#1

Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 04:11
von B208 | 1.350 Beiträge

In einem anderen Thema ( Putin ein Mensch ? )

wurde die These aufgestellt ( @StabsfeldKoenig )

ohne den Einfluss der " Brüder und Schwestern " aus dem Westen , hätte die exDDR nach 1989 eine erfolgreiche eigene Wirtschaft ohne Arbeitslose und ohne Abwanderung junger Menschen .

Wunschtraum oder Realität ?


zuletzt bearbeitet 28.08.2014 04:13 | nach oben springen

#2

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 07:42
von eisenringtheo | 9.172 Beiträge

Es kommt auf die Prämissen an. Ich gehe davon aus, dass die Mauer weg ist. Somit wäre die jungen und leistungsfähigen Personen abgewandert wie vor 1961; die Volkswirtschaft wäre kollabiert, wenn man nicht staatliche Massnahmen ergriffen hätte. Nur unter der Annahme, dass die Mehrheit der DDR Bürger wenigstens vorläufig eine Eigenstaatlichkeit gewollt hätte, wäre eine Sanierung der Volkswirtschaft möglich gewesen. Diese wäre nur mit einem massiven Schutz der Binnen- und Exportwirtschaft möglich gewesen. Das heisst: eine eigene Währung. Der voraussichtlich schlechte Wechselkurs hätte die Exportwirtschaft angekurbelt. doch Importwaren wäre teuer geworden. Es wäre zu einer Inflation und zu Arbeitslosigkeit gekommen. Vorübergehend hätte man die Preise wichtiger Grundnahrungsmittel staatlich reglementieren müssen, um die Folgen der Inflation zu mindern. Nicht wirklich erstrebenswert.
Theo


matloh, Hapedi und Harsberg haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 08:07
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Wunschtraum,

sage ich mal. Ich hab dieser Illusion auch mal für kurze Zeit (so etwa November 89 bis März 90) nachgehangen.
Die Chance ist bereits in den Jahren vorher von der alten SED-Führung "vergeigt" worden - es gab ja - so der Tenor der Hardliner - keine Probleme im Lande und Glasnost und Perestroika waren ja nur so ein neumodisches Hobby von Gorbatschow.....
"Der Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf" - hiess die Devise von Erich Honnecker.
Danke für die nüchterne, sachlich Analyse, Theo - der schliesse ich mich zu 100 % an.
1989/90 fehlte mir noch der Überblick, die Dinge so klar zu sehen - trotz (oder wegen ?) des vorherigen, umfangreichen Studiums des Marxismus-Leninismus.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#4

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 08:27
von Kalubke | 2.296 Beiträge

...auf Dauer wäre nach 1989 die wirtschaftliche Eigenständigkeit der DDR nicht zu halten gewesen. Wie aber Lafontaine damals als einer der wenigen Westpolitiker auf Kosten vieler Wählerstimmen im Osten richtig voraussagte, hatte die Währungsunion wegen des plötzlichen Wegfalls der osteuropäischen Absatzmöglichkeiten den sofortigen Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft zur Folge, was von der BRD sozial nur mit extremer neuer Staatsverschuldung aufgefangen weden konnte. Vieleicht hätte eine Währungsunion zum späteren Zeitpunkt einen weniger krassen Übergang ermöglicht. Das war aber politisch nicht durchsetzbar, denn im Osten wollte die Bevölkerung die D-Mark sofort. Darauf einzugehen bescherte der CDU auch traumhafte Stimmengewinne. Ich kann mich noch gut an die einfältigen Sprüche vieler ostdeutscher Landsleute erinnern: "Wer die CDU wählt, wählt das Geld!" Das aber in einer Privatwirtschaftsordnung nur die Verluste sozialisiert werden, nicht aber die Gewinne konnte oder wollte damals keiner wahrhaben. Der "harte linke Haken" kam Jahre später, das damals mit der Gießkanne ausgeteilte Geld wird vielen durch Inflation, Börsenachterbahnfahrt und Bankenkrisen wieder abgenommen. Auch die Teuerung hat die Einkommensentwicklung längst überholt.

Gruß Kalubke



damals wars und HG19801 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.08.2014 08:32 | nach oben springen

#5

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 08:55
von damals wars | 12.171 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #3
Wunschtraum,

sage ich mal. Ich hab dieser Illusion auch mal für kurze Zeit (so etwa November 89 bis März 90) nachgehangen.
Die Chance ist bereits in den Jahren vorher von der alten SED-Führung "vergeigt" worden - es gab ja - so der Tenor der Hardliner - keine Probleme im Lande und Glasnost und Perestroika waren ja nur so ein neumodisches Hobby von Gorbatschow.....
Gruss Hartmut

Und was haben Glasnost und Perestroika der Sowjetunion beschert?

Unsere Freunde waren plötzlich auf Lebensmittelpakete angewiesen!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#6

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 08:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #1
In einem anderen Thema ( Putin ein Mensch ? )

wurde die These aufgestellt ( @StabsfeldKoenig )

ohne den Einfluss der " Brüder und Schwestern " aus dem Westen , hätte die exDDR nach 1989 eine erfolgreiche eigene Wirtschaft ohne Arbeitslose und ohne Abwanderung junger Menschen .

Wunschtraum oder Realität ?



Eine kleine Metapher als Eingangsbeitrag:
Man kann mit 300 km/h per ICE von A nach B fahren und kriegt kaum etwas davon mit, was draußen alles an einem vorbeirast, alles ist schön komfortabel, keiner denkt über die Energiebilanz nach jeder ist mit sich selbst beschäftigt und nur ausnahmsweise ist der Weg das Ziel.
Was aber zählt ist, daß man mit dem ICE ein Mehrfaches dessen bezahlt, was man bei einem Sparangebot der Bahn hätte aufwenden müssen wenn Zeitgewinn gar nicht so wichtig ist, wie es einem eingeredet wird, da dieser Gewinn gar nicht relevant gewesen wäre für einen geordneten Übergang in eine funktionierende Volkswirtschaft.
Es hätte aber Anstrengungen und Geduld bedurft, diese Option auch auszuüben, genau wie beim Heraussuchen alternativer Zugverbindungen.
Man hätte mit weniger Tempo schlichtweg mehr Geld übrig gehabt, um es überlegt anzugehen.
Wenn man also alle die das wollten per Stichtagsregelung hätte gehen lassen, um dann wieder die Grenzen zu schließen, wäre dieses Experiment gelungen, ich schreibe das vor dem Hintergrund dessen, was wir heute wissen, bis zur Jahrtausendwende hätte ich das definitiv nicht behauptet, da die Plünderung der Welt nicht soweit fortgeschritten war wie heute.
Die DDR hätte in der Folge freie Wahlen zulassen müssen, reelle Preise für Wohnraum u.a. hochsubventionierte Elemente des Konsums bilden müssen, Joint Venture und ausländische Investitionen in bestimmten Sektoren der Volkswirtschaft regeln müssen, die Regierung hätte sich auf eine gewisse Qualität von Arbeitslosigkeit und neuer Kriminalität einstellen müssen und seinen Bürgern, dort wo es machbar war (z. B. Exportbetriebe zahlen MA anteilig Valuta aus, zeitweilige Entsendung von Arbeitskräften ins NSW) legalen Zugang zu Devisen verschaffen müssen...es scheint alles lösbar mit Blick auf den heutigen Alltag.
Wir leben im Moment an der Abbruchkante der kapitalistischen Wirtschaftshistorie, die geprägt ist vom Falschmünzertum, Kartellwirtschaft und extremen Gefällen zwischen arm und reich und wenn es mal ein bißchen länger regnet, sprich wenn wieder mal ein paar Faktoren zusammenkommen, kracht die Kante die Böschung hinunter und als DDR- Bürger wären wir dann eben nicht an dieser Küste angesiedelt mit seiner wunderschönen Aussicht und dem gefährlichen Untergrund den diese Phantomwirtschaft über die Jahre ausgezehrt hat.
Wenn dieses Falschgeldsystem am Ende ist, beginnt die Schnitzeljagd auf die realen Werte und dann wird man merken, daß all diese Milliarden nicht annähernd durch einen Gegenwert gedeckt sind.
Zwar wird man nun wieder behaupten, daß der Kapitalismus schon öfters tot gesagt wurde, diese Gesellschaftsordnung haben wir aber inzwischen in Richtung feudaler Strukturen verlassen, darüber habe ich mich schon anderswo geäußert, es geht aber zu weit weg vom Thema.
Ich weiß, daß es inzwischen Millionen von Menschen in diesem Land gibt, die angewidert vom Lohndumping, arbeitsbedingt zerhäckselten Familienstrukturen, entwerteter Lebensleistung (Rentenbescheid nach 45-50 Jahren Arbeitsleben, Durchschnittserwerbsbiografie Ost), von Preiskartellen jenseits marktwirtschaftlicher Grundgesetze....sich überlegen, ob die Fortsetzung der DDR wirklich so schlimm gewesen wäre, wenn man das System repariert hätte.
Um es kurz zu fassen bezogen auf Deine Frage-
Ohne Arbeitslose und Opfer wäre es nicht gegangen aber den Untergang der Zivilisation zwischen Elbe und Oder hätte es auch nicht bedeutet.
Im Alternativprozeß "Pro DDR" gäbe es aber mehr Sieger als in diesem modifizierten Feudalstaat, soweit lege ich mich mal fest.



Paramite und Hagen Friedrichs haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 09:05
von schnatterinchen (gelöscht)
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Aber was wäre denn dann mit der revolutionären Idee geworden und den ganzen Revolutionären?


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#8

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 09:06
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #6

...
Wenn dieses Falschgeldsystem am Ende ist, beginnt die Schnitzeljagd auf die realen Werte und dann wird man merken, daß all diese Milliarden nicht annähernd durch einen Gegenwert gedeckt sind.




..genau, das Verhältnis liegt gegenwärtig global gesehen bei 1:20!

Gruß Kalubke



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#9

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 09:40
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #7
Aber was wäre denn dann mit der revolutionären Idee geworden und den ganzen Revolutionären?



Die braucht man nicht, wenn es die Regierungen ohne Gewalt begreifen worum es geht, wenn Staaten ihr Geld- und Gewaltmonopol nicht gegen die eigenen Bürger richten, sondern es im Interesse der Zukunftssicherung einsetzen.
Die Regierungen haben aber dermaßen komplizierte Gesetze mit undurchschaubaren Zuständigkeiten und kryptischen Ausnahmeregelungen geschaffen, daß inzwischen keiner mehr weiß, wo Freund und Feind stehen und erst wenn der Bankrott sichtbar wird, dann wird auch wieder der Feind sichtbar und dann wird man die Revolutionäre brauchen.
Ob deren Kompetenz dann für die Gestaltung dieser neuen Zukunft ausreichen wird ist unser Risiko, so weit ist es aber noch nicht.
Erst müssen die westlichen Regierungen noch so weiter machen wie bisher mit ihrem Demokratieabbau, planwirtschaftlich agierenden Notenbanken (Niedrigzinsen um jeden Preis...der Droge schlechthin) , Behinderungen seriöser Wirtschaftsprüfer und erpreßbaren Gewerkschaften und einigen anderen Dingen, die hier den Rahmen sprengen würden.
Also möge man sich darauf einrichten, daß die Revolutionäre keinesfalls auf dem Abstellgleis festgerostet sind, die werden zurück kommen, ich schätze aus den Reihen von Gewerkschaftern des öffentlichen Dienstes -allerdings keinesfalls mit dem jetzigen Personal, die werden es aber sein, die als einzige noch Arbeiter in Massen mobilisieren können, weil diese Massen nur sehr eingeschränkt erpressbar sind, da der Staat dieser Klientel nicht davonlaufen kann so wie das globale Unternehmen können, bezeichnend dafür ist, daß Streiks auf diesem Sektor fast die einzigen sind, die man noch mitkriegt.
Zwar will ich nicht schon wieder mit meinen Freunden von der Linkspartei nerven, aber die sind die einzigen, die politische Streiks auf die Tagesordnung bringen, davor fürchten sich naturgemäß deren politische Gegner aber das wäre noch ein letztes Bollwerk vor einer echten Revolution.



Hagen Friedrichs hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#10

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 09:45
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Die turbulente Wendezeit brachte neben vielen Erwartungen über den zukünftigen Weg auch einige mehr oder minder brauchbare Ideen über die Möglichkeit einer Reform der DDR Wirtschaft hervor.

Ein damals erschienenes Buch erscheint mir zum Thema sehr interessant, versuchte es doch einmal die 'Ist' Lage der DDR Wirtschaft zu analysieren um dann einige mögliche Lösungsansätze für eine eigenständige, reformierte DDR Wirtschaft aufzuzeigen.
Mit einem der Autoren hatte ich mal studiert und damals beim lesen dachte ich mir; träumt mal weiter Jungs .......
Leider ist das Buch in den Tiefen meines Bücherberges verschwunden, so dass ich weder Titel noch eine detailliertere Inhaltsangabe machen kann.

Die Autoren waren damals hauptsächlich Theoretiker, Wirtschaftswissenschaftler, welche entweder an Unis, Hochschulen oder Akadamien der Wissenschaften ihre Brötchen verdienten und wahrscheinlich, so mein Eindruck, nie in ihrem bisherigen Leben einen genauen Einblick in einen der verlotterten DDR Betriebe hatten. Zahlen können sehr schön aussehen .......

Zumindest habe ich aus der Zeit und wahrscheinlich auch aus oben genannten Umfeld eine Schrift gefunden welche im nachfolgendem Link besprochen wird. Eine demokratische DDR - Das Projekt moderner Sozialismus
Ist leider etwas länger und ziemlich "trocken" geschrieben, bringt aber das für und wieder zur Thematik ganz gut rüber.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#11

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 10:26
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #10
Die turbulente Wendezeit brachte neben vielen Erwartungen über den zukünftigen Weg auch einige mehr oder minder brauchbare Ideen über die Möglichkeit einer Reform der DDR Wirtschaft hervor.

Ein damals erschienenes Buch erscheint mir zum Thema sehr interessant, versuchte es doch einmal die 'Ist' Lage der DDR Wirtschaft zu analysieren um dann einige mögliche Lösungsansätze für eine eigenständige, reformierte DDR Wirtschaft aufzuzeigen.
Mit einem der Autoren hatte ich mal studiert und damals beim lesen dachte ich mir; träumt mal weiter Jungs .......
Leider ist das Buch in den Tiefen meines Bücherberges verschwunden, so dass ich weder Titel noch eine detailliertere Inhaltsangabe machen kann.

Die Autoren waren damals hauptsächlich Theoretiker, Wirtschaftswissenschaftler, welche entweder an Unis, Hochschulen oder Akadamien der Wissenschaften ihre Brötchen verdienten und wahrscheinlich, so mein Eindruck, nie in ihrem bisherigen Leben einen genauen Einblick in einen der verlotterten DDR Betriebe hatten. Zahlen können sehr schön aussehen
Zumindest habe ich aus der Zeit und wahrscheinlich auch aus oben genannten Umfeld eine Schrift gefunden welche im nachfolgendem Link besprochen wird. Eine demokratische DDR - Das Projekt moderner Sozialismus
Ist leider etwas länger und ziemlich "trocken" geschrieben, bringt aber das für und wieder zur Thematik ganz gut rüber.

Gruß
Nostalgiker


Diese Theoretiker hätten sich aber kaum für Neuwahlen in der DDR aufstellen lassen, weil dann alles einer Prüfung unterzogen worden wäre und sie ihre bequeme berufliche Existenz gefährdet hätten.
Nun hätte eine neu gewählte Regierung im Idealfall ein Abbild der gesamten Eliten des Arbeiter- und Bauernstaates sein können, die sich sehr wohl in den Betrieben auskannten und wenn ich es mal auf den Reichsbahnsektor beziehen möchte, war es in der Tat so, daß vieles marode war, es aber bereits Loks gab, die heute noch zuverlässig unterwegs sind, und daß es ohne den Unterbau DR keine Verkehrsprojekte Deutsche Einheit in dieser Qualität und Quantität geben würde.
Man denke nur daran, was unsere genervten Wutbürger veranstalten, wenn sie mal einen Spielplatz oder Windrad vor die Nase gesetzt kriegen...was wäre das erst bei einer Bahntrasse für ein Theater...
Also daß alles marode war und es keine sinnvolle und (auch nach den Prämissen der Marktwirtschaft) milliardenschwere Infrastruktur gab, ist eine selktive Wahrnehmung, fast alles war ausbaufähig und erneuerbar, oft fehlten nur wenige Module und Patente bis zur Weltmarktfähigkeit unzähliger Produkte.
Die Abhandlung aus Deinem Link geht meiner Meinung nach bezüglich der Mitbestimmung der Bürger etwas zu weit für dieses alternative Sozialismusmodell.
Bürger die nämlich mitbestimmen wollen, sagen wir mal über die Expansion der Verkehrsbetriebe mittels neuer Trassen sollten nur dann mitbestimmen dürfen, wenn sie Anteile aus selbst verdienten Geld an diesem Unternehmen erworben haben, sie sollten eben nicht einfach nur gewählt worden sein und als Aufsichtsrat ohne eigene Haftung solche Entscheidungen treffen dürfen.
Mag sein, daß dieser Ansatz sehr undemokratisch rüber kommt aber das Verantwortungsbewußtsein für Wirtschaftsvermögen ist das höherwertige Anliegen, da es um die sinnvolle Ausgabengestaltung der allgemeinen Daseinsvorsorge geht und die muß robust und zukunftsorientiert sein und das geht nur über das Druckmittel der persönlichen Haftung.
Solche Publikationen sind auch wenig geeignet als allgemein- und ewig gültiger Wegweiser in die sozialistische Zukunft sondern lediglich ein Denkanstoß, der im weitern Verlauf ständigen Korrekturen unterworfen sein wird, siehe auch Konfuzius...ganz unten.



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#12

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 10:42
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Hier mal ein etwas längeres Interview mit Christa Luft, die in der Modrow - Regierung aus der Forschung kommend, Wirtschaftsministerin war. Zwei Zitate, die vielleicht Lust aufs Lesen machen:

Ja. Wir haben Forschungsarbeiten gemacht, auch zu Themen, die nicht gern gesehen waren. Zum Beispiel haben wir eine Studie gemacht, schon 87: Wir müssen die Mark der DDR konvertierbar machen, wir müssen diese Abschottung gegenüber dem Weltmarkt überwinden, wir dürfen nicht unsere eigenen Leistungskriterien anlegen, sondern wir müssen uns international messen. Dazu braucht man eine konvertierbare Währung, dazu braucht man Preise, die die Kosten widerspiegeln und nicht durch Subventionen verzerrt sind.

Ich sehe in diesem Auditorium Maximum Ende Oktober 1988 die erste Reihe, die war besetzt mit Ehrengästen. Also da rührten sich nicht so viele Hände, oder wenn, dann höflicher Beifall. Der Rest in dem Saal hat getobt. Und ich hatte auch gleich angekündigt: Ich möchte diesen Satz, den ich eben gesagt habe, den möchte ich jetzt untermauern, und ich werde ab morgen früh Kommissionen, kleine Gruppen bilden, die sich mit verschiedenen Themen befassen, Analysen vorlegen, Vorschläge machen: Was müsste man, was könnte man ändern und wie? Wir haben dann zu 14 solcher Themen Gruppen gebildet, die waren alle mit Begeisterung dabei. Und die sollten dienen als Vorbereitung. Unseren Beitrag sollten die darstellen zur Vorbereitung des, ich glaube, das war der zehnte Parteitag der SED im Mai 1990. Dazu sollten die Vorbereitungen dienen. Wir haben diese 14 Studien dann an Ministerien, ans ZK verschickt, also bestenfalls kriegten wir eine Eingangsbestätigung, wir kriegten aber auch: Also über so ein Thema denkt man nicht mal, schreiben ist schon gar nicht, ist schon ganz unterm Strich. Und zumal diese Konvertierbarkeitsgeschichte – da sind wir sehr mit angeeckt.


Aus "Natürlich habe ich gesehen, was in der DDR leider alles schiefläuft" Christa Luft über das Ende der DDR, die Wiedervereinigung und die Geburtsfehler des Euro http://www.deutschlandfunk.de/natuerlich...ticle_id=193344

LG von der Moskwitschka


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#13

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 11:05
von matloh | 1.204 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #11
Bürger [ ... ] sollten nur dann mitbestimmen dürfen, wenn sie Anteile aus selbst verdienten Geld an diesem Unternehmen erworben haben, [...]

Jetzt enttäuscht Du mich aber wirklich. Derart kapitalistische Aussagen hätte ich von Dir nicht erwartet!

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#14

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 11:30
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #13
Zitat von Hackel39 im Beitrag #11
Bürger [ ... ] sollten nur dann mitbestimmen dürfen, wenn sie Anteile aus selbst verdienten Geld an diesem Unternehmen erworben haben, [...]

Jetzt enttäuscht Du mich aber wirklich. Derart kapitalistische Aussagen hätte ich von Dir nicht erwartet!

cheers matloh



Ist eigentlich auch Quatsch, diese Aussage. Wozu gibt es die aus Steuergeldern finanzierten Hoheitsaufgaben von Staat und Kommunen? Wieso soll da der Bürger noch einmal extra einzahlen, wenn er sich den Ausbau von Infrastruktur wünscht. Leider gehen die Entwicklungen in diese Richtung: Z.B. erst der aus Steuergeldern finanzierte Ausbau der Autobahnen. Und in Zukunft soll der Bürger für deren Benutzung noch einmal Maut bezahlen. Für ein und die selbe Sache den Bürger doppelt und dreifach bezahlen lassen ist üble Abzocke und finanzielle Ausplünderung des Volkes!!!

Gruß Kalubke



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#15

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 11:39
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #13
Zitat von Hackel39 im Beitrag #11
Bürger [ ... ] sollten nur dann mitbestimmen dürfen, wenn sie Anteile aus selbst verdienten Geld an diesem Unternehmen erworben haben, [...]

Jetzt enttäuscht Du mich aber wirklich. Derart kapitalistische Aussagen hätte ich von Dir nicht erwartet!

cheers matloh



Tut mir leid Matloh, es sind u.a. auch meine Erfahrungen aus dem Bahnwesen, wonach jeder Bürgermeister und Landrat mitgackern durfte, wenn es um große Inverstitionsentscheidungen ging.
So kam es, daß man Bahnsteige, Behindertenaufzüge und Wartehäuschen baute deren fremd finanzierten Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen standen, ich denke an Liebhabereien und Hätscheleien mit denen Bürgermeister bei ihren Schäfchen punkten, bezahlt aus Geldern, die andere erwirtschaftet hatten fernab eines wirklich gemeinnützigen Interesses, ich denke an Feuerwehr- Neubaufahrzeuge und Luftkissenfahrzeuge für seenfreie Gemeinden, nur weil die Feuerwehr inzwischen mittels eigener Kandidaten Partikularinteressen von Minderheiten an allen Fronten durchsetzt, an denen es ihnen möglich ist.
Natürlich kann ich in diesem Tenor einstimmen und diesen Irrsinn gut heißen, es geht aber darum, daß in dieser Gelddiktatur wieder Verantwortung für die Zukunft auf die Tagesordnung gesetzt wird und da schwebt die Thematik der Verschuldung über allem, jemand muß das bezahlen und deshalb kommt der erste Schritt vor der Verteilung im sozialistischen Sinne und das ist eine Teilhabe im wahren Sinne des Wortes, eine Teilhabe, die an Verantwortung geknüpft ist.
Es ist eine Erfahrung aus dem gescheiterten Sozialismus und wenn man sich sogar damit arrangieren kann, daß vagabundierendes globales Anlagekapital Wohnungspakete, Kläranlagen und Straßenbahndepots kaufen kann, so sollte es doch erlaubt sein, dem Bürger diese Mitbestimmung einzuräumen, der ist doch viel verantwortungsbewußter als australische Hedgefondsmanager.
Aber so wie man damals schon nicht auf die Schürer- Kommission hören wollte, so hört man heute nicht auf die mahnenden Stimmen die eingangs beschriebene Gefahren beschreiben und somit könnte alles viel härter kommen, wenn alle nur lieb sein wollen.



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#16

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 12:00
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #14
Zitat von matloh im Beitrag #13
Zitat von Hackel39 im Beitrag #11
Bürger [ ... ] sollten nur dann mitbestimmen dürfen, wenn sie Anteile aus selbst verdienten Geld an diesem Unternehmen erworben haben, [...]

Jetzt enttäuscht Du mich aber wirklich. Derart kapitalistische Aussagen hätte ich von Dir nicht erwartet!

cheers matloh



Ist eigentlich auch Quatsch, diese Aussage. Wozu gibt es die aus Steuergeldern finanzierten Hoheitsaufgaben von Staat und Kommunen? Wieso soll da der Bürger noch einmal extra einzahlen, wenn er sich den Ausbau von Infrastruktur wünscht. Leider gehen die Entwicklungen in diese Richtung: Z.B. erst der aus Steuergeldern finanzierte Ausbau der Autobahnen. Und in Zukunft soll der Bürger für deren Benutzung noch einmal Maut bezahlen. Für ein und die selbe Sache den Bürger doppelt und dreifach bezahlen lassen ist üble Abzocke und finanzielle Ausplünderung des Volkes!!!

Gruß Kalubke


Wenn Du diesem Staat und diesen Kommunen uneingeschränkt vertraust, hast Du Recht.
Die Realität sieht aber so aus, daß der Staat seine Bürger in die Arme der Plünderer treibt und Kommunen Lasten aufbürdet, die das Land zu tragen hat und da ist sehr wohl relevant, wo z. B. das Geld für die Polizei her kommt.
Statt dessen bietet man inzwischen Billigkreationen der Staatsmacht in Form von Bürgerwehren auf, verkauft Krankenhäuser, Bahnhöfe und Schwimmbäder an Investoren weil man selbst diese Daseinsvorsorge nicht mehr bezahlen kann, 1000 andere Mißstände wenn Du willst...
Das billige Geld ist keineswegs für jene, die damit genau solche Investitionen zum Wohle des Volkes vornehmen würden sondern für global tätige Konzerne, die ihre Marktmacht weltweit ausdehnen mit globalen Arbeitsmärkten in denen Lohndumping am Ende ein Kinderspiel ist mit den uns inzwischen bekannten Konsequenzen.
Der Turbo, der all das antreibt, ist das staatenlose Kapital, klingt alles sehr hoch trabend, hat aber einen Bezug zu unserem unmittelbaren Alltag.
Anstatt den Bürger nämlich mit an der Substanz der Volkswirtschaft teilhaben zu lassen um daraus reale Renditen zu erzielen (hier: durch die Beteiligung an einem Straßenbahnbetrieb) nervt man ihn mit Riesterverträgen, Fondssparplänen und Schatzbriefen zwecks Altersvorsorge und das zu Diensten eben des globalen (hier: Finanz-) Kapitals.
Weil man aber bereits ahnt, daß diese Renditen in dieser Niedriglohnkultur gar nicht erzielbar sein werden, läßt man auch die Finger von solchen Modellen und da schließt sich der Kreis.
Wir leben in einer Phantomökonomie und finden nicht mehr heraus. Die Antwort könnte der modifizierte Sozialismus sein, aber dazu ist die Not noch nicht groß genug und so halten wir den Kettenbrief schön am Laufen.



zuletzt bearbeitet 28.08.2014 12:06 | nach oben springen

#17

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 12:11
von Georg | 1.018 Beiträge

Immer wieder erfrischend solche Themen. Klasse: schlimme DDR - gute BRD ! Wenn man mal die Ideologie ( weitestgehend ) aussen vor lässt und Zahlen sprechen lässt. Ich denke nicht, dass die Bundesbank die Zahlungsbilanzen der DDR frisiert hat, oder doch ?

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/D...publicationFile

Unterm Strich steht, wenn ich richtig lese, dass die DDR gegenüber dem NSW eine Netto - Verschuldung von 19,9 Mrd DM/VM am Ende hatte. Wenn ich jetzt dagegen rechne, dass Deutschland Russland 7,1 Mrd E u r o Schulden erlassen hat, die die SU gegenüber der DDR hatte.

http://www.welt.de/print-welt/article383...o-Schulden.html

Was bleibt an Schulden über?
Und nu kommt die Ideologie ins Spiel..........
Nach meiner Meinung war es einzig und allein der politische Wille - auch von großen Teilen der DDR - Bevölkerung, dass die DM eingeführt wurde.
Mit welchen Folgen?
Die ehemaligen Geschäftspartner im Osten wollten ja - aber konnten sie ? Ich meine bezahlen ! Nach 1989 galt, beim Geld hört die Freundschaft auf. Sofern sie bis dato überhaupt im gegenseitigen Nehmen und Geben existierte.

Mein Fazit, meine Überzeugung ist, dass die Wirtschaft Chancen gehäbt hätte, wenn man gewollt hätte......Und ich stimme der zur Dikussion gestellten These zu.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#18

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 12:30
von Pit 59 | 10.146 Beiträge

Mein Fazit, meine Überzeugung ist, dass die Wirtschaft Chancen gehäbt hätte, wenn man gewollt hätte.....

Niemals hätte eine DDR Wirtschaft nach der Wende (Gott sei Dank) Chancen auf dem Weltmarkt gehabt. Mit was denn hä ? Etwa mit Maroden,Baufälligen,veralteten Gerümpel ?
Mensch wir haben Menschen Verkauft um überhaupt einigermaßen über die Runden zu kommen.Alle Möglichkeiten wurden ausgeschöpft um an die härteste Währung der Welt zu kommen.


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 12:35
von Georg | 1.018 Beiträge

Stümdt Pit. Du hast whrheit gsprochen, weil du hast gute Wutt und Ahnung vonne Wirtschaft un Bilanzen. Erklär mich ma die Ziffern. Die Schulden bezahlt heutzutag een Fußballverein.Aber schön, das de sachlich ma jesproche hast un fundamentiert. Danke !


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#20

RE: Eigene Wirtschaft in ex DDR nach 1989 ?

in DDR Zeiten 28.08.2014 12:35
von Hapedi | 1.879 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #18
Mein Fazit, meine Überzeugung ist, dass die Wirtschaft Chancen gehäbt hätte, wenn man gewollt hätte.....

Niemals hätte eine DDR Wirtschaft nach der Wende (Gott sei Dank) Chancen auf dem Weltmarkt gehabt. Mit was denn hä ? Etwa mit Maroden,Baufälligen,veralteten Gerümpel ?
Mensch wir haben Menschen Verkauft um überhaupt einigermaßen über die Runden zu kommen.Alle Möglichkeiten wurden ausgeschöpft um an die härteste Währung der Welt zu kommen.





da bin ich mal gespann wie dein Gerümpel ankommt . Als ich es mal so genannt hatte bin ich auf Granit gestoßen


gruß Hapedi



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