#1

Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 07:05
von ABV | 4.202 Beiträge

Im Zuge einer Diskussion in einem anderen Thread, hat ein User sinngemäß von einer " Bürgerpflicht zum zivilen Ungehorsam gegen die Freiheit einschränkende Gesetze" geschrieben. Zum Beispiel gegen den allseits bekannten Paragraphen 213 des (DDR)-Strafgeseetzbuches. Der den "illegalen Grenzübertritt" unter Strafe stellt.
Aus heutiger Sicht eine durchaus richtige These! Höchstwahrscheinlich auch schon aus damaliger Sicht.
Aber ich wage an dieser Stelle eine Behauptung: kein Staat der Welt und sei er noch so demokratisch, kann es sich leisten seinen Bürgern "zivilen Ungehorsam" zu erlauben! Wäre das nicht der Anfang vom Ende eines jeden Staates? Wenn seine Bürger einfach so, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, die vom Staat geschaffenen bzw erlassenen Gesetze sabotiert.
Gesetze werden ja nicht aus "Jux und Dallerei" geschaffen. Viel mehr dienen sie stets einen ganz bestimmten Zweck. Im Sinne des jeweiligen Staates. Und / oder im Idealfall im Sinne der Bevölkerung.
Der § 213 StGB diente beispielsweise der Selbsterhaltung der DDR. Weil die in diesen Paragraphen verankerten Strafandrohungen den " Otto-Normalbürger" vom "illegalen Verlassen" der DDR abhalten sollten. Wobei der Staat DDR völlig außer acht lies, dass er dem " Otto-Normalbürger" keinerlei oder nur sehr eingeschränkte legale Möglichkeiten zum Verlassen des Staates einräumte, ihn quasi dadurch zum illegalen Verhalten zwang. Ein Teufelskreis den die DDR erst unmittelbar vor ihrem Ende durchbrechen konnte. Viel zu spät, um das nahende Ende dadurch noch aufhalten zu können.
Ziviler Ungehorsam gegen diesen Paragraphen war unter den Bedingungen einer Diktatur nur sehr schwer möglich. Erst als sich der Untergang des Systems ankündigte, fanden die Menschen mehr und mehr den Mut dazu. Ich rede jetzt nicht von Einzelbeispielen, die es schon immer gegen hat. Sondern von " vereintem zivilen Ungehorsam" den Herrschenden nichts mehr entgegensetzen konnten.
Wie sieht es heute aus? Wir leben bekanntlich in einer Demokratie. Gibt es dennoch Gesetze denen der Bürger einfach Ungehorsam entgegen bringen muss? Und wo seht ihr die Grenzen des " zivilen Ungehorsams"? Wo sollte dieser enden?

Gruß an alle
und einen schönen Sonntag
Uwe


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zuletzt bearbeitet 04.05.2014 07:42 | nach oben springen

#2

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 08:15
von Kurt | 933 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #1

Wie sieht es heute aus? Wir leben bekanntlich in einer Demokratie. Gibt es dennoch Gesetze denen der Bürger einfach Ungehorsam entgegen bringen muss? Und wo seht ihr die Grenzen des " zivilen Ungehorsams"? Wo sollte dieser enden?

Gruß an alle
und einen schönen Sonntag
Uwe


Hallo Uwe,

Das ist ein interessantes Thema und ein weites Feld. In einer echten Demokratie braucht es keinen zivilen Ungehorsam, denn die Macht ginge ja vom Volk aus. So ist es angedacht und am Anfang im antiken Griechenland praktiziert worden.
Auf die Bundesrepublik Deutschland bezogen, sehe ich Verwerfungen, die eventuell zu zivilem Ungehorsam führen könnten.

Momentan haben wir ja eine Regierung, die das Volk sich in dieser Form nicht gewünscht hat, welche keinen souveränen Staat führt und die Interessen des Staates verrät.
Ich möchte das kurz erklären. In jeder Gesellschaft gibt es konservativ denkende Menschen (welche sich im deutschen Fall der CDU/CSU hingezogen fühlen), sogenannte "Linke" (welche eher SPD und Die Linke wählen) und eine große Masse, die gar nicht politisch interessiert ist, also nur ihre Ruhe haben will.

Nun haben wir eine "große Koalition", welche für die Wähler einen faulen Kompromiß darstellt, den Nichtwählern egal und von den USA gesteuert ist.
Diese Regierung arbeitet gegen die Wirtschaft (Mautpläne, Sanktionen gegen allerlei Staaten und ein Wust an einschränkenden Gesetzen) und gegen das Volk, in dem sie alles in ihrer Macht stehende tut, einen Krieg in Europa anzuzetteln (Außenminister Steinmeier trifft sich z.B. gerade mit dem ukrainischen Nazi Achmatov - was man vor ein paar Jahren noch einem Sozialdemokraten nie zugetraut hätte, ist heute eine Selbstverständlichkeit, über die in den Medien nicht berichtet wird).

Wie soll das Volk nun auf alle diese Dinge reagieren? Es gibt die Möglichkeit friedlicher Demonstrationen. Bringen diese etwas? Nein.
Es gäbe die Möglichkeit der im öffentlichen Dienst befindlichen Arbeitnehmer, einfach mal zu streiken. Da wird es brenzlig. Besonders dann, wenn es sich hierbei um Beamte handelt.
Das wäre schon ein Schritt des zivilen Ungehorsams, der zwar wirklich Druck auf die "Staatslenker" ausüben würde, aber erhebliche Konsequenzen für die Bediensteten hätte. Es traut sich einfach keiner, oder nur sehr wenige Bürger, und die gelenkten "Staatslenker" wissen das sehr wohl.

Insofern sehe ich in der heutigen Bundesrepublik keinen Platz für zivilen Ungehorsam im großen Maßstab.


Gruß, Kurt


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#3

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 09:28
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ungehorsam ist nun gar keine deutsche Tugend und steht der für Deutschland berühmten Disziplin entgegen.

Ich hätte mir damals in der DDR mehr Zivilcourage von meinen Mitmenschen gewünscht. Ob das im Umgang mit Ausreiesewilligen war oder mit Andersdenkenden. Denn häufig wurden sie nicht nur von der Staatsmacht ausgegrenzt, sondern man duckte sich auch häufig ganz schnell weg, wenn es um die "öffentliche" Unterstützung dieser Menschen ging.

Der Wunsch nach mehr Zivilcourage in der Gesellschaft hat sich bei mir übrigens nach der Wende nicht geändert. Nur die Probleme sind andere geworden.

LG vo der Moskwitschka


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#4

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 09:52
von ABV | 4.202 Beiträge

Nein, ziviler Ungehorsam, oder gar echter Widerstand widerspricht anscheinend dem deutschen Grundcharakter. Wir neigen eher zur Anpassung und tun das, was der Staat von uns verlangt. Das kann sogar, zumindest in Einzelfällen, echt krasse Züge annehmen: In der Stadt Landsberg an der Warthe, heute Gorzow Wielkopolski, gab es einen weithin beliebten Kinderarzt. Ein bereits ältere Mann, der wohl Generationen von Landsbergern im wahrsten Sinn des Wortes verarztet hat. Dem Mann haftete jedoch ein " Makel" an: er war Jude. Vor der Machtergreifung der Nazis spielte das keine Rolle. Danach um so mehr. Eines Tages wurde der Arzt zusammen mit seiner Familie verhaftet und ins KZ gebracht. Vor der Abfahrt musste die Familie einige Zeit im Innenhof eines Mietshauses auf das Polizeifahrzeug warten. Dabei wurden die bedauernswerten Menschen von den anwesenden Bewohnern verspottet und sogar geschlagen. Und das obwohl die Idioten, anders kann man solche Typen wohl nicht nennen, den Arzt kannten, ja selbst oder deren Kinder, zu seinen Patientenkreis zählten.
Warum haben sich aber diese vorher völlig normalen Menschen, so verachtenswürdig verhalten? Aus persönlicher Abneigung gegen den Arzt? Wohl kaum! Weil er Jude war? Oder weil man sich, unter den Augen der Obrigkeit, zu solchem Verhalten geradezu verpflichtet sah?
Mich würde es absolut nicht wundern, wenn die Peiniger nach dem Krieg, sofern sie diesen überlebten, sofort zu "lupenreinen Demokraten" mutierten. Nicht aus Überzeugung, sondern weil sie glaubten, dass demokratisches Verhalten ab sofort dem politischen Mainstream entspricht!
Das entspricht wohl eher dem durchschnittlichen Charakter der Deutschen, als Ungehorsam oder Widerstand!
Ich bin sehr misstrauisch gegen Personen, die von sich selbst behaupten " aufrechte Demokraten zu sein". Vor allem wenn sie in Zeiten der "Diktatur" in "staatsnahen Berufen" gearbeitet oder das SED-Parteiabzeichen am Revers getragen haben.
Da liegt der Verdacht sehr nahe, dass die Betreffenen ziemlich wendig und erfolgreich auf den Zug der Zeit aufgesprungen sind.

Gruß an alle
Uwe


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#5

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 10:05
von Udo | 1.267 Beiträge

Ziviler ungehorsam im kleinen.
Ein beamter hatte, nach der sogenannten beurteilungrunde, seine beurteilung, welche katastrophal war, kopiert und an die tür seines dienstzimmers geklebt, um auf sein leistungfähigkeit zu verweisen.
Etwa 15 minuten später rief ihn sein vorsteher an ......


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#6

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 10:08
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #4

...............................
Warum haben sich aber diese vorher völlig normalen Menschen, so verachtenswürdig verhalten? Aus persönlicher Abneigung gegen den Arzt? Wohl kaum! Weil er Jude war? Oder weil man sich, unter den Augen der Obrigkeit, zu solchem Verhalten geradezu verpflichtet sah?
..........................

Gruß an alle
Uwe


Rot : Warum nur denke ich gerade an das in unseren Augen geradzu widerliche Verhalten der nordkoreanischen Bevölkerung in der Öffentlichkeit ?


....................................
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#7

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 10:19
von ABV | 4.202 Beiträge

"Widerlich" ist dieses Verhalten für uns wohl schon deshalb, weil wir dieses Verhalten, nach beinahe einem Vierteljahrhundert Demokratie, nicht mehr nachvollziehen können. Hätten wir das als gelernte DDR-Bürger besser gekonnt? Na ja, mir fallen da zum Beispiel die Maidemos ein. Wie viele haben klatschend und Fähnchenschwenkend am Straßenrand gestanden, obwohl ihnen die Politik der DDR " am Arsch vorbei ging". Oder sogar regelrecht stank.
Irgendwie scheint es tatsächlich so zu sein, dass Menschen unter bestimmten gesellschaftliche Vorrausetzungen Verhaltensweisen entwickeln, die ihnen nach dem Wegfall der Vorraussetzungen, selbst fremd und absurd erscheinen. Entweder schämt man sich dafür, oder man verdrängt das ganze.

Gruß Uwe


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#8

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 10:31
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #7
"Widerlich" ist dieses Verhalten für uns wohl schon deshalb, weil wir dieses Verhalten, nach beinahe einem Vierteljahrhundert Demokratie, nicht mehr nachvollziehen können. Hätten wir das als gelernte DDR-Bürger besser gekonnt? Na ja, mir fallen da zum Beispiel die Maidemos ein. Wie viele haben klatschend und Fähnchenschwenkend am Straßenrand gestanden, obwohl ihnen die Politik der DDR " am Arsch vorbei ging". Oder sogar regelrecht stank.
Irgendwie scheint es tatsächlich so zu sein, dass Menschen unter bestimmten gesellschaftliche Vorrausetzungen Verhaltensweisen entwickeln, die ihnen nach dem Wegfall der Vorraussetzungen, selbst fremd und absurd erscheinen. Entweder schämt man sich dafür, oder man verdrängt das ganze.

Gruß Uwe


Genau das wollte ich mit meiner Kurzbemerkung zum Ausdruck bringen !

Es gibt keine tollen Deutsche und es gibt auch keine schmierigen Nordkoreaner !

Dieses Verhalten , auf den entsprechenden Druck einer Dikatur mit der geforderten Unterwürfigkeit zu reagieren ,- steckt in allen Menschen drin - es ist wohl ein biologischer Reflex...

Und wenn die ostdeutschen Fähnchenschwenker und Jubelklatscher -Gott sei Dank-nicht bis zur beschämenden Orgie der Nordkoreaner getrieben wurden ,- so einfach aus nur dem einen Grund : Weil die SED-Diktatur entsprechend weichgespült war !
Hätte Honnecker in sich den Wunsch nach Kim Ill Jungschen Grenzwahn verspürt ,- hätte sich kongruent dazu auch die Darstellung der Jubelbevölkerung in Richtung koreanischer Theatralik verschoben....

Wer das bestreiten möchte ,- der ist suizidgefährdet oder ein wirklicher Held ,- aber wer von uns möchte soetwas von sich selbst schon behaupten ?


....................................
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#9

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 10:48
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von Ostlandritter im Beitrag #6
Warum nur denke ich gerade an das in unseren Augen geradzu widerliche Verhalten der nordkoreanischen Bevölkerung in der Öffentlichkeit ?


weil das kein widerliches Verhalten ist, sondern die unter den Bedingungen einzige Möglichkeit zu überleben (sinnbildlich).
Jeder, der die Gnade des "besonders demokratischen" Geburtsortes hatte, sollte sich dieses Themas annehmen. Nach dem Motto "Ich hätte dieses und jenes nicht mitgemacht....Mich hätten die dazu nicht... "usw. Letztlich landen wir wieder bei ganz grundlegenden Eigenschaften des Menschen.

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #3

Ich hätte mir damals in der DDR mehr Zivilcourage von meinen Mitmenschen gewünscht.
LG vo der Moskwitschka


Wobei man schon ein wenig differenzieren muss zwischen zivilem Ungehorsam und Zivilcourage. Ersteres - und das war der Ausgangspunkt des Themas - läuft letztlich darauf hinaus, sich bewusst gegen ein Gesetz zu stellen, mit dem Ziel, dieses abzuschaffen. Dabei nimmt man bewusst (straf)rechtliche Folgen in Kauf. Wirkung entfaltet der z. U. eigentlich durch seinen Einfluss auf die gesellschaftliche Meinungsbildung, die im günstigsten Fall auch zu Änderung der parlamentarischen Meinung und somit zur Änderung des Gesetzes führt. Und genau das stelle man sich in einer Diktatur (einer Partei) konkret beim § 213 in der DDR vor. Wie hätte dieser Ungehorsam da aussehen sollen? „Am 1.5. treffen sich alle Ungehorsamen der DDR in Hessen (kleiner Ort vor der Grenze) und um Punkt 10:00 laufen wir über den Hessendamm nach Matierzoll und sind im Westen“ Gut, jeder versteht was gemeint ist. Übrigens hätte man die gesellschaftliche Meinung dahingehend gar nicht ändern müssen, denn offenkundig war sich die Mehrheit der DDR-Bürger einig, dass sie keinen 213 möchte.

friedliche Grüße Andreas


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#10

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 10:53
von ABV | 4.202 Beiträge

Gerade wegen unserer jüngeren Geschichte, von 1933-1990, sollten wir Deutschen uns schwer davor hüten, auf andere herabzulächeln. Das tun wir aber. Was auch wieder eine typisch deutsche Eigenschaft ist. Ich habe während und nach der Wendezeit bzw der Wiedervereinigung einiges erlebt, was eigentlich unglaublich ist. In Punkto Verdrängung der eigenen Rolle in der Vergangenheit. Da gab es ehemalige Volkspolizisten, die sich erfreut darüber zeigten, dass in Berlin einige höhere Offiziere der Ex-VP kurzerhand aus dem Dienst entfernt wurden. Wie einem Fernsehbericht zu entnehmen war. Sie haben sich tatsächlich darüber gefreut, dass eigene Kollegen den Job verloren hatten. Dabei waren sie doch selbst früher bei der VP. Nur eben mit einem niederigeren Dienstgrad und weniger Verantwortung ausgestattet.
Ich habe auch bei einer Bürgerversammlung im November 1989 erlebt, wie ausgrechnet ein Kampfgruppenkommandeur die Abschaffung der Betriebskampfgruppen forderte. Das Wohlwollen der Einwohner war ihm jedenfalls sicher!
Wir Deutschen sind schon ein komisches Volk!
Um noch einmal zum zivilen Ungehorsam gegen das herrschende Grenzregime der DDR zurückzukommen: Es hat diesen massenhaften Ungehorsam tatsächlich gegeben! Dank des Ungehorsams fiel das Grenzregime am 09. November 1989 bekanntlich wie ein Kartenhaus zusammen. Jetzt könnte man sich fragen, warum die DDR-Bürger nicht bereits viele Jahre früher ungehorsam waren? Ganz einfach: weil die Vorrausetzungen die im November 1989 in der DDR vorlagen, nicht vorhanden waren! Es ist müßig darüber zu spekulieren, wie sich die Grenzer wohl zwei Jahre zuvor im Angesicht solcher Massen verhalten hätten. Weil solche Massen zu diesem Zeitpunkt niemals zu den Grenzübergängen aufgebrochen wären.

Gruß Uwe


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#11

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 11:04
von Kalubke | 2.299 Beiträge

.... und wie sieht's denn mit dem für uns Deutsche nicht untypischen vorauseilenden Gehorsam aus? Den braucht man nicht unbedingt zum Überleben, aber zum Vorantreiben der eigenen Karriere schon. Typische Ausdrucksform dieser Neigung sind auch die häufig gestellten Fragen: "Dürfen wir denn das?" oder "Ist das denn erlaubt?"

Kalubke



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#12

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 11:07
von Mike59 | 7.977 Beiträge

Auf den ersten Blick eventuell OT - ich finde aber nicht.
Das ist nun kein wissenschaftliches Werk, aber hat mich persönlich nachdenklich gemacht. Eines meiner Kinder fragte mich wie kann man eine Stadt welche 99,1% NSDAP wählte entnazifizieren.
Ziviler Ungehorsam - das ist auch so ein schöner Begriff. Ist doch immer wieder beruhigend wenn man mit den Fingern auf andere zeigen kann.


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#13

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 11:13
von Kalubke | 2.299 Beiträge

.... hätte ich nie gedacht, dass die sonst so gemütlichen Südthüringer so strange drauf waren damals. Solche hohen NSDAP-Wahlquoten kennt man eher aus den ländlichen Gegenden Ostpreussens.

Gruß Kalubke



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#14

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 11:27
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #11
.... und wie sieht's denn mit dem für uns Deutsche nicht untypischen vorauseilenden Gehorsam aus? Den braucht man nicht unbedingt zum Überleben, aber zum Vorantreiben der eigenen Karriere schon. Typische Ausdrucksform dieser Neigung sind auch die häufig gestellten Fragen: "Dürfen wir denn das?" oder "Ist das denn erlaubt?"

Kalubke


Das wurde uns ja nach der Wiedervereinigung seitens der "Westler" immer vorgeworfen. Das wir uns hinter der angeblich gesetzlichen Legitimation allzu oft verschanzt hätten! Dabei wäre es doch besser gewesen, auf das eigene Gewissen zu hören und / oder den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Theoretisch gesehen völlig richtig! Praktisch gesehen war das nur unter ungeheuren Schwierigkeiten und unter in Kaufnahme von herben Konsequenzen verbunden.
Dabei entstehen nicht selten Widersprüche, die nur schwer zu erklären sind.
Ein Beispiel: nach der Wiedervereinigung nahm ich in Potsdam an einem Anpassungslehrgang teil, in dem wir mit dem bundesdeutschen Recht vertraut gemacht werden sollten. Unser Lehrer, ein kompetenter sehr netter Hauptkommissar, äußerte eines Tages, " dass die Polizei abstrichslos die Einhaltung der Gesetze durchsetzen und die vom Gesetzgeber verliehenen Befugnisse einzuhalten habe. Die Wertung ob ein Gesetz "gut" oder "schlecht" sei oder ob ein Straftäter die festgelegte "Prozedur" verdient oder nicht, steht der Polizei nicht zu! Wenn wir uns daran halten, wären wir auf der richtigen Seite.
Daraufhin wurde der Lehrer auf die "Mauerschützen" angesprochen. Die strikt den Befehlen folgend, unter Ausnutzung der Befugnisse, gehandelt hatten. Und trotzdem demnächst vor Gericht stehen würden. Die Grenzer hatten sich genau genommen so verhalten, wie vom Hauptkommissar empfohlen.
Zum ersten Mal während der Lektion, blieb uns der Lehrer eine befriedigende Antwort schuldig. Er war ehrlich genug zuzugeben, dass er den aufgezeigten Widerspruch nicht lösen konnte.

Gruß Uwe


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#15

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 11:29
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #10
Jetzt könnte man sich fragen, warum die DDR-Bürger nicht bereits viele Jahre früher ungehorsam waren? Ganz einfach: weil die Vorrausetzungen die im November 1989 in der DDR vorlagen, nicht vorhanden waren! Es ist müßig darüber zu spekulieren, wie sich die Grenzer wohl zwei Jahre zuvor im Angesicht solcher Massen verhalten hätten. Weil solche Massen zu diesem Zeitpunkt niemals zu den Grenzübergängen aufgebrochen wären.

Gruß Uwe


Es musste erst die für uns Deutsche erforderliche Schmerzgrenze erreicht werden !

ich denke ,- eine der Ursachen für den ansteigenden Mut der DDR-Bürger war der Umstand ,- das , beginnend ab 1984 , langsam so ziemlich jede Familie bzw jedes Arbeitskollektiv einen Verlust an Weggewanderten zu beklagen hatte !

Waren am Anfang die Übersiedler noch Exoten ,- so wurde der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ab ca 1986 spürbar ,- und es waren ja bei Gott nicht die Faulsten - die aus der DDR weggingen.

Und die Familien waren auch nicht einfach so glücklich über die Weggänge ,- meist waren es ja die Eltern , die zurückblieben und denen die Aussicht auf Teilhabe am Leben ihrer Kinder westwärts der Grenzen so ziemlich verwehrt blieb.

Da gab es doch den zynischen Satz : Der Letzte macht dann bitte das Licht aus !

Ich denke , dieser Satz war mehr als ein müder Witz....


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#16

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 04.05.2014 14:25
von Kalubke | 2.299 Beiträge

Ich glaube wir Deutschen mit unserem Ordnungssinn und dem zum Teil engstirnigen Denken in reinen Verantwortlichkeitskategorien, unterliegen leider nur allzu oft der Illusion, dass alles im Leben mit entsprechenden Gesetzen, Vorschriften und Zielen geregelt werden kann. Bei komplexen Sachverhalten vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich versagt dieses Prinzip leider regelmäßig. Bestes Beispiel: „Das Merkelsche Klimaziel von 2°“. Naturwissenschaftlich gesehen absoluter Schwachsinn!!

Darüber haben wir die Fähigkeit verlernt, in unvorhergesehenen und chaotischen Situationen pragmatisch und mit entsprechender sozialer Umsicht zu handeln. Andere Völker können das besser als wir. Ein Beispiel: In Italien waren die Fahrpläne einer Bus-Linie und einer S-Bahnlinie nicht aufeinander abgestimmt. Die Buslinie kreuzte aber die S-Bahn schon mal 3 Bahnhaltestellen vor der S-Bahnendstation. Was wurde gemacht: Der Bus fuhr einfach 15 Minuten früher und die Leute konnten bereits dort umsteigen, was einen Zeitgewinn von einer halben Stunde einbrachte. Die einzigen die das nachsehen hatten waren wir deutschen Touristen, die sich am Fahrplan orientiert hatten.

Mal ehrlich: Bei uns wäre das undenkbar.

Gruß Kalubke



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#17

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 06.05.2014 20:52
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #4
Nein, ziviler Ungehorsam, oder gar echter Widerstand widerspricht anscheinend dem deutschen Grundcharakter. Wir neigen eher zur Anpassung und tun das, was der Staat von uns verlangt.


Kommt drauf an. Also wenn ich an die Castortransporte und Gorleben denke.......das ist dann schon Widerstand von nicht wenigen gewesen. Es gibt sie doch, die weniger "guten" Deutschen......


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#18

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 06.05.2014 21:05
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Schuddelkind im Beitrag #17
Zitat von ABV im Beitrag #4
Nein, ziviler Ungehorsam, oder gar echter Widerstand widerspricht anscheinend dem deutschen Grundcharakter. Wir neigen eher zur Anpassung und tun das, was der Staat von uns verlangt.


Kommt drauf an. Also wenn ich an die Castortransporte und Gorleben denke.......das ist dann schon Widerstand von nicht wenigen gewesen. Es gibt sie doch, die weniger "guten" Deutschen......


Ist schon klar, das einige dagegen sind und sich stark machen; aber der Mist muss ja wo hin, kann man ja nicht einfach auf der Strasse stehen lassen oder als Packlager für Strassen nehmen so wie zu DDR-Zeiten und das Zeug strahlt heute noch! Zu DDR- Zeiten hat sich keiner eine Rübe gemacht und das radioaktive Gestein in offene LKWs durch die Stadt gefahren! Nun kann man fragen, wo in dieser Gegend der viele Krebs her kommt?
Grüsse steffen52


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#19

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 06.05.2014 21:11
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #18
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #17
Zitat von ABV im Beitrag #4
Nein, ziviler Ungehorsam, oder gar echter Widerstand widerspricht anscheinend dem deutschen Grundcharakter. Wir neigen eher zur Anpassung und tun das, was der Staat von uns verlangt.


Kommt drauf an. Also wenn ich an die Castortransporte und Gorleben denke.......das ist dann schon Widerstand von nicht wenigen gewesen. Es gibt sie doch, die weniger "guten" Deutschen......


Ist schon klar, das einige dagegen sind und sich stark machen; aber der Mist muss ja wo hin, kann man ja nicht einfach auf der Strasse stehen lassen oder als Packlager für Strassen nehmen so wie zu DDR-Zeiten und das Zeug strahlt heute noch! Zu DDR- Zeiten hat sich keiner eine Rübe gemacht und das radioaktive Gestein in offene LKWs durch die Stadt gefahren! Nun kann man fragen, wo in dieser Gegend der viele Krebs her kommt?
Grüsse steffen52



Kurze Frage: Scheißt du auch in irgendein Zimmer in deiner Wohnung und machst dir dann erst hinterher Gedanken, das der Mist stinkt und du eigentlich vergessen hast, eine Toilette einzubauen......Nee, nicht? Siehste, aber unsere Volksvertreter handelten genau so, als sie die Kernkraft entdeckten.......!


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#20

RE: Pflicht zum " zivilen Ungehorsam"

in DDR Staat und Regime 06.05.2014 21:25
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #18
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #17
Zitat von ABV im Beitrag #4
Nein, ziviler Ungehorsam, oder gar echter Widerstand widerspricht anscheinend dem deutschen Grundcharakter. Wir neigen eher zur Anpassung und tun das, was der Staat von uns verlangt.


Kommt drauf an. Also wenn ich an die Castortransporte und Gorleben denke.......das ist dann schon Widerstand von nicht wenigen gewesen. Es gibt sie doch, die weniger "guten" Deutschen......


Ist schon klar, das einige dagegen sind und sich stark machen; aber der Mist muss ja wo hin, kann man ja nicht einfach auf der Strasse stehen lassen oder als Packlager für Strassen nehmen so wie zu DDR-Zeiten und das Zeug strahlt heute noch! Zu DDR- Zeiten hat sich keiner eine Rübe gemacht und das radioaktive Gestein in offene LKWs durch die Stadt gefahren! Nun kann man fragen, wo in dieser Gegend der viele Krebs her kommt?
Grüsse steffen52


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