#101

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 11:55
von Bunkerkommandant (gelöscht)
avatar

In Antwort auf:
leider@karl143, gab es fast keine privaten kontakte mit soldaten und offizieren der gssd. diese waren von seiten der gssd unerwünscht.


Für die normale Bevölkerung ist das richtig, sie hatte kaum Berührungen mit den Soldaten und Offizieren der GSSD. Schon gar nicht privat.

Ich hatte das seltene Glück, als Sohn eines Stabschefs in meiner frühen Kindheit und Jugend noch Kontakt mit sowjetischen Offizieren und deren Familien haben zu dürfen.
Jede Einheit an der Offizierschochschule hatte ihre eigene Pateneinheit in einem Standort der GSSD, bei uns war es eine Panzerdivision der GSSD in Rörhsdorf (Breite 51°17'46.60"N Länge 13°50'19.94"E) bei Dresden.
Ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder oft mit den Eltern mit einem LO-Bus nach Röhrsdorf gefahren wurden und dort auch bei sowjetischen Familien übernachtet haben. Jede Familie hatte dann auch ihre eigene Patenfamilie, die nach dem offiziellen Teil im Kulturhaus der sowj. Streitkräfte in die Wohnung eingeladen wurde. Wir waren immer zu Gast bei Anatoli und Nadja und ihrer 3-4-jährigen Tochter Natascha, sehr bescheidene, ruhige aber sehr gastfreundliche Menschen, zu denen wir schon bald ein freundschaftliches Verhältnis aufbauten. Die Männer, Anatoli und mein Vater fanden beide zum späten Abend den Geschmack am Wodka "Lunikow". Die Frauen tauschten gegenseitig Kochrezepte über Pelmeni und Piroggen, Gurkensalat und und und...
Ich habe diese Zeit bei den sowj. Freunden in angenehmer Erinnerung. Es ging innerhalb dieser sowj. Einheit ziemlich locker zu, solange man Offizier war. Soldaten hatten dort sicherlich nichts zu lachen. Auch von strengen Vorschriften über Aufenthaltsbereiche der Familienmitglieder kann keine Rede sein. Ich erinnere mich das sich alle Kinder und Frauen im Gelände frei bewegen konnten, bei der NVA oder anderen DDR-Einrichtungen undenkbar. So haben wir eines abends die kleine Tochter Natascha gesucht, weil sie einfach nicht nach Hause kam. Nach langem Suchen von sowj. und deutschen Genossen in dem kleinen "Sternenstädchen" haben wir das Kind...

...schlafend auf einem Panzer im Panzerpark gefunden. Die Freunde hatten dort eine Kinoleinwand aufgebaut und für die Kinder lustige Trickfilme gezeigt von Tschipuraschka und Hase & Wolf usw... und das kleine Mädchen ist darüber eingeschlafen.

Mitte der 80-er Jahre kamen plötzlich keine Nachrichten mehr aus Röhrsdorf und auch die gegenseitigen Besuchsfahrten fanden nicht mehr statt. Mein Vater suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit, mit Anatoli in Verbindung zu kommen. Über private Verbindungen unserer Familie zur HA A und Mischa Wolf gelang ein letzter Kontakt. Anatoli ließ übermitteln, dass er in die Heimat zurückgeholt worden sei und keine Verbindung mehr erwünscht sei. Er selbst dürfe nicht darüber sprechen, ließ aber anklingen, dass es für ihn Richtung Afghanistan ging...
Wir haben nie wieder von ihm und seiner Familie gehört...


zuletzt bearbeitet 11.08.2009 11:59 | nach oben springen

#102

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 12:16
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
Zitat von FSK-Veteran
Wer die blutigen Niederschlagungen der Forderungen von Menschen nach etwas mehr Mitbestimmung und Pressefreiheit in Berlin(Ost)1953, Budapest 1956 und in Prag 1968 gesehen hatte, konnte in West-Berlin und in West-Deutschland nur glücklich über die Anwesenheit von Truppen sein, die die freiheitlichen Rechte der Menschen garantierte.


@fsk-veteran, wir sollten uns doch mit leichtverdaulichen plattheiten hier zurückhalten, oder ?


Na mal sehen, was Du anzubieten hast....

In Antwort auf:

- in berlin 1953 ging es nicht um "mitbestimmung und pressefreiheit" sondern um eine gigantische normerhöhung der arbeit und damit verbunden eine teilweise preiserhöhung von verbrauchsgütern.


Stimmt! Im Verlauf der Demonstrationen dann aber auch um "Freiheit" und um den Rücktritt der Regierung. Um gleich irgendwelchen "West-Berlin" Märchen der DDR-Propaganda vorzubeugen, sei erwähnt, daß die Forderungen nach "Freien Wahlen" auch in vielen Städten der DDR vehement gefordert wurden.

In Antwort auf:
- in budapest 1956 ging eher darum die sowjetischen besatzer loszuwerden. dort kam es im vorfeld zu schiesserein, lynchjustiz und brandschatzungen. ich würde es als offenen putsch bezeichnen. ja, erst sowjetische panzer stellen wieder ruhe her und sicherten ihren machtbereich.


Wikipedia beschreibt den Verlauf der Vorgänge wie folgt:

Vorgeschichte:
Bei der Parlamentswahl vom 15. November 1945 kam die Partei der kleinen Landwirte auf 57 Prozent der Stimmen, die Kommunisten nur auf 17 Prozent. Auf Druck der Sowjets waren die Kommunisten dennoch an der neuen Koalitionsregierung beteiligt und stellten vier von 18 Ministern.

Die Sowjetischen Truppen blieben auch nach Abschluss des Friedensvertrags vom 10. Februar 1947 im Land, mit der Begründung, die Verbindung zu den in Österreich stationierten Truppen zu halten.

Der im März 1946 gegründete Linksblock aus Kommunisten und Sozialdemokraten, Mitgliedern der Nationalen Bauernpartei und Gewerkschaftern trat geschlossen gegen die Partei der Kleinen Landwirte an. Die Kommunisten übernahmen durch Anwendung der „Salami-Taktik“, des scheibchenweisen Reduzierens des demokratischen Systems, immer mehr die Macht im Staat. Sie sicherten sich den entscheidenden Einfluss im Innenministerium und den Sicherheitsorganen. Vermeintliche und tatsächliche politische Gegner wurden durch die politische Polizei eingeschüchtert und ausgeschaltet. Die Aufdeckung angeblicher Verschwörungen führte zu politischen Säuberungen und zur Ausschaltung des rechten Flügels der Partei der kleinen Landwirte."

Die Machtergreifung Stalins erfolgte also nach bekannten Mustern. Ähnlich, wie auch in der DDR. Freie Wahlen wurden abgeschafft. Einheitslisten etc. istalliert!

Weiter Wikipedia:



"Beginn - der 23. Oktober [Bearbeiten]
Den Studenten der Technischen Universität Budapest wurde am 23. Oktober eine Demonstration zur Solidarität mit dem polnischen Arbeiteraufstand genehmigt. Sie wollten mit dieser Demonstration aber viel mehr erreichen und ihre politischen Interessen kundtun. Die Studenten trafen den Nerv der Ungarn, die sich zu Tausenden dem Demonstrationszug anschlossen. Der Zug endete zunächst am Josef-Bem-Platz auf der Budaer Donauseite, wo die Forderungen der Studenten verlesen wurden. Obwohl fast keine Verstärker verwendet wurden, strömten immer mehr Menschen zu dieser Massenkundgebung.

Während ein Teil der Demonstranten zum Parlament weiterzog, marschierte ein Großteil zum Rundfunkgebäude auf der Pester Donauseite. Dort wollten sie ihre Forderungen über den staatlichen Sender verbreiten. Jedoch wurde aus dem Rundfunkgebäude das Feuer auf die Demonstranten eröffnet. Durch ungarische Soldaten gelangten die Demonstranten an Waffen, so dass sie sich zur Wehr setzen konnten und das Gebäude stürmten. Am Abend versammelten sich ca. 200.000 Menschen vor dem Parlament und forderten Meinungs- und Pressefreiheit, freie Wahlen, mehr Unabhängigkeit von der Sowjetunion sowie die Ernennung des reformorientierten Kommunisten Imre Nagy zum Regierungschef. Nagy, der die Demonstranten aufforderte, nach Hause zu gehen, wurde überraschend noch in derselben Nacht vom Zentralkomitee der Partei der Ungarischen Werktätigen zum Ministerpräsidenten berufen. Unterdessen hatte die Sowjetunion begonnen, militärisch einzugreifen, noch bevor Parteichef Ernő Gerő darum ersucht hatte. Im Laufe des Nachmittags hatten Demonstranten das Stalin-Denkmal auf dem Heldenplatz gestürzt und mit einem Traktor vor das Parlamentsgebäude gezogen."

Die Reaktion der Demontranten mit den Forderungen nach Presse- und Meinungsfreiheit war also unter Berücksichtigung der sowjetischen Machtergreifung nur zu verständlich. Im Grunde war es die Forderung nach Respektierung der Wahlergebnisse der letzten freien Wahlen, bei denen die Kommunisten unter "...ferner liefen.." abgeschlagen waren.
"
In Antwort auf:
- in prag 1968 ging es angeblich um einen "sozialismus mit menschlichem anlitz". allein der verkündete austritt aus dem wv und beabsichtigte austritt aus dem rgw zeigt, dass man eigentlich doch wieder zurück ins bürgerliche lager wollte. das auch hier sowjetische panzer wieder ihren machtbereich sicherten ist bekannt.


Nein: ich glaube eher, unter Dubczek wäre es bei einem Sozialismus a la Jugoslawien geblieben. Dubczek war nach meiner Einschätzung ganz klar ein Sozialist!

In Antwort auf:
und jetzt meine frage an @fsk-veteran, waren alle o.g. ereignisse ganz spontan oder wurde da auch ein wenig nachgeholfen ?


Das kommt immer darauf an, was man unter "nachgeholfen" versteht. Die jeweiligen Anlässe waren die Versuche, sich vom Stalinismus und seinen Folgen zu befreien. Das das im Westen mit Sympathie verfolgt wurde, ist keine Frage. Die Auslöser waren jedoch systemimmanente Prozesse, die aus dem eigenen Versagen heraus passierten, den Menschen das zu geben, was der Mensch (wie die Luft zum atmen) braucht.

Die Geschichte der Menschen zeigt, daß über kurz oder lang immer dort die Massen aufstehen, wo sie manipuliert werden sollen. Weil es einige "Menschheitsbeglücker" gibt, die angeblich besser wissen, was die Menschen brauchen, als sie selbst.

Dabei ist es vollkommen egal, ob diese Irren (Menschheitsbeglücker) aus religiösen, sozialen oder nationalen Motiven heraus handeln...
Sie werden in der Regel über kurz oder lang irgendwann von den empörten Massen beseitigt...


nach oben springen

#103

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 12:20
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
[quote="


leider@karl143, gab es fast keine privaten kontakte mit soldaten und offizieren der gssd. diese waren von seiten der gssd unerwünscht. ja, es hat auch vergewaltigungen gegeben, aber das wurde rigeros bekämpft, teilweise durch ihre eigenen leute und dann ziemlich radikal. im volksmund wurde oft von "wurde der soldat gleich an ort und stelle erschossen..." gesprochen. die bevölkerung hatte eigentlich keine angst im umgang mit den soldaten und offizieren der gssd, sondern eher mitleid.


Hallo Gilbert Wolzow!
Ich weiß nicht, wo Du Dein Wissen bezüglich der russischen Truppen in der DDR her hast. Hier etwas aus meiner objektiven Wahrnehmung als Anwohner einer russischen Garnision (ca 20 m vom 2 m hohem Palisadenzaun entfernt) bis 1959. Grundsätzlich sprach man bei uns nur von den "Freunden", dieses allerdings im ironischen Sinne!! In unserem Städtchen hatte man schon Angst vor den russischen Soldaten da sie gerade unter Alkohol-Einfluß zu tickenden Zeitbomben wurden. Ein Großteil der einfachen Dienstränge besorgten sich diesen Alkohol direkt am Zaun von ihren geringem Monatssold durch meist jugendliche, aber auch erwchsene deutsche Mitbürger. Im Alkohol-Rausch kam es dann immer wieder zum Überklettern des Zaunes und in der Stadt passierten schlimme Sachen. Ja es stimmt, die Angehörigen der Kommandatur griffen hart durch und ich selbst habe etliche Einsätze am Zaun und davor aus unserem Wohnzimmerfenster mitbekommen. Die Bevölkerung in unserer Stadt hatte kein Interesse an einen Umgang mit den Russen. Eine Ausnahme bildeten die LKW-Fahrschulwagen welche durch die Stadt fuhren. Die besserten sich teilweise ihre karge Löhnung damit auf, daß sie an die Deutschen alles mögliche, wie volle Benzinkanister ect. verscheuerten. Lediglich die Offiziere durften sich in der Stadt bewegen. Meistens hatten sie dann allerdings einen einfachen Soldaten dabei, zum Koffer schleppen. In einem hast Du aber Recht, der einfache Soldat tat uns schon leid denn er hatte nichts zu lachen in der Roten Armee. Unterbringung, Verpflegung, Trennung über Jahre von der Familie, Kontaktsperre nach draussen, Zensur, Demütungen und Repressalien von Vorgesetzten und scharfe Strafanwendungen führten zu vielen Selbstmorden und Desertationen, bzw zu deren Versuchen, welche fast immer blutig endeten. Da wo es keine russischen Kasernen gab, mag die Bevölkerung keine Angst gehabt haben, aber da wo ,wie in unserer Garnisionsstadt, sie jede Nacht über den Zaun klettern konnten, sah es anders aus!
Schönen Gruß aus Kassel


nach oben springen

#104

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 12:37
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von FSK-Veteran

Das kommt immer darauf an, was man unter "nachgeholfen" versteht. Die jeweiligen Anlässe waren die Versuche, sich vom Stalinismus und seinen Folgen zu befreien. Das das im Westen mit Sympathie verfolgt wurde, ist keine Frage. Die Auslöser waren jedoch systemimmanente Prozesse, die aus dem eigenen Versagen heraus passierten, den Menschen das zu geben, was der Mensch (wie die Luft zum atmen) braucht.

wir sollten uns nicht nur auf eigenes versagen (was z.t. unbestritten ist) beschränken, sondern ganz konkret fragen, wie war die wirkung auch von aussen. wie konnte man anhand der geschichte und der aussenwirkung selbst handeln?

(der mensch hat 3 grundbedürfnisse. welche meinst du in deinem o.g. beitrag?)

In Antwort auf:
Die Geschichte der Menschen zeigt, daß über kurz oder lang immer dort die Massen aufstehen, wo sie manipuliert werden sollen. Weil es einige "Menschheitsbeglücker" gibt, die angeblich besser wissen, was die Menschen brauchen, als sie selbst.

Dabei ist es vollkommen egal, ob diese Irren (Menschheitsbeglücker) aus religiösen, sozialen oder nationalen Motiven heraus handeln...
Sie werden in der Regel über kurz oder lang irgendwann von den empörten Massen beseitigt...



das möchte ich bestreiten. als klassisches beispiel kann man hier deutschland 1933 - 1945 und kambodscha unter pol pot und den roten khmer bezeichnen.dies sind keine einzelbeispiele.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
nach oben springen

#105

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 12:40
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@wosch, sorry, fehler meinerseits. ich hätte die zeitspanne dazu schreiben sollen. ich meinte die 80´er jahre.
wie ich merke meinst du die 50´er und 60´er jahre.
so können (leider) missverständnisse entstehen...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
nach oben springen

#106

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 12:46
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
Zitat von wosch

Zu Deiner "Wahl-Diagnose" nur folgendes:
Nach meinem 18. Geburtstag durfte (richtiger gesagt: mußte!)ich erstmalig in der DDR wählen und obwohl ich sie nicht wollte, habe ich meine Stimme durch "Zettelfalten" und ohne Wahlkabine den Kandidaten der Nationalen Front gegeben. Ein anderes Wahlverhalten war seinerzeit gar nicht möglich und hätte schwerwiegende Folgen nach sich gezogen. Dieser Tatsache waren sich von den 99,5 % der "JA-Stimmen" schätzungsweise ca 99,5 % bewußt.


nein @wosch, dieses entspricht nicht ganz der wahrheit. ich selbst habe als jungwähler mit 18 jahren, in berlin-hohenschönhausen, kandidaten von der wahlliste gestrichen. selbstverständlich habe ich dabei die wahlkabine benutzt.
mein weiterer lebensweg dürfte durch meine fusszeile bzw. durch den avatar bekannt sein...


Hallo Gilbert Wolzow"
Ich will mich mit Dir nicht über dieses Thema streiten, denn da Du mir Deinen Wahlzettel mit den "gestrichenen Kandidaten" von damals wahrscheinlich nie vorlegen werden kannst, messe ich dieser Aussage nicht allzuviel Beweiskraft bei. Nur eins noch: Wenn Du meinst, meine Aussage entspricht nicht ganz der Wahrheit muß ich Dir sagen, daß ich noch nicht an Alzheimer leide und mein Langzeitgedächtnis auch noch kein Anlaß zum Klagen gibt.
Schönen Gruß aus Kassel


nach oben springen

#107

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 12:54
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
@wosch, sorry, fehler meinerseits. ich hätte die zeitspanne dazu schreiben sollen. ich meinte die 80´er jahre.
wie ich merke meinst du die 50´er und 60´er jahre.
so können (leider) missverständnisse entstehen...


Prima Gilbert, freut mich das Du diesen Nachsatz gebracht hast. Aber über diesen Zeitpunkt kann ich aus eigenem Erleben wenig beitragen, denn ich hatte 1962 schon die DDR verlassen und hatte bei meiner ersten freien Wahl in der BRD richtig feuchte Hände!
Ich bin übrigens Jahrgang 1942.
Schönen Gruß aus Kassel


nach oben springen

#108

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 13:12
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von wosch

Hallo Gilbert Wolzow"
Ich will mich mit Dir nicht über dieses Thema streiten, denn da Du mir Deinen Wahlzettel mit den "gestrichenen Kandidaten" von damals wahrscheinlich nie vorlegen werden kannst, messe ich dieser Aussage nicht allzuviel Beweiskraft bei. Nur eins noch: Wenn Du meinst, meine Aussage entspricht nicht ganz der Wahrheit muß ich Dir sagen, daß ich noch nicht an Alzheimer leide und mein Langzeitgedächtnis auch noch kein Anlaß zum Klagen gibt.
Schönen Gruß aus Kassel


hmmmm, ich behaupte bzw. suggeriere diesbezüglich nichts, ich wollte nur deutlich machen wie unterschiedlich die erlebnisse und erfahrungen sind.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
nach oben springen

#109

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 14:37
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
Zitat von FSK-Veteran

Das kommt immer darauf an, was man unter "nachgeholfen" versteht. Die jeweiligen Anlässe waren die Versuche, sich vom Stalinismus und seinen Folgen zu befreien. Das das im Westen mit Sympathie verfolgt wurde, ist keine Frage. Die Auslöser waren jedoch systemimmanente Prozesse, die aus dem eigenen Versagen heraus passierten, den Menschen das zu geben, was der Mensch (wie die Luft zum atmen) braucht.

wir sollten uns nicht nur auf eigenes versagen (was z.t. unbestritten ist) beschränken, sondern ganz konkret fragen, wie war die wirkung auch von aussen. wie konnte man anhand der geschichte und der aussenwirkung selbst handeln?

(der mensch hat 3 grundbedürfnisse. welche meinst du in deinem o.g. beitrag?)

In Antwort auf:
Die Geschichte der Menschen zeigt, daß über kurz oder lang immer dort die Massen aufstehen, wo sie manipuliert werden sollen. Weil es einige "Menschheitsbeglücker" gibt, die angeblich besser wissen, was die Menschen brauchen, als sie selbst.

Dabei ist es vollkommen egal, ob diese Irren (Menschheitsbeglücker) aus religiösen, sozialen oder nationalen Motiven heraus handeln...
Sie werden in der Regel über kurz oder lang irgendwann von den empörten Massen beseitigt...



das möchte ich bestreiten. als klassisches beispiel kann man hier deutschland 1933 - 1945 und kambodscha unter pol pot und den roten khmer bezeichnen.dies sind keine einzelbeispiele.



Hallo GW,

ich meine z.B. das zusätzliche Grundbedürfnis, unbedroht eigene Ansichten und Lebenskonzepte entwickeln zu können.

Ich sagte in meinem Beitrag: "...über kurz oder lang...". Davon bin ich überzeugt. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Für "lang" gelten nach meiner Ansicht und meinen Beobachtungen u.a. folgende Voraussetzungen:
1)Legitimität
2)Brutalität

1)-Wenn sich ein Regime von irren "Menschheitsbeglückern" nicht durch offensichtliche Unrechtmäßigkeiten, wie Putsch gegen ein Volk oder durch Eroberungen an die Macht gebracht hat (..weil z.B. legitim gewählt), dauert es nach meinen Beobachtungen oft länger. Große Bevölkerungsteile sagen sich unsicher: "...die sind ja regulär an der Macht..". Widerstand ist daher vielleicht Unrecht...

-Was Hitler angeht, so wurde er gewählt. Ich erinnere nur daran, daß er 1932 38% der Stimmen bekam. So viele Stimmen hat neben der NSDAP keine weitere Partei in der Weimarer Republik je erhalten.
-Später konnte er sich auf den "Ausnahmezustand Krieg" berufen. Man hat mit diesem Argument brutal regiert...
-Und nur nebenbei noch zur Erinnerung: der ganze, grausame Spuk dauerte lediglich 12 Jahre! (...das wäre gegenwärtig von 1997 bis jetzt...) Irgendwann hätte vielleicht eines der Attentate auf ihn geklappt...

...und 2)
-Wenn ein Regime mit absoluter Brutalität des täglichen Totschlags regiert, die kleinste Abweichungen mit sofort dem Tode bestraft. Auch das war in den letzten Kriegsjahren Hitler und Konsorten. Das wäre aber auch
z.B. Kambotscha (Pol Pot, war historisch gesehen aber auch nur eine kurze Zeit!)

Ich denke: man kann einen Freiheitsdrang der Menschen nur durch Mord und Totschlag etwas länger aufhalten. Aber nicht auf Dauer.... Vor allem dann nicht, wenn man die Vorzüge von Offenheit, freien Wahlen und Gewaltenteilung bereits schätzen gelernt hat...

Es gibt z.B. auch den Iran. Ein Despot wurde verjagd und dafür bekam man einen Neuen. Vielleicht sagte sich auch dort das Volk lange: wir haben es ja so gewollt. Aber auch dort jagd inzwischen eine Protestdemonstration für freie Wahlen die nächste...

In Berlin mußte man sogar eine Stadt komplett teilen, damit die Menschen nicht weiterhin ihrem Grundbedürfnis nachgehen können, unbedroht eigene Ansichten und Lebenskonzepte zu entwickeln. In Wahrheit war die Berliner Mauer das steingewordene Eingeständnis, daß man nur durch unmittelbare Todesdrohungen die Leute (vorläufig!!) davon abhalten kann, diese Grundbedüfnis auszuleben....


zuletzt bearbeitet 11.08.2009 15:08 | nach oben springen

#110

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 15:10
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Der letzte Satz sollte richtig heißen:

In Wahrheit war die Berliner Mauer das steingewordene Eingeständnis, daß man nur durch unmittelbare Todesdrohungen die Leute (vorläufig!!) davon abhalten kann, dieses Grundbedürfnis auszuleben....


nach oben springen

#111

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 11.08.2009 15:36
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
Ist Euch gelegentlich klar, dass Ihr in solcher Art das Volk der DDR, Leute die aufrecht für Frieden und ein besseres Leben eingetreten sind, sich auch dafür aufgeopfert haben, in einen Topf mit einer von Macht korrumpierten Führungsclique werft. Ist Euch gelegentlich klar, dass dies eine Beleidigung ist?

Wenn nicht, dann war dies hier nochmal der Hinweis.

Der Bodensatz ideologischer Verzerrung ist das Pauschalurteil!

ciao Rainman



Man muß sich die Hose nicht anziehen, wenn sie nicht paßt!!
Schönen Gruß aus Kassel


nach oben springen

#112

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 12:35
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von wosch
Zitat von Rainman2
Ist Euch gelegentlich klar, dass Ihr in solcher Art das Volk der DDR, Leute die aufrecht für Frieden und ein besseres Leben eingetreten sind, sich auch dafür aufgeopfert haben, in einen Topf mit einer von Macht korrumpierten Führungsclique werft. Ist Euch gelegentlich klar, dass dies eine Beleidigung ist?
Wenn nicht, dann war dies hier nochmal der Hinweis.
Der Bodensatz ideologischer Verzerrung ist das Pauschalurteil!
ciao Rainman


Man muß sich die Hose nicht anziehen, wenn sie nicht paßt!!
Schönen Gruß aus Kassel



Hallo wosch,

prinzipell ist gegen Deinen Spruch nichts einzuwenden und, ehrlich gesagt, ziehe ich mir in diesem Fall die Hose auch nicht an. Aber das Prinzip der passenden oder unpassenden Hose Allgemeingültigkeit hätte, dann gäbe es eigentlich keine Beleidigungen, kein "Auf-den-Schlips-treten" oder ähnliches, denn der, der etwas in dieser Richtung sagt, könnte sich unter Hinweis auf dieses Prinzip immer rausreden. Um es klar zu stellen: Ich werfe hier im Forum niemanden vor, dass er andere bewusst beleidigt oder ausgrenzt. Wenn so etwas passiert, dann rede ich denjenigen mit seinem Namen an. Ich sehe lediglich die Gefahr, dass durch die pauschale Verwendung eines Begriffs wie "DDR-Vergangenheit" und die komplette Ablehnung all dessen, was mit diesem Begriff (hier als Beispiel) einhergeht, mehr negiert wird, als nur ein Stück Diktatur.

Ich spreche bei DDR-Geschichte auch von Menschen, die durch furchtbare Zeiten gegangen sind, die aus ihrer Lebenserfahrung und nicht aus dogmatischen Sprüchen zur Einsicht kamen, da muss etwas geändert werden. Menschen, die mit ehrlichem Herzen tage- und nächtelang um eine Idee und deren Verwirklichung gerungen haben, nicht sehen wollend oder nicht sehen könnend, dass die Idee bereits verraten war oder vielleicht auch in der Form nichts taugte. Solches Handeln unterschied sich wesentlich vom kruden Nationalismus der faschistischen Zeit. Glaub mir, als Sohn einer langjährigen Parteisekretärin im künstlerischen Bereich weiß ich, was ein total verqualmtes Wohnzimmer mit viel hektisch beschriebenem Papier am morgen bedeutet hat. Da wurde nicht über Verdummung, Unterdrückung oder Ermordung von Menschen gesprochen, nicht über Herrenmenschentum und Herrschaftsansprüche. Es war Streit um die Erziehung und Heranbildung junger Künstler. Es war Streit, der die Widersprüche der Zeit genauso ausdrückte, wie das verzweifelte Bemühen der Streitenden, die Probleme zu überwinden. Da standen zuerst Ideale und Lebenserfahrung dahinter und nicht in erster Linie Ideologie.

Wosch, das sind die Momente die ich erlebt habe, Momente die mich zu dem Glauben geführt haben, wir tun da etwas sehr gutes. Da stand keiner und winkte mit der roten Fahne. Und diese Momente sind es auch, die meinen Respekt vor solchen Menschen genährt haben. Ich bin bis heute der Meinung, dass solche Menschen ein Recht auf Stolz über ihre Leistungen haben. Und ich bin ebenso der Meinung, dass sie es nicht verdienen, dass ihre Leistungen permanent abgetan werden mit dem Hinweis, aber schließlich wart ihr eine Diktatur, oder ähnlichem. Ich bin mir sicher, dass das hier im Forum kaum jemand will. Aber indem pauschal die ganze DDR in Bausch und Bogen auf den Diktaturbegriff reduziert wird, wird eben diese Leistung missachtet und der Stolz wird in Frage gestellt. Die Tendenz mancher Diskussion hier erzeugt in mir das Gefühl, dass es so ist. Und wenn ich etwas zu DDR-Zeiten gelernt habe, dann dies: Misstraue immer dem eigenen Wissen, aber vertraue auf das Gefühl. Und hier legte mir mein Gefühl nahe, mal wieder einen Satz dazu zu sagen. Ich bin aus dem Alter raus, da ich Menschen von meinem Glauben überzeugen wollte. Aber ich mach den Mund auf, wenn mir was gegen Strich geht. Hätte ich das zu DDR-Zeiten bereits getan, würden wir uns übrigens mit einem anderen perönlichen Hinetrgrund gegenüberstehen. Aber da war ich ja sozusagen noch in der Lehre ...

Liebe Grüße aus Berlin!
Rainman


PS: Verzeih die späte Antwort, aber fast zwei Tage Ausfall beim Forum sind die Hölle der Nacharbeit ...


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


nach oben springen

#113

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 13:48
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Der letzte Beitrag von Rainman2 animiert mich, doch nochmal nebenbei schnell "in die Tasten" zu greifen.....

Zitat von Rainman2
....Ich sehe lediglich die Gefahr, dass durch die pauschale Verwendung eines Begriffs wie "DDR-Vergangenheit" und die komplette Ablehnung all dessen, was mit diesem Begriff (hier als Beispiel) einhergeht, mehr negiert wird, als nur ein Stück Diktatur.

Ich spreche bei DDR-Geschichte auch von Menschen, die durch furchtbare Zeiten gegangen sind, die aus ihrer Lebenserfahrung und nicht aus dogmatischen Sprüchen zur Einsicht kamen, da muss etwas geändert werden. Menschen, die mit ehrlichem Herzen tage- und nächtelang um eine Idee und deren Verwirklichung gerungen haben, nicht sehen wollend oder nicht sehen könnend, dass die Idee bereits verraten war oder vielleicht auch in der Form nichts taugte. Solches Handeln unterschied sich wesentlich vom kruden Nationalismus der faschistischen Zeit. Glaub mir, als Sohn einer langjährigen Parteisekretärin im künstlerischen Bereich weiß ich, was ein total verqualmtes Wohnzimmer mit viel hektisch beschriebenem Papier am morgen bedeutet hat. Da wurde nicht über Verdummung, Unterdrückung oder Ermordung von Menschen gesprochen, nicht über Herrenmenschentum und Herrschaftsansprüche. Es war Streit um die Erziehung und Heranbildung junger Künstler. Es war Streit, der die Widersprüche der Zeit genauso ausdrückte, wie das verzweifelte Bemühen der Streitenden, die Probleme zu überwinden. Da standen zuerst Ideale und Lebenserfahrung dahinter und nicht in erster Linie Ideologie.


Eines muß man wissen. Eine grausame Diktatur gibt sich natürlich in der Regel ja nicht als grausame Diktatur zu erkennen. Eine Diktatur will ja immer geliebt werden. Und zwar von den Menschen, die in ihrem Herrschaftsbereich leben. Insofern wird die Diktatur auch immer Dinge zu organisieren versuchen, die dem Volk Spaß machen. Dem Volke gefallen. Brot und Spiele. Begründungen liefern, warum sie die beste Diktatur seit Menschheitsgedenken ist. Und warum es sich lohnt, alle Kraft und auch das Leben mutig für sie einzusetzen. Soziale Einrichtungen und Volksbelustigungsaktionen wird die Diktatur en masse anbieten. Romantisierend "die Gefühle eines wunderschönen Sommers am See" bedichten, um zu indoktrinieren, daß es sich lohnt, die Heimat (also in Wahrheit sie: die Diktatur!) zu schützen. Man darf sich auch im küntlerischen Bereich "kritisch" mit ihr auseinandersetzen. Insoweit, als das man sie "aus tiefster Liebe zu ihr und ihren Fahnen" weiterentwickeln will. Das heißt in der Regel: daß man ihre Macht auszudehnen helfen will.

Beweis:Stelle die Dikatur in frage.

Beispiel: sage der Diktatur in folgenden Ausführungen, daß sie für Dich...

(Anfang)"... kein Sozialismus ist. Sondern ein Stalin´scher Feudalismus Metternich´scher Prägung. In dem die Feudalherren auf ihre Leibeigenen bei Todesstrafe achten. So lange sie arbeitsfähig sind, müssen ihre Arbeitskraft für Almosen geben. Den Mehrwert streichen sich die Feudalherren und ihre Investitionen in ihren irren aufgeblasenen Herrschaftsapparat ein. Das sieht man schon daran, daß die DDR-Bürger, denen ein Wechsel zum Klassenfeind als Verrat und Schande ausgelegt wurde: als Rentner plötzlich wie von Zauberhand in den Westen durften. Und eine Übersiedlung problemlos in 2-3 Monaten bewerkstelligt wurde: man war ja froh, daß man die ehemaligen DDR-Arbeitssklaven mit ihrem Sklavenlohn, jetzt als Renten-"Kostgänger" schnell los wurde. Keine Vorwürfe: Plötzlich kein Sterbenswörtchen mehr vom verrat an der Arbeiterklasse. Von der Schande, daß man zum "Klassenfeind" wechselt. Das ist kein Sozialismus. Das ist Leibeigenschaft einer feudalen Herrscherclique mit rotem Anstrich..."(Ende)

Es bleibt abzuwarten, in wie weit sich nach diesem kleinen Vortrag für den Aufbau eines "wahren Sozialismus" das Leben abrupt ändern würde. Rudolf Bahro könnte ein Lied davon singen (...wenn er noch leben würde..)




In Antwort auf:
Wosch, das sind die Momente die ich erlebt habe, Momente die mich zu dem Glauben geführt haben, wir tun da etwas sehr gutes. Da stand keiner und winkte mit der roten Fahne. Und diese Momente sind es auch, die meinen Respekt vor solchen Menschen genährt haben. Ich bin bis heute der Meinung, dass solche Menschen ein Recht auf Stolz über ihre Leistungen haben. Und ich bin ebenso der Meinung, dass sie es nicht verdienen, dass ihre Leistungen permanent abgetan werden mit dem Hinweis, aber schließlich wart ihr eine Diktatur, oder ähnlichem. Ich bin mir sicher, dass das hier im Forum kaum jemand will. Aber indem pauschal die ganze DDR in Bausch und Bogen auf den Diktaturbegriff reduziert wird, wird eben diese Leistung missachtet und der Stolz wird in Frage gestellt. Die Tendenz mancher Diskussion hier erzeugt in mir das Gefühl, dass es so ist.


Die Lebensleistung kann gar nicht "abgetan" werden, wenn man gezwungen war, eine Diktatur zu erleben. Es ist eine hervorragende Lebensleistung, wenn man es geschafft hat, sich in einer Diktatur halbwegs zu behaupten. Und durch diese Prüfungen einigermaßen ungeschoren "durchgekommen" zu sein.


In Antwort auf:
Und wenn ich etwas zu DDR-Zeiten gelernt habe, dann dies: Misstraue immer dem eigenen Wissen, aber vertraue auf das Gefühl. Und hier legte mir mein Gefühl nahe, mal wieder einen Satz dazu zu sagen. Ich bin aus dem Alter raus, da ich Menschen von meinem Glauben überzeugen wollte. Aber ich mach den Mund auf, wenn mir was gegen Strich geht. Hätte ich das zu DDR-Zeiten bereits getan, würden wir uns übrigens mit einem anderen perönlichen Hinetrgrund gegenüberstehen. Aber da war ich ja sozusagen noch in der Lehre ...


So sieht es aus. Beispielsweise eine Feststellung (also nicht mal eine "Kritik") mit allen Konsequenzen vorgetragen, daß es ein Wahrheitsmonopol eines Volkes oder einer x-beliebigen Gruppe auf der Welt nicht geben kann, hätte Dich (ohne die Herrschaften direkt anzusprechen) in eine Situation gebracht, wo Dir die DDR in Windeseile plötzlich als "Vorhof zur Hölle" erschienen wäre...


zuletzt bearbeitet 14.08.2009 14:01 | nach oben springen

#114

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 14:31
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo FSK-Veteran,

ich bin etwas verunsichert, ob das eine Erweiterung dessen sein sollte, was ich schrieb oder eine Auseinandersetzung damit. Also ergänze ich nur mal zu einzenen Punkten:

Brot und Spiele: Ich schrieb über Leistung und Arbeit. Das ist es, was zählt und wovon Du ja auch sagst, es gar nicht abgetan werden kann. Wieviele Partei- und Wirtschaftsfunktionäre haben nicht mal das 65. Lebensjahr erreicht?! Das war bestimmt nicht das Ergebnis eines laufenden "Spielbetriebes". Das war Stress pur und zwar aus den verschiedensten Richtungen. Haben sie sich dem gestellt, weil sie mit "Brot und Spielen" oder mit laufender Romantisierung bei Laune gehalten wurden? Nein. Sie sind einer grundsätzlichen Idee hinterhergerannt, die sich grundlegend von den Ideen des Faschismus unterschied.

Nochmal Brot und Spiele: Die Literatur und das Theater waren gerade in den 80-er Jahren wichtige Institutionen für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. Das erfolgte zwar in einer Art "Sklavensprache", aber es wurde verstanden. Ansonsten gab es nicht mehr viel, was einen "bei Laune" halten konnte.

Aneignung des Mehrwerts (aus dem Bahro-Zitat): Ich verehre Rudolf Bahro für seinen Mut, seine Meinung offen gesagt zu haben und verurteile zutiefst, dass er dafür eingesperrt wurde und die Herrschenden versuchten, ihn zu brechen. In seinen Analysen gehe ich jedoch nicht an allen Punkten mit ihm mit. Gerade der Vorwurf der Aneignung des Mehrwerts ist aus heutiger Sicht und vom Boden unseres heutigen Landes nahezu grotesk. Kein Funktionär der SED hat sich auch nur annähernd so bereichert, wie die Diebe, die sich heute hochoffiziell Spitzenmanager nennen.

In allen anderen Punkten, die Du schreibst, stimme ich mit Dir überein!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 14.08.2009 14:33 | nach oben springen

#115

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 15:09
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
Hallo FSK-Veteran,

ich bin etwas verunsichert, ob das eine Erweiterung dessen sein sollte, was ich schrieb oder eine Auseinandersetzung damit. Also ergänze ich nur mal zu einzenen Punkten:

Brot und Spiele: Ich schrieb über Leistung und Arbeit. Das ist es, was zählt und wovon Du ja auch sagst, es gar nicht abgetan werden kann. Wieviele Partei- und Wirtschaftsfunktionäre haben nicht mal das 65. Lebensjahr erreicht?! Das war bestimmt nicht das Ergebnis eines laufenden "Spielbetriebes". Das war Stress pur und zwar aus den verschiedensten Richtungen. Haben sie sich dem gestellt, weil sie mit "Brot und Spielen" oder mit laufender Romantisierung bei Laune gehalten wurden? Nein. Sie sind einer grundsätzlichen Idee hinterhergerannt, die sich grundlegend von den Ideen des Faschismus unterschied.


Lieber Rainman2,
bezügl. Deiner Verwunderung: Mit meinen Beispielen habe ich auf Deinen Pasus

"Da wurde nicht über Verdummung, Unterdrückung oder Ermordung von Menschen gesprochen, nicht über Herrenmenschentum und Herrschaftsansprüche. Es war Streit um die Erziehung und Heranbildung junger Künstler.."
antworten wollen. Mir war wichtig, nochmals zu betonen, daß ich das auch nicht gedacht hätte. Und wollte erweiternd hinzufügen, daß eine Diktatur auch wunderschön sein kann. Zumal sie sich gerne auch so darstellt. Sie ist vor allem schön, wenn man sich zu ihr bekennt.
Bsp.:
Rudi (...ein verstorbener Rentner aus der Borholmer Strasse (Ost) sagte immer, seine schönste Zeit sei die beim Reichsarbeitsdienst gewesen. Auch sonst konnte man bei ihm überdurchschnittliche Identifikationsmerkmale mit dem Systen feststellen, daß man das 1000jährige Reich zu nennen pflegte. Auf Widerspruch hin hat er uns nur laut ausgelacht und gemeint: "...was wißt denn Ihr!". Der hat sich trotz Krieg usw. nicht von dieser Ansicht abbringen lassen.

Die Ideen haben sich unterschieden. Und es nicht angebracht, beide Diktaturen gleichzusetzen. Trotzdem gab es in beiden Diktaturen Gemeinsamkeiten. Solche, die für den "Normalbürger" ähnlich unangenehm waren. Identisch war ihr Motto: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns".


In Antwort auf:
Nochmal Brot und Spiele: Die Literatur und das Theater waren gerade in den 80-er Jahren wichtige Institutionen für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. Das erfolgte zwar in einer Art "Sklavensprache", aber es wurde verstanden. Ansonsten gab es nicht mehr viel, was einen "bei Laune" halten konnte.

Aneignung des Mehrwerts (aus dem Bahro-Zitat): Ich verehre Rudolf Bahro für seinen Mut, seine Meinung offen gesagt zu haben und verurteile zutiefst, dass er dafür eingesperrt wurde und die Herrschenden versuchten, ihn zu brechen. In seinen Analysen gehe ich jedoch nicht an allen Punkten mit ihm mit. Gerade der Vorwurf der Aneignung des Mehrwerts ist aus heutiger Sicht und vom Boden unseres heutigen Landes nahezu grotesk. Kein Funktionär der SED hat sich auch nur annähernd so bereichert, wie die Diebe, die sich heute hochoffiziell Spitzenmanager nennen.


Da sind wir vollkommen einer Meinung.

Als ketzerische Anmerkung nur das:
Gut, sie haben besonders in ihren Ferienobjekten auch außergewöhnliche Luxusmöglichkeiten in Anspruch genommen. Aber da sage ich: Hätte sie sich mal bloß persönlich bereichert! Anstatt den Mehrwert in den monströsen Ausbau der "Weglauf-Verhinderungsanlagen", in den Überwachungsapparat und dem ihnen treu verbunden monsterhaften Personalapparat sämtlicher ihnen treu ergebener Organe zu stecken. Denn die haben viele Menschen zur Verzweiflung getrieben. Rolls Royce Fahrzeuge mit Chauffeur und immer Hummercocktail aus dem KaDeWe zum Früstück wären da eine wesentlich bessere Lösung für die Menschen gewesen ...






zuletzt bearbeitet 14.08.2009 15:17 | nach oben springen

#116

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 15:18
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo FSK-Veteran!

Danke für die Antwort. Alles klar

Liebe Grüße aus Berlin und ein schönes Wochende!
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


nach oben springen

#117

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 15:22
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Gleichfalls:
schönes Wochenende!

Endlich ist es soweit...


nach oben springen

#118

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 21:18
von wosch (gelöscht)
avatar

Hallo Rainman!


Grundsätzlich stimme ich mit Dir in einigen Punkten ausnahmslos überein, die da wären: 1. Der Begriff "DDR-Vergangenheit" sollte nicht pauschaliert dafür verwendet werden, daß man den gemeinen DDR-Bürger mit den Machenschaften seiner Führungs-Elite in Verbindung bringt. 2. Man soll und darf nicht übersehen, daß der gemeine DDR-Bürger im Arbeitsleben (und da meine ich, egal an welchem Platz auch immer) unter bedeutend schwierigenden Bedingungen als hier in der BRD sein Brot verdienen mußte. Ich weiß wovon ich rede, denn ich kenne beide Seiten und habe hüben wie drüben meinen Lebensunterhalt bestreiten müssen. Deswegen muß man das, was die Masse in der DDR geleistet hat, nicht abwerten und dem DDR-Bürger für seine unter den teilweise schwierigsten Verhältnissen geleistete Arbeit den gehörigen Respekt zollen. Das meine ich ernst. Wenn ich von "DDR-Vergangenheit" rede, meine ich es immer in Verbindung mit den negativen Bedingungen die von einer selbstherrlichen, nicht frei gewählten Regierung, bestehend aus sogenannten Kommunisten und Antifaschisten zu verantworten sind. Daß das Elternhaus Dich geprägt hat ist für mich nachvollziehbar, obwohl man ab einem bestimmten Alter selbst seinen Weg gehen wird. Ich zum Beispiel bin Jahrgang 1942 und mich haben die 50er Jahre geprägt. Glaube mir, es war schlimm in der damaligen SBZ unter der Vorherrschaft der SED. Die Strukturen waren ähnlich wie im Dritten Reich und die Vorbilder waren, Dscherschinsky , Jagoda, Jeschow, Berja und nicht zu vergessen der "grösste Führer aller Zeiten" Josef Wisserionewitsch Dschugaswilli, genannt Stalin, der Stählende.
Rainman, wir sind Alle immer noch in der Lehre, auch wenn wir manchmal meinen, wir wüssten schon Bescheid. Man lernt nie aus, jedes Ding hat zwei Seiten!!
Schönen Gruß aus Kassel


zuletzt bearbeitet 14.08.2009 21:24 | nach oben springen

#119

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 14.08.2009 22:04
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo wosch,

auch Dir ein Dankeschön für die Antwort.

Liebe Grüße von Berlin nach Kassel und ein schönes Wochenende!
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


nach oben springen

#120

RE: Die Legende vom „antifaschistischen Schutzwall“

in Presse Artikel Grenze 15.08.2009 13:35
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von maja64
Zitat von Rainman2
Ist Euch gelegentlich klar, dass Ihr in solcher Art das Volk der DDR, Leute die aufrecht für Frieden und ein besseres Leben eingetreten sind, sich auch dafür aufgeopfert haben, in einen Topf mit einer von Macht korrumpierten Führungsclique werft. Ist Euch gelegentlich klar, dass dies eine Beleidigung ist?

Wenn nicht, dann war dies hier nochmal der Hinweis.

Der Bodensatz ideologischer Verzerrung ist das Pauschalurteil!

ciao Rainman




Danke Rainman,du sprichst mir aus der Seele.Das ist auch der Grund weshalb ich mich bei solcher Art Themen hier nicht mehr einbringen möchte.Da denke ich dann immer an den Beitrag vom Bunkerkommandanten mit der Heugabel und den Misthaufen.
Aber erschreckend ist für mich immer wie Menschen(was immer sie auch persönlich an negativen erlebt haben mögen) 20 Jahre nachdem Ende der DDR noch so verbittert sein können.


Gruß maja


Verbitterung "verjährt" sehr schlecht, mein lieber maja! Zeit heilt zwar sehr viele Wunden, und das ist auch gut so und soll so sein!
Verbitterung kommt besonders dann wieder in der klassischen Form zum Vorschein, besser gesagt erhält neuen Nährboden, wenn man ehemals handelnde Personen wieder dort sieht, wo sie schon allein charackterlich und auch strafrechtlich absolut nicht hingehören und wahre Schuldige nicht bestraft werden (können).
Bestes Beispiel sind doch die ewig gestrigen Demagogen, die sich heutzutage unverfrorener denn je schon wieder in aller Öffentlichkeit tummeln und mit ihren abgewetzten Frasen verbitterte Anhänger ihrer Ideologie in nicht gerade kleiner Stückzahl finden...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 15.08.2009 13:36 | nach oben springen



Besucher
1 Mitglied und 21 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 467 Gäste und 28 Mitglieder, gestern 3414 Gäste und 170 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14358 Themen und 557105 Beiträge.

Heute waren 28 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen