#1

Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 08:37
von ABV | 4.204 Beiträge

Hallo Freunde!
Mit Anfang fünfzig kann man schon mal eine erste Bilanz seines Lebens ziehen. Zu einem Rückblick auf die Vergangenheit gehören die ganz persönlichen Erinnerungsstätten unweigerlich dazu. Sind sie doch so etwas wie sichtbare Meilensteine. Sichtbar? Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber mir kommen die Erinnerungsstätten langsam aber sicher abhanden.
An erster Stelle fällt mir die ehemalige " Clara-Zetkin"-Kaserne, Standort des ebenfalls ehemaligen Grenzregimentes 38, ein. Dort habe ich von November 1983 bis zum April 1985 meinen Grundwehrdienst "abgerissen". Verglichen mit anderen Dingen im Leben, rein zeitlich gesehen, nicht mehr als eine bloße Episode. Dafür jedoch eine unwahrscheinlich prägende!
Die ich, trotz vieler nicht so guter Erinnerungen, nicht aus meinem Leben streichen möchte.
Anfang Mai 2008 wollte ich meinem Sohn die Kaserne zeigen. In Anbetracht des relativ langen Zeitraumes zwischen dem Zusammenbruch des Staates für dessen Zwecke die Kaserne einst diente und der Gegenwart, bergen solche Besuche selbstverständlich ein hohes Risiko in sich. Man muss sich einfach im klaren sein, dass es die Stätte, so wie im Kopf gespeichert, schon lange nicht mehr gibt. Eigentlich logisch. Vom Verstand her wusste ich also, was mich dort erwartet: einen völlig veränderten Ort.
Trotzdem zog es mich dorthin. Trotz aller Sachlichkeit und mentaler Vorbereitung, bereitete mir der Anblick der seit Jahrzehnten leer stehenden Kasernengebäude, mit den langsam vom Staub erblindeten Fensterscheiben, der überall sichtbaren Zerstörung, besonderer Ausdruck der Nutzlosigkeit des Geländes, tiefe Beklemmungen.
Besonders sichtbar waren die Veränderungen an jenen Stellen, an den wieder Leben herrschte. Die eine Nachnutzung erfuhren und desto intensiver von den neuen Eigentümern verändert wurden. Weil diese, naturgemäß, eben keinerlei Erinnerungen an diesen, längst nicht für jeden besonderen Ort besaßen. Was für den einen ein Schauplatz der eigenen Geschichte ist, betrachtet der andere lediglich als " seelenloses Betonbauwerk". So ist nun einmal das Leben!
Immerhin kamen beim Gang durchs Regiment, vorbei an wuchernden Unkraut und Schutthaufen, diese oder jene Erinnerung wieder zurück. Einzelne Begebenheiten. Hin und wieder tauchten auch Gesichter wie aus dem Nebel wieder auf.
Was wohl aus den Kameraden aus jener Zeit geworden ist? Vor allem aus den Vorgesetzten. Den Berufssoldaten. Für die diese Stätte nicht nur eine flüchtige Episode darstellte. Sondern der Schauplatz vieler Jahre eines mehr oder weniger erfüllten Berufslebens.
Wie sich wohl ein ehemaliger Offizier fühlen mag, der nach vielen Jahren seine ehemalige Wirkungsstätte besichtigt? Der möglicherweise von einem der hier "herumschleichenden", übereifrigen Wachmänner angeschnauzt und des Geländes verwiesen wird. Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, in was für einer psychischen Ausnahmesituation sich solch ein Mensch anschließend befindet? Wobei es für den Ausnahmezustand nicht einmal eines " schnauzenden" Wachmannes bedarf. Nein, viel schlimmer ist wohl die augenscheinliche Sinnlosigkeit des eigenen Berufslebens. Ein Berufsleben, dass eben nicht nur mit der großen Politik, sondern eben auch mit vielen schönen oder völlig banalen Erinnerungen im Zusammenhang steht. Erinnerungen, die den " Besiegten" jedoch oft nicht "vergönnt" sind. Weil sie von der Allgemeinheit als unangemessen empfunden werden. Man hat darüber zu schweigen. Bestenfalls darf man die Erinnerungen verteufeln. Keinesfalls aber erinnern um des bloßen sachlichen Erinnerns wegen. Weil man sich derart schell den Vorwurf des "Verklärens" einhandeln würde.
Als ehemaliger Wehrpflichtiger habe ich da ja noch Glück. Was die Kaserne angeht. Deren Zustand kann ich noch verschmerzen. Was ist aber mit den Stätten meines eigenen Berufslebens? Bei der Polizei.
Meine erste Dienststelle, die "Wache Mitte" des Wachkommando Missionschutz, hat die Wiedervereinigung nicht überstanden. Wie das gesamte Wachkommando. Anfang der Neunziger Jahre habe ich das Objekt das letzte Mal gesehen. Völlig leer und ausgeräumt. Äußerlich jedoch unverändert. Warum habe ich damals bloß keine Fotos geschossen?
Vielleicht weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass diese "Trutzburg" so einfach verschwinden kann.
Ist sie aber! Heute befindet sich ein hochmoderner Gebäudekomplex an dieser Stelle. In dem sich unter anderem die Bundestagsabgeordneten die Frisuren "richten" lassen. Nichts aber auch gar nichts erinnert mehr an die "Wache Mitte".
Warum auch, könnte jetzt dieser oder jener fragen. Etwa der Ex-Volkspolizisten wegen, die hier irgendwann Dienst taten?
Ok, den Ex-Volkspolizisten geht es in dieser Hinsicht nicht viel anders, als den Ex-Offizieren der Grenztruppen.
Was ist aber mit den vielen, vielen ehemaligen Botschaftsflüchtlingen. Für die die "Wache Mitte" die erste Station auf dem Weg in die Haftanstalten darstellte.
Spontan fallen mir die beiden jungen NVA-Angehörigen ein. Die im Frühjahr 1986 die USA-Botschaft in (Ost)Berlin aufsuchten und um politisches Asyl baten. Und zu ihrer Überraschung von den Amerikanern kurzerhand vor die Tür gesetzt und den wachhabenden Volkspolizisten übergeben wurden. Inklusive der VS-Materialien, welche die NVA-Angehörigen, ein Leutnant und ein Unteroffizier, den Amerikanern als " Mitgift" servieren wollten.
Ich habe die beiden damals bewachen müssen. Später kamen zwei MfS-Männer in einem roten Lada, um die Jungs in die Normannenstraße zu bringen. Hier an dieser Stelle wo heute Heerscharen von geflissentlichen Dauerhandynutzern und Laptop-Herumtragern wie geschäftige Ameisen herumwuseln, haben damals die Angehörigen der beiden auf eine kurze Mitteilung seitens der VP über das weitere Schicksal der Festgenommenen, gewartet. Mehr oder weniger vergeblich. Ein einzelner Polizist hatte den Angehörigen gegenüber jedoch bestätigt, dass sich die beiden in der Wache befinden. Für diese, eigentlich völlig normale Auskunft, wurde der Polizist anschließend vor versammelter Mannschaft von einem Offizier " zusammengeschissen". Nein, längst nicht alles schlechte was man sich heute über die DDR erzählt, fällt unter die Rubrik Klischee. Vieles, allzu vieles,verdient eher den Begriff Tatsachenbericht!
Und totzdem: sowohl meine Erinerungen als auch die völlig anderen Erinnerungen der vielen Opfer, wurden durch den Bau des ebenso modernen wie seelenlosen Gebäudes mehr oder minder ausgelöscht. Bald wird niemand mehr wissen, was sich an diesen Ort ereignet hat.
Meine andere Wirkungsstätte, dass frühere VPKA Seelow, wurde nach der Wiedervereinigung ebenfalls, teilweise bis zur Unkenntlichkeit, verändert. Dort residiert heute das Landratsamt " Märkisch-Oderland". Vor einigen Jahren war ich noch einmal dort. Wegen der Ausstellung eines Fischereischeins. Wieder erschienen mir vor meinem "geistigen Auge" die Leute, die früher hier ein und ausgingen. Von denen ein großer Teil heute längst verstorben ist. Deren Namen mittlerweile hier niemand mehr kennt. Dabei kamen sie sich doch sooooo wichtig vor! Wenn ich etwas in all den Jahren gelernt habe, dann dieses: die Wichtigkeit eines einzelnen Menschen ist eine verdammt temporäre Erscheinung! Nichts ist von Dauer. Und so manches ist in Wahrheit viel kürzer, als es im Moment erscheinen mag.

Wie sieht es aber nun aus, mit den Erinnerungsstätten? Muss man nicht auch den "Tätern von einst" das Recht auf die Erinnerung zubilligen? Oder steht ihnen so etwas nicht zu? Weil sie sich lieber statt dessen lieber ewig schämen sollten?

Gruß an alle
Uwe


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zuletzt bearbeitet 13.07.2014 08:52 | nach oben springen

#2

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 08:46
von icke46 | 2.593 Beiträge

Hallo, Uwe,

ist ja erstaunlich, dass Du Deinen Wehrdienst von 1983 bis April 1945 abgeleistet hast. Man muss ja dann davon ausgehen, dass Du auch Teilnehmer der Schlacht um die Seelower Höhen warst.

So fängt der Sonntagmorgen gleich vergnüglich an.

Gruss

icke



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#3

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 08:51
von ABV | 4.204 Beiträge

Ja, Kurt. Ich bin eben ein Zeitreisender. Aktuell fechte ich gerade auf dem Schlachtfeld von Kunersdorf. Selbstverständlich auf der Seite der Preußen. Bericht und Fotos folgen in Kürze.

Ähmm, Danke für den Hinweis. Wird sofort geändert.

Viele Grüße von der Oder nach Hannover
Uwe


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#4

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 08:52
von Georg | 1.033 Beiträge

@ icke 46 - Hallo und Guten Morgen !
Mein Beitrag entfällt somit und nehme mein Recht auf das Lachen wahr !


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#5

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 08:54
von ABV | 4.204 Beiträge

Aber meine Herrschaften! Wir sind nicht zum Vergnügen hier!!!!!


Gruß Uwe
der gerne für Frohsinn sorgt


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#6

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 09:13
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #1


Hallo Freunde!


Wie sieht es aber nun aus, mit den Erinnerungsstätten? Muss man nicht auch den "Tätern von einst" das Recht auf die Erinnerung zubilligen? Oder steht ihnen so etwas nicht zu? Weil sie sich lieber statt dessen lieber ewig schämen sollten?

Gruß an alle
Uwe




Interessantes Thema.

Gibt es hier im Forum eigentlich auch "Täter von einst"?

Wenn ja,wer wäre dann das anonyme "man",der das Recht auf Erinnerung als Absolution verteilt?

seaman


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#7

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 09:21
von ABV | 4.204 Beiträge

Mit dem anoymen man, ist die "öffentliche Meinung" gemeint @seaman .
Was ich mit dem Beitrag ausdrücken wollte: zu einer objektiven Geschichtsbetrachtung gehört nun einmal eine Betrachtung aller Aspekte. Und kein selektives " herauspurkeln" von genehmen und das Verschweigen weniger genehmer Tatsachen. Dazu gehört eben auch, dass alle Seiten zu Wort kommen müssen. Und das sich auch die " Täter von einst", erinnern und über diese Erinnerungen reden dürfen. Ohne das gleich jemand die " Verklärungskeule" schwingt.

Viele Grüße vom Oderstrand
Uwe


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#8

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 09:52
von FRITZE (gelöscht)
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Wer sollte mir mein Recht auf Erinnerung nehmen können ? Auch wenn mich Einige zu den "Tätern von damals "zählen ,bin ich mit mir im Reinen !
Im Nachhinein kann niemand etwas ändern . Und um mir Asche aufs Haupt zu streuen , hat mich der Dienst zu sehr gefordert !
Ich hatte auch Einschränkungen in meinem Leben ,welche von Anderen verursacht wurden !
Haben "Die" sich bei mir entschuldugt ! Nun , noch nicht !

MfG FRITZE


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#9

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 09:54
von Georg | 1.033 Beiträge

Recht - kann ich einklagen !
Wer nimmt das Recht in die Beuge ? Ich meine das Recht oder ist es gar eine Pflicht der Erinnerung ? Damit sowas schreckliches wie Nationalismus und Kommunismus nie wieder in Deutschland stattfindet. Also neben den Erinnerungstempeln die Seele bearbeiten. Wenn ich nur an Buchvorstellungen hier im Forum denke....
Ich erinnere mich woran ich will und wann ich will ! An Gutes, an weniger Gutes und an ganz Gutes. Persönliches und gesellschaftliches Geschehen durchaus kritisch. Aber keine Erinnerung auf Knien.
Ein Recht ist nicht automatisch gegen Missbrauch geschützt. Was ich meine, ist Gift in Wunden spucken und auf Entzündung hoffen.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#10

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 09:59
von Alfred | 6.861 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #1
Hallo Freunde!


Was ist aber mit den vielen, vielen ehemaligen Botschaftsflüchtlingen. Für die die "Wache Mitte" die erste Station auf dem Weg in die Haftanstalten darstellte.
Spontan fallen mir die beiden jungen NVA-Angehörigen ein. Die im Frühjahr 1986 die USA-Botschaft in (Ost)Berlin aufsuchten und um politisches Asyl baten. Und zu ihrer Überraschung von den Amerikanern kurzerhand vor die Tür gesetzt und den wachhabenden Volkspolizisten übergeben wurden. Inklusive der VS-Materialien, welche die NVA-Angehörigen, ein Leutnant und ein Unteroffizier, den Amerikanern als " Mitgift" servieren wollten.
Ich habe die beiden damals bewachen müssen. Später kamen zwei MfS-Männer in einem roten Lada, um die Jungs in die Normannenstraße zu bringen.
Gruß an alle
Uwe




Uwe,

mal zwei Sachen.

Für welche Botschaftsflüchtlinge stellte denn die Wache die erste Station auf den Weg in die Haftanstalten dar ?

Ich kenne dies z.B. aus den Besetzungen der Ständigen Vertretung in den 80 iger Jahren nicht. Sicher saßen die Personen dort einige Zeit fest, die Ständige Vertretung wurde auch zeitweise geschlossen. Zwischen der DDR und der BRD wurde aber immer ausgehandelt, dass die Personen STRAFFREI die StÄV verlassen durften und ihre Anträge auf Ausreise wurden entsprechend bearbeitet.

Da spielte auch der bekannte Rechtsanwalt V o g e l immer eine wichtige Rolle. Dies kann man auch bei der BStU nachlesen.

Das Personen, die z.B. Angehörige der NVA waren, eine mögliche Strafverfolgung drohte, dürfte keine Eigenheit der DDR sein.

Übrigens, in die Normannenstraße wurden die zwei Herren ganz bestimmt nicht gebracht. Für solche Fälle wurde die Magdalenen / Alfredstraße genutzt.

Ist aber nur eine Straße weiter.


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zuletzt bearbeitet 13.07.2014 11:37 | nach oben springen

#11

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 10:33
von ABV | 4.204 Beiträge

@Alfred : ich war ja nur kurze Zeit, von Januar bis April 1986, in der " Wache Mitte". Ich weiß aber aus Erzählungen von Kollegen, das einige bereits im Vorfeld, ehe sie die STÄV erreichten, "weggefangen" wurden. Für einige ging es sehr von der Wache ins Gefängnis!
Natürlich bestraft jeder Staat der Welt Militärangehörige, die unter Mitnahme geheimer Dokumente desertieren und zum "Feind" überlaufen wollen. Ich habe lediglich auf das Geschehen hingewiesen, die Aktion aber nicht bewertet.
Mir wurde damals gesagt, dass die beiden " von den Genossen aus der Normannenstraße" abgeholt werden. Alles andere ist doch eher unwichtig.
Außerdem, das man nach dir schon zu Lebzeiten eine Straße benannt hat..... Entschuldige, aber ein wenig grinsen musste ich jetzt schon. So wie andere bei meinem Verschreiber im Eröffnungsbeitrag. Als 1985 mit 1945 "verwechselte". Aber Spaß gehört dazu. Man sollte das alles nicht mehr ganz so ernst sehen.

Viele Grüße vom Oderstrand
Uwe


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#12

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 10:45
von seaman | 3.487 Beiträge

In Hamburg ist die Uwestrasse eine kleine Sackgasse ......

Heute haben wohl alle einen Clown gefrühstückt.

seaman


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#13

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 10:55
von FRITZE (gelöscht)
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Zitat von seaman im Beitrag #12

In Hamburg ist die Uwestrasse eine kleine Sackgasse ......

Heute haben wohl alle einen Clown gefrühstückt.

seaman


Nöö , ich hatte Lachsbrötchen ,Rüherei und selbsteingelegte Gurken !


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#14

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 11:02
von ABV | 4.204 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #12

In Hamburg ist die Uwestrasse eine kleine Sackgasse ......

Heute haben wohl alle einen Clown gefrühstückt.

seaman


Muss wohl am Wetter liegen@seaman. Warte mal ab was morgen für ein Frohsinn im Forum herrscht. Wenn wir alle Weltmeister sind

Gruß Uwe


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#15

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 11:17
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liegt wohl daran, dass ich heute nicht gefrühstückt habe. Aber wer ist mit "Täter von einst" gemeint?

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 13.07.2014 11:18 | nach oben springen

#16

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 11:20
von ABV | 4.204 Beiträge

Na wer wird wohl in bzw von der öffentlichen Meinung gewöhnlich als Täter bezeichnet? Alle die in der DDR eine Funktion im Staatsapaarat oder in den " bewaffneten Organen" bekleideten. Bei manchem reicht ja schon die pauschale Nennung des früher ausgeübten Berufes, um ihm den Stempel " TÄTER" aufzudrücken.

Gruß Uwe


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zuletzt bearbeitet 13.07.2014 11:22 | nach oben springen

#17

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 11:29
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #16
Na wer wird wohl in bzw von der öffentlichen Meinung gewöhnlich als Täter bezeichnet? Alle die in der DDR eine Funktion im Staatsapaarat oder in den " bewaffneten Organen" bekleideten. Bei manchem reicht ja schon die pauschale Nennung des früher ausgeübten Berufes, um ihm den Stempel " TÄTER" aufzudrücken.

Gruß Uwe


Stigmatisierung ist wohl die fachliche Bezeichnung dafür.

Zum Glück gibt es ja das Grundgesetz und den Artikel 3 der für alle verpflichtend bindend ist:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.


seaman


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#18

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 11:34
von Moskwitschka (gelöscht)
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Daher finde ich es schade @ABV , dass Du diesen "Begriff" verwendest, weil Du ja gerade gegen diese einseitige Geschichtsbetrachtung anschreibst. Dadurch kommt man automatisch in eine Rechtfertigungshaltung und ein Zeitzeugenbericht wird fast zwangsläufig mit einer Wertung verbunden. Und damit angreifbar.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 13.07.2014 11:35 | nach oben springen

#19

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 11:45
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Man tut, was man tun kann, so zumindest halten es manche Heimatvereine.
Hier gibt es eine Initiative, Gebäude mit historischem Bezug mit einer Erinnerungstafel zu versehen um Interessenten zu vermitteln, was es damit früher auf sich hatte.
http://www.mz-web.de/eisleben/mansfeld-s...2,17082848.html
Inzwischen hat man weitere Bauwerke gekennzeichnet, die ehemalige VP- Dienststelle des Ortes war auch schon dabei, wo es den ABV und die Personalausweise gab, den Geruch seiner Zigarre habe ich heute noch in der Nase, daran erinnere ich mich immer wieder, wenn ich am heutigen Fotostudio vorbei komme.
Die Idee, Gebäuden ihre Geschichte "auf die Stirn" zu schreiben regt immerhin zum Nachdenken an und ich hoffe, daß unser Heimatverein mit allen ehemals öffentlichen Häusern gleich welcher Art durch kommt.
Die Mitteldeutsche Zeitung veröffentlicht auch jede Woche ein Rätselfoto und alle, denen etwas dazu einfällt können ihre Erinnerung dazu aufschreiben.
Solchen Aktionen gehen wohl im Bezug auf die DDR- Geschichte auch irgendwann die Zeitzeugen aus, so daß man nicht mehr allzu viel Zeit verlieren sollte, diese Ideen umzusetzen.



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Recht auf Erinnerung?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.07.2014 12:12
von ABV | 4.204 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #18
Daher finde ich es schade @ABV , dass Du diesen "Begriff" verwendest, weil Du ja gerade gegen diese einseitige Geschichtsbetrachtung anschreibst. Dadurch kommt man automatisch in eine Rechtfertigungshaltung und ein Zeitzeugenbericht wird fast zwangsläufig mit einer Wertung verbunden. Und damit angreifbar.

LG von der Moskwitschka


@Moskwitschka: aus den von dir genannte Gründen, hatte ich den Begriff extra in Anführungsstriche gesetzt. Leider ist aber wirklich oft so, dass Zeitzeugen aus diesem Bereich von vielen beinahe automatisch in diese Kategorie eingeordnet werden. Ungeachtet ob sie nun tatsächlich Straftaten während ihrer Dienstzeit begangen haben, oder nicht. Denn nur der ist ein Täter, der auch eine Straftat begangen hat!!!!!
Erfahrungsgemäß wird sich kaum jemand öffentlich äußern, der zu recht einer strafbaren Handlung beschuldigt wurde.
Was die Pauschalverurteilungen angeht, rede ich ein klein wenig aus Erfahrung. Ich wurde schon mal von einem beinharten " Kalten Krieger", ich weiß, dass ist wieder so eine pauschale Einordnung, trifft in diesen Fall aber voll zu, übel angegangen. Wegen eines Beitrages, bei dem es um die VP ging. Konkret ging um die Motive bei der Berufswahl.
Jedenfalls gipfelte mein Versuch einige Dinge zu erklären, sofort in den Vorwurf, " ich würde mich herausreden wollen, einem Unrechtsregime gedient zu haben."
Blödsinn! Der Mann war einfach keinen Argumenten, die jenseits seines ausgeprägten, noch heute von Hass geprägten Weltbild lagen, zugänglich. Da gibt es nur ein "Gut" oder "Böse". Dazwischen gibt es nichts.
Wer wirklich unvoreingenommen die Wahrheit erforschen und erfahren möchte, muss auch die vielen "Grauzonen" ausleuchten. Das funktioniert aber nur, wenn ein möglichst großes Spektrum von Zeitzeugen zu Wort kommt. Und die Zeitzeugen keine Angst zu haben brauchen, dass hinterher gewissermaßen jedes Wort gegen sie verwendet wird.

Viele Grüße von der Oder nach Berlin

Uwe


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zuletzt bearbeitet 13.07.2014 12:14 | nach oben springen



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