 10.00 Uhr, standen wir wieder vor dem Rathaus (ein Seitenausgang) und betrachteten die Menschenmassen die vor der Eingangstür noch warteten.
Dann in die Spandauer Altstadt. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Alles so bunt, die Kaufhäuser voll, Menschenmassen wohin man schaut. In den großen Kaufhäusern war kein Treten mehr. Gegen 15.00 Uhr, wir hatten bei Tsch…o umsonst einen Kaffee getrunken, waren wir müde und wollten wieder nach Hause. Hunger war auch da, aber uns waren der Hunderter zu schade, um Essen zu kaufen. So gönnten wir uns nur ein Pfund Weintrauben und nahmen den Rest des Geldes wieder mit nach Hause.
Auf dem Bahnhof in Staaken hatten wir noch ne gute Stunde Zeit. Die Bahnerin in ihrem Häuschen sah uns wohl den Hunger an und teilte mit uns ihre Stullen.

Heute wohne ich ja nur 20 Minuten von dem ehemaligen Grenzübergang Staaken weg. Jedesmal, wenn ich über die B5 nach Berlin reinfahre, suche ich die Stelle und denke zurück.


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#50

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 13:35
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Ostsympathisant im Beitrag #21


Leider wurde der Kontakt zu meinen Verwandten nach Grenzöffnung weniger
. Sie kamen zwar mal zu Besuch, haben da aber nur eingekauft. Irgendwann meldeten sie sich gar nicht mehr. Fand ich schade.










(grün)


...das hat man leider sehr viel gehört.

Wie Du selbst feststellst, schade. Aber warum nur sind nur so viele Familienbande, Freundschaften der Deutschen nach Jahren der zwangsweisen Trennung und des Zusammenhaltes, auch einer Solidarität über das berühmte Westpaket, einfach so zerbrochen???

Waren es wirklich nur materielle Dinge. Neid, Mißgunst durch fehlerhafte politische Entscheidungen (wie z. Bsp. Rückgabe vor Entschädigung bei Alteigentum) , der auch durch gewissenlose Medien verbreitet, regelrecht geschürt wurde?


Natürlich waren es auch andere Ursachen, die nun im Leben mal nicht auszuschließen sind. Aber diese, wir auch folgend von mir geschilderte waren doch eher die Einzelfälle...

Ich hatte gleic zu Beginn meines Forumdaseins schon mal darüber berichtet, geschrieben. War einer meiner ersten Beiträge hier im Forum.
Finde den Beitrag in der riesigen Fülle aber nicht mehr, darum hier gern nocheinmal auf eine Neues.

Neben zahlreichen anderen erlebten Episoden und neuen Vorhaben um die Wende und Grenzöffnung herum, beschloß ich Ende November oder Anfang Dezember 1989 meinen etwas jüngeren ehemaligen Brieffreund Michael C. in Buntenbock, das ist in der Nähe von Clausthal- Zellerfeld zu besuchen.
Es war ein sehr schöner Spätherbsttag, Sonnenschein, nur jahreszeitlich entsprechend kühl und so mußte ich mich für diese Tour mit meiner MZ TS 250/1 doch sehr gut verpacken. Aber man war es ja als Nichtautobesitzer von den vielen Fahrten bei Wind und Wetter zur Arbeit und zurück gewohnt. Ich hatte auch noch einen seiner letzten Briefe herausgekramt, der war so von etwa 1977, nun auch schon wieder um die 12 Jahre her.
Warum der Kontakt damals abbrach? Ich weiß es nicht mehr. Daran gedacht hab ich oft, irgendwann so 1988 auch mal einen Kartengruß geschickt. Es kam damals aber keine Antwort und der Gedanke daran, warum, wieso, weshalb ist auch im damaligen Alltagstrubel einfach so untergegangen.

Der Vollständigkeit halber muß ich erwähnen. Meinen damaligen Freund Michael C. hab ich durch eine Luftballonkarte kennengelernt, die ich als etwa 7- oder 8- jähriger hier im Wald bei Ilsenburg gefunden hatte. Wie ich später erfahren habe, war der Luftballon, wie schon immer bei Schützenfesten üblich,beim dortigen Schützenfest in Buntenbock auf die Reise gegangen und durch die hier meißt vorherschende Luftströmung aus westlichen Richtungen zu uns herübergeflogen. Irgendwann hat dann der Gasdruck im Ballon nachgelassen und der Ballon landete hier im Wald des Suentales.
Nun war es ja in dieser Zeit eigentlich Pflicht, solche Fundsachen abzugeben.
Warum?
Das weiß heute eigentlich jeder, der sich mit der Materie etwas befasst hat, die Materie kannte. Für nicht- Insider oder Jüngere unter uns aber schier unbegreiflich!
Einfach gesagt, von offizieller Stelle wurde sowas damals als Spionage und wer weiß nicht noch was für abenteuerliche Vorstellungen die DDR- Oberen dazu hatten, angesehen. In der DDR selbst war das Versenden solcher Art "Luftpostgrüße" besonders im grenznahen Gebiet, ich glaub sogar DDR- weit strengstens verboten!
Im ungünstigsten Fall konnte das leicht als Straftatbestand der unerlaubten Kontaktaunahme oder eventuell sogar auch Spionagetätigkeit mit dem Klassenfeind(!) ausgelgt werden!
Im Grunde, im Klartext wollte man doch nur neue Kontaktaufnahmen zum einfachen Bundesbürger verhindern, die Trennung in den Köpfen der Menschen Ost und West regelrecht und zur Not auch mit Druck und psychischer Gewalt zementieren. Welch ein naiver Schwachsinn!

Wenn ich heute Ähnliches von den Nordkoreanischen Machthabern höre oder lese, komme ich mir manchmal vor, wie damals in der DDR...

Bin dann jedenfalls vormittgs losgefahren und hab die Adresse in Buntenbock auch schnell gefunden. Ist ja nur ein kleiner Ort.
Das Namensschild mit dem Anfangsbuchstben C. an der Türklingel ließ auch hoffen...
Die Ernüchterung kam dann aber sehr schnell, als ein Eheaar mir öffnete und ich mich vorstellte.

Ich wurde gleich hereingebeten und merkte schnell, das irgendetwas nicht stimmte. Dann kam die mehr als ernüchternde Nachricht. Mein Freund Michael war einige Jahre zuvor bei einem tragischen Autounfall fast vor der heimatlichen Haustür tödlich verunglückt....

Wie ich dannweiter erfuhr, war mein Kartengruß von 1988 auch schon zu spät gekommen....

Wir waren dann gemeinsam auf dem Friedhof. ein für mich überhaupt nicht leichter Gang. Es bestand dann noch eine Weile eher sporadischer Kontakt per Telefon. Ich merklte aber, das dieser Kontakt die Eltern meines Freundes eher bedrückte und so brach der Kontakt dann auch ab.
Im letzten Jahr war ich seit langer Zeit mal wieder in Buntenbock. Der Gang zum Friedhof war eine Selbstverständlichkeit. Neben dem noch erhaltenem Grab meines Freundes fand ich zwei neue Gräber.... .
Hatte die Ewigkeit nun auch seine leidgeprüften Eltern eingeholt. Mögen sie jetzt gemeinsam im ewigen Frieden ruhen.

Ja, so spielt leider das reale Leben und neben vielen positiven Dingen der Wende, der Grenzöffnung, dieser damalig einmaligen Euphorie, die es vielleicht so auch nie wieder gibt, gab es auch sehr schnell für einige von uns tragische Ernüchterungen, so wie diese hier...

Denen manche, wenn vielleicht auch nicht ganz so endgültige und tragische Ernüchterungen für Viele von uns schon bald folgen sollten...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

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zuletzt bearbeitet 08.09.2014 13:41 | nach oben springen

#51

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 14:29
von turtle | 6.961 Beiträge

Die ersten Tage und Wochen nach der Wende waren auch für mich eine turbulente Zeit. Da klingelten plötzlich "so genannte" Freunde an der Tür mit denen ich seit meiner Flucht nicht einmal Kontakt hatte. Mein Nachteil in Norderstedt bin ich auch heute noch der Einzige mit meinen Nachnahmen. So war ich leicht zu finden. Nun gut weg jagen wollte ich sie auch nicht. Also das übliche Einladen zur Hamburg Rundfahrt , Hafenrundfahrt usw. Damit waren sie nicht einmal zufrieden .die Reeperbahn und der Fischmarkt musste es auch noch sein. Ich war froh wenn sich die "Freunde" verabschiedeten. Habe damals auch kurioses erlebt, ich wurde auf Grund meiner sächsischen Aussprache mit einem DDR-Bürger verwechselt. So bekam ich in mancher Kneipe Freibier, auf dem Fischmarkt "was kostet der Aal" lass mal stecken, und zwei Aale waren gratis mein. Ich wollte den lieben Menschen nicht sagen, ihr irrt, ich bin seit über 20 Jahren hier. Dafür musste ich später schon mal als Ausgleich scheiß Ossi anhören. Bei einem dieser St.Pauli Besuche bekam ich sogar eine Freikarte für das "Salambo". (War Erotikshow, fast schon Porno live auf der Bühne) Ich hatte meinen Platz sehr nah dran, nee mehr nicht) Einen alten Seemann wirft so schnell nichts um, und so hielt ich tapfer meine Augen auf. Nur auf das mitmischen verzichtete ich lieber. Ein Getränk bekam ich auch noch gratis dazu. Das "Salambo" ist lange Geschichte, die Erinnerung bleibt. Ja damals behängte man noch die Ossi Autos mit Geschenken, da wusste man noch nichts vom Solidaritätsbeitrag und was die versprochenen blühenden Landschaften kosten. Die Schranken in manchen Köpfen waren damals mehr geöffnet als heute.
.


ABV, GKUS64, Gert und andyman haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.09.2014 14:30 | nach oben springen

#52

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 14:42
von josy95 | 4.915 Beiträge

@turtle,

das "Salambo" war das erste Etablisiment dieser Art, was ich beim ebenfalls ersten Reperbahnbesuch, war glaub ich 1992 kennengelernt habe. War dann noch mal mit einer Kollegentruppe (mit Ehefrauen!!!) 1994 dort drin.
Da lief die Erotikvariante von "Biene Maja" als Bühnenstück.

Werde ich nie vergessen, was wir da u. a. auch gelacht haben....

Morgens dann natürlich den Fischmarkt "mitgenommen", gehört ja dazu.

Einmalig schöne und bleibende Erinnerungen!

Gibt es so nie wieder...

josy95


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#53

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 15:30
von furry | 3.572 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #52
@turtle,

das "Salambo" war das erste Etablisiment dieser Art, was ich beim ebenfalls ersten Reperbahnbesuch, war glaub ich 1992 kennengelernt habe. War dann noch mal mit einer Kollegentruppe (mit Ehefrauen!!!) 1994 dort drin.
Da lief die Erotikvariante von "Biene Maja" als Bühnenstück.

josy95


@josy95 , die der Willi umschwärmte die Biene Maja im Safari.


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#54

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 15:57
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich fand die Salambo Show schrecklich. Da spielte eine Thai die Nimmersatte Katharina. Ein Farbiger war unter den Liebhabern. Katharine inspizierte vorher alles ganz genau. Eine Wahrsagerin auch mit im Programm. Die las nicht aus der Hand sondern ................... Doch nachdem ein Farbiger aus seiner Pracht lesen las. zogen einige Ihre Teilnahme zurück. Die bekamen wahrscheinlich Komplexe wegen dem Vergleich.
Die Show war vom künstlerischen totaler Müll. Doch darum ging es nicht im "Salombo" Kann mir aber gut vorstellen das unser Josy 95 nicht der Einzige Neubürger war dem das "Salambo" anzog . Klar Herbertstrasse und Fischmarkt gehören für einen Herrenbummel über die Reeperbahn dazu.
furry woher kennst Du das Safari


zuletzt bearbeitet 08.09.2014 15:59 | nach oben springen

#55

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 16:04
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

josy,
wegen so einem Flugblatt bekam ich 1968 einigen Ärger


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#56

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 16:56
von furry | 3.572 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #54


furry woher kennst Du das Safari


Von einer Safari quer durch Hamburg. In Zeiten, in den ich auf jedem Kreuzfahrtschiff noch als Deckoffizier hätte anheuern können.


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#57

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 17:01
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

lest mal den Spiegel vom 5.11.1990


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#58

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 17:16
von Gert | 12.354 Beiträge

das sind sehr schöne Geschichten hier, bitte schreibt weitere


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#59

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 17:20
von Gelöschtes Mitglied
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Meine Erinnerung an den Tag ist eigentlich nur mein Vater der völlig aufgelöst durch die Wohnung rannte. "Die Grenze ist offen, da, mein alter Postenbereich, auf dem Turm stand ich oft. Und nun kann man da durch - Wahnsinn." So ging das den ganzen Abend und sicher die ganze Nacht. Ich bin wieder ins Bett, mit 10 kann man das noch nicht fassen, was da in Berlin passiert ist.

Am nächsten Tag fuhr mein Vater dann auch nach Berlin. Es muss, nein ich weiß es aus Gesprächen, für ihn ein komisches Gefühl gewesen sein. 1974/75 stand er etliche Schichten an den GüSTen in Berlin und nun konnte er da plötzlich durch. In Zivil und ohne 65 zu sein. Einfach so durch.

Für mich selber bedeutete die Zeit Westsachen, nicht nur aus dem Paket zu Weihnachten und völlig andere Verhältnisse in der Schule. Kein Fahnenapell mehr, kein Halstuch am Montag usw. Es waren auch komische Unterrichtsstunden zu der Zeit, die Lehrer waren wohl auch überfordert. So richtigen Unterricht hatten wir in der Zeit nicht. Meistens sollten wir uns selbst beschäftigen, Lesen oder wir waren einfach auf dem Schulhof und haben Zweifelderball gespielt. In der Nachbetrachtung war es eine sehr komische Zeit, die selbst uns Kinder verwirrt hat. Es war von einem Tag auf den anderen plötzlich alles anders. Lehrer, Eltern, Bekannte...alle hatten was anderes im Kopf, haben anders gehandelt. Schon komisch sich da als Kind, das sich ja doch an den Erwachsenen orientiert, zurechzufinden.


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#60

RE: Die Geschichte(n) der Wende

in Das Ende der DDR 08.09.2014 17:30
von furry | 3.572 Beiträge

Nun mal von den Vergnügungsreisen zurück ins reale Leben, in die LPG, auf die sich mein weiter oben verlinkter Bericht bezieht.
Auffällig war schon im Sommer 1989, dass die Obrigkeitshörigkeit anfing zu bröckeln.
Bis dahin war mein LPG-Vorsitzender dem SED-Sekretär für Landwirtschaft und dem entsprechenden Mann beim Kreis immer treu ergeben. Vor meinem Eintritt in den Betrieb hatte er, wie es ja gefordert war, in der Rindermast den Schichtbetrieb eingeführt, was nun totaler Blödsinn war.
Eine Schicht hat früh einschließlich des gesamten folgenden Wochenendes und die andere nachmittags gearbeitet. Eine Abstimmung zwischen beiden Schichten gab es kaum.
Und weil das überhaupt nicht meinen Vorstellungen entsprach und unnötige Lohnkosten verursachte, habe ich bei einigen Mitarbeitern vorgefühlt, ob sie denn ein anderes System mitgehen würden. Meine Denke entsprach ihren Vorstellungen, die ich später im Vorstand einbrachte und die von allen bis auf einen, den Vorsitzeden, angenommen wurde.
Der Schichtbetrieb wurde aufgelöst, es wurde in der normalen Arbeitszeit an 7 Tagen gearbeitet, 3 Tage waren frei und vier Mitarbeiter, natürlich meine Lieblinge, konnte ich dem Vorsitzenden als zbV übergeben.
Der Rhythmus 7/3 kam den Mitarbeitern sehr gelegen, denn ihnen waren freie Tage in der Woche, in der sie mal in die Kreisstadt fahren konnten, wichtiger, als zweiwöchig ein freies Wochenende.
Wäre der Einfluss der Obrigkeit zu dieser Zeit noch nicht geschrumpft, wäre ich mit meiner Idee wohl an die Wand gefahren.


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