#1

Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 00:02
von Batrachos | 1.549 Beiträge

Hallo @all

War es möglich das man seine Arbeitsstelle in der DDR einfach so wechseln konnte um was besseres zu machen?
Wenn ja wo bekam man Stellenangebote her? Standen diese in der Zeitung?
Konnte man einfach so kündigen und sich was neues in einer anderen Stadt suchen,so wie es heute der Fall ist?
Hatte man auch eine Kündigungsfrist?
Wie sahen Bewerbungen damals aus?
Wer kann helfen?

MFG Batrachos


Drosseln sind Vögel. Sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei!!
Motorradfahren ist das schönste, was man angezogen machen kann.
45° ist das zu schräg-bist du zu schwach
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#2

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 00:40
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Batrachos im Beitrag #1
Hallo @all
@ Batrachos
War es möglich das man seine Arbeitsstelle in der DDR einfach so wechseln konnte um was besseres zu machen?
Wenn ja wo bekam man Stellenangebote her? Standen diese in der Zeitung?
Konnte man einfach so kündigen und sich was neues in einer anderen Stadt suchen,so wie es heute der Fall ist?
Hatte man auch eine Kündigungsfrist?
Wie sahen Bewerbungen damals aus?
Wer kann helfen?

MFG Batrachos

@Batrachos
Einfach so war nicht drinne ,- aber mit Mut und Spucke ging es doch !

Ich bin 1970, nach dem Wehrdienst ,- in die damals angesagte sozialistische zZuieferindustrie gewechselt ,- das war o.k. und wurde durch die Politik problemlos gefördert.
Dummerweise hab ich damals die allergrößte Liebe meines Lebens kennengelernt ,- und ab da war echtes Geldverdienen angesagt .
Es gab in Gera einen Betrieb - da wurden ( für damals ) gute Löhne gezahlt !
Allerdings gab es für diesen Betrieb einen Einstellungsstopp!
Eine mir wohlgesonnene Person vom Amt für Arbeit ( so hiess das Damals wohl ? ) gab mir den Tipp ,- fristlos in der Zulieferindustrie zu kündigen - und damit wäre ich arbeitslos und der auserwählte Betrieb ( der Leute suchte , aber nicht einstellen durfte ) müsste mich dann nehmen !

Ich habs getan ,- und tatsächlich bekanm ich die Stelle als Automateneinrichter in einer halbautomatischen Montagelinie - mit dem augenzwinkernden Hinweis - das man mir die Stelle garnicht hätte geben dürfen - weil damals gerade der Walter Ulbricht die Zulieferindustrie als Hebel des NÖS entdeckt hatte ....
Hab ich nie bereut....

( Und jetzt bin ich besoffen und geh in die Heiah ,- muss morgen wieder für meinen Erzbischof fit sein ) Gute N8


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
zuletzt bearbeitet 22.04.2014 00:44 | nach oben springen

#3

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 00:46
von Batrachos | 1.549 Beiträge

Zitat von Ostlandritter im Beitrag #2
Zitat von Batrachos im Beitrag #1
Hallo @all
@ Batrachos
War es möglich das man seine Arbeitsstelle in der DDR einfach so wechseln konnte um was besseres zu machen?
Wenn ja wo bekam man Stellenangebote her? Standen diese in der Zeitung?
Konnte man einfach so kündigen und sich was neues in einer anderen Stadt suchen,so wie es heute der Fall ist?
Hatte man auch eine Kündigungsfrist?
Wie sahen Bewerbungen damals aus?
Wer kann helfen?

MFG Batrachos

@Batrachos
Einfach so war nicht drinne ,- aber mit Mut und Spucke ging es doch !

Ich bin 1970, nach dem Wehrdienst ,- in die damals angesagte sozialistische zZuieferindustrie gewechselt ,- das war o.k. und wurde durch die Politik problemlos gefördert.
Dummerweise hab ich damals die allergrößte Liebe meines Lebens kennengelernt ,- und ab da war echtes Geldverdienen angesagt .
Es gab in Gera einen Betrieb - da wurden ( für damals ) gute Löhne gezahlt !
Allerdings gab es für diesen Betrieb einen Einstellungsstopp!
Eine mir wohlgesonnene Person vom Amt für Arbeit ( so hiess das Damals wohl ? ) gab mir den Tipp ,- fristlos in der Zulieferindustrie zu kündigen - und damit wäre ich arbeitslos und der auserwählte Betrieb ( der Leute suchte , aber nicht einstellen durfte ) müsste mich dann nehmen !

Ich habs getan ,- und tatsächlich bekanm ich die Stelle als Automateneinrichter in einer halbautomatischen Montagelinie - mit dem augenzwinkernden Hinweis - das man mir die Stelle garnicht hätte geben dürfen - weil damals gerade der Walter Ulbricht die Zulieferindustrie als Hebel des NÖS entdeckt hatte ....
Hab ich nie bereut....

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Was heißt NÖS?

MFG Batrachos


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#4

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 00:46
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ja man konnte wechseln. Habe es selbst gemacht.

In Berlin gab es z.B. am Haupteingang von Betrieben großflächige Tafeln mit Stellenangeboten.

Ja, es gab auch Stellennzeigen in Zeitungen.

Erfolgreiche Bewerbungen waren nicht abhängig von "Selbstdarstellungen" in Bewerbungsmappen, sondern von Rücksprachen der jeweiligen Kaderabteilungen.

Ich habe das nur auf der Schnelle aus der Sicht des "Initiativ" - Bewerbers geschrieben.

Die Erfahrungen als Personalerin nach der Wende waren verblüffend. Ich habe nicht selten Lebensläufe von Bewerbern mit DDR - Vergangenheit auf dem Tisch gehabt. Von der Wiege bis zur Bahre in einem Betrieb war selten. Es wurden zum Teil ca. 6 Arbeitgeber nachgewiesen . Ich gebe zu meist bei Bewerbern aus Berlin (persönliche Erfahrung kurz nach der Wende). Als ehemaliger DDR-Bürger hatte man einen Blick für evtl. "Delegierungen". Bei Vorstellungsgesprächen habe ich das eine oder andere Mal nachgefragt - der häufigste angegebene Grund für einen Wechsel war mehr Kohle oder das Arbeitsklima.

LG von der Moskwitschka

EDIT


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zuletzt bearbeitet 22.04.2014 00:50 | nach oben springen

#5

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 01:05
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Batrachos im Beitrag #3
Zitat von Ostlandritter im Beitrag #2
Zitat von Batrachos im Beitrag #1
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Einfach so war nicht drinne ,- aber mit Mut und Spucke ging es doch !

Ich bin 1970, nach dem Wehrdienst ,- in die damals angesagte sozialistische zZuieferindustrie gewechselt ,- das war o.k. und wurde durch die Politik problemlos gefördert.
Dummerweise hab ich damals die allergrößte Liebe meines Lebens kennengelernt ,- und ab da war echtes Geldverdienen angesagt .
Es gab in Gera einen Betrieb - da wurden ( für damals ) gute Löhne gezahlt !
Allerdings gab es für diesen Betrieb einen Einstellungsstopp!
Eine mir wohlgesonnene Person vom Amt für Arbeit ( so hiess das Damals wohl ? ) gab mir den Tipp ,- fristlos in der Zulieferindustrie zu kündigen - und damit wäre ich arbeitslos und der auserwählte Betrieb ( der Leute suchte , aber nicht einstellen durfte ) müsste mich dann nehmen !

Ich habs getan ,- und tatsächlich bekanm ich die Stelle als Automateneinrichter in einer halbautomatischen Montagelinie - mit dem augenzwinkernden Hinweis - das man mir die Stelle garnicht hätte geben dürfen - weil damals gerade der Walter Ulbricht die Zulieferindustrie als Hebel des NÖS entdeckt hatte ....
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Was heißt NÖS?

MFG Batrachos


NÖS = Neues ökonomisches System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft ... oder so ähnliches Quark...


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#6

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 07:06
von furry | 3.576 Beiträge

Zitat von Batrachos im Beitrag #1
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Wenn auch das öffentliche Angebot von Stellen sehr dosiert und zweckgebunden erfolgte, hat sich die Landwirtschaft einen kleinen Trick einfallen lassen. In der wöchentlich erschienen Neuen Deutschen Bauernzeitung (DBZ) annoncierten LPGen etwa wie folgt:
Bieten Einfamilienhaus, Entfernung zur Kreisstadt 15 km, Kindergarten, Schule und Arzt im Ort. Betrieb mit 400 Kühen, 100 Sauen und 500 Mastschweinen. LPG Rote Rübe, Kleinposemuckel. (Seltener mit Chiffrenummer)
Da konnte man dann anrufen, um zu erfahren, um was es denn konkret geht.
Meinen letzten Job in der DDR habe ich auch auf diesem Weg gefunden. EFH mit Garten und kleinem Stall für individuelle Tierhaltung für ca. 35 Mark Miete. Gesucht wurde ein Produktionsleiter und stellv. Vorsitzender in einer Person in einem Betrieb vorrangig mit Rindermast, für meine Frau gab es ein Job in der Buchhaltung. Zuvor war ich in der Zentrale eines Kombinates. Über meine Kündigung dort war man zwar nicht erfreut, in einigen Gesprächen wollte man mich auch umorientieren, was zwecklos war, und so zog ich von dannen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#7

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 07:24
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Man konnte ganz normal kündigen und woanders anfangen.
Es gab Stellen die waren begehrt, nannte man Erbpfründe weil die meist betriebsintern mit Verwandten und guten Bekannten besetzt wurden, Betriebshandwerker z.B.
Ansonsten gab es damals auch Personalleiter wo man mal fragen konnte wenn einem der Sinn nach Veränderung stand, glaube die "Wir stellen ein"-Schilder hingen auch vor den VEB-Toren.


zuletzt bearbeitet 22.04.2014 07:25 | nach oben springen

#8

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 10:13
von turtle | 6.961 Beiträge

Es ging manchmal auch anders. Nach meiner Haftentlassung wegen Republikflucht bekam ich Arbeit im Rahmen der kollektiven Erziehung im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk von der Abteilung Inneres zugewiesen. Nichts mit raussuchen. Das war 1965 . Allerdings habe ich da nach einem Jahr gekündigt und mir etwas anderes gesucht.


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#9

RE: Arbeitssuche in der DDR

in Leben in der DDR 22.04.2014 10:16
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zum Thema fallen mir spontan drei Begriffe ein, die damals überall zu hören waren
1. Keine Leute, keine Leute, hier wurde die ewige Personalnot in den Betrieben kurz und prägnant auf den Punkt gebracht und mancher Mißstand beim Service/ Kundendienst entschuldigt. Es war damals auch verpönt, wenn Betriebs- oder Kaderleiter potentielle Stellensuchende mit Ferienplätzen oder Wohnungen ködern wollten. Die öffentlichen Suchanfragen vor den Betriebstoren nach Personal hat es wohl gegeben, ich kann mich noch an die Suchanfragen nach Lokputzern im Bw Halle G erinnern, weil ich mich darüber geärgert hatte, daß ich dort nicht als Ferienarbeiter herankam, statt dessen landete ich in meinen Schulferien für drei Wochen immer bei der Mitropa.
Dort wiederum wurde ich auch als 14jähriger angesprochen, ob das nicht auch etwas für später hätte werden können.
2. mit dem einschränkenden Begriff aus der nicht berufstätigen Bevölkerung hat man ehrenhalber signalisiert, niemanden Arbeitskräfte abjagen zu wollen, es war so etwas wie eine fair- play- Ansage, wobei diese Formulierung mir damals in den Tageszeitungen schon aufgefallen war, weil es irgendwie komisch klang, da es ja eine Arbeitspflicht gab (Assiparagraf), wie gesagt war das meine Sichtweise damals.
Um eine bessere Stelle zu bekommen konnte man mit einem familiär bedingten Umzug, z. B. durch Heirat anderswo recht komfortabel gleich noch eine Verbesserung der Einkommensverhältnisse herbeiführen, sofern die Qualifikation anerkannt wurde.
In einer solchen Situation befragte ich einmal eine Drehscheibenwärterin, wie sie es ins Bahnbetriebswerk verschlagen hatte.
Sie sagte, daß sie alle ortsansässigen Betriebe Holzbude- ACZ (Agrochemisches Zentrum) und Romonta abgeklappert hat und sie sich dann für die Eisenbahn entschieden hatte, die boten die beste Wohnung an. Vom Beruf war sie Elektrikerin und somit nahezu überall einsetzbar, sie konnte sich sogar aussuchen, ob sie lieber in die Werkstatt wollte oder besser die offene Stelle im Betriebsdienst übernehmen wollte.
Normalerweise bedingt dieser Beruf, betriebsdienstlich betrachtet (Fahrdienstvorschrift), eine Spezialausbildung (B und V...Betrieb und Verkehr der DR) aber selbst das hat man unbürokratisch gemeistert.
3. die Schwedter Initiative "weniger produzieren mehr" beweist, wie kritisch trotz der geburtenstarken Jahrgänge die Personalsituation in der DDR war, dabei hätte man diese Initiative einfach nur bis zur letzten Konsequenz durchziehen müssen, statt dessen hatte wohl jeder Betriebsdirektor Angst um jede eingesparte VBE (Vollbeschäftigteneinheit), da sie anderswo dann fehlen könnte.
Hier wäre ein bißchen mehr Kommandowirtschaft sogar hilfreich gewesen, die Ressourcen besser einzusetzen, allerdings wäre eine Versetzung in die 200 km entfernte Zweigstelle im Sozialismus nicht so einfach gewesen wie heute, wo das im Weigerungsfall eine verhaltensbedingte Kündigung nach sich ziehen würde.
So gesehen waren zaudende Betriebsdirektoren wiederum dem humanistischen Ansatz verpflichtet, daß der Mensch im Mittelpunkt steht und somit trotz aller ökonomischen Rückständigkeit heutigen Managern um Jahrhunderte voraus, das ist aber schon wieder ein anderes Thema.



zuletzt bearbeitet 22.04.2014 11:00 | nach oben springen



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