#241

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 07:39
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #237
Zitat von Freienhagener im Beitrag #228

Den Eindruck, daß die Freigekauften nur opponierten, um ins Gefängnis und dann in den Westen zu kommen, willst Du aber nicht vermitteln, oder?

Zuerst der Knast, nicht nur paar Tage. Der Freikauf war bis zuletzt unsicher.



Hätte ich das nicht in einer Doku von einem Zeitzeugen gehört - kommentiert mit: das Gefängnis als Fluchtweg, hätte ich das auch nicht geglaubt:



Ab ca. 30:20 in einer Doku über HSH.

Da stellt man sich automatisch die Frage - Ein Einzelfall? Wenn er aber in einer solchen Doku so herausgestellt wird, dann gehe ich davon aus, das es kein Einzelfall ist. Oder doch?

Alles nicht so einfach.

LG von der Moskwitschka





Gefängnis als eleganter Fluchtweg. Na hinterher sind immer alle schlauer.
Das war doch absolut unsicher und nicht voraussehbar ob einer nach seiner Haft in den Westen freigekauft wurde. Wer hat denn die Namen auf die Listen für die Freikäufe gesetzt?
Das oblag alles der Stasi.
Ich kenne persönlich einen Berliner , der lebte als quasi Verbannter in unserer Stadt. Der gab eines Abends in unserer Kneipe (in meiner Anwesenheit) zum Besten, daß er jetzt in den Westen abhauen würde.
Er setzte sich in einen Zug nach Frankfurt/M und erzählte den Trapos in Gotha von seinem Vorhaben.
Der wurde eingesperrt und nicht wie im Film freigekauft, sondern wieder in die DDR entlassen und fristete bis zum Ende der DDR ein Dasein als Hilfsarbeiter in einer vergammelten DDR Kleinstadt.
Ein Freund erzählte mir vor einiger Zeit , der hätte jetzt einen Malerbetrieb mit 10 Angestellten.


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zuletzt bearbeitet 27.06.2014 07:47 | nach oben springen

#242

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 08:08
von Gelöschtes Mitglied
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Das hier soll doch nicht der Maßstab für alle Freigekauften Regimegegner sein .
In meinem früheren Arbeitsbereich wurde mir ein junger 20 jähriger zugeteilt , der wurde in der CSSR , Anfang 89 , bei der Flucht vom Grenzzaun geholt . Eigentlich saß er nicht lange in U-Haft , erzählt hat er mir nur , den Rücktransport mit dem Flugzeug von Prag nach Berlin
Er dachte auch , er wird Freigekauft . ratata


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zuletzt bearbeitet 27.06.2014 08:43 | nach oben springen

#243

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 10:26
von utkieker | 2.922 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #161
Also ich saß mal im Zug auf der Fahrt zur Hochschule. Im Nachbarabteil 4 Grenzer auf Urlaub, die nach Hause führen. Man kann nicht sagen, dass das stramme 100%ige waren, so wie sie sich unterhielten. Irgendwann kam dann das Gespräch auf das Thema Grenzverletzer. Da sagte der eine dann völlig emotionslos. Wegen so einem Arschloch nach Schwedt zu kommen sehe ich gar nicht ein, den lege ich lieber um. Da ist mir echt mulmig geworden und ich dachte, wenn die alle so drauf sind, dann riskierste echt Deinen Arsch, wennde der Grenze zu nahe kommst. Zum Glück waren nicht alle so drauf, wie ich selber mitbekommen habe, als ich im Grenzgebiet mal kartieren musste.

Gruß Kalubke

Ja @Kalubke, so oder so ähnlich wurde häufig in der Kaserne diskutiert, weniger im Zugabteil, wenn es in den Urlaub ging. Da gab es "wichtigere" Dinge (Sex, Saufen und Fußball). Die Diskussion, was tuen, wenn ein Grenzverletzer im Abschnitt ist, bildete richtige Fraktionen. Ich gehörte zur breiten Fraktion derer, die die Waffe gemäß der Schusswaffengebrauchsbestimmung einsetzen wollte. Wir sind nicht davon ausgegangen, daß der Flüchtende, welcher gerade den GSZ überwunden hatte, uns wohlgesonnen war. Aber dies geschah wohl auf Gegenseitigkeit.
Wie man sieht bzw. hört, war der Grenzer im Zugabteil bei einer zu erwartenden Strafe (Schwedt) durchaus bereit zu schießen. Hätte er es wirklich getan oder wäre er in Schockstarre verfallen? Vielleicht gehörte er auch zur "Matschofraktion", welche gleich schießen wollten und den Warnschuss hinterher. Gerade den Gedanken an den Mord an Seidel und Lange im Hinterkopf, hat uns zu mindestens für den Augenblick wachsam werden lassen.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#244

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 10:36
von passport | 2.638 Beiträge

@Schuddelkind


Ich habe in meinen Beitrag nie behauptet das es an der bulgarischen Grenze keine Toten gegeben hat.

Ich habe in Zweifel gestellt das es sogenannte "Abschußprämien" gegeben hat und das es darüber ein "Geheimabkommen" gegeben hat. Richtig ist wie schon User @Kalubke geschrieben hat, das es zwischen der DDR und der VR Bulgarien ein Rechtshilfeabkommen gab !


passport


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#245

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 10:43
von schnatterinchen (gelöscht)
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Die bulgarischen Behörden scheinen noch heute Probleme zu haben die Akten für Nachforschungen zu öffnen.
Stand in diesem "Rechtshilfeabkommen" zwischen der DDR und der VR Bulgarien eigentlich auch daß die Leichen der erschossenen DDR Flüchtlinge gleich an Ort und Stelle zu verscharren sind oder als Doppelbelegung in den Gräbern von Bulgaren zu versenken sind?


zuletzt bearbeitet 27.06.2014 10:44 | nach oben springen

#246

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 10:56
von passport | 2.638 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #245
Die bulgarischen Behörden scheinen noch heute Probleme zu haben die Akten für Nachforschungen zu öffnen.
Stand in diesem "Rechtshilfeabkommen" zwischen der DDR und der VR Bulgarien eigentlich auch daß die Leichen der erschossenen DDR Flüchtlinge gleich an Ort und Stelle zu verscharren sind oder als Doppelbelegung in den Gräbern von Bulgaren zu versenken sind?



@schnatterinchen

Ich werde bei vielen deiner Beiträge das Gefühl nicht los das dein Doc Dir zuviel bunte Pillen verschrieben hat

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#247

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 11:07
von schnatterinchen (gelöscht)
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Diese Fälle hat es gegeben. Darüber gibt es eine Reportage mit Zeugen auch auf bulgarischer Seite.
Das sowas nicht in den Abkommen mit der DDR stand ist ja klar. Die Stasi hat ja auch an der Grenze Erschossene flugs zu Verkehrstoten umdeklariert und verbrannt, da war denen das Vorgehen der bulgarischen Waffenbrüder gerade recht.
Dumm nur das sich das immer mehr Hinterbliebene in der DDR nicht mehr bieten lassen wollten. Die hatten nämlich ihre Kinder verloren und nichts mehr zu verlieren.
Denen konnte die Stasi mit nichts mehr drohen.


zuletzt bearbeitet 27.06.2014 11:08 | nach oben springen

#248

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 12:12
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Hier ein paar Auszüge aus der Publikation von M. Tantzscher:

Zusatzvereinbarung zum Rechtshilfeabkommen zwischen der DDR und der VR Bulgarien vom 12.10.1978

29. Februar 1980

Vereinbarung zwischen dem Leiter der Hauptabteilung Untersuchung des Ministeriums für
Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und dem Leiter der Hauptverwaltung
Untersuchung des Ministeriums des Innern der Volksrepublik Bulgarien in Ausführung
des Vertrages zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik
Bulgarien über den Rechtshilfeverkehr in Zivil-, Familien- und Strafsachen vom
12. Oktober 1978 (im weiteren Rechtshilfevertrag genannt)


Der Leiter der Hauptabteilung Untersuchung des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und der Leiter der Hauptverwaltung Untersuchung des Ministeriums des Innern der Volksrepublik Bulgarien haben mit dem Ziel der weiteren Entwicklung und Festigung der Zusammenarbeit zwischen ihnen und zur Sicherung der noch operativeren gegenseitigen Unterstützung in Strafverfahren, die in ihre Zuständigkeit fallen folgendes vereinbart:
Artikel 1
(1) Die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung zwischen den Vereinbarungspartnern wird in Übereinstimmung mit dem Rechtshilfevertrag und der vorliegenden Vereinbarung verwirklicht.
(2) Die Seiten leisten dem Generalstaatsanwalt der Deutschen Demokratischen Republik und dem Generalstaatsanwalt der Volksrepublik Bulgarien bei der dringenden Übermittlung von Rechtshilfeersuchen und erledigter Ersuchen Unterstützung, sofern die Organe der Staatsanwaltschaft darum bitten.
(3) In Fällen, die keinen Aufschub dulden, erledigen der Leiter der Hauptabteilung Untersuchung des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und der Leiter der Hauptverwaltung Untersuchung des Ministeriums des Innern der Volksrepublik Bulgarien die Ersuchen zu einzelnen Untersuchungshandlungen im direkten beiderseitigen Verkehr.
(4) Untersuchungshandlungen gemäß Artikel 1, Absatz 3, sind die Besichtigung, die Durchsuchung, die Vernehmung, die Festnahme und andere, nach innerstaatlichen Bestimmungen beider Seiten zulässige strafprozessuale Handlungen.
(5) Ersuchen um Festnahmen von Personen an die andere Seite gemäß Absatz 3 werden ausschließlich durch den Minister für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik beziehungsweise durch den Minister des Innern der Volksrepublik Bulgarien gestellt.
(6) Die Vermittlung des Rechtshilfeverkehrs erfolgt über die Abteilungen Internationale Verbindungen des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und des Ministeriums des Innern der Volksrepublik Bulgarien. Dabei nutzen die Seiten alle zwischen ihnen bestehenden Arten der Verbindung, die eine schnelle Erledigung der Ersuchen und die Geheimhaltung (!!!) garantieren.
Artikel 2
(1) Ersuchen um Durchführung von Untersuchungshandlungen, die in der vorliegenden Vereinbarung vorgesehen sind, werden in Übereinstimmung mit Artikel 16 des Rechtshilfevertrages gestellt. In Fällen, in denen das Ersuchen die Durchführung von Vernehmungen betrifft, werden die Fragen aufgeführt, die zu klären sind.
(2) Die Durchführung von Untersuchungshandlungen erfolgt in der vom Artikel 18, Absatz 1, des Rechtshilfevertrages vorgesehenen Form. Ersuchen werden in einer Frist bis zu 30 Tagen nach Eingang bei der ersuchten Seite erledigt.
(3) Wenn innerhalb der im vorhergehenden Absatz genannten Frist Ersuchen um Durchführung von Untersuchungshandlungen nicht erledigt werden können, wird die ersuchende Seite über die Umstände, die die fristgemäße Erledigung des Ersuchens verhindern, und über den voraussichtlichen Termin der Erledigung unterrichtet.
(4) Ergibt sich während der Erledigung eines Ersuchens die Notwendigkeit, Handlungen durchzuführen, die im gestellten Ersuchen nicht vorgesehen waren, führt die ersuchte Seite diese Handlungen durch.
Artikel 3
Der Leiter der Hauptabteilung Untersuchung des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und der Leiter der Hauptverwaltung Untersuchung des Ministeriums des Innern der Volksrepublik Bulgarien unterrichten den Generalstaatsanwalt ihrer Seite unverzüglich über Untersuchungshandlungen, die im Zusammenhang mit einem Ersuchen entsprechend Artikel 1, Absätze 3 und 5, durchgeführt worden sind.
Artikel 4
Alle Materialien über das erledigte Ersuchen werden der ersuchenden Seite im Original oder in Kopien übergeben, die nach den Bestimmungen der ersuchten Seite bestätigt sind. Auf Bitten der ersuchenden Seite können die Kopien nach den Bestimmungen der ersuchenden Seite bestätigt werden.
Artikel 5
Wenn sich bei der Durchführung von Untersuchungshandlungen auf dem Hoheitsgebiet einer Seite die Notwendigkeit der Teilnahme eines Vertreters der anderen Seite ergibt, entscheiden der Minister für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und der Minister des Innern der Volksrepublik Bulgarien nach Vereinbarung über den Umfang und die Formen einer solchen Teilnahme.
Artikel 6
(1) Im Falle der Festnahme eines Bürgers der anderen Seite wegen einer Straftat, für deren Verfolgung die Zuständigkeit der Organe der Seite, die die Festnahme durchgeführt hat, besteht, informiert sie die andere Seite innerhalb einer Frist von 5 Tagen von der erfolgten Festnahme. Zusammen damit werden Informationen über die festgenommene Person und den Charakter der von ihr begangenen Straftat mitgeteilt.
Wenn die Seite, die über die Festnahme eines ihrer Bürger informiert wurde, an dessen Übernahme interessiert ist, um die Strafverfolgung selbst durchzuführen, teilt sie das der anderen Seite mit.
(2) Nach ihren innerstaatlichen Bestimmungen führen die Seiten unverzüglich Maßnahmen durch, die zur Aufklärung der Straftat dieser Bürger erforderlich sind.
(3) Grundsätzlich werden diese Bürger der anderen Seite zur weiteren Strafverfolgung übergeben, soweit das nicht den Interessen des Staates, auf dessen Hoheitsgebiet die Straftat begangen wurde, zuwiderläuft. Soll die Übergabe zur weiteren Strafverfolgung nicht erfolgen, ist die andere Seite zu konsultieren.
Artikel 7
(1) Wenn in einem Strafverfahren auf dem Hoheitsgebiet einer Seite Angaben über eine strafbare Handlung eines Bürgers der anderen Seite, der sich auf deren Hoheitsgebiet befindet, erlangt werden, übersenden die Untersuchungsorgane, die solche Angaben erhalten haben der anderen Seite diese in möglichst kurzer Frist.
(2) In gleicher Weise erfolgt der Austausch von Angaben, wenn eine Seite in einem Strafverfahren gegen einen Bürger der anderen Seite Angaben über andere Straftaten erlangt, die dieser auf dem Hoheitsgebiet seines Staates, eines Drittstaates oder in Berlin (West) begangen hat.
Artikel 8
(1) Wenn die zuständigen Organe der einen Seite die Entscheidung getroffen haben, eine festgenommene Person an die andere Seite zur Strafverfolgung zu übergeben, vereinbaren die Untersuchungsorgane beider Seiten Ort und Zeit der Übergabe/Übernahme der zu übergebenden Person. Die Übergabe der Person erfolgt durch Mitarbeiter der Untersuchungsorgane der einen Seite an Mitarbeiter der Untersuchungsorgane der anderen Seite.
(2) Mit der Person werden zugleich im Original, ausnahmsweise als Kopie, übergeben:
 die Dokumente über die Einleitung eines Strafverfahrens;
 der Tatortbefundsbericht;
 das Festnahmeprotokoll;
 das Durchsuchungsprotokoll;
 Protokolle über Vernehmungen der festgenommenen Person und der Zeugen;
 Sach- und andere Beweise (Beweismaterialien im Original);
 Sachverständigengutachten;
 Verzeichnis der zu übergebenden Sachen, Gelder, Wertgegenstände oder der Beschluß über den Verbleib dieser Sachen und Wertgegenstände;
 andere Dokumente, die für das Verfahren Bedeutung haben.
(3) Ist die Übergabe der in Absatz 2 dieses Artikels genannten Dokumente und Gegenstände nicht gleichzeitig mit der Übergabe der Person möglich, wird der Termin der Übergabe vereinbart.
Artikel 9
(1) Die Seite, die eine Person zur weiteren Strafverfolgung übernommen hat, informiert die übergebende Seite über Untersuchungsergebnisse, die von Interesse sind. Wenn ein rechtskräftiges Urteil ergangen ist, wird der anderen Seite auf deren Ersuchen eine Kopie des Urteils übersandt.
(2) Wird die Übergabe einer Person abgelehnt, so übergeben die Untersuchungsorgane der Seite, welche die Übergabe ablehnt, den Untersuchungsorganen der anderen Seite auf Ersuchen die Kopien der sie interessierenden prozessualen Dokumente, soweit innerstaatliche Rechtsvorschriften
nicht entgegenstehen.
Artikel 10
Diese Vereinbarung tritt nach Bestätigung durch den Minister für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und den Generalstaatsanwalt der Deutschen Demokratischen Republik sowie den Minister des Innern der Volksrepublik Bulgarien und den Generalstaatsanwalt der Volksrepublik Bulgarien in Kraft.

Sie wurde gefertigt in zwei Exemplaren, jedes in deutscher und bulgarischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen gültig sind.

Leiter der Hauptabteilung Untersuchung des Ministeriums Für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik

Leiter der Hauptverwaltung Untersuchung des Ministeriums des Innern der Volksrepublik Bulgarien

Auszug aus dem Kapitel Zuständigkeiten im MfS

Die Abteilung 10 der HA IX mit dem Leiter Oberst Peter Pfütze war für die internationale Zusammenarbeit verantwortlich und beschäftigte zuletzt sieben Offiziere für Koordinierung von Untersuchungsverfahren in anderen Ostblockländern. Mit Personen, die wegen versuchter Flucht inhaftiert wurden, führten die Untersuchungsorgane der HA IX so genannte Auswertungsvernehmungen durch, um Lücken im Grenzsicherungssystem zu erkunden und Mittel und Methoden der Flucht in Erfahrung zu bringen. Dazu wurden zuvor Vernehmungspläne erarbeitet. In anderen Ostblockländern waren Mitarbeiter der Linie IX bei der Sachstandsfeststellung und Rückführung von DDR-Flüchtlingen eingesetzt. Die Gespräche mit den Inhaftierten wurden als "operative Maßnahmen" interpretiert, da Untersuchungshandlungen durch Mitarbeiter des MfS im Ausland dem völkerrechtlichen Souveränitätsprinzip widersprochen hätten. Ihre Teilnahme an Prozessen war jedoch möglich, wenn die Generalstaatsanwälte der betreffenden Länder dies vereinbart hatten.

MfS-interne Arbeitsordnung zur Bearbeitung von Festnahmeinformationen [aus dem sozialistischen Ausland]

I. Festnahmeinformationen
1. nach Eingang der Festnahmeinformation werden die aufgeführten Personen in der Kartei der Abteilung X geprüft; (Eingang telefonisch od. telegrafisch)
– bei vorhandenen Materialien zu Kontakten od. früheren Festnahmen sind diese Informationen auf der Festnahmeinformation zu vermerken
– bei vorhandenen operativen Materialien ist Rücksprache mit dem Referatsleiter zu führen (Weiterleitung dieser Materialien
– Kontakte, BK od. ä. nur an HA IX und ZKG)
2. Information des OPL der ZKG über WTSch;
3. Information der HA IX/10 – Gen. Winter über 52037;
4. Übersendung der Festnahmeinformationen an folgenden Verteiler:
1. Ex. – Leiter HA IX – per Eilt!
2. Ex. – Leiter HA VI
3. Ex. – Leiter HA VII
4. Ex. – Leiter ZKG
per "ohne Anschreiben"
– dabei ist zu beachten, daß auf dem letzten Durchschlag mit der Tgb.- Eingangsnummer das Datum und die Telegrammnummer des jeweiligen Landes vermerkt wird;
II. Festnahmeinformationen mit einem Ersuchen um die Identifizierung einer festgenommenen Person
1. Prüfung in der Kartei der Abt. X
2. Telefonische Vorinformation an HA VII/F – Tel. 28219 (24344)
oder OdH der HA VII/F – 20113 – über Wtsch
3. Information des OPL/ZKG über WTSch sowie der HA IX/10
4. Übersendung dieser Festnahmeinformation mit folgendem Verteiler:
1. Ex. – Leiter HA VII zur weiteren Erledigung
2. Ex. – Leiter HA IX zur Kenntnisnahme
3. Ex. – Leiter HA VI "
4. Ex. – Leiter ZKG "
auf der Festnahmeinformation ist die tel. Vorinformation an die HA VII/F zu vermerken; Weiterleitung der Festnahmeinformation an den Leiter der HA VII per Eilt!
5. Weiterleitung der Ablage an das Referat 4 zur Ablage im Festnahmeordner, Festnahmeinformationen
mit Identifizierungsersuchen nur zur Registrierung an das Ref. 4 geben, danach zur Terminkontrolle am Platz behalten bis Identifizierung erfolgt ist.
5. Bei Eingang einer schriftlichen od. mündlichen Information der HA VII ist Prag über Wtsch zu verständigen. Danach Telegramm fertigen.
6. Personenbeschreibungen und Angaben zur Tat können an die SO mittels Telegramm übermittelt werden;
Fotos, Daktyloskopiebogen werden mit der Kurierpost oder in dringenden Fällen von der Abt. XIV im Rahmen der Flüge zur Rückführung inhaftierter Personen befördert; – sowie über die Operativgruppen der HA VI
dabei ist zu beachten:
Absprache mit Gen. Heinz, ob Material befördert werden kann (Stell. Leiter d. Abt. XIV)
Absprache mit dem Ausland, wer bei Landung das Material an der Maschine übernimmt
Information an Gen. Heinz – Abt. XIV – an wen Material im Ausland übergeben werden kann und wann Material in der Abt. XIV eintrifft
Material vom Sekretariat nach Unterschrift versiegeln lassen
Transport des Materials zur Abt. XIV organisieren – durch eigene Kräfte oder Referat 3
III. Rücklauf der HA IX
Tagesmeldungen der HA IX zu Festnahmen von DDR-Bürgern im soz. Ausland werden zur Vervollständigung der Personalien an das Referat 4 weitergeleitet.
Auszüge aus den Lageberichten der HA VI: Personen in Kartei prüfen – wenn vorhanden, Material zusammenführen – dann Ablage im Ref. 4
IV. Avisierung von Rückführungen inhaftierter DDR-Bürger
1. nach Eingang des Flugplanes der Abt. XIV ist dieser zu kopieren und an die betreffenden Länderoffiziere, den Referatsleiter und den Leiter des Referats Protokoll zu verteilen;
2. Fertigung eines Avisierungstelegramms (s. Muster) an den jeweiligen Leiter der Intern. Abteilung nach Eingang des Avisierungsschreibens der HA IX; dabei ist zu beachten, daß dieses Telegramm 2–3 Tage vor der Ankunft des entsprechenden Mitarbeiters in der Partnerabteilung eintrifft; bei Bedarf muß telefonisch vorinformiert werden; Inhalt:
– Ankunft des Mitarbeiters der HA IX zur Vorbereitung der Rückführung (Datum/Zeit/Ort/Nummer der Linienmaschine)
– Datum der Rückführung
– Flugzeiten am Tage der Rückführung
– Bitte um Hotelreservation bei Bedarf (außer CSSR)
– Dauer des Aufenthaltes des Mitarbeiters des MfS
3. bei Änderungen der Flugzeiten muß Information der Abt. XIV – Gen. Heinz erfolgen; (stellvertretender Leiter der Abt. XIV)
4. bei Flugstornierungen ist das Ref. Protokoll zu verständigen; + Referatsleiter des Ref. 1 (Tel. Hilpert, Klaus – 26558)
5. bei witterungsbedingter Verzögerung des Starts oder des Rückfluges ist das betreffende Land bzw. die HA IX zu informieren;
6. Abstimmung zu den Flugzeiten/Veränderungen/mitfliegenden Dienstreisenden oder veränderter Linienführung ist mit Gen. Hilpert/Ref. Protokoll vorzunehmen.

Beispiel Festnahmeinformation



Dislozierung der MfS-Operativgruppen in der VR Bulgarien



Der Bericht ist unter folgendem Link verfügbar:
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile
Gruß Kalubke



Jobnomade, Schuddelkind, passport und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2014 15:57 | nach oben springen

#249

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 20:25
von Boelleronkel (gelöscht)
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Tja Herr Kalubke......

Das fettgeschrieben Wort GEHEIMHALTUNG...da Nachtijall ick hoer Dir trapsen....

Also wenn so ein Rechtshilfeabkommen mit allem pi pa po und so fein Niedergeschrieben nicht dazu gefuehrt hat,das den Angehoerigen reiner Wein eingeschenkt wurde,WAS IST GENAU PASSIERT,dann kannste "Dir"das Ding"(meiner Meinung nach)hinter die Klobrille kleben....

Sodann BO


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#250

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 20:25
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #241
Gefängnis als eleganter Fluchtweg. Na hinterher sind immer alle schlauer. ...

Na das meine ich ja, zu DDR-Zeiten war dieser Weg noch weniger bekannt wie der pionier- und signaltechnische Ausbau der Staatsgrenze. Und auch in den Westmedien wurde dieser Weg nun überhaupt nicht propagiert, soviel mal zur vielgepriesenen Pressefreiheit. Ein anderer Zugführer, welcher mit mir diente, 'durfte' mal an einer Verhandlung wegen §213 als Zuschauer teilnehmen. Stinksauer berichtete er dann in der Parteiversammlung, das es mehr oder weniger offen seitens des Verteidigers ausgesprochen wurde, das zwar das Urteil auf 2 Jahre lautete, aber nach einem halben, spätetstens nach einem Jahr der Freikauf erfolgt. Er war fassungslos, also der andere Zugführer.

Nochmal was zur Türken-Grenze, die Bulgaren hatten ein deutlich breiteres Grenzgebiet (im Schnitt 30 km ?). An der Küste aber war nicht schon in Achtopol, sondern kurz hinter Sinemorez erst für den gemeinen DDR-Deutschen das Ende der Fahnenstange erreicht, Weiterklettern dann auf eigene Gefahr. Doch Frage zu dem Mastika @Kalubke *breites_grins*
Aber kennste auch Wolke? (Auflösung für alle dies nicht kennen ... #315)

Und @Schnattschen, wie willstn was öffnen was nie angelegt oder wenn doch, vielleicht garnimmer mehr da ist. Ich meine die deutsche Gründlichkeit wird im Ausland oft gern bewundert (und fällt den jeweiligen Deutschen, die dann gerade mal nicht mehr an der Macht sind bei Regimewechseln dann auch gern mal auf die Füße), aber das heißt doch noch lange nicht das es gleich nachgemacht wird, odär?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 27.06.2014 20:26 | nach oben springen

#251

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 20:43
von Freienhagener | 3.865 Beiträge

@94 Zuerst war mal der verschärfte Knast ohne Hoffnung auf Freikauf.

Wer wollte sich darauf wissentlich einlassen?

Hier hat Jemand schon ganze 7 Tage Bau bei unserer Truppe als "Hölle" bezeichnet und fand es besser stattdessen zu schießen............


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2014 20:44 | nach oben springen

#252

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 20:59
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #250

Nochmal was zur Türken-Grenze, die Bulgaren hatten ein deutlich breiteres Grenzgebiet (im Schnitt 30 km ?). An der Küste aber war nicht schon in Achtopol, sondern kurz hinter Sinemorez erst für den gemeinen DDR-Deutschen das Ende der Fahnenstange erreicht, Weiterklettern dann auf eigene Gefahr. Doch Frage zu dem Mastika @Kalubke *breites_grins*
Aber kennste auch Wolke? (Auflösung für alle dies nicht kennen ...



Da muss ich also 32 Jahre später erkennen, dass die Bulgaren uns einen Bären aufgebunden hatten. Es hieß nämlich damals, in Achtopol sei Schluss für die ostelbischen Germanen. Frei war ja eigentlich ab Mitschurin nur noch der Küstenstreifen. Hinter der Küstenstraße standen schon die besagten bulgarisch/deutschen Schilder und hockten die besagten Gestalten.

Respekt für Dein Wissen über die Mixgetränke der Balkan-Eingeborenen. Kannte ich nicht. Uns wurde der "Bulgaren-Ouzo" pur im Pringebirge am Lagerfeuer verabreicht, mit dem Effekt, dass die Hälfte unserer Gebirgswandergruppe nachts aus allen Löchern spie. Zusammen mit der superfetten Erbsensuppe war das wohl für den deutschen Verdauungstrakt zu viel. Ich war einer der wenigen ohne Symptome und fand das Zeug eigentlich recht lecker.

Gruß Kalubke

p.s. Zu Achtopol fällt mir noch ne Begebenheit passend zum Thema ein: Eines Morgens kamen bulgarische Grenzer mit vorgehaltener Kaschi auf den Zeltplatz. Vor ihnen lief ein Tscheche, der dann genau neben uns unter scharfer Bewachung sein Zelt abbauen musste. Er wurde anscheinend nachts von einem Grenzboot aufgefischt als er die letzten 15 km bis zu den Osmanen auf einer Luftmatratze schwimmend zurücklegen wollte.



IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2014 22:24 | nach oben springen

#253

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 21:10
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Zitat von Boelleronkel im Beitrag #249
Tja Herr Kalubke......

Das fettgeschrieben Wort GEHEIMHALTUNG...da Nachtijall ick hoer Dir trapsen....

Also wenn so ein Rechtshilfeabkommen mit allem pi pa po und so fein Niedergeschrieben nicht dazu gefuehrt hat,das den Angehoerigen reiner Wein eingeschenkt wurde,WAS IST GENAU PASSIERT,dann kannste "Dir"das Ding"(meiner Meinung nach)hinter die Klobrille kleben....

Sodann BO



Da haste völlig recht. Das war erstens Geheimdiplomatie zwischen den Sicherheitsbehörden der Ostblockstaaten und zweitens gab ja noch ein Souveränitätsproblem, denn offiziell durfte ja das MfS im Ausland nicht ermitteln. Ds ham se's eben operativ, d.h. geheim gemacht. Und es wurde von beiden Seiten großzügig eingeräumt, dass nach den Gesetzen des jeweiligen Heimatlandes des Täters bestraft werden kann. Und so wurde der ungesetzliche Grenzübertritt von DDR-Bürgern über z.B. bulgarische Grenzen wieder zum DDR-Tatbestand "Republikflucht". So einfach geht das, wenn man die Macht hat. Dann hat man nämlich auch das Recht das Recht so zu gestalten wie man es gerade braucht.

Gruß Kalubke



IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2014 21:23 | nach oben springen

#254

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 21:20
von Schuddelkind | 3.515 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #222

Na ebend, es war ja nicht so einfach, Antrag stellen und fort, nö! Im Schnitt vier Jahre. Und manch einer zerbrach auch und wird heut als Martyrer wahrgenommen. Doch hätten nun diese Kreise das wahre Ausmaß der Grenzsicherung gekannt, na mit Reisebussen währens vorgefahren, und statt einer Spur auf dem Sechser hätten wir Trampelpfade bis Heerstraßen gehabt. Der schnellste Weg sich aus dem Sozialsystemen der DDR zu lösen war übrigens der Freikauf nach einer Verurteilung, am besten nach Kapitel 2 (Verbrechen gegen die Deutsche Demokratische Republik) oder Kapitel 8 (Straftaten gegen die staatliche Ordnung) des besonderen Teils des StGB von 1968. Und erst in den letzten drei Jahren nahmen die genehmigten Privatreisen deutlich zu, damit dann ebend auch die Zahl der Verbleiber. Somit war das Nichtzurückkommen von einer NSW-Reise, aber erst in den späten 80zigern, dann wohl der eleganteste Weg in den güldenen Westen.
Und übrigens, Ruhe hatten wir Grenzer ganz vorne dann schon, neun von zehn hopps-genommenen 213er-Verurteilten sahen nichtmal den Klingelzaun, geschweige denn den Grenzzaun röhmisch Eins.


OT on:
Lieber @94 , stimmt ja alles. Weißt du nur, worüber ich stolper? Wenn ich mal alle Fälle zusammenkratze, komm ich auf eine hübsche Zahl von Leuten, die die DDR auf dem einen oder anderen Weg verlassen haben(oder wollten). Darunter viele junge Leute, gut ausgebildet oder Akademiker. Warum wurde gleich noch mal die Mauer gebaut...........wart mal, genau, man wollte das "Ausbluten" stoppen. Hat aber nicht funktioniert, odär? Selbst das MfS konnte die immer weiter steigende Zahl des Ausreiseantragssteller nicht in den Griff bekommen. Früher oder später hätte das System die weiße Fahne schwenken müssen. Also warum bis zum Schluß diese dämliche Todeszone in der Mitte Deutschlands aufrechterhalten? Militärisch eh sinnlos, oder wollte man über Freikäufe noch schön Kasse machen? Sozialistischer Kapitalismus oder wie?
OT off


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 27.06.2014 21:22 | nach oben springen

#255

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 22:00
von 94 | 10.792 Beiträge

oT wieder einschalt:
Alles richtig was'de schreibst. Und brauchst nicht im Konjunktiv zu schreiben, das System hat die weiße Fahne geschwenkt. Eigentlich schon im Frühjahr '89 als Privatreisen nach Ungarn trotz der inzwischen dort durchlässigen, sogar recht durchlässigen Grenze immer noch genehmigt wurden. Und für die musisch veranlagten Gemüther vielleicht sogar schon im Februar, als Silly auf der gleichnamigen LP den Titel S.O.S. veröffentlichte. Na und die Metapher paßt dann auch zu der nächsten Frage, wenn auf einem Ozeandampfer die Maschine stoppt, na was denksten wielange der noch und vor allem mit welchem Speed der Kahn noch im Kurs läuft? Und für volle Kraft zurück, na dafür war nun doch erst recht keine Kohle mehr im Bunker. Irgendjemand sagte mal (war vielleicht sogar schon olle Lenin, bin jetzt zu faul es rauszusuchen) das das Wettrüsten (Lenin meinte bestimmt damit den Klassenkampf) wird auf dem ökonischen Weg entschieden wird, tja und das wards dann auch zu Gorbatschow'schen Glasnost-Zeiten. Von Perestroijka (lass Dir mal die beiden Vokalbel von der GGerin abfragen) da war Ende der 80er kaum noch die Rede, da war die Luft raus, aber glasklar.
Doch warum nur wollte viele der DDR-Bürger, die halwegs was im Nischel hatte, oder zumindest der Meinung waren, das dem so sei, also warum wollte nun Jeder nur in den Westen? Und wirklich Jeder?

Soo, Polemik und ot *ausschalt*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 27.06.2014 22:14 | nach oben springen

#256

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 22:12
von Moskwitschka (gelöscht)
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Bei Ungarn fällt mir eine andere Fluchtgeschichte mit ungewöhnlichem Ausgang ein.

Der junge Mann war auf das Schlimmste gefasst. Drei Wochen hockte er bei trockenem Brot und Suppe in einer Zelle in Budapest. Dann flog man ihn mit anderen Delinquenten zurück in die Heimat, nach Ostberlin. Von der Hauptstadt der DDR bekam der 22-Jährige wenig zu sehen – außer einer Einzelzelle im Stasi-Knast in Hohenschönhausen. ...

Er wollte in die Freiheit schwimmen, „durch die Donau nach Jugoslawien“, und sich dort zur Botschaft der Bundesrepublik durchschlagen. In Westberlin wartete seine Freundin, die wenige Monate zuvor „rübergemacht“ und ihm per Telefon eröffnet hatte, dass sie schwanger sei.


http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_215727.html

Die Gründe waren manchmal sehr persönlich, die manche ganz ungewöhnliche Wege nehmen lies. Noch ungewöhnlicher ist der Ausgang dieser Geschichte. Man könnte fast sagen - märchenhaft.

LG von der Moskwitschka


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2014 22:57 | nach oben springen

#257

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 22:17
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von 94 im Beitrag #255
oT wieder einschalt:
Alles richtig was'de schreibst. Und brauchst nicht im Konjunktiv zu schreiben, das System hat die weiße Fahne geschwenkt. Eigentlich schon im Frühjahr '89 als Privatreisen nach Ungarn trotz der inzwischen dort durchlässigen recht durchlässigen Grenze immer noch genehmigt wurden. Und für die musisch veranlagten Gemüther vielleicht sogar schon im Februar, als Silly auf der gleichnamigen LP den Titel S.O.S. veröffentlichte. Na und die Metapher paßt dann auch zu der nächsten Frage, wenn auf einem Ozeandampfer die Maschine stoppt, na was denksten wielange der noch und vor allem mit welchem Speed der Kahn noch im Kurs läuft? Und für volle Kraft zurück, na dafür war nun doch erst recht keine Kohle mehr im Bunker. Irgendjemand sagte mal (war vielleicht sogar schon olle Lenin, bin jetzt zu faul es rauszusuchen) das das Wettrüsten (Lenin meinte bestimmt damit den Klassenkampf) wird auf dem ökonischen Weg entschieden wird, tja und das wards dann auch zu Gorbatschow'schen Glasnost-Zeiten. Von Perestroijka (lass Dir mal die beiden Vokalbel von der GGerin abfragen) da war Ende der 80er kaum noch die Rede, da war die Luft raus, aber glasklar.
Doch warum nur wollte viele der DDR-Bürger, die halwegs was im Nischel hatte, oder zumindest der Meinung waren, das dem so sei, also warum wollte nun Jeder nur in den Westen? Und wirklich Jeder?

Soo, Polemik und ot *ausschalt*

Wo hinten sonst? In die Sowjetunion? Nach Kuba u.s.w.?Wen Ende dann ist Ende, wer wusste was in der noch DDR passiert! Das es so kommt, wie es Heute zum Glück ist, wer wusste das so kurz nach der Grenzöffnung?Alles Andere wurde schon besprochen! Wir sind da geblieben, das hatte aber andere Gründe( Familie. Eltern, Haus und Heimat)!!!
Grüsse steffen52


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#258

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 27.06.2014 23:39
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Hallo @ Moskwitschka,

das ist ja überhaupt die bizarrste Geschichte, die ich je gehört habe:

http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_215727.html

Mensch, der arme Mischa Wolf, dem blieb aber auch nichts erspart, erst wird er von seinen Berufskollegen in Helsinki abgelichtet, dann rennt ihm der Stiller weg und schließlich versucht’s auch noch sein eigener Neffe. Kein Wunder, dass er 85 das Handtuch geschmissen hat. Und wegen seier vielen Ehefrauen hatt er sowieso schon bei Mielke einen schweren Stand. Halbgötter sind eben keine richtigen Götter, sondern auch nur Menschen.

Gruß Kalubke



IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2014 23:44 | nach oben springen

#259

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 06.11.2016 02:01
von Fred.S. | 165 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #36
Zitat von Freienhagener im Beitrag #28

Mancher mit "Grema" (Grenzmacke, eine spezielle Belastungsstörung) wäre vielleicht bei den Motschützen besser aufgehoben gewesen.



Das gab es auch ? Wodurch entstand eine "Grema" ?
Ich fand das Jahr an der Grenze wie unterbezahlten Urlaub, trotz der zu 80 % geleisteten Nachtschichten.
Jeden Tag Natur, Bewegung, frische Luft und Ruhe satt.





na, da muss ich dir Recht geben. Hast an unseren Ufer gelegen und gegenüber ein voller Badestrand. Oder wenn am Morgen in der Früh die Sonne aufging. Das war schon Klasse, wobei man die Wirklichkeit ja nie vergessen darf, warum du hier bist. Auch ich kann sagen das alle meine Matrosen und Maate nicht geschossen hätten. Und mal ehrlich. Wer wusste etwas von den getrennten Familien, von Republikflüchtigen, die erschossen wurden. Das wurde doch nicht offen gesagt. Dir war eingeimpft worden der da kommt ist ein Feind der Republik.
Und ein Parteigenosse waren nun aber nicht viele. Da lese ich zum 18. Okt. das sich viele als Genosse zur Partei verpflichtet haben weil die Aktion 18. Okt.66 ein voller Erfolg der DDR war. Da kann ich nur staunen und mich wundern. Von meiner Besatzung war aber keiner dabei.


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#260

RE: Schießwütige Grenzposten

in Mythos DDR und Grenze 06.11.2016 07:23
von Georg | 1.027 Beiträge

Zitat von Fred.S. im Beitrag #259
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #36
Zitat von Freienhagener im Beitrag #28

Mancher mit "Grema" (Grenzmacke, eine spezielle Belastungsstörung) wäre vielleicht bei den Motschützen besser aufgehoben gewesen.



Das gab es auch ? Wodurch entstand eine "Grema" ?
Ich fand das Jahr an der Grenze wie unterbezahlten Urlaub, trotz der zu 80 % geleisteten Nachtschichten.
Jeden Tag Natur, Bewegung, frische Luft und Ruhe satt.





na, da muss ich dir Recht geben. Hast an unseren Ufer gelegen und gegenüber ein voller Badestrand. Oder wenn am Morgen in der Früh die Sonne aufging. Das war schon Klasse, wobei man die Wirklichkeit ja nie vergessen darf, warum du hier bist. Auch ich kann sagen das alle meine Matrosen und Maate nicht geschossen hätten. Und mal ehrlich. Wer wusste etwas von den getrennten Familien, von Republikflüchtigen, die erschossen wurden. Das wurde doch nicht offen gesagt. Dir war eingeimpft worden der da kommt ist ein Feind der Republik.
Und ein Parteigenosse waren nun aber nicht viele. Da lese ich zum 18. Okt. das sich viele als Genosse zur Partei verpflichtet haben weil die Aktion 18. Okt.66 ein voller Erfolg der DDR war. Da kann ich nur staunen und mich wundern. Von meiner Besatzung war aber keiner dabei.


Schönes Beispiel. Ein entspannter Dienst. Keine Spur von Indoktrination, Hass oder Angst. Locker, leicht und angenehm der Dienst. Nichts von Schießwut oder Schießbefehl, keine Drohungen mit Schwedt. Das war eben der Friedensdienst am Wasser. Danke für den Beitrag !


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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