#1

Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 11:09
von DirkUK | 298 Beiträge

Ich erinnere mich unsere Betriebs feiern waren sehr schön und endeten immer im kollektiven Besäufnis.
Einmal machten wir einen Ausflug in die CSSR. Wir trafen uns am Bahnhof Lichtenberg. Unser FDGBler hatte schon vorgesorgt und vier Koffer Schließfächer mit Bier und Spirituosen einen Tag vorher bestückt .
Die Zugfahrt war dementsprechend feucht fröhlich.
An der Grenze angekommen waren die meisten von uns nicht mehr fähig ihre Pa's vorzuzeigen so das der PKE uns beinahe aus den Zug geschmissen hätte.
Wie waren Eure Erlebnisse mit Betriebsfeiern und Ausflüge ?


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#2

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 11:19
von Lutze | 8.039 Beiträge

war euch das nicht mehr als peinlich?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#3

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 11:28
von DirkUK | 298 Beiträge

Peinlich wurde es uns als der CSSR-Zoellner in der Kotze unseres Meisters stand.


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#4

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 11:49
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Toller Betrieb gewesen alle Achtung


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#5

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 12:13
von thomas 48 | 3.580 Beiträge

Ich war paar Jahre in der Abteilung als Kulturobmann tätig und habe schöne Veranstaltungen durchgeführt.
Auch mit Alkohol und Frauen, aber wir waren nie besoffen.
Thomas


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#6

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 12:14
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Betriebsfeiern gab es bei uns nicht, es nannte sich Brigadeabend.
Ich war aber nur zweimal dabei. Man musste zu sehr aufpassen wenn man was getrunken hat, wer neben einen steht, und vor allem was man sagt.
Ganz anders heutzutage, da wird keine ausgelassen


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#7

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 12:15
von Gelöschtes Mitglied
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Wie war es damals toll für unsere Herren des BGL . Sie hatten 3 tolle Tage zum Sattessen und Saufen . Ob Frauentagsfeier (Eintänzer wurden ja gebraucht ) nach dem Motto keine Feier ohne Meier . Was sich so vor und nach den Feierlichkeiten abspielte , das bekam man dann vom Buschfunk zu erfahren .
Wenn man 25 Jahre in einer Firma beschäftigt war , da passierte schon einiges . Abgesehen von den vielen Parteisekretären die vom Rat des Kreises bei uns eingesetzt wurden ,alle hinterließen so ihre Anekdoten .
Besonders war es bei uns so üblich , wenn die neue Inbetriebnahme eines Betriebteiles gefeiert wurde , da war manchmal so gar die Regierung des Bezirkes vorhanden .So war es immer üblich nach einer gewissen Zeit verabschiedeten sich die Herren von der Gesellschaft , nicht das ihr denkt sie fuhren nach Hause , ne,ne,ne . Da gab es irgentwo im Wald noch eine schöne abgelegene Jagdhütte , dort ging das gesaufe erst richtig los . Nur die Obrigkeit des Betriebes und die Vertreter der Regierung waren dort .
Die kleinen Rotgardisten mussten die Stimmung der Bertriebsfeier aufrecht erhalten .ratata


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#8

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 12:19
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #6
Betriebsfeiern gab es bei uns nicht, es nannte sich Brigadeabend.
Ich war aber nur zweimal dabei. Man musste zu sehr aufpassen wenn man was getrunken hat, wer neben einen steht, und vor allem was man sagt.
Ganz anders heutzutage, da wird keine ausgelassen



In was für einer komischen Brigade warst Du denn da ? Unsere Brigade war das Labor und die F/E-Abteilung. Nichts dergleichen, vonwegen mit der Hand vor´m Mund reden.
Heute gibt´s kaum noch Feiern. Die Betriebsfeier meiner westdeutschen Firma fiel etliche Male aus, aus "Kostengründen".



DirkUK hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.07.2014 12:21 | nach oben springen

#9

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 12:20
von Gelöschtes Mitglied
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[quote=Harra318|p373648]Betriebsfeiern gab es bei uns nicht, es nannte sich Brigadeabend.
Ich war aber nur zweimal dabei. Man musste zu sehr aufpassen wenn man was getrunken hat, wer neben einen steht, und vor allem was man sagt.
Ganz anders heutzutage, da wird keine ausgelassen
[/quote]

Kann ich eigentlich nicht sagen , wenn die richtig große Betriebsfeier ablief , dann wurden ab 23 h die schönsten Deutschen Stimmungslieder von der Kapelle gespielt , vom Polenstädtchen, warum ist es am Rhein so schön , Humba täterä . Da sang man sogar gemeinsam auf der Toilette weiter . ratata


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#10

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 12:31
von Gelöschtes Mitglied
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Warum trauern den viele die schönen Betriebsfeiern und Ausflüge nach . Auch die vielen Feiern in den Wohngemeinschaften .

Alles wurde doch nicht aus eigener Tasche finanziert , Da gab es doch bestimmte Summen die vom Betrieb zu Verfügung gestellt wurden . Wenn ich da noch zurückdenke, wie wir Vorgesetzten Prämien ausgeschrieben haben und von vertraute Kollegen abzeichnen ließen , Schrott während der Arbeitszeit aufbereitet und abgegeben haben . So manche 1000 Mark wurde so für diese Feierlichkeiten der Brigade , schwarz erarbeitet . Ratata

Alles zur materiellen und kulturellen Zufriedenheit des DDR Bürgers .

Denn hätte man gesagt , gib mal 50 Mark , wir wollen feiern , da hätte man wenige bei der Brigadefeier gesehen .


zuletzt bearbeitet 26.07.2014 12:36 | nach oben springen

#11

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 14:12
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Der Feierdruck kam zudem auch von mehreren Fronten.
Bei der DR wurde überwiegend am dritten Sonntag im Juni zum Tag des Eisenbahners und anläßlich des Tages der Republik offiziell zum Feiern eingeladen.
Zusätzlich hatten die Organisationen regelmäßig Anlaß, zur Feier einzuladen, bei der FDJ wurde das gemäß eines Kultur- und Bildungsplans abgewickelt, z. B. im Zusammenhang mit Wahlversammlungen, Sportfesten, Namens- und Titelverleihungen u.v.a., so daß man im Prinzip recht häufig mit den Kollegen im sogenannten gemütlichen Beisammensein (so hieß das wirklich auf der Tagesordnung) zusammenkam.
Dabei gab es eine gewisse Klientel, die regelmäßig dort zur Stelle war, wo die Katze mit dem Schwanz wackelte, wohingegen man andere niemals zu solchen Anlässen zu Gesicht bekam.
Brigadefeiern wurden auch als Tages- oder gar Mehrtagesfahrten vorgenommen, das alles habe ich in den wenigen Jahren meiner DDR- Biografie als Werktätiger miterleben dürfen.
Spektakuläre Besäufnissen, Schlägereien und anders gearteten Orgien habe ich nie beiwohnen dürfen/ können, oft wurden aber Kleinigkeiten zu spektakulären Geschichten uminterpretiert, das hat es auch gegeben und da mußte man nachträglich hin und wieder dazwischen grätschen, wenn jemand begann zu fantasieren aber wie gesagt, man war ja auch nicht überall.
Fast allen Veranstaltungen war gemeinsam, daß Geld kaum eine Rolle spielte und daß private Aktivitäten außerhalb Partei, Betriebsleitung, dem Sportverein in meinem Wahrnehmungsbereich nicht vorkamen, das war aber ab einer bestimmten Phase des geselligen Teils egal.
Die Feiern wurden ab und an auch dokumentiert, beispielsweise im Brigadebuch oder dem Rechenschaftsbericht der FDJ, dazu habe ich selbst einst als Chronist beigetragen und habe noch das Material in meinem zeitgeschichtlichen Fundus.
Spontane Zusammenkünfte ohne Plan waren aber bekanntlich auch Alltag im alten Staat, sehr gern erinnere ich mich daran wie die gesamte Brigade der Mittagschicht nach Feierabend noch zum Baggersee los zog, um dort bis zum Morgengrauen durchzufeiern oder man sich zu sogenannten Streckentreffen ( der Vierbrigadeplan der DR machte das möglich...alle hatten synchron laufende Dienste, egal ob auf dem Rangierbahnhof, dem Stellwerksbereich oder der Tankstelle/ Drehscheibe/ Lokleitung im Bahnbetriebswerk) verabredete, das waren die Ausnahmen von der Regel aber der Sozialismus war nunmal bunter als mancher es heute sehen will.



zuletzt bearbeitet 26.07.2014 18:51 | nach oben springen

#12

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 18:29
von küchenbulle | 196 Beiträge

Zitat von DirkUK im Beitrag #1
Ich erinnere mich unsere Betriebs feiern waren sehr schön und endeten immer im kollektiven Besäufnis.
Einmal machten wir einen Ausflug in die CSSR. Wir trafen uns am Bahnhof Lichtenberg. Unser FDGBler hatte schon vorgesorgt und vier Koffer Schließfächer mit Bier und Spirituosen einen Tag vorher bestückt .
Die Zugfahrt war dementsprechend feucht fröhlich.
An der Grenze angekommen waren die meisten von uns nicht mehr fähig ihre Pa's vorzuzeigen so das der PKE uns beinahe aus den Zug geschmissen hätte.
Wie waren Eure Erlebnisse mit Betriebsfeiern und Ausflüge ?




Hallo Leute !

Oja eine Zugfahrt nach Prag mit den Beschäftigten vom Großhandel- OGS wird mir immer in Erinnerung bleiben . Jeder hatte irgendwas schon
vorher gekauft und mitgebracht . Abfahrt war am Ostbahnhof ,ab Karlshorst hat die Mitropa aufgemacht ! Früh um 05:00 Uhr kamen wir in
Prag an oh wat waren wir besoffen . Zum Frühstück gings dann in irgendein Hotel ,es gab komischerweise neben Tee und Kaffee
auch Bier zur Stärkung (war irgendwas aus dem Hahn) Dann sind wir den ganzen Tag in Prag rumgeeiert und Abends gings wieder zurück .
Man waren wir fertig ,schon auf der Hintour höchstens 2 h geschlafen . Dann machte die Mitropa wieder auf und alles war wieder in Ordnung .
Achso das war auch mit Ehepartner und so ! aber einfach unvergesslich .


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#13

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 20:34
von PF75 | 3.294 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #6
Betriebsfeiern gab es bei uns nicht, es nannte sich Brigadeabend.
Ich war aber nur zweimal dabei. Man musste zu sehr aufpassen wenn man was getrunken hat, wer neben einen steht, und vor allem was man sagt.
Ganz anders heutzutage, da wird keine ausgelassen




Bei Brigadefeiern wurde schon mal das Bild von Erich von der Wand genommen und in die Ecke gestellt(so konnte er uns nicht mehr beobachten ) und zu vorgerückter Stunde "altdeutsches Liedgut" der Wehrmacht aus voller Kehle geschmettert und es wurde keiner wechgefangen hinterher.


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#14

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 20:39
von stutz | 568 Beiträge

LPG-Ausflug Ende der 60er
Damals gab's die heutige Reizüberflutung noch nicht, die Abeit in der Landwirtschaft oft noch ein Knochenjob und weiter als die Kirchturmspitze zu sehen war, sind die meisten und ganz besonders die Älteren nicht gekommen. Da bot der jährliche Ausflug manchmal eben ein willkommenen Anlass, die Sau raus zu lassen.
Der Bus hatte kaum Fahrt aufgenommen, da kreisten schon die ersten mitgebrachten Pullen und so ging das den ganzen Tag lang, unterbrochen von den anstehenden Mahlzeiten und etwaigen Besichtigungen.
Für den Tagesausklang hatte der Buchhalter, in einer recht ansprechbaren und gediegenen Bar, noch ein vergnügliches Tänzchen organisiert. Weil der Tag aber recht warm gewesen war und der konsumierte Alkohol nun auch seine Wirkung zeigte, plätscherte das Ganze so vor sich hin, es wollte keine rechte Stimmung aufkommen.
Mit meinem Kumpel und unseren Frauen beschlossen wir ein zweites leichtes Abendbrot einzunehmen. In die engere Wahl fielen dann flambierte Zigeunerspiesse. Alsbald erschien dann die Kellnerin mit einem Servierwägelchen, auf dem alles aufgebaut war und nun nahm das Schicksal seinen Lauf. Die meisten Anwesenden hatten so etwas noch nicht gesehen und die noch konnten, verfolgten interessiert das Geschehen.
Das Fleisch wurde mit Hochprozentigen übergossen und letztendlich angezündet. Das war nun zu viel, eine ältere Dame schrie "die lässt ja das Fleeesch verbrennen" und eine andere gleich "Feuer". Das wiederum erreichte einen tief im Sessel versunkenen schlummernden Ausflügler. Der riss in voller Geistesgegenwart, er war ein honoriges Mitgltied der örtlichen Feuerwehr, die Blumen aus einer Vase und wollte nun, in seinem Dusel das offene Feuer im Lokal löschen.
Die Kellnerin ihrerseits hieb nun mit einer Pfanne um sich, daß ja keiner den flammenden Zigeunerspiessen zu nahe kommt.
Eigendlich äusserst peinlich, aber wir lachen mit der Frau auch noch nach so vielen Jahren über diesen Fall, der jeder Slapstickszene aus Hollywood standgehalten hätte.


"Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk;
und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, ist die deutsche Nation.
Eine ritterliche, stolze und harte Nation." ( Ernst Thälmann )
DirkUK und CASI haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.07.2014 20:49 | nach oben springen

#15

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 21:47
von DirkUK | 298 Beiträge

1.Mai in Berlin. Kaum an der Tribüne in der Karl Marx Allee vorbei marschiert gings stur tracks rüber zum Alex zur nächsten Saufbude zum Maiumtrunk was für die meisten von uns der eigentliche Grund der Teilnahme war.


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#16

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 26.07.2014 21:51
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von DirkUK im Beitrag #15
1.Mai in Berlin. Kaum an der Tribüne in der Karl Marx Allee vorbei marschiert gings stur tracks rüber zum Alex zur nächsten Saufbude zum Maiumtrunk was für die meisten von uns der eigentliche Grund der Teilnahme war.


Habt sicher bei Bärenblut gearbeitet..


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#17

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 28.07.2014 18:10
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Moin moin,

in dem Laden für den ich gearbeitet habe gab es auch jede Menge Betriebsfeiern, 100 Jahre Bestehen, 50 Jahre bestehen des Betriebsteils, dann bis heute Gruppenfest, etc.

Bei der 100 Jahr Feier wurden alle nach München auf die Wiesn eingeladen, hin und zurück mit dem Flieger, 3 Tage Hotel.

Die 50 Jahre Feier fand in der Heide statt, auch hier mit Hotel. Die Gruppenfeiern sind in der Umgebung, es wird gegrillt,evtl. eine Kanutour, evtl. eine Besichtigung.

Bei allen Feiern dabei: Jede Menge Alkohol. Es wird solange gesoffen bis nichts mehr da ist. Einige Kollegen gelten als äußerst trinkfest....Da ich weder Alkohol vertrage und auch diese Besäufnisse nicht mag habe ich an keinem dieser Feste teilgenommen, lieber gearbeitet.

Man wird aber schief angesehen wenn man nicht mit trinkt.....hat der Mitarbeiter mit oder ohne Alkohol ein Problem (Alkoholiker)?

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
zuletzt bearbeitet 28.07.2014 18:11 | nach oben springen

#18

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 28.07.2014 21:03
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Betriebsfeiern gab es bei uns immer zu Fasching und zum Tag des Chemiearbeiters im November. 1.Mai und 7.Oktober als auch der Chemiearbeitertag waren Tage mit Betriebsversammlung und Auszeichnungen. Daß es feuchtfröhlich her gin, war klar, allerdings hatten wir wegen des Produktionsprofiles einen hohen Teil an Verwaltungskräften, viel Frauen dabei. Da wurde schon von Anfang an beobachtet, wer mit wem und wie eng tanzt und wen bestimmte Damen heute abschleppen. Alkoholmäßig blieb alles im Rahmen. Fasching wurde in der Firma, Chemiearbeitertag in einer Lokalität gefeiert. Wir waren ca. 200 Betriebsangehörige und ca. 150 waren immer dabei. Chemiearbeitertag war meist mit Ehepartnern, was die Stimmung doch etwas dämpfte. Man mußte schon etwas darauf achten, was der Eigene oder die Eigene nicht unbedingt wissen mußten. Dafür war Fasching um so mehr los. Das ging bis zu einem Brand am Faschingsmontag (Dienstags war immer die Feier). Unserem Chef war das sowieso immer ein Dorn im Auge und nun hatte er einen Anlaß, Faschingsfeiern im Betrieb nicht mehr zu genehmigen. Dazu muß ich sagen, daß unsere Firma mit Minol zu den feuergefährlichsten Betrieben im Umkreis gehörten. Es lagerten ständig so ca. 100 t brennbare Stoffe (Lösungsmittel, Klebstoffe) oberirdisch im Freien oder überdachten Lagern. Der Brand war reiner Zufall (Entzündung bei Befüllen eines Rührwerkes durch elektrostatische Aufladung), daß der Brand entstand. Zur Absicherung hatten sich jedesmal einige Kollegen bereiterklärt, auf dem Hof und dem Lager aufzupassen, daß sich kein angetrunkener Kollege dorthin verirrte. Nun, das war es dann mit Fasching, der Chef hatte entschieden.
Bei den Feiern zum Chemiearbeitertag gab es meist ein Buffet mit warmen und kalten Speisen. Allen bekannte "Experten" hatten natürlich ihre Folienbeutel mit, warteten mit dem Befüllen aber nicht bis zum Schluss, sondern packten sich gleich eine ordentliche Portion auf ihre Teller. Einer der Gründe, weshalb ich meinen BPO-Sekretär-Vorgänger innerlich immer verachtet habe war, daß er zu dieser Sorte Mensch gehörte.
Ich plaudere jetzt mal aus der Privatsphäre, aber es ist lange her und ich war damals noch mit einer Anderen verheiratet. Zu einer der Chemiearbeiterfeiern war ich allein. Eine der bekannten, eigentlich DIE bekannte Dame hatte ich auf dem Nachhauseweg im Schlepptau. Ihr war dauernd schlecht. So übergab ich sie auf dem Erfurter Anger einem anderen Kollegen, mit dem sie sowieso ziemlich den gleichen Weg nach Hause hatte. Was war ich froh. Am Folgetag wußte es der ganze Betrieb, daß sie zwar mit mir die Lokalität verlassen hatte, der andere Kollege aber den Rest der Nacht bei ihr verbracht hatte. Ansonsten wäre ich Betriebsgespräch gewesen und meine Damalige hätte es über Kurz oder Lang erfahren.
Eine weitere Feier war die Frauentagsfeier. Dafür gab es,wimre, schon mal einen Thread und ich schrieb, wie die so ablief. Ich war jedenfalls einer der wenigen Männer, die wegen ihrer Funktion mit eingeladen waren (Chef, BGLer,BPO, die Fachdirektoren) und von denen die Damen erwarteten, daß diese ordentlich das Tanzbein schwangen. Ich hatte jeden Tanz mitgenommen und NIE zwei mal mit der Gleichen und nicht nur mit den Schönen und Jungen, das war bei mir Prinzip. Auch da wurde von den Sitzenden genau registriert, wer mit wem wie tanzt, um sich dann die Mäuler zu zerreißen. War vielleicht auch ein bischen Neid oder weibliche Eifersucht dabei (warum tanzt er jetzt mit DER und nicht mit mir ?).
Weiterhin noch die häufigen Feiern der Brigaden, der FDJ, der Kampfgruppe, der Betriebsfeuerwehr, der Reservistengruppe und was weiß ich noch. Jede dieser Gruppen hatte im K u.S-Fonds (für die Altbundesdeutschen: Kultur- und Sozialfonds ) einen Betrag zur Verfügung. Die Brigadefeiern haben wir aus eigenem Interesse veranstaltet, aber natürlich war das auch ein Punkt im Kampf um den Titel "Brigade der soz. Arbeit", bei dessen Erringung es abermals finanzielle Zuwendungen gab.
Mit der Wende war Feierabend mit jeder Art betriebsbezogene feierliche Veranstaltungen, jedenfalls für einige Zeit. In meiner späteren Firma (zum gleichen Konzern gehörend) wurde einmal im Jahr eine Betriebsfeier durchgehört, i.d.R. aber ohne Ehepartner. In unserer Abteilung fand ein paar mal eine lockere Feier auf dem Grundstück eines Kollegen statt. Ich muß aber sagen, daß es da beileibe nicht steif zuging, wie mitunter über Betriebsfeiern in privatwirtschaftlichen Firmen gesagt wird. Ich hatte das Glück, in einem Team zu arbeiten, das relativ offen miteinander umging und keiner (so mir bekannt) einem an´s Bein gepinkel oder am Stuhl gesägt hat.



zuletzt bearbeitet 28.07.2014 21:11 | nach oben springen

#19

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 28.07.2014 22:11
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Betriebsfeiern, Ausflüge und so?

Näää, um so etwas mache ich seit eh und je einen großen Bogen. Ich konnte und kann auf dieses heuchlerische Cliquenwirtschaftsgetue gerne verzichten.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Betriebsfeiern und Ausflüge

in Leben in der DDR 29.07.2014 20:24
von Annakin | 526 Beiträge

[quote=DirkUK|p373640]Peinlich wurde es uns als der CSSR-Zoellner in der Kotze unseres Meisters stand.


Und wie hat der Zoellner reagiert?

Gruß Annakin


_____________________________________________________________________________________________________________
Wenn Du einen Feind nicht besiegen kannst, mache ihn zum Verbündeten.
zuletzt bearbeitet 29.07.2014 20:25 | nach oben springen


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