#1

Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 02:13
von Batrachos | 1.549 Beiträge

Hallo @all,

könnt ihr euch noch daran erinnern wann ihr das erste mal als AGT richtig Angst hattet?
Sei es damals im GAR oder danach im Grenzdienst.
Was war das für eine Situation als euch das Herz in die Hose rutschte? Und wie habt ihr die Situation gemeistert?
Möchte auch gleichzeitig ehemalige NVA Angehörige,VP-Angehörige und ehemalige Bundeswehrangehörige
fragen ob sie sich noch daran erinnern können wo sie das erste mal richtig Angst hatten bei einer Situation und welche das war.
Auf Eure ehrlichen Antworten bin ich gespannt.

MFG Batrachos


Drosseln sind Vögel. Sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei!!
Motorradfahren ist das schönste, was man angezogen machen kann.
45° ist das zu schräg-bist du zu schwach
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#2

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 02:27
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Batrachos im Beitrag #1
Hallo @all,

könnt ihr euch noch daran erinnern wann ihr das erste mal als AGT richtig Angst hattet?
Sei es damals im GAR oder danach im Grenzdienst.
Was war das für eine Situation als euch das Herz in die Hose rutschte? Und wie habt ihr die Situation gemeistert?
Möchte auch gleichzeitig ehemalige NVA Angehörige,VP-Angehörige und ehemalige Bundeswehrangehörige
fragen ob sie sich noch daran erinnern können wo sie das erste mal richtig Angst hatten bei einer Situation und welche das war.
Auf Eure ehrlichen Antworten bin ich gespannt.

MFG Batrachos


So richtig Angst am Kanten?
Keine Ahnung, die größte imaginäre Angst hatte ich um meine junge Familie das wir alles umschiffen was so ist und noch auf uns zukommt, war ja auch eine blöde Zeit wo es richtig nach Atomkrieg roch und man lebte halt in einer Diktatur wo du auch immer etwas vorsichtig sein musstest.
Das da an der Grenze hatte man eigentlich selbst so weit militärisch im Griff, die AK war eine gute Waffe.


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zuletzt bearbeitet 08.04.2014 02:30 | nach oben springen

#3

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 09:18
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Angst an der Grenze gab es nicht, hatten ja einen Hund (Hündchen) dabei.



Echte Sorgen, wenn nicht sogar etwas Angst, gab es dann in den 70-ern, als es um Pershing II und SS 20 ging,
Wettrüsten in einer neuen Dimension.
Es klang in den Medien oft so, als wäre es bereits 10 vor 12 .


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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zuletzt bearbeitet 08.04.2014 09:19 | nach oben springen

#4

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 09:38
von turtle | 6.961 Beiträge

Nachdem man mich bei meinem 1.Fluchtversuch bereits im Sperrgebiet verhaftet hatte und danach 18 Monate im "Hotel ohne Klinken"
verbringen musste ,hatte ich bei meinem 2. Fluchtversuch richtig Angst im Sperrgebiet . Als ich die Grenzanlagen vor mir sah ,war die Angst komischerweise wie weg geblasen. Ich bewegte mich wie automatisch weiter. Kein Ruf hätte mich jetzt noch gestoppt. Verwundung durch Stacheldraht spürte ich erst nach dem ich wusste ,dass ich es geschafft habe.
Das zweite mal hatte ich Angst als wir mit dem Schiff in einem schweren Sturm gerieten und die Rettungsweste schon griffbereit lag.


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#5

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 11:57
von GKUS64 | 1.606 Beiträge

Hallo erstmal,

in den ersten Nächten im Grenzdienst hatte man schon manchmal ein mulmiges Gefühl. Ich erinnere mich an ein Rascheln im Unterholz und dann kamen Schritte auf uns zu. Wir verhielten uns ganz still. Nach kurzer Zeit lachte der PF und klärte mich auf: "Das war ein Igel im Laub, klingt als ob ein Mensch sich nähert." Ich beruhigte mich wieder und war um eine Grenzererfahrung reicher.

Ein prickelndes Gefühl hatte ich auch bei folgendem Erlebnis:

Unfug im Dienst an der Grenze :-) (10)


MfG heute angstfrei

GKUS64


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zuletzt bearbeitet 08.04.2014 12:06 | nach oben springen

#6

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 14:44
von Gelöschtes Mitglied
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Angst in der ersten Grenznacht
In Dingelstedt, in der Ausbildung wurden wir begrüßt vom Kompaniechef – Leutnant – mit den Worten, „Es war schon immer ein Glück in die erste Kompanie zukommen“, entsprechend war der Drill ein halbes Jahr lang.
In Hötensleben angekommen am ersten Tag, nach zwei Stunden, Grenzbesichtigung am Tag und gegen 18Uhr das Gleiche noch einmal, jedoch in den Abendstunden.
Um 22Uhr begann meine erste Nachtschicht im letzten Abschnitt von Hötensleben, im Haidholz. Wir hatten vom Absitzen vom LO noch ca. 300-400m zu laufen. Das ablösende Postenpaar kam uns entgegen. Alles OK, keine Vorkommnisse, es war ein fliegender Wechsel.
Hatten wir so einen Wechsel in der Ausbildung gelernt, NEIN. Am Postenplatz angekommen machte mein Postenführer Meldung im Führungsbunker – keine besonderen Vorkommnisse.
Was nun kam, kann ich nicht wieder vergessen und in mir brach eine Welt zusammen.
Er übergab mir den Grenzmeldehörer und sagte, dass ich mich nun alle 20-30min im Führungsbunker melden sollte. So, und jetzt lege ich mich ins Gras zum Schlafen. Wir haben gestern im Grenzgebiet und dann weiter auf dem Zimmer Abschied gefeiert. Ich bin tot müde. Er trete sich herum und legte sich hinter den Panzerbunker in das Gras und schlief fast drei Stunden.
Ich fand keine Worte.
Wie hatte man uns vorbereitet auf den Grenzdienst, die Notwendigkeit, die Wichtigkeit, die Aufmerksamkeit. Jetzt die Realität, in der ersten Nacht, alles wie vom Erdboden verschwunden.
Ich kann nicht mehr aufzählen, was mir alles so durch den Kopf gegangen ist. Ich kauerte vor den Panzerbunker mich ins Gras, von Müdigkeit keine Spur, nur Angst und Bangen, dass keine Streife und kein Flüchtling kommen würde. Was war das für eine Dienstauffassung?.
Ich zitterte am ganzen Körper, die Waffe griffbereit an der Hüfte. Wollte oder konnte ich überhaupt schießen, so einsam und verlassen, nur ab und zu Windgeräusche.
War es nun von ihm ein Test, wie ich mich allein verhalten würde oder wollte er selbst das Weite suchen, all das und jenes ging mir durch den Kopf. Mit zitternder Stimme machte ich meine Meldungen im Führungsbunker, Gott sei Dank keine weiteren Rückfragen.
Ich hatte ganz einfach große Angst in dieser ersten Nacht.
Er kam dann nach ca. drei Stunden verschlafen wieder auf mich zu und wir unterhielten uns, über Gott und die Welt.
Eine Situation, die man nicht wieder vergisst.


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#7

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 15:12
von Kamikaze | 23 Beiträge

Hallo!
Angst am Kanten hatte ich nicht, da ich in der Küche war. Aus der Ausbildung fällt mir was ein. Wir hatten Panzernahbekämpfung und da mußte man ja in die 1 Mann Grube, ok. Panzer drüber aber als er über der Grube stehen blieb und anfing zu drehen wurde mir doch anders.


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#8

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 15:20
von Kamikaze | 23 Beiträge

[quote="Kamikaze"|p345532]Hallo!
Angst am Kanten hatte ich nicht, da ich in der Küche war. Aus der Ausbildung fällt mir was ein. Wir hatten Panzernahbekämpfung und da mußte man ja in die 1 Mann Grube, ok. Panzer drüber aber als er über der Grube stehen blieb und anfing zu drehen wurde mir doch anders. Als die Erde so langsam reinrieselte und dann in diesem dunklen Loch, da kam Angst in mir hoch. Es war zwar bloß Übung aber für mich eine bleibende Erinnerung.
Gruß Kamikaze


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#9

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 15:50
von Duck | 1.741 Beiträge

Ein erstes ungutes Gefühl hatte ich in einer Nachschicht, wo uns vorher unser KC drauf hingewiesen hat, das von der benachbarten russischen Einheit ein Soldat flüchtig ist und eine Waffe und unbestimmte Menge an Mumpe mit sich führte. Zum Glück wollte er nicht bei uns übern Zaun.
Das zweite ungute Gefühl war kurz vor dem Mauerfall so Ende Oktober 89 keiner wusste so richtig wie sich die Zivilbevölkerung uns gegenüber verhalten würde, zum Glück waren die *Rhönis* ein genügsames Völkchen.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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zuletzt bearbeitet 10.04.2014 10:42 | nach oben springen

#10

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 17:59
von der koch | 39 Beiträge

Angst? Nö, aber mulmig war mir als Neuer in der Ausbildung auf Hinterlandwache in der Nacht.
Wenn es dunkel und alles ruhig ist hört sich jedes Geräusch extrem laut an.
Doch, ich glaube schon, da war auch ein wenig Angst dabei, das da jemand kommt, der da nicht hingehört.



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#11

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 19:02
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von Bahndamm 68 im Beitrag #6
Angst in der ersten Grenznacht
In Dingelstedt, in der Ausbildung wurden wir begrüßt vom Kompaniechef – Leutnant – mit den Worten, „Es war schon immer ein Glück in die erste Kompanie zukommen“, entsprechend war der Drill ein halbes Jahr lang.
In Hötensleben angekommen am ersten Tag, nach zwei Stunden, Grenzbesichtigung am Tag und gegen 18Uhr das Gleiche noch einmal, jedoch in den Abendstunden.
Um 22Uhr begann meine erste Nachtschicht im letzten Abschnitt von Hötensleben, im Haidholz. Wir hatten vom Absitzen vom LO noch ca. 300-400m zu laufen. Das ablösende Postenpaar kam uns entgegen. Alles OK, keine Vorkommnisse, es war ein fliegender Wechsel.
Hatten wir so einen Wechsel in der Ausbildung gelernt, NEIN. Am Postenplatz angekommen machte mein Postenführer Meldung im Führungsbunker – keine besonderen Vorkommnisse.
Was nun kam, kann ich nicht wieder vergessen und in mir brach eine Welt zusammen.
Er übergab mir den Grenzmeldehörer und sagte, dass ich mich nun alle 20-30min im Führungsbunker melden sollte. So, und jetzt lege ich mich ins Gras zum Schlafen. Wir haben gestern im Grenzgebiet und dann weiter auf dem Zimmer Abschied gefeiert. Ich bin tot müde. Er trete sich herum und legte sich hinter den Panzerbunker in das Gras und schlief fast drei Stunden.
Ich fand keine Worte.
Wie hatte man uns vorbereitet auf den Grenzdienst, die Notwendigkeit, die Wichtigkeit, die Aufmerksamkeit. Jetzt die Realität, in der ersten Nacht, alles wie vom Erdboden verschwunden.
Ich kann nicht mehr aufzählen, was mir alles so durch den Kopf gegangen ist. Ich kauerte vor den Panzerbunker mich ins Gras, von Müdigkeit keine Spur, nur Angst und Bangen, dass keine Streife und kein Flüchtling kommen würde. Was war das für eine Dienstauffassung?.
Ich zitterte am ganzen Körper, die Waffe griffbereit an der Hüfte. Wollte oder konnte ich überhaupt schießen, so einsam und verlassen, nur ab und zu Windgeräusche.
War es nun von ihm ein Test, wie ich mich allein verhalten würde oder wollte er selbst das Weite suchen, all das und jenes ging mir durch den Kopf. Mit zitternder Stimme machte ich meine Meldungen im Führungsbunker, Gott sei Dank keine weiteren Rückfragen.
Ich hatte ganz einfach große Angst in dieser ersten Nacht.
Er kam dann nach ca. drei Stunden verschlafen wieder auf mich zu und wir unterhielten uns, über Gott und die Welt.
Eine Situation, die man nicht wieder vergisst.



@Bahndamm 68 ...bitte das bunte Gepinsel unterlassen... Farbtöpfe nutzen hier nur die Admins


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#12

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 19:16
von Hansteiner | 1.406 Beiträge

Angst - ich bin auch der Meinung, daß es mehr ein mulmiges Gefühl war.
Da fallen mir 2 Sachen ein, einmal die VGS W. Weinholt (75) und ein Jahr später der Beschuss aus dem westl.Vorfeld in Wahlhausen.

Die beiden Sachen waren die "schlimmsten" in meiner Zeit.

VG H.



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#13

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 19:41
von Gelöschtes Mitglied
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Angst oder auch Schiss, hatte ich als ich mit den Stellv. Regimenter raus fahren musste, wo es hieß 2 Iwans(Su-Soldaten) sind in Richtung Grenze unterwegs( alles was sie tragen konnten, an Waffen und Muni dabei) und er sagte Gefreiter sie bleiben hier im P3 sitzen und halten die Stellung, ich mache den Kontrollgang. Schön in der Dämmerung in den P3 sitzen, hätten mich schon kilometerweit gesehen. Ich nur den Kopf ein gezogen und die Kaschi umklammert! Aber zum Glück, sind sie wo anders durch! Das 2 Mal ging mir der Ar.... auf Grundeis, als ich im 2 Diensthalbjahr mit einen EK als Beifahrer im G5- Tanker unterwegs zu den GK war und er sagte" Weißt du wie schnell ein G5 bergab läuft, einfach Gummigang rein und ab geht der Peter! Ach was ich noch sagen wollte wir haben hinten auf den beiden Achsen jeweils einen Platten" und das mit 4000 Liter VK im Rücken! Ist alles gut gegangen, aber wo wir unten waren ,habe ich im gesagt was er für großes Ar...loch ist! Das waren für mich die Sachen die vergisst man nie!
Grüsse Steffen52


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#14

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 19:58
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Nun gut, nochmal nachgedacht, manchmal ging einem schon der Arsch auf Grundeis da am Strich in der Nacht, besonders im stockfinsterem Wald wo du auf dem Rückweg zu Fuß vom Turm in die GK so ca. 1km durchlaufen musstest und man, wenn kein Mond war, wirklich nicht die Hand vor Augen sah, manchmal gab es als Zugabe auch noch dicke Nebelbrühe, war so ein Gefühl wie in dem Film der Hund von Baskerville, die alte Schwarzweiß-Version und der nächste Posten war satte 4 Kilometer weg, also konntest du singen "allein allein".
Das war schon speziell und da hatte ich auch richtig Angst.


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zuletzt bearbeitet 08.04.2014 20:04 | nach oben springen

#15

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 20:12
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von Bahndamm 68 im Beitrag #6
Angst in der ersten Grenznacht
In Dingelstedt, in der Ausbildung wurden wir begrüßt vom Kompaniechef – Leutnant – mit den Worten, „Es war schon immer ein Glück in die erste Kompanie zukommen“, entsprechend war der Drill ein halbes Jahr lang.
In Hötensleben angekommen am ersten Tag, nach zwei Stunden, Grenzbesichtigung am Tag und gegen 18Uhr das Gleiche noch einmal, jedoch in den Abendstunden.
Um 22Uhr begann meine erste Nachtschicht im letzten Abschnitt von Hötensleben, im Haidholz. Wir hatten vom Absitzen vom LO noch ca. 300-400m zu laufen. Das ablösende Postenpaar kam uns entgegen. Alles OK, keine Vorkommnisse, es war ein fliegender Wechsel.
Hatten wir so einen Wechsel in der Ausbildung gelernt, NEIN. Am Postenplatz angekommen machte mein Postenführer Meldung im Führungsbunker – keine besonderen Vorkommnisse.
Was nun kam, kann ich nicht wieder vergessen und in mir brach eine Welt zusammen.
Er übergab mir den Grenzmeldehörer und sagte, dass ich mich nun alle 20-30min im Führungsbunker melden sollte. So, und jetzt lege ich mich ins Gras zum Schlafen. Wir haben gestern im Grenzgebiet und dann weiter auf dem Zimmer Abschied gefeiert. Ich bin tot müde. Er trete sich herum und legte sich hinter den Panzerbunker in das Gras und schlief fast drei Stunden.
Ich fand keine Worte.
Wie hatte man uns vorbereitet auf den Grenzdienst, die Notwendigkeit, die Wichtigkeit, die Aufmerksamkeit. Jetzt die Realität, in der ersten Nacht, alles wie vom Erdboden verschwunden.
Ich kann nicht mehr aufzählen, was mir alles so durch den Kopf gegangen ist. Ich kauerte vor den Panzerbunker mich ins Gras, von Müdigkeit keine Spur, nur Angst und Bangen, dass keine Streife und kein Flüchtling kommen würde. Was war das für eine Dienstauffassung?.
Ich zitterte am ganzen Körper, die Waffe griffbereit an der Hüfte. Wollte oder konnte ich überhaupt schießen, so einsam und verlassen, nur ab und zu Windgeräusche.
War es nun von ihm ein Test, wie ich mich allein verhalten würde oder wollte er selbst das Weite suchen, all das und jenes ging mir durch den Kopf. Mit zitternder Stimme machte ich meine Meldungen im Führungsbunker, Gott sei Dank keine weiteren Rückfragen.
Ich hatte ganz einfach große Angst in dieser ersten Nacht.
Er kam dann nach ca. drei Stunden verschlafen wieder auf mich zu und wir unterhielten uns, über Gott und die Welt.
Eine Situation, die man nicht wieder vergisst.


Ja Bahndamm 68,so war das bei uns. Raucherinsel 1Komp.
Das haste gesehen,wenn du aus dein Stubenfenster geschaut hast.
Greso


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#16

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 20:16
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Greso im Beitrag #15
Zitat von Bahndamm 68 im Beitrag #6
Angst in der ersten Grenznacht
In Dingelstedt, in der Ausbildung wurden wir begrüßt vom Kompaniechef – Leutnant – mit den Worten, „Es war schon immer ein Glück in die erste Kompanie zukommen“, entsprechend war der Drill ein halbes Jahr lang.
In Hötensleben angekommen am ersten Tag, nach zwei Stunden, Grenzbesichtigung am Tag und gegen 18Uhr das Gleiche noch einmal, jedoch in den Abendstunden.
Um 22Uhr begann meine erste Nachtschicht im letzten Abschnitt von Hötensleben, im Haidholz. Wir hatten vom Absitzen vom LO noch ca. 300-400m zu laufen. Das ablösende Postenpaar kam uns entgegen. Alles OK, keine Vorkommnisse, es war ein fliegender Wechsel.
Hatten wir so einen Wechsel in der Ausbildung gelernt, NEIN. Am Postenplatz angekommen machte mein Postenführer Meldung im Führungsbunker – keine besonderen Vorkommnisse.
Was nun kam, kann ich nicht wieder vergessen und in mir brach eine Welt zusammen.
Er übergab mir den Grenzmeldehörer und sagte, dass ich mich nun alle 20-30min im Führungsbunker melden sollte. So, und jetzt lege ich mich ins Gras zum Schlafen. Wir haben gestern im Grenzgebiet und dann weiter auf dem Zimmer Abschied gefeiert. Ich bin tot müde. Er trete sich herum und legte sich hinter den Panzerbunker in das Gras und schlief fast drei Stunden.
Ich fand keine Worte.
Wie hatte man uns vorbereitet auf den Grenzdienst, die Notwendigkeit, die Wichtigkeit, die Aufmerksamkeit. Jetzt die Realität, in der ersten Nacht, alles wie vom Erdboden verschwunden.
Ich kann nicht mehr aufzählen, was mir alles so durch den Kopf gegangen ist. Ich kauerte vor den Panzerbunker mich ins Gras, von Müdigkeit keine Spur, nur Angst und Bangen, dass keine Streife und kein Flüchtling kommen würde. Was war das für eine Dienstauffassung?.
Ich zitterte am ganzen Körper, die Waffe griffbereit an der Hüfte. Wollte oder konnte ich überhaupt schießen, so einsam und verlassen, nur ab und zu Windgeräusche.
War es nun von ihm ein Test, wie ich mich allein verhalten würde oder wollte er selbst das Weite suchen, all das und jenes ging mir durch den Kopf. Mit zitternder Stimme machte ich meine Meldungen im Führungsbunker, Gott sei Dank keine weiteren Rückfragen.
Ich hatte ganz einfach große Angst in dieser ersten Nacht.
Er kam dann nach ca. drei Stunden verschlafen wieder auf mich zu und wir unterhielten uns, über Gott und die Welt.
Eine Situation, die man nicht wieder vergisst.


Ja Bahndamm 68,so war das bei uns. Raucherinsel 1Komp.
Das haste gesehen,wenn du aus dein Stubenfenster geschaut hast.
Greso

@Greso, wie so Raucherinsel? Durftet ihr auf der Bude nicht rauchen? Für die Zeit eigentlich ungewöhnlich! Oder ist das ein Scherz von dir?
Grüsse Steffen52


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#17

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 20:32
von Gelöschtes Mitglied
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Ja Bahndamm 68,so war das bei uns.

Raucherinsel 1Komp.

Das haste gesehen,wenn du aus dein Stubenfenster geschaut hast.
Greso
@Greso, wie so Raucherinsel? Durftet ihr auf der Bude nicht rauchen? Für die Zeit eigentlich ungewöhnlich! Oder ist das ein Scherz von dir?
Grüsse Steffen52
Das Gruppenbildchen stammt das aus Hötensleben? und wo war die Raucherinsel, sprich Zelte, war es eventuell in Tanne?
Gruß Bahndamm 68


Greso hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 20:38
von Greso | 2.377 Beiträge

@Steffen 52,ich mache keinen Scherz.Das war 1965 in Dingelstedt,und wir durften nicht im Zimmer , nicht auf den Fluren und nicht auf dem kompletten Gelände rauchen.Nur auf diesem kleinen Fleck wo wir stehen und rauchen.Wir hatten ja kaum Zeit.
Das war an der Grenze ganz das Gegenteil.
Gruß Greso


zuletzt bearbeitet 09.04.2014 20:38 | nach oben springen

#19

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 20:46
von Greso | 2.377 Beiträge

@

Zitat von Bahndamm 68 im Beitrag #17
Ja Bahndamm 68,so war das bei uns.

Raucherinsel 1Komp.

Das haste gesehen,wenn du aus dein Stubenfenster geschaut hast.
Greso
@Greso, wie so Raucherinsel? Durftet ihr auf der Bude nicht rauchen? Für die Zeit eigentlich ungewöhnlich! Oder ist das ein Scherz von dir?
Grüsse Steffen52
Das Gruppenbildchen stammt das aus Hötensleben? und wo war die Raucherinsel, sprich Zelte, war es eventuell in Tanne?
Gruß Bahndamm 68

@Bahndamm68,Das ist die Raucherinsel der 1Komp.in Dingelstedt.Die Zelte die standen auf der kleinen Sturmbahn,(gut das Foto ist von 1965)die wurden dort nur gelüftet und gereinigt für das nächste Winterlager.
Greso


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#20

RE: Das erste mal richtig Angst gehabt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.04.2014 21:06
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von exgakl im Beitrag #11
Zitat von Bahndamm 68 im Beitrag #6
Angst in der ersten Grenznacht
In Dingelstedt, in der Ausbildung wurden wir begrüßt vom Kompaniechef – Leutnant – mit den Worten, „Es war schon immer ein Glück in die erste Kompanie zukommen“, entsprechend war der Drill ein halbes Jahr lang.
In Hötensleben angekommen am ersten Tag, nach zwei Stunden, Grenzbesichtigung am Tag und gegen 18Uhr das Gleiche noch einmal, jedoch in den Abendstunden.
Um 22Uhr begann meine erste Nachtschicht im letzten Abschnitt von Hötensleben, im Haidholz. Wir hatten vom Absitzen vom LO noch ca. 300-400m zu laufen. Das ablösende Postenpaar kam uns entgegen. Alles OK, keine Vorkommnisse, es war ein fliegender Wechsel.
Hatten wir so einen Wechsel in der Ausbildung gelernt, NEIN. Am Postenplatz angekommen machte mein Postenführer Meldung im Führungsbunker – keine besonderen Vorkommnisse.
Was nun kam, kann ich nicht wieder vergessen und in mir brach eine Welt zusammen.
Er übergab mir den Grenzmeldehörer und sagte, dass ich mich nun alle 20-30min im Führungsbunker melden sollte. So, und jetzt lege ich mich ins Gras zum Schlafen. Wir haben gestern im Grenzgebiet und dann weiter auf dem Zimmer Abschied gefeiert. Ich bin tot müde. Er trete sich herum und legte sich hinter den Panzerbunker in das Gras und schlief fast drei Stunden.
Ich fand keine Worte.
Wie hatte man uns vorbereitet auf den Grenzdienst, die Notwendigkeit, die Wichtigkeit, die Aufmerksamkeit. Jetzt die Realität, in der ersten Nacht, alles wie vom Erdboden verschwunden.
Ich kann nicht mehr aufzählen, was mir alles so durch den Kopf gegangen ist. Ich kauerte vor den Panzerbunker mich ins Gras, von Müdigkeit keine Spur, nur Angst und Bangen, dass keine Streife und kein Flüchtling kommen würde. Was war das für eine Dienstauffassung?.
Ich zitterte am ganzen Körper, die Waffe griffbereit an der Hüfte. Wollte oder konnte ich überhaupt schießen, so einsam und verlassen, nur ab und zu Windgeräusche.
War es nun von ihm ein Test, wie ich mich allein verhalten würde oder wollte er selbst das Weite suchen, all das und jenes ging mir durch den Kopf. Mit zitternder Stimme machte ich meine Meldungen im Führungsbunker, Gott sei Dank keine weiteren Rückfragen.
Ich hatte ganz einfach große Angst in dieser ersten Nacht.
Er kam dann nach ca. drei Stunden verschlafen wieder auf mich zu und wir unterhielten uns, über Gott und die Welt.
Eine Situation, die man nicht wieder vergisst.



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