#1

Als es im Sommer schneite

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.08.2009 17:51
von Detlef05 (gelöscht)
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Wie ich mich schon vorstellte, heiße ich Detlef und komme aus der Nähe von Magdeburg. Dort lebe ich mit meiner 2. Frau Christine zusammen in einem schönen Häuschen. Durch Zufall habe ich diese Seite gefunden und freue mich nun auf interessante Berichte von früher und auch jetzt. Das Dienen an der Grenze war nicht immer einfach.

Es hat schon bei der Musterung begonnen. Ich sollte unbedingt für 3 Jahre gehen, wollte aber nicht. Man sagte mir, ich müsse ja für meinen Bruder mitgehen, da er ausgemustert wurde. Somit seien 3 Jahre gerechtfertigt. Ich sagte nur, "Mein Bruder macht auch nichts für mich". Da wurde ich erstmal rausgeschmissen.

Es dauerte dann nicht lange und ich bekam meinen Einberufungsbefehl. Morgens um halb vier durften wir alle antreten und dann gings los. Aber wie sowas ablief, wißt ihr ja alle selbst. Angekommen wurden wir gefragt, wer denn eine Fahrerlaubnis hätte. Da gingen die Finger hoch, in der Hoffnung, sie bekämen einen fahrbaren Untersatz für die anderthalb Jahre. Ich hatte zum Glück nur Mopedfahrerlaubnis und habe mich auch nicht gemeldet. Es war dann nämlich so, daß alle die eine Fahrerlaubnis besaßen einen Rasenmäher (zum Schieben) bekamen. Ihr wißt schon die Dinger, je schneller man schiebt, desto besser schneiden Sie. Da war ich froh, daß ich dann mein Zimmer besichtigen durfte und die "Glücklichen" durften den Sportplatz mähen.

Meine Aufgabe in der PIK 24 war es, mit den anderen, Zäune an der Grenze zu bauen. Dazu wurden wir als Grenzpioniere ausgebildet. Den ganzen Tag waren wir im Wald (am Kanten) Wir bekamen dann einen Großauftrag zum Asbesthrohre schneiden, die auf die Mauern angebracht wurden. Den ganzen Tag waren wir am Schneiden. Wenn ihr in meine Bildergalerie schaut, seht ihr den Wald. Dieser war dann durch das Asbest weiß wie eine Winterlandschaft. Aber gesundheitlich ging es uns gut, denn es wurde vorgesorgt, wir bekamen jeden Tag jeder einen Kasten MilchWas kann uns denn da noch passieren. So ging das Wochenlang, aber ich scheine es gut verkraftet zu haben. Heutzutage huste ich glaube ich nur vom Rauchen. Wie schädlich das alles war, habe ich erst nach der Wende erfahren, als man überall Asbestplatten nur noch mit Mundschutz abbaute und mit Vorsichtsmaßnahmen. Das hat es damals nicht gegeben. Wir hatten ja unsere Milch. Die Menschen müssen nur mehr Milch trinken, um gesund zu bleiben. Unsere Schwarzkombis, die wir anhatten sahen abends aus, wie weiße Müllerjacken und Müllerhosen. Da hätte niemand vermutet, daß da ein Soldat lang geht.

Ich hatte es wirklich nicht leicht an der Grenze. Mir wurde des öfteren der Urlaub gestrichen, weil ich mir die Unterhosen abschnitt, weil meine Kragenbinde nicht gewaschen war und weil man mich mal beim Schnaps schmuggeln erwischt hat. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich bekam noch nicht mal Urlaub, als ich dann Vater geworden bin, nein halt, doch 1 Tag Sonderurlaub.

Das solls für heute erstmal gewesen sein. Ich möchte ja noch viel schreiben. Einmal hat sich hoher Besuch angesagt, der liebe Erich. Das war vielleicht ein Theater. Aber dazu mehr. Schön, Euch gefunden zu haben. Grüße auch von meiner Frau, die manchmal mit dem Kopf schüttelt, was da so alles los war, wenn man Soldat wurde. Sie hat dann immer Angst um ihren Sohn, der Berufssoldat ist bei den Panzern. Aber dazu später mal mehr. Ich freue mich auf ein Treffen in Marienborn. Wer noch eine Unterkunft braucht, bitte melden. Mehr als 20 muß ein Armeezelt mitgebracht werden. Gruß Herbert


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#2

RE: Als es im Sommer schneite

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.08.2009 18:04
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Ja Herbert,das klingt nicht gut,hoffentlich ist deine Lunge nicht am A....,wenn ich das mal so formulieren darf.



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#3

RE: Als es im Sommer schneite

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.08.2009 18:32
von Detlef05 (gelöscht)
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Ich denke mal nicht, mußten doch zu DDR-Zeiten oft zum Lungenröntgen. Ich denke mal mit dem Asbest wird mehr Tara gemacht, als es überhaupt ist. Bei mir zuhause hab ich mein Dach noch aus Asbest. Oder ich bins gewohnt. Bringt man mich an wirklich gute Kurluft, dann reiße ich vielleicht die Hufe hoch. Ich brauche Schmutz


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#4

RE: Als es im Sommer schneite

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.08.2009 20:09
von NPKCA (gelöscht)
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Hallo Detlef05,

schön dass du hierher gefunden hast. Du hast sicher auch ne Menge mitgemacht. Bin gespannt, was du zu berichten hast. Aus unserer Kompanie wurde einer zu den Pionieren strafversetzt. Er war für den Grenzdienst nicht mehr zugelassen- warum weiß ich nicht mehr. Ich habe ihn dann nochmal getroffen als seine Kompanie unser Kasernengelände neu einzäunte. Er war recht zufrieden mit dem geregelten Arbeitstag und keine Schichten mehr. Sein Vorgesetzter war wohl auch ziemlich locker drauf. Wahrscheinlich auch ein lebendes Vorkommnis.


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#5

RE: Als es im Sommer schneite

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.08.2009 21:27
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Detlef05
Wir bekamen dann einen Großauftrag zum Asbesthrohre schneiden, die auf die Mauern angebracht wurden. Den ganzen Tag waren wir am Schneiden. Wenn ihr in meine Bildergalerie schaut, seht ihr den Wald. Dieser war dann durch das Asbest weiß wie eine Winterlandschaft.

Hallo Herbert und willkommen!

ich fand Deine Geschichte sehr interessant und moechte mehr dazu hoeren, was zum "realen" Leben das fuer Dich so war.


Einige Fragen zum Zitat oben.

Wozu habt Ihr die Asbestrohre auf die Mauer angebracht ?
Ich habe nie mit Asbest gearbeitet, wie ist das, dass alles wie weiss angestrichen ausgesehen hat ?

Und die letzte Frage: Wozu sollte die Milch gut sein ? War das rein psychologisch ?

Danke!
Berliner


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#6

RE: Als es im Sommer schneite

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.08.2009 18:49
von Detlef05 (gelöscht)
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Hallo Berliner, ich versuche mal 2 Bilder anzuhängen, die zeigen sollen den Platz wo die Rohre geschnitten worden sind. (1.Bild)
Das (2.) Bild zeigt die Mauer, wie sie aufgebaut wurde von uns.
Der Wald wurde dadurch weiß, weil wir die Rohre geschnitten haben und der Staub sich im ganzen Wald verteilte. Es fühlte sich nicht besonders gut an. Im Hals hat es immer gekratzt und trocken war er ständig. Deshalb sicherlich die viele Milch. Was sie genau bewirken sollte, hat uns nie jemand wirklich gesagt. NUr: "Ist für die Gesundheit".
Ob ich nun wirklich dadurch einen Knacks in der Lunge habe, weiß ich nicht so genau. Heute werden alte Asbesthäuser und Dächer nur mit Schutzanzügen und Masken abgebaut. Also muß es doch schon sehr gefährlich sein. Vielleicht habe ich auch nur Glück gehabt, daß ich noch nicht krank bin. Die Rohre dienten dazu, daß falls jemand flüchten will, er sich nirgends festhalten konnte. Die Rohre hatten einen Durchmesser von 60 cm. Da konnte sich niemand festhalten. Kluge
Es war auch nicht leicht an diese Mauer ranzukommen. Da war ein Streifen, der war 5 km breit. Direkt vor der Mauer war ein K 6 Streifen. ca. 15 m breit je nach Gelände. Der wurde täglich mit einem Traktor gepflügt und glatt gemacht, damit jede Spur, die den Streifen betreten haben zu sehen ist. Ob nun ein Hase, Igel oder Mensch. Man hat alles gesehen. Wenn Spuren zu sehen waren (Menschenspuren) dann wurde Alarm ausgelöst. Und Wiesen wurden immer gemäht auch zwischen den Zäunen. Wir arbeiteten oftmals und wurden von der anderen Seite dabei beobachtet und fotografiert. Wir durften aber nicht reagieren. Manchmal schmissen sie Zigaretten und Kaugummis über die Zäune. Da bleib erst mal ruhig, aber Befehl war Befehl. Der BGS hatten jeden von uns im Visir, haben uns auf Schritt und Tritt beobachtet, um an Daten von uns zu kommen. Wir durften ja groß nichts sagen, meistens haben wir uns nur mit Spitznamen angeredet und der BGS hat Bilder gemacht von jedem und sie in ein großes Bilderbuch reingeklebt mit den Spitznamen, die sie von uns erfahren haben. Das Buch haben sie uns mal gezeigt und da hat man gesehen, daß unsere Spitznamen darunter standen unter den Fotos und manchmal haben sie uns mit Namen gerufen :" Du bist ja auch wieder dabei heute", aber wir durften ja nie antworten. Das war ganz schön anstrengend. Wir hatten ja beim Bauen der Zäune und Anlagen immer Wachschutz 2 links, 2 rechts, egal, wie wir uns bewegt haben, an unserer Seite von unseren Grenztruppen. Die wurden extra abgestellt, wenn wir in den Abschnitt gefahren sind zum Bauen. Man konnte ja nicht einfach hin und herlaufen, wie auf der Straße. Ging streng nach Vorschrift Abschnitt für Abschnitt. Mehr wieder dazu später. Muß mir leider den Computer mit meinem Frauchen teilen Herbert

Angefügte Bilder:
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