#61

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 14.05.2014 21:53
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von g.s.26 im Beitrag #59
Im Buch: "Vom Himmel auf die Erde ins Gefecht" beschreibt der letzte Kommandeur der Fallschirmjäger die Wochen vor und nach Leipzig.

Darin schreibt er unter anderem:

- das sie mit ca 360 Mann in Leipzig waren
- der Auftrag die Verhinderung der Montagsdemo war (er schreibt auf Wunsch von Honnecker)
- das es dem Leipziger Krisenstab zu verdanken ist, das sie nicht eingesetzt wurden

Wenn er, besonders den letzten Punkt so schreibt, dann muss es doch einen Einsatzbefehl gegeben haben. Oder war es: "Fahrt mal nach Leipzig und übt ein bisschen Polizeitaktik und vielleicht brauchen wir euch?" Wäre doch für eine militärische Einheit komisch, oder?

Aus seiner Beschreibung geht auch hervor das man die Fallschirmjäger "falsch" informierte. Man erzählte ihnen etwas von westlichen (USA, BRD) Kräften die im Auto unterwegs nach Leipzig seien. In Lehnin haben sie dann gemerkt, dass dem nicht so war. Es waren ja auch Urlauber der Truppe bei den Demos dabei und die erzählten dann was wirklich los war. Was folgte war dann die Frustentladung im Objekt.

So ist es dort zu lesen, vom Kommandeur Major Seiffert.


Richtig,

die Fallschirmjäger wurden auf Befehl von Honecker nach Leipzig verlegt und sollten nur auf Befehl von Honecker- Vorsitzender NVR d.DDR ) eingesetzt werden. Die Verlegung wurde von Honecker am 13. Oktober befohlen, nachdem er den von Streletz ausgearbeiteten Befehl 9/89 unterzeichnet hatte.
Der Krisenstab ( BEL ) hatte auf den Einsatz der Fallschirmjäger keinen Einfluss.


zuletzt bearbeitet 15.05.2014 00:23 | nach oben springen

#62

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 14.05.2014 21:54
von Schuddelkind | 3.512 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #60
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #58
Zitat von Alfred im Beitrag #54
Zitat von Freienhagener im Beitrag #51
Der Einsatz gegen Demonstranten in Leipzig war aber vorgesehen. Warum der Befehl nicht erteilt wurde, s.o.

Ansonsten ist das nicht von erfolgten einsätzen zu trennen, sondern gehört in eine Linie.




Lies doch einfach mal die Befehle. Dann dürfte doch geklärt sein,wenn bestimmte Kräfte eingesetzt werden sollten, dann aber nur auf Befehl.

So bezog sich dies u.a. auf Angriffe der Demonstranten auf Sicherungskräfte und Objekte.



Klingt irgendwie anders......





Weswegen wurden die Armeeeinheiten eigentlich umgegliedert. Macht doch keinen Sinn, schwächt nur die Truppe. Oder will mir einer erklären das Militär wird dem Innenministerium unterstellt. Das wäre dann allerdings ein Novum.



Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 14.05.2014 21:55 | nach oben springen

#63

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 14.05.2014 21:59
von Mike59 | 7.961 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #62
Zitat von Mike59 im Beitrag #60
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #58
Zitat von Alfred im Beitrag #54
Zitat von Freienhagener im Beitrag #51
Der Einsatz gegen Demonstranten in Leipzig war aber vorgesehen. Warum der Befehl nicht erteilt wurde, s.o.

Ansonsten ist das nicht von erfolgten einsätzen zu trennen, sondern gehört in eine Linie.




Lies doch einfach mal die Befehle. Dann dürfte doch geklärt sein,wenn bestimmte Kräfte eingesetzt werden sollten, dann aber nur auf Befehl.

So bezog sich dies u.a. auf Angriffe der Demonstranten auf Sicherungskräfte und Objekte.



Klingt irgendwie anders......





Weswegen wurden die Armeeeinheiten eigentlich umgegliedert. Macht doch keinen Sinn, schwächt nur die Truppe. Oder will mir einer erklären das Militär wird dem Innenministerium unterstellt. Das wäre dann allerdings ein Novum.





Kannst aufhören diese Fragmente zu präsentieren. Ist für mich nicht glaubwürdig weil es sich widerspricht. Ich weiß wie Befehle formuliert wurden - das ist (freundlich gesagt) eine freie Wiedergabe.


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#64

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 14.05.2014 23:55
von 94 | 10.792 Beiträge

Schade das der ganze Thread über den Dresdner Hbf wegen der von Feliks widerrechtlich hochgeladnen Bilder in einem Beitrag (Achtung !) seinerzeit komplett in die Tonne gekloppt wurde, die Bilder sind ja sogar noch da (siehe unten). Ich meine friedlich im Zusammenhang mit diesem Abend in einem Satz unterzubringen? Geht eigentlich garnicht. Anderseits, bei nicht so entschlossenem Eingreifen (in dem gelöschten Thread waren wimre auch recht genaue Angaben zu den Truppenteilen), es hätte vielleicht auch Toten geben können ... an diesem Abend


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#65

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 05:20
von B208 | 1.339 Beiträge

Moin @Schlutup ,
kannst Du Dich an ein Gespräch in der ehem. Grenzschutzschule in Lübeck-Hubertus erinnern , als ein Freund von Dir ( R. G. Angehöriger BPol ) von einem Treffen zwischen einem BGS-Abt.Kdr und einem hohen Offz. vom 6.GR aus Schönberg berichtete , das auf BRD Gebiet stattgefunden hat , lange vor dem Tag der Grenzöffnung . Bei dem Treffen ging es laut Aussage von R. G. um eine geordnete Grenzöffnung im Fall der Fälle und hat gezeigt , daß die Zuständigen Organe auch auf unterer bis mittlerer Ebene weit vor der Grenzöffnung die Möglichkeit in Betracht gezogen haben .

Grüsse B208


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#66

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 05:56
von exgakl | 7.235 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #63
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #62
Zitat von Mike59 im Beitrag #60
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #58
Zitat von Alfred im Beitrag #54
Zitat von Freienhagener im Beitrag #51
Der Einsatz gegen Demonstranten in Leipzig war aber vorgesehen. Warum der Befehl nicht erteilt wurde, s.o.

Ansonsten ist das nicht von erfolgten einsätzen zu trennen, sondern gehört in eine Linie.




Lies doch einfach mal die Befehle. Dann dürfte doch geklärt sein,wenn bestimmte Kräfte eingesetzt werden sollten, dann aber nur auf Befehl.

So bezog sich dies u.a. auf Angriffe der Demonstranten auf Sicherungskräfte und Objekte.



Klingt irgendwie anders......





Weswegen wurden die Armeeeinheiten eigentlich umgegliedert. Macht doch keinen Sinn, schwächt nur die Truppe. Oder will mir einer erklären das Militär wird dem Innenministerium unterstellt. Das wäre dann allerdings ein Novum.





Kannst aufhören diese Fragmente zu präsentieren. Ist für mich nicht glaubwürdig weil es sich widerspricht. Ich weiß wie Befehle formuliert wurden - das ist (freundlich gesagt) eine freie Wiedergabe.


Also ich finde die Fragmente gar nicht so verkehrt... spiegelt es genau das wieder, was ich vom 4.Oktober an erlebt habe.....


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#67

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 06:20
von Pit 59 | 10.135 Beiträge

Bezugnehmend auf Überschrift,ich glaube das nicht nur,ich bin davon Überzeugt. Wer sollte den auf wen Schiessen ? DDR Bürger auf DDR Bürger,der Vater auf seinen Sohn oder Tochter,oder vieleicht Umgekehrt ? Nein,Niemals,das wäre nicht passiert.
Und das wussten die Herren ,das die Internationale Resonanz dann erschreckend gewesen wäre,so Blöde waren die Betonköpfe dann auch wieder nicht.

P.S.Obwohl,mein Schwiegervater wusste das ich immer in der ersten Reihe Marschiert bin


zuletzt bearbeitet 15.05.2014 06:44 | nach oben springen

#68

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 06:26
von Schuddelkind | 3.512 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #67
Bezugnehmend auf Überschrift,ich glaube das nicht nur,ich bin davon Überzeugt. Wer sollte den auf wen Schiessen ? DDR Bürger auf DDR Bürger,der Vater auf seinen Sohn oder Tochter,oder vieleicht Umgekehrt ? Nein,Niemals,das wäre nicht passiert.
Und das wussten die Herren ,das die Internationale Resonanz dann erschreckend gewesen wäre,so Blöde waren die Betonköpfe dann auch wieder nicht.



Betrachtet man die Aussagen der damaligen Protagonisten und liest zwischen den Zeilen, kommt man aber zu dem Schluss, dass eine militärische Option zumindest mal in Erwägung gezogen wurde.
"Wie schon erwähnt, scheint auch bei Streletz durch, daß er sich zurechnet, einen
positiven Beitrag zum unblutigen Verlauf der "Wende" im Herbst 1989 geleistet
zu haben: "Ich bin stolz darauf, daß ich das Glück hatte, in einem historisch
entscheidenden Augenblick in einer militärischen Position gewesen zu sein, in der
ich mitwirken konnte, daß die verantwortungsvolle Entscheidung vor und während
der Wende im Herbst 1989, ob Waffen und Gewalt gegen Demonstranten eingesetzt
werden sollten, positiv, das heißt gegen den Einsatz von Schußwaffen,
ausfiel."618
Sollte dem so gewesen sein, müßte der Einsatz von Waffen und Gewalt gegen
Demonstranten auf der politischen Entscheidungsebene im Beisein von Streletz
ernsthaft diskutiert worden sein."
Quelle: aus "Die Nationale Volksarmee der DDR zwischen "Wende" und Auflösung
Der Untergang der NVA im Lichte des Zusammenbruchs der DDR"


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 15.05.2014 06:27 | nach oben springen

#69

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 07:36
von Hansteiner | 1.413 Beiträge

Ich wurde am 2.November 89 als Reservist zum 24.Mot.- Reg. Erfurt eingezogen.
Und bin heute noch heil froh, dass die Lage nicht eskalierte !!!

Soeine Ratlosigkeit und Hilfslosigkeit bei den höchsten Offz. im Stab hatte ich noch nicht erlebt.
Es war schon chaotisch.

Zum Glück ging alles gut.

VG H.



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#70

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 11:02
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #57
...................Gerade in Leipzig, haben sie doch immer zum Fenster geschaut und zu Marx und Lenin (manche vielleicht auch zu Gott) gebetet, das keiner versucht in das Objekt ein zu dringen, den dann wäre die Lage mehr als unübersichtlich geworden, für beide Gruppen! Zum Glück ist das nicht eingetreten, wer was was dann passiert wäre!
Grüsse steffen52


Da wurde nichts dem Glück überlassen.
Die Bürgerbewegung organisierte bei den Demos auf dem Ring eine Menschenkette vor den Stasi-Gebäuden ("Runde Ecke").
Auch dort in Wort und Bild der Aufruf "keine Gewalt" (Richtung Demo).
Das war die wahre Umsicht und ein wahrer "Verdienst".


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 15.05.2014 11:11 | nach oben springen

#71

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 11:46
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #17
Hallo @Alfred,

das mit der Spezialeinheit kam im TV.Die wurden zum Einsatz gegen Demonstranten vorbereitet und die Leute haben sich geweigert. Dazu äußerten sich ehemalige Angehörige selbst.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an diesen Film, der sich damit besser auskennt.

Was die Entscheidungsträger im Einzelnen vorhatten, das wissen sie selbst und werden nicht alles preisgeben wollen.
Aber eher war es doch so, daß von der Zentrale Anweisungen erwartet wurden, aber nicht kamen.
Jedenfalls handelte der führende Leipziger SED-Genosse nach eigenem Bekunden selbständig, als er den Aufruf gegen Gewalt unterschrieb.

Ein Umstand war die unerwartet große Menge der Demonstranten in Leipzig, daß die Staatsorgane passiv blieben. Sie verschanzten sich in ihren Gebäuden, die von Demonstranzen gegen Übergriffe geschützt wurden (hab ich selbst gesehen).



Ich glaube ich weiß, welchen Bericht du meinst! In diesem Bericht hat ein ehemaliger Angehöriger einer Fallschärmjägereinheit, welche meines Wissens nach in Lehnitz stationiert war, über den Einsatz gegen den geplanten Einsatz gegen Demonstranten gesprochen. Die Fallschirmjäger waren von jeglichen Informationen über die wahre Situtaion abgeschnitten. So dass sie tatsächlich von der Gefährlichkeit der Demonstranten überzeugt waren. Glücklicherweise kamen diese Elitetruppen aber nicht zum Einsatz! Nach der Rückverlegung ins Objekt, erfuhren die Soldaten, was tatsächlich auf den Straßen passiert war. Vor lauter Wut über die Lügen der Vorgesetzten, demolierten die "Fallis" daraufhin ihre eigenen Unterkünfte.
Das war es wohl, was von einigen heute fälschlicherweise als Meuterei bezeichnet wird.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#72

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 15.05.2014 18:08
von berlin3321 | 2.518 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #17
Hallo @Alfred,

das mit der Spezialeinheit kam im TV.
Die wurden zum Einsatz gegen Demonstranten vorbereitet und die Leute haben sich geweigert. Dazu äußerten sich ehemalige Angehörige selbst.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an diesen Film, der sich damit besser auskennt.




Moin,

hier der Bericht dazu:



MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#73

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 22.05.2014 13:42
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #8
Waren die eingesetzten Truppen überhaupt für unfriedliche Einsätze im Inland trainiert und ausgerüstet (Wasserwerfer, Tränengas, Gummiknüppel - und geschosse? Das Schiessen mit scharfer Munition auf eigene Staatsbürger musste ja eigentlich möglichst vermieden werden.
Theo


Also zumindest die eingesetzten Polizisten besaßen eine entsprechende Ausbildung. Die man heutzutage allerdings als eher rudimentär bezeichnen würde, bestand sie doch in aller Regel aus je einem Tag Training in der Polizeischule während der gesamten Ausbildungszeit. In der die ganz geheimen Helme und Schilde ausgeteilt wurden, damit das Formieren einer Absperrung, sowie das Durchlassen einer Festnahmegruppe (nur mit Helm, ohne Schild) geübt wurde. Ich habe solch einen Ausbildungstag einmal in Neustrelitz und einmal in Aschersleben mitgemacht. Mag sein, dass die Bereitschaftspolizei mehr geübt hat aber für das Groß der Schutz- und Kriminalpolizei gilt eher mein damaliger Ausbildungsstand.
Zur Ausrüstung gehörte ferner pro Lkw (Klasse bzw. Zug) eine MPi mit Schießbecher, Platzpatronen und, soweit ich mich erinnere, 6 CN-Gaswurfkörpern. CH ist ein Tränengas. In meiner Klasse war ich jener mit der MPi. In Berlin hatte jeder von uns noch seine persönliche Pistole und die zwei Magazine mit je 7 bzw. 8 Patronen dabei.
Handfesseln? Die DDR-Handfesseln ließen sich nicht einfach so mitführen wie ihre westlichen Pendants. Das waren recht klobige Teile, von denen wir pro Zug analog wie früher bei GT auch nur ein Paar besaßen. Die blieben in Aschersleben denn das wäre bestenfalls albern gewesen. An Fesselung war nicht gedacht, auf Lkw war dies ohnehin unzulässig. Im Falle des Falles hätten mit Schlagstock und Knebelkette ausgerüstete Posten aufpassen müssen. So, wie in Berlin. Na ja... , nicht so... Jeder, der als Schutzpolizist mal begonnen hatte, besaß so eine Knebelkette. Damit kann man eine Person aber nicht dauerhaft fesseln, weil man die Kette ja ständig selbst festhalten muß.
Vor dem Abmarsch nach Leipzig hat man uns die scharfe Munition komplett abgenommen. Wir mussten, was es vorher nie gegeben hatte, unsere Magazine in der Waffenkammer leeren. Die "Munition" für die MPi bestand in einer eingeschweißten 20-er Packung Platzpatronen blau. Auch das Einsatzmagazin für die MPi wurde vor der Abfahrt geleert. Wir aus dem Mannschaftsbereich hatten nicht einen scharfen Schuß dabei. Es hieß, dass die Zugführer ein volles Pistolenmagazin behalten konnten aber ich würde selbst darauf im Nachhinein keinen Eid schwören. Es gab auch keine Reservekisten auf den Lkw.
Die Stimmung war also durchaus in mehrfacher Hinsicht geladen. Dazu muss man wissen, das wir zu jenen K-Schülern gehörten, die in der VPI-Pankow und später im Blankenburger Pflasterweg die zugeführten Personen mit zu vernehmen hatten und gemeinsam mit den Diensthabenden der K entschieden hatten, viele jener laufen zu lassen, denen nichts vorzuwerfen war. Was rein rechtlich doch in Ordnung war und der Bereich war ja so voll, dass die Leute auf den Treppen Schlange standen. Es war so dermaßen wenig vorbereitet, das es gar nicht anders ging. Dafür klangen uns noch Vorwürfe wie "Verräter" in den Ohren... und das Wort "Bewährung".
Die Abnahme der Munition haben wir an dem Tag sehr persönlich genommen. Erst in Leipzig haben wir erkannt, dass keiner dort Munition bei hatte. Das also nicht nur für uns galt. Von den Kräften am Hauptbahnhof oder an der BdVP hätte keiner schießen können, mangels Munition, aber wenn, dann hätten wir das getan. Die da draußen waren ja der Gegner.
Ich denke schon, dass ich durch die Fahrerei um und in Leipzig gesehen habe, was da war und was nicht. Die einzigen Panzerfahrzeuge, die ich überhaupt gesehen habe, waren zwei PSH auf dem Hof der PdVP. Das war alles. Die standen aber immer dort.
Ich kannte das Lager in Torgau, von dem manche immer noch behaupten, dass da Panzer hätten kommen können. Nun ja, Panzer lagerten schon dort. Aber sie waren eben nur eingelagert "ohne alles". Soll heißen, ohne Betriebsstoffe, ohne Öl, ohne Batterien, ohne Munition und vor allem ohne Besatzung.
Ich habe einen Wasserwerfer hinter dem Hauptbahnhof gesehen und einen zweiten auch auf dem Hof der BdVP. Ansonsten nur Lkw.
Wir kannten freilich Bilder aus Dresden mit den doch recht drastischen Gewaltexzessen auch von Seiten der Demonstranten. Es war die Rede von der Konterrevolution, mit der nun aufgeräumt würde und zumindest bis zum Ende des Zuges waren wir auch diszipliniert genug, um bei einem Einsatzbefehl antreten zu können. Mit Schießen hätte das von unserer Seite nichts zu tun gehabt, eher mit einer wüsten Keilerei aber die hätten wir durchgezogen. Wir sind davon ausgegangen, dass wir Rückendeckung gehabt hätten. Das irgendwo auch jemand gewesen wäre, der vielleicht hätte schießen können. Mit der Zeit freilich merkten wir, das diese Kräfte sehr, sehr weit weg sein mussten. Ganz weit vermutlich... jedenfalls nicht in Leipzig.
Wir, das waren sichtbar die örtliche Schutz- und Kriminalpolizei, die Bereitschaftspolizei, Bahnpolizei, Offiziersschüler der VP sowie in den Bereitstellungsräumen hinter dem Hauptbahnhof auch teilweise NVA mit noch weniger Ausrüstung als wir. Kampfgruppen waren auch im Einsatz, bewachten aber nur die Lager mit Verpflegung, mit Ausrüstung wie Helmen, Schilden und Schlagstöcken in Taucha zum Beispiel. Sie hatten selbst auch nur einen Schlagstock dabei.
Die Krankenschwester, von der ich schrieb, arbeitete zu der Zeit in der Unfallaufnahme. Da war nichts mit zusätzlichen Blutkonserven oder mehr Leuten. Die kamen aus ganz eigenem Entschluß im Laufe des Abends selbständig.
Doch der Einsatzbefehl kam nicht. Was wir als solchen hatten, das beschränkte sich auf das Beziehen der Bereitstellungsräume oder der zu sichernden Objekte. Ohne auch nur die mindeste Erwähnung, was danach wo und wie zu passieren hatte. Einige unserer Züge sicherten die Objekte gemeinsam mit der BePo, wir hielten Verbindung mit den hinter dem Hauptbahnhof aufgestellten Kräften aber das Einzige, was kam, war der Demonstrationszug. Von unserer Führung kam gar nichts, absolut nichts. Das Einzige, was als eine Art "Befehl" kam, war der Aufruf der Gruppe um Kurt Masur, keine Gewalt auszuüben. Daraufhin entschieden die örtlichen Polizeiführer, nur bei Gewalt zu agieren und nur an dem Ort, an dem sie sich eben gerade befanden. Da war der Demonstrationszug fast schon bei der BdVP und somit fast schon durch.
Als dann der Zug durch war und die Vorgesetzten, die uns vorher noch auf den Einsatz gegen die Konterrevolution eingeschworen hatten, selber sichtlich froh, waren dass sich gar nichts getan hatte, da erst kippte die Stimmung. Da legten wir kollektiv Wert darauf, das da draußen das Volk war und wir gegen sie nicht handeln würden. Denn von "oben" gab es keine Rückendeckung. Ab dem Punkt war die DDR Geschichte, da hätte keiner von uns mehr einen Einsatz so durchgezogen, wie noch zwei Tage zuvor.
Und von "Bewährung" war auch keine Rede mehr.
Aber wäre an dem Vorabend der Einsatzbefehl gekommen hätte die Geschichte einen anderen Verlauf genommen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


DoreHolm, RudiEK89, andy, GZB1, Schuddelkind, Damals87 und Elch78 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#74

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 22.05.2014 14:37
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #72
[quote=Freienhagener|p354699]Hallo @Alfred,

das mit der Spezialeinheit kam im TV.
Die wurden zum Einsatz gegen Demonstranten vorbereitet und die Leute haben sich geweigert. Dazu äußerten sich ehemalige Angehörige selbst.

...
MfG Berlin



Nach dem 9. Oktober wurden die Offiziersschüler der VP aus Aschersleben noch bis kurz vor Weihnachten 1989 zur Absicherung von Montags- und anderen Demonstrationen in Leipzig, Halle/Saale und Berlin eingesetzt.
Von Auflösung der Demonstrationen war aber in keinem Fall mehr die Rede sondern nur von Absicherung gegen mögliche Gewalttäter. Wir hatten wieder unsere Pistolen dabei, dafür auch Munition und ich zusätzlich meine MPi mit Platzpatronen und Reizwurfkörpern (Tränengas). Vorteil für mich war, das ich kein Schild zu schleppen hatte und mich bei der Aufstellung hinter der Linie befand. Außerdem hatten wir Schlagstöcke, Helme und Schilde dabei. Doch haben wir bei keinem der Einsätze mehr gemacht, als in Bereitschaft auf einen möglichen Einsatzbefehl zu warten, der nie kam. Das war uns durchaus recht.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#75

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 22.05.2014 19:01
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Wahrscheinlich, weil es friedlich blieb.
Wie gesagt, wurde bei den Demos in Leipzig die Stasizentrale mittels einer Menschenkette der Bürger vor eventuellen Übergriffen geschützt.
Wir sind vorbeigezogen. Die Wirkung erreichte die Menge (bis zu 300000 Leute an einem Montag).


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#76

RE: Ich glaube, man hätte nicht geschossen

in Grenztruppen der DDR 17.06.2014 18:56
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von 94 im Beitrag #64
Schade das der ganze Thread über den Dresdner Hbf wegen der von Feliks widerrechtlich hochgeladnen Bilder in einem Beitrag (Achtung !) seinerzeit komplett in die Tonne gekloppt wurde, die Bilder sind ja sogar noch da (siehe unten). Ich meine friedlich im Zusammenhang mit diesem Abend in einem Satz unterzubringen? Geht eigentlich garnicht. Anderseits, bei nicht so entschlossenem Eingreifen (in dem gelöschten Thread waren wimre auch recht genaue Angaben zu den Truppenteilen), es hätte vielleicht auch Toten geben können ... an diesem Abend



Hallo!
Leider habe ich keine Bilder mehr vom Hbf Dresden.Ein Tonband mit dem Orginalton des Polizeifunks ist auch durch den Umzug verschwunden.
Das was sich im und vor dem Hbf. abgespielt hat,kann man nicht friedlich nennen.
Was dann später auf der Prager Str. passierte,das war friedlich. Hier standen sich die Demonstranten und die Polizei gegenüber.Was nun,Einsatz mit Gewalt oder friedlich.Es ging alles gut.
Zum Einsatz von Schußwaffen,sage ich mal,es war zu spät,denn der große Bruder hätte nicht geholfen.
Gruß Rei


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