#41

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 05.06.2014 22:40
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #37
Die Wismut hatte zeitweise einen Fliegerklub glaube ich, der VEB Carl Zeiss auch (Segelflug) und das MfS hatte auch Flugzeuge und sogar einen Flughafen ("Rote Jahne" Eilenburg).


Danke für die Ergänzung, aber Carl Zeiss Jena, Wismut und MfS waren ja wohl kaum juristische Privatpersonen..

Und ob die Flugzeuge des MfS in den Borddokumenten einen Haltereintrag MfS hatten?



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#42

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 05.06.2014 22:47
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Was die Absicherung der Grenze zu Finnland und wohl auch zu Norwegen betrifft, bekam ich einen kleinen Einblick vor zwei jahren, als ich mit meiner Gutsten diese Region bereiste. In Google Earth sind da interessante Fotos zu sehen. In etwa 3 Wochen bin ich vom Finnischen Meerbusen bis Nordkarelien auf finnischem Gebiet unterwegs. Da kann ich mir noch mal ein Bild davon machen. Geschlafen wird zumeist in der Wildnis im Auto.



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#43

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 05.06.2014 23:14
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #34
Das man ihn nicht abschoss, ich denke eher Umsicht und Zurückhaltung in den Zeiten des Umbruchs in der SU geschuldet als Schlampigkeit.
Ich denke die Befehlshaber wussten selber nicht richtig wie sie reagieren sollten.

Dazu habe ich mal zwei Quellen 'gefunden' ...

Der damalige stellvertretende Leiter der Luftraumüberwachung erklärte etwa, dass es bei einem Riesenreich wie der UdSSR nicht möglich gewesen sei, die komplette Grenze zu überwachen. Tatsächlich dauerte es eine Stunde, bis erste Abfangjäger den Kremlflieger erreichten, dann aber wieder abdrehten. Zudem sei an diesem Tag eine Frachtmaschine abgestürzt, so dass die Aufmerksamkeit zusätzlich beeinträchtigt gewesen sei. Luftüberwacher Wladimir Kaminer (Anm.: das ist der mit der 'Russendisko', leistete damals seinen Wehrdienst bei der PWO) hat noch eine andere Erklärung: „An kleinen Maschinen hat es damals im Luftraum keinen Mangel gegeben. Viele Kolchos-Chefs haben sich auf diese Weise befördern lassen. Allerdings war darunter keiner, der so zielstrebig auf Moskau zugehalten hat.“
www.tagesspiegel.de/medien/tv-dokumentat...tz/6606830.html

Auch von einem, aber anderem Unfall, aber irgendwie anders berichetet letztes Jahr SPON ...
Dank einer unglaublichen Kette von Pannen beim sowjetischen Militär blieb es die einzige Schrecksekunde der fünfstündigen Reise: So hatten estnische Flugüberwacher die Cessna erst mit Verspätung gemeldet, weil sie gerade damit beschäftigt waren, eine Sauna anzuheizen. Falsche Koordinaten wurden weitergegeben und das Kleinflugzeug zwischenzeitlich für ein Wetterphänomen gehalten. Zudem waren einen Tag zuvor zwei Militärmaschinen auf Rusts Flugstrecke kollidiert, so dass einige Truppenteile noch am Unglücksort beschäftigt waren.
www.spiegel.de/einestages/kreml-flieger-...t-a-947580.html


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.06.2014 23:15 | nach oben springen

#44

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 00:21
von Hagen Friedrichs | 103 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #37
Die Wismut hatte zeitweise einen Fliegerklub glaube ich, der VEB Carl Zeiss auch (Segelflug) und das MfS hatte auch Flugzeuge und sogar einen Flughafen ("Rote Jahne" Eilenburg).

http://www.segelflug.de/groruewa/Geschichte.html

Eilenburg mit Hangar im Hintergrund.


Das MfS besass zunächst 1, später 2 Flugzeuge. MfS war nur Eigentümer. Betrieben und unterhalten im Auftrag des MfS von Interflug. Besatzung waren ausgewählte MfS-Leute. Eilenburg bzw. das MfS hatte einen FlugPLATZ, nicht FlugHAFEN. Da hätten aber die MfS-Maschinen nicht landen können. In Eilenburg flogen NVA-eigene AN-2 und An-14 beispielsweise zum Fallschirmspringen. Ausserdem war eine nicht mehr flugfähige IL-14P vorhanden zur Anti-Terrorausbildung.



zuletzt bearbeitet 06.06.2014 00:23 | nach oben springen

#45

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 00:21
von Gelöschtes Mitglied
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Grob umrissen und nicht so detailliert (Sauna anheizen) ist das auch mein Wissensstand, @94 . Dass Rust aber aus Menschenfreundlichkeit oder aus Sorge um den Weltfrieden oder die Reputation der UdSSR nicht abgeschossen wurde, nun, diese These erscheint mir doch als etwas kühn: Die kleine Maschine hätte auch mit Sprengstoff gefüllt sein können und Rust hätte sich wie später 9/11 in einer Kamikaze-Aktion auf den Kreml stürzen können: Wer wusste denn schon, dass ein etwas verwirrter junger Mann ohne diese Absichten in der Maschine saß? Und auch der Hinweis auf den Geschwindigkeitsüberschuss der MiG ist nicht überzeugend: Wenn ein hochgerüsteter Kampfjet nicht in der Lage ist, ein Kleinflugzeug abzuschießen oder zur Landung zu zwingen, dann ist der Jet so fehl am Platz wie eine Giraffe in der Oper. Aber selbst wenn all dies wahr und richtig sein sollte: Es gibt dann immer noch gut ausgestattete Hubschrauber, die spielend die Geschwindigkeit einer Cessna erreichen und entsprechend agieren hätten können. Und nichts davon soll auf dem Weg von der finnischen Grenze bis nach Moskau verfügbar gewesen sein? Dazu fällt mir nur Goethe ein: "Die Botschaft hör ich wohl, allein es fehlt der Glaube."

Nein, der Vorfall gehört in die Rubrik "Pleiten, Pech und Pannen" und war eine Riesenblamage für die damalige UdSSR. Und auch die Tatsache, dass Rust noch in aller Ruhe für eine gewisse Zeit ungestört Interviews geben konnte, bis die Staatsmacht endlich reagierte, gehört in diese Kategorie. Aber vielleicht wollten die Organe ja nur beweisen, wie friedlich und freundlich sie auf solche Aktionen reagieren und dass sie den Begriff der Völkerfreundschaft ernst meinen......


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#46

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 14:03
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #45
Und auch der Hinweis auf den Geschwindigkeitsüberschuss der MiG ist nicht überzeugend: Wenn ein hochgerüsteter Kampfjet nicht in der Lage ist, ein Kleinflugzeug abzuschießen oder zur Landung zu zwingen, dann ist der Jet so fehl am Platz wie eine Giraffe in der Oper. Aber selbst wenn all dies wahr und richtig sein sollte: Es gibt dann immer noch gut ausgestattete Hubschrauber, die spielend die Geschwindigkeit einer Cessna erreichen und entsprechend agieren hätten können.


Für jetss gilt abschiessen können ja, mit vorgesehenden Manövern zur Landung auffordern nein ( üblich davor setzen, mit Flächen wackeln, Aufforderung zum Folgen und Frequenz 121.50MHZ rasten ).



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#47

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 15:46
von Gelöschtes Mitglied
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Nun ja, ich denke, dass es auch nicht in den Lehrbüchern beschriebene Flugmanöver geben könnte, mit denen ein Jet-Pilot einem Kleinflieger ziemlich unmissverständlich klar machen kann, dass er landen soll. Aber selbst wenn auch das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein solle: Ein Hubschrauber hätte diese Aufgabe mit Leichtigkeit erledigen können.

Nein, ich bleibe dabei, dass es eine Riesenblamage gewesen ist. Denn sonst müsste der NATO dringend empfohlen werden, anstelle des schweineteuren Eurofighters doch lieber auf Cessnas umzurüsten.....


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#48

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 19:23
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Dandelion!

Oder man sollte sich von den Russen ein paar Suchoi kaufen, damit man endlich ein paar vernüftige Flugzeuge besitzt.
Der "Jäger90" (falls jemand den Namen noch kennt) ist nur ein Millionengrab und Gelddruckmaschine der Rüstungsmultis.

Solch ein fliegender "Resteteileträger" ist bestenfalls als Zielansprache zu gebrauchen ...


Schöne Grüße,
Eckhard


Zitat von Dandelion im Beitrag #47
Nun ja, ich denke, dass es auch nicht in den Lehrbüchern beschriebene Flugmanöver geben könnte, mit denen ein Jet-Pilot einem Kleinflieger ziemlich unmissverständlich klar machen kann, dass er landen soll. Aber selbst wenn auch das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein solle: Ein Hubschrauber hätte diese Aufgabe mit Leichtigkeit erledigen können.

Nein, ich bleibe dabei, dass es eine Riesenblamage gewesen ist. Denn sonst müsste der NATO dringend empfohlen werden, anstelle des schweineteuren Eurofighters doch lieber auf Cessnas umzurüsten.....


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#49

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 19:25
von 94 | 10.792 Beiträge

Na das mit dem 'Anheizen der Sauna' halte ich jetzt mal für eine so typische Spiegel-Schmiererei. Mehr 'Wahrheit' liegt da für mich in der Aussage vom Kaminer: "Viele Kolchos-Chefs haben sich auf diese Weise befördern lassen."

Ähnlich äußert er sich hier ...
Wladimir Kaminer ist 1987 im zweiten von drei Moskauer Verteidigungsringen stationiert und erinnert sich an die Konsequenzen: "Unser ganzer Ring wurde eigentlich als ein Versagerring abgestempelt. Wir mussten alle weg. Aber dadurch, dass wir eben die Einzigen waren, die über die notwendige Ausbildung, über die notwendigen Kenntnisse der technischen Geräte verfügten, konnte man uns schwer gegen usbekische oder tadschikische Kollegen tauschen. Aber es war viel strenger geworden, nachdem Rust gelandet ist. Und der Chef unserer Kommandozentrale im Hauptbunker hat sich sogar erschossen. Das haben sehr viele als ihr eigenes Versagen betrachtet."
www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie...101_page-2.html

Genauer wird er dann in einem Interwiew der Neuen Osnabrücker Zeitung (aus rechlichen Gründen nur Auszüge) ...
„Wir hatten ihn mehrmals auf unserem Radar, lösten Alarm aus, aber Rust verschwand immer wieder wie ein Phantom“
[... weiter dann zu den Folgen ...]
„Und für uns gab es keine gemütlichen Schichtdienste mehr, sondern 24 Stunden Einsatzbereitschaft [...] Einige Einheiten schickte man zur Strafe nach Kasachstan, wir erhielten einen Bus voller Tadschiken. Doch die konnten mit der Technik nicht umgehen.“
www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/163718


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#50

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 19:27
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Dandelion!

Nun ohne auf die Details ein zu gehen....
Ein träges, auf Befehl und Gehorsam in allen Situationen mit Angst verknüpftes System, führt leider zu solchen Auswüchsen.

Schöne Grüße,
Eckhard

Zitat von Dandelion im Beitrag #45
Grob umrissen und nicht so detailliert .... war eine Riesenblamage für die damalige UdSSR. .... dass sie den Begriff der Völkerfreundschaft ernst meinen......


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#51

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 19:57
von LO-Wahnsinn | 3.496 Beiträge

Hatte Rust seine Maschine eigentlich Hoheitskennzeichen und Kennung dran?
Weil das mit den Kolchosenchefs ist mir zwar einleuchtend, doch die Kennung hätte Aufschluss geben müssen/sollen.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#52

RE: Mathias Rust: Hat er den Fall des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich gemacht?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.06.2014 20:09
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #47
Nun ja, ich denke, dass es auch nicht in den Lehrbüchern beschriebene Flugmanöver geben könnte, mit denen ein Jet-Pilot einem Kleinflieger ziemlich unmissverständlich klar machen kann, dass er landen soll. Aber selbst wenn auch das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein solle: Ein Hubschrauber hätte diese Aufgabe mit Leichtigkeit erledigen können.

Nein, ich bleibe dabei, dass es eine Riesenblamage gewesen ist. Denn sonst müsste der NATO dringend empfohlen werden, anstelle des schweineteuren Eurofighters doch lieber auf Cessnas umzurüsten.....


Na offensichtlich gab es ja Reaktionen auf russischer Seite.

Und es wurde wohl erkannt das es sich nicht um einen massiven Angriff der Nato handelte - so was aber auch.

Eine Grenzverletzung mit einem Flugzeug , mit einer relativ spektakulären Landung.


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