#1

20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 16:38
von TOMMI | 1.987 Beiträge

Aus gegebenen Anlass möchte ich hiermit an den 20.Juli 1944 erinnern.
Heute vor 70 Jahren versuchte Oberst Graf von Stauffenberg Hitler zu töten.
Da ich mich umfangreich mit diesem Thema beschäftigt habe, weiß ich,
dass das damalige Attentat an nahezu unbegreiflichen Zufällen
scheiterte. Was wäre aus der Welt geworden, hätte Stauffenberg
vor 70 Jahren Erfolg gehabt?


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#2

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 16:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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Letzte woche habe ich zufällig eine aktuelle Doku gesehen

Verräterkinder - Die Töchter und Söhne des Widerstands

Die Männer des 20. Juli 1944 werden heute verehrt als Helden, die ihr Leben im Widerstand gegen Hitler geopfert haben. Für ihre Kinder ist der gewaltsame Tod des Vaters eine Katastrophe, an deren Folgen sie bis in die Gegenwart zu tragen haben. Christian Weisenborn zeigt in seinem Film "Verräterkinder" erschütternde Begegnungen mit Kindern von Verschwörern des 20. Juli.

Axel Smend ist heute noch tief bewegt, wenn er sich daran erinnert, wie seine Mutter mit verweinten Augen vom Elternsprechtag in der Schule zurückkam. Der Lehrer hatte von Axels schlechten Noten in Latein gesprochen und hinzugefügt: Vom Sohn eines Verräters könne er nichts anderes erwarten. Der Vater, Günther Smend, war 1944 hingerichtet worden.


http://www.daserste.de/information/repor...kinder-100.html

Bei der ARD noch bis morgen, den 21.07.2014 verfügbar.

Aber auch auf Youtube schon gesichert



LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 20.07.2014 16:54 | nach oben springen

#3

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 16:57
von Commander | 1.056 Beiträge

Guten Abend Allerseits,
ich schreibe ja nicht viel,aber hierzu muß ich meinen "Senf" dazugeben.
Den Attentätern meinen Respekt!
Aber haben nicht die selben Männer 33 den Österreicher in den Sattel gehoben?Als man merkte,das (fast) alles zu spät ist,beschloß man,den Mann zu beseitigen.Wie viele erfolglose Attentatsversuche gab es vorher?
Ich war u. bin beileibe kein Kommunist,aber Menschen wie die Geschw.Scholl,Pfarrer D.Bonhoeffer oder auch E.Thälmann verdienen meinen höchsten Respekt!Wird an deren Schicksale erinnert?
Sorry,meine Meinung,
Sonnigen Abend,Gruß C.



LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#4

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 17:02
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Commander im Beitrag #3
Guten Abend Allerseits,
ich schreibe ja nicht viel,aber hierzu muß ich meinen "Senf" dazugeben.
Den Attentätern meinen Respekt!
Aber haben nicht die selben Männer 33 den Österreicher in den Sattel gehoben?Als man merkte,das (fast) alles zu spät ist,beschloß man,den Mann zu beseitigen.Wie viele erfolglose Attentatsversuche gab es vorher?
Ich war u. bin beileibe kein Kommunist,aber Menschen wie die Geschw.Scholl,Pfarrer D.Bonhoeffer oder auch E.Thälmann verdienen meinen höchsten Respekt!Wird an deren Schicksale erinnert?
Sorry,meine Meinung,
Sonnigen Abend,Gruß C.



natürlich, Geschwister Scholl wurde sogar verfilmt, es gibt Strassen die nach Scholl und Bonhoeffer benannt sind, in dem Gebiet der exDDR gibt es doch sicherlich noch zahlreiche Thälmannstr. Kann mich auch noch an einen Thälmannfilm erinnern den ich noch in der DDR sah mit einem damals bekannten Schauspieler, dessen Name mir aber entfallen ist.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#5

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 17:08
von Moskwitschka (gelöscht)
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Hallo @Commander ,

daher lohnt sich die aktuelle Doku anzuschauen. Es berichten auch die Kinder der hingerichteten Mitglieder der "Roten Kapelle". Deren Anerkennung als Widerstandsgruppe hat in Deutschland 60 Jahre gedauert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Kapelle

in der Bundesrepublik Deutschland weitgehend als reine Geheimdienstorganisation dargestellt. Sie wird erst seit 1990 als legitimer Teil der Opposition zu Hitler wahrgenommen.[51] Am 8. September 2009 hob der Deutsche Bundestag die wegen „Kriegsverrats“ gefällten Urteile der NS-Justiz auf und rehabilitierte damit auch die Mitglieder der Roten Kapelle.

LG von der Moskwitschka


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#6

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 17:11
von Gert | 12.354 Beiträge

ich sehe die Rolle der Offiziere, die am Attentat beteiligt waren, sehr zwiespältig. So lange die Karre in der Spur war und man von Sieg zu Sieg eilte haben sie sich die Orden gern von ihrem Führer an die Brust heften lassen. Erst als sie sahen, dass die Karre auf den Abgrund zu fuhr, kam Widerstand auf. Wenn ich die anschließenden Opfer sehe, wäre ein Selbstmordattentäter effektiver und glaubwürdiger gewesen.
Ein gelungenes Attentat hätte eine Menge Menschen das Leben gerettet. Das Schicksal D's war besiegelt. Es wäre nur eine bedingungslose Kapitulation möglich gewesen mit anschließender Besetzung, so wie es dann auch kam.
Noch ein Wort zu den hohen, meist adligen Offizieren. Die hatten keine Grundgesinnung für eine demokratische Republik. Das waren zum Teil sehr reaktionäre Typen des preußischen Landadels, die noch die Ordnung des wilhelminischen Kaiserreichs im Kopf hatten. Mit denen hätte wir keinen neuen deutschen Staat aufbauen können. Das ist meine Meinung.


.
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#7

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 18:36
von Georg | 1.021 Beiträge

Dem militärischen Widerstand und dazu gehören die Patrioten des 20. Juli 1944 gehört meine Achtung !

Und wenn ich Google und Wiki bemühe - dann lese ich zum Beispiel, dass der Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben schon 1934 begann Widerstand zu organisieren. In seinem Gefolge waren Adlige !
Nicht vergessen auch das Nationalkomitee Freies Deutschland oder auch der Bund Deutscher Offiziere ! Auch sehr viele Adlige dabei. Aber eben unter kommunistischer Regie setzten sich die, in sowjetische Gefangenschaft geratenen Soldaten und Offiziere mit vielen Mitteln - auch militärisch -zur Beendigung des Krieges und Erhaltung des Reiches ein. Auch schon weit vor dem 20. Juli 1944.
Dies schmälert nicht den Mut und die Aufopferung. Hitler und Konsorten nahmen grausame Rache. Sehr viele patriotisch gesinnte Menschen und auch einflussreiche Miltitärs wurden hingerichtet. Menschen, die im Deutschland nach 1945 gefehlt haben. Und es hat recht lange gedauert bis sie von Verrätern zu Helden wurden - in Deutschland !!


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
zuletzt bearbeitet 20.07.2014 18:38 | nach oben springen

#8

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 18:42
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #6
ich sehe die Rolle der Offiziere, die am Attentat beteiligt waren, sehr zwiespältig. So lange die Karre in der Spur war und man von Sieg zu Sieg eilte haben sie sich die Orden gern von ihrem Führer an die Brust heften lassen. Erst als sie sahen, dass die Karre auf den Abgrund zu fuhr, kam Widerstand auf. Wenn ich die anschließenden Opfer sehe, wäre ein Selbstmordattentäter effektiver und glaubwürdiger gewesen.
Ein gelungenes Attentat hätte eine Menge Menschen das Leben gerettet. Das Schicksal D's war besiegelt. Es wäre nur eine bedingungslose Kapitulation möglich gewesen mit anschließender Besetzung, so wie es dann auch kam.
Noch ein Wort zu den hohen, meist adligen Offizieren. Die hatten keine Grundgesinnung für eine demokratische Republik. Das waren zum Teil sehr reaktionäre Typen des preußischen Landadels, die noch die Ordnung des wilhelminischen Kaiserreichs im Kopf hatten. Mit denen hätte wir keinen neuen deutschen Staat aufbauen können. Das ist meine Meinung.


Diesen Beitrag @Gert, nagele ich mir an die Wand.
Es ist der erste und bisher einzige, wo ich Dir von Anfang bis Ende zustimme.

Ich sehe hier einen Mythos der gebaut wurde, um die Schuld der Deutschen etwas zu mildern, "schaut her, wir haben doch etwas versucht".
Sicher war der Versuch richtig und mutig, aber eine patriotische Heldentat, einzig fürs Deutsche Volk, kann ich daraus auch nicht ableiten.
Denen gings meiner Ansicht nach um ihren eignen Untergang, um ihren Besitz, ihren Stand und alles was dazu gehörte.
Vergleichbar mit der AfD, wissend, dass sie beim Untergang auch unter gehn.
Oder den Sturz Honeckers durch Krenz, retten vom Kuchen was zu retten ist um den Stand nicht zu gefährden.
Ich denke die waren sich sicher alles klappt, es war ja auch gut ausgeklügelt, nur hatten sie wohl in Werkstoffkunde gepennt.

Ob ich den Leuten mit meiner Ansicht unrecht tue, dass weis ich nicht, es ist aber nunmal meine Sicht.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#9

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 18:54
von eisenringtheo | 9.173 Beiträge

Ich sehe das ähnlich wie meine Vorposter. Das deutsche Reich in den Grenzen von 1937 hatte eine Aussengrenze von gut 8'000 km. Es bestand bei Regierung und im Heer bis 1941 die Überzeugung, dass wegen dieser langen Grenze ein Mehrfrontenkrieg nicht zu gewinnen war. Deshalb wurde der Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion geschlossen. Obschon der Sieg im Westen nicht gelang, entschloss man sich 1941 die Sowjetunion anzugreifen. Von diesem Zeitpunkt an entstand eine immer stärker werdende Opposition bei hohen Offizieren. Keine humanitären oder staatspolitischen Überlegungen standen dahinter, sondern rein militärische: die Überzeugung, dass ein Mehrfrontenkrieg gegen die ganze Welt nicht gewonnen werden kann. Mit jeder Niederlage wurde die Zahl der Kritiker grösser bis hin zu Putschgedanken. Viele Offiziere wünschten ein Zweckbündnis mit dem Westen, um mit dem Westen die Sowjetunion zu bekämpfen und so Deutschland in letzter Minute vor dem vollkommenen Untergang zu retten. Und das war nur möglich, wenn Hitler tot war.
Waren die Ereignisse am 20. Juli 1944 wirklich nur "ein verhinderter Putsch führender Kreise der deutschen Monopolbourgeosie und des reaktionären Militärs" war, wie das in DDR Geschichtsbüchern steht? Ich kann es schwer abschätzen.
Theo


zuletzt bearbeitet 20.07.2014 18:57 | nach oben springen

#10

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 19:02
von Barbara (gelöscht)
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Meinen Vorschreibern sei ans Herz gelegt, bevor sie solche Urteile fällen, sich den Kontext des Widerstands anzusehen, für dessen Datum der 20. Juli steht und von desen Protagonisten Stauffenberg nur einer ist.
Es macht durchaus Sinn, sich mit den einzelnen genannten Personen zu beschäftigen (Militärs und Zivilisten!), zumal man nicht weiß, ob unsereins nicht feige hinter der Gardine geblieben wäre, wie der größte Teil der deutschen Bevölkerung - damals.



Mitglieder des Kreisauer Kreises


Einen Kreisauer Kreis als fest organisierte Gruppe gab es nicht. Die Bezeichnung wurde erst nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 von der Gestapo auf einen Kreis aus Freunden und Gleichgesinnten um Moltke und Yorck angewandt.

Moltke, ein Urgroßneffe des preußischen Generalfeldmarschalls, arbeitete seit Kriegsbeginn als Völkerrechtsexperte im Auslandsgeheimdienst des OKW in Berlin. Wie dieser war auch Peter Yorck ein überzeugter Regimegegner, der früh die Auswirkungen des Nationalsozialismus' und des Überfalls Deutschlands auf andere europäische Staaten erkannte. Beide hatten bereits unabhängig voneinander an Plänen für eine politische, wirtschaftliche und soziale Neuordnung Deutschlands und eine friedliche Nachkriegsordnung Europas gearbeitet. Nach 1940 arbeiteten sie enger miteinander zusammen und sammelten systematisch Freunde und Gleichgesinnte, um innerhalb einer Gruppe, die verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenbrachte, über ein Deutschland nach Hitler zu beraten.

Mit einer Reihe von Mitgliedern des späteren Kreisauer Kreises verbanden Moltke bereits Kontakte aus seiner sozialpolitischen Arbeit im Waldenburger Land, aus der Zeit des Studiums in England oder seiner Tätigkeit im OKW. Neben Yorck sind hier vor allem Horst von Einsiedel, Hans Peters, Adam von Trott zu Solz, Carl Dietrich von Trotha, Julius Leber und Adolf Reichwein zu nennen. Oft vergessen werden bei einer solchen Aufzählung die Frauen des Kreises, allen voran Freya von Moltke, Marion Yorck von Wartenburg, Clarita von Trott zu Solz und Rosemarie Reichwein.

1941 stießen der bekannte Sozialdemokrat Carlo Mierendorff, der die Verbindung zum verfolgten Gewerkschaftsführer Wilhelm Leuschner hielt, und der im Auswärtigen Amt tätige Hans Bernd von Haeften zu ihnen. Auch Harald Poelchau, der engagierte evangelische Gefängnispfarrer, der für die Kreisauer Freunde während ihrer Haft in Tegel und vor der Hinrichtung in Plötzensee so bedeutsam werden sollten, Theodor Haubach und der in Norwegen stationierte Theodor Steltzer wurden in dieser Zeit in die Arbeit des Kreises einbezogen.

Für den Charakter des Kreisauer Kreises als eines gesamtgesellschaftlich repräsentativen Diskussionskreises war weiterhin entscheidend, dass der Provinzial der Münchener Jesuiten, Augustin Rösch, im Herbst 1941 zur ersten Besprechung kam; die Jesuiten Alfred Delp und Lothar König folgten 1942, wie auch der protestantische Konsistorialrat Eugen Gerstenmaier. Der Katholik und ehemalige Zentrumsmann Paulus von Husen hielt den Kontakt zu Hans Lukaschek und war später maßgeblich an der Ausarbeitung der Pläne für die "Bestrafung der Rechtsschänder" beteiligt.

Die hier zur Verfügung gestellten Lebensläufe der Kreisauer wurden für die Dauerausstellung "In der Wahrheit leben ..." geschrieben, die im Kreisauer Schloß zu sehen ist.

http://www.kreisau.de/kreisauer-kreis/mitglieder.html
.


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#11

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 19:09
von Barbara (gelöscht)
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Diesen hoch-interessanten Artikel zur Bewertung Stauffenbergs fand ich neulich nocH


Hans Bentzien: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Der Täter und seine Zeit.


Die DDR-Geschichtsschreibung, hatte allzeit ihre Schwierigkeiten mit den immerhin zur Hälfte dem Adel entstammenden Verschwörern des 20. Juli. Denn dem so genannten "Junkertum" war in der marxistischen Ideologie eine reaktionäre und nicht etwa eine revolutionäre Rolle zugewiesen. Schon deshalb ist es interessant, einen aufmerksamen Blick auf die Stauffenberg-Biographie Hans Bentziens zu werfen. Der frühere DDR-Medienfunktionär und SED-Genosse, während seiner Karriere mehrmals in politische Ungnade gefallen, hat sich schon zu DDR-Zeiten mit dem The



als etwas über die blutigen Vorgänge zwischen Hitler und den Junkergenerälen durchsickerte, hielt ich für einen Augenblick Hitler den Daumen; denn wer, wenn nicht er, wird uns schon diese Verbrecherbande austilgen.

Dass Bertolt Brecht am Tag nach dem fehlgeschlagenen Attentat derlei niederschrieb, mag der unübersichtlichen Lage im Sommer 1944 ebenso zuzuschreiben sein wie des Dichters ideologischer Verklärung. Noch lange nach der Gründung der DDR – die ja stets als antifaschistisches, besseres Deutschland begriffen werden wollte – hielt sich das Klischee vom letztlich reaktionären Aufstand hochrangiger Altadliger gegen Hitlers Terrorregime. Bürgerliche Opposition, religiös motivierte Resistenz oder eben der Widerstand von einigen wenigen Aristokraten fügten sich nicht nahtlos in das offizielle Geschichtsbild der frühen DDR: Der Kampf gegen die Nationalsozialisten war eigentlich Kommunisten und Sozialdemokraten vorbehalten. Auch wenn Tyrannenmörder in autoritären Staatswesen nicht zum Vorbild taugen und die konservativen Hitler-Gegner im kollektiven Gedächtnis der DDR keinesfalls neben Helden wie Ernst Thälmann stehen durften – totgeschwiegen wurden sie nicht: Der Schriftsteller Stephan Hermlin hatte 1946 bereits "Leutnant Yorck von Wartenburg" eine wiederholt publizierte Erzählung gewidmet. Und auch das Fernsehen der DDR würdigte das Attentat vom 20. Juli seit Mitte der sechziger Jahre in ausführlichen Dokumentarfilmen. Die Verdienste Claus Schenk Graf von Stauffenbergs wurden schließlich im Jahr 1983, als sich auch das Preußenbild der DDR grundsätzlich gewandelt hatte, vom Chef-Ideologen der SED, Kurt Hager anerkannt:
Die Geschichte kennt Beispiele, wo Vertreter von Ausbeuterklassen, ohne ihren klassenbedingten Erkenntnishorizont zu sprengen, sich den Blick auf Realitäten bewahren oder auf bitteren Umwegen zu erringen vermochten. Dafür könnten in der deutschen Geschichte Persönlichkeiten wie Yorck von Wartenburg, Bismarck, Rathenau, Stauffenberg und andere Persönlichkeiten der Verschwörung vom 20. Juli 1944 stehen, die unter ganz unterschiedlichen geschichtlichen Umständen aus sehr verschiedenen Klasseninteressen und Motiven heraus handelten.

Diesen Motiven nachzuspüren, hat sich der einstige SED-Funktionär und Publizist Hans Bentzien zur Aufgabe gemacht. Nach seiner Ablösung als Minister für Kultur und später als Leiter der Funkdramatik beim Staatlichen Rundfunkkomitee der DDR nahm Bentzien Kontakt auf zu den Familien der Widerständler – bewegt von der Frage, was in einem jungen, schwer versehrten Oberst wie dem damals sechsunddreißigjährigen Stauffenberg vorgegangen sein mag, bis er am 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier den Sprengstoff zündete, um den Diktator zu töten, dem er einst Treue geschworen hatte:

Nun kann man über die Eidfrage denken, wie man will, aber dass es für einen christlich geprägten Offizier nicht einfach ist zu sagen: "Ich habe meinen Eid gehalten, aber er hat seinen Part nicht gespielt, sondern die humanistische Grundlage verlassen, da spielt auch Stauffenbergs Bildung, die Sache mit dem Heiligen Deutschland, auf die Staufer und Ottonen zurückgehende Reichsidee eine Rolle. Seine Konsequenz unter Zurückstellung seiner Person: "Wer ein Amt übernommen hat, muss es konsequent machen.


Wenn Hans Bentzien über Claus Schenk Graf von Stauffenberg spricht, dann ist die große Bewunderung des heute Siebenundsiebzigjährigen für den mutigen Widerstandskämpfer nicht zu überhören – und auch seine Publikation schildert nicht etwa den "Täter und seine Zeit", wie der Untertitel besagt, sondern die Annäherung Bentziens an eine ihm denkbar fremde Welt, deren verlorener Glanz und deren Verständnis von Ehre und Gewissen den Autor offenkundig faszinieren. Diese Faszination verleitet ihn dazu, Stauffenberg, der seine Militärlaufbahn bei der Kavallerie in Bamberg begann und von seinen Kameraden den Spitznamen des "Bamberger Reiters" erhielt, zeitweise zum persönlichen Antipoden Hitlers zu stilisieren. [...]


Auch hier, wie bereits im vorigen Beitrag oben: weiter lesen lohnt sich :-)

http://www.deutschlandfunk.de/hans-bentz...ticle_id=102290
.


Georg hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 19:18
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #6
ich sehe die Rolle der Offiziere, die am Attentat beteiligt waren, sehr zwiespältig. So lange die Karre in der Spur war und man von Sieg zu Sieg eilte haben sie sich die Orden gern von ihrem Führer an die Brust heften lassen. Erst als sie sahen, dass die Karre auf den Abgrund zu fuhr, kam Widerstand auf. Wenn ich die anschließenden Opfer sehe, wäre ein Selbstmordattentäter effektiver und glaubwürdiger gewesen.
Ein gelungenes Attentat hätte eine Menge Menschen das Leben gerettet. Das Schicksal D's war besiegelt. Es wäre nur eine bedingungslose Kapitulation möglich gewesen mit anschließender Besetzung, so wie es dann auch kam.
Noch ein Wort zu den hohen, meist adligen Offizieren. Die hatten keine Grundgesinnung für eine demokratische Republik. Das waren zum Teil sehr reaktionäre Typen des preußischen Landadels, die noch die Ordnung des wilhelminischen Kaiserreichs im Kopf hatten. Mit denen hätte wir keinen neuen deutschen Staat aufbauen können. Das ist meine Meinung.

Na ja..Stauffenbergs Gründe waren eher die über das brutale Abschlachten der Gegner...Zivilisten und auch Soldaten der Roten Armee..eben
ein Vernichtskrieg.



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#13

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 19:34
von Commander | 1.056 Beiträge

So,bevor ich ins Bette gehe muß ich mich nochmal zu Wort melden.
Zuerst,ich möchte den Mut oder wie auch immer,der Männer vom 20.07.44 nicht bezweifeln o. in Abrede stellen!
Aber,was ist Mut? Eine Aktentasche unter einen Tisch stellen u.nach Bln.fliegen um Operation "Walküre" zu starten?Nein,Mut u.dazu noch Einstehen für seine Überzeugung wäre gewesen,dabei zu bleiben und die Dinge(Aktentasche)im Notfall zurechtzurücken!Dann wäre kein Eichentisch umgefallen,sondern jemand anderes.(Ob ich das vollbracht hätte,weiß ich nicht!)Aber in dem Falle hätten wir heute mehr C.G.S.v.S.-Strassen o.-plätze. Diese Tat wird hochstilisiert,als ob es nicht noch andere gäbe.Das Datum sollte für ALLE stehen,die dem "Größten Feldherr aller Zeiten" Widerstand boten.Auch mit NAMEN.Auch die (meist mißglückten) Anschläge auf andere Nazigrößen sollten ihre Anerkennung finden.Bsp.Anschlag auf den deutschen "Stargeiger" R.Heidrich.(Diesmal gelungen,mit fürchterlicher Rache,Lidice)
An diesem Tag sollte man allen Widerständlern gedenken!
Gute Nacht,Gruß C.
--



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#14

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 19:36
von Gelöschtes Mitglied
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Und wieder gehen die Schubladen auf:

In die eine passen die Attentäter aus dem Kreis der überwiegend adligen Offiziere, die mit Demokratie nur wenig am Hut hatten und erst aktiv wurden, als abzusehen war, dass der GröFaZ das Land in die totale Vernichtung führt. Und in der anderen stecken die aufrechten Widerstandskämpfer, die nur das Wohl des Volkes im Sinne hatten und aus ausschließlich hehren Motiven handelten.

Ja, es gab wohl beide. Und dazwischen vermutlich jede Menge anderer, die wir nicht mehr nach ihren inneren Motiven fragen können - weil sie hingerichtet wurden oder ganz einfach gestorben sind.


Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#15

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 19:44
von thomas 48 | 3.569 Beiträge

In der DDR erschien ein Buch vom Kreisauer Kreis, welches ich damals kaufte.
Was alles im Buch stand, weiß ich nicht mehr-
hatte auch 2 sehr gute Bücher über Adam und Steidle, dem ehemaligen Oberbürgermeister von Weimar.


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#16

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 19:51
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #10
[...]Es macht durchaus Sinn, sich mit den einzelnen genannten Personen zu beschäftigen (Militärs und Zivilisten!), zumal man nicht weiß, ob unsereins nicht feige hinter der Gardine geblieben wäre, wie der größte Teil der deutschen Bevölkerung - damals.[...]

Sehr starker Tobak, um es diplomatisch auszudrücken...
Das Erstere ist durch ein "zumal man nicht weiß" gekennzeichnet, der zweite Teil des Satzes scheint unumstößlich festzustehen. Ich wünsche Dir, daß Du niemals "feige hinter der Gardine stehen" mußt, aufgrund der Situation und Lage in Deinem Land.

Menschen, welche mir gut bekannt waren und welche diese Zeit aktiv miterlebt haben, konnte man viele Wesenszüge zuordnen, Feigheit gehörte jedoch nie dazu.

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#17

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 20:00
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #1
[...]Was wäre aus der Welt geworden, hätte Stauffenberg
vor 70 Jahren Erfolg gehabt?

Da Rommel seit dem 17. Juli 1944 nach einen Tieffliegerangriff auf seinen Wagen schwer verwundet und handlungsunfähig im Krankenhaus lag, wäre zumindest im Westen wohl nicht viel passiert. Dort hatte er sich gerade in den Stunden davor, die volle Rückendeckung von Sepp Dietrich zusichern lassen, im Falle des Todes von A.H..

Die Rolle von z.B. H. Göring und J. Goebbels kommt nach meinem Empfinden bei den Betrachtungen zum 20. Juli meist nicht vor.

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 20.07.2014 20:49 | nach oben springen

#18

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 20:50
von LO-Fahrer | 606 Beiträge

Ich schrieb es schon mal im gleichen Zusammenhang, aber in einem anderen Tread: Ich will die Leistungen und auch die Motivation der Gruppe um Stauffenberg nicht schmälern oder geringschätzen. Aber es stößt mir doch etwas sauer auf, daß sie heute als "DER" Widerstand gegen Hitler dargestellt und gefeiert werden und alle anderen Widerständler, seien es sozialdemokratische, kommunistische oder Kirchenkreise oder einfach nur mutige Männer und Frauen nur unter "ferner liefen" rangieren, falls sie überhaupt Erwähnung in der Geschichte finden.


LO-Wahnsinn und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 21:02
von 94 | 10.792 Beiträge

Nicht nur das, hätte zum Beispiel Maurice Bavaud im November 1938 Erfolg gehabt, wäre Hitler als einer der größten Deutschen in die Geschichte eingegangen? Auch ein Trugschluß ist für mich die sofortige Beendigung des Krieges bei einem Erfolg des Anschlages vom 20. Juli 1944 ...
www.uni-giessen.de/cms/kultur/universum/...nsionen/21.juli


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#20

RE: 20.Juli 1944

in Themen vom Tage 20.07.2014 21:14
von utkieker | 2.920 Beiträge

Es ist schon sehr merkwürdig, wenn man den antifaschistischen Widerstand fast ausschließlich auf Stauffenberg und den Geschwistern Scholl beschränkt. Die größte Widerstandsbewegung der "Roten Kapelle" wird kaum erwähnt, immerhin hat die DDR ihren Widerstand zu würdigen versucht aber auch hier wurde das Wirken etwa von Leopold Trepper unter den Teppich gekehrt. Über die jüdische Widerstandsgruppe um Herbert und Marianne Baum wissen wohl nur die Wenigsten http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Baum

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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