#61

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 01:00
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
Zitat von CaptnDelta

Die Gefahren an der innerdeutschen Grenze waren allgemein hoechstens als Abstraktum, aber keinesfalls immer konkret (wie im Ampelfall) bekannt. Wie denn auch, alles was damit zu tun hatte war geheim oder streng geheim. Wenn, dann haette man sich hoechstens beim "Gegner" konkret informieren koennen, allerdings war das eben auch (teilweise) strafbar. Das dieses Informationsmanko tatsaechlich existierte, kann man am Beispiel von Gueffroy ablesen, der tatsaechich glaubte das der Schiessbefehl(*) ausgesetzt war, und von daher ihm ein bedeutend geringeres Risiko drohte.



ich glaube schon, dass allgemein bekannt war, wenn man "über die mauer geht", dass geschossen wird. auch dem letzten mauertoten chris geffroy war das bekannt. und genau weil er und sein begleiter das risiko verringern wollten (ein bekannter grenzer hatte ihm die aussetzung der schusswaffe versichert)marschierten sie nach eine fete los. auch er kannte sein risiko.
nebenbei bemerkt, seine mutter und er waren antragsteller auf ständige übersiedlung. sie erlebten ständig mit, wie aus ihrem umfeld personen ausreisten. sie konnten ahnen, dass es nur noch eine frage der zeit sein würde, bis auch sie ausreisen können.
er nahm jedoch mit seinem begleiter das risiko "über die mauer zu gehen" an diesem abend in kauf.


Ich glaub' auch das allgemein bekannt war, das gewisse Gefahren an der Mauer existierten, genauso wie auch allgemein bekannt ist, das Teilnahme am Strassenverkehr gefaehrlich ist (um bei deinem Beispiel zu bleiben). Deswegen nehmen trotzdem viele Leute am Strassenverkehr teil, manche mit hoeherem, manche mit weniger Risikobereitschaft. Man kann das Risiko abschaetzen, und somit seine eigenen Handlungen anpassen.
Der Unterschied der Grenze ist eben das man *konkretes* Wissen dieser Gefahr an der Grenze nicht hatte, und das es strafbar war, dieses Wissen -um das Risiko zu minimieren- in Besitz zu bekommen . Zum Beispiel habe ich mit dem Wissen nach unserer Uebersiedlung eine komplett andere Strategie der Fluchthilfe fuer einen guten Freund ins Auge gefasst as vorher(*).

Es liegt wohl auf der Hand, das Leute, mit dem entsprechenden Wissen, ihr eigenes Risiko minimieren. Nur hat man verhindert, das man sich tatsaechich ein solches Bild machen kann. Von daher kann man sich heute nicht die Sache so einfach machen und sagen "ihr habt ja alles gewusst, selber schuld". Dem war einfach nicht so.

Zur Ausreisegenemigung (weiss nicht wieso wir jetzt auf diese Nebenbaustelle kommen, hier allerdings meine erlebte Erfahrung)
Unsere Ausreise hat damals fast 3 Jahre gedauert, die von 'ner befreundeten Familie nur ein Jahr, anderen ist die Genehmigung nie erteilt worden. Gruende fuer die Ablehnung wurden nie genannt, Genehmigungen waren fuer Antragsteller komplett wilkuerlich. Von daher konnte Gueffroy ueberhaupt nix "ahnen". Das einzige was er "ahnen" konnte (aufgrund der Mitteilung des Grenzers) ist das nicht geschossen wurde. Das "ahnen" hat ihm dann das Leben gekostet.
-Th

(*) hatte ich hier im Forum schon mal angesprochen


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#62

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 01:30
von Musiker12 | 822 Beiträge

Es kann mir keiner erzählen, dass nicht bei jedem Bürger der DDR bekannt war, dass an der Grenze geschossen wurde. Ich habe das auch schon einmal geschrieben, dass jeder wußte was passiert wenn man illegal über die Grenze will. Einzeheiten zu den Grenzanlagen (Aufbau, Struktur) waren sicher nicht bekannt. Durch das Gesetz war der Grenzübertritt geregelt. Also nehme ich es doch in Kauf wenn ich illegal über die Grenze gehe erschossen zu werden.
Somit ist Deine Satz:

In Antwort auf:
Man kann das Risiko abschaetzen, und somit seine eigenen Handlungen anpassen

völlig richtig.



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#63

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 02:00
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Musiker12
Es kann mir keiner erzählen, dass nicht bei jedem Bürger der DDR bekannt war, dass an der Grenze geschossen wurde.

Und woher nimmst Du das Wissen? Ich denke das Beispiel von Gueffroy sagt doch da leicht etwas anderes aus. Das wurde, soweit ich das richtig lesen konnte, auch von GW nicht bestritten.

Zitat von Musiker12
Ich habe das auch schon einmal geschrieben, dass jeder wußte was passiert wenn man illegal über die Grenze will. Einzeheiten zu den Grenzanlagen (Aufbau, Struktur) waren sicher nicht bekannt. Durch das Gesetz war der Grenzübertritt geregelt.

Ich weiss nicht "was jeder wusste", ich weiss nur was ich wusste. Somit stimmst Du mir dann zu, das man als Ostdeutscher das Risiko nicht abschaetzen konnte?
Danke, Q.E.D.

-Th


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#64

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 02:19
von Musiker12 | 822 Beiträge

Du willst mir also allen ernstes klar machen, dass die Regeln der Grenze in der DDR nicht bekannt waren? Es wurde vielleicht nicht durch die AK berichtet, aber die westlichen Medien haben doch dafür gesorgt, dass jeder wußte was an der Grenze ablief. Ausnahmen mag es im Tal der Ahnungslosen gegeben haben woran ich Zweifel habe.

Soweit ich informiert bin hat Gueffroy von einem Dritten gehört, dass nicht mehr geschossen wird. Also wußte er aber, dass bis zu der falschen Information geschossen wurde.

In Antwort auf:
Ich weiss nicht "was jeder wusste", ich weiss nur was ich wusste. Somit stimmst Du mir dann zu, das man als Ostdeutscher das Risiko nicht abschaetzen konnte?


Ich denke meine Aussage war eindeutig.

Mal am Rande, was versteckt sich hinter "Q.E.D."?



zuletzt bearbeitet 12.08.2009 02:19 | nach oben springen

#65

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 02:44
von S51 | 3.733 Beiträge

Ich habe nach wie vor Schwierigkeiten damit, die Frage, ob ich vor einem Opfer jener Zeit nun den Hut ziehe, davon abhängig zu machen, ob er/sie wusste, was ihn/sie dort erwartete oder nicht, zu welcher Seite er oder sie gehörte. Mir ist das egal denn die Zeit hat alle Gründe, die früher ausreichten, um damals jenen Schritt zu gehen bzw. den Abzug durchzuziehen auf die Liste unserer menschlichen Fehltritte aus Prinzip gesetzt. Verletzte oder Tote, zivil oder in Uniform, Opfer bleibt Opfer. Es hätte nicht sein müssen.
Ich war früher stolz, dort "Verbrecher" zu jagen und habe mit der Zeit lernen müssen, dass dort, wo es um Prinzipien geht, der einzige Unterschied oft die andere Sichtweise auf den selben Sachverhalt ist. Das war im Nachhinein kein Leben wert.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#66

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 02:57
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Musiker12
Du willst mir also allen ernstes klar machen, dass die Regeln der Grenze in der DDR nicht bekannt waren?

Ich will Dir garnix "klarmachen". Ich wollte nur GW erlaeutern das sein Vergleich mit der Ampel hinkt, oder vielleicht nicht mal als Vergleich taugt. Das Du das allerdings komplett verallgemeinert hast brauchste jetzt mir nicht in die Schuhe schieben .

Zitat von Musiker12
Soweit ich informiert bin hat Gueffroy von einem Dritten gehört, dass nicht mehr geschossen wird.

Der dritte war ein Grenzer

Zitat von Musiker12
In Antwort auf:
Ich weiss nicht "was jeder wusste", ich weiss nur was ich wusste. Somit stimmst Du mir dann zu, das man als Ostdeutscher das Risiko nicht abschaetzen konnte?

Ich denke meine Aussage war eindeutig.


Eben nicht, Du schrubst naemlich auch:

Zitat von Musiker12
...dass jeder wußte was passiert wenn man illegal über die Grenze will. Einzeheiten zu den Grenzanlagen (Aufbau, Struktur) waren sicher nicht bekannt. Durch das Gesetz war ...

hervorhebung ist von mir, von daher hatte ich eben (anscheinend faelschlicherweise) gedacht das Du mirt zustimmst das man sich von der Ostseite kein 100%iges Bild des Risiko's an der Grenze machen konnte, sowie Gilbert das in seinem Ampelbeispiel vorraussetzte.

Zitat von Musiker12
Mal am Rande, was versteckt sich hinter "Q.E.D."?

Q.E.D.

Allerdings hab' ich das Gefuehl das ich mich mit Dir in diesem Thema im Kreise drehe. Mein urspruenglicher Beirag sollte nur auf Gilberts hinkendes (oder vielleicht auch komplett unzutreffendes) Beispiel hinweisen - mittels konkreten Beispielen die ich selbst erlebt habe. Das Du das nicht glauben magst sei Dir ueberlassen. Solange allerdings nix konkretes mehr zum Thema gesagt wird, werd' ich mich da mal verabschieden.
-Th


zuletzt bearbeitet 12.08.2009 02:57 | nach oben springen

#67

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 03:00
von S51 | 3.733 Beiträge

Damit wir uns aber bitte nicht falsch verstehen. Ich schmeiße mich deshalb nicht in den Staub. Ich war freiwillig am Kanten, habe im Wesentlichen daran geglaubt, das alles gut und richtig sei, was ich dort tat. Es gab gute und weniger schöne Zeiten. Ich hatte gute Kollegen, von denen einige auch Genossen waren. Ich war sehr erfolgreich - jedenfalls aus damaliger Sicht.
Es waren Zufälle, nicht unbedingt mir zu verdanken, dass ich keine Kerben im Pistolenkolben habe und wäre es damals passiert, ich hätte mich seinerzeit je nach den Umständen sicher als eine Art Held gefühlt. Und trotzdem den Hut gezogen.
Ich bin vermutlich ein klassischer Söldner.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#68

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 03:44
von CaptnDelta (gelöscht)
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Hi S51,

Zitat von S51
Damit wir uns aber bitte nicht falsch verstehen. Ich schmeiße mich deshalb nicht in den Staub.

Ich glaub' das verlangt auch niemand, ausser ein paar reisserischen Randerscheinungen, die man genau so ignorieren sollte wie die absoluten Verfechter der rechtlichen Glaubwuerdigkeit dieser Grenze.
Zitat von S51
Ich war früher stolz, dort "Verbrecher" zu jagen und habe mit der Zeit lernen müssen, dass dort, wo es um Prinzipien geht, der einzige Unterschied oft die andere Sichtweise auf den selben Sachverhalt ist. Das war im Nachhinein kein Leben wert.

Das eben trifft den Kern der Sache, solange man eben dieses Verhalten von damals nicht automatisch durch die propagandistische Brille von damals sieht, sondern reflektiert und die "andere Seite" als das warnimmt was es wirklich war - naemlich Menschen - dann koennen wir alle was davon lernen, auch Leute wie ich, die nie dort waren.

Zitat von S51
Ich bin vermutlich ein klassischer Söldner.

Ich war in den 80ern ziemlich pazifistisch eingestellt, vor alem auch aus dem Grund weil meine Familie und Freunde ziemlich gleichmaessig in Ost und West verteilt waren, und ich es von daher ablehnte, auf irgendeine der beiden Seiten zu schiessen. Inzwischen hab' ich allerdings auch lernen muessen das man sich durch Pazifismus ziemlich schnell verwundbar macht. Von daher hab' ich inzwischen einen riesigen Respekt fuer die Leute die ihre Ruebe hinhalten wenn's brenzlig wird.
-Th


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#69

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 04:59
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von CaptnDelta
Inzwischen hab' ich allerdings auch lernen muessen das man sich durch Pazifismus ziemlich schnell verwundbar macht. Von daher hab' ich inzwischen einen riesigen Respekt fuer die Leute die ihre Ruebe hinhalten wenn's brenzlig wird.


das ist ein guter Satz.

Berliner


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#70

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 07:08
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Berliner
Zitat von CaptnDelta
Inzwischen hab\' ich allerdings auch lernen muessen das man sich durch Pazifismus ziemlich schnell verwundbar macht. Von daher hab\' ich inzwischen einen riesigen Respekt fuer die Leute die ihre Ruebe hinhalten wenn\'s brenzlig wird.


das ist ein guter Satz.

Berliner


Hallo Berliner,

bei mir ist es genau umgekehrt, obwohl ich mich als Friedensbewegter nicht als Pazifist sehe. Früher habe ich meinen Kopf hingehalten. Heute weiß ich Leute zu schätzen, die intensiv die Ursachen, Risiken und Folgen bedenken, bevor sie andere ins Feuer schicken. Die Frage, die das Maß an Demokratie in einer Gesellschaft halbwegs bestimmbar macht, lautet: Wer bewacht die Wächter? Das meint für mich den weitesten Begriff - also auch die Streitkräfte.

Zur Risikodiskussion: Das Grenzgesetz von 1982 war offiziell im Neuen Deutschland veröffentlicht, inklusive seinem Anhang: Der Schusswaffengebrauchsbestimmung. Hatte sicher seine außenpolitischen Gründe, ist aber so.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#71

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 07:48
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Zur Risikodiskussion: Das Grenzgesetz von 1982 war offiziell im Neuen Deutschland veröffentlicht, inklusive seinem Anhang: Der Schusswaffengebrauchsbestimmung. Hatte sicher seine außenpolitischen Gründe, ist aber so.

Hi Rainman,
Der Gesetzestext und die Bestimmung ist eben der Abstrakt, auf den ich mich bezogen hab'. Im Gilbertschen Beispiel von der Verkehrsampel waere das die StVO. Nun, was machste wenn eine Ampel aus "technischen Gruenden" immer auf Rot stehenbleibt? Bleibst Du stehen bis Du einschlaefst? Oder ueberlegt man sich irgendwann, ob das noch "rechtens" ist, kuckt rechts und links, und faehrt trotzdem. Das Risiko ist an der Ampel eben ueberschaubar. Allerdings, eine Gesetzesuebertretung im technischen Sinne ist es trotzdem. Von daher wollte ich Gilberts Beispiel als hinkend aufzeigen, weil man eben diese tatsaechlichen Gefahrens- und Gefaehrdungsinformationen ueber die Grenze von Ostdeutscher Seite eben nicht so einfach bekam.

Hier mal mein konkretes Beispiel (hatte ich schon mal teilweise hier geschrieben):
Als wir Anfang der 80er der DDR von dannen zogen, haben ich meinem besten Schulspez'l geschworen, das ich ihm helfe, nachzukommen sobald er 18 war. Er hatte wohl Verwandte in Schierke die er oefters besuchte, da hat er sich so unauffaellig wie moeglich schlau gemacht. Ich hab' gleichzeitig auf der "Westseite" geschaut wo da was gaenge, in Bayern, in Berlin, und auch in den anderen Ostblocklaendern. Irgendwann haben wir uns dann in der CSSR getroffen um die Sache zu planen. Mein Freund war inzwischen nicht weit davon entfernt, im Harz sein Glueck zu testen (die Ampel war einfach zulange auf Rot). Ich hab' ihm damals abgeraten, weil ich eine viel sichere Route ueber Ungarn, Jugoslawien und Italien schon mehrmals getestet hatte. Von daher hat er die Aktion mit dem hoeheren Risiko gegenueber einer mit geringeren Risiko getauscht, weil er bessere Informationen bekam.

Wie gesagt, mir ging's nur um den Ampelvergleich, der da fuer mich hinkte, nicht um die StVO.
-Th

Edit: Mit der Grundfrage "Quis custodiet ipsos custodes?" stimmen wir 100% ueberein


zuletzt bearbeitet 12.08.2009 07:52 | nach oben springen

#72

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 09:41
von manudave (gelöscht)
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@Musiker

In Antwort auf:
Also nehme ich es doch in Kauf wenn ich illegal über die Grenze gehe erschossen zu werden.



Diese Aussage wurde ähnlich mal von Grenztruppenchef Baumgartens Verteidiger Osterloh so gesagt. Daraufhin wurde beantragt seine Pflichtverteidigung zurückzunehmen:
Zitat:

"...dabei nimmt er keine Rücksicht auf die Opfer und versucht sogar, den "Grenzverletzern" die Schuld an deren tödlichem Schicksal aufzubürden. Wer eine solche Einstellung hat, darf nicht aus den Steuern der Gemeinschaft ein Verteidigungshonorar erhalten."


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#73

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 09:45
von manudave (gelöscht)
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Ich denke die Opfer sind nun genug verhöhnt worden. Wenden wir uns den Tätern zu...


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#74

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 09:57
von wosch (gelöscht)
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Hallo Leute!
Die Diskussion ob man wußte das man an der Grenze abgeknallt wurde oder nicht, ist doch im Grunde genommen absolut überflüssig. Natürlich wußte man das an der innerdeutschen Grenze auf Flüchtlinge scharf geschossen wurde. Daraus ableiten zu wollen, sie wären ja selber Schuld, ist schon "Pervers hoch drei". Gerade diese widerliche Grenze ist doch ein Grund dafür gewesen zu versuchen aus der DDR herauszukommen, koste es was es wolle.
Mein Respekt gilt denen, die es geschafft haben diese Grenze zu überwinden und verbeugen tue ich mich vor denen, die beim Versuch ermordet wurden.
Schönen Gruß aus Kassel


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#75

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 10:18
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Zitat von Musiker12
Es kann mir keiner erzählen, dass nicht bei jedem Bürger der DDR bekannt war, dass an der Grenze geschossen wurde. Ich habe das auch schon einmal geschrieben, dass jeder wußte was passiert wenn man illegal über die Grenze will. Einzeheiten zu den Grenzanlagen (Aufbau, Struktur) waren sicher nicht bekannt. Durch das Gesetz war der Grenzübertritt geregelt. Also nehme ich es doch in Kauf wenn ich illegal über die Grenze gehe erschossen zu werden.
Somit ist Deine Satz:
In Antwort auf:
Man kann das Risiko abschaetzen, und somit seine eigenen Handlungen anpassen

völlig richtig.


Das freut mich. Denn dann sind wir uns ja auch bezüglich der Aburteilung von Mauerschützen einig!
Lautsprecher an der Mauer riefen ab 1961 "...hört auf zu schiessen! Ihr werdet dafür einmal zur Verantwortung gezogen werden...".
Salzgitter war auch bekannt... Alle Verantwortlichen für die Schüsse haben abschätzen können, was passiert, wenn das deutsche Volk einmal die "Ersatzrussen" (Bezeichnung von Ex-SED-Funktionär und dem ehem. Verhandlungsführer für die DDR, Hermann v. Berg für die DDR-Kommunisten)...
... wenn das deutsche Volk jene Ersatzrussen also einmal beseitigen wird.

Bezüglich von einigen erschossenen Grenzsoldaten ist dann auch alles klar gestellt. Sie wußten, daß Flüchtlinge unter Umständen von westlicher Seite aus Feuerschutz erhalten. Spätestens, sobald die Gefahr besteht, daß das Bundesgebiet oder Berlin-West von Querschlägern getroffen werden kann.

Nach der Logik meines werten Vorredners kann ich nur sagen: hätten sie nicht auf Menschen geschossen, die von Deutschland nach Deutschland wollen, wären sie auch noch am Leben....

Nach dieser Logik darf man ja wohl auch mal nach der Vernichtung der Juden fragen. Denn Hitler und Konsorten haben wohl lange genug gebetsmühlenartig (gesetzlich unterlegt) angedeutet und angekündigt, was sie vor haben. Wer als deutscher Jude nur einmal schon 1935 in den "Stürmer" geguckt hat, hätte ja wohl wissen müssen, daß er sich schnellstens aus Deutschland "verziehen" muß. Ganz abgesehen von der Reichskristallnacht. Und Hitlers Ankündigungen "....bedeutet das die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa...". Selbst schuld, daß sie nicht rechtzeitig abgehauen sind, sondern sich in Lebensgefahr begeben haben?

Hinter meinen Bemerkungen steht die Frage:
Macht sich Derjenige schuldig, der allgemein anerkannte Bürger- und Menschenrechte seiner Zeit in Anspruch nimmt?
Oder macht sich Derjenige schuldig, der allgemein anerkannte Bürger- und Menschenrechte durch seine Tätigkeiten in jenen Zeiten mit Füßen tritt?

Mal ganz nebenbei:
Ich kann mir nicht vorstellen, daß Italien in Ost und West geteilt worden wäre. Und das Italiener auf flüchtende Italiener geschossen hätten, die von Italien nach Italien wollen. Die Italiener hätten die Verantwortlichen wahrscheinlich nach Bekanntwerden solcher Pläne in Stücke zerrissen....


zuletzt bearbeitet 12.08.2009 10:32 | nach oben springen

#76

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 10:33
von Mike59 | 7.980 Beiträge

@FSK
Ja schön und gut oder auch schlecht und nicht gut. Hat alles seine Richtigkeit was du schreibst



Der Vergleich mit Italien gefällt mir nicht. Ost - West ist ja verständlich aber Nord - Süd ist nicht OK. Südtirol und Italien, da wird z,Zt. zwar nicht geschossen und gesprengt, aber naja.

Suche bitte einen anderen Vergleich und nimm nicht Spanien oder Frankreich.

Musst du auch nicht, ist ja hier kein Quiz.

MfG Mike59


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#77

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 10:36
von sentry | 1.108 Beiträge

@FSK

War das wieder einer von diesen "Satire-Anfällen" oder sind davon auch Absätze ernst gemeint.
Eine Kennzeichnung wäre hilfreich.

Vorsorglich, falls alles ernst gemeint war: Sehr weit über das Ziel hinausgeschossen!!

P.S: FSK bedeutet nebenbei auch Freiwillige Selbstkontrolle...mal drüber nachdenken...


zuletzt bearbeitet 12.08.2009 10:37 | nach oben springen

#78

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 10:39
von wosch (gelöscht)
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[quote="Rainman2"] Früher habe ich meinen Kopf hingehalten.

Das täte mich schon mal interessieren, wo Du Deinen Kopf hingehalten hattest??

Zur Risikodiskussion: Das Grenzgesetz von 1982 war offiziell im Neuen Deutschland veröffentlicht, inklusive seinem Anhang: Der Schusswaffengebrauchsbestimmung. Hatte sicher seine außenpolitischen Gründe, ist aber so.

Hatte sicher seine innenpolitischen Gründe, ist aber ganz bestimmt so!!!!
Schönen Gruß aus Kassel



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#79

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 10:52
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von sentry
@FSK

War das wieder einer von diesen "Satire-Anfällen" oder sind davon auch Absätze ernst gemeint.
Eine Kennzeichnung wäre hilfreich.

Vorsorglich, falls alles ernst gemeint war: Sehr weit über das Ziel hinausgeschossen!!

P.S: FSK bedeutet nebenbei auch Freiwillige Selbstkontrolle...mal drüber nachdenken...



Ich habe den Inhalt gewissenhaft geprüft und keine gravierenden Fehler entdecken können. Vielleicht ist man mir ja behilflich?
Anscheinend gab es Leute, die sich in einer außerordentlichen inneren Ausnahmesituation befunden haben, sodaß sie in ihrer (anscheinend unmittelbaren) inneren Not den Weg über die Grenzbarrikaden gewählt haben. Oft, ohne genau zu wissen, was sie denn genau nach Überklettern der ersten Sichtschutzmauer erwartet.

Wie kann man die Hinrichtung eines Menschen dür diese "Tat" genau erklären?
Dieser Mensch wollte keinen umbringen.
Er wollte niemanden verletzen.
Er wollte nicht mal irgendwen bestehlen.

Er wollte vielleicht zu seiner Braut in den Westen....

Dafür gleich mal kurz eine "Hinrichtung"? Für die er (irgendwo selbst) verantwortlich ist?

Starker Tobak!



zuletzt bearbeitet 12.08.2009 10:57 | nach oben springen

#80

RE: Die unbekannten Opfer des Schießbefehls

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.08.2009 10:59
von sentry | 1.108 Beiträge

Mag sein, dass inhaltlich keine Fehler zu finden sind; es sind die Vokabeln, Ableitungen und Vergleiche, die ein maximal durchschnittliches Niveau haben, aber möglicherweise dazu taugen, die Diskussion ordentlich anzuheizen.
Ich bin 'mal 'raus für heute, aber ich bin gespannt, was hier morgen so zu finden ist.


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