#1

Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 16:24
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Ich habe mal einige Fragen zu Ausländern und Doppel-Staatsbürgern in der DDR

Wie verhielt es sich für Kinder aus der Ehe eines eines NSW-Ausländers mit einem DDR-Bürger hinsichtlich
- Staatsbürgerschaft(en) und Reisemöglichkeit
- Zugehörigkeit zu FDJ und GST, vormilitärischer Ausbildung
- Berufswahl bzw. Studium
wenn die betreffende Familie dauerhaft in der DDR lebte?
Ich kenne einen solchen Fall persönlich, habe aber leider den Kontakt verloren, bevor ich die Fragen stellen konnte.

Hat da jemand Kenntnisse aus dem Bekanntenkreis



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#2

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 16:48
von Freienhagener | 3.862 Beiträge

Die Kinder wurden DDR-Bürger, ohne Besonderheiten.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 01.04.2014 16:49 | nach oben springen

#3

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 17:06
von 94 | 10.792 Beiträge

Oder auch nicht, dann gab's mit 14 den 'Perso' in rot.

Oder die Familie wählte ihren Wohnsitz gleich im NSW. Mir ist Chile oder Finnland als Beispiel 'bekannt'. Der 'Laufzettel' war übrigens der gleiche wie den Antragstellern, entsprechend auch hier oder da die amtlichen Reaktionen. Dort im NSW ruhte aber aber die eventuelle Mitgliedschaft in Massenorganisationen und/oder Parteien des DDR-Elternteils. Die Kinder (sofern DDR-Staatsbürgerschaft) hatten nun auch als Säugling schon den DDR-Reisepass. Doppelstaatsbürgerschaften waren mit dem Status der DDR-Staatsbürgerschaft mWn nicht vereinbar, sprich gab's nicht?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#4

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 17:16
von Freienhagener | 3.862 Beiträge

Eingangs steht ausdrücklich:
"wenn die betreffende Familie dauerhaft in der DDR lebte".


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#5

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 17:57
von 94 | 10.792 Beiträge

Upps, also da kenne ich nur den roten Perso, sprich die Aufenthaltgenemigung (Ausweise / Zeugnisse / Mitgliedsbücher aus DDR Zeiten #68) und als Kleinkind (oder sogar als Säugling schon) den Pass des 'Vaterlandes', allerdings wieder oT. Kenne da nur RGW-Fälle (UVR, VRB) tschuldschung, muß ich passen ...

Aber schon irgendwie komisch, in der DDR wollten die Mischehenelternteile nicht die DDR-Staatbürgerschaft für die Brut, im NSW degegen ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 01.04.2014 17:58 | nach oben springen

#6

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 18:49
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #1
Ich habe mal einige Fragen zu Ausländern und Doppel-Staatsbürgern in der DDR

Wie verhielt es sich für Kinder aus der Ehe eines eines NSW-Ausländers mit einem DDR-Bürger hinsichtlich
- Staatsbürgerschaft(en) und Reisemöglichkeit
wenn die betreffende Familie dauerhaft in der DDR lebte?
Ich kenne einen solchen Fall persönlich, habe aber leider den Kontakt verloren, bevor ich die Fragen stellen konnte.


Deine Fragen dürften sich weitgehend aus dem damals gültigen Staatsbürgerschaftsgesetz der DDR beantworten lassen.
Guckst Du hier:
http://www.verfassungen.de/de/ddr/staatsbuergerschaft67.htm

Nach meiner (laienhaften) Gesetzeskenntnis entsprach dieses DDR-Gesetz weitgehend den damals auch in der Bundesrepublik
gültigen Staatsangehörigkeitsgesetz, was sich allerdings heute in wesentlichen Punkten geändert hat.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 01.04.2014 18:56 | nach oben springen

#7

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 18:50
von eisenringtheo | 9.173 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #3
Oder auch nicht, dann gab's mit 14 den 'Perso' in rot.

(...) Doppelstaatsbürgerschaften waren mit dem Status der DDR-Staatsbürgerschaft mWn nicht vereinbar, sprich gab's nicht?

Nichts und niemand kann jemanden zwingen, seine Staatsbürgerschaft aufzugeben. Ein Staat kann aber seinen Bewohnern per Gesetz die Staatsbürgerschaft geben. Das war offenbar in der DDR der Fall und so gab es relativ viele Doppelbürger
http://db.dodis.ch/digitalObject/153350
Ich hatte in einem Reservistendienst einen Vorgesetzten, Oberleutnant H. einen Doppelbürger Schweiz-DDR, der eigens für den Dienst aus der DDR angereist war. Er musste dafür im Gegenzug nicht in der NVA dienen. Was da in den Köpfen der Verantwortlichen vorging war und ist mir ein Rätsel: Die Verantwortlichen der DDR, dass sie ihn in die Schweiz gelassen haben und Verantwortlichen der Schweiz, dass sie ihn sogar noch zur Offiziersausbildung aufgeboten haben.
In der Einheit gab es die wildesten Gerüchte, ob das wohl ein Spion sei...
Theo


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#8

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 18:52
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Genosse oder Eidgenosse?
Beides?


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#9

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 19:30
von Freienhagener | 3.862 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #5

Aber schon irgendwie komisch, in der DDR wollten die Mischehenelternteile nicht die DDR-Staatbürgerschaft für die Brut, im NSW degegen ...


In der DDR wegen der Reisefreiheit (ist doch klar, oder?).
Nach der Wende, als sich das Problem der Reisefreiheit erledigt hatte, nahmen die meisten die deutsche (BRD) Staatsbürgerschaft an.

Im Westen war in alter Tradition der Vater ausschlaggebend (Das entsprechende "Mutterrecht" gabs erst später, soviel ich weiß) bzw. die deutsche Staatsbürgerschaft attraktiver als viele Andere.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 01.04.2014 19:35 | nach oben springen

#10

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 19:43
von Gert | 12.354 Beiträge

die DDR Staatsbürgerschaft war ja wohl das unattraktivste, was man auf der Welt erreichen konnte ( @Bürger der DDR sei nachsichtig mit mir), es ist so als wenn man vor dem Landgericht den Richterspuch " lebenslänglich " bekommt.
Als ich nach meiner Selbstausbürgerung einige Tage in der Bundesrepublik war, sagte mir doch so ein Vollpfosten auf dem Amt für das Einwohnmeldewesen, sie sind doch Österreicher ( wegen meines Geburtsortes) ich schaute ihn erstaunt an und sagte wenn sie mir das vor einer Woche verbindlich gesagt hätten und mir auch einen österreichischen Pass ausgestellt hätten, hätte ich sie vor Freude umarmt bis sie blau werden. Dann hätte ich mich in Erfurt nur in den Zug nach FFM setzen müssen und in Gerstungen noch mal tschüss und winke winke gemacht.
Soviel zu Staatsbürgerschaften.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#11

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.04.2014 20:30
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #10
die DDR Staatsbürgerschaft war ja wohl das unattraktivste, was man auf der Welt erreichen konnte ( @Bürger der DDR sei nachsichtig mit mir), es ist so als wenn man vor dem Landgericht den Richterspuch " lebenslänglich " bekommt.
Als ich nach meiner Selbstausbürgerung einige Tage in der Bundesrepublik war, sagte mir doch so ein Vollpfosten auf dem Amt für das Einwohnmeldewesen, sie sind doch Österreicher ( wegen meines Geburtsortes) ich schaute ihn erstaunt an und sagte wenn sie mir das vor einer Woche verbindlich gesagt hätten und mir auch einen österreichischen Pass ausgestellt hätten, hätte ich sie vor Freude umarmt bis sie blau werden. Dann hätte ich mich in Erfurt nur in den Zug nach FFM setzen müssen und in Gerstungen noch mal tschüss und winke winke gemacht.
Soviel zu Staatsbürgerschaften.


Ach @Gert , das ist Dein subjektives Empfinden. Da braucht es keiner Nachsicht

Ein jeder von uns hat die Vergangenheit andsers erlebt und beurteilt darüber die Zeit auch anders.


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 02.04.2014 12:44
von Freienhagener | 3.862 Beiträge

Das ist eine Frage der Gewohnheit.
Wer Freizügigkeit gewohnt ist, für den war das besonders unattraktiv.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#13

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 02.04.2014 13:14
von grenzgänger81 | 968 Beiträge

Es ist garnicht so lange her ,da standen sich unsere Vaeter und Großvaeter mit Kanonen und Gewehren gegenüber und nichts haette sie davon abgehalten nicht in den Krieg zu ziehen .
Wie waren doch die vollmundign Sprüche......für Führer Volk und Vaterland ......
Heute kann ich mich in Litauen in das Auto setzten und wenn ich will bis Portugal los ziehen.
Bei allen Unzulänglichkeiten,das moechte ich auch nicht verschweigen,darüber darf man streiten und sollte es auch und wird nicht gleich in Schutzhaft genommen.
Es gibt immer noch Menschen ,die sich damit nicht abfinden wollen und können weil ihre Welt in der sie leben immer noch so klein geblieben ist und auf keinen Fall etwas aendern soll.


Freienhagener hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.04.2014 14:04 | nach oben springen

#14

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 02.04.2014 14:38
von damals wars | 12.172 Beiträge

Ein Problem gab es für die DDR Botschaften, wenn die ausgewanderten DDR-Mütter mit ihren in der DDR geborenen Kindern in ihre Heimat zurück wollten.
Was konnten, was durften sie tun, wenn die Frauen feststellten, dass das Leben als "weiße Massai" doch nicht so erstrebenswert war.
Und sie Zweit- und Dritt- Frau waren.
Das begann mit Algerien und hörte bei Cuba nicht auf.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
zuletzt bearbeitet 02.04.2014 14:47 | nach oben springen

#15

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 02.04.2014 16:25
von Barbara (gelöscht)
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zur gesetzlichen Verankerung der DDR-Staatsbürgerschaft folgender interessanter Spiegel-Artikel aus 1967:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46394440.html

Andere Deutsche

Auszug:
[...] Dabei stand der Gesetzentwurf bereits sechs Jahre lang in der Parteiführung zur Debatte: Erstmals 1961 ließ die SED in einem Beitrag der Ost-Berliner Zeitschrift "Neue Justiz" öffentlich erklären, daß die Fragen der Staatsbürgerschaft im geteilten Deutschland "dringend einer speziellen Untersuchung durch unsere Völkerrechtswissenschaft bedürfen". Und noch im gleichen Jahr erschien zum erstenmal in einer Regierungsverordnung (über den Besitz von Personalausweisen) statt der Bezeichnung "deutsche Staatsangehörige" die Wendung "Bürger der DDR einschließlich ihrer Hauptstadt".

Formell aber blieben damals noch für die DDR -- wie heute noch für die Bundesrepublik -- die Bestimmungen des Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1913 und seine Ergänzung von 1934 in Kraft, die bislang trotz des Zerfalls des Deutschen Reiches allen Deutschen eine einheitliche, "deutsche", Staatsangehörigkeit sicherten. Unkorrigiert blieb auch Artikel 1 der DDR-Verfassung von 1949, der unter anderem bestimmt: "Es gibt nur eine deutsche Staatsangehörigkeit."

Gleichwohl mühten sich Regierung wie Staatsrat der DDR während der folgenden Jahre zielstrebig darum, eine De-facto-Staatsbürgerschaft der DDR zu etablieren. In allen Verordnungen und Gesetzen war fortan nur noch von "Bürgern der DDR" die Rede, zu denen Walter Ulbricht erstmals im Juli 1963 auch alle in den Westen geflüchteten früheren DDR-Bewohner zählte. Ulbricht damals:" Sie alle sind auch heute noch Bürger der Deutschen Demokratischen Republik."

In einem Erlaß mit Gesetzeskraft unterschob der DDR-Staatsrat ein Jahr darauf, am 21. August 1964, dieser Behauptung ein juristisches Fundament: Ehemalige DDR-Bewohner wurden amtlich als "Bürger der Deutschen Demokratischen Republik" eingestuft*.[...]


Interessant der letzte Satz.


Auch weiterlesen lohnt sich....


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#16

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 02.04.2014 16:51
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #15
zur gesetzlichen Verankerung der DDR-Staatsbürgerschaft folgender interessanter Spiegel-Artikel aus 1967:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46394440.html

Andere Deutsche

Auszug:
[...] Dabei stand der Gesetzentwurf bereits sechs Jahre lang in der Parteiführung zur Debatte: Erstmals 1961 ließ die SED in einem Beitrag der Ost-Berliner Zeitschrift "Neue Justiz" öffentlich erklären, daß die Fragen der Staatsbürgerschaft im geteilten Deutschland "dringend einer speziellen Untersuchung durch unsere Völkerrechtswissenschaft bedürfen". Und noch im gleichen Jahr erschien zum erstenmal in einer Regierungsverordnung (über den Besitz von Personalausweisen) statt der Bezeichnung "deutsche Staatsangehörige" die Wendung "Bürger der DDR einschließlich ihrer Hauptstadt".

Formell aber blieben damals noch für die DDR -- wie heute noch für die Bundesrepublik -- die Bestimmungen des Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1913 und seine Ergänzung von 1934 in Kraft, die bislang trotz des Zerfalls des Deutschen Reiches allen Deutschen eine einheitliche, "deutsche", Staatsangehörigkeit sicherten. Unkorrigiert blieb auch Artikel 1 der DDR-Verfassung von 1949, der unter anderem bestimmt: "Es gibt nur eine deutsche Staatsangehörigkeit."

Gleichwohl mühten sich Regierung wie Staatsrat der DDR während der folgenden Jahre zielstrebig darum, eine De-facto-Staatsbürgerschaft der DDR zu etablieren. In allen Verordnungen und Gesetzen war fortan nur noch von "Bürgern der DDR" die Rede, zu denen Walter Ulbricht erstmals im Juli 1963 auch alle in den Westen geflüchteten früheren DDR-Bewohner zählte. Ulbricht damals:" Sie alle sind auch heute noch Bürger der Deutschen Demokratischen Republik."

In einem Erlaß mit Gesetzeskraft unterschob der DDR-Staatsrat ein Jahr darauf, am 21. August 1964, dieser Behauptung ein juristisches Fundament: Ehemalige DDR-Bewohner wurden amtlich als "Bürger der Deutschen Demokratischen Republik" eingestuft*.[...]


Interessant der letzte Satz.


Auch weiterlesen lohnt sich....


@Barbara, dieser Rechtsakt der DDR von 1964 ist eine beispiellose Geiselnahme von etwa 3,9 Millionen Menschen. So viele sind seit dem 7.Oktober 1949, Gründungstag der DDR, aus diesem Staat geflüchtet. Keiner von denen legte Wert auf diese Staatsangehörigkeit Desweiteren ist es ein absolut unpatriotischer Akt gegen die eigene Nation. Ich interpretiere es als einen der vielen Unterwerfungsaktionen unter die Russen, die das letztendlich zu verantworten hatten.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 02.04.2014 16:52 | nach oben springen

#17

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 02.04.2014 17:06
von Barbara (gelöscht)
avatar

Zitat von Gert im Beitrag #16
Zitat von Barbara im Beitrag #15
zur gesetzlichen Verankerung der DDR-Staatsbürgerschaft folgender interessanter Spiegel-Artikel aus 1967:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46394440.html

Andere Deutsche

Auszug:
[...] Dabei stand der Gesetzentwurf bereits sechs Jahre lang in der Parteiführung zur Debatte: Erstmals 1961 ließ die SED in einem Beitrag der Ost-Berliner Zeitschrift "Neue Justiz" öffentlich erklären, daß die Fragen der Staatsbürgerschaft im geteilten Deutschland "dringend einer speziellen Untersuchung durch unsere Völkerrechtswissenschaft bedürfen". Und noch im gleichen Jahr erschien zum erstenmal in einer Regierungsverordnung (über den Besitz von Personalausweisen) statt der Bezeichnung "deutsche Staatsangehörige" die Wendung "Bürger der DDR einschließlich ihrer Hauptstadt".

Formell aber blieben damals noch für die DDR -- wie heute noch für die Bundesrepublik -- die Bestimmungen des Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1913 und seine Ergänzung von 1934 in Kraft, die bislang trotz des Zerfalls des Deutschen Reiches allen Deutschen eine einheitliche, "deutsche", Staatsangehörigkeit sicherten. Unkorrigiert blieb auch Artikel 1 der DDR-Verfassung von 1949, der unter anderem bestimmt: "Es gibt nur eine deutsche Staatsangehörigkeit."

Gleichwohl mühten sich Regierung wie Staatsrat der DDR während der folgenden Jahre zielstrebig darum, eine De-facto-Staatsbürgerschaft der DDR zu etablieren. In allen Verordnungen und Gesetzen war fortan nur noch von "Bürgern der DDR" die Rede, zu denen Walter Ulbricht erstmals im Juli 1963 auch alle in den Westen geflüchteten früheren DDR-Bewohner zählte. Ulbricht damals:" Sie alle sind auch heute noch Bürger der Deutschen Demokratischen Republik."

In einem Erlaß mit Gesetzeskraft unterschob der DDR-Staatsrat ein Jahr darauf, am 21. August 1964, dieser Behauptung ein juristisches Fundament: Ehemalige DDR-Bewohner wurden amtlich als "Bürger der Deutschen Demokratischen Republik" eingestuft*.[...]


Interessant der letzte Satz.


Auch weiterlesen lohnt sich....


@Barbara, dieser Rechtsakt der DDR von 1964 ist eine beispiellose Geiselnahme von etwa 3,9 Millionen Menschen. So viele sind seit dem 7.Oktober 1949, Gründungstag der DDR, aus diesem Staat geflüchtet. Keiner von denen legte Wert auf diese Staatsangehörigkeit Desweiteren ist es ein absolut unpatriotischer Akt gegen die eigene Nation. Ich interpretiere es als einen der vielen Unterwerfungsaktionen unter die Russen, die das letztendlich zu verantworten hatten.





Gert, lies mal den Artikel zuenden, die SU hatte wohl zunächst mal Bauchschmerzen....
.


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#18

RE: Ausländer und Doppel-Staatsbürger in der DDR

in Leben in der DDR 01.05.2014 13:07
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #2
Die Kinder wurden DDR-Bürger, ohne Besonderheiten.



Guten Tag,

nach dem «Staatsrechts»verständnis hatte jus soli (Nationalität nach dem Geburtsland) Vorrang vor jus sanguinis (Nationalität nach dem «Blut», also Eltern). Die Archive BStU geben Auskunft über die teilweise bitteren Konsequenzen dieser Rechtsauffassung, weil sie, im Gegensatz zu Regeln westlichen Staaten, gleichzeitig a priori ja auch durch die für DDR-Bürger geschlossenen Grenzen begleitet war. Der Erwerb einer zweiten Nationalität, so er dann in einem anderen Land - z. B. Vater, dort jus sanguinis automatisch passierte, konnte in der DDR nicht genutz werden.

Verschiedene Konsuln (z. B. der Schweiz) haben hier sehr hart kämpfen müssen mit DDR-Administrationen um ein minimum der Rechte aus der zweiten (nicht geliebten!) Nationalität für den DDR-Bürger zu bekommen.

Grundsätzlich ist aber auch in Westeuropa die doppelte Nationalität nicht die Regel -> Konvention von Strasbourg (1963) und Europarat (1963).

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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