#41

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 08:14
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #40
Wie einigen Veröffentlichungen zu entnehmen ist, durfte die sich die HV A erst seit Beginn der 80 Jahre mit der Gegenspionage in US-Diensten befassen. Vorher war das ausschließlich die Spielwiese des KGB. @KID hat in seinem Buch dargestellt, dass z.B. die Kenntnisse der HV A über die funkelektronische Spionage der US-Luftwaffe damals ziemlich dünn waren.

Im Gegensatz dazu gab es bereits 1975 russische Veröffentlichungen über das US-Geheimdienstsystem. Schon damals wurde die NSA als der größte und einflussreichste Dienst in der US-intelligence community bezeichnet.

Gruß Kalubke


Die Gegenspionage der HVA in US-Diensten begann weitaus früher.

Thema ist hier aber:
Was wusste das MfS/HVA über die NSA.
Persönliche Aussagen und Buch von Kid sind mir dazu bekannt und entsprechen sicher auch der Wahrheit.
Er verschaffte dem Warschauer Vertrag über die HVA wichtige Einblicke in die Massnahmen der elektronischen Kriegsführung der USA.Federführend dabei die NSA.
Details dazu erspare ich mir da sicher bekannt.
Vergessen darf man allerdings nicht,dass auch andere Spione Dokumente lieferten die über die NSA konkrete Fakten enthielten.Denke da zum Beispiel an James W. Hall.
Ein Vortrag von Kristie Macrakis* und ein persönliches Gespräch im Jahre 2007 waren dazu recht aufschlussreich.
In ihrem später erschienen Buch "Die Stasi-Geheimnisse . Methoden und Technik der DDR-Spionage" resümierte sie:
Zitat"
Zusammen mit einigen weniger bedeutenden Agenten ermöglichten Carney(KID) und Hall es dem MfS,jene Geheimnisse aufzudecken,die hinter den Zäunen des Teufelsberges und Marienfelde verborgen wurden.Die neuen Kenntnisse erlaubten es dem MfS,wirkungsvolle Gegenmassnahmen zu entwickeln und Einsicht in das mächtige und weitreichende elektronische Spionageprogramm und Pläne zur elektronischen Kriegsführung zu gewinnen."
Zitat Ende
Aus Gesprächen mit ehemaligen HVA-Leuten und Büchern zu dieser Thematik ist mir bekannt,dass dieser Einblick in Wahrheit weit über die Zäune der Objekte Teufelsberg/Marienfelde hinaus reichte.
Man hatte Einblick bis in die Zentren des NSA,so z.b. Ft. George Mead,Intelligence and Security Command (INSCOM) und des Air Force Electronic Security Command(AFESC).
Das belegen auch einsehbare Dokumente der BSTU aus dem Jahre 1984:
Bericht des Leiters der HA III an General Neiber.

seaman

*Kristie Macrakis studierte an der Harvard University und lehrt heute Wissenschafts- und Spionagegeschichte am Georgia Institute of Technology
in Atlanta. Sie verbrachte mehrere Forschungsaufenthalte vor und nach dem Mauerfall in Deutschland und hatte Zugang zu den Archiven der Staatsicherheit der DDR.


zuletzt bearbeitet 19.05.2014 08:42 | nach oben springen

#42

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 11:08
von Kalubke | 2.289 Beiträge

Vielleicht muss hier unterschieden werden zwischen dem, was die HV A an Wissen aus dem Informationsaustausch mit dem KGB bezog und dem, was sie durch eigene Quellen ermittelt hat.
Hall wurde durch das Referat HVA IX/A/3 geführt. Sie hatten laut F16/F22 der HV A (Rosenholtz-Files) insgesamt 4 A-Quellen, 4 O-Quellen und 5 AB (Ausländische Bürger), waren aber für die gND aller NATO-Staaten zuständig. Insofern dürfte es außer James W. Hall (»Paul«, »Ronny«, »Devil II«) nicht sehr viele weitere Quellen in US-Diensten gegeben haben. Es wurde aber laut K Macrakis versucht, durch Weitergabe des Wissens über die Berliner Field Stations an die Kubaner, in den dortigen US-Nachrichtenverkehr von und nach Guantanamo einzudringen.
»Kid« wiederum wurde von der HVA XI/9 (US-Streitkräfte in Westberlin) geführt. Die gab es erst seit dem Beginn der 80’er Jahre und sie hatte 6 O-Quellen, die außer »Kid« zumeist eher in Randbereichen angesiedelt waren (deutsche Angestellte in US-Dienststellen und im Senat). Direkt in den USA wurde von der HV A XI hauptsächlich politische und Wirtschaftsspionage betrieben, vorwiegend ausgehend von den LAR der HV A in den dortigen DDR-Auslandsvertretungen. »Kid« war, wie er selbst schrieb, nach seiner Rückversetzung in die USA die einzige Quelle im militärischen Bereich, welche die HV A überhaupt in den USA hatte. Die Quellensituation des KGB in den USA war dagegen deutlich besser:
Ronald Pelton, NSA
Aldrich Ames, CIA
Edward Lee Howard, CIA;
John Anthony Walker, US Navy Intelligence
Michael Walker US Navy
Jerry Alfred Whitworth, US Navy
Robert Philip Hanssen, FBI

Gruß Kalubke



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#43

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 15:38
von Georg | 1.003 Beiträge

@ seamann und @ Kalubke

Danke - so geht Geschichte Eure Beiträge sind interessant und bieten mir vieles Neues. Also nochemal Dank. Ich konnte nicht sooo weit denken, da reichten meine Vorstellungen nicht.
Ich hatte so gedacht, daß ADN hätte verlauten lassen: Aus gewöhnlich wohl unterricheten Kreisen wurde bekannt.............und drei Monate später wär " Der schwarze Kanal " bei einer West - Ost Verspannung über die Röhren gegangen. Oder so...


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#44

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 15:54
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #42
Vielleicht muss hier unterschieden werden zwischen dem, was die HV A an Wissen aus dem Informationsaustausch mit dem KGB bezog und dem, was sie durch eigene Quellen ermittelt hat.
Hall wurde durch das Referat HVA IX/A/3 geführt. Sie hatten laut F16/F22 der HV A (Rosenholtz-Files) insgesamt 4 A-Quellen, 4 O-Quellen und 5 AB (Ausländische Bürger), waren aber für die gND aller NATO-Staaten zuständig. Insofern dürfte es außer James W. Hall (»Paul«, »Ronny«, »Devil II«) nicht sehr viele weitere Quellen in US-Diensten gegeben haben. Es wurde aber laut K Macrakis versucht, durch Weitergabe des Wissens über die Berliner Field Stations an die Kubaner, in den dortigen US-Nachrichtenverkehr von und nach Guantanamo einzudringen.
»Kid« wiederum wurde von der HVA XI/9 (US-Streitkräfte in Westberlin) geführt. Die gab es erst seit dem Beginn der 80’er Jahre und sie hatte 6 O-Quellen, die außer »Kid« zumeist eher in Randbereichen angesiedelt waren (deutsche Angestellte in US-Dienststellen und im Senat). Direkt in den USA wurde von der HV A XI hauptsächlich politische und Wirtschaftsspionage betrieben, vorwiegend ausgehend von den LAR der HV A in den dortigen DDR-Auslandsvertretungen. »Kid« war, wie er selbst schrieb, nach seiner Rückversetzung in die USA die einzige Quelle im militärischen Bereich, welche die HV A überhaupt in den USA hatte. Die Quellensituation des KGB in den USA war dagegen deutlich besser:
Ronald Pelton, NSA
Aldrich Ames, CIA
Edward Lee Howard, CIA;
John Anthony Walker, US Navy Intelligence
Michael Walker US Navy
Jerry Alfred Whitworth, US Navy
Robert Philip Hanssen, FBI

Gruß Kalubke



Ja,das ist so konkret richtig.
Vergessen sollte man nicht dabei,dass die Zielvorgabe des MfS/HVA allerdings immer vorrangig auf das Operationsgebiet Bundesrepublik/Westberlin ausgerichtet war.Alles andere hätte die Kapazitäten in jeder Hinsicht gesprengt,zumal die Arbeit mit LAR(Legal abgedeckte Residenturen) erst nach der internationalen Anerkennungswelle der DDR Anfang der 70er Jahre zum Tragen kam.
Gut abgedeckt und aufgeklärt wurden dabei allerdings die verschiedensten Militär/Geheimdiensteinrichtungen der USA auf dem Gebiet der Bundesrepublik D. und Westberlin.

seaman


GZB1 und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.05.2014 16:02 | nach oben springen

#45

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 16:42
von damals wars | 12.113 Beiträge

Das MfS war also ungewöhlich gut informiert?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#46

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 17:02
von Kalubke | 2.289 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #43
@ seamann und @ Kalubke

Danke - so geht Geschichte Eure Beiträge sind interessant und bieten mir vieles Neues. Also nochemal Dank. Ich konnte nicht sooo weit denken, da reichten meine Vorstellungen nicht.
Ich hatte so gedacht, daß ADN hätte verlauten lassen: Aus gewöhnlich wohl unterricheten Kreisen wurde bekannt.............und drei Monate später wär " Der schwarze Kanal " bei einer West - Ost Verspannung über die Röhren gegangen. Oder so...




.. ja so war das ja auch damals. Viel zu erfahren haste nicht bekommen. Kann mich daran erinnern, das einzig bei der Guillaume-Affäre hinter vorgahaltener Hand gemunkelt wurde, dass er zur DDR gehört.

Gruß Kalubke



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#47

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 17:11
von Kalubke | 2.289 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #45
Das MfS war also ungewöhlich gut informiert?


na ja, sie hatten immerhin die NSRL (Zielobjektliste der US-GD) beschafft. Für Aufsehen sorgte ja bekanntlich unlängst, dass in einer aktuellen Fassung dieser Liste, die Snowden in die Öffentlichkeit brachte, unsere "Oberindianerin" höchstpersönlich enthalten war.

Gruß Kalubke



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#48

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 18:29
von Gert | 12.354 Beiträge

[quote=damals wars|p356015]Das MfS war also ungewöhlich gut informiert?[/quote]



hat aber nüscht genützt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#49

RE: Was das MfS über die NSA wusste

in Themen vom Tage 19.05.2014 18:40
von Kalubke | 2.289 Beiträge

...vieleicht im Sinne einer zeitweiligen Aufrechterhaltung des "Gleichgewichtes des Schreckens". Menschen neigen ja dazu, wenn es Gelegenheit gibt, einem Schwächeren ungestraft auf die Mütze zu hauen, dies manchmal auch zu tun.



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.05.2014 18:48 | nach oben springen



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