#41

RE: BND-Akten: Geheimarmee

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.05.2014 08:22
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #37
Etwas weiter entwickelten sich die Sache dann im BDJ, da gab es dank der Amis immerhin Granatwerfer und leichte Artillerie.




Hallo,
ich sprach mal mit einem BRD-Staatsbürger der in den "US-Dienstgruppen" nicht Hausmeister oder Pförtner war sondern richtig als Panzermann beschäftigt wurde, mit mehr als nur schrauben und putzen.

Wer weis was darüber wie früh und im welchem Umfang da Deutsche bewaffnete Truppe stellten. Den Minenräumdienst sehe ich da unkritisch, die anglo-britische Meinung, wer den "Scheiß" ins Wasser warf soll den Kram auch wieder rausholen hat eine gewisse Legitimität...



zuletzt bearbeitet 13.05.2014 09:20 | nach oben springen

#42

RE: BND-Akten: Geheimarmee

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.05.2014 08:23
von Kalubke | 2.301 Beiträge

Leider hat auch die DDR in der Nachkriegszeit einige ehemalige Nazis wieder zu Amt und Würden kommen lassen. Eines der prominentesten Beispiele ist der damalige Generalstaatsanwalt der DDR Dr. Ernst Melsheimer. Vor 1945 war er am Freislerschen Volksgerichtshof tätig. (nachzulesen in W. Janka: Schwierigkeiten mit der Wahrheit) Erstaunlicherweise hatte die Justizministerin Hilde Benjamin, die jüdischer Abstammung ist, damals keine Berührungsängste, mit diesem Altnazi zusammenzuarbeiten. Berüchtigt waren damals die Schauprozesse nach stalinistischem Vorbild gegen oppositionelle Personen, von denen viele Kommunisten waren. Wie bitter muss es denen aufgestoßen sein, ausgerechnet in der DDR von einem ehemaligen Nazi angeklagt zu werden.

In Informationsbroschüren über die Gerichtsprozesse wie z. B. gegen die "Burianek-Bande", die damals für die Vorbereitung der Sprengung einer Eisenbahnbrücke im Auftrag der KgU (Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit) angeklagt wurde, sind z.T. extreme polemische Attacken gegen die Angeklagten nachzulesen, die stark an an die entwürdigenden Auslassungen von Freisler in den NS-Prozessen gegen die Stauffenberg Attentäter erinnern.

O-Ton Beispiel:

"Burianek, ein amerikanischer Agent,

Faschist, Totschläger, vorbestraft als Verbrecher gegen die Menschlichkeit, Bandenführer und Saboteur - eine Pestratte in Menschengestalt, das ideale Werkzeug für den amerikanischen Geheimdienst"

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 13.05.2014 11:22 | nach oben springen

#43

RE: BND-Akten: Geheimarmee

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.05.2014 10:26
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #41
...Hallo,
ich sprach mal mit einem BRD-Staatsbürger der in den "US-Dienstgruppen" nicht Hausmeister oder Pförtner war sondern richtig als Panzermann beschäftigt wurde, mit mehr als nur schrauben und putzen.

Wer weis was darüber wie früh und im welchem Umfang da Deutsche bewaffnete Truppe stellten. Den Minenräumdienst sehe ich da unkritisch, die anglo-britische Meinung, wer den "Scheiß" ins Wasser warf soll den Kram auch wieder rausholen hat eine gewisse Legitimität...


Alles ist halt relativ. Ein Onkel väterlicherseits gehörte als ehem. KM-Offizier später zu diesem Minenräumdienst in der Nordsee. Sie hatten nur eine Art Wahl denn die Alternative lautete Kohlebergwerk in GB. Es waren auch keineswegs nur eigene Minen, die zu räumen waren sondern auch alliierte Minen und dies häufig ohne Unterlagen da gerade die Briten diese zum Teil nicht mal heutzutage herausgaben oder -geben. Das führte auch zu Verlusten. Er hat dann bis zu seiner Rente als Zivilbeschäftigter bei den Briten gearbeitet.
Aber auch Niederländer und Franzosen haben deutsche Kriegsgefangene auch noch nach dem Kriege zum Minenräumen eingesetzt und da war vom "Verheizen" gar nicht mal selten die Rede.

Es ist schon ein ziemlicher Unterschied zwischen ehemaligen Soldaten der Wehrmacht, Kriegsmarine oder sonst einer Truppe, die nach Kriegsende ganz offen und regulär für die Sieger oder eben Nachfolgestaaten legal gearbeitet hat oder wie hier einer schon damals illegalen, bewaffneten Geheim"armee", die quasi als Wehrwolffortsetzung mit staatlicher Duldung entgegen aller Gesetzlichkeit weiter bestanden hat.
Das Argument, das sich da etwas "biologisch regelt" hat mit dem Umstand, das es halt um Weltanschauungen innerhalb von Behörden und Institutionen, nicht nur um isolierte Personen geht, eine Schwachstelle. Um im VS, MAD oder BND stramm rechts (oder auch links) zu sein, muss man nicht zwingend 100 Jahre alt sein.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


Damals87 und werner haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#44

RE: BND-Akten: Geheimarmee

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.05.2014 18:11
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #43
Zitat von SET800 im Beitrag #41
...Hallo,
ich sprach mal mit einem BRD-Staatsbürger der in den "US-Dienstgruppen" nicht Hausmeister oder Pförtner war sondern richtig als Panzermann beschäftigt wurde, mit mehr als nur schrauben und putzen.

Wer weis was darüber wie früh und im welchem Umfang da Deutsche bewaffnete Truppe stellten. Den Minenräumdienst sehe ich da unkritisch, die anglo-britische Meinung, wer den "Scheiß" ins Wasser warf soll den Kram auch wieder rausholen hat eine gewisse Legitimität...


Alles ist halt relativ. Ein Onkel väterlicherseits gehörte als ehem. KM-Offizier später zu diesem Minenräumdienst in der Nordsee. Sie hatten nur eine Art Wahl denn die Alternative lautete Kohlebergwerk in GB. Es waren auch keineswegs nur eigene Minen, die zu räumen waren sondern auch alliierte Minen und dies häufig ohne Unterlagen da gerade die Briten diese zum Teil nicht mal heutzutage herausgaben oder -geben. Das führte auch zu Verlusten. Er hat dann bis zu seiner Rente als Zivilbeschäftigter bei den Briten gearbeitet.
Aber auch Niederländer und Franzosen haben deutsche Kriegsgefangene auch noch nach dem Kriege zum Minenräumen eingesetzt und da war vom "Verheizen" gar nicht mal selten die Rede.

Es ist schon ein ziemlicher Unterschied zwischen ehemaligen Soldaten der Wehrmacht, Kriegsmarine oder sonst einer Truppe, die nach Kriegsende ganz offen und regulär für die Sieger oder eben Nachfolgestaaten legal gearbeitet hat oder wie hier einer schon damals illegalen, bewaffneten Geheim"armee", die quasi als Wehrwolffortsetzung mit staatlicher Duldung entgegen aller Gesetzlichkeit weiter bestanden hat.
Das Argument, das sich da etwas "biologisch regelt" hat mit dem Umstand, das es halt um Weltanschauungen innerhalb von Behörden und Institutionen, nicht nur um isolierte Personen geht, eine Schwachstelle. Um im VS, MAD oder BND stramm rechts (oder auch links) zu sein, muss man nicht zwingend 100 Jahre alt sein.

Es kommt ja nicht von ungefähr, das dieser Staat auf dem rechten Auge blind ist........


Intellektuelle spielen Telecaster
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#45

RE: BND-Akten: Geheimarmee

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 13.05.2014 20:47
von werner | 1.591 Beiträge

Nun tut man so, als ob das eine neue Erkenntnis wäre. Dabei habe ich 1990 die erste Veröffentlichung im Spiegel gelesen, die das, was ich in der „Gegnerlehre“ schon lange, lange zuvor gelernt hatte, bestätigen. Beim BND hat man davon natürlich noch nie was gehört - wie bezeichnend.

Auch Dieter von Glahn, ehemaliger Abwehroffizier der Wehrmacht und eine nicht unbedeutende Persönlichkeit im BDJ/ Technischer Dienst, hat über diese Ära ein Buch geschrieben.
Als Anfang, als Auslöser, als Grund für den Beginn der antikommunistischen Tätigkeit nennt er in seinem Buch den Korea-Krieg, als man im Westen meinte, dass die Sowjetunion Westdeutschland angreifen würde.

Der BDJ war nach eigener Darstellung als Gegenpol zur FDJ gegründet worden. Hinter der Gründung des BDJ steckten „Kreise um den amerikanischen Geheimdienst CIA“ und wurde von dort finanziert. Der BDJ arbeitete u.a. eng mit der KGU zusammen und baute auch in der DDR Stützpunkte auf.

Der BDJ war untergliedert in den offiziellen Teil, der sich vor allem politisch und medienwirksam betätigte und den eigentlichen, schlagkräftigeren, inoffiziellen Arm. Der inoffizielle Teil, der „Technische Dienst“, oder „Organisation Peters“ bezeichnete sich selbst als Partisanenorganisation, als Befreiungsarmee für den Tag „X“.

„Besonders interessiert waren die Amerikaner an ehemaligen Offizieren der Wehrmacht, die bereits über Fronterfahrung im Kampf gegen die Rote Armee verfügten.“

Der „Technische Dienst“ arbeitete eng mit den amerikanischen Diensten, dem Amt Blank und der Organisation Gehlen zusammen und wurde später mit der Organisation Gehlen verschmolzen, ging also im BND auf. Irgendwie hat man also im BND überhaupt nicht mitbekommen, wen man da eingestellt hat.

„Die Schulung des „Technischen Dienstes“, Waffen- und ideologische Lehrgänge wurden unter strengen Geheimhaltungsvorschriften von den Amerikanern in der Odenwaldgemeinde Waldmichelbach durchgeführt.
….
Auch auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz fanden diese Kurse statt.

Wir lernten dort sowohl den Umgang mit amerikanischen als auch mit sowjetischen Waffen. Außerdem erhielten wir, wie schon gesagt, eine intensive politische Schulung und militärische Anweisungen für den Tag „X“.

Ich selber legte dann auch die Kartei von politisch unzuverlässigen Personen in meinem Tätigkeitsbereich an. In diese Kartei wurden sowohl linksextremistische Aktivisten als auch Kollaborateure und Sympathisanten aufgenommen. Diese wurden durch ein mehrfaches Kontrollsystem ‚abgeklopft‘ ehe sie . . . weiter nach Frankfurt und später nach München gemeldet wurden. Ich schreibe hier absichtlich von ‚den Geheimdiensten‘. Wir wurden nämlich später im Auftrage der Amerikaner mit der damaligen „Organisation Gehlen“ nachrichtendienstlich vereinigt.“


Zitate aus: „Patriot und Partisan“, Dieter von Glahn, 1994

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13502527.html


p.s.Natürlich war der "Technische Dienst" auch am 17.Juni 1953 in Berlin zugegen. Schreibt er selbst.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
Damals87 und seaman haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#46

RE: BND-Akten: Geheimarmee

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 21.06.2014 11:41
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Ich sah gestern auf-- ZDF Info--einen Bericht mit den Titel "Schattenkrieger" kam 18.45 Uhr. War schon interessant und spiegelte diese Geheimarmee wieder.


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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