#41

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 05:10
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Meinje, Harry Tisch - die alte Saufziege. Er war Chef des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). Was er da sagt, klingt schon zum Teil anders als sein Gerede zu DDR-Zeiten.

waere mal interessant, es wuerde so ein "hohes Tier" hier ins Forum kommen, um Stellung zu nehmen.

Zitat von Augenzeuge
Nun, Honecker war Saarländer. Hier spricht man schon Dialekt. Ich habe mal jemanden aus dem Saarland kennengelernt, der sprach ähnlich wie er. Leider kam bei ihm hinzu, das sich das saarländische mit dem sächsischen etwas vermischt hat. Einfach katastrophal. Eine unterschwellige Ablehnung seiner Ideologie würde ich ihm nicht unterstellen wollen. Ich bin sicher, das er daran geglaubt hat, bis zuletzt.

Zitat von Rainman2
Das Genuschel bei Honecker war auch zu DDR-Zeiten Quell vieler spöttischer Bemerkungen. Am einfachsten war es, seine Aussprache einfach nachzuahmen: Doööööööötsche Demmokraaaatsche Repeplk. Aber wenn wir mal wieder Raum haben für eine Verschwörungstheorie: Honeckers Sprachfehler als Ausdruck seines Widerstandes gegen ein System, an dessen Spitze er stand und das er, im Ergebnis seines Widerstandes auf meisterhafte Weise in den Ruin führte. Ja, das hat was.



man muss also ganz schoen aufpassen was man will, dass es auch richtig ist (sonst geht's trotz alldem zwangslaeufig in die Hose)...

Zitat von CaptnDelta
Aha, dann weiss ich jetzt auch warum der immer "Sosalismus" sagte.

Hier klingt es als wenn die Lautstaerke ein Ausgleich fuer die Wahrheit sein sollte...



Quelle: Damals in der DDR, Teil 3: Plan und Pleite


Zitat von CaptnDelta
Uebrigens, auf der Gegenseite war der Kohl genauso ein Target, ("sozialistich")

ein Kollege von mir hat erzaehlt ihm ist gelegentlich "dr Gaul durchganga" (sprachlich), hat's aber besser als Honecker versteckt. Ihm kam wohl "der westliche Fortschritt" zu Gute ?

Gutes Naechtle!
Berliner


zuletzt bearbeitet 09.08.2009 05:30 | nach oben springen

#42

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 07:14
von bruno | 598 Beiträge

trotz der grossen wohnungsnot (wie auch hier im forum beschrieben)
hatte die stasi viele konspirative wohnungen in den städten,
http://www.stasi-in-erfurt.de
die eltern eines sehr guten (schul)freudes (auch patenonkel meiner tochter)
hatten bis 1985 ein mietshaus in erfurt, meienbergstrasse 13,
da gab es auch so eine besagte konspirative wohnung, draussen war ein schild
von einer heiligenstädterfirma dran.
jedenfalls, irgendwann war mal ein rohrbruch und die besagte wohnung war
davon mit betroffen.
also anrufen in heiligenstadt - doch keiner wusste dort was von einer wohnung
in erfurt...


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#43

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 07:29
von bruno | 598 Beiträge

Zitat von Rainman2

Ich erinnere mich noch an einen Appell der Tochter des ehemaligen Stadtkommandanten von Greifswald, Rudolf Petershagen. Dieser hatte die Stadt kampflos an die Rote Armee übergeben und so vor der Zerstörung bewahrt. Soweit ich mich erinnere stellte die Tochter nun an Erich Honecker die Frage, wozu ihre Vater dies getan hätte, wenn nun doch alles zerstört wird.

Da gab es übrigens keine Parteipolemik dagegen. Der Zustand der Städte war allen im Land bekannt.

ciao Rainman


ich bin jedes jahr 2-3 mal in greifswald,
greifswald ist ein richtiges schmuckstück geworden.

Angefügte Bilder:
greifswald.JPG

nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#44

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 08:52
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Berliner
Zitat von Rainman2
Meinje, Harry Tisch - die alte Saufziege. Er war Chef des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). Was er da sagt, klingt schon zum Teil anders als sein Gerede zu DDR-Zeiten.

waere mal interessant, es wuerde so ein "hohes Tier" hier ins Forum kommen, um Stellung zu nehmen.

Der Harry ist schon vor 15 Jahren gestorben, von daher wird er warscheinlich im Forum nicht auftauchen.
-Th


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#45

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 10:16
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Ja der Honecker hatte schon eine sehr eigenartig Betonung der Sätze,da wusst man nie richtig wann der Satz zu Ende geht.
Normal fällt dann die Stimme ab,bei ihm ging sie rauf. Hätte sich besser mal einen Sprachlehrer genommen.
Heute würde man sagen, einen Image Coach oder Personal Trainer



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#46

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 15:24
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Zermatt
Hätte sich besser mal einen Sprachlehrer genommen. Heute würde man sagen, einen Image Coach oder Personal Trainer

Hallo Zermatt,

kein Image Coach, sondern ein Russisch-Lehrer, trotzdem interessant seine Aussage.




Quelle: "Die Honeckers", von Thomas Grimm

Berliner


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#47

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 15:55
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat aus dem Video zur Honeckers Russischunterricht:

Der ehem. Kultusminister:"...schlimmer aber war die Grammatik, er kannte sie im deutschen ja auch nicht richtig....gut dann lassen wir das sein..."

Nun, das konnte eben auch nicht.


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#48

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 15:59
von Augenzeuge (gelöscht)
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Helmut Schmidt über Honecker: " Er erregte mehrfach mein Mitleid, weil er in allem von Moskau abhängig war, ohne dass er wissen konnte, welche Meinung sich in Moskau durchsetzen würde. Seine Gesprächsführung war deshalb von großer Vorsicht geprägt und somit unergiebig. Honecker ist in seiner gesamten Regierungszeit ein typischer kommunistischer Funktionär geblieben, dem es nicht nur am eigenen Urteil mangelte, sondern auch an jedwedem Patriotismus."


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#49

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 20:06
von Berliner (gelöscht)
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Hallo Augenzeuge!

Zitat von Augenzeuge
Nun, das konnte eben auch nicht.

was hast Du hiermit gemeint ?


Zitat von Augenzeuge
Helmut Schmidt über Honecker: " Er erregte mehrfach mein Mitleid, weil er in allem von Moskau abhängig war, ohne dass er wissen konnte, welche Meinung sich in Moskau durchsetzen würde. Seine Gesprächsführung war deshalb von großer Vorsicht geprägt und somit unergiebig. Honecker ist in seiner gesamten Regierungszeit ein typischer kommunistischer Funktionär geblieben, dem es nicht nur am eigenen Urteil mangelte, sondern auch an jedwedem Patriotismus."


Mit diesen Saetzen hat Helmut Schmidt richtig viel gesagt, aber zwei Punkte moechte ich hervorheben:

-mir ist in den Dokufilmen sofort aufgefallen, dass fast jeder DDR-Buerger (nicht nur Honecker) eine Art hatte sich nur mit grosser Vorsicht auszudruecken. Schlicht gesagt, man hat viel um den heissen Brei geredet (Ausnahmen: Stefan Heym oder Wolf Biermann).

-dass man an seinem Patriotismus zweifelt hat wohl damit zu tun, wie man das Wort "Patriotismus" definiert. Wenn es aehnlich ginge wie bei Mielkes "Liebe" zu seinem Volk, dann ist die Aussage von Schmidt vollkommen verstaendlich.

Danke fuer den Zitat, Augenzeuge. Wie Du siehst, fand ich ihn sehr interessant.

Berliner


zuletzt bearbeitet 09.08.2009 20:12 | nach oben springen

#50

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 20:26
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Berliner
Hallo Augenzeuge!
Zitat von Augenzeuge
Nun, das konnte eben auch nicht.

was hast Du hiermit gemeint ?



Danke Berliner, hier habe ich doch glatt das Wort "er" vergessen. Also: Das konnte er eben auch nicht.(Honeckers Bildung war mit der eines Staatsmannes eigentlich kaum vereinbar. Selbst seine Dachdecker-Lehre war abgebrochen worden. Aber die, die ihn solange in dieser Position hofiert haben, mussten auch nicht viel intelligenter gewesen sein....oder vielleicht doch, weil sie ihn dann lenken konnten?

Gruß, Augenzeuge


zuletzt bearbeitet 09.08.2009 20:26 | nach oben springen

#51

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 09.08.2009 22:20
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Hallo Augenzeuge,

dafür hatte er 2 Jahre "Schulung" in Moabit (1935-1937) und 8 Jahre "Schulung" im Zuchthaus Brandenburg (1937-1945). Ich denke mal, da konnte man auch eine Menge für's Leben lernen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#52

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 18:03
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Rainman2
Zitat von josy95
... Da man das Problem aber an höherer Stelle, nämlich dem Politbüro erkannte, beschloß man kurzerhand das Wohnungsbauprogramm "Platte", sprich s. g. Trabantenstädte in Plattenbauweise, die relativ kostengünstig, schnell und in großer Stückzahl herzustellen waren. Das müßte so auf dem 7. oder 8. Parteitag des SED gewesen sein. ...


Hallo josy,

das Wohnungsbauprogramm der SED wurde auf dem VIII. Parteitag 1971 beschlossen. Das war der Parteitag, bei dem Honecker seine Linie durchzusetzen begann.

ciao Rainman


Danke Raimann für die Auffrischung! Man vergißt es wirklich so langsam aber sicher...!

So, nun noch mal wie angekündigt was zu Alteigentümern & Co.

Mein Großvater hatte ein kleines mittelständisches Unternehmen der Reformhaus und Pharmabranche, gegründt 1903 und es über alle Kriesen und Kriege gerettet, hatte schon mal in einem anderen Beitrag darüber geschrieben. Aus der Ehe meiner Großeltern sind zwei Kinder hervorgegangen, mein Vater (1923) und seine Schwester (1918). Mein Vater wurde 1942 zur Luftwaffe eingezogen und kam im Mai 1945 nach kurzer engl. Kriegsgefangenschaft fast unbeschadet wieder nach Haus. Mein Großvater besaß in Erzhausen bei Darmstadt eine kleine Zweigniederlassung, mehr Auslieferungslager seiner Firma. Meine Tante ist im März 1953 sehr zum Leidwesen meiner Großeltern mit ihrem 2. Mann "abgehauen", damals als Republikflucht bezeichnet, lt. Wiedervereinigungsvertrag heißt es jetzt im Beamtendeutsch "...entgegen den damalig gültigen Meldevorschriften die DDR verlassen". Die offizielle Beantragung eines s. g. "Interzonenumzuges" muß wohl zu der Zeit noch möglich gewesen sein, tat nur kaum jemand aus Angst vor Repressalien & Co.
Jedenfalls hat mein Großvater noch kurz vor seinem (misteriösen) plötzlichen Ableben im November 1953 zusamm mit meiner Oma meiner Tante das besagte Grundstück in Erzhausen zuzüglich der Hälfte der Firmenpatente per Notarvertrag vor einem bundesdeutschen Notar überschrieben. Auch weitblickend darin die deutsche Wiedervereinigung bedacht, so das es zwischen den beiden Geschwistern nicht zum Streit kommen sollte. Auch war die Frage eines eventuellen Verkaufs geregelt, darin hieß es u. a., das die Firmenpatente niemals an Dritte veräußert werden dürfen. Weiterhin, das diese Überschreibung die Vorabfindung auf das Erbe sein sollte. Dieser Notarvertrag blieb bei meiner Tante, den einzigsten Nachweis den wir hatten, ist ein handgeschriebener Brief meiner Tante von damals, in dem sinngemäß stand, "...den Notarvertrag besser hier bei ihr zu belassen, da die begründete Angst besteht, das Mama und Papa bei der Rückreise in die Zone von den Russen gefilzt wird und der denen dann in die Hände fällt, was glasklar die Verhaftung meiner Großeltern und Enteignung ihrer Firma in der DDR (Ilsenburg) bedeutet hätte...".

Zur besseren Erklärung: Für DDR- Bürger war damals der Besitz von u. a. Immobilien in der BRD den staatl. Organen der DDR meldepflichtig. Die wurden dann über Anwalt Vogel oder andere veräußert, der DDR- Bürger erhielt dann den "Erlös" abzüglich von horrenten "Verwaltungsgebühren 1:1 in Ostmark ausgezahlt...! Wer wollte das schon??? Auch vor dem Hintergrund der noch nicht derart krass vollzogenen Teilung Deutschlands, die ja sich bekanntlich erst am 13. August 1961 "hart" vollzog. Firmenpatente und dergleichen (illegal) in die Bundesrepublik zu verbringen war ein harter Straftatbestand der als Sabotage, Spionage usw. ausgelegt wurde und dementsprechend bestraft wurde...!

Mit dem Tod meines Großvaters erbte meine Oma das Geschäft, sie verstarb im Oktober 1971, so das mein Vater (und meine Tante) erbten. Mein Vater konnte bei Eröffnung des Testamentes auch 1971 ja wiederum den Sachverhalt, das meine Tante bereits 1953 "vor- geerbt" hatte nicht angeben. Für den Erbteil meiner Tante wurde die damals übliche "staatliche Vermögensverwaltung" durch die DDR- Behörden angeordnet, da es ja zu der Zeit auch noch nicht den "Grundlagenvertrag DDR- BRD" gab. Zuständig war das Referat "Inneres" beim Rat des Kreises Wernigerode, und wer da zum "Referat Inners" gehörte, das werdet ihr Euch denken können! MfS und Herr Schalk- Golodkowski mit seiner "Firma"...! Also, es wurde offiziell festgestellt, das meine Tante und mein Vater zu gleichen Teilen erbten. Auch war es damals nach DDR- Gesetz üblich, das in solchen Fällen dem "daheimgebliebene" DDR- Bürger ein Vorkaufsrecht für den Erbteil des Republikflüchtlings zustand. Das hat mein Vater auch in Anspruch genommen, zumal man ihm versicherte, das von ihm hierfür bezahlte Geld wird auf ein Konto eingezahlt, von dem meine Tante wegen der Devisenlage in "Raten ausgezahlt wird..." Gleichzeiig mit dem Erbfall kam Honneckers "Enteignungswelle" der letzten "Kapitalisten", so das die kleine Firma (10 Angestellte) mit veräußert werden mußte. Auch die Firmenpatente mußte mein Vater unter Androhung von Repressalien mit veräußern...!
Danach verfinsterte sich sich das eher unterdurchschnittlich gute Verhältnis meiner Tante zu meinem Vater zusehends, meine Tante hatte sich auch nur spärlich zu Lebzeiten meiner Großmutter um sie gekümmert, es kamen eben nur die obligatorischen "Feiertags- Backzutatenpakete"...!

Meine Tante begann, bitterböse Briefe zu schreiben, meinen Vater als Erbschleicher und Stasischwein zu betieteln. Das blieb dem "Rat des Kreises, Abt. Inneres" natürlich nicht verborgen, denke mal, das man Briefe abgefangen und kontrolliert hatte... .
Meinem Vater hatte man unter Androhung drakonischer Strafen eindringlich gewarnt, es nicht zu versuchen, auch nur ein Erbstück meiner Großeltern seiner Schwester "zukommen zu lassen", man wußte auch bestens über den 1953 stattgefundenen Deal mit der Überschreibung des Grundstückes und der Firmenpatente in der BRD bescheid... und sah mit erhobenem Zeigefinger von einer nachträglichen "Bestrafung" ab. Das war eben DDR- Innenpolitik wie sie leibte und lebte!

Verkauft werden mußte nicht nur Firma, das (unser) Wohnhaus mit so das wir fortan Mieter im eigenen Haus waren. Die kleine Firma wurde Anfang 1974 dem damaligen VEB YSAT- Wernigerode angeschlossen und und die Produktion Ende 1974 nach Wernigerode "ausgelagert", mein Vater ging mit nach Wernigerode. Die Räumlichkeiten standen ersteinmal leer..! 1976 entschloß man sich dann, im Wohnhaus in den ehem. Büroräumen und einer Mietwohnung zwei Arztpraxen (Kinderarzt und gynökologische Ambulanz) einzurichten. Dafür mußten wir auch noch Wohnraum hergeben, obwohl unsere Wohnverhältnisse mit 4 Kindern auch nicht üppig waren. Einen Mieter (Stasispitzel???) setzte man uns auch noch mitten in die Wohnung, von abgeschlossenem Wohnraum konnte da keine Rede mehr sein. Wir wurden auch laufend irgendwelchen "Besichtigungs- und Vermessungsbesuchen von Wohnungsamt und sonstewem ausgesetzt, also Schikanen am laufenden Band. Hinzu kam noch der Ratschlag eines relativ guten Bekannten der Familie, doch einen Ausreiseantrag zu stellen... . Der "gute Mann" war damals Ortsvorsitzender der Blockpartei LDPD und ist heute dicke in der FDP, entschuldigt, aber mir kommt gleich das K*tzen...!

Mein Vater erkannte jedoch das Gebot der Stunde, kündigte in Wernigerode bei der VEB YSAT und begann eine Tätigkeit als Hausmeister (im eigenen Hause), fortan beim "Staatlichen Gesundheitswesen" in Lohn und Brot, ebenso meine Mutter als Reinigungskraft. Dadurch konnte mein Vater natürlich die Immobilie nach damaligen Verhältnissen gut pflegen und erhalten. Ich seh ihn heute noch, regelmäßig beim Streichen und Reparieren von Fenstern, Türen, Außenfassade & Co. So hat das Haus relativ gut die Mangelwirtschaft bis zuzr Wende überstanden...!

Nach der Wende wurde natürlich ein Rückübertragungsantrag und Entschädigungsantrag gestellt. Mein Vater (damals 67 und noch topgesund) wollte natürlich seine Firma so schnell als möglich wieder eröffnen.
Aber da war ja noch seine Schwester, meine Tante! Die rückte gleich mit Staranwaltskanzlei Bossi aus München als "Millionen- Vermögens- Erbin" an. Was da alles abging, will ich nicht im Detail schildern, zu groß ist die Enttäuschung, die Wut. Es wurde jedenfalls alles so hingestellt und per Gerichtsbeschhluß nach bundesdeutschem "RECHT" (???, was für einem Recht? Eher einer infamen Siegerjustitz) für Rechtens erklärt, das mein Vater u. a. hätte wissen müssen, das die DDR- Behören (und er!)unrecht gehandelt haben mit der damals angeordneten Vermögensverwaltung und der Veräußerung der Firma an den DDR- Staat.
Ja, ihr habt richtig gehört/ gelesen!
Meine Eltern haben ihr bischen Erspartes für Rechtsanwalt und Gerichte auf den Tisch legen dürfen...!
Bei meiner Tante wurde nicht nachgefragt, ob sie ihren 1953 erhaltenen Lastenausgleich in der BRD zurückgezahlt hat. Die Rückzahlung des Lastenausgleichs war lt. Einigungsvertrag eigentlich Grundvorraussetzung, um im Beitrittsgebiet der ehem. DDR überhaupt Rückübertragungsansprüche stellen zu können. Angeblich waren die "...Unterlagen nicht mehr auffindbar...!". Auch kam heraus, das sie ihre Firma Ende der 80-er für klingende Münze sammt Firmenpatente in die Schweiz verkauft hatte. Auch der Notarvertrag wegen des Verbots der Veräußerung der Firmenpatente war nicht mehr auffindbar.... Wir waren eben die blöden Ossis...!
Das makabere "Finale" kam dann 1999: "Zwangsversteigerung von Wohnhaus und Garten zur Aufhebung der Gemeinschaft", damals noch in der Presse mit Name und Adresse veröffentlicht (heutzutage nicht mehr üblich). Mit etwas Glück und Geschick durften wir, d. h. meine 3 Geschwister und ich das Wohnhaus und Garten für 180 000,00 DM zurückkaufen. Wir zahlen heute noch daran ab...
Mein Vater ist da derart dran zerbrochen, das er im Juni 2001 verstarb, besser gesagt sich aus Frust, Kummer und Depressionen hat regelrecht verhungern lassen. Meine Mutter, von den Folgen dieses "Desasters" starb dann Ende März 2004.
Mag sie der liebe Herrgott in Frieden ruhen lassen.
Das war denn ersteinmal das Ende dieser unsehligen deutschen Nachkriegsgeschichte, deutscher Teilung und der Nachwendefolgen einer Familie in einem kleinen Provinzstädtchen mitten im Herzen des wiedervereinigten Deutschlands. Die fast endgültige Zerstörung einer kleinen Familie und ihrer Existenz!
Aber was niemand schaffte und nie schaffen wird: Den Stolz unserer Familie, sprich meiner Geschwister und mir zu brechen!
Der Kampf geht weiter!

In diesem Sinne

Euer josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 10.08.2009 18:07 | nach oben springen

#53

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 19:01
von manudave (gelöscht)
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Gab es eigentlich privates Eigentum in der DDR - also was Grundstücke oder Häuser angeht?

Wir selbst waren ja Mieter, aber viele hatten ja auch Einfamilienhäuser.

Vielleicht ne dumme Frage...


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#54

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 19:47
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Warum nicht. Und dieses wurde doch meist gepflegt. Oder ?



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#55

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 20:08
von icke46 | 2.593 Beiträge

Hallo,

soweit ich weiss, war es zumindest bei den neu gebauten Einfamilienhäusern so, dass das Haus Privateigentum war, das Grundstück jedoch nicht, sofern es Volkseigentum war. Inwieweit das bei privatem Grundbesitz gehandhabt wurde, kann ich nicht sagen. Immerhin war eine der letzten Gesetzesänderungen der Regierung Modrow der Grunderwerb für die Personen, die auf volkseigenem Boden gebaut hatten - andernfalls wäre ihnen wahrscheinlich nach der Vereinigung im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füssen weggezogen worden.

Ich habe gerade noch ein Urteil von 2002 gefunden, nach dem in Dresden betroffene Personen ihr Grundstück zum "Modrow-Preis" umgerechnet 2,55 € und 5,11 € pro qm erwerben konnten.

Gruss

icke



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#56

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 21:05
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von manudave
Gab es eigentlich privates Eigentum in der DDR - also was Grundstücke oder Häuser angeht?

@manudave, eindeutige antwort: ja.
viele vorausschauende handwerker, bäcker etc. legten ihr geld in grundstücke und immobilien in der ddr an.
nur bei mehrfamilienhäusern soll es druck auf die alteigentümer bzgl. des verkaufes gegeben haben.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#57

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 21:07
von manudave (gelöscht)
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Wie hat das bei Bäckern etc. überhaupt ausgesehen? Mussten die ihre Gewinne abdrücken und bekamen auch ein Gehalt vom Staat oder konnten die ihren Nutzen komplett behalten? Schließlich gab es ja auch Privatunternehmen.


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#58

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 21:15
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

na nicht das wir hier total vom thema abkommen...

bäcker waren selbständig. die steuerprogression lag aber bis zu 90 %.
selbstverständlich wurde mit allen mitteln getrickst... es wurden z.b. nicht die zutaten genommen die drin sein sollten (pudding statt creme im ecklair) oder der kuchen hatte nicht die entsprechenden abmaße etc.
selbstverständlich ist den anliefernden mehl-fahrern oft bedauerlicherweise ein sack mehr vom lkw gefallen und und und...

ich will aber kleinesfalls alle bäckermeister hiermit über einen kamm scheren, doch waren dies leider häufige vorfälle. andererseits haben sie für ihr geld wirklich hart gearbeitet.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#59

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 21:23
von Lore (gelöscht)
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Zitat von manudave
Gab es eigentlich privates Eigentum in der DDR - also was Grundstücke oder Häuser angeht?

Wir selbst waren ja Mieter, aber viele hatten ja auch Einfamilienhäuser.

Vielleicht ne dumme Frage...


Hallo, dumme Fragen gibt es nicht - man erhält nur im Laufe seines Lebens sehr viele dumme Antworten.

Natürlich gab es auch in der DDR Privateigentum bei Hausgrundstücken, im ländlichen Raum sogar die überwiegende Eigentumsform.
Der Eigentümer musste nur ordnungsgemäß im Grundbuch eingetragen sein, dann durfte er das Grundstück auch verkaufen bzw. vererben.

Auch Mietshäuser in Städten gab es in Privateigentum, aber die Eigentümer konnten aufgrund der niedrigen Mieten diese Häuser in der Regel nicht halten und waren froh, wenn die Stadtverwaltungen sie "übernahmen", natürlich ohne Entschädigung.
Der ehemalige Besitzer durfte dann zwar in seiner Wohnung bleiben, musste aber auch Miete zahlen.

Gemacht wurde an den Häusern durch die neuen "Besitzer" auch nichts (es mangelte ja auch an vielen Dingen) und deshalb sahen unsere Städte so marode aus.

Nach der Wende begann dann die große Rückübertragungswelle, da waren die Stadtverwaltungen wieder froh, wenn sich Nachkommen der ehemaligen Besitzer meldeten und die marode Bausubstanz wieder zurücknahm. Der Kostenaufwand für die Instandsetzung ist natürlich entsprechend hoch, aber es ist schon erstaunlich, was aus so mancher "Bruchbude" wieder geworden ist - ganz so unrecht hatte Altkanzler Kohl mit seinen blühenden Landschaften doch nicht - es ging nur nicht ganz so schnell, wie manche erhofften.

Gruß Lore


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#60

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 10.08.2009 21:24
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
na nicht das wir hier total vom thema abkommen...



Einen eigenen Thread "Bäcker in der DDR" werde ich nicht eröffnen. So viel Toleranz in einem Thema haben wir gerade noch.


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