#1

nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 00:14
von feldwebel88 | 279 Beiträge

hab mal eine frage an die ehemaligen grenzer.

würdet ihr nochmal an die grenze gehen,wenn ihr auswählen könntet?

soll nicht heissen das ich die grenze wieder haben möchte ,um gottes willen

ich denke mal die grenze hat uns geprägt,sonst würden wir uns hier nicht treffen im forum.

es gab schöne situationen und auch schlechte(wollte jetzt nicht gzsz schreiben).

würde gern mal eure meinung lesen.

mfg heiko


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#2

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 00:33
von Buedinger | 1.504 Beiträge

Hallo feldwebel88 ,

Deine Frage kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Hätte, würde, wenn - die Zeit läuft nicht rückwärts, handeln kann man nur auf der Basis des gegenwärtigen Wissens - damals wie heute. Mal schnell in die Zukunft sehen und dann das persönliche Handeln danach ausrichten - das wird es niemals geben.

In gewisser Weise bin ich der Grenze treu geblieben, nur haben sich die Realitäten und Bezugspunkte verschoben. Meine Grenze heute hat etwas mit Gesetz und Kriminalitätsbekämpfung zu tun, was heißen soll, dass das Gesetz die Grenze bildet, die nicht übertreten werden sollte (sinnbildlich).

Tschüß


.

Ich finde Menschen faszinierend, die meinen mich zu kennen.
Manchmal drängt es mich sie zu fragen, ob sie mir ein bisschen was über mich erzählen können ...

Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich sage, aber niemals für das, was andere verstehen!

.
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#3

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 00:41
von Berliner (gelöscht)
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Hi Heiko,
ich habe Deinen anderen Beitrag gesehen, der Film "Grenzer" ist auf einer meiner DVDs.

Weisst Du, wenn ich die ganzen Filme ansehe, was es damals alles gab, sieht es alles sehr gut aus. Das stoert mich natuerlich, weil ich das nicht kenne, aber doch eine profunde Wirkung auf mich zu haben scheint.


Ich denke das sagt aber nur aus, dass ich auch ein Mensch bin: zielstrebend, suchend nach Bedeutung, nach Kameradschaft...


Um auf die Frage zu kommen (man verzeiht bitte, dass ich kein Grenzer bin), "waere das meine Welt schon gewesen, wuerde ich schon gerne wiederkehren." Nur bei mir normalerweise faellt ein Glas oder irgendein Geraeusch, das mich aus meinem Traum aufweckt...die Realitaet wartet auf mich.
Berliner


zuletzt bearbeitet 05.08.2009 00:43 | nach oben springen

#4

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 00:44
von glasi | 2.815 Beiträge

hallo feldwebel. ich hatte mich 1989 beim bgs beworben. es hatte mich unhemlich gereizt an die grenze zu kommen. anfang 1990 hatte ich meine aufnahmeprüfung und habe sie auch bestanden. aber die grenze gab es nicht mehr und ich habe auf eine ausbildung beim bgs verzichtet. hätte es die grenze weiter gegeben wäre ich dort geblieben. lg glasi



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#5

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 01:11
von feldwebel88 | 279 Beiträge

ich danke euch für euere meinungen.

ich hoffe ihr wisst wie ich die frage meinte.

damals in der,berufsschule fragten sie mich(waren welche von wkk) ob ich 3 jahre gehen möchte und ich sagte ja.(nicht lachen).schreiben sie mich mal mit auf.
zur musterung sagten die dann sie haben sich für 3 jahre verpflichtet,da stutzte ich erstmal.
2.frage: wo möchten sie hin?grenztruppen oder nachrichten
kurz vorher gab es eine armeerundschau da stand was von nachrichten uffz drin da hab ich nicht durchgeblickt
ich sagte gt und so kam ich bei die gt.
hab es aber auch nicht bereut da hin zugehen,bei die gt.

mfg heiko





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#6

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 01:23
von glasi | 2.815 Beiträge

hallo feldwebel. bei uns gab es sowas änliches. wir hatten auch infoveranstalltungen in der schule von bgs und bundeswehr. nur das war alles zwanglos. ich kann deine frage sehr gut nachvollziehen. meine antwort kennst du. wenn es die grenze noch geben würde wäre ich bestimmt noch dabei. aber nur auf der westdeutschen seite. lg glasi.



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#7

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 05:24
von bruno | 598 Beiträge

@feldwebel

zurückblickend kann ich sagen, war der dienst an der grenze
das beste was mir passieren konnte. natürlich hatte ich grosses glück
gehabt, das ich nie in die lage gekommen bin, von der schusswaffe
gebrauch nachen zu müssen!!!
die ausbildung in eisenach war knüppel hart, ich war damal 24 jahre,
da fielen mir anfänglich schon viele sachen schwer.
in der grenzkompanie sind wir sehr anständig behandelt wurden,
es war eine super verpflegung (4 frauen aus dem dorf haben gekocht),
und eine ek-bewegung gab es (zumindestens in rustenfelde)so gut
wie überhaupt nicht.
da wir ja jeden tag unsere dienste hatten (90 min. vorbereitung,
8h grenzdienst,90 min. nachbereitung, a-gruppe oder a-zug) gab es keine
dummen spiele, man hatte also seine ruhe, dazu kam das ich das fotolabor
und die bücherkiste unter mir hatte.


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#8

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 07:15
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von glasi
hallo feldwebel. bei uns gab es sowas änliches. wir hatten auch infoveranstalltungen in der schule von bgs und bundeswehr. nur das war alles zwanglos. ...


Hallo glasi,

ich empfinde die Tatsache, dass ich nie umworben wurde, weder von der NVA, noch von den Grenztruppen und auch nicht vom MfS, und dennoch aus heiterem Himmel Offizier werden wollte, als einen der Hintertreppenwitze meiner Biografie. Später als Offizier, eher zuständig als verantwortlich für die militärische Nachwuchsgewinnung, bekam ich mit, dass es für die Schulen gewisse Quoten gab, wieviele Berufunteroffiziers- und Berufsoffiziersbewerber sie zu bringen hätten. Mein Klassenlehrer fiel als allen Wolken, als ich zu ihm ausgerechnet kurz nach einem für ihn nervigen Reservistendienst kam und meinen neu gewonnenen Berufswunsch mitteilte. Plötzlich hatte er die Quote für die ganze Klassenstufe erfüllt und es war nun weißgott nicht seine Schuld. Mein letzter festerer Berufswunsch vor dieser plötzlichen Wendung war ... Tänzer. Jaja, ich weiß, meine heutigen zwei Zentner erzählen nichts von dieser Geschichte ...

Hallo feldwebel,

zu Deiner Frage. Vieles, was ich heute bin, verdanke ich der Tatsache, dass ich Offizier war. Ich habe viele Freundschaften in dieser Zeit geschlossen, die zum Teil bis heute halten. Dennoch hätte es dieses Schrittes nicht bedurft. Ich wäre auch auf anderem Wege einer geworden, der sich von meinem heutigen Meinereiner nicht sonderlich viel unterschieden hätte. Erst nachdem ich die Uniform ausgezogen hatte, konnte ich mir das gute Stück näher ansehen und musste feststellen, dass es mir nie richtig gepasst hat. Es war schlicht und ergreifend die falsche Berufswahl. Sicher wäre es vielleicht interessant gewesen, mich selbst noch in der Laufbahn als Kulturoffizier zu erleben. Aber ich habe noch heute eine lebhafte Vorstellung von der Kulturarbeit bei der NVA und den Grenztruppen und gleichzeit habe ich eine Vorstellung von meinen eigenen Auffassungen dazu. Da fällt mir nur ein Wort dazu ein: Kollissionskurs. Ich glaube, die Kante müsste ich mir nicht mehr geben. Faktisch gesehen habe ich auch mit der Friedensbewegung die andere Seite der Barrikade bestiegen. Also unabhängig von der historisch notwendigen Auseinandersetzung mit unserem Tun sage ich hier aus tiefsten Herzen: Nein!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 05.08.2009 07:19 | nach oben springen

#9

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 10:49
von Pille | 71 Beiträge

In manchen sentimentalen,will nicht sagen schwachen,Augenblicken,kommte mir schon der Gedanke,wieder an die Grenze zu gehen.Klar will sie keiner wiederhaben,ich auch nicht.Die Vision ist genauso unwahrscheinlch wie eine damalige Vorhersage auf eine bevorstehende "Wende".Ich habe zwar schon von Leuten gehört,die meinten,die friedliche Revolution wäre von Stasi und Co."geplant" oder zumindest "eingeleitet"worden,aber solche Geschichten halte ich für Hirngespinste.
Nun mal angenommen,die Grenze würde noch stehen:es liegt ja in der Natur des Menschen,sich lieber an schöne Momente zu erinnern als an weniger schöne.Natürlich hatten wir an der Grenze auch schöne Momente.Zum einen jeden Tag an der frischen Luft in der Natur (war in der Rhön-einfach eine tolle Landschaft),man wurde verpflegt,hatte ein Dach überm Kopf und wurde zumeißt besser bezahlt als die meißten Facharbeiter (ab Uffz.aufwärts).Natürlich gab es auch jede Menge Negatives:lange Dienstzeiten,Grenzdienst bei jedem Mistwetter,getrennt von der Familie und nicht zu vergessen,die Möglichkeit,die Waffe auf einen Menschen zu richten mit all seinen Konsequenzen.Jeder kann froh sein,nie in so eine Situation gekommen zu sein.Ich meine noch nicht einmal die juristische Bewertung,vielmehr das Gewissen.Ich kam zu Glück nie in solch eine Situatio.Dennoch macht mir heute noch eine ander Sache zu schaffen:Anfang Oktober 1989 hatten wir den letzten versuchten,schweren Grenzdurchbruch mit einem LKW.Die Flucht endete im Kfz.-Spergraben und unser KC persönlich nahm die Verhaftung vor.Ich habe die Flüchtigen,zum Glück,nie gesehen,obwohl ich als 2.A-Gruppenführer direkt am Ort des Geschens (Melpers)stand.Bei den Flüchtigen handelte es sich um eine Familie mit zwei kleinen Kindern!!!
Abgesehen davon,daß es von den Eltern im höchsten Maße unverantwortlich war,durch den GSSZ und die Kfz.-Sperre zu fahren,hätte die Sache ja noch viel schlimmer ausgehen können.Selbst als Vater einer kleinen Tochter weiß ich um die Verantwortung als solcher.Hinzu kommt noch die Tatsache,daß im Herbst 1989 es relativ einfach war,über Ungarn auszureisen.
Dieses aber bestätigt meine Meinung,daß es doch viel besser ist,wie es ist-ohne Grenze und ohne Lebensgefahr von A nach B gehen zu können.


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#10

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 11:50
von glasi | 2.815 Beiträge

hallo rainman. mich brauchte auch keiner zu überzeugen. die erlebnisse in meiner jugend mit der grenze förderten meinen drang zum bgs zu gehen. das dann doch alles anders kamm ist geschichte. lg glasi



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#11

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 12:09
von grenzgänger86 | 375 Beiträge

Hallo zusammen,

mich hat die Zeit an der Grenze auch geprägt,selbstständig werden und auch im Bezug auf kameradschaftlichkeit.
Und da auch ich dort eine gute Zeit hatte,die Umgebung (Harz) stimmte,Verpflegung war i.O. und auch der wenige Sold reichte,wenn nicht wurde von Zuhause nachbestellt.
Man kam in der Kompanie mit fast jedem gut aus und wenn ruhiger Dienst war,hatte man seine Ruhe.
Grenze hatte ich mir nicht ausgesucht und daher würde wohl alles wieder so machen.

04/86-04/87 in Schierke


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#12

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 16:33
von Ernest | 210 Beiträge

Hallo an alle................

Man hat ja vorrangig nur die positiven Seiten in Erinnerung. An die denkt man gern zurück. Wie schon einige schrieben, die super Kameradschaft, das ruhige Leben in der Kompanie, das direkte Erleben der Natur und, und , und............
Mit einem leichten Anflug von Nostalgie, ist es auch der Grund, warum ich in diesem Forum bin. Hier hat man Kontakt zu den Leuten, mit den man damals zusammen war. Auch wenn ich noch keinen Bekannten getroffen habe. Und nicht nur das, man kann auch mit Leuten "reden", die damals auf der anderen Seite des Zaunes standen und mit denen wir ja offizell keinen Kontakt aufnehmen konnten.

Unabhängig davon, das eh alles Geschichte, also vorbei und vergessen ist, so würde ich sagen, real und auch gedanklich wünsche ich mir diese Zeit nicht wieder zurück...............um nichts in der Welt.

Zur Armee mußte man ja, wenn man unbeschadet durch Leben kommen wollte. Also die 18 Monate Grundwehrdienst waren Pflicht. Nur die wollte ich halt so schnell es geht hinter mir bringen. Gemustert zu den Pionieren ( boahhhhhhh ), gelandet an der Grenze, was doch nicht so extrem nach "Knochenmühle" aussah. Aber egal ob da oder dorthin, als Pflicht und Ehre habe ich es nicht gesehen, nur als "Muss".

In der Lehre ( in Thüringen) kamen auch welche und wollten uns für 3 Jahre werben. Da habe ich mich geweigert. Man hatte zwar alles rosarot ausgemalt, nur überreden konnte man mich damit nicht. Trotz zig mal "nein", wurde geredet und geredet. Bis man wohl sah, es ist aussichtslos und man mir als letzten Versuch vorwarf, (sinngemäß) mit dieser Einstellung könne man mich nur als Schmarotzer bezeichnen, der alles vom Staat nimmt, aber nicht gewillt ist, etwas zu geben. Danach wollten sie, daß ich zu dieser Einschätzung Stellung nehme. Ich hab auf stur geschaltet und gar nichts mehr gesagt.
Das dieses Werbegespräch schon kurz darauf bei meiner schriftlichen Abschlußprüfung (bei der Verteidigung) eine Rolle spielen wird und ich deshalb noch Schwierigkeiten bekommen sollte, ahnte ich da noch nicht.

Schon aus dem Grund war mir der "Verein" ( Armee) verhasst. Schnell rein und noch schneller wieder raus........mehr wollte ich nicht.

So ruhig es im Grenzdienst und in der Kompanie auch war, egal wie hoch man die Kameraschaft auch eingeschätzt hat, gestört hatte mich immer, daß man kein freier Mensch war. Man stand unter Befehl und mußte sich indirekt, wenn auch widerwillig, fügen. Diese organisierte Gängelei lag mir noch nie.

Zum Ende kam man vom Zoll, ebenfalls um zu werben. Ihr könnt euch meine Antwort vorstellen......................................
Der hat auch die "Glucke vom Nest" gesabbert. Als ich als letztes Gegenargument zu ihm sagte, ich war jetzt insgesamt 3 1/2 Jahre von zu Hause weg ( 2 Jahre Thüringen und 1 1/2 Jahre Armee) und nun möchte ich endlich mal wieder daheim sein, da fragte er, wie alt ich bin und sagte: """"""" Na wollen sie mit ihren knapp 20 Jahren immer noch bei Mutter`n am Rockzipfel hängen ?????"""""""".
Was hab ich da gemacht ????? Jaaaaaaaa, hab auf stur geschaltet und nichts mehr gesagt.

U.a. aus diesen Gründen kann ich für meine Wenigkeit auf die anfangs gestellte Frage """""" nochmal an die Grenze? """"" nur sagen :

nein, nein. nein, nein.........................nieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

Gruß
Herbert


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#13

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 19:11
von ZA412 | 91 Beiträge

Hallo,
wenn ich damals hätte wählen können, wäre ich sicher nicht zur Grenze, sondern zu den Nachrichten gegangen. Damals konnte ich es nicht aussuchen, es ging halt zu den GT. Im Nachhinein war es in Ordnung, dass es damals so kam. Ich denke so schlecht war der Dienst an der Grenze nicht. Ich war allerdings auch niemals in der Situation, auf jemanden schießen zu müssen.

In der heutigen Zeit würde ich definitiv verweigern.


Viele Grüße,
Michael
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#14

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 20:09
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Ich finde es war ein Abschnitt in eurem Leben,die Zeit an der Grenze,das sollte man so behalten wie es war,mit guten und weniger
guten Erlebnissen,das kann einem keiner mehr nehmen.
Gestern war Gestern und Heute ist halt Heute.



Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#15

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 20:46
von maja64 (gelöscht)
avatar

Zitat von Pille
In manchen sentimentalen,will nicht sagen schwachen,Augenblicken,kommte mir schon der Gedanke,wieder an die Grenze zu gehen.Klar will sie keiner wiederhaben,ich auch nicht.Die Vision ist genauso unwahrscheinlch wie eine damalige Vorhersage auf eine bevorstehende "Wende".Ich habe zwar schon von Leuten gehört,die meinten,die friedliche Revolution wäre von Stasi und Co."geplant" oder zumindest "eingeleitet"worden,aber solche Geschichten halte ich für Hirngespinste.
Nun mal angenommen,die Grenze würde noch stehen:es liegt ja in der Natur des Menschen,sich lieber an schöne Momente zu erinnern als an weniger schöne.Natürlich hatten wir an der Grenze auch schöne Momente.Zum einen jeden Tag an der frischen Luft in der Natur (war in der Rhön-einfach eine tolle Landschaft),man wurde verpflegt,hatte ein Dach überm Kopf und wurde zumeißt besser bezahlt als die meißten Facharbeiter (ab Uffz.aufwärts).Natürlich gab es auch jede Menge Negatives:lange Dienstzeiten,Grenzdienst bei jedem Mistwetter,getrennt von der Familie und nicht zu vergessen,die Möglichkeit,die Waffe auf einen Menschen zu richten mit all seinen Konsequenzen.Jeder kann froh sein,nie in so eine Situation gekommen zu sein.Ich meine noch nicht einmal die juristische Bewertung,vielmehr das Gewissen.Ich kam zu Glück nie in solch eine Situatio.Dennoch macht mir heute noch eine ander Sache zu schaffen:Anfang Oktober 1989 hatten wir den letzten versuchten,schweren Grenzdurchbruch mit einem LKW.Die Flucht endete im Kfz.-Spergraben und unser KC persönlich nahm die Verhaftung vor.Ich habe die Flüchtigen,zum Glück,nie gesehen,obwohl ich als 2.A-Gruppenführer direkt am Ort des Geschens (Melpers)stand.Bei den Flüchtigen handelte es sich um eine Familie mit zwei kleinen Kindern!!!
Abgesehen davon,daß es von den Eltern im höchsten Maße unverantwortlich war,durch den GSSZ und die Kfz.-Sperre zu fahren,hätte die Sache ja noch viel schlimmer ausgehen können.Selbst als Vater einer kleinen Tochter weiß ich um die Verantwortung als solcher.Hinzu kommt noch die Tatsache,daß im Herbst 1989 es relativ einfach war,über Ungarn auszureisen.
Dieses aber bestätigt meine Meinung,daß es doch viel besser ist,wie es ist-ohne Grenze und ohne Lebensgefahr von A nach B gehen zu können.





Hallo Pille

Zu dem von Dir beschriebenen Fall finde ich in der GT-Tagesmeldung 017192 folgendes:

Am 04.10.1989 gegen 21.42 wurde im Abschnitt 400m südlich Melpers,Kreis Meiningen,der Versuch eines gewaltsamen Grenzdurchbruchs von 4 Personen mit Hilfe eines Kipper-Lkws von einer Kontrollstreife unter Führung des Kompaniechefs ohne Anwendung der Schußwaffe verhindert.
Bei den Personen handelt es sich um die Familie S. (Eltern u. 2 Kinder (9 bzw.1 Jahr) aus Zella-Mehlis.Sie waren mit dem mit Schotter beladenen Lkw auf der Straße Melpers - Fladungen gefahren,durchbrachen das Grenzsignalzauntor südlich von Melpers und die einsatzbereite Seilsperre hinter dem Tor.Sie blieben schließlich mit der Hinterachse des Lkws im Kfz-Sperrgraben,5m vor dem vorderm Grenzzaun stecken und wurden festgenommen.Von westlichen Grenzorganen wurde der Vorfall nicht beobachtet.



Gruß maja,


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#16

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 21:00
von suentaler | 1.923 Beiträge

Das Bild zeigt genau diese Stelle südl. Melpers.

http://www.panoramio.com/photo/5496377


[rot]Vielen Dank für die Sperrung.
Noch nicht einmal einen Grund konntet ihr angeben.
Andersdenkende mundtot machen - wie erbärmlich - selbst für euch ![/rot]
.
MfG Suentaler
.
[gruen]Leider kann ich nicht auf die mich erreichenden PN's antworten.
Man kann mich aber direkt unter suentaler@emailn.de anschreiben.[/gruen]
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#17

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 21:52
von Pille | 71 Beiträge

Schönen Guten Abend,
ja das ist die Tagesmeldung,wie sie auch im 3.Band der "Grenzerfahrungen"steht.Habe selbst die Bücher und kann darin viele Ereignisse wiederfinden,die ich kenne.
Mein ehemaliger Kompaniechef,zu dem ich heute übrigens ein freundschaftliches Verhältnis habe (!!!),hat für seine Verhaftung ein paar Tage später noch vom Chef Grenztruppen,Generaloberst Baumgarten,die Verdienstmedaille der Grenztruppen in Silber bekommen.
Er (mein KC)meinte am Tag danach:"Tja,die Niederlagen der anderen sind unsere Siege!"


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#18

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 21:58
von maja64 (gelöscht)
avatar

Zitat von Pille
Schönen Guten Abend,
ja das ist die Tagesmeldung,wie sie auch im 3.Band der "Grenzerfahrungen"steht.Habe selbst die Bücher und kann darin viele Ereignisse wiederfinden,die ich kenne.
Mein ehemaliger Kompaniechef,zu dem ich heute übrigens ein freundschaftliches Verhältnis habe (!!!),hat für seine Verhaftung ein paar Tage später noch vom Chef Grenztruppen,Generaloberst Baumgarten,die Verdienstmedaille der Grenztruppen in Silber bekommen.
Er (mein KC)meinte am Tag danach:"Tja,die Niederlagen der anderen sind unsere Siege!"




Ja Mensch, am 4.10 89 noch in Erbenhausen.Wann warste den nu in Stedtlingen???


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#19

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 22:01
von Pille | 71 Beiträge

Nochmals Guten Abend,
ja das ist genau die Stelle,wo der versuchte Grenzdurchbruch stattfand,nur etwa 3 Wochen vorher.An der Stelle hinter dem Gassentor,wo man die Grenzer stehen sieht,stand ich dann in der Abrieglung.Wer weiß,vielleicht bin das sogar ich auf der anderen Seite des Zaunes,oder zumindest müßte ich sie kennen!?
Direkt am Ortsrand des Dorfes Melpers verlief der GSSZ mit der Seilsperre dahinter.Hier fuhr der LKW durch.
Übrigens:das letzte Haus vorm Zaun auf der rechten Seite gehörte der damaligen Bürgermeisterin.Sie war es auch,die in der Kompanie anrief und den Grenzdurchbruch meldete.


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#20

RE: nochmal an die grenze?

in Fragen und Antworten zur Berliner Mauer 05.08.2009 22:24
von Pille | 71 Beiträge

Ganz so verwirrend ist es eigentlich nicht.Mitte April 1990,als die Hälfte der Grenzkompanien aufgeöst wurde,mußte auch mein "Erbenhausen" dranglauben.Und so kam ich noch für ca.2,5 Monate nach Stedtlingen.


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