#1

Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 26.05.2014 12:43
von Duck | 1.741 Beiträge

Hallo Leute,

ich hab da mal eine Frage. Am letzten Wochenende habe ich mich wie jedes Jahr wieder mit ein paar Jungs aus meiner ehemaligen Grenzkompanie in der Rhön getroffen. Wir machen da meist eine kleine Rundfahrt durch unseren alten Abschnitt, schauen uns aber auch andere schöne Sachen, wie die reizvollen Rhön- Ortschaften an oder fahren einfach ein wenig durch die schöne Landschaft, die Rhön hat ja in dieser Hinsicht einiges zu bieten.
Diesmal hat es uns u.a. zu einer alten Führungstelle im Kreis Henneberg verschlagen, in deren Nähe eine alte Fasanerie lag, die fast wie so ein kleines Jagschloß aus sah, wo wir dann noch einen Kaffee zu uns genommen haben. Auf dem Flyer die dort auf den Tischen auslagen konnte man u.a. auch etwas über die Geschichte des Hauses erfahren. Interessant war und das ist meine Frage, man wollte dieses Gebäude wegen seiner Nähe zum Grenzstreifen schleifen aber durch die Initiative der angrenzenden dörflichen Bevölkerung (die Rede ist von der Ostbevölkerung) wurde dies verhindert. Was leider nicht drin stand wie diese Initiative ausgesehen hat. In einer Zeit wo die Regierung bestimmt keine Rücksicht auf die Bevölkerung genommen hätte, wenn es um Ihre Grenzsicherung ging, hat mich dieser Satz doch ziemlich verwundert. Habt Ihr eine Vorstellung wie solch eine Initiative ausgesehen haben könnte? Ich denke mal eine große Demo wird es wohl nicht gegeben haben. LG Duck


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


zuletzt bearbeitet 26.05.2014 14:38 | nach oben springen

#2

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 26.05.2014 13:40
von eisenringtheo | 9.185 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #1
(...) Habt Ihr eine Vorstellung wie solch eine Initiative ausgesehen haben könnte? Ich denke mal eine große Demo wird es wohl nicht gegeben haben. LG Duck

Vermutlich im Rahmen des demokratischen Zentralismus. Als Westler verstehe ich Lenin nicht so ganz. Es soll aber so sein, dass zwar zentral gelenkt wird, aber dass es demokratisch sein muss - das heisst im Sinne und Geist der Mehrheit (der Arbeiterklasse, der Intelligenz und aller anderen demokratischen Kräfte). Das bedeutet, dass die Bevölkerung ihre Meinungen, Wünsche und Vorschlägen bei der(n) Partei(en) einbringen, Initiativen ergreifen und kreative Lösungen entwickeln darf und soll. Die Parteien greifen das auf und kümmern sich darum. Was lokale Befugnisse überschreitet, geben sie an übergeordnete Parteiinstanzen weiter. Die Meinungen und Anliegen der Bevölkerung fliessen also massgeblich in die staatliche Planung auf allen Ebenen ein, beeinflussen also auch zentrale Entscheidungen, die einzelne Dörfer betreffen, wenn die lokalen Organe gute Argumente vorweisen können: Volkswirtschaftliche Argumente haben oft grosse Überzeugungskraft: Reisst man eine Fabrik ab, dann muss man eine neue bauen, Das kann so viel kosten, dass man die alte (vorerst) stehen lassen kann und nichts Neues baut
Ob der demokratische Zentralismus so wie im Lehrbuch gelebt wurde oder toter Buchstabe blieb, keine Ahnung. Gorbatschow meinte nein, er hielt den DDR Sozialismus für "Kasernenkommunismus", also für willkürliche Panungsbürokratie, weitab von den Wünschen und Anliegen der Bürger.
Theo


nach oben springen

#3

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 26.05.2014 17:27
von utkieker | 2.927 Beiträge

Das dörfliche Milieu wurde maßgeblich beeinflusst von der "heiligen" Dreifaltigkeit von ABV, LPG- Vorsitzenden und dem Gemeindepfarrer (oder auch Pastor), wenn zwischen denen ein Konsens besteht hat man schon fast gewonnen. Grundverkehrt wäre es, wenn diese Initiative von irgendwelchen vielleicht noch christlich verirrten "Querulanten" ausgegangen wäre. Nun wird natürlich der Gemeinderat einberufen mit den Beschluss eine Eingabe aufzusetzen. Am besten man zitiert einen Rechtskundigen dazu, Welcher das Schreiben aufsetzt. Es kann auch nicht von Schaden sein, wenn ein Vorzeigegenosse das Ganze unterstützt.
Wichtig! das Schreiben wird direkt an den Staatsrat versendet mit überzeugenden Argumenten für den Erhalt des Gebäudes. Würde man sich an den Rat des Kreises oder des Bezirkes wenden würde man nur schlafende Hunde wecken, die in voreilenden Gehorsam handeln. Der Staatsrat (ein Gremium älterer Herren) ist mit einer endgültigen Entscheidung hoffnungslos überfordert. Je länger die Entscheidungsfindung dauert um so hoffnungsvoller kann man sein, daß der Coup gelingt!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Duck hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#4

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 26.05.2014 17:39
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #1
Hallo Leute,

ich hab da mal eine Frage. Am letzten Wochenende habe ich mich wie jedes Jahr wieder mit ein paar Jungs aus meiner ehemaligen Grenzkompanie in der Rhön getroffen. Wir machen da meist eine kleine Rundfahrt durch unseren alten Abschnitt, schauen uns aber auch andere schöne Sachen, wie die reizvollen Rhön- Ortschaften an oder fahren einfach ein wenig durch die schöne Landschaft, die Rhön hat ja in dieser Hinsicht einiges zu bieten.
Diesmal hat es uns u.a. zu einer alten Führungstelle im Kreis Henneberg verschlagen, in deren Nähe eine alte Fasanerie lag, die fast wie so ein kleines Jagschloß aus sah, wo wir dann noch einen Kaffee zu uns genommen haben. Auf dem Flyer die dort auf den Tischen auslagen konnte man u.a. auch etwas über die Geschichte des Hauses erfahren. Interessant war und das ist meine Frage, man wollte dieses Gebäude wegen seiner Nähe zum Grenzstreifen schleifen aber durch die Initiative der angrenzenden dörflichen Bevölkerung (die Rede ist von der Ostbevölkerung) wurde dies verhindert. Was leider nicht drin stand wie diese Initiative ausgesehen hat. In einer Zeit wo die Regierung bestimmt keine Rücksicht auf die Bevölkerung genommen hätte, wenn es um Ihre Grenzsicherung ging, hat mich dieser Satz doch ziemlich verwundert. Habt Ihr eine Vorstellung wie solch eine Initiative ausgesehen haben könnte? Ich denke mal eine große Demo wird es wohl nicht gegeben haben. LG Duck



http://www2.cetima.de/lksm/gruenes_band/hermannsfeld.html


Das Objekt wurde eine Zeit lang von der DGP genutzt, später wurde im Wald Gebäude für eine GK, Wohnhaus Offiziere, etc. errichtet.
http://www.eaglehorse.org/2_border_missi...s_barracks1.htm


"Mobility, Vigilance, Justice"
eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#5

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 26.05.2014 17:57
von mibau83 | 831 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #1

Diesmal hat es uns u.a. zu einer alten Führungstelle im Kreis Henneberg verschlagen



noch nie was gehört von dem kreis.

jagdschloss fasanerie: http://www.rhoen.info/lexikon/staetten/J...ld_8575544.html


nach oben springen

#6

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 26.05.2014 18:14
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von mibau83 im Beitrag #5
Zitat von Duck im Beitrag #1

Diesmal hat es uns u.a. zu einer alten Führungstelle im Kreis Henneberg verschlagen



noch nie was gehört von dem kreis.

jagdschloss fasanerie: http://www.rhoen.info/lexikon/staetten/J...ld_8575544.html



Die Beschreibung der Nutzung - Bauten durch die DGP bzw. benannte Reservetruppen stimmt so nicht.


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 26.05.2014 18:15 | nach oben springen

#7

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 28.05.2014 08:57
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von mibau83 im Beitrag #5
Zitat von Duck im Beitrag #1

Diesmal hat es uns u.a. zu einer alten Führungstelle im Kreis Henneberg verschlagen



noch nie was gehört von dem kreis.

jagdschloss fasanerie: http://www.rhoen.info/lexikon/staetten/J...ld_8575544.html


Henneberg gehört zum Kreis Schmalkalden-Meiningen (Kennzeichen SM), ganz präzise ausgedrückt, für alle Genauigkeitsfanatiker.
Ansonsten, zum Thema:
Es gab zu DDR-Zeiten das Mittel "Eingabe", um irgendwelche Dinge bei Verwaltungen zu erreichen. Konnte aber auch "nach hinten losgehen" - so wie oben bereits angedeutet.

Gruss Hartmut

PS: von der Fasanerie in Hermannsfeld hat man übrigens einen schönen Blick auf die alte FüSt (und umgekehrt), die noch nahezu intakt und begehbar ist - Fotos hier:
Ein Sommertag in der Rhön


u3644_Jobnomade.html
Duck hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#8

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 28.05.2014 13:58
von Barbara (gelöscht)
avatar




Die Füst in Henneberg in einer wahrlich zauberhaften Landschaft.

Die Fasanerie rechts hinter dem Wäldchen.


In meinem Rücken sah es zur gleichen Zeit so aus:



Der Turm der ehm. Güst Eußenhausen-Meiningen. Also vor ein paar Jahrzehnten noch ein hoch prekärer Aufenthaltsort für mich :-) Und heute: Muße....




Diese Türme sehen ja inzwischen so aus, als würden sie seit ewigen Zeiten da stehen, man möchte gar nicht mehr ohne sie....
.


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#9

RE: Gebäude und Ortschaften am Grenzstreifen

in DDR Staat und Regime 28.05.2014 14:07
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Danke für die Bilder, liebe Barbara.
Der Turm an der Güst ist voller Trümmer und Glasscherben - ich war vor Kurzem dort.
Im Obergeschoss hängen noch die verrosteten Gardinenhaken an der Decke.
War mal "vornehm" ausgestattet

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
nach oben springen



Besucher
25 Mitglieder und 60 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 1669 Gäste und 119 Mitglieder, gestern 3638 Gäste und 176 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14374 Themen und 558629 Beiträge.

Heute waren 119 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen