#41

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 08.08.2014 22:07
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von matloh im Beitrag #39
Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #27
Zitat von matloh im Beitrag #18
Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #17
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #15
"Ob das Volk in Russland die Macht hat, ich glaube es nicht, nur hier weiß ich das das Volk nicht die Macht hat..... "
.....dann kannst du dich ja wie zu Hause in der DDR fühlen du DDR Bürger.



gerade darum nicht

Dieser Beitrag grenzt zumindest an Geschichtsklitterung...

cheers matloh


das macht mich echt betroffen......

Zu Deinem Glück gilt §130 Abs. 4 StGB nur für eine der beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts.

cheers matloh


sonst noch etwas?


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#42

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 08.08.2014 22:17
von Granate | 132 Beiträge

holloh und ein geiles wochenende. sind wir nich ehrlich????? was geht uns fremder krieg an . was gehn uns fremde menschen an. was gehn uns fremde krankheiten an ,usw. auf der welt ist doch alles scheisse. unsere regierung ,lebt von unseren einnamen. die werden immer vetter. diese schweine. frau merkel kann nichts dafür was ihr die affen in in die wiege gelegt haben.



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#43

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 08.08.2014 22:21
von FRITZE (gelöscht)
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Zitat von Granate im Beitrag #42
holloh und ein geiles wochenende. sind wir nich ehrlich????? was geht uns fremder krieg an . was gehn uns fremde menschen an. was gehn uns fremde krankheiten an ,usw. auf der welt ist doch alles scheisse. unsere regierung ,lebt von unseren einnamen. die werden immer vetter. diese schweine. frau merkel kann nichts dafür was ihr die affen in in die wiege gelegt haben.



Nachdenken über Russland , kann man auch auf Deutschland übertragen !?


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#44

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 08.08.2014 22:42
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Granate im Beitrag #42
holloh und ein geiles wochenende. sind wir nich ehrlich????? was geht uns fremder krieg an . was gehn uns fremde menschen an. was gehn uns fremde krankheiten an ,usw. auf der welt ist doch alles scheisse. unsere regierung ,lebt von unseren einnamen. die werden immer vetter. diese schweine. frau merkel kann nichts dafür was ihr die affen in in die wiege gelegt haben.



Nicht nur deine Regierung, auch ein guter Teil der Menschen hier im Forum! Die leben aber nicht von deinen Einnahmen sondern von deinen Steuern, ist zumindest ein geringfügiger Unterschied. Auch alles Schweine hier? Vetter wird man nur einmal und dass kann man dann nicht mehr steigern, höchstens mengenmäßig.


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#45

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 08.08.2014 23:35
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #2



Irgendwie tut mir die vergeudete Zeit jetzt schon ein wenig leid. Es ist zwar recht nett damit die nie fertig werden, aber in der Summe ist es doch eher langweilig und das marode Heizungssystem da in Russland hat Moskwitschka uns ja erste die Tage näher gebracht. Der Artikel war wenigstens recht interessant, der Film hier mutet seltsam historisch an. Alte Technik und Arbeitsproduktivität hoch zehn, so hätte sich die Szene wohl auch in der DDR abgespielt haben können?


zuletzt bearbeitet 08.08.2014 23:36 | nach oben springen
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#46

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 09.08.2014 09:21
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich fand den Film schon gesellschaftskritisch. Und er wirkte deswegen auf mich überzeugend, weil er leise daherkam.

Und das ist der Punkt. Ich verbinde tishe nicht mit Ruhe oder Stille, sondern mit leise. In Abhängkeit der Situation kann es ruhig, langsam, sachte, verstohlen, gedämpft, geräuschlos oder auch ruhig oder still bedeuten. Und diese unterschiedlichen Interpretationen dieses Wortes hat der Künstler in Szene gesetzt. Und das leise ohne Worte. Ohne laute Kritik an menschlichen Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Erscheinungen. Und in vielen Szenen können wir uns selbst wiederentdecken. Daher brührt mich dieser Film auch. Wie ich zu diesem Eindruck komme, möchte ich an drei Szenen versuchen darzustellen.

Da ist die Szene mit dem Liebespaar, dass mitten in der riesigen Pfütze steht, das von dem Loch in der Straße verursacht wurde und küsst. In dem Moment, wenn wir persönlich glücklich sind, vergessen wir alles um uns herum. Da kann es Kriege geben, da kann es in unmittelbarer Nachbarschaft Unglücke geben, da kann es Naturkatastrophen geben, da kann es Unzulänglichkeiten im Alltag geben. Aber was interessiert uns das alles, wenn man verliebt ist, einen Menschen gefunden hat, dem man Liebe gibt und von dem man Liebe bekommt? Ein wichtiges Grundbedürfnis der Menschen, das wenn es sich erfüllt, alle anderen Bedürfnisse nebensächlich werden. Zumindest für einen Moment. Und so ist es einem dann auch egal, wenn man in einer Pfütze steht. Kritikwürdig wird es erst, wenn die persönlichen Bedürfnisse das gesamte Denken und Leben einnehmen und einem die Umwelt total egal wird.

Oder die Szene mit dem Bagger, bei dem der Baggerfahrer krampfhaft versucht mit der Schaufel einen Ziegelstein zu erfassen. Es stehen mehrere Menschen drumherum und beobachten die Szene. Spontan dachte ich an "Arbeiterdenkmal". Die Arbeitsabläufe sind vorgegeben, also hält man sich dran. Bei ein wenig Eigeninitiative, hätte man mit den eigenen Händen den Stein aufheben können und die Sache wäre sekundenschnell erledigt. Aber warum schnell, wenn es langsam geht? Im ersten Moment ist die Szene witzig. Auf den zweiten Blick zeugt sie aber von wenig Solidarität. Lass sich den anderen quälen, es ist doch nicht mein Ding. Beobachten wir das nicht selbst oft genug im Alltag?

Die Schlüsselszene ist die mit dem Mütterchen und ihrem Hund. Ob der Hund nun "leise" heißt sei mal dahingestellt. Wer schon mal einen Hund hatte, der weiß, dass er nicht auf den Namen hört, sondern auf die Stimme und den Tonfall von Frauchen oder Herrchen. Das Mütterchen wird wahrscheinlich immer wieder in der Wohnung ermahnen - leise, leise, leise - damit das Bellen des Hundes nicht die Nachbarn erzürnt. Und so ruft sie ihn dann auch - leise - leise - leise. Und was macht der Hund? Er kommt nicht leise daher, sondern schnell und laut bellend. Und was macht das Mütterchen? Macht ganz schnell die Tür zu, damit er auch ja keine Aufmerksamkeit erregt.

So unterschiedlich können Bilder auf einen wirken. Und Kunst ist ja auch frei interpretierbar. Zumal dieser Film ohne Worte auskommt. Eben leise und liebevoll. So wie auch Kritik sein kann, ob an dem Menschen den man liebt oder das Land in dem man lebt. Zumal viele Verhaltensweisen uns selbst nicht fremd sind.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 09.08.2014 09:41 | nach oben springen
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#47

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 09.08.2014 11:58
von schnatterinchen (gelöscht)
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Warum ist der Film gesellschaftskritisch?
Weil er Alltag zeigt?
Ein Russe würde vielleicht sagen was soll das, ist doch normal.


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#48

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 09.08.2014 12:02
von Pit 59 | 10.127 Beiträge

Ich habe sehr Oft den Spruch gehört "Das ist doch Russenkram " also wenn irgendetwas nach einer "Spezialtechnologie" gefertigt wurde


zuletzt bearbeitet 09.08.2014 12:03 | nach oben springen
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#49

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 09.08.2014 12:05
von FRITZE (gelöscht)
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Zitat von Pit 59 im Beitrag #48
Ich habe sehr Oft den Spruch gehört "Das ist doch Russenkram " also wenn irgendetwas nach einer "Spezialtechnologie" gefertigt wurde


So in etwa ? "Aus einem Stück gefeilt !"


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#50

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 09.08.2014 12:19
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #46
Ich fand den Film schon gesellschaftskritisch. Und er wirkte deswegen auf mich überzeugend, weil er leise daherkam.

Und das ist der Punkt. Ich verbinde tishe nicht mit Ruhe oder Stille, sondern mit leise. In Abhängkeit der Situation kann es ruhig, langsam, sachte, verstohlen, gedämpft, geräuschlos oder auch ruhig oder still bedeuten. Und diese unterschiedlichen Interpretationen dieses Wortes hat der Künstler in Szene gesetzt. Und das leise ohne Worte. Ohne laute Kritik an menschlichen Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Erscheinungen. Und in vielen Szenen können wir uns selbst wiederentdecken. Daher brührt mich dieser Film auch. Wie ich zu diesem Eindruck komme, möchte ich an drei Szenen versuchen darzustellen.

Da ist die Szene mit dem Liebespaar, dass mitten in der riesigen Pfütze steht, das von dem Loch in der Straße verursacht wurde und küsst. In dem Moment, wenn wir persönlich glücklich sind, vergessen wir alles um uns herum. Da kann es Kriege geben, da kann es in unmittelbarer Nachbarschaft Unglücke geben, da kann es Naturkatastrophen geben, da kann es Unzulänglichkeiten im Alltag geben. Aber was interessiert uns das alles, wenn man verliebt ist, einen Menschen gefunden hat, dem man Liebe gibt und von dem man Liebe bekommt? Ein wichtiges Grundbedürfnis der Menschen, das wenn es sich erfüllt, alle anderen Bedürfnisse nebensächlich werden. Zumindest für einen Moment. Und so ist es einem dann auch egal, wenn man in einer Pfütze steht. Kritikwürdig wird es erst, wenn die persönlichen Bedürfnisse das gesamte Denken und Leben einnehmen und einem die Umwelt total egal wird.

Oder die Szene mit dem Bagger, bei dem der Baggerfahrer krampfhaft versucht mit der Schaufel einen Ziegelstein zu erfassen. Es stehen mehrere Menschen drumherum und beobachten die Szene. Spontan dachte ich an "Arbeiterdenkmal". Die Arbeitsabläufe sind vorgegeben, also hält man sich dran. Bei ein wenig Eigeninitiative, hätte man mit den eigenen Händen den Stein aufheben können und die Sache wäre sekundenschnell erledigt. Aber warum schnell, wenn es langsam geht? Im ersten Moment ist die Szene witzig. Auf den zweiten Blick zeugt sie aber von wenig Solidarität. Lass sich den anderen quälen, es ist doch nicht mein Ding. Beobachten wir das nicht selbst oft genug im Alltag?

Die Schlüsselszene ist die mit dem Mütterchen und ihrem Hund. Ob der Hund nun "leise" heißt sei mal dahingestellt. Wer schon mal einen Hund hatte, der weiß, dass er nicht auf den Namen hört, sondern auf die Stimme und den Tonfall von Frauchen oder Herrchen. Das Mütterchen wird wahrscheinlich immer wieder in der Wohnung ermahnen - leise, leise, leise - damit das Bellen des Hundes nicht die Nachbarn erzürnt. Und so ruft sie ihn dann auch - leise - leise - leise. Und was macht der Hund? Er kommt nicht leise daher, sondern schnell und laut bellend. Und was macht das Mütterchen? Macht ganz schnell die Tür zu, damit er auch ja keine Aufmerksamkeit erregt.

So unterschiedlich können Bilder auf einen wirken. Und Kunst ist ja auch frei interpretierbar. Zumal dieser Film ohne Worte auskommt. Eben leise und liebevoll. So wie auch Kritik sein kann, ob an dem Menschen den man liebt oder das Land in dem man lebt. Zumal viele Verhaltensweisen uns selbst nicht fremd sind.

LG von der Moskwitschka







1. fett:
....und ich habe diese Szene als eine (zufällige!) Parabel über die Liebe aufgefasst :-)
.

2. fett
Ja.


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#51

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 13.08.2014 14:18
von chantre | 425 Beiträge

Nachdenken über Russland, ich finde ein gutes Thema.
Vor einiger Zeit fiel mir mein Taschenwörterbuch wieder in die Hände. Das hatte ich stets bei mir in der Kartentasche als ich noch auf dem Güterbahnhof Dresden-Neustadt Streife lief. Innen auf dem Einband die Adressen von einigen Angehörigen der GSSD, die dort als Ladekolonne eingesetzt waren. Oft saßen wir zusammen und unterhielten uns bei einer Zigarette über „Gott und die Welt“.
Besonders gut erinnere ich mich an Nikolai Ostaptschuk und Wolodja Karpinski. Beide traf ich nach ihrem Grundwehrdienst wieder. Nikolai wurde im Frühjahr 1973 entlassen. Er besuchte mich während meines Aufenthaltes in Sotschi-Adler, wo er mit Familie lebte und als Kranführer beim Bau arbeitete. Wolodja , ebenfalls im Frühjahr 73 entlassen, konnte ich 2 Jahre später als Fähnrich wieder in Dresden begrüßen. Es sind jetzt viele Jahre ins Land gegangen und manchmal frage ich ich, was ist aus ihnen geworden?
Als nach der Wende, die Einheiten der GSSD abgezogen wurden, verlud man diese komplett auf Transporte und schickte sie im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste. Ich weiß von einer Transporteinheit, deren Offiziere sich mit Lkw wieder auf den Weg nach Deutschland machten und ihre ehemalige Kaserne plünderten. Sie bauten alles ab, was man irgendwie verwenden konnte und was man zum Überleben am neuen „Standort“ brauchte.
Mein erstes Zusammentreffen mit den Soldaten, war aber schon am Beginn meiner Schulzeit. Ich wohnte am Stadtrand von Dresden. Dort wurde durch die Wismut Uran abgebaut. Eines Tages begann man mit SIL-Kippern den Abraum durch unsere Strasse zu fahren. Einige hundert Kipper am Tag und in der Nacht. Die Fahrer waren sowjetische Soldaten. Für uns Kinder das große Abenteuer, den wir durften öfter mal mitfahren.
Soviel erst mal zur Einleitung und als Begründung, warum ich eine besondere Beziehung zu diesem Land und zu den Menschen habe.
Später war ich einige Male als Tourist mit Reisegruppen (Jugendtourist) oder als einzelreisender Tourist ( ja auch das gab es) in Moskau und Umgebung, in Karelien, Kaukasus, sowie in Abchasien.
Mein Bild von der Sowjetunion war und ist geprägt, von meiner Erziehung, aber auch vom eigenem Erleben und Miteinander.
Auf einer Reise 1978 im Winter durch das Wladimirsker Gebiet hatte ich ein Gespräch mit unserem Busfahrer. Busfahrer war in der Sowjetunion ein angesehener und gut bezahlter Beruf. Im Gespräch kamen wir auch auf das Leben, auf die Bedürfnisse zu sprechen. Mich beeindruckte dabei ein Satz besonders: „Weißt Du was das wichtigste im Leben ist? Das ist der Frieden, ohne ihn nutzt aller Wohlstand nichts.“ Dieser Satz einfach ohne großes agitatorisches Pathos, einfach so in einer normalen Unterhaltung eingeflossen, hat mich zutiefst berührt.
Mein Bild vom Sowjetreich bekam Kratzer, als ich nach der Wende Archipel GULAG las. Das konnte doch nicht sein. Das durfte nicht sein. Und dann sah man die ersten Bilder, Filmsequenzen. Und ja es war so. Man übertrug Archipel GULAG auf Hohenschönhausen, Hoheneck und Bautzen. Ich kaue heute noch schwer dran. Sicher ist es einfach zu sagen, das war Stalin. Ja, er war der Kopf der Führer, aber tausende bildeten den Körper, waren Handlanger, Claqueure. Solschenizyn hat einen großen Spiegel vorgehalten. Ich ziehe Vergleiche zur Gegenwart und zum Niedergang der DDR, aber ehrlich, Antworten finde ich auch nicht immer.
Vieles geht einem durch den Kopf, wenn wir heute über Putin, aber auch über andere Beteiligte an den aktuellen Konflikten, urteilen wollen.
Wir können uns bequem zurücklehnen. Es gibt ja Historiker, Gesellschaftswissenschaftler und Soziologen die uns heute mittels moderner Medien sagen, was und warum so gekommen ist . Das ist für mich zu einfach. Ich lasse nicht denken, ich denke noch selbst. Ich leiste mir den Luxus einer eigenen Meinung, auch wenn sie nicht immer gruppenkonform ist. Alles das geht mir durch den Kopf, wenn ich hier im Forum einige Threads verfolge.

Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, was wäre aus mir geworden, wenn ich 30 Jahre eher oder an einem anderen Ort geboren wäre.
Glücklich der, der darauf eine Antwort weiß.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
grenzgänger81, Rothaut, matloh, DoreHolm und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.08.2014 14:52 | nach oben springen
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#52

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 13.08.2014 15:10
von grenzgänger81 | 968 Beiträge

@cantre
Ja ich finde es sehr unanständig,wie sich einige User im Globalen Netz über Russland äußern..
Dennoch finde ich es genau so verwerflich ,alles hinzunehmen und für bare Münze zu halten ,was in Russischen Medien proklamiert wird.
Egal wie finde ich deinen Beitrag treffend
Danke !!!
Im übrigen war ich nur 4 mal im Russland ,bin kein kennner der Russische Szene,8 mal in der Ukraine also auch keiner
Bin aber dafür nicht mit irgend welchen Reisegruppen vorgeführt worden ,sondern war auf dem Flachen Land , nicht in den Schönen Touristen Städten,sondern auch dort wo die Not am grössten ist.
Krankenhäuser,deren Ausstattung ,ich kann es nicht fassen,Kinderheime .....!
Habe mich mitreisen lassen zu helfen,da mich die ganze Situation sehr mitgenommen hat.
Ich bin heute noch enttäuscht,wieviel Steine uns in den Weg gelegt wurden,schon an der Grenze.
(Eure Sachspenden brauchen wir nicht)aber die EURONEN nehmen wir Natürlich Dankend entgegen !
Sagt eigentlich alles !! ich werde das auch nicht weiter vertiefen,das Kapitel ist für mich beendet.
Nur eines verwundert mich sehr,in anbetracht der Tatsache : Wie Herr Putin auch noch Medizinische Produkte Sanktioniert ist mir schleierhaft !
Ob er denn wirklich mit offenen Augen durch sein Land läuft.


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#53

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 14.08.2014 15:24
von chantre | 425 Beiträge

Ich bringe diesen Beitrag einfach mal hier unter, weil die Atlantikcharta das Ergebnis von Gesprächen Churchills und Roosevelts auf dem HMS Prince of Wales unter dem Eindruck des Überfalls Deutschland auf die Sowjetunion, ist.

Die Atlantik-Charta vom 14. August 1941

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Ministerpräsident Churchill, als Vertreter der Regierung Seiner Majestät im Vereinigten Königreich, erachten es als ihr Recht, einige allgemeine Prinzipien der Politik ihrer Länder bekanntzugeben, Prinzipien, auf deren Verwirklichung sich ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft der Welt gründen.

1. Ihre Länder streben keinerlei Bereicherung an, weder in territorialer noch in anderer Beziehung.
2. Sie wünschen keinerlei territoriale Veränderungen, die nicht im Einklang mit den in voller Freiheit ausgedrückten Wünschen der betroffenen Völker stehen.
3. Sie achten das Recht aller Völker, sich jene Regierungsform zu geben, unter der sie zu leben wünschen. Die souveränen Rechte und autonomen Regierungen aller Völker, die ihrer durch Gewalt beraubt wurden, sollen wiederhergestellt werden.
4. Sie werden, ohne ihre eigenen Verpflichtungen außer Acht zu lassen, für einen freien Zutritt aller Staaten, der großen wie der kleinen, der Sieger wie der Besiegten, zum Welthandel und zu jenen Rohstoffen eintreten, die für deren wirtschaftliche Wohlfahrt vonnöten sind.
5. Sie erstreben die engste Zusammenarbeit aller Nationen auf wirtschaftlichem Gebiete, eine Zusammenarbeit, deren Ziel die Herbeiführung besserer Arbeitsbedingungen, ein wirtschaftlicher Ausgleich und der Schutz der Arbeitenden ist.
6. Sie hoffen, dass nach der endgültigen Vernichtung der Nazi-Tyrannei ein Frieden geschaffen werde, der allen Völkern erlaubt, innerhalb ihrer Grenzen in vollkommener Sicherheit zu leben, und der es allen Menschen in allen Ländern ermöglicht, ihr Leben frei von Furcht und von Not zu verbringen.
7. Dieser Friede soll allen Völkern die freie Schifffahrt auf allen Meeren und Ozeanen ermöglichen.
8. Sie sind von der Notwendigkeit überzeugt, dass aus praktischen wie aus sittlichen Gründen alle Völker der Welt auf den Gebrauch der Waffengewalt verzichten müssen. Da kein Friede in Zukunft aufrechterhalten werden kann, solange die Land-, See- und Luftwaffen von Nationen, die mit Angriff auf fremdes Gebiet gedroht haben oder damit drohen können, zu Angriffszwecken benutzt werden können, halten sie bis zur Schaffung eines umfassenden und dauerhaften Systems allgemeiner Sicherheit die Entwaffnung dieser Nationen für notwendig. Ebenso werden sie alle Maßnahmen unterstützen, die geeignet sind, die erdrückenden Rüstungslasten der friedliebenden Völker zu erleichtern.[3]
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Charta

Der geneigte User vergleiche die Aussagen der Politiker aus dem Jahre 1941 mit ihren Handlungen nach 1945, wobei ich Roosevelt ausschließe. Er starb am 12. 04.1945.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
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#54

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 16.08.2014 13:07
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich denke zwangsläufig viel über Russland nach. Doch fällt mir schwer in diesen aufgeheizten Zeiten meine Gedanken in Worte zu fassen. Nicht zuletzt weil es sehr viel Kraft kostet manche Kommentare, ob nun hier oder in den Medien, zu ignorieren. Da stehen mir dann beim Schreiben meine unterdrückten Emotionen im Weg. Viele interessante Themen, wie zum Beispiel die Geschichtsaufarbeitung in Russland in den letzten 25 Jahren, werden von aktuellen Entwichlungen bzw. der damit einhergehenden Sichtweise überdeckt.

Daher heute nur ein aktueller Artikel zum Nachdenken.

Ein Plädoyer für sachliche ­Beziehungen zu Russland - aus der Schweiz

Wie muss der Westen, wie muss die Schweiz mit Russland umgehen? Diese Frage wird gegenwärtig verdrängt, sie verliert sich hinter halbstarken Gesten eines politischen Rabaukentums, das den Russen und ihrem autokratischen Präsidenten Putin mit immer neuen Sanktionen droht. Ich halte ­diese Konfrontations- und Eskalationsrhetorik aus dem Kalten Krieg für falsch. Sie treibt die Russen erstens in die Arme der Chinesen. Und sie enthält zweitens keine aussichtsreiche Perspektive auf ein vernünftiges Verhältnis zwischen Russland und dem Westen.

Keine Missverständnisse: Russland ist wie ­jede Grossmacht ein Raubtier, zu dem man ­ausreichend Abstand halten muss. Die Essenz der russischen Geschichte ist Unterdrückung, auto­kratische Herrschaft und territoriale Expansion. Daran ändern die gewaltigen kulturellen Leistungen nichts. Seit seiner Gründung 862 nach Christus in der heutigen Ukraine wird Russland von mehr oder weniger aufgeklärten Diktatoren beherrscht, die sich oft durch eine auch im Zeitkontext auffällige Neigung zur Grausamkeit auszeichneten. Selbst der im Namen des Volkes errichtete Kommunismus war im Grunde nur eine Untervariante dieses rus­sischen Zarentums, das heute in Putin modernisiert und rechtsstaatlich immerhin eini­ger­mas­sen gebändigt wiederauflebt.

Das müssen die Russen sehen: Die vielen Vorbehalte, die ihnen aus dem Westen entgegenschlagen, haben sie sich selber eingebrockt. Der Doppeladler im Landeswappen mag nach Westen und nach Osten gleichzeitig blicken. Für viele im Westen aber bleibt Russland ein unberechenbares Mischwesen aus der asiatischen Steppe. Der mörderische Kommunismus liegt noch nicht so lange zurück, als dass man ihn vergessen hätte. Gulag und Massenmorde sind keine Details der Weltgeschichte. Die Russen haben in Osteuropa während des Kalten Kriegs derart gewütet, dass die einstigen Trabanten ihre sehnsüchtig erlangte Unabhängigkeit aus Sicherheitsgründen bereits wieder aufgaben, um unter den Schutzschirm der EU und der Nato zu kriechen. Es ist nicht einfach so, dass die Russen Opfer westlicher Missverständnisse wären, wie ungerecht und einseitig manche Einschätzungen auch immer sein mögen.

Die Frage allerdings lautet: Wie sehr sollte der Westen sein realpolitisches Verhalten gegenüber dem heutigen Russland von seinen historisch sicherlich begründeten antirussischen Feindbildern leiten lassen? Wie sinnvoll ist es, die gefühlsmässige Ablehnung zum Ausgangspunkt einer Politik zu machen, die jetzt auf die Lösung des konkreten Konflikts in der Ukraine zielen sollte? Ganz einfach gefragt: In welches Verhältnis will sich der Westen mittel- bis langfristig gegenüber Russland setzen? Will man die Russen in eine Frontstellung gegen den Westen bringen? Soll Russland auf dem Sanktionsweg gewaltsam verwestlicht werden? Zielt die westliche Politik letztlich darauf ab, den aktuellen russischen Präsidenten Wladimir Putin durch wirtschaftliche Kriegsmassnahmen aus dem Amt zu kippen? Oder, ganz anders, wäre es nicht besser, die Rus­sen in eine konstruktive Beziehung zum Westen zu bringen? Eindeutig Letzteres!

Die Weltgeschichte ist eine Abfolge von Miss­verständnissen. Ja: Russland ist ein autokratisch regiertes, in vielerlei Hinsicht unwestliches, ja womöglich antiwestliches Land. Putin ist alles andere als ein «lupenreiner ­Demokrat». Gleichzeitig aber ist ebenso wahr: Die Russen sehnen sich nach der Anerkennung des Westens. Russland hat über Jahrhunderte vor allem mit Deutschland hervorragend zusammengearbeitet, den Teufelspakt zwischen Hitler und Stalin natürlich ausgeklammert. Ohne westliches Personal und Technologie ist Russland bis heute nicht in der Lage, sich selber zu industrialisieren. Die Russen wiederum sehen sich als mehrfachen Retter Europas im Kampf gegen grössenwahnsinnige Eroberer wie Napoleon und Hitler. Millionen Russen verloren in diesen Kriegen ihr Leben. Die christliche Tradition des Landes reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Im Wort «Zar» klingt der altrömische Titel «Cäsar» nach. Über alle Differenzen hinweg gibt es kulturelle, poli­tische und wirtschaftliche Gemeinsamkeiten zwischen Russland und dem Westen. Die ­Rus­sen sind ein stolzes, melancholisches und empfindliches Volk, das einen berechtigten Anspruch auf Respekt anmeldet.

Moralismus ist auch die Unfähigkeit, sich auf andere Standpunkte einzulassen. Der Moralist verabsolutiert seine Vorstellungen von Gut und Böse, um sich über das zu stellen, was ihm fremd erscheint. Moralismus, nicht Realismus prägt derzeit die Aussenpolitik des Westens ­gegenüber Russland. Historische Erfahrungen des Einvernehmens werden ausgeblendet. Die realen Möglichkeiten einer Verständigung und eines Zusammenfindens geraten aus dem Blick. Die USA drängen auf Konfrontation. Die Europäer scheinen zu schwach, um eine eigene Position zu markieren. Auf keinen Fall darf sich die neutrale Schweiz in diesen Showdown hineinziehen lassen.

Der Ukraine-Konflikt wirft am Ende die vom Schweizer Botschafter in Berlin, Tim Guldimann, skizzierte Frage auf, wie man Russland langfristig in eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur in Europa einbinden kann. Was machen wir mit den Russen? Ziel der Di­plo­ma­tie kann es nicht sein, Russland wegzustossen. Man muss Russland ins Boot zurückholen. Es ist vernünftig, dass der Westen sein grosses Misstrauen zum Ausdruck bringt und sich auch militärisch rückversichert. Eindämmung aber muss mit Dialog auf der Grundlage historischer Gemeinsamkeitserfahrungen ergänzt werden. Dieser Ansatz fehlt bis jetzt. Ist Angela Merkel die brillante Politikerin, die viele in ihr sehen, wird sie die EU in diese ­Richtung bringen? Vielleicht kann die neutrale Schweiz durch Gute Dienste einen Beitrag zur Entmoralisierung leisten.


http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-33...abe-332014.html

LG von der Moskwitschka


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#55

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 16.08.2014 14:03
von Barbara (gelöscht)
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Über deinen Beitrag bzw. den Artikel möchte ich erstmal in Ruhe nachdenken, denn er wirft viele verschiedene Schichten auf.

Nur soviel schonmal:
Wenn du erlaubt: zu deinem "zwangsläufigen Nachdenken": du liebst Russland, es ist Teil deiner Identität, so verstehe ich deine Beiträge, die mich deshalb immer berührt haben.

Dass ein Schweizer sich solcherart als Mittler zwischen zwei vermeintlich unversöhnlichen Weltsichten anbietet (der gute Wille sei anerkannt), hat mich etwas lächeln lassen.
Ich würde ihm gerne zurufen: das was uns - alle - eint, ist, dass wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Nationalismen eine ungeahnte Reanimation erfahren, das trifft auch auf die Schweiz zu. Die Ausprägungen sind unterschiedlich, aber das Phänomen ist dasselbe und wir müssen uns fragen, warum das so ist - gemeinsam und tabulos.


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#56

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 16.08.2014 15:19
von furry | 3.562 Beiträge

Im Thread zum Tod von Peter Scholl-Latour wäre es aus meiner Sicht unpassend, aber hier sollte eines seiner letzten Interviews, publiziert am 27.7.2014, Platz finden.

http://www.lifegen.de/newsip/shownews.ph...-27-2813&pc=s02


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#57

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 16.08.2014 16:05
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #55

Dass ein Schweizer sich solcherart als Mittler zwischen zwei vermeintlich unversöhnlichen Weltsichten anbietet (der gute Wille sei anerkannt), hat mich etwas lächeln lassen.
Ich würde ihm gerne zurufen: das was uns - alle - eint, ist, dass wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Nationalismen eine ungeahnte Reanimation erfahren, das trifft auch auf die Schweiz zu. Die Ausprägungen sind unterschiedlich, aber das Phänomen ist dasselbe und wir müssen uns fragen, warum das so ist - gemeinsam und tabulos.



"Das etwas lächeln lassen" irritiert mich @Barbara Es wirkt auf mich arrogant. Mag sein das Lächeln missverstehe.

Wenn man gemeinsam und tabulos sprechen will, dann muss man erst mal vorbehaltlos aufeinander zugehen. Das ist / wird schwierig genug. Und bevor man dabei die wunden Stellen der Nationen abklopft, sollte man sich auf die gesunden besinnen und diese stärken. Dann kann man danach um so offener über beunruhigende Phänomene sprechen.

LG von der Moskwitschka


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#58

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 16.08.2014 18:07
von Barbara (gelöscht)
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"Wenn man gemeinsam und tabulos sprechen will, dann muss man erst mal vorbehaltlos aufeinander zugehen."

Das ist richtig und ich bemühe mich zumindest darum, die Vielschichtigkeit von Ländern mit ihrer Kultur und Geschichte insgesamt, und soweit mir das möglich ist, umfassend in Betracht zu ziehen und halte mich auch mit Wertungen sehr lange zurück.

Man kann dennoch und parallell dazu ein Phänomen wie den wieder erstarkenden Nationalismus benennen und muss es aus meiner Sicht sogar.
Wenn die Schweizer mit einem Referendum die Freizügigkeit in der EU kippen und das auf Betreiben einer rechts-populistischen Partei (die andere - nämlich machtpolitische - Ziele verfolgt, als das Wohlergehen des Teils der Schweizer Bevölkerung, die dieses Referendumpositiv positiv beschieden haben), sehe ich nicht "die neutrale Schweiz" als ausgewiesenen Experten des Mittlers in dem ungemein schwierigen Konflikt bzgl. Russland/Ukraine.
Zumal "die neutrale Schweiz" sowieso für mich ein zumindest zu hinterfragender Topos ist. > aber das geht OT.
Ein schweizer Bürger jedoch, der sich einbringen will, oder jemand, egal woher er kommt, der Konfliktlösungsvorschläge hat - prima.
So war mein Lächeln zu verstehen, das jetzt zu einem ernsten Gesichtsausdruck geworden ist.

Im Russland/Ukraine-Konflikt spielt Nationalismus eine sehr große Rolle, warum ist das so?
Warum setzt Putin (den ich für einen intelligenten und gebildeten Menschen halte) auf diese Karte? Was ist in seinem eigenen Interesse, was im Interesse des Landes? Hast du eine Antwort darauf, Moskwitschka?
Die Sowjetunion war ein ein vielvölker- und multiethnischer Staat, welches Vakuum wurde mit ihrem Zusammenbruch erzeugt?
Hat die Jelzin-Ära wirklich das gesellschaftspolitische Klima nach dem Ende der SU derartig zerstört, dass heute der Eindruck vermittelt wird, die Russen würde nur noch eine starke Führungspersönlichkeit wünschen, die die Komplexität des Lebens regeln solle?

Diejenigen von euch, die Russland besser kennen als ich, was ist der eigentliche Puls in der russischen Gesellschaft?


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#59

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 16.08.2014 20:07
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liebe @Barbara ,

die Entwicklung in anderen Ländern, ob in der Schweiz oder in der Türkei stimmt mich genauso nachdenklich. Und so viel Menschen, wie die diese Entwickung in diesen Ländern durch demokratische Abstimmungen unterstützen, gibt es fast genauso viele Menschen in diesen Ländern, die dagegen ihre Stimme erheben. Nur hört man die nicht. Zumindest nicht im Alltag der Berichterstattung. Da ist meist der Fokus auf den "Stärkeren" oder "Agierenden" gerichtet. Und dann meist mit dem erhobenen Zeigefinger - so geht das aber nicht. Damit treibt man viele, weil man ja meist in diesem Zusammenhang das ganze Land kritisiert, in die Ecke der vermeintlich "Stärkeren". Nicht weil sie Nationalisten sind, sondern weil man sie an ihrem Nationalstolz gepackt hat.

Und um auf den Schweizer und seinem Artikel über Russland zurück zu kommen. Ich kenne ihn nicht und kann ihn nicht einschätzen. Ich bin da aber pragmatisch. Jede besonnene Stimme, egal woher ob aus der Schweiz, Brasilien, Australien oder Südafrika ist in diesem heißen Sommer wert zitiert zu werden. Denn es gibt viel zu wenig dieser mahnenden Stimmen. Die EU als Vermittler sehe ich im Moment nicht. Denn dafür sind sie genauso in dem aktuellen Konflikt verbrannt. Zumal ihre Einigkeit, die nach außen kommuniziert wird, auch aus der "Not" entstanden ist. Und Not ist kein guter Ratgeber. Die EU gehört aber genauso an den Tisch. Aber nicht verteten durch irgendwelche Repräsentanten, sondern jedes Land sollte mit seiner Stimme vertreten sein. Eine Art KSZE wieder aufleben lassen und gemeinsam vertrauensbildende Maßnahmen beschließen.

Aber nun zu Russland. Ich werde Stück für Stück, also in Fortsetzungen auf Deine Frage eingehen, in persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen kramen, um meine Sicht darzustellen. Und das dauert ein wenig. Die DDR erklären dauert hier im Forum schon Jahre Und vor dem Schreiben kommt das Nachdenken. Und das macht man nicht zwischen Tür und Angel. Zumindest nicht, wenn es ein heißes Eisen ist und ich mich wie so oft hier angreifbar machen werde.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 16.08.2014 20:15 | nach oben springen
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#60

RE: Nachdenken über Russland

in Themen vom Tage 17.08.2014 00:20
von Moskwitschka (gelöscht)
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In den folgenden Beiträgen werde ich beschreiben wie ich begonnen habe über Russland nachzudenken und es zu verstehen. Ein Prozess der schon sehr früh eingesetzte hat, aber einen richten Schub bekommen hat als ich dort lebte. Bis heute ist der Prozess nicht abgeschlossen. Aber das ist normal, denn es ist mein Geburtsland. Das Land eines Teils meiner Vorfahren. Ein Land, und den Menschen, die dort leben, dem ich mich sehr nahe fühle. Es zerreißt mir das Herz, wenn ihnen Unrecht geschieht in der allgemeinen Wahrnehmung, aber genauso wenn es russische Politiker und Beamte durch ihr Handeln in Misskredit bringen. Mit Deutschland, meiner zweiten Heimat geht es mir eigenartiger weise nicht so. Wahrscheinlich nicht zuletzt deswegen, weil Deutschland in Russland nicht solchen Angriffen ausgesetzt ist. Deutschland bzw. die Deutschen werden in Russland eher, trotz der gemeinsamen unheilvollen Geschichte, als Maßstab wahrgenommen, an dem man sich gerne orientiert.

Ich war 6 Jahre als ich mit meinen Eltern nach Russland aufbrach. Zwar war ich schon früher dort, aber da gibt es nur schemenhafte Erinnerungen an meinen Großvater. 1963 war ich hellwach und neugierig. Und von Anfang an spürte ich auch, dass es in meiner russischen Familie und meiner Russischen Heimat sehr viele Geheimnisse gab. Und bei der Aufdeckung dieses geheimnisvollen Russlands, meinen Erinnerungen daran, lasse ich euch gerne teilhaben.

In Moskau angekommen, war alles anders als in Deutschland, damals DDR. Erst einmal alles größer. Die Häuser waren höher. Die Straßen waren breiter. Was mich aber sofort beeindruckt hat, es gab viel mehr unterschiedliche Menschen. Erst mal in unserer Nachbarschaft – Polen, Ungarn, Tschechen, Rumänen. Ich begriff relativ schnell, dass sie nicht nur anders sprachen, sondern aus einem anderen Land kamen, weder aus der DDR noch aus der Sowjetunion.

Spannend wurde es, wenn ich mit meiner Großmutter in Moskau unterwegs war. Da traf ich auf Menschen, die anders aussahen und auch anders sprachen, aber trotzdem zu dem Land Sowjetunion gehörten. Zunächst traf ich sie auf den Basaren, wo sie mit frischem Obst und Gemüse handelten. Das waren Georgier und Usbeken. Im Winter waren sie in Moskau genauso dick eingemummelt, wie die Moskauer. Aber kaum wurde es wärmer, stellte ich fest, dass sie sich auch in der Kleidung von den Moskauern unterschieden. Besonders die usbekischen Frauen und Männer. Die Frauen hatten diese typischen breiten und langen, frei herunterhängenden bunten Kleider an. Die usbekischen Männer auf dem Basar vielen dadurch auf, dass nicht ein Gürtel ihre Hose hielt, sondern ein um die Taille geschwungenes Tuch. Was besonders auffiel, war die obligatorische tjubetejka.

So lernte ich in diesem großen Moskau die unterschiedlichsten Nationalitäten kennen. Was mir aber auch auffiel, dass viele von ihnen, entweder nur auf der Durchreise waren, sich dienstlich oder wegen der Ausbildung in Moskau aufhielten, oder auf den zahlreichen Märkten anzutreffen waren. Ständigen Wohnsitz hatten damals die wenigsten anderer Nationalitäten in Moskau.

Im Grunde genommen alles sehr friedlich und bunt. Viel bunter als in der DDR. Doch schon sehr früh legten sich schon die ersten Schatten auf die bunte Welt. Nämlich dann, wenn meine Großmutter mich auf dem Basar von den Ständen der Georgier, die meiner Meinung nach die schönsten Früchte anboten wegzog und sehr bestimmt sagte: „Bei denen kaufen wir nicht.“ Warum begriff ich erst viele Jahre später. Durch die Bestimmtheit meiner Großmutter hat sich aber eingeprägt, wenn wir bei denen nicht kaufen, dann stimmt etwas mit ihnen nicht.

Im erste Sommer in der Sowjetunion war ich das erste mal auf der Krim – am Schwarzen Meer. Das ich in der Ukraine war, kam mir damals nicht in den Sinn. Es war alles sehr russisch. Die Sprache, das Eis und alles andere, was ich in der Zwischenzeit sehr lieb gewonnen habe. Nur die Aprikosen und Pfirsiche haben im Gegensatz zu Moskau auf der Krim Einheimische verkauft.

Den nächsten Sommer war ich das erste Mal in Leningrad, heute Petersburg. Auch Russland und Sowjetunion , aber schon ganz anders als Moskau. Irgendwie europäischer. Von Leningrad sind wir dann weiter nach Riga. Und da gab es das nächste Aha – Erlebnis. Die Menschen sahen aus, wie in Moskau oder Leningrad, haben ein ganz andere Sprache gesprochen und ein ganz anderes Lebensgefühl vermittelt. Wir waren aber immer noch in der Sowjetunion. Wenn in Moskau damals zu jeder Gelegenheit überwiegend Tee getrunken wurde, so hatte Riga eine ausgeprägte Kaffeekultur. Meine Eltern haben es genossen. Kein Tag verging, wo wir nicht in irgendeinem Cafe saßen und Kaffee mit Sahne bestellt wurde. Womit mir diese Aufenthalte versüßt wurden, kann ich nicht mehr erinnern. Nur das mir furchtbar langweilig war.

Und dann waren wir das erste mal in Georgien. Und ich habe meine Großmutter nicht verstanden. Die Menschen waren dort sehr freundlich, auch wenn mancher Blick eines georgischen Mannes für ein Kind schon furchteinflößend war. Aber auch das wahrscheinlich nur, weil mir meine Großmutter den Georgier in meiner Erinnerung gleichgestellt hat mit dem berüchtigten schwarzen Mann, der Kinder weg fängt.

Das waren meine ersten Erinnerungen an die unterschiedlichen Menschen in einem großen, mir damals und heute zum Teil auch noch unbekannten, aber doch sehr nahen Land.

Fortsetung folgt

LG von der Moskwitschka


silberfuchs60 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.08.2014 00:33 | nach oben springen
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