#1

Eine Unterschriftensammlung als Schüler und deren Folgen bzw. Nichtfolgen

in DDR Staat und Regime 07.08.2014 13:09
von TOMMI | 1.984 Beiträge

Hallo Leute, ich möchte hiermit mal beginnen, Schlüsselerlebnisse mit dem DDR-Staat darzulegen, die mich zur Ernüchterung brachten über diesen Staat, dem ich eigentlich loyal, wenn auch kritisch verbunden war.
Hier die kleine Geschichte, aus dem Titel geht schon hervor, um was es ging:

Irgendwann in der 10.Klasse kam ich auf die Idee (weiß gar nicht mehr warum, aber in
diesem Alter ist man auch spontan), ein Plakat zu machen.
Es trug den Titel: WIR FORDERN DAS ARBEITSFREIE WOCHENENDE FÜR UNSERE LEHRER ! Die Schülergewerkschaft

Ich nahm es mit in die Schule. Ein Klassenkamerad und ich gingen in der Schule herum und sammelte Unterschriften.
Es zeichnete sich ein Riesenerfolg ab, 2 Klassen (2 10.Klassen und 2 9.Klassen) unterschrieben nahezu komplett.
Inwieweit acuh Lehrer unterschrieben, weiß ich nicht mehr, dafür aber der Hausmeister, dieser mit dem Kommentar:
"Den Zettel müsst Ihr zu Honecker schicken."
Ein Lehrer bekam allerdings den Zettel zu Gesicht und meinte: "Leute, das könnte Ärger geben. Baut ein paar Rechtschreibefehler ein, dann sieht es wie ein Jux aus." So machten wir aus fordern = "fördern" und einige Wörter setzten wir
in Gänsefüßchen. Später erfuhren wir, dass eben dieser Lehrer ein IM war.
In einer weiteren Pause gingen wir wieder ans Unterschriften sammeln. Da liefen wir dem stellvertr. Direktor in die Arme.
Wir lachten und erwarteten eine Bestätigung von ihm, stattdessen nahm er den Zettel wortlos und zog von dannen.
nach und nach wurden alle Schüler, deren Unterschrift auf dem Zettel stand und dann weitere in s Direktorzimmer geladen, immer zu zweien, pärchenweise. Unter denen war auch jener, der mich denunzierte. Dann dufte ich zum Direx. Und unterzog mich einem 2 Stunden langen Verhör. Die verstanden wirklich keinen Spaß und spielten guter Bulle / böser Bulle. Der eine
ruhig, aber giftig (Direktor), der andere laut und brüllend (stellvertr. Direktor). Meine Einwände, dass dies nur Spaß sei, überhörte man. Auch die Unterschrift "Schülergewerkschaft" war ein Reizwort. Wir erinnern uns, es war 1981 und da gab es eine Gewerkschaft in Polen.....
Dann kam die Frage: "Kennst du die Behörde, die sich mit solchen, wie dir befasst?"
"Nein???"
"Das ist die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit!"
Endgültig da wusste ich, es war kein Spaß. Mir rutschte das herz in die Hosentasche. Ich wusste nicht, ob ich nach dem Unterricht noch nach Hause kam, im mindesten rechnete ich mit einer Vorladung zur Stasi.
Später erfuhr ich, die hatten selber Schiss vor denen und wollten diese nicht in der Schule haben. Wie wir wissen, auch sehr naiv,
denn längst waren die schon in der Schule, nur wusste niemand, durch wen alles.
Schließlich holte man meinen Vater von der Arbeit. Der kam und man zeigte ihm das Plakat: "Herr xxxxx, das hat ihr Sohn gemacht!"
"Kann ich nicht lesen, ich hab meine Brille nicht mit."
Dann musste ich mal raus und man unterhielt sich mit meinem Vater allein. Später erfuhr ich, dass in dem Moment die Töne wesentlich versöhnlicher waren. Ich verpasste in diesen 2 Stunden eine Mathe-Arbeit. Wie schade aber auch! Obwohl, in Mathe war ich sehr gut.
Einige Tage später, es war Staatsbürgerkunde-Unterricht, nahm mich der Lehrer beiseite (der stellvertr. Direx, "böser Bulle")
beiseite, legte mir die Hand auf die Schulter und sagte: "Weißt Du, wie dies gemeint war?"
"Dass ich dies wohl besser nicht mehr mache...???"
"Dass Du dies auf keinen Fall wieder machst!"
Eine "5" im Klassenbuch in Staabü, mit Bleistift geschrieben, verschwand darauf hin (ich schloss dieses "beliebte" Fach sogar mit 1 ab)
Also blieb das ganze für mich fast ohne Folgen. "Fast", deswegen, meine Bewrbung für einen Beruf mit ABI wurde unter fadenscheinigen Begründungen abgelehnt. Aber wer wollte denn beweisen können, dass es Zusammenhänge gab?


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#2

RE: Eine Unterschriftensammlung als Schüler und deren Folgen bzw. Nichtfolgen

in DDR Staat und Regime 07.08.2014 13:24
von Lutze | 8.027 Beiträge

hast du schon mal Einblick in deiner Stasi-Akte genommen?,
vielleicht findest du dort eine Antwort
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#3

RE: Eine Unterschriftensammlung als Schüler und deren Folgen bzw. Nichtfolgen

in DDR Staat und Regime 07.08.2014 13:29
von Gelöschtes Mitglied
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Samstag 2 Stunden Deutsch und 2 Stunden Mathe, daran kann ich mich auch noch erinnern und war froh das es damit schnell vorbei war.

Mit offener oder vermutlicher Kritik am Staat konnte man sich seine Zukunft damals wohl schnell verbauen, da haben die scheinbar keinen Spaß verstanden.

http://www.tlz.de/startseite/detail/-/sp...kunf-1323927567


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#4

RE: Eine Unterschriftensammlung als Schüler und deren Folgen bzw. Nichtfolgen

in DDR Staat und Regime 07.08.2014 18:37
von FRITZE (gelöscht)
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Hallo Tommi !
So ein ähnliches Ding hab ich in der 9.Klasse mal gedreht . Nur war meine Mutter Direx und es gab zu Hause mächtig Ärger !

FRITZE


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#5

RE: Eine Unterschriftensammlung als Schüler und deren Folgen bzw. Nichtfolgen

in DDR Staat und Regime 09.08.2014 12:41
von Vogtländer (gelöscht)
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@FRITZE
Hattest Du Schulfreunde?


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#6

RE: Eine Unterschriftensammlung als Schüler und deren Folgen bzw. Nichtfolgen

in DDR Staat und Regime 09.08.2014 13:28
von FRITZE (gelöscht)
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #5
@FRITZE
Hattest Du Schulfreunde?


Ooch ja so ein bis zwei !


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