#21

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 22:05
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

In der Vorwendezeit war Wolfgang Leonhard für mich ehrlich gesagt einer von vielen Westreportern, die Vorgeschichte dieses recht präsenten ARD- Kommentators war mir damals naturgemäß nicht bekannt, sie interessierte auch nicht weiter, er war von der anderen Seite, vom Westfernsehen.
Es ist leider so, mag man es engstirnig, oberflächlich oder arrogant nennen, von der Sache her interessierte nur, was er sagte.
Aus späteren Publikationen war dann zu erfahren, daß er zunehmend scharf mit seinem ehemaligen Weggefährten Ulbricht ins Gericht ging, was Außenstehende wohl damals gewundert haben mag, heute kann man sagen, daß er sehr rückgratfest und geradlinig war, jedoch mit seinen sozialistischen Installationsversuchen im Westen (Parteigründung) 1952 gescheitert war, dazu hätte ich gerne mehr erfahren, vielleicht kann man das mit desillusionierten Bürgerrechtlern der DDR vergleichen, die sich nach der ersten gesamtdeutschen Wahl auf dem Abstellgleis wiederfanden.
Er zog sich 1952 aus der aktiven Politik zurück und machte von der Tribüne aus weiter, Gründe und Statements zu diesem biografisch interessanten Abschnitt sind mir nicht bekannt.
Möglicherweise waren die Zerwürfnisse mit Ulbricht auch einer tragischen Unzeitkommunikation geschuldet, ich erinnere mich dabei an ein Interview in dem er an Ulbricht appellierte, die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch russische Soldaten endlich zu sühnen bzw. Abtreibungen durch vertrauenswürdige Ärzte zuzulassen.
https://www.youtube.com/watch?feature=pl...dO7PWOpFo#t=244
Die kaltschnäuzige und menschenverachtende Reaktion von Ulbricht muß wohl viele seiner Weggefährten entsetzt haben, aber möglicherweise trug man dieses Anliegen zu ungeschickt (Unzeit) vor, verantwortliche Befehlsgeber hätten hier einfach mutig im Sinne der Humanität handeln müssen, möglicherweise hätte man so den Frauen helfen können, der Chef muß ja nicht alles wissen...
Andererseits ist es denkbar, daß diese Episode nur die Spitze des Eisbergs war, da es ja keine Gegenrede der Ulbrichttreuen gab, keine Proteste und Bezichtigungen der Lüge an Leonhards Adresse.
Es ist ein Trauertag, so einen kompetenten Zeitzeugen zu verlieren, der an der Wiege der DDR stand und ihr Ende ohne hämische und rechthaberische Kommentare, vielleicht sogar mit etwas Wehmut begleitete, immerhin war es ja auch sein Kind, seine Vision.



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zuletzt bearbeitet 17.08.2014 22:15 | nach oben springen

#22

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 22:19
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge



R.I.P.

Es ist um jeden Menschen schade ,- der aus einem engagierten Leben gerissen wird.....


....................................
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#23

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 22:55
von Harra318 | 2.514 Beiträge

wenn es sein muss, dann kann auch in Stillschweigen, trauern!! Es ist doch schließlich Schande genug, dass er die DDR mit aufgebaut hat.
Wie viel Unheil ist dadurch angerichtet worden?


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#24

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 23:06
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Harra318 im Beitrag #23
wenn es sein muss, dann kann auch in Stillschweigen, trauern!! Es ist doch schließlich Schande genug, dass er die DDR mit aufgebaut hat.
Wie viel Unheil ist dadurch angerichtet worden?



Harra, Haltung, er glaubte es ist was besseres was er mit Aufbaut! Hat aber schnell erkannt, was abläuft und hat sich verpisst! Also Achtung für einen der die Kurve bei Zeiten bekommen hat und wusste von was er sprach!
Grüsse steffen52


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#25

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 23:10
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #23
wenn es sein muss, dann kann auch in Stillschweigen, trauern!! Es ist doch schließlich Schande genug, dass er die DDR mit aufgebaut hat.
Wie viel Unheil ist dadurch angerichtet worden?




Ich glaube ,- das nach dem fürchterlichen Krieg viele Menschen mit bestem Willen an den Aufbau eines volkeigenen Staates gingen ,-
und diese auch sicherlich nur das Beste wollten,- am Aufbau der DDR beteiligt zu sein,- ist in meinen Augen keine Schande !

Schändlich sind Jene,- welche diesen Staat weiterhin aktiv trugen,- obwohl sie wußten,- das die Ideale der Gründerväter der DDR längst verraten und verfälscht waren !


....................................
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zuletzt bearbeitet 17.08.2014 23:14 | nach oben springen

#26

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 23:11
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #24
Zitat von Harra318 im Beitrag #23
wenn es sein muss, dann kann auch in Stillschweigen, trauern!! Es ist doch schließlich Schande genug, dass er die DDR mit aufgebaut hat.
Wie viel Unheil ist dadurch angerichtet worden?



Harra, Haltung, er glaubte es ist was besseres was er mit Aufbaut! Hat aber schnell erkannt, was abläuft und hat sich verpisst! Also Achtung für einen der die Kurve bei Zeiten bekommen hat und wusste von was er sprach!
Grüsse steffen52


So in etwa wollte ich mich auch ausdrücken


....................................
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#27

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 23:17
von Harra318 | 2.514 Beiträge

trotzdem hatte er doch vor sich, oder hinter sich, einen roten Faden hinterlassen! Wie sagten wir später," Wendehals"


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#28

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 23:31
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Harra318 im Beitrag #27
trotzdem hatte er doch vor sich, oder hinter sich, einen roten Faden hinterlassen! Wie sagten wir später," Wendehals"

Harra, er ist kein Wendehals gewesen. Sondern einer der bei Zeiten erkannt hat, das es so wie es gedacht war( Aufbau eines demokratischer deutschen Staates) nicht mit den Genossen( Ulbricht u.s.w.) klappt und hat es gelassen mit diesen Leuten weiter zu arbeiten! Es ist eine Einsicht von ihm gewesen und keine Wende! Für ihn sind seine Ideale kaputt gegangen und er hat sich von diesen Stalinisten verabschiedet! Seine Ansicht über den Kommunismus sind geblieben, aber nicht mit diesen sogenannten Genossen und das ist doch in Ordnung gewesen was er gemacht hat!
Grüsse steffen52


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#29

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 17.08.2014 23:34
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #28
Zitat von Harra318 im Beitrag #27
trotzdem hatte er doch vor sich, oder hinter sich, einen roten Faden hinterlassen! Wie sagten wir später," Wendehals"

Harra, er ist kein Wendehals gewesen. Sondern einer der bei Zeiten erkannt hat, das es so wie es gedacht war( Aufbau eines demokratischer deutschen Staates) nicht mit den Genossen( Ulbricht u.s.w.) klappt und hat es gelassen mit diesen Leuten weiter zu arbeiten! Es ist eine Einsicht von ihm gewesen und keine Wende! Für ihn sind seine Ideale kaputt gegangen und er hat sich von diesen Stalinisten verabschiedet! Seine Ansicht über den Kommunismus sind geblieben, aber nicht mit diesen sogenannten Genossen und das ist doch in Ordnung gewesen was er gemacht hat!
Grüsse steffen52

dann lese auch alles!


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#30

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 18.08.2014 07:51
von Georg | 1.010 Beiträge

Ich wünsche dem Wolgang Leonhard, dass er nun seinen Frieden findet.

Vom Kommunisten zum Antikommunisten.
Ich hab Wolfgang Leonhard als ein Mann in Erinnerung, der mit dem Kreml abrechnen wollte. In seiner Lehr- und Forschungstätigkeit versuchte er den Marxismus zu widerlegen. Wie viele andere auch.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#31

RE: Wolfgang Leonhard †

in Themen vom Tage 18.08.2014 08:38
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Ostlandritter im Beitrag #25
Zitat von Harra318 im Beitrag #23
wenn es sein muss, dann kann auch in Stillschweigen, trauern!! Es ist doch schließlich Schande genug, dass er die DDR mit aufgebaut hat.
Wie viel Unheil ist dadurch angerichtet worden?




Ich glaube ,- das nach dem fürchterlichen Krieg viele Menschen mit bestem Willen an den Aufbau eines volkeigenen Staates gingen ,-
und diese auch sicherlich nur das Beste wollten,- am Aufbau der DDR beteiligt zu sein,- ist in meinen Augen keine Schande !

Schändlich sind Jene,- welche diesen Staat weiterhin aktiv trugen,- obwohl sie wußten,- das die Ideale der Gründerväter der DDR längst verraten und verfälscht waren !



Wenn solche Details, die er später über sein Zerwürfnis mit Ulbricht vermittelte damals öffentlich geworden wären, so hätte es auch weniger Aufbauaktivisten gegeben, diese Geschichte mit den Abtreibungen hat schon eine gewisse Relevanz aber seine Herangehensweise (mein Link aus #21) zu einer professionellen Lösung (der kurzen Wege) wirft Fragen auf.
Natürlich kann man den Bruderstaat, der das Land eben erst vom Faschismus befreit hat nicht wegen der Verbrechen einzelner Rotarmisten öffentlich anprangern, so etwas hätte W. Leonhard auch wissen müssen und auch, daß Ulbricht mit seiner Entgegnung zum Jahr 1941 ("...da begann die Schuld"...mit Verweis auf den Überfall auf die SU und damit der Ursache der Vergewaltigungen) sich bei den Verbündeten einkratzen wollte und das notfalls auf Kosten der anderen Mitstreiter.
Es fehlte vermutlich nicht zum ersten und noch lange nicht zum letzten Mal an Pragmatismus bei der Beseitigung der Mängel des sozialistischen Aufbaus dieser ehemaligen Besatzungszone, aber wie schon gesagt, diese Geschichte ist viel zu lückenhaft, um sich wirklich ein Urteil erlauben zu können, echte Zeitzeugen könnten da mehr dazu sagen, davon können wir wohl ausgehen.
Vielleicht wäre ich heute noch DDR- Bürger, oder es hätte spätestens 1960 eine Vereinigung unter Gleichen gegeben, hätte die Fraktion der Ulbricht- Kritiker sich durchgesetzt, wer weiß das schon, ohne die US- amerikanischen Dopingdollars und mit einer mutigen und modernen DDR- Führungsmanschaft ohne führende Partei wäre die Geschichte vermutlich anders ausgegangen.
Diese Biografie ist einfach nur interessant und vielleicht sensibilisiert uns dieser Trauerfall einmal dazu, den wenigen noch lebenden Zeitzeugen noch intensiver zuzuhören.



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