#121

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 08:38
von icke46 | 2.593 Beiträge

Kleine Info zu Lotte Ulbricht in der Schweiz, sogar ein bisschen lustig:

http://www.mythenpflege.de/content/lotte...cht-der-schweiz

Gruss

icke



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#122

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 09:22
von utkieker | 2.927 Beiträge

Ich weiß nicht, wie die Auswahlkriterien für einen IM wahren. Kann mir aber vorstellen, daß ein 200%iger Genosse nicht unbedingt im Beuteschema des MfS lag. Andererseits konnte die Stasi aber auch nicht all zu wählerisch gewesen sein, bei der Menge von angeworbenen IM's. Ich denke die Stasi hätte leichtes Spiel mit mir gehabt, mich als loyalen Staatsbürger für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. An der GüSt in Salzwedel hatte ich auch zwangsläufig mit dem PKE zu tun, eigentlich nette umgängliche Menschen. Kurz um, ich hatte keine schlechten Erfahrungen mit der Stasi. Aber ich sehe mich auch nicht als "Opfer".
Die Zuträger haben vertraulich mit ihrem Führungsoffizier zusammengearbeitet und so lange sie nicht durch die Vertraulichkeit des Wortes, etwa als Anwalt oder Pastor, eine Zusammenarbeit mit der Stasi hätten ausschließen müssen, kann ich nichts dagegen sagen. Aber die vertrauliche Zusammenarbeit endete abrupt mit der Wende und es wurde Usus die IM's an den Pranger zu stellen.
Für Straftaten gibt es Verjährungsfristen, für verbüßte Gefängnisstrafen Tilgungsfristen aus dem Strafregister. Nur IM gilt als Kainsmal lebenslänglich und das auch ohne richterliches Urteil. Vor der Wende hätte es mich vielleicht interessiert, ob es einen Zuträger auf meine Person abgesehen hat. Heute geht es mir am Arsch vorbei.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#123

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 09:37
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich habe mich mit meinen Angehörigen immer in Marienbad oder Prag getroffen. Besonders in Marienbad fiel es auf das es ein Treffpunkt zwischen Ost und West war. War auch nicht verwunderlich in die CSSR konnten DDR Bürger mit dem Perso. fahren. Ich musste allerdings immer den Umweg über Bayern nehmen, da mir sogar der Transit durch die DDR verweigert wurde. Stimmt das MfS wusste von diesen Familientreffen, in meinen Unterlagen fand ich entsprechende Hinweise. Meine Angehörigen hatten deswegen keine mir bewussten Nachteile. Jedenfalls kamen sie immer wenn es geplant war. Zu den Berichten einiger IM kann ich sagen das da einiges dabei war was schlichtweg erfunden war. Viele Berichte enthielten schriftliche Randbemerkungen vom Mitarbeiter des MfS. Wenn ich mal Fragezeichen dabei richtig interpretiere sah es wie Zweifel aus. Ich wurde natürlich nicht befragt ,und konnte nicht aufklären. Aber im Gegensatz zur Normalität im Zweifel für den Angeklagten ,hatte ich das Gefühl hier war es umgekehrt.


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#124

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 09:59
von Gelöschtes Mitglied
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Ich vertrete die Meinung, dass im Leben auch vergeben und verzeihen, dazugehört und außerdem war ich zu faul meine Stasi-Akte zu beantragen.

Ein japanischer Fernsehsender war aber stark interessiert an meiner Akte. Es wird sie mit Sicherheit geben, ich wollte aber nach 20_Jahren keinen Menschen mehr verurteilen oder anklagen. Sie ließen nicht locker und ich erteilte ihnen die Freigabe. Nach 14Tagen hatten sie die Akte mit der Information, dass sie 400-Seiten stark ist.

Da wurde ich neugierig und beantragte sie auch. Fünf IM’s hatte ich, einer in meinem Zimmer der GK. Ist schon sehr wunderlich, wie ein Staat seine Menschen beschnüffelt hat.
Mit einem habe ich sogar gesprochen. Er wusste aber nichts von meiner Kenntnis, dass er IM war. Nach 20 Jahren wollte ich keine mehr anklagen, dass hätte ich gleich nach 1989 machen können.

Die Akte ist geführt bis zum Mauerfall.


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#125

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 11:37
von eisenringtheo | 9.184 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #121
Kleine Info zu Lotte Ulbricht in der Schweiz, sogar ein bisschen lustig:

http://www.mythenpflege.de/content/lotte...cht-der-schweiz

Gruss

icke



Gerüchte nehmen oft einen wahre und überprüfbare Tatsache auf und daruf baut man eine plausible und glaubwürdige Legende auf. Der angebliche Aufenthalt in der Schweiz knüpft daran, dass die Adoptivtochter von Lotte Ulbricht einen angeblichen Italo-Schweizer geheiratet und nach damaliger Schweizer Gesetzgebung durch Heirat wohl automatisch das Schweizer Bürgerrecht erworben hat.
http://deutschland-im-internet.de/Koenig...geschichte.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Beate_Ulbricht
http://www.welt.de/politik/article418703...ol-verfiel.html
Theo


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#126

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 11:47
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #125
Zitat von icke46 im Beitrag #121
Kleine Info zu Lotte Ulbricht in der Schweiz, sogar ein bisschen lustig:

http://www.mythenpflege.de/content/lotte...cht-der-schweiz

Gruss

icke



Gerüchte nehmen oft einen wahre und überprüfbare Tatsache auf und daruf baut man eine plausible und glaubwürdige Legende auf. Der angebliche Aufenthalt in der Schweiz knüpft daran, dass die Adoptivtochter von Lotte Ulbricht einen angeblichen Italo-Schweizer geheiratet und nach damaliger Schweizer Gesetzgebung durch Heirat wohl automatisch das Schweizer Bürgerrecht erworben hat.
http://deutschland-im-internet.de/Koenig...geschichte.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Beate_Ulbricht
http://www.welt.de/politik/article418703...ol-verfiel.html
Theo


Nun ja,- das Gerücht damals nach Walter Ulbrichts Tod bezog sich ausdrücklich auf seine Gattin, Lotte Ulbricht !
Ich nehme an ,- im Rahmen das bei alles so beliebten Kalten Krieges war dies eine gezielte Falschmeldung ,- um mittels psychologischer Fehlinformationen die Stimmungslage in der DDR-Bevölkerung negativ zu beeinflussen !
Und aus meinem Umfeld zumindest kann ich berichten - das es funktioniert hat,- jedermann war empört,- die darf in die Schweiz ( Bonzen eben ) und wir müssen hierbleiben....


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#127

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 11:49
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #111
Was mich interessieren würde -

Wie wurden die Berichte der IM's von den hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS bewertet?

Hat man es als bare Münze genommen, was so berichtet wurde? Oder waren es zum Teil auch "nur" Planzifferen, die abgerechnet wurden? Zumal man ja wusste, aus welchen Beweggründen der eine oder andere geworben wurde. Denn so blind war man beim Mfs auch nicht.

[...]

LG von der Moskwitschka


Guten Tag, Moskvitchka,

die Frage ist, so glaube ich, sehr berechtigt. Ich habe sehr viele Dossiers des MfS gelesen und ich glaube, dass mehrere Antworten möglich sind.

1st
Das MfS war eine Behörde, welche gesammelt hat. Wenn man alles wissen will, akzeptiert man letztlich alles.

Ich habe auch eine Akte zu einem Diplomaten einer «Sieger-»macht gelesen. Er wurde durch Offiziere und IM beobachtet. Ein IM wurde auch als agent provocateur benutzt.

Es gab dann die Frage für mich, welchen Wert die exakte Description seines Gepäcks (Einzug in die Botschaft), die Uhrzeit seines Schlafbeginns oder andere Gewohnheiten hatten? Es gab dazu oft keine Evaluation, nur zu einigen anderen Aktivitäten, welche wichtiger waren. Offiziere und IM hatten Nächte verbracht um zu beobachten und am Ende gab es unglaubliche Vermutungen, aber nichts Belastbares.


2nd
Daraus ergibt sich, dass sich diese Behörde gewiss auch selbst durch die vielen, vielen IM-Rapports blockierte. Es gab auch Rapports von IM, welche ungenau waren. Der Führungsoffizier des IM musste dann diese Details korrigieren. Das muss sehr viel Zeit gekostet haben und aus meiner Sicht waren das Dinge, welche weder damals noch mit Abstand gesehen wichtig waren für die Instruktion des Falles.


3rd
Es gab auch ganz einfach ein flagrantes Unverständnis. Die Suche nach einem Klassenfeind hinter jedem Grashalm und unter jedem Pflasterstein macht blind. Jede Normabweichung konnte als potentielle Feindaktion interpretiert werden. So liefen viele Ermittler an der ganz augenscheinlichen Wahrheit vorbei. Sie haben so mit einer Tankdivision versucht, einen undisziplinierten Wanderer in einem Naturreservat zu eliminieren. So haben sie viel Zeit, Energie und Geld verloren.

Die ideologische Polarisierung hat, dass ist gut zu beobachten in den Dossiers des MfS, verhindert, dass ergebnisoffen beobachtet wurde. Es war nicht selten etwas zu finden, und so wurde es auch gefunden - durch über-Interpretation oder Schlussfolgerung.


4th
Grundsätzlich mussten sie alles und jedes registrieren, denn auch sie standen im «sozialistischen Wettbewerb» und wurden auch kontrolliert. Kontrolleure der Kontrolleure, welche ihrerseits kontrolliert wurden. Ein vergessenes Element konnte eine liebevolle Behandlung in der Partei oder auch Disziplinarisches zur Folge haben. Die Kontrolle war, so lässt sich aus vielen Dossier erfahren, motiviert durch ein stândiges Misstrauen. (Das wird sehr gut dargestellt in einem deutschen Doku-Film über Teske). Misstrauen ist aber kontraproduktiv.


5th
Die Berichte der IM sind manchmal schrecklich banal. Das trifft auch für Reiseberichte von «Auslandskadern» und Diplomaten der DDR zu. Es wuden Dinge aufgeschrieben, weil es sonst wahrscheinlich Ärger gegeben hätte.


6th Bleiben wir bei dem Diplomaten. Die IM-Berichte reichten nicht. Es wurden die verschiedenen Partnerdienste mobilisiert, welche ihrerseits Dossiers auch zu Leuten lieferten, welche den Diplomaten irgendwann und irgendwo gekreuzt hatten. Das war banal, aber es wurde mit Kurier oder Telex gesandt, musste übersetzt werden, wurde in die Akte gegeben und wahrscheinlich nur einmal gelesen. Aber es war da - wenn es nicht durch Versehen in eine andere der unzähligen anderen Dossiers gesteckt worden war.

7th
Eine Diktatur hat mehrere Facetten. Eine ist die der Gewalt, eine andere ist eine furchtbare Banalität, die dicht am Abgrund auch lächerlich sein kann.


8th
Ja, es gab und gibt Überwachung von Individuen auch anderswo. Es gibt eine interessante Untersuchung zur Überwachung von Ausländern in der Schweiz in der Zeit des Kalten Krieges. Auch zu UK gibt es einiges. Die D.G.S.T. (F) war (ist) sehr effizient, wenn es um Spione geht (Kranick/Bamler/Zorn etc.- M Wolf hat es beklagt...). Zu Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und zu sehr strassen-aktiven Gewerkschaftern und sonstigen Bürgern haben die R.G. (vergleichbar mit BfV, jedoch professionneller) Akten angelegt. Der Personalbestand (nicht vergleichbar mit MfS) zwingt jedoch zu hoher Effizienz und zur Konzentration auf wirklich gefährliche Personen. Dass jedes System Fehlstellen haben kann, zeigt der Fall Mohammed Merah in Frankreich.

In Frankreich sind die illegal geschaffenen Datensätze der Immobilienbüros allerdings weitaus prâziser als manche Geheimdienstakte (Krankheiten, geheime und öffentliche Vorlieben, Charakterdefekte...).

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#128

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 12:23
von WernerHolt (gelöscht)
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Zitat von passport im Beitrag #55



Sehe ich nicht so ! Mitarbeiter der Passkontrolle, u.a. die OKE, führten keine IM. Dh. MA aus dieser Personengruppe haben keine Erfahrung von Lenkung, Anleitung und Führung von IM.
Einzelne Referate der HA / Abt.VI haben IM geführt.

passport


beim nachvollziehen der gestrigen diskussion haben sich bei mir noch zwei fragen auf getan.
fett: welche referate waren das?wozu wurden dort IMs geführt?

besten dank!


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#129

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 12:30
von eisenringtheo | 9.184 Beiträge

Zitat von Ostlandritter im Beitrag #126
(...)
Nun ja,- das Gerücht damals nach Walter Ulbrichts Tod bezog sich ausdrücklich auf seine Gattin, Lotte Ulbricht !
Ich nehme an ,- im Rahmen das bei alles so beliebten Kalten Krieges war dies eine gezielte Falschmeldung ,- um mittels psychologischer Fehlinformationen die Stimmungslage in der DDR-Bevölkerung negativ zu beeinflussen !
Und aus meinem Umfeld zumindest kann ich berichten - das es funktioniert hat,- jedermann war empört,- die darf in die Schweiz ( Bonzen eben ) und wir müssen hierbleiben....


Das ist bestimmt so. Das Gerücht war ein direkter Angriff auf Honecker als Nachfolger von Ulbricht ! Für immer mehr DDR Bürger galt Honecker als rücksichtsloser Apparatschik, der nichts Positives für die DDR auf die Reihe brachte und nur auf Machterhaltung bedacht war: Prominente Kritiker und Gegner würden ganz problemlos ins kapitalistische Ausland ausgebürgert, weil sie von dort weniger Schaden anrichten können und "wir Dummen" müssen bleiben.
Also ich habe das Gerücht geglaubt..
Theo


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#130

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 12:55
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #129
Zitat von Ostlandritter im Beitrag #126
(...)
Nun ja,- das Gerücht damals nach Walter Ulbrichts Tod bezog sich ausdrücklich auf seine Gattin, Lotte Ulbricht !
Ich nehme an ,- im Rahmen das bei alles so beliebten Kalten Krieges war dies eine gezielte Falschmeldung ,- um mittels psychologischer Fehlinformationen die Stimmungslage in der DDR-Bevölkerung negativ zu beeinflussen !
Und aus meinem Umfeld zumindest kann ich berichten - das es funktioniert hat,- jedermann war empört,- die darf in die Schweiz ( Bonzen eben ) und wir müssen hierbleiben....


Das ist bestimmt so. Das Gerücht war ein direkter Angriff auf Honecker als Nachfolger von Ulbricht ! Für immer mehr DDR Bürger galt Honecker als rücksichtsloser Apparatschik, der nichts Positives für die DDR auf die Reihe brachte und nur auf Machterhaltung bedacht war: Prominente Kritiker und Gegner würden ganz problemlos ins kapitalistische Ausland ausgebürgert, weil sie von dort weniger Schaden anrichten können und "wir Dummen" müssen bleiben.
Also ich habe das Gerücht geglaubt..
Theo


Rot : Ich auch !

Man konnte ja auch nicht in Berlin einfach mal so nachschauen ,- ob oder ob nicht.....


....................................
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#131

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 13:56
von Gelöschtes Mitglied
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#55 Sehe ich nicht so ! Mitarbeiter der Passkontrolle, u.a. die OKE, führten keine IM. Dh. MA aus dieser Personengruppe haben keine Erfahrung von Lenkung, Anleitung und Führung von IM.
Einzelne Referate der HA / Abt.VI haben IM geführt.

passport[/quote]

Ich habe in meinen Unterlagen der Stasi-Akte, dass meine Anträge von Einreiseunterlagen mit enthalten sind. 1986/87 wollte ich den Ablehnungsgrund erfahren und führte in 2 Zimmer in Berlin West Waterloo Ufer entsprechende Gespräche, auch alles festgehalten.

Waren das nun Leute vom DDR-Zoll / Polizei oder MfS, die dort gesessen haben?


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#132

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 14:36
von thomas 48 | 3.580 Beiträge

Stringer,
ich versteh dich nicht, wie kommst du an die Akten ran?
Ich habe die weder von meinem Vater noch von meiner EXFRAU erhalten


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#133

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 16:23
von grenzergold | 187 Beiträge

Gemäß § 15 Abs.1 Satz 1 Stasi - Unterlagen - Gesetz erhalten nahe Angehörige bis zum dritten Grad eine Auskunft zu Zwecken der Rehabilitierung, desSchutzes des Persönlichkeitsrechts oder zurAufklärung des Schicksals Vermisster oder Verstorbener. Der zweck ist glaubhaft zu machen (z.b. durch Vorlage zweckdienlicher Unterlagen oder durch schlüssige Erklärung). Ein zweck wäre z.B. ,wenn ein Verstorbener ein sog. Rückkehrer war, ihm evtl. Stasikontakte zu Lebzeiten angedichtet wurden oder der Verdacht deshalb bzw.berufliche Nachteile durch vermutete Stasikontakte entstanden sein könnten. Ebenfalls wären nicht geklärte todesumstände ein Grund.


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#134

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 16:48
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #132
Stringer,
ich versteh dich nicht, wie kommst du an die Akten ran?
Ich habe die weder von meinem Vater noch von meiner EXFRAU erhalten


Guten Tag,

ich bin in diesem Falle Historiker und arbeite an einem Buch. Es wird aber nicht in Deutsch erscheinen. Da müsste ich einen Übersetzer haben und es interessiert auch kaum einen Verlag. Ohne «Drittmittel» und eine Universität ist die Arbeit sehr schwer und die Kosten muss ich selbst bezahlen.

Die Regeln für eine Arbeit in Archiven ist sehr streng.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#135

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 16:49
von passport | 2.640 Beiträge

Zum besseren Verständnis hier die IM - Kategorien

Aus : Standardwerk "Die Sicherheit. Zur Abwehrarbeit des MfS"


IMS zur politisch-operativen Durchdringung und Sicherung des Verantwortungsbereiches). Das waren Inoffizielle Mitarbeiter, die entsprechende
Beiträge zur allseitigen Gewährleistung der inneren Sicherheit im Verantwortungsbereich leisteten. Sie wirkten im hohen Maße vorbeugend und
schadensabwendend und halfen mit, neue Sicherheitserfordernisse zu erkennen und durchzusetzen.

IMB (IM der Abwehr mit Feindverbindung bzw. zur unmittelbaren Bearbeitung im Verdacht der Feindtätigkeit stehender Personen). Diese Kategorie hatte aufgrund der an sie gestellten Anforderungen nur einen geringen Umfang.

IME (IM für einen besonderen Einsatz/Experten-IM) waren IM, die ausschließlich oder überwiegend zur Unterstützung der Ermittlungs- und Beobachtungstätigkeit des MfS zum Einsatz kamen (IM-Beobachter und IM-Ermittler), die als Fachleute zur spezifischen Einschätzung von komplizierten Sachverhalten eingesetzt wurden (Experten-IM) sowie solche IM, die in verantwortlichen Positionen in staatlichen und wirtschaftsleitenden
Organen, in Kombinaten, Betrieben und Einrichtungen sowie gesellschaftlichen Organisationen beruflich tätig waren (IM in Schlüsselpositionen).

FIM (Führungs-IM zur Führung anderer IM) hatten den Auftrag, andere ihnen vom Führungsoffizier übergebene IMS bzw. IME (IM-Ermittler und
Beobachter) zu führen, d. h. mit ihnen auftragsgemäß zusammenzuarbeiten.

HIM(Hauptamtliche IM) waren Personen, mit denen zur Lösung spezieller politisch-operativer Aufgaben eine rechtsgültige Vereinbarung über eine langfristige Zusammenarbeit (einschließlich der finanziellen und sozialen Versorgung) abgeschlossen wurde. Der Einsatz von HIM erfolgte nach
strengen Maßstäben in sehr begrenztem Umfange vorwiegend zur Sicherung der Volkswirtschaft der DDR.

IMK (IM zur Sicherung der Konspiration und des Verbindungswesens). Diese hatten selbst keine Informationen zu erarbeiten. Sie waren nicht in
spezielle operative Arbeitsprozesse wie Ermittlung, Beobachtung, Überprüfung und dergleichen einbezogen. Es handelte sich um Personen, die ihre oder von ihnen verwaltete Zimmer oder Wohnungen (IMK/KW – Konspirative Wohnung) oder Objekte (IMK/KO – Konspiratives Objekt) dem MfS zeitweilig zur Verfügung stellten, damit in diesen Treffs mit IM erfolgen konnten. Als IMK wurden auch Personen bezeichnet, die dem MfS zur Aufrechterhaltung der konspirativen Verbindung mit IM ihre offizielle Anschrift (IMK/DA – Deckadresse) bzw. ihren Telefonanschluß (IMK/DT – Decktelefon) zeitweilig zur Verfügung stellten, Postsendungen und andere Mitteilungen entgegennahmen und dem Führungsoffizier übergaben.


Anbei eine Auflistung der IM - Kategorien der K 1 des MdI


Für die Durchführung der gestellten Aufgaben arbeitete das Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei mit IKM (Inoffiziellen kriminalpolizeilichen Mitarbeitern zusammen. Dabei gab es folgende Kategorien:
- IKMO Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter für operative Aufgaben,
- IKMS Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter zur Lösung von konspirativen Spezialaufgaben,
- IKMR Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter aus Kreisen der Rechtsbrecher, Asozialen, Rückfälligen und kriminell gefährdeten Personen bzw. mit festen Verbindungen zu diesen Personenkreisen,
- IKMA Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter mit besonderer Aufgabenstellung,
- LIKM Leitende Inoffizielle Kriminalpolizeiliche Mitarbeiter, die beauftragt sind, IKM und KK zu führen,
- TQ Inhaber von Treffquartieren u. a. Möglichkeiten, um die Konspiration der Zusammenarbeit zu sichern.





passport


zuletzt bearbeitet 29.04.2014 16:57 | nach oben springen

#136

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 16:52
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #134
Zitat von thomas 48 im Beitrag #132
Stringer,
ich versteh dich nicht, wie kommst du an die Akten ran?
Ich habe die weder von meinem Vater noch von meiner EXFRAU erhalten


Guten Tag,

ich bin in diesem Falle Historiker und arbeite an einem Buch. Es wird aber nicht in Deutsch erscheinen. Da müsste ich einen Übersetzer haben und es interessiert auch kaum einen Verlag. Ohne «Drittmittel» und eine Universität ist die Arbeit sehr schwer und die Kosten muss ich selbst bezahlen.

Die Regeln für eine Arbeit in Archiven ist sehr streng.

Stringer49


stell dein Buch doch hier ins Forum,
das dürfte nichts kosten,
auf deutsch wäre aber schön
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#137

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 17:22
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #135
Aus : Standardwerk "Die Sicherheit. Zur Abwehrarbeit des MfS"

Und bevor man sich auf der [Ironie:an]seeehr übersichtlich gestalteten[Ironie:aus] mfs-insider.de den Wolf sucht, hier mal der direkte Link zu den knapp 4 MB PDF ... www.mfs-insider.de/SachbuchPDF/SB1.pdf

Leider ist die Auflistung unvollständig, es fehlt beispielsweise der HIME.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#138

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 17:40
von turtle | 6.961 Beiträge

Habe mal bei Wiki nachgeschaut,
Wollte mal sehen was unterscheidet einen Spitzel, oder V- Mann von einem IM.


V-Personen werden von einem speziell zugeordneten Mitarbeiter (VP-Führer) der für sie zuständigen Behörde geführt, handeln also im Auftrag nach deren Vorgaben. Dies vor allem unterscheidet sie von einem Denunzianten, der aus eigener Veranlassung einer Behörde Informationen andient.
Aha Denunziant ist nicht gleich Denunziant .Der West V-Mann ist also keiner.

Eine Sonderform bildete der Inoffizielle Mitarbeiter (kurz IM, oft auch als Informeller Mitarbeiter bezeichnet) in der DDR. Der IM war eine Person, die verdeckt jegliche erworbene Information weisungsgemäß an das Ministerium für Staatssicherheit (MfS oder "Stasi") lieferte, ohne offiziell für diese Behörde zu arbeiten

Aha, der Ost -IM sehr wohl ein Denunziant und wird bestraft .Gnade keine!

Wurde der IM nicht auch von einer Behörde geführt und handelte im Auftrag?

Vielleicht kann mir einer von Euch den Unterschied erklären, was ein guter Spitzel oder schlechter Spitzel pardon V-Mann oder IM ist bzw.war.

Ist so ein V-Mann oder IM nicht ein Spion im mini, mini, mini, Format? Bekamen beide nicht Anweisungen?

Dazu fällt mir noch der Gute Westspion ein, im Gegensatz zum bösen Kundschafter der DDR.

Dabei wurden schon in der Bibel Kundschafter eingesetzt, allerdings im Auftrag eines anderen Herrn.
(DAS BUCH JOSUA (Jos 2-7))

Wieso fällt mir da zweierlei Maß ein?


Damals87 und LO-Wahnsinn haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.04.2014 17:41 | nach oben springen

#139

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 18:03
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Eijeijei......diese leidige Diskussion um die IM's. Ehrlich gesagt, ich kann die eine Seite verstehen, aber auch die andere. Für mich als Wessi stellt sich das so da: Es gab IM's, die aus irgendwelchen Gründen auch immer Informationen weitergeben haben, auch, um gewisse Leute zu schützen( siehe Ehle/ Herzberg). Find ich jetzt nicht soooo schlimm..........Und es gab Leute, die sich selbst gedingt oder wie auch immer gezwungen wurden, z.B. die eigene Ehefrau auszuspionieren( siehe Wollenberger oder wie die hieß)......also so was find ich extrem Scheiße! Aber mal Hand auf's Herz.....wenn heute ein Kollege gleich zum Chef rennt, um Sachen, die du gesagt hast, gleich weiterzugeben, dann ist er zwar kein IM, aber nicht weniger verabscheuungswürdig.......!


Intellektuelle spielen Telecaster
LO-Wahnsinn, turtle und hexenmeister67 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.04.2014 18:04 | nach oben springen

#140

RE: Informelle Mitarbeiter

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 29.04.2014 18:13
von Merkur | 1.023 Beiträge

Zitat von Hufklaus im Beitrag #87
Zitat von Merkur im Beitrag #82
Zitat von KARNAK im Beitrag #40
Ich habe das schon oft geschrieben und wurde dafür kritisiert,aber ich sage es noch einmal,sie waren Werkzeuge,wurden benutzt von den Handwerkern.


Genau diese (wenigen) gewissenlosen Gesellen mit einer solchen Einstellung haben ab 1989 und danach ihre IM, als sie sie nicht mehr brauchten um Prämien, Beförderungen und sonstige Vergünstigungen einzustreichen, wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen oder schlimmer noch, verraten.
Nur gut zu wissen, dass die große Masse der IM-führenden Mitarbeiter ihre IM nicht als Werkzeug betrachtet hat.


Nur für Dich, @Merkur , weil ich den sprühenden Hass Deines Posts empfunden habe, Dir aber nicht übel nehme!

Klaus.



Nein Hufklaus, "sprühenden Hass" empfinde ich nicht.
Ich könnte nur nicht damit leben, einen Menschen, dessen Schicksal mir anvertraut ist, als "Werkzeug" zu betrachten. Es wäre für mich auch unvorstellbar, einen Menschen, den ich für eine bestimmte Aufgabe geworben habe und der diese in meinem Sine realisiert hat, zum "Werkzeug" zu degradieren. Die Krönung dessen ist dann der Verrat. Dieser erklärt sich aber, wenn der Mensch zum "Werkzeug" gemacht wird.



zuletzt bearbeitet 29.04.2014 18:31 | nach oben springen


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