#21

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 00:13
von TOMMI | 1.985 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Wem gehört eigentlich der Holzzaun? Etwa der DDR, die hier nichts mehr getan hat, weil er keinen Menschen mehr aufhalten konnte?



Sieht man doch, wem der Zaun gehört. Man braucht nur das Warnschild des BGS anzuschauen, wo es steht
und so sieht man, dass der Zaun zur Westseite gehört.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#22

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 00:36
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Augenzeuge
Wem gehört eigentlich der Holzzaun? Etwa der DDR, die hier nichts mehr getan hat, weil er keinen Menschen mehr aufhalten konnte?






hoechstens waeren sie gestolpert und haetten einen Fuss verdreht...

Berliner


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#23

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 09:31
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von TOMMI
Zitat von Augenzeuge
Wem gehört eigentlich der Holzzaun? Etwa der DDR, die hier nichts mehr getan hat, weil er keinen Menschen mehr aufhalten konnte?


Sieht man doch, wem der Zaun gehört. Man braucht nur das Warnschild des BGS anzuschauen, wo es steht
und so sieht man, dass der Zaun zur Westseite gehört.


Sorry Tommi, da waren mir wohl schon die Augen vor Müdigkeit zugefallen. Hast natürlich recht.
So könnte man wunderbar von Ostseite argumentieren: Seht euch den zerfallenden, faulenden Kapitalismus an- so wie der Zaun, so das Land.


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#24

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 10:49
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Zitat von Jameson
Das bild ist schon hart, teilweise vergißt man den Anblick grauer zerfallender Städte mit der Zeit. Ich war 93 in Leipzig auf Montage und hab in leipzig Häuser gesehen, da haben nurnoch Parterre Leute gewohnt, da das Dach eingebrochen war und es in die unteren Etagen reinregnete. ...


Hallo Jameson,

das kann ich leider bestätigen. Eines der grundsätzlichen Probleme in Leipzig und auch anderswo bestand in den total undichten Dächern. Ich wohnte in Leipzigs Mitte in der Thomasiusstraße 21 in der erster Etage (heute ein top-saniertes Haus). Es waren gutbürgerliche Wohnungen mit einer Deckenhöhe von 3,60 m. In den 70-er Jahren begann der wirkliche Zerfall des Hauses. An der Außenfassade bröckelte der Putz weg. Unter der Tapete an diesen Wänden bildeten sich immer mehr Hohlräume. Ich konnte damals viele "soziale Studien" an Ameisen durchführen. Das war aber noch nicht allzu schlimm (damals - für uns). Schlimm wurde es, als an einer Innenwand das Wasser unter dem Putz durchgesickert kam. Das war auf ein Leck im Dach zurückzuführen. Wohlgemerkt: Wir wohnten im ersten Stock eines vierstöckigen Hauses. Im Obersten Stock war die gesamte Wand total durchnässt, danach wurde der Sickerstreifen immer schmaler, bis er bei uns "nur noch" die Breite von 1,5 bis 2 Metern hatte. Das war schon schlimm, aber noch nicht das Schlimmste. Wenn ich mich recht entsinne wurde das Haus 1986 baupolizeilich gesperrt. In den oberen 3 Etagen wohnte schon niemand mehr, konnte auch niemand mehr leben. Lediglich unse erste Etage und Parterre waren noch bewohnt. In den Etagen über uns wurden Fenster eingeworfen. Im Winter 1986/87 schneite es in die Zimmer über uns hinein. Als es taute, erwachte meine Tante eines Nachts von einem Knall in ihrem Schlafzimmer und einem nachfolgenden Plätschern. Ein Brocken Putz (ca. 5x5 cm) war von der Decke herausgebrochen und neben ihr Bett gefallen und nun ergoss sich ein Strahl schmutzigen Schmelzwassers auf ihren Fußboden. Das war aber noch nicht das Schlimmste. Im Frühjahr/Sommer 1987 brachen die Deckenbalken in der Küche von der Etage über uns durch. Etwa ein Viertel der Küchendecke (Raumgröße 6,5 x 2,5 m) hing jetz frei schwebend über der Küche. Im Oktober 1987 starb meine Großmutter, was allerdings nichts mit dem Zustand der Wohnung zu tun hatte. Kurz darauf bekamen meine Tante und ich, als letzte noch verbliebene Mieter des Hauses, Neubauwohnungen.

Ich selbst war zu dieser Zeit ja nur im Verlängerten Kurzurlaub in Leipzig. Da verbrachte ich bereits mehr Zeit bei meiner Mutter in deren Wohnung in der Fockestraße, aber auch die begann, die ersten Auflösungserscheinungen zu zeigen (die Wohnung!).

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 08.08.2009 10:52 | nach oben springen

#25

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 11:16
von CaptnDelta (gelöscht)
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Good Morning, Rainman2,

Danke fuer deine Story, was Du da beschreibst hab ich anfang 80 auch in "Leibschh" erlebt. Ich war da nur auf 'ner kirchlichen Rueste (sowas wie den Ausflug den man zur Jugendweihe auch hatte); der Zustand von Leipzig war praegend. Allerdings, es war fuer uns vom Lande immer noch das Paradies, wo es Sachen gab, die man sonst nie gekriegt hat.

Zu der ganzen Wohnungsgeschichte war's halt eben noch trauriger auf dem "flachen Land" (auch wenn's im Erzgebirge eher huegelig ist). Meiner Grossmutter hat so ein Haus gehoert, welches Stueck fuer Stueck verfallen ist. Sie hat nix dagegen machen koennen. Man hat sehen koennen wie die herzensgute Frau mit dem Haus mitgelitten hat, vor allem wenn man als Enkelkind eher unbedarfte Fragen stellt ("Oma, warum ist da ein Loch in der Treppe?"). Irgendwann war's dann doch soweit das sie ihrer Tochter gesagt hat: "Haut' endlich nach dem Westen ab".

-Th


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#26

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 12:54
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Wem gehört eigentlich der Holzzaun? Etwa der DDR, die hier nichts mehr getan hat, weil er keinen Menschen mehr aufhalten konnte?




Übrigens,die Aufnahme ist aus dem Südharz,Tettenborn-Mackenrode



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#27

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 17:02
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hallo,

ja, es gab schon schlimme Ecken in der DDR. Aber auch das Gegenteil, wie z. Bsb. Wernigerode und auch einige andere Städte. Das ging auch viel durch die Medien direkt nach der Wende.
Besonders schlimm war es in den Städten, die entweder jahrhunderte alte Bausubstanz hatten wie z. Bsp. Quedlinburg, Osterwieck, Stralsund und Naumburg fällt mir da spontan ein. Hier hatten die schlechten Zeiten der beiden Weltkriege und der Wirtschaftskriese schon ihre Spuren hinterlassen. Da sah es wirklich in einigen Teilen katastrophal aus. Die Bilder im Anfangsbeitrag sind da schon realistisch. Wie gesagt, in Quedlinburg, Naumburg, Osterwieck und Stalsund hab ich`s mit eigenen Augen gesehen! Da war aber auch das andere Problem, nämlich die Bausubstanz in den durch Bombenangriffe zerstörten Städten, wo Stadtteile die Zerstörung einigermaßen überstanden hatten. Hier wurde nur von der Substanz gelebt, weil einfach nichts da war. Baumaterial in Größenordnungen schluckte ja ab 1961 auch die Grenze! Und das bischen, was da war wurde für den Wiederaufbau der zerstörten Substanz dringender gebraucht. Das Fiasko begann dann so Anfang der 70-er, wie Raimann von Leipzig schon berichtet hat und am eigenen Leibe erfahren hat. Da wär eine Grundsanierung dringend notwendig gewesen, aber es war ja nichts da. Los ging das meißtens mit undichten Dächern, defekten Dachrinnen und so weiter. Wasser und Feuchtigkeit ist nun mal für Holz, Mauerwerk & Co Gift. Die niedrigen Mieten taten ihr übriges, die waren ja so niedrig, das es noch nicht einmal die Unkosten für eine laufende Minimalinstandsetzung reichte!

Da man das Problem aber an höherer Stelle, nämlich dem Politbüro erkannte, beschloß man kurzerhand das Wohnungsbauprogramm "Platte", sprich s. g. Trabantenstädte in Plattenbauweise, die relativ kostengünstig, schnell und in großer Stückzahl herzustellen waren. Das müßte so auf dem 7. oder 8. Parteitag des SED gewesen sein. So genau weiß ich das im Moment nicht mehr.
Die Altbausubstanz wurde mit diesem Parteiprogramm dann total vernachlässigt, teilweise waren ja schon die Mehrzahl dieser Häuser kaum noch bewohnbar. Da hat man sich oft schon zu DDR- Zeiten gefragt, wie in so manchem Haus überhaupt noch jemand wohnen konnte, von Zumutbarkeit mal ganz zu schweigen. Ganz besonder Krass empfand ich das immer in Halberstadt, Quedlinburg und Nordhausen. Da waren ja ganze Straßenzüge halbe Ruinenfelder, wo man sich nicht zu nießen traute, damit die Dachziegeln einen nicht auf den Kopf fielen...!

Die Bausubstanz vieler VEB- Betriebe und LPG-en sah auch nicht viel anders aus. Hier hat man nach den Nachkriegsenteignungen auch ewig nur von der Substanz gelebt, Planerfüllung war wichtiger, anderseits war auch hier für die Instandsetzung nur wenig Material da. Wenn manch VEB- Chef nicht auch so gut wie der kleine Mann hätte improvisieren können wär die Situation 1989 noch fataler gewesen.

Vielfach war es auch Bausubstanz, die durch die Flucht von DDR- Bürgern bis Anfang der 60-er in staatliche Verwaltung übergegangen waren. Auch hier waren die Verwalter total überfordert, es wurde wie überall eben nur der Mangel verwaltet...!

Traurig, traurig. Aber wenn man sich mal heute umschaut, es gibt nach wie vor schlimme Gegenden. In Meck- Pom ist mir das ganz besonders Krass aufgefallen. Da sind Dörfer, da sieht es schlimmer aus wie nach dem Krieg. Sieht man überhaupt noch Menschen, sind es Alte und Gebrechliche, die nicht mehr wegziehen wollen oder können. Ich glaub hier hat die Entscheidung im Einigungsvertrag, Rückgabe vor Entschädigung auch etwas mit zu tun. Streitigkeiten von Alteigentümern, meißtens Erben, die tatsächlich glaubten, Riesenvermögenswerte zu erben, sich jahrelang und vielleicht heute noch vor Gericht zanken und streiten. Kenne da einige Fälle und meine Familie hat es auch selbst erlebt...,
darüber aber ein andermal mehr!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 08.08.2009 17:05 | nach oben springen

#28

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 17:25
von Berliner (gelöscht)
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ich habe ein bisschen suchen muessen, aber fand die Bilder wieder. Mir haben sie vor ein paar Monaten geholfen, einen Blick in den damiligen Alltag zu bekommen.

War ernuechternd, die Stadt Wittstock vor der Wende: http://www.DDR-Bild.de-Wittstock

Diese Website wurde schon mal im Forum verlinkt, hol' sie aber wieder her.

Berliner


zuletzt bearbeitet 08.08.2009 17:29 | nach oben springen

#29

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 19:06
von manudave (gelöscht)
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Ich habe selbst als kleiner Bub immer diesen verfallenden Häusern gespielt - wir hatten ja genug davon in der Stadt. Wenn man mal
ein Gebäude saniert hat und außen etwas weniger grau angepinselt hat, fiel das schon sehr auf.

Ich hab mich immer gefragt, was für eine Mischung von Putz das in der DDR war. Der ist ja wirklich an jedem Haus abgebröckelt. Ich denke,
dieses "Graue Maus Dasein" der DDR kann man wirklich an den Häusern festmachen - die sahen einfach irgendwie fast alle genauso aus.


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#30

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 19:42
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Zitat von josy95
... Da man das Problem aber an höherer Stelle, nämlich dem Politbüro erkannte, beschloß man kurzerhand das Wohnungsbauprogramm "Platte", sprich s. g. Trabantenstädte in Plattenbauweise, die relativ kostengünstig, schnell und in großer Stückzahl herzustellen waren. Das müßte so auf dem 7. oder 8. Parteitag des SED gewesen sein. ...


Hallo josy,

das Wohnungsbauprogramm der SED wurde auf dem VIII. Parteitag 1971 beschlossen. Das war der Parteitag, bei dem Honecker seine Linie durchzusetzen begann. Die Investitionen in der Wirtschaft wurden stärker zurückgenommen zugunsten der neuen Hauptaufgabe: "Immer bessere Befriedigung der materielln und kulturellen Lebensbedingungen der Werktätigen." Das war zugleich der Beginn der Subventionspolik ohnegleichen. Das Problem mit dem Wohnungsbau wollte man nun endlich auch anpacken und fand, wie Du schon richtig geschrieben hast, eine augenscheinlich kostengünstige und schnelle Lösung. Die Wohnungsbaukombinate wurden auf diese Aufgabe eingeschworen. Dass damit alles verfügbare Material und alle verfügbaren Arbeitskräfte weg waren, stellte das eigentliche Dilemma dar. Ab Mitte der 80-er Jahre verfiel, glaube ich mehr Altbausubstanz, als in gleicher Zeit neu gebaut werden konnte. Ich erinnere mich noch an einen Appell der Tochter des ehemaligen Stadtkommandanten von Greifswald, Rudolf Petershagen. Dieser hatte die Stadt kampflos an die Rote Armee übergeben und so vor der Zerstörung bewahrt. Soweit ich mich erinnere stellte die Tochter nun an Erich Honecker die Frage, wozu ihre Vater dies getan hätte, wenn nun doch alles zerstört wird.

Da gab es übrigens keine Parteipolemik dagegen. Der Zustand der Städte war allen im Land bekannt.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 08.08.2009 19:42 | nach oben springen

#31

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 19:45
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von Jameson
Das bild ist schon hart, teilweise vergißt man den Anblick grauer zerfallender Städte mit der Zeit. Ich war 93 in Leipzig auf Montage und hab in leipzig Häuser gesehen, da haben nurnoch Parterre Leute gewohnt, da das Dach eingebrochen war und es in die unteren Etagen reinregnete. Ich war total geschockt und hätte das nie geglaubt, wenn mir das jemand erzählt hätte. Unsere Firma hat Wohnungen und Häuser saniert. Die Verantwortlichen in den Verwaltungen haben nur Aufträge erteilt, wenn man Ihre Wohnungen großzügig sanierte. Kaum zu glauben aber wahr.
Ahoi Jameson


solche straßen kannst du heute noch in leipzig sehen. die sehen immer noch so aus wie 1930 0der 1945.liegt aber wohl an den eigentümern oder zerstrittenen erbengemeinschaften.daran kann nach 20 jahren wohl nicht mehr die ddr schuld sein???


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#32

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 20:13
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

ok.dann mal aus dem nähkästchen. der marode zustand vieler häuser zu ddr zeiten war auch schon damals eine frage der eigentümer!!!!meine frau war zu ddr zeiten in einer abteilung der wohnungsverwaltung die ausschließlich häuser von leuten verwaltete die brd bürger waren.die waren nicht verstaatlicht!!! natürlich konnten die nur mit den erzielten mieten wirtschaften.und die waren nun mal seeeehr niedrig.da ging nicht viel mit sanierung.manche dieser häuser sehen heute aber noch schlimmer aus als früher...woher das wohl kommt?


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#33

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 20:21
von Berliner (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
das Wohnungsbauprogramm der SED wurde auf dem VIII. Parteitag 1971 beschlossen. Das war der Parteitag, bei dem Honecker seine Linie durchzusetzen begann. Die Investitionen in der Wirtschaft wurden stärker zurückgenommen zugunsten der neuen Hauptaufgabe: "Immer bessere Befriedigung der materielln und kulturellen Lebensbedingungen der Werktätigen."

hier ein Clip zum Thema VIII. Parteitag und Wohnungsbauprogramm.

Berliner




Quelle: Das war die DDR, Kapitel 2: In Fuersorge fuer das Volk


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#34

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 20:27
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo pitti,
findest du es wirklich fair, den damaligen Eigentümern der Häuser in der DDR eine Schuld an den nicht durchgeführten Sanierungen zuzuschreiben? Baumaterial für die Sanierung der Häuser gab es ja gar nicht.....vergessen? . Aufgrund der Wohnungsnot durften die Eigentümer ihr Haus nicht mal allein bewohnen. Sofern eine beziehbare Wohnung im Haus vorhanden war, kam der Staat und setzte jemanden rein. Passiert 1988!


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#35

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 20:38
von Berliner (gelöscht)
avatar

nur eine kurze Frage zu dem Clip oben, die mich immer gewundert hat.

Honecker, wenn er spricht, hat eine ganz bestimmte Aussprache.

Jeder weiss, dass er eine eher hoehere Stimme hat, das liegt glaube ich an ihm.

Aber was ich nicht verstehen kann ist, wieso er bei bestimmten Woertern immer nueschelt, z.B. "sozialpolitisch", "sozialistisch" oder "gesellschaftlich". Was mich besonders wundert ist, dass diese Woerte eigentlich ideologisch-vollgepackt sind, und daher fuer einen richtigen Kommunist, deutlich ausgesprochen gehoeren (oder?). War das irgendwie eine unterschwellige, nicht bewusste, Ablehnung seiner eigenen Ideologie, es hat ihm sozusagen geschaemt diese Woerte deutlich auszusprechen (ist schon weit hergeholt, ich weiss)?

Es ist nur eine Beobachtung, aber ich moechte schon gerne wissen, was Ihr dazu meint...

Berliner


zuletzt bearbeitet 08.08.2009 20:46 | nach oben springen

#36

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 20:47
von Augenzeuge (gelöscht)
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Nun, Honecker war Saarländer. Hier spricht man schon Dialekt. Ich habe mal jemanden aus dem Saarland kennengelernt, der sprach ähnlich wie er. Leider kam bei ihm hinzu, das sich das saarländische mit dem sächsischen etwas vermischt hat. Einfach katastrophal. Eine unterschwellige Ablehnung seiner Ideologie würde ich ihm nicht unterstellen wollen. Ich bin sicher, das er daran geglaubt hat, bis zuletzt.

Gruß, Augenzeuge


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#37

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 22:39
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Hallo pitti,
findest du es wirklich fair, den damaligen Eigentümern der Häuser in der DDR eine Schuld an den nicht durchgeführten Sanierungen zuzuschreiben? Baumaterial für die Sanierung der Häuser gab es ja gar nicht.....vergessen? . Aufgrund der Wohnungsnot durften die Eigentümer ihr Haus nicht mal allein bewohnen. Sofern eine beziehbare Wohnung im Haus vorhanden war, kam der Staat und setzte jemanden rein. Passiert 1988!

den eigentümer trifft keine schuld.er war ja im westen.da hast du mich falsch verstanden.nach der wende kamen sie alle und kriegten ihre häuser wieder,aber saniert haben sie trotzdem nicht.einige zumin destens


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#38

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 23:05
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Hallo Berliner,

danke für den Clip. Meinje, Harry Tisch - die alte Saufziege. Er war Chef des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). Was er da sagt, klingt schon zum Teil anders als sein Gerede zu DDR-Zeiten. Naja, Friede seiner Asche. Das Genuschel bei Honecker war auch zu DDR-Zeiten Quell vieler spöttischer Bemerkungen. Am einfachsten war es, seine Aussprache einfach nachzuahmen: Doööööööötsche Demmokraaaatsche Repeplk. Aber wenn wir mal wieder Raum haben für eine Verschwörungstheorie: Honeckers Sprachfehler als Ausdruck seines Widerstandes gegen ein System, an dessen Spitze er stand und das er, im Ergebnis seines Widerstandes auf meisterhafte Weise in den Ruin führte. Ja, das hat was.


ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#39

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 23:08
von Lore (gelöscht)
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Die Wohnraumsituation in der DDR war bis zum Greifen des Wohnungsbauprogramms wirklich schlimm.

Ich lebte von 1967 bis 1981 in Leipzig, zuerst untergebracht als Studentin in der Marschner Str. (Studentenwohnunterkünfte in einer Barackenstadt in der Nähe des Zentralstadions) – ca. 100 Studenten pro Baracke, 10 in jedem "Zimmer", Doppelstockbetten, jeder einen Spint, aber nur 8 Stühle pro Raum, eine Gemeinschaftsküche, ohne Kühlschrank, lediglich Elektrokochplatten und die meistens defekt; Gemeinschaftswaschraum - warmes Wasser nur am Abend usw.

Habe mir dann ein Zimmer in Untermiete gesucht, hoher Raum, 30 qm, mit Grudekoksofen, der nie richtig warm wurde – im Winter lausig kalt.

Schließlich besorgte ich mir eine sogenannte "Abrisswohnung" in der Leninstraße (zwischen Ostplatz und Technischer Messe), im oberen Bild das kleine Haus in Höhe der Straßenbahn, unteres Bild linkes Haus, erste Etage die linken drei Fenster. Als Studentenbude ideal – aber nach Abschluss des Studiums sollte ich an der Uni bleiben (vorgesehen als Entwicklungskader im Rahmen des Frauenförderungsprogramms).

http://www.bildercache.de/anzeige.html?d...-220149-521.jpg

Das Dach des Hauses war undicht, zum Schluss lief das Wasser bei Regen selbst durch die Treppe. Eines Abends stürzte der Schornstein im Erdgeschoss ein, wenige Tage später die tragenden Wände unter meiner Wohnung. Die Staatliche Bauaufsicht sperrte dann die Wohnung, setze Stützbalken unter meine Wände und beauflagte die Wohnraumlenkung, mir innerhalb von 10 Tagen neuen Wohnraum zuzuweisen.

Das war natürlich nicht drin, da sie einfach keine freien Wohnungen hatten – also ging ich wieder selbst auf Suche. Fand dann eine leerstehende Wohnung gleich in der Zillerstraße (auf dem Bild die Einmündung hinter dem Hauptstraßenzeichen), ganz oben unter dem nichtisolierten Dach, mit schrägen Wänden und einfachen Fenstern, ohne Bad sowieso, Toilette im Treppenhaus, Ostseite … Dach wieder nicht dicht!
Im Winter 1978 dann, der berühmte Eiswinter - wurde mein Sohn geboren am 20.12. – und am 28. kam dann die Horrorkälte. Ich konnte nur einen Raum beheizen und schaffte es maximal auf 15°C, das sind Erinnerungen, die man nicht vergisst.

1981 – mir wurde frühestens nach weiteren 3 Jahren in dieser Dachwohnung (bei Regen standen schon wieder überall Schüsseln rum, eine auch im Bett!) eine Plattenbauwohnung in Leipzig-Grünau (AWG) in Aussicht gestellt – gab ich dann auf, verzichtete auf eine Universitätskarriere und zog nach Schwerin. Dort erhielt ich mit dem Arbeitsplatz auch eine 2-Raum-Neubauwohnung in Lankow und kann mich noch heute an das entspannende Gefühl erinnern, als ich das erste Mal in meiner eigenen Wanne lag – herrlich!

Gruß Lore


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#40

RE: Ein marodes Land....

in DDR Bilder 08.08.2009 23:49
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Hallo Berliner,

danke für den Clip. Meinje, Harry Tisch - die alte Saufziege. Er war Chef des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). Was er da sagt, klingt schon zum Teil anders als sein Gerede zu DDR-Zeiten. Naja, Friede seiner Asche. Das Genuschel bei Honecker war auch zu DDR-Zeiten Quell vieler spöttischer Bemerkungen. Am einfachsten war es, seine Aussprache einfach nachzuahmen: Doööööööötsche Demmokraaaatsche Repeplk. Aber wenn wir mal wieder Raum haben für eine Verschwörungstheorie: Honeckers Sprachfehler als Ausdruck seines Widerstandes gegen ein System, an dessen Spitze er stand und das er, im Ergebnis seines Widerstandes auf meisterhafte Weise in den Ruin führte. Ja, das hat was.


ciao Rainman

Aha, dann weiss ich jetzt auch warum der immer "Sosalismus" sagte.

Uebrigens, auf der Gegenseite war der Kohl genauso ein Target, ("sozialistich")
-Th


zuletzt bearbeitet 08.08.2009 23:49 | nach oben springen



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