#41

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 22.05.2014 14:04
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Hallo Antaios,

warum gegeneinanderstellen, was gleichzeitig nebeneinander existiert?

Ein schlecht funktionierendes Europa und ein Rechtsruck mit Tendenzen zum Neofaschismus - das Erste kann dazu führen, dass das Zweite Auftrieb bekommt. Aber das Zweite ist keine wirkliche Alternative - weder zum Ersten, noch aus nationaler Sicht.

Wie Du Reiner Höß bewertest oder mit wem Du ihn vergleichst, ist Deine Sache. Ich kann ihn nur an dem messen, was er da sagt. Und was er da sagt, scheint mir keine in den Mund gelegte Propaganda zu sein. Im Kern sagt er, was ich auch so verstehe: Gegen Faschismus hilft nur, wach zu bleiben. In den Zeiten der Weimarer Republik hieß es auch: "Die paar Rabauken ...", und : 1928 NSDAP 2,63% - 1933 NSDAP 43,91%. Es mag abgedroschen sein, aber es ist eine simple Lehre aus der Geschichte: Wenn man nicht aufpasst, kann es ganz schnell gehen.

Die heutige Kritik an Europa, die sozialen Spannungen, die aus dieser Situation erwachsen, werden sich politisch eine Bahn brechen müssen. Aber der Rechtsruck, der letztlich zu einer Abschottung der Völker voneinander und damit wieder zu neuen Feindbildern tendiert, ist nicht der Weg, der gegangen werden sollte.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


matloh und Svenni1980 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#42

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 22.05.2014 14:26
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Antaios im Beitrag #40
Hallo Rainman2!

Nun es ist kein Anzeichen von "Tapferkeit", oder gar Persönlichkeit sich dem jeweiligen Zeitgeist zur Verfügung zu stellen.
Den Hut ziehen würde ich, wenn der Sproß sich auch zur damaligen Zeit gegen den Vater gestellt hätte.

So wie der Gauck(ler) sich gerade noch kurz vor den Ende der DDR auf den schon mit Höchstgeschwindigkeit fahrenden Zug der Proteste aufschwang und heute "geehrter" Bundespräsident genannt wird ...
Danach durft er dann auch noch selbst seine Akte säubern ....

Heute nutzt man diese "Naziangst" nur politisch gewinnbringend, um damit den Leuten die eigenen Fehlleistungen zu verkleistern.
Frei nach dem Motto:
Habt Angst vor den 0,...% und lauft ruhig blinden Auges in die von uns zurückgelassenen tiefen Löcher. Darin könnt ihr euch ja höchsten den Hals brechen, also was solls ....

Schöne Grüße,
Eckhard

Zitat von Rainman2 im Beitrag #39
Ausnahmsweise ein sehr guter und eindringlicher Wahlwerbe-Spot der Schwedischen Sozialdemokratischen Jugendliga. Die entscheidenden Sätze in der Übersetzung:
"Die Geschichte hat uns gelehrt, dass Demokratie und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind. Mein Name ist Reiner Höß. Mein Großvater war Rudolph Höß, der Nazi-Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz".

ciao Rainman






Hallo Eckhard,

ein Zeichen von Tapferkeit und Persönlichkeit ist es, sich der eigenen Geschichte und diesem Fall der eigenen Familiengeschichte zu stellen.
Der "Großvater als Massenmörder" ist da sicherlich eine ganz besondere Herausforderung und ich habe großen Respekt vor seinem Enkel.

Der Verweis auf Gauck ist hier äußerst unpassend.

"Naziangst" wird nicht politisch gewinnbringend geschürt, sondern Nazis schüren "gewinnbringend" Ängste, so herum ist es richtig.
Welchen "Gewinn" sie sich von der Zustimmung einer durch das hysterische Propagieren von "nationalen Untergangsängsten" verunsicherten Bevölkerung versprechen kann man in ihren "Publikationen" nachlesen. Um das wirkliche Wohlergehen dieser Bevölkerung geht es ihnen sicher nicht.
.


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#43

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 12:19
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Die Grünen müssen jetzt schon Straftaten gegen die AfD begehen, müssen die eine Angst haben!

http://m.swp.de/ulm/lokales/kreis_neu_ul...1158550,2619784


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#44

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 12:38
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #42

Zitat von Rainman2 im Beitrag #39
...
"Die Geschichte hat uns gelehrt, dass Demokratie und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind. Mein Name ist Reiner Höß. Mein Großvater war Rudolph Höß, der Nazi-Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz".

ciao Rainman



Hallo Eckhard,

ein Zeichen von Tapferkeit und Persönlichkeit ist es, sich der eigenen Geschichte und diesem Fall der eigenen Familiengeschichte zu stellen.
Der "Großvater als Massenmörder" ist da sicherlich eine ganz besondere Herausforderung und ich habe großen Respekt vor seinem Enkel.



in diesem konkreten Fall wäre ich sehr vorsichtig, was den Herrn Höß angeht. Es kam mal eine Dokumentation über seinen Besuch "seines Reiches" - der Villa seine Großvaters in Auschwitz. Eldad Beck hat ihn begleitet, bitte mal googlen.

friedliche Grüße Andreas


Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#45

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 12:47
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zwielichtige Gestalt die hier so gelobt wird, in erster Line geht's ihm wohl um Geld und dafür nutzt er seinen Namen. Wenn das für euch verantwortungsvolle Aufarbeitung der Vergangenheit ist...

www.welt.de/kultur/kino/article106259419...iner-Hoess.html


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#46

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 12:56
von Rostocker | 7.736 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #43
Die Grünen müssen jetzt schon Straftaten gegen die AfD begehen, müssen die eine Angst haben!

http://m.swp.de/ulm/lokales/kreis_neu_ul...1158550,2619784


Warum AfD--blau markiert ? Ist das schon so eine Art Wahlwerbung !


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#47

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 13:12
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Warum hast Du den gesamten restlichen Text blau markiert?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#48

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 13:17
von Rostocker | 7.736 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #47
Warum hast Du den gesamten restlichen Text blau markiert?


Das war sicherlich ein Versehen.


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#49

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 14:29
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von ehem. Hu im Beitrag #44
Zitat von Barbara im Beitrag #42

Zitat von Rainman2 im Beitrag #39
...
"Die Geschichte hat uns gelehrt, dass Demokratie und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind. Mein Name ist Reiner Höß. Mein Großvater war Rudolph Höß, der Nazi-Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz".

ciao Rainman



Hallo Eckhard,

ein Zeichen von Tapferkeit und Persönlichkeit ist es, sich der eigenen Geschichte und diesem Fall der eigenen Familiengeschichte zu stellen.
Der "Großvater als Massenmörder" ist da sicherlich eine ganz besondere Herausforderung und ich habe großen Respekt vor seinem Enkel.



in diesem konkreten Fall wäre ich sehr vorsichtig, was den Herrn Höß angeht. Es kam mal eine Dokumentation über seinen Besuch "seines Reiches" - der Villa seine Großvaters in Auschwitz. Eldad Beck hat ihn begleitet, bitte mal googlen.

friedliche Grüße Andreas





Das war mir bekannt, das ging durch alle Medien.

Die Schwedischen Sozialdemokratischen Jugendliga SSU, in deren Auftrag der Clip gedreht wurde, sagte dazu:

"Wir haben uns vorab über ihn informiert und wissen, dass er nicht perfekt ist", sagt Juan-Pablo Roa, Kommunikationschef der SSU. "Aber Rainer hat voller Enthusiasmus mit uns gearbeitet. Er meint alles ehrlich, was er in unserem Spot sagt, das zählt für uns." Und die Verbreitung: Schwedens größte Boulevardzeitung "Aftonbladet" stellte den Clip auf ihre Website, mehr als eine Million Menschen haben ihn laut Roa schon abgerufen. Und auch Israels führende Tageszeitung "Ha'aretz" berichtete über den Spot: "Enkel des Auschwitz-Kommandanten bekämpft den Extremismus", titelte sie auf ihrer Website. Diese Schlagzeile hatte Rainer Höß lange ersehnt."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/au...l-a-970618.html


Der Umgang mit der Vergangenheit: ich möchte nicht tauschen mit einer solchen Familiengeschichte. Wieviel Narzismus, wieviel Verdrängung, wieviel Abgrund das für den Einzelnen bedeuten mag, und damit einhergehend wieviel Fehlverhalten (das Angebot an Yad Vashem war mehr als geschmacklos) sei dahin gestellt. Auf jeden Fall geht er mit den Vorwürfen offen um, auch das hat meinen Respekt.

Wenn man sich insgesamt den Umgang der Nachkommen von "Nazi-Größen" mit ihrer Familiengeschichte ansieht (es gibt einiges an Büchern und auch Filmmaterial - viele stellen sich gar nicht) - Ich mag da nicht den ersten Stein werfen...
.


zuletzt bearbeitet 24.05.2014 14:29 | nach oben springen

#50

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 15:49
von FRITZE (gelöscht)
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"Die größten Kritiker der Elche ,waren früher selber welche ! "


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#51

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 24.05.2014 15:52
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #49
... Ich mag da nicht den ersten Stein werfen...



Da kann ich prinzipiell nur zustimmen. Jedoch: Ich sah damals (k. A. mehr wann das war) die Dokumentation dieser Reise der beiden. Ich habe lange vor dem Fernseher gesessen und immer wieder gedacht, dass man mit so etwas keine Scherze macht. Bis ich begriffen hatte, dass das ernst war, was da gezeigt wurde. So viel Arsch in der Hose, an den Sender zu schreiben und da mal nachzufragen, hatte ich nicht, obwohl ich schon an ziemlich viele Leute geschrieben habe, die uns täglich verschaukeln. Eines Tages habe ich dann einen Bericht gelesen von eben dem Eldad Beck. Da ging es mir wieder besser, weil meine Erschütterung bei der Dokumentation im Fernsehen eine Bestätigung bekam. Ich lasse mich von Herrn Höß nicht blenden.

friedliche Grüße Andreas


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#52

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 26.05.2014 16:35
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von ehem. Hu im Beitrag #51
Zitat von Barbara im Beitrag #49
... Ich mag da nicht den ersten Stein werfen...



Da kann ich prinzipiell nur zustimmen. Jedoch: Ich sah damals (k. A. mehr wann das war) die Dokumentation dieser Reise der beiden. Ich habe lange vor dem Fernseher gesessen und immer wieder gedacht, dass man mit so etwas keine Scherze macht. Bis ich begriffen hatte, dass das ernst war, was da gezeigt wurde. So viel Arsch in der Hose, an den Sender zu schreiben und da mal nachzufragen, hatte ich nicht, obwohl ich schon an ziemlich viele Leute geschrieben habe, die uns täglich verschaukeln. Eines Tages habe ich dann einen Bericht gelesen von eben dem Eldad Beck. Da ging es mir wieder besser, weil meine Erschütterung bei der Dokumentation im Fernsehen eine Bestätigung bekam. Ich lasse mich von Herrn Höß nicht blenden.

friedliche Grüße Andreas




Das eigentliche Thread-Thema ist ja nun erstmal auf Stopp, deshalb kann ich nochmal OT antworten.

Ich habe mir die Dokumentation angesehen und ich verstehe was du meinst.
Höß' Reaktionen bei dem Besuch in der Gedenkstätte Ausschwitz scheinen in einigen Szenen sehr unangemessen, man fragt sich, warum "lächelt" er manchmal, warum benutzt er Worte wie "wow", er wirkt linkisch und ich fand ihn beinahe ein wenig "neben sich stehend".

Ich habe mich gefragt: warum hat er das gemacht, an einer Dokumentation teilzunehmen, die auch einen Besuch der Gedenkstätte beinhaltete.
Und an einem Aufeinandertreffen mit Überlebenden des Vernichtungslagers und einer jugendlichen Besuchergruppe aus Isreal, deren Familienangehörige hier ermordet worden waren.

Als diese Szene kam, dachte ich: bitte nicht. Das ist nichts für die Öffentlichkeit, zeigt es nicht im Fernsehen.

Ob Höß sich hier lediglich medienwirksam wegen des schrecklichen Teils seiner Familiengeschichte in Szene setzen wollte, sich stellvertretend eine Art Absolution von den Opfern erhofft hat (für etwas, was er selbst nicht zu verantworten hat!), er also völlig oberfläch und mit Kalkül "Verarbeitungstourismus" betrieben hat um sich interessant zu machen - ich vermag das nicht zu beurteilen. Ebenso wenig die Tiefe und Ernsthaftigkeit seiner persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte.

Bei der rückwirkenden Reaktion des Filmemachers Eldad Beck, der Höß genau deswegen kritisiert hat, habe ich mich allerdings gefragt:
warum hast du ihn denn in deine Dokumentation aufgenommen? Warum hast du ihn nicht nachträglich rausgeschnitten?
Warum zeigst du ihn und die Betroffenen der Verbrechen von Ausschwitz so schonungslos allein gelassen in einer Situation der völligen Überforderung?
Was soll diese Aussage im Nachhinein: seht her so oberfläch und narzistisch ist der Nachkomme von Rudolf Höß.

Alle anderen im Film dagestellten Kinder/Enkel/Nichten etc. von "Nazi-Größen" sind Höß offensichtich intellektuell erheblich überlegen und haben z.T. durch akademischen Arbeiten das Drama der eigenen Famlilie und deren schuldhafte Verstrickung bzgl. der NS-Zeit über Jahre durchgearbeitet, worüber sie in beeindruckenden Gesprächen und u.a. der Öffentlichkeitsarbeit Zeugnis ablegen.

Hier wurde etwas "gegeneinander" inszeniert, dafür ist Eldad Beck verantwortlich und ich denke, er muss sich fragen, warum er das gemacht hat. Man hat als Filmemacher Verantwortung für die, die man in seinem Film zeigt und für die Botschaft, die man - auch unterschwellig - rüber bringen will.

Die schrecklichste Situation in der Dokumentation war für mich, als eine junge israelische Schülerin Höß fragte: was würdest du tun wenn, wenn dein Großvater jetz hier vor dir stehen würde?
Und er antwortete: ich würde ihn umbringen.

Eine solche Situation zunächst herbei zu führen, die Kamera draufzuhalten und dann öffentlich zu machen - und danach den Befragten als Selbstdarsteller zu bezeichnen ist nicht in Ordnung. Das darf man nicht.

Der alte Herr, der Überlebende des Vernichtungslagers, der Höß spontan in den Arm nimmt, hatte aus meiner Sicht verstanden, was in der Situation passiert war.
Er sagte zu ihm: du bist nicht schuld.

Ob Höß nun schuldig des eigenen Geltungsdranges ist, auch auf Kosten der Opfer des Holocaust: .... der werfe den ersten Stein.

Für die Teilnahme an dem Werbeclip bzgl. der Europawahl mit der eindeutigen Haltung gegen den Rechtsextremismus war er aus meiner Sicht jedenfalls nicht diskreditiert.



Wer Interesse hat:
das ist die Dokumentation, um die es hier geht:

Die Nachfahren der Naziverbrecher - Ein Leben mit der Schuld
.


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#53

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 26.05.2014 19:52
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Hallo Barbara,

der von Dir eingestellte Link funktioniert nicht. Ich stelle mal hier den YouTube-Link ein: http://youtu.be/VJuZhywfrJ4

Ich kann die Kritik an Rainer Höß, zumindest in der hier wiedergegebenen Form, nicht nachvollziehen. Ich habe mir die Dokumentation angesehen. Natürlich, im Vergleich zu einem Niklas Frank wirkt und ist er sicher nahezu unreflektiert. Aber er ist der Enkel eines Mannes bei dessen Tod der eigene Vater noch ein Kind war (10 Jahre alt). Wann der Druck auf einen Menschen einsetzt, sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen, in welcher Form er das tut und in welcher Tiefe, unterliegt weder einem Naturgesetz noch einer universellen Menschenpflicht. Es ist eine eigene freie Entscheidung. Er hatte mit 12 Jahren von seiner Mutter von dieser Geschichte zum ersten Mal erfahren. Seine Erzählung dazu bricht aber nach der Anmoderation ab. Wir sehen die Bilder aus der Kiste, die Rainer Höß seit seiner Kindheit kennt, er kann sie kommentieren. Er sagt auch, dass es über das Treffen mit Eldad Beck im Jahre 2009 zur gemeinsamen Idee gekommen ist, Auschwitz gemeinsam zu besuchen.

In Auschwitz sehe ich einen Mann, der zunächst erstaunt ist, die Welt der alten Bilder plötzlich zu betreten. Ich kenne das Gefühl: Hier hat dein Großvater gestanden, hier ist dein Vater aufgewachsen, hier hat eine Familie funktioniert. Nach und nach, und deutlich sichtbar, weicht die anfängliche Faszination der Erkenntnis, dass dieses Lager dem Haus so nahe ist, dass die "Familienidylle" der Bilder bereits eine Lüge war. In dieser Szene ist er erschüttert. Dass er vor der Menge und bei dem improvisierten Auftritt vollkommen überfordert ist, merkt man. An einer Stelle lacht er, ein Zeichen für Verlegenheit übrigens, kein Einwerben von Sympathiepunkten. Er antwortet unvorbereitet und linkisch auf schwierige Fragen, die etwas betreffen, was er selbst noch nicht verarbeitet hat. Er versucht, mit untauglichen Argumenten, seine Distanz zu formulieren. Aus der größten Verlegenheit retten ihn ein alter Überlebender und zwei junge Mädchen, die ihm das Gefühl geben, nicht gänzlich versagt zu haben. Darüber ist er zunächst glücklich und das reflektiert er. Ihn daran abschließend zu messen, halte ich für unfair.

Eldad Beck ist übrigens nicht der Filmemacher, das ist Chanoch Ze'evi. Er zeigt die Menschen in diesem Film in einer Momentaufnahme. Er zeigt mit Eldad Beck einen Menschen, der hoch reflektiert nach Auschwitz fährt und hohe Ansprüche an die Besucher und Rainer Höß stellt. Und er stellt mit Rainer Höß einen Menschen dar, der auf einer anderen Stufe der Verarbeitung der Vergangenheit steht. Das es so ist, ist legitim, und das zu zeigen ist legitim. Aus dem im Film Dargestellten, aus den dort geäußerten, zusammengeschnittenen Momentaufnahmen der eigenen Meinungen und vor allem aus der direkten Gegenüberstellung von Höß und Beck eine grundsätzliche Bewertung der Person Rainer Höß, ihrer Haltung, abzuleiten, vielleicht auch daraus Schlüsse für die mögliche weitere Verarbeitung bei dieser Person zu ziehen, halte ich für unangebracht. Er hat sich der Sache gestellt. Damit hat er bereits meinen Respekt. Und er muss mit diesem Film und dessen Rezeption leben für den Rest seines Lebens. An der Stelle bin ich schon fast bereit, solidarische Grüße zu senden.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#54

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 26.05.2014 22:41
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2 im Beitrag #53
Hallo Barbara,

der von Dir eingestellte Link funktioniert nicht. Ich stelle mal hier den YouTube-Link ein: http://youtu.be/VJuZhywfrJ4

Ich kann die Kritik an Rainer Höß, zumindest in der hier wiedergegebenen Form, nicht nachvollziehen. Ich habe mir die Dokumentation angesehen. Natürlich, im Vergleich zu einem Niklas Frank wirkt und ist er sicher nahezu unreflektiert. Aber er ist der Enkel eines Mannes bei dessen Tod der eigene Vater noch ein Kind war (10 Jahre alt). Wann der Druck auf einen Menschen einsetzt, sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen, in welcher Form er das tut und in welcher Tiefe, unterliegt weder einem Naturgesetz noch einer universellen Menschenpflicht. Es ist eine eigene freie Entscheidung. Er hatte mit 12 Jahren von seiner Mutter von dieser Geschichte zum ersten Mal erfahren. Seine Erzählung dazu bricht aber nach der Anmoderation ab. Wir sehen die Bilder aus der Kiste, die Rainer Höß seit seiner Kindheit kennt, er kann sie kommentieren. Er sagt auch, dass es über das Treffen mit Eldad Beck im Jahre 2009 zur gemeinsamen Idee gekommen ist, Auschwitz gemeinsam zu besuchen.

In Auschwitz sehe ich einen Mann, der zunächst erstaunt ist, die Welt der alten Bilder plötzlich zu betreten. Ich kenne das Gefühl: Hier hat dein Großvater gestanden, hier ist dein Vater aufgewachsen, hier hat eine Familie funktioniert. Nach und nach, und deutlich sichtbar, weicht die anfängliche Faszination der Erkenntnis, dass dieses Lager dem Haus so nahe ist, dass die "Familienidylle" der Bilder bereits eine Lüge war. In dieser Szene ist er erschüttert. Dass er vor der Menge und bei dem improvisierten Auftritt vollkommen überfordert ist, merkt man. An einer Stelle lacht er, ein Zeichen für Verlegenheit übrigens, kein Einwerben von Sympathiepunkten. Er antwortet unvorbereitet und linkisch auf schwierige Fragen, die etwas betreffen, was er selbst noch nicht verarbeitet hat. Er versucht, mit untauglichen Argumenten, seine Distanz zu formulieren. Aus der größten Verlegenheit retten ihn ein alter Überlebender und zwei junge Mädchen, die ihm das Gefühl geben, nicht gänzlich versagt zu haben. Darüber ist er zunächst glücklich und das reflektiert er. Ihn daran abschließend zu messen, halte ich für unfair.

Eldad Beck ist übrigens nicht der Filmemacher, das ist Chanoch Ze'evi. Er zeigt die Menschen in diesem Film in einer Momentaufnahme. Er zeigt mit Eldad Beck einen Menschen, der hoch reflektiert nach Auschwitz fährt und hohe Ansprüche an die Besucher und Rainer Höß stellt. Und er stellt mit Rainer Höß einen Menschen dar, der auf einer anderen Stufe der Verarbeitung der Vergangenheit steht. Das es so ist, ist legitim, und das zu zeigen ist legitim. Aus dem im Film Dargestellten, aus den dort geäußerten, zusammengeschnittenen Momentaufnahmen der eigenen Meinungen und vor allem aus der direkten Gegenüberstellung von Höß und Beck eine grundsätzliche Bewertung der Person Rainer Höß, ihrer Haltung, abzuleiten, vielleicht auch daraus Schlüsse für die mögliche weitere Verarbeitung bei dieser Person zu ziehen, halte ich für unangebracht. Er hat sich der Sache gestellt. Damit hat er bereits meinen Respekt. Und er muss mit diesem Film und dessen Rezeption leben für den Rest seines Lebens. An der Stelle bin ich schon fast bereit, solidarische Grüße zu senden.

ciao Rainman




Lieber Rainman,

danke dass du die Autorenschaft des Films richtig gestellt hast. (und für die Neuverlinkung)
Und auch für deine kluge und empathische und vor allem überzeugende Betrachtung des Menschen Reiner Höß bzw. seiner Darstellung in der Dokumentation. Ich stimme dem vollkommen zu.
"Er hat sich der Sache gestellt. Damit hat er bereits meinen Respekt." Meinen auch.

Meine solidarischen Grüße hiermit an dich!
Barbara


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#55

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 27.05.2014 02:37
von ehem. Hu | 466 Beiträge

Ja dann wird das wohl so sein. Dass er sich der Sache gestellt hat, ohne es öffentlich zu müssen, ist das einzige, was ich daran beachtenswert im positiven finde. Man wird sehen, wann man wieder etwas von ihm hört und vor allem, was es diesmal sein wird. Er hat ja schon so einige Leute tief enttäuscht in seiner - nun sagen wir mal vorsichtig - nicht geradlinigen Vergangenheit. Übrigens: Ich hatte die Doku gesehen, ein seltsames Gefühl beschlich mich und erst dann las ich über seine nicht so saubere Vergangenheit, die vielen Lügen und die Stiftungsgeschichte. D. h. dass "eine grundsätzliche Bewertung der Person Rainer Höß, ihrer Haltung," durch mich nicht durch die Doku vorgenommen wurde, ich aber bei dieser mehr als irritiert war. Ich bleibe bei meiner Meinung. Mögt ihr recht haben, zu wünschen wäre es ihm.

friedliche Grüße Andreas


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.05.2014 02:43 | nach oben springen

#56

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 27.05.2014 08:06
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Hallo @ehem. Hu ,

Ich danke für die Ergänzung. Bei der Bewertung medialer Darstellung bin ich aus eigener Erfahrung etwas vorsichtig und versuche, die Darstellung zunächst nach dem zu beurteilen, was ich tatsächlich sehe. Wenn Du aus anderen Quellen weitere Informationen hast, kannst Du natürlich auch zu anderen Wertungen gelangen.

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#57

RE: Europawahl 2014 - Wahl-O-Mat jetzt online

in Themen vom Tage 27.05.2014 14:02
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von ehem. Hu im Beitrag #55
Ja dann wird das wohl so sein. Dass er sich der Sache gestellt hat, ohne es öffentlich zu müssen, ist das einzige, was ich daran beachtenswert im positiven finde. Man wird sehen, wann man wieder etwas von ihm hört und vor allem, was es diesmal sein wird. Er hat ja schon so einige Leute tief enttäuscht in seiner - nun sagen wir mal vorsichtig - nicht geradlinigen Vergangenheit. Übrigens: Ich hatte die Doku gesehen, ein seltsames Gefühl beschlich mich und erst dann las ich über seine nicht so saubere Vergangenheit, die vielen Lügen und die Stiftungsgeschichte. D. h. dass "eine grundsätzliche Bewertung der Person Rainer Höß, ihrer Haltung," durch mich nicht durch die Doku vorgenommen wurde, ich aber bei dieser mehr als irritiert war. Ich bleibe bei meiner Meinung. Mögt ihr recht haben, zu wünschen wäre es ihm.

friedliche Grüße Andreas



... ich möchte noch hinzufügen:
er ist offenbar in einer Familie groß geworden ist, die ihre Vergangenheit komplett tabuisiert. Stand/steht also allein auf weiter Flur bzgl. einer Aufarbeitung.

Und noch eine Bemerkung: das mit der "Gradlinigkeit", ist so eine Sache. Wenn ich meinen eigenen Lebensweg so betrachte, ist er eher von Brüchen gekennzeichnet und auch die Entwicklung meiner persönlichen Werte und Haltung war/ist eben eine Entwicklung.

Jedenfalls ist sein Auftreten in dem Wahlwerbeclip aus meiner Sicht nicht unter "Zeitgeist" abzuheften, das war ja die ursrpüngliche These in dem entsprechenden Beitrag, auf deren Basis unsere Diskussion entstand.
.


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