#1

Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 12:08
von Vogtländer (gelöscht)
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Folgender Link erstmal als Grundlage!

http://rutube.ru/video/58a6905b41948783c1902a0f25471a1f/

Nun wird diese von den Kindern geübte Kritik nicht immer und überall,vorallem im Erwachsenenalter,im DDR-Alltag praktiziert worden sein.
Wie sind Eure Erlebnisse?

Bei mir wars so,das zwar Kritik geübt wurde,aber nicht alles geändert wurde.Grundsätzlich war aber Kritik allgemein erwünscht!


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#2

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 15:21
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Wie hieß der letzte Punkt bei Massenkontrollen und auch in Mitgliederversammlungen?
Hinweise, Vorschläge, Kritiken.

Das Problem war oft nicht, dass oder ob Kritik geübt werden konnte. Das Problem war, wie sie aufgefasst wurde. Prinzipiell galt damals auch für mich: Kritik ist erwünscht, man kann ja nur besser werden. Aber vieles in der Kritik wurde dann eher als Mängeldiskussion aufgefasst und auf den Kritisierenden zurückgeworfen: "Ja, was tust Du denn, damit sich das ändert?" Das war einer der Wege, Kritik zu unterbinden. Ein anderer Weg war das Gefühl, dass sich trotz Kritik ja doch nichts ändert.

Die in dem Video geäußerte Kritik an den Mitgliederversammlungen konnte man durchgehen lassen, denn es handelte sich ja um eine Erscheinung, die theoretisch hätte überall vor Ort geändert werden können. Die Forderungen, Mitgliederversammlungen der Partei, FDJ oder Pionierorganisation "lebendiger und lebensnaher" zu gestalten, stand zu jeder Zeit. Insofern war das also keine "Systemkritik". Mit dem Filmchen im Gepäck hätte jeder Instrukteur des Zentralrats der FDJ irgendwo auftauchen und den örtlichen Leitungen vorhalten können: "Seht Ihr, macht mal, dass es bei Euch besser wird."

Eine Diskussion über Produktionsbedingungen in der Wirtschaft oder über die Wissensvermittlung an Bildungseinrichtungen wäre da schon eher als systemisch eingestuft und nicht so publik gemacht worden. Wie gesagt, man muss hier den "Charakter der Kritik" aus der damaligen Sicht verstehen, denke ich.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 13.05.2014 15:22 | nach oben springen

#3

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 15:55
von Heckenhaus | 5.128 Beiträge

Pionierversammlungen gab es um 1960, ich bin erst mit 10 Jahren Mitglied geworden, so gut wie keine an meiner Schule, es
beschränkte sich meist auf kurze Terminansagen gleich nach Schulschluß oder in der Pause zu Themen wie Altstoffsammlung
oder ähnlichen Dingen. Pionierarbeit lief sehr auf Sparflamme.
FDJ-Versammlung habe ich nur eine erlebt, dann war ich´s satt, mir das Gelabere anzuhören, weitere Einladungen habe ich
dann geflissentlich ignoriert, vor und auch nach der Armeezeit.
Partei-bzw. DSF- oder FDGB-Versammlungen gingen mich nichts an, einzig ab und an mal eine Brigadeversammlung im Bau-
wagen o.ä., während der Arbeitszeit, war nicht zu umgehen. Da wurde dann aber auch Klartext geredet. von allen.

Es war aber durchaus erwünscht, dass die Mitarbeiter Anregungen und Kritiken äußern, und das wurde sogar ernst genommen.
Das Schlimme war, je höher Personen in der politischen Hirarchie standen, desto größer war die Scheu, den Mund aufzumachen.
Eigentlich grundverkehrt, denn für Sachlichkeit ist niemand schief angesehen worden.
.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#4

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 16:31
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Kritik ist immer auch eine Auslegungssache, in der DDR nicht selten positive Kritik - also das gutheißende Eingehen auf den Sozialismus, was eigentliche eher Lobrede als Kritik ist.
Wenn negative Kritik ins Spiel kam, wurde zumeist erwartet, dass diese in Positives umschlug; also negative Kritik am Negativen. Wenn man zum Beispiel einen sich nicht systemkonformen Mitschüler maßregelte, sollte dies einen Besserungseffekt bewirken und er auf den "richtigen" Weg gebracht werden.

Sorry, dass meine Worte sich in einem beschränkten sowie auf die sozialistische Ideologie bezogenen Kreis beziehen. Doch das Thema auszuloten, hieße, sich in unendlichen Monologen/Dialogen zu ergehen, die Bücher füllen dürften.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#5

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 16:52
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Es kam mal ein Kollege zur FDJ-Versammlung mit einem großen Plaste-Eimer. Dieser Kollege war der Versammlungsleiter und kündigte sich nach der Begrüßung und dem Eröffnungs-Tam-Tam als Redner an, rief sich auf, hielt seine Rede und dankte sich für den Beitrag. Bei seinem Beitrag hielt er den Eimer hoch und begann: „Diesen Eimer voller Tränen könnte ich weinen, wenn ich dieses Elend hier sehe….“ Danach erfolgte eine sehr kritikreiche Versammlung. Kritik und Selbstkritik auf Versammlungen war sehr erwünscht, sofern nicht an Grundfesten gerüttelt wurde. ich selbst erhielt nach so einer Versammlung mal eine Buchprämie durch dezenten Hinweis des Chefs GT, der der Versammlung beiwohnte. Danach war ich dann alsbald Parteimitglied: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

friedliche Grüße Andreas


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#6

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 17:34
von Pit 59 | 10.133 Beiträge

Zitat von ehem. Hu im Beitrag #5
Es kam mal ein Kollege zur FDJ-Versammlung mit einem großen Plaste-Eimer. Dieser Kollege war der Versammlungsleiter und kündigte sich nach der Begrüßung und dem Eröffnungs-Tam-Tam als Redner an, rief sich auf, hielt seine Rede und dankte sich für den Beitrag. Bei seinem Beitrag hielt er den Eimer hoch und begann: „Diesen Eimer voller Tränen könnte ich weinen, wenn ich dieses Elend hier sehe….“ Danach erfolgte eine sehr kritikreiche Versammlung. Kritik und Selbstkritik auf Versammlungen war sehr erwünscht, sofern nicht an Grundfesten gerüttelt wurde. ich selbst erhielt nach so einer Versammlung mal eine Buchprämie durch dezenten Hinweis des Chefs GT, der der Versammlung beiwohnte. Danach war ich dann alsbald Parteimitglied: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

friedliche Grüße Andreas


Andreas da bin ich aber Froh nie in einer FDJ Versammlung gewesen zu sein,vieleicht wäre ich dann Partei Mitglied gewesen


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#7

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 17:56
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #6
Zitat von ehem. Hu im Beitrag #5
Es kam mal ein Kollege zur FDJ-Versammlung mit einem großen Plaste-Eimer. Dieser Kollege war der Versammlungsleiter und kündigte sich nach der Begrüßung und dem Eröffnungs-Tam-Tam als Redner an, rief sich auf, hielt seine Rede und dankte sich für den Beitrag. Bei seinem Beitrag hielt er den Eimer hoch und begann: „Diesen Eimer voller Tränen könnte ich weinen, wenn ich dieses Elend hier sehe….“ Danach erfolgte eine sehr kritikreiche Versammlung. Kritik und Selbstkritik auf Versammlungen war sehr erwünscht, sofern nicht an Grundfesten gerüttelt wurde. ich selbst erhielt nach so einer Versammlung mal eine Buchprämie durch dezenten Hinweis des Chefs GT, der der Versammlung beiwohnte. Danach war ich dann alsbald Parteimitglied: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

friedliche Grüße Andreas


Andreas da bin ich aber Froh nie in einer FDJ Versammlung gewesen zu sein,vieleicht wäre ich dann Partei Mitglied gewesen


Wenn ich was von der Partei lese und von ihren Mitgliedern - dann bekomme ich immer feuchte Augen....

Und da anscheinend alle ihre Mitgliedschaft entweder als "nicht so schlimm " oder als " befruchtend " oder als " ich war halt auf einmal drin " beschreiben ,-
werde ich mal ( keine Kunst bei diesem Scheisswetter ) einen neuen Strang eröffnen ,-
und zwar über Partei-Austritte - ein nur zu gern unter den Tisch gekehrtes Thema !

ich hoffe auf rege Teilnahme......


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#8

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 18:37
von Vogtländer (gelöscht)
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Meinst Du freiwillige oder (un)freiwillige Austritte? @Ostlandritter


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#9

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 18:40
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Vogtländer im Beitrag #8
Meinst Du freiwillige oder (un)freiwillige Austritte? @Ostlandritter


Alles zum Thema Parteiaustritte !

leider finde ich die Funktion " Neues Thema erstellen " nicht


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#10

RE: Kritikfähigkeit in der DDR

in Leben in der DDR 13.05.2014 18:47
von furry | 3.572 Beiträge

Oben im Menü, 2. Punkt von links, "Forum", nach unten scrollen, den gewünschten Themenkomplex suchen und dann oben auf "neues Thema" klicken.


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